Posts Tagged ‘Triebe’

David Holbrook, M.D.: ERGEBNISSE DER ZEITGENÖSSISCHEN NEUROWISSENSCHAFT UND PSYCHOTHERAPIE, DIE PARALLELEN ZUR ORGONOMISCHEN PERSPEKTIVE AUFWEISEN

22. Mai 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Ergebnisse der zeitgenössischen Neurowissenschaft und Psychotherapie, die Parallelen zur orgonomischen Perspektive aufweisen

 

Ein dritter Blick auf Reichs Triebtheorie (Teil 1)

18. Februar 2019

Im Editorial ihrer Zeitschrift Offshoots of Orgonomy No. 13 hat Lois Wyvell etwas geschrieben, was auf den zweiten Blick wenig Sinn macht, auf den sozusagen „dritten Blick“ jedoch schon: „Freud stellte die Hypothese auf, daß die tierischen Instinkte des Menschen antisozial sind und für das gesellschaftliche Leben unterdrückt und kontrolliert werden müssen, während Reich unsere Instinkte als weder gut noch böse an sich betrachtete, sondern so, daß, solange sie nicht frustriert werden, nur Gutes von ihnen ausgeht.“

Aus „guten“ primären Trieben werden durch Frustration „böse“ sekundäre Triebe, folglich sind die Triebe an sich gut und der Gegensatz zwischen Freud („Triebe an sich böse“) und Reich („Triebe an sich gut“), den Wyvell in Abrede stellt, ist gegeben.

Ein Schuh wird erst draus, wenn man von dem ausgeht, was wirklich spezifisch für Reich ist: die Orgasmustheorie. Es ist die übermäßige energetische Besetzung, die Triebe pathologisch macht. Entsprechend gibt es, Elsworth F. Baker zufolge, keine neurotische Äußerung, keine Perversion, wie abartig, widerlich und antisozial sie auch immer sein mag, die nicht eine „bloße“ Übertreibung primärer, natürlicher Triebregungen ist.

Die Frage, ob Triebe „gut“ oder „böse“ sind, ist eine moraltheologische, also irrationale Frage. Die Orgasmustheorie ist hingegen gleichbedeutend mit einer WISSENSCHAFTLICHEN Sichtweise.

Emotionen sprechen lauter als Worte (Teil 3)

1. Februar 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Emotionen sprechen lauter als Worte

 

Wilhelm Reich, Freudist

21. Oktober 2018

Freud glaubte, die unterschiedlichen Triebe seien streng voneinander isoliert und jeweils mit einem unabhängigen Eigenleben ausgestattet. Entsprechend betrachtete er sich selbst als eine Art Gärtner, der „Triebe“ zurechtstutzt bzw. als Unkraut gleich ganz ausmerzt. Reich hingegen betrachtete im Rahmen seiner 1923 erstmals ausformulierten Orgasmustheorie die Triebe als miteinander verbunden. Es seien „kommunizierende Röhren“, d.h. eine geregelte Sexualökonomie (gleich regelmäßige orgastische Entladung) sorgt dafür, daß etwaige archaische „böse Triebe“ (will sagen mißplazierte Triebe!) energetisch nicht besetzt sind.

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 3)

9. September 2018

Klaus Heimann (Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977, gepostet mit der freundlichen Genehmigung des Autors)

I. Die Spannungs-Ladungs-Funktion: 2. Die Entdeckung der Orgasmusfunktion

Wiederum war es klinische Beobachtung, die Reich einen Schritt weiterbrachte. Stand das Therapieziel der Herstellung der orgastischen Funktionsfähigkeit inzwischen fest, so blieb doch noch offen, wie dies zu erreichen sei. Die in der Behandlung durch Symptomauflösung freigesetzte seelische Energie, die bislang in den Symptomen gebunden war, reichte offenbar nicht aus, um die volle orgastische Funktion herzustellen. Die Kranken verloren zwar ihre Symptome, doch im Ganzen blieben sie gesperrt. Es drängte sich logischerweise die Frage auf, wo, außer in den neurotischen Symptomen sexuelle Energie gebunden ist. „Aufgrund der psychoanalytischen Neurosenlehre lag es nahe, die fehlende Energie für die Herstellung der vollen Orgasmusfähigkeit in den nichtgenitalen, also in den frühkindlichen prägenitalen Betätigungen und Phantasien zu suchen … Dadurch verschärfte sich die Anschauung, daß die einzelnen sexuellen Triebe nicht gesondert voneinander funktionieren, sondern eine Flüssigkeit in kommunizierenden Röhren, eine Einheit bilden. Es kann nur eine einheitliche Sexualenergie geben, die sich an verschiedenen erogenen Zonen und seelischen Vorstellungen zu befriedigen sucht.“1

Im Laufe der Entwicklung der Charakteranalyse2 fand Reich heraus, daß es der gesamte Charakter eines Patienten ist, der sich gegen die volle sexuelle Hingabe richtet und somit den Mechanismus darstellt, der alle Energie bindet. Bei der Charakteranalyse trat das, was die Patienten sagten, immer mehr in den Hintergrund. Wichtig wurde die Art und Weise, wie der Patient spricht und handelt; der Habitus des Patienten ist weit mehr Ausdruck seines Charakters als der Inhalt seiner Worte. Die einzelnen Charakterzüge sind voneinander abhängig und bilden zusammen ein einheitliches System der Abwehr gegen alle Emotionen, die als gefährlich empfunden werden. Die Gesamtheit und Starre des Abwehrsystems nannte Reich den Charakterpanzer. Dieser hat die Funktion, Unlust zu vermeiden. Bei der Untersuchung der Körperhaltungen, die die emotionalen Ausbrüche der Patienten begleiteten, zeigt sich, daß dem psychischen Panzer ein entsprechender somatischer Muskelpanzer gegenübersteht. Gab ein Patient in seiner seelischen Abwehrhaltung nach, brachen stets auch körperliche Affekte durch. Wurden umgekehrt muskuläre Verspannungen aufgelöst, so kam es zu Ausbrüchen von Wut, Haß, oder Angst oder auch zu sexueller Erregung. Das bedeutet, daß die sexuelle Energie durch dauernde muskuläre Spannungen gebunden werden kann und daß auch Lust und Angst durch muskuläre Spannungen abgebremst werden können. „Die charakterliche Panzerungen erscheinen nun als ‚funktionell identisch‘. Der Begriff ‚funktionell identisch‘ besagt nichts anderes, als das muskuläre und charakterliche Haltungen im seelischen Getriebe dieselbe Funktion haben, einander ersetzen und gegenseitig beeinflußt werden können. Im Grunde sind sie nicht zu trennen, in der Funktion identisch.“3 „Emotional“ bedeutet nicht mehr bloß etwas „Psychisches“, sondern meint die Bewegung von Energiepotentialen im Organismus.

Einen Todestrieb, wie ihn Freud einführte, fand Reich in der klinischen Praxis nicht bestätigt. Vielmehr erwiesen sich alle seelischen Äußerungen, die als Todestrieb gedeutet werden konnten, als Produkte der Neurose. Das Motiv der Destruktion, des Tötens, ist nicht die ursprüngliche Lust an Destruktion, sondern das Interesse des Lebenstriebes, Angst zu ersparen und das Gesamt-Ich zu erhalten. Der Destruktionstrieb will nicht Lust erzielen, sondern das Ich von Unlust befreien, somit tritt die Destruktion in den Dienst des Lebenstriebes. Ein Masochist, der phantasiert, gepeinigt zu werden, um zu zerplatzen, erhofft sich dadurch Entspannung. Man kann also sagen, daß auch der Masochist dem Lustprinzip folgt und nicht einen Leidenstrieb (Todestrieb) agieren läßt.4

Immer noch war die Frage unbeantwortet, welcher Natur die sexuelle Energie sei. Sie kann nicht auf irgendwelche chemischem Stoffe zurückgeführt werden, die in den Eierstöcken und Zwischendrüsen des Hodens produziert werden. Dem widersprach unter anderem die Tatsache, daß Kastration nach der Pubertät die Erregungsfähigkeit des Menschen nicht ausschaltet und er zum Geschlechtsakt fähig bleibt. Auch kann die sexuelle Erregung keinesfalls alleine identisch sein mit Blutbewegung, denn es gibt Blutfüllungen der Genitalorgane ohne eine Spur von Erregungsgefühl. Reich vermutete schließlich, daß es sich bei der gesuchten Energie um Bioelektrizität handele. Er berief sich auf den Berliner Internisten Kraus, der festgestellt hatte, daß der Körper von elektrischen Prozessen gesteuert wird. Auch der Orgasmus mußte ein bioelektrischer Vorgang sein. Bei der sexuellen Reibung wird in den beiden Körpern zunächst Energie aufgeladen, dann im Orgasmus wieder entladen.

„Untersucht man den Vorgang genauer, so entdeckt man einen merkwürdigen Viertakt des Erregungsablaufs: Die Organe füllen sich erst mit Flüssigkeit: Erektion mit mechanischer Spannung. Dies führt eine starke Erregung mit sich …, elektrischer Natur: Elektrische Ladung. Im Orgasmus baut die Muskelzuckung die elektrische Ladung beziehungsweise sexuelle Erregung ab: Elektrische Entladung. Dies geht über in eine Entspannung der Genitalien durch Abfluß der Körperflüssigkeit: Mechanische Entspannung.“5 Es ergibt sich als Spannungs-Ladungs-Funktion, auch Orgasmusformel genannt, der Viertakt:

SPANNUNG – LADUNG – ENTLADUNG – ENTSPANNUNG

Zur Überprüfung der Orgasmusformel untersuchte Reich die elektrischen Oberflächenladungen der menschlichen Haut an den erogenen Zonen im Zustand von Lust und Angst.6 Die Experimente schienen die bioelektrische Erklärung der Sexualenergie zu bestätigen. An den sexuellen Zonen wurden Schwankungen des Oberflächenpotentiale bis zu 50 MV gemessen. „Einzig und allein biologische Lust, die mit dem Empfinden des Strömens und der Wollust einhergeht, ergibt Steigerung der bioelektrischen Ladung. Alle anderen Erregungen, Schmerz, Schreck, Angst, Druck, Ärger, Depressionen gehen mit Erniedrigung der Oberflächenladung des Organums einher.“7

Gegen die Auffassung, bei der Bioelektrizität handele es sich um die bekannte bioelektromagnetische Energie (Elektrizität), wandte Reich mehrere Argumente ein. „Die elektromagnetische Energie bewegt sich mit Lichtgeschwindigkeit … Man beobachte nun die Art der Kurven und Zeitmaße, die die Bewegung der bioelektrischen Energie kennzeichnen, und man wird finden, daß der Charakter der Bewegungen der bioelektrischen Energie sich grundsätzlich von den bekannten Tempo- und Bewegungsarten der elektromagnetischen Energie unterscheidet. Die bioelektrische Energie bewegt sich außerordentlich langsam mit Millimettern in der Sekunde … Die Bewegungsform ist langsamwellig. Der Bewegungscharakter dieser biologischen Energie ähnelt den Bewegungen eines Darms oder einer Schlange … Man könnte zur Auskunft greifen, daß es der große Widerstand der tierischen Gewebe ist, der si Geschwindigkeit der elektrischen Energie im Organismus verlangsamt. Diese Auskunft ist unbefriedigend. Die Zuführung eines elektrischen Reizes am Körper wird augenblicklich empfunden und beantwortet.“8

Reich wies ferner darauf hin, daß Menschen feine Voltmeter durch Berühren beeinflussen. Aber die Quantitäten dieser Reaktion sind nach Reichs Auffassung im Verhältnis zu den Energieleistungen des menschlichen Organismus viel zu gering, als daß sie alleine dafür verantwortlich gemacht werden könnten. Also mußte nach eine andere, bislang unbekannte Energie die Grundlage der Bioelektrizität bilden.

Mit der Entdeckung der Orgasmusformel war aber der grundlegende Schritt zur Entdeckung dieser noch unerforschten Energie getan. Es zeigte sich, daß der Spannungs-Ladungsvorgang ebenfalls die Herzfunktion dirigiert. Ebenso folgen Darm, Harnblase und Lunge in ihrer Funktionsweise diesem Viertakt. Die Spannungs-Ladungsfunktion gilt für sämtliche Funktionen des autonomen Lebensapparates. Auch die Zellteilung unterliegt dieser Funktion. Die Teilung einer Zelle mit gespannter Oberfläche in zwei kleinere Zellen, bei denen der gleiche Volumeninhalt von einer weit größeren und daher weniger gespannten Oberflächenmembran umgeben ist, entspricht einer Spannungslösung.9 Ebenso folgen die Bewegungen von Würmern und Schlangen und Einzellern dem Rhythmus der Spannungs-Ladungsfunktion. „Ein Grundgesetz scheint also den Organismus als Ganzen ebenso wie seine autonomen Organe zu beherrschen. Die Gesamtorganismus zuckt im Orgasmus wie das Herz bei jedem Pulsschlag, Wir fassen mit unserer biologischen Grundformel den Kern des lebenden Funktionierens.“10 Die Orgasmusformel entpuppt sich somit als Lebensformel schlechthin. Der menschliche Organismus ist also am Höhepunkt der sexuellen Befriedigung im Grunde genommen nichts anderes als ein zuckender Plasmahaufen.

 

Fußnoten

  1. Reich, W. Die Entdeckung des Orgons – Die Funktion des Orgasmus, a.a.O. S. 101
  2. Eine ausführliche Darstellung der Charakteranalyse findet sich in: Reich, W. Charakteranalyse, Frankfurt 1973, S. 23 – 252
  3. Reich, W. Die Entdeckung des Orgons – Die Funktion des Orgasmus, a.a.O. S. 203
  4. Vgl. ebenda S. 189 – 193; u. Reich, W. Charakteranalyse, a.a.O., S, 213 – 253
  5. Reich, W. Die Entdeckung des Orgons – Die Funktion des Orgasmus a.a.O. S. 206
  6. Vgl. ebenda S. 278 – 286
  7. ebenda S. 284
  8. ebenda S. 288
  9. Vgl. ebenda S. 204 – 214
  10. Reich, W. Die Entdeckung des Orgons – Der Krebs, Frankfurt 1976, S. 29

Orgontherapie: ein Licht in der Finsternis

14. Juli 2017

Primäre Triebe kommen stets da heraus, wo sie sollen (bei a, b und c), sie werden sekundär, wenn sie bei d, e, f, g, h, i, j …. u, v, w, x, y, z herauskommen. Da dieser, wenn man so sagen kann, „falsche Abfluß“ immer noch eine gewisse Energieökonomie garantiert, kann man sekundäre Triebe als Selbstheilungsversuche des Organismus betrachten. Das Fatale ist nun, daß sie keine Befriedigung schenken und deshalb immer weiter ausufern. Der krankhafte Spieler, der erst aufhört, wenn er ruiniert ist, ist dafür ein Beispiel. Sekundäre Triebe geben also nur die Illusion kurativ zu sein, sind es aber nicht – im Gegenteil. Es muß darum gehen, sie einzuschränken und den Patienten beizubringen, die Angst auszuhalten, die der daraus resultierende Energiestau erzeugt. Je mehr der Patient es aushält, diese „Stauungsangst“ zu ertragen, desto mehr findet er auch den Mut durch die Barriere durchzubrechen die „a, b und c“ blockieren.

Ist aus Ausleben sekundärer Triebe stets zu unterbinden? Wie gesagt, bieten solche sekundären Triebäußerungen langfristig keine Befriedigung und bilden eine Spirale nach unten (totale Abpanzerung, Zusammenbruch oder Krebs), aber natürlich sind es partielle Energieentladungen, die zumindest kurzfristig eine gewisse Energieökonomie sichern. Es ist zwar ein Kunstfehler, den Patienten in seiner sekundären Triebäußerung zu unterstützen, aber es wäre auch verantwortungslos sie mir nichts dir nichts einzuschränken und so vielleicht einen psychotischen Zusammenbruch, einen Selbstmord oder eine „somatische Entladung“ (eine Biopathie) zu provozieren.

Das wichtigste ist aber, ihn niemals moralisch und menschlich zu verurteilen. Nur die Liebe kann heilen. Es ist nur die Frage, was man „liebt“. Reich hat das sehr gut in bezug auf die Wüste ausgedrückt: er hat sie liebengelernt, weil sie immer noch heroisch gegen den Tod ankämpft. Genauso kann man auch etwa einen einfach nur ekligen masochistischen passiven psychotischen Homosexuellen lieben, weil tief drinnen, entgegen einem Horror-Leben, doch noch irgendwie das Lebendige gegen den Tod ankämpft. Man liebt also nicht, á la relativistischem Multi-Kulti-Liberalismus, den Homosexuellen und seinen „alternativen Lebensstil“ oder sieht darin, á la manche „Reichianer“, den ersten Schub der Befreiung, sondern man liebt seine Kernfunktion und bewundert ihn, weil er weiterkämpft, da wo ich oder du bereits Selbstmord begangen hätten. Therapie bedeutet, diesen Kern zu sehen und ihn zu unterstützen und soweit wie möglich ins Leben zurückzurufen. Die Kakteen (die masochistischen und homosexuellen Perversionen) müssen dem frischen Gras weichen. Und um eine Wüste zu begrünen, begießt man nicht die Kakteen, aber man haut sie auch nicht einfach um, sondern man beschneidet sie nach und nach, um Platz für das grüne Gras zu machen, das man hegt und pflegt und nach Kräften begießt.

DER ROTE FADEN: Der Weg in den Kommunismus

3. April 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

rational/irrational

19. Juli 2016

In der Orgonomie gibt es keine Trennung zwischen dem Freudschen Primärvorgang (der ganz vom Lustprinzip bestimmt wird) und dem Sekundärvorgang (wo das Realitätsprinzip eingreift), zwischen den primären Gefühlen und der sekundären Ratio. Der Sekundärvorgang kann aus orgonomischer Sicht vollkommen irrational sein („Der Intellekt als Abwehrfunktion“, siehe Reichs Charakteranalyse), während der Primärvorgang Leitfaden eines rationalen Diskurses sein kann (Animismus, ozeanische Gefühle, orgonomischer Funktionalismus). Die Grenze zwischen rational und irrational ist die gleiche wie zwischen primären Trieben und sekundären Trieben. Psychoanalyse, Marxismus, etc. haben primäre Triebe und sekundäre Triebe vermengt und die Label rational bzw. irrational sowohl auf Äußerungen primärer als auch sekundärer Triebe verteilt. Zum Beispiel ist für die Psychoanalyse das ungepanzerte Kind in seiner Suche nach Lust irrational und muß an die rationale Realität angepaßt werden. Für den Marxismus ist die gesamte Geschichte des gepanzerten Menschentiers historisch-materialistisch notwendig und etwa die Trobriander, die diesen Prozeß nicht mitgemacht haben, irrationaler „Völkerschrott“, der ausgemerzt gehört, wenn er der Revolution im Wege steht (Engels). Zusammengefaßt kann man sagen, daß für die Orgonomie diese gesamte Zivilisation und ihre Wissenschaft verrückt ist, weil sie rational und irrational nicht trennen kann. Ein Kompliment, daß der Orgonomie dann spiegelverkehrt heimgezahlt wird: „Reich war verrückt“.

Siehe dazu auch Chronik der Orgonomie.

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel 2.d.

25. Oktober 2015

orgonometrieteil12

1. Zusammenfassung

2. Die Hauptgleichung

a. Die Auffächerung der Hauptgleichung

b. Kreiselwelle und Pulsation

c. Welle, Puls, Expansion und Kontraktion

d. Ladung und Entladung

Von Freud zu Reich (Teil 3)

19. Oktober 2015

In Massenpsychologie und Ich-Analyse hat Freud den psychoanalytischen Energiebegriff so formuliert:

Libido ist ein Ausdruck aus der Affektivitätslehre. Wir heißen so die als quantitative Größe betrachtete – wenn auch derzeit nicht meßbare – Energie solcher Triebe, welche mit all dem zu tun haben, was man als Triebe zusammenfassen kann. (Hervorhebung hinzugefügt)

Freud hat also Energie weitaus physikalischer und unmetaphorischer behandelt, als Wurmser glauben machen will, obwohl Wurmser die Tatsachen an einer Stelle seines Aufsatzes beiläufig durchblicken läßt:

Shope (…) hat vermutlich (sic!) recht, wenn er feststellt, daß Freud den Energiebegriff nicht als Metapher ansah, sondern als erklärendes Konstrukt; dies sollte uns nicht hindern, ihn kritisch neu auszuweiten – und ihn als nützlich in der ersteren, als äußerst zweifelhaft in der letzteren Bedeutung zu akzeptieren.

Immerhin macht Wurmser mit seinem im 2. Teil zitierten Hinweis, daß auch der Begriff der physikalischen Energie zunächst einen „metaphorischen“ („psychischen“, emotionalen) Gehalt hatte, verständlicher, wie Reich später z.B. von „erregter Energie“ sprechen konnte. Wobei natürlich für Reich Metaphern grundsätzlich „nur der Ausdruck einer Ahnung von der Existenz einer solchen Energie“ sind (Charakteranalyse, KiWi, S. 403).

Energie-Metaphern wie die der Psychoanalyse vergleicht Reich weiter mit den elektromagnetischen Wellen bei Maxwell, die zweifellos das gleiche sind, wie die elektromagnetischen Wellen bei Hertz, nur daß man die letzteren im Gegensatz zu ersteren praktisch anwenden kann. Es geht also nicht nur um den Schritt „von der Substanz zur Funktion“, sondern auch um den Schritt von bloßen Metaphern, über Konstrukte, hin zur überprüfbaren und anwendbaren Realität. Alles andere hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Freud hat das gewußt, Reich hat es verwirklicht. Mit diesem Vorbehalt weiter auf der Trasse, die Wurmser gelegt hat:

Was Reich von der Psychoanalyse und der Physik jeweils trennt (aber, wenn auch nur tangential, mit der Quantenmechanik verbindet), ist die Vereinigung der physikalischen und der psychoanalytischen Energie-Konzepte. Eine Verbindung, die Reich in seinen bioelektrischen Versuchen an der Universität von Oslo experimentell untermauert hat: Gefühle, finden nicht nur im Kopf statt (sind nicht nur Information, die von energetischen Prozessen getragen wird, die ansonsten nichts mit der Emotion zu tun haben), sondern sind auch energetische Vorgänge im Sinne der Physik.

Dieses Ineinanderfließen des Energiebegriffs der Psychoanalyse (den sie als Analogon aus der Physik entnommen hat) und der Physik (den sie seinerseits wieder unmittelbar aus dem Gefühlsleben abgeleitet hat) muß man sich ständig vor Augen halten, wenn man sich mit Orgonphysik beschäftigt. Ansonsten verfängt man sich nämlich in Bildern vom Orgon als einer Art „Sauce, die durch den Raum fließt“ und kehrt zu primitiven mechanischen Äther-Vorstellungen zurück; oder man vertritt „substanzlose“ Anschauungen, wie sie der Physiker Prof. Dr. Fritz Binder laut Siegfried Metzgers Diplomarbeit über den Orgonenergie-Akkumulator, Kritische Untersuchung eines biologistischen Energiebegriffs (FH Heilbron 1984), zum Ausdruck gebracht hat.

Binder vertritt die Auffassung, daß Reichs Entdeckungen sich nicht auf eine Energie, sondern auf „neuartige Informationsquellen“ bezogen, so daß man z.B. beim Orgonenergie-Akkumulator das Wechselspiel zwischen Subjekt und Objekt untersuchen sollte, anstatt seine Zeit damit zu verschwenden, nach einer neuen Energieform Ausschau zu halten, denn es käme nicht auf die Energie als solche an, sondern auf das, was sie trägt. Binder:

Ob Licht die Information „anmutig“ oder „widerwärtig“ trägt, kann ein Photometer nicht unterscheiden. Aber: Das ist dann eben keine Frage der Energie, sondern eine Information. Energie kann der Träger von Information sein. Die Information ist eine Ursache für das Geschehen, nicht die Energie, nicht die Frage, wieviel Joule irgendwo auftreten. Gleichwohl ist diese Trägerenergie durchaus wesentlich, denn ohne sie käme die Information nicht an den Ort, an dem sie wirkt. Beispiel: Die Energie der „Fernseh“wellen am Ort der Antenne hat keinen Einfluß auf das Verhalten der Menschen, wohl aber die Information, die diesen Wellen aufmoduliert ist. Zur Dekodierung der Radiowellen-Information hat man früher einen Kristall-Detektor verwendet. Der Orgonakku[mulator] wurde meines Wissens bis jetzt noch nicht unter diesem Aspekt betrachtet: Der Orgonakku als Informationskonverter oder -detektor. Mit Energie hat dies nichts mehr zu tun. Die dem Lebewesen genetisch mitgegebene und von der Umwelt beigesteuerte („erlernte“) Information scheint mir das zu sein, was der Psychiater Reich mit „Lebensenergie“ bezeichnet, und das man vielleicht besser Lebensmotivation oder Lebensantrieb nennen sollte.

Zum Thema Information und Orgonenergie siehe meinen Blogeintrag Die Qualität von Orgonenergie-Akkumulatoren (Teil 2).