Orgonomie? Kein Interesse!

Leute interessieren sich für die Orgonomie nur, wenn sie sich für sich selbst interessieren. Aber heute bringt niemand mehr Interesse für sich selbst auf! Alles geht in der sozialen Fassade auf, d.h. der Anpassung an die Umgebung. Man hat seinen „eigenen“ Style, seine „eigene“ Meinung, seinen „eigenen“ Geschmack, d.h. man geht im Kollektiv auf. Man schaue sich doch heutige Jugendliche an: es gibt sie gar nicht mehr als Individuen, es sind bloße Abziehbilder, hohl und ohne Fatum, Tiefe, Gravitas. Die gesamte Existenz einer derartig „vergesellschafteten“ Kreatur erschöpft sich im menschlichen Bereich.

Wenn es in die Tiefe geht, dann geht es allenfalls um die mittlere Schicht, d.h. die verinnerlichten gesellschaftlichen Verbote bzw. die sinnlose Rebellion gegen sie. Das Kind identifizierte sich mit der lustfeindlichen Umwelt, um nicht vernichtet zu werden. So entstand „sein“ Charakter, der nichts weiter ist als das Fremde in ihm. Dergestalt ist er sein eigener schlimmster Feind! Entsprechend ist sein „Egoismus“, seine „Selbstsucht“ nichts als eine Illusion, denn mit seinem wirklichen Selbst hat dieser Wahn nichts, aber auch rein gar nichts gemein. Er dient nicht sich selbst, sondern „Dämonen“, die ihn besetzen und besitzen. Entsprechend ist auch seine gesamte „Spiritualität“ null und nichtig.

Seinen bioenergetischern Kern, d.h. er selbst, die Orgonenergie: für den bzw. die bringt er keinen Funken Interesse auf. Und wer sich nicht für sich selbst interessiert, sondern, um mit Max Stirner zu reden, für „den Menschen“ oder irgendein anderes Hirngespinst, der interessiert sich auch nicht für die Orgonomie. Das rabbinische Judentum und der an seine Stelle tretende Humanismus, der das intellektuelle Leben in den USA dominiert, ist, um mit Reich zu reden, „ausschließlich auf den ‚menschlichen‘ Bereich beschränkt. Es ist diese Beschränkung auf rein menschliche Angelegenheiten, eine Folge der Panzerung, die dafür verantwortlich ist, daß der Mensch keinen Kontakt mit dem Universum bekam“ (Reichs Speaks of Freud). Allein schon von daher, kann die Orgonomie keinen Blumentopf gewinnen.

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16 Antworten to “Orgonomie? Kein Interesse!”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Aus „Klaus Rainer Röhl – Linke Lebenslügen (1994)“

    Wohin ich in meiner Generation sehe – überall griesgrämige,
    miesepetrige, sorgenzerfurchte Gesichter, ohne Hoffnung zu Pfingsten und ohne rechte Freude sogar bei den Lichterketten und Stadtteilfesten. Betroffenheit oder Besoffenheit, meistens beides. Lassen wir diese Generation.
    Setzen wir also die Hoffnung auf die Jungen.
    Wenig später traf ich ein paar junge Leute aus der Generation
    meiner Kinder, mit denen ich seit der Sandkiste befreundet bin. Geht’s gut? versuchte ich es auch hier, gewiß, daß aus solchen strahlenden Kinderaugen keine Kassandra-Blicke zucken könnten, zumal bei den meisten auch alles gut zu laufen schien: Studium abgeschlossen, Beruf, Arbeit macht Spaß, Wohnung, Auto, Urlaub in
    Ordnung, Partnergeschichten? Na ja – mal rauf, mal runter.
    Aber?
    Mir geht es nicht so gut, meinte die eine Schöne, ich bin heute gar nicht so gut drauf, meinte der Freund, ich habe Probleme m i t . . . Ich bin ganz schön gestreßt, das ist alles ganz schön streßig, Mann, das streßt… Die geht jetzt in eine Selbsthilfegruppe, der macht jetzt einen Selbsterfahrungskurs, die beiden müssen erst mal sehr! viel! aufarbeiten, der muß erst mal viel abarbeiten, wegarbeiten, der macht Reki, die Tai Chi, der kriegt Rebalancing-Massage, die hat kein richtiges Körperbewußtsein, der macht einen Psychodrama-Kurs mit, die ein spirituelles Sehtraining, der macht Tantra, die macht die Bachblüten-Kur, aber das machen eigentlich fast alle, das ist unheimlich gut.Fußreflexzonen-Massage machen alle, Biokost essen sie alle, Naturschuhe tragen alle, Yoga machen alle. Alle meditieren. Die legt jetzt Tarot-Karten, die hat sich für 400 Mark ihr Computerhoroskop machen lassen. Dem und der hat alles nicht geholfen, aber keine Anr;st, die machen jetzt Rebirthing, oder Sufi-Trance-Meditation, oder Bioenergetik, oder Dipankara, Feidenkrais, schamanisches Tantra, Kundalini-Yoga, pränatale, intuitive Fußmassage. . .
    Halt mal! Das darf doch nicht wahr sein, wollt ihr mich auf den Arm nehmen oder mir angst machen? Na aber, beruhigte man mich, was haben Sie denn gegen Fußreflexzonenmassage und gegen Rebirthing? Haben Sie da Probleme? Mir hat das kolossal gutgetan, ich möchte mal wissen, wie das ohne weiter laufen sollte.
    War das eine Zufallsauswahl? Sind das nur kleine Minderheitenvon Studenten, Akademikern in Großstädten?
    Ist das vielleicht nur in Berlin so? O nein, es handelt sich um eine Generation. Die post-achtundsechziger Generation, die von achtundsechziger Lehrern und Hochschullehrern gewaltfrei, angstfrei, repressionsfrei, oft auch lernstofffrei erzogenen, unheimlich coolen Kids, ohne schwarzen Mann oder Weihnachtsmann, Struwwelpeter und Bleisoldaten, teilweise auch ohne Lollis, Gummibärchen und Fernsehen, aber alle ohne Konsumzwang aufgewachsen: eine Generation von Griesgrämigen, Mißgelaunten – Hypochondern.

