Posts Tagged ‘C.G. Jung’

Der verdrängte Christus: 8. Der Opfertod Christi

25. Mai 2018

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

8. Der Opfertod Christi

nachrichtenbrief113

14. Mai 2018

Peter liest Peter Gays Freud-Biographie

13. Februar 2018

Freud warf Jung vor, die Libido zu einer „universalen Energie“ zu verwässern. Adler habe die Libido durch eine „universale aggressive Kraft“ („Wille zur Macht“) ersetzt. Freud beharrte auf seinem explizit dualistischen Ansatz, da die „psychologische Aktivität im wesentlichen von Konflikten geprägt sei“ (Peter Gay: Freud, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 2006, S. 447). „Seine Schriften sind voll von Gegenüberstellungen wie aktiv und passiv, männlich und weiblich, Liebe und Hunger und (…) Leben und Tod“ (S. 447).

Gay erwähnt Stefan Zweig: „Zweig mit seiner Begabung für die Übertreibung und die auffälligen Antithesen hat eine Strähne, eine sehr bunte Strähne, aus einem wirren Gewebe von Druck und Gegendruck herausgegriffen“ (S. 574). Das ist genau jene Fruchtbarmachung von Antithesen, die Reich in der Charakteranalyse vorexerzierte, zu der Freud aber weitgehend unfähig war.

Am nächsten kommt Freud dem „Universalen“ vielleicht mit seinem Konzept des Es, das er bei Groddeck entlehnt hatte. Groddeck über Das Ich und das Es: „Dabei hat (Freuds) Es nur bedingten Wert für die Neurosen. Er macht den Schritt in das Organische nur heimlich, mit Hilfe eines von Stekel und Spielrein genommenen Todes- oder Destruktionstriebes. Das Aufbauende meines Es läßt er beiseite, vermutlich um es das nächstemal einzuschmuggeln“ (z.n. Gay, S. 461). Freuds „Es“ bringt, so Freud am Ende von Das Ich und das Es „keinen einheitlichen Willen zustande“, weil in ihm Eros und Todestrieb miteinander ringen (S. 462).

Das „Aufbauende“, dessen Fehlen Groddeck monierte, kam beispielsweise in den Schlußworten zu Das Unbehagen in der Kultur zum tragen. Freud: „Und nun ist zu erwarten, daß die andere der beiden ‚himmlischen Mächte‘, der ewige Eros, eine Anstrengung machen wird, um sich im Kampf mit seinem ebenso unsterblichen Gegner zu behaupten“ (z.n. Gay, S. 621).

Freud bezeichnete die Analytiker, sich selbst eingeschlossen, „als „im Grunde unverbesserliche Mechanisten und Materialisten“ (S. 498), doch immer wieder scheint das imgrunde mystische Grundwesen der Psychoanalyse durch. Von wegen „himmlische Mächte“!

Freud sprach stets von „die Wissenschaft“, doch was meinte er damit eigentlich konkret? Er, der sich spätestens seit 1900 kaum noch mit der Wissenschaft beschäftigte und vollkommen in einer „Psychologie“ aufging, die sich in Deutungen erschöpfte („Tiefenpsychologie“). Man denke nur an seinen Lamarckismus, der bei ihm einen dezidiert mystischen Charakter annahm („Geist über Materie“). Dazu Gays folgende Anmerkung:

Während des Krieges spielte er, wie er Abraham schrieb, mit der Möglichkeit, Lamarck für die Sache der Psychoanalyse zu rekrutieren, indem er zeigt, daß Lamarcks Idee des „Bedürfnisses“ nichts anderes ist als „die Macht der Vorstellung über den eigenen Körper. Wovon wir Reste bei der Hysterie sehen, kurz die ‚Allmacht der Gedanken‘“. (S. 414)

Andererseits: in seinem Dialog mit Romain Rolland, wo dieser von „ozeanischen Gefühlen“ sprach, die Grundlage des religiösen Empfindens seien, konnte Freud nur konstatieren, daß er dieses Gefühl nicht kenne (S. 612).

Die Psychoanalyse sei, so Gay über Freud, „die Kunst und Wissenschaft des geduldigen Zuhörens“ (S. 293). Immerhin hier konnte Reich Freud folgen: die Natur nicht im Kantschen Sinne „foltern“, sondern sie sprechen lassen.

Und was schließlich den orgonomischen Funktionalismus betrifft: In Gays Worten ist es „ein Gemeinplatz der psychoanalytischen Lehre, daß die dramatischten Unterschiede, wie weit auseinanderstehende Äste aus demselben Stamme entspringen können“ (S. 632). Beispielsweise schrieb Freud über die Gefühlskonflikte des „Rattenmanns“, sie seien „nicht unabhängig voneinander, sondern paarig miteinander verlötet. Der Haß gegen die Geliebte mußte sich zur Anhänglichkeit an den Vater summieren und umgekehrt“ (S. 302).

Der Rote Faden: Reich und Marx

8. November 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

b. Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

c. Psychoanalyse und Kommunismus

d. Otto Fenichel und seine „Rundbriefe“

e. Die Leninistische Organisation

4. Polithygiene

a. Reich in Norwegen

b. Reich und Marx

 

nachrichtenbrief86

7. November 2017

nachrichtenbrief49

24. Juli 2017

DER ROTE FADEN: Der Weg in den Kommunismus

3. April 2017

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DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion:

a. Der Weg in den Kommunismus

Corrington: Wilhelm Reich. Psychoanalyst and Radical Naturalist (2003)

31. Januar 2017

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Corrington: Wilhelm Reich. Psychoanalyst and Radical Naturalist (2003)

Reichs „Paranoia“: Segen und Verhängnis

15. Dezember 2016

1912 schrieb Freud an Otto Rank, sich auf die Auseinandersetzungen mit Jung beziehend, er habe gehofft „Juden und Antisemiten (sic!) auf dem Boden der [Psychoanalyse] zu vereinigen“ (Peter Gay: Freud, Fischer TB, S. 263). Es beschleicht einen das ungute Gefühl, daß er so auch 1932-34 dachte, als er gegen den Störenfried Reich vorging. Reich wäre nie auf die geistesumnachtete Idee verfallen, man könne das Wesentliche einfach ignorieren und mit Antisemiten einen gemeinsamen Boden finden.

Später, während der Auseinandersetzung mit der US-Gesundheitsbehörde FDA, hat ihm diese mißtrauische Grundhaltung massiv geschadet. Beispielsweise kam ihm bei seiner Expedition nach Arizona gar nicht der Gedanke, daß die FDA-Agenten nicht ausgerechnet dort so auffällig neugierig waren, um irgendwelche wissenschaftlichen Geheimnisse auszuspionieren, sondern schlicht, weil es nach der Erfahrung der FDA zum Modus operandi von „Quacksalbern“ gehörte, in den Südwesten der USA zu gehen, wo die dortigen Bundesstaaten praktisch keine Regularien für die Ausübung von Heilberufen hatten. Diesen gemeinsamen Boden, nämlich das allgemein nachvollziehbare, rationale Vorgehen von Staatsorganen, anzuerkennen, erschien Reich wie ein Ausweichen vor dem Wesentlichen.

Mechanismus, Mystizismus, Funktionalismus: Intersubjektivität und objektive Meßbarkeit

20. November 2016

In den 1920er Jahren war die Psychoanalyse genau den gleichen Anfeindungen ausgesetzt wie heute: sie sei unwissenschaftlich, weil es nichts zu messen gibt. Reich verteidigte sie, indem er darauf hinwies, daß die Ergebnisse intersubjektiv sind: egal wer psychoanalysiert, solange er die richtige Technik benutzt, wird er zu den gleichen Ergebnissen kommen. Wo genau die Psychoanalyse (bzw. ihre Weiterentwicklung durch Reich – den Rest der Psychoanalyse kann man getrost vergessen) ansetzt, was genau sie verändert und wie man das objektiv messen kann, hat Reich dann später erforscht: die Aufhebung der Sympathikotonie bzw. der orgonotischen Kontraktion. Das kann man nicht an einzelnen Meßergebnissen, etwa am Cholesterin im Blutbild, festmachen, vielmehr müssen sie „funktionell“ interpretiert, d.h. in einen Zusammenhang gesetzt werden.

In den 1950er Jahre ist John Pierrakos, ein Schüler Reichs, an diesen herangetreten, weil er, im Gegensatz zu Reich selbst, „aurasichtig“ war und beim Cloudbusten genau beschreiben konnte, wie sich die Orgonenergie in der Umgebung des Geräts bewegt. Er war ziemlich befremdet, als Reich keinerlei Interesse an Pierrakos‘ Fähigkeiten zeigte. Reich war grundsätzlich nur an Dingen interessiert, die, jedenfalls vom Prinzip her, jeder wahrnehmen kann und, zweitens, die man unabhängig von (inter-) subjektiven Wahrnehmungen auch messen kann, wie etwa die atmosphärische Pulsation.

Die Orgonomie ist an zwei Dingen prinzipiell nicht interessiert: Erstens die sterile akademische Psychologie, die bereits vor 100 Jahren gegen die Psychoanalyse sturmlief, oder die sterile Atmosphärenphysik und Meteorologie mit ihren Meßwerten, die in keinerlei funktionellen Zusammenhang gesetzt werden. Zweitens „das Hören mit dem Dritten Ohr“, C.G. Jung und andere willkürliche und unüberprufbare „esoterische“ Spökenkiekerei, wie sie etwa später Pierrakos vertreten hat und wie sie heute mehr denn je die Randbereiche der Orgonomie verpestet.