    • claus Says:

      Da trifft er ja sogar was. Man kann das auch so sagen: keine wirklichen Interessen. Interesse kommt ‚von innen‘ und ist auf die Welt draußen gerichtet. Von Interessen ist man besessen.

    • O. Says:

      Wie alt ist der Text? 1994
      Schon eine ganze Generation her seine „Jugendlichen“ – von 68-er Rentnern erzogen – sind heute um die 40-50 Jahre alt. Das sind wir – die unheimlich Coolen aus Berlin und anderswo – ohne Interessen (außer den olllen Reich) und ohne Bleisoldaten. Bei uns gab es das schöne Plastik. – Oder mit den Worten eines jungen Menschen von heute: „Einfach mal die Fresse halten.“

      • stephan Says:

        ich bin unter 40 und Reichs Leben und Werk interssieren mich imemr noch sehr. Peters Blog und seine Websites haben mich intellektuell als auch in persönlicher Hinsicht weiter gebracht

      • Robert (Berlin) Says:

        Du hat die Herkunft vergessen. Es ist ja nur ein Auszug.

        • stephan Says:

          Ja, aber was glaubst du wie viele meiner Generation sich für Orgonomie interessieren? Oder überhaupt von WR gehört haben? Vielleicht als Fußnote im Psychologiestudium, aber sonst?

  2. claus Says:

    „Seinen bioenergetischern Kern, d.h. er selbst, die Orgonenergie: für den bzw. die bringt er keinen Funken Interesse auf.“

    Zwei sehr verbreitete Arten, sich nicht für sich selbst zu interessieren:
    – die Gesellschaft verändern (Politik)
    – ‚kreativ‘ sein (so genannte ‚Kunst‘, die jeder kann)
    Sicher nicht zufällig sind beide auch Arten, den Wettbewerb (Agon) zu vermeiden.

  3. stephan Says:

    Weiß hier jemand was für Auswirkungen das „Right-to-Try“-Gesetz auf die orgonomische Praxis haben könnte?
    Bekommen US-Orgonomen durch das neue Gesetz mehr Freiräume?

    • Peter Nasselstein Says:

      Klingt auf jeden Fall seh gut. Um einen der Kommentatoren unter dem Video zu zitieren: You know it’s too bad Obama wouldn’t let my brother try experimental medication with his brain cancer. Because most experimental super-meds don’t come from Big Pharma they come from private science organizations . Just think if a pharmaceutical company created a cure they couldn’t make money off you living with the disease. May the powers that be bless the best president ever. Go Trump

      Reich hatte sich auch zeitweise überlegt, den ORAC zu kommerzialisieren: das Amerikanischte, was man sich vorstellen kann. Wann werden die Democ-Rats zusammen mit ihrem Produkt FDA endlich im Orkus der Geschichte verschwinden?

    • Robert (Berlin) Says:

      Dort steht auch „biological product, or device“
      Als device könnte dann der ORAC gelten, hoffe ich.

      https://www.legitim.ch/single-post/2018/02/02/Right-to-try-Act-Trump-%C3%B6ffnet-das-Tor-f%C3%BCr-alternative-Krebstherapien

    • O. Says:

      Erscheint es bei nüchterner Betrachtung nicht reich-lich naiv, dass der Orac von amerikanischer Seite je eine Unterstützung erfahren könnte. Wenn dies geschehe, dann doch nur um die Kontrolle darauf zu haben. Hätte jemand (einer der Milliardäre) Interesse daran gehabt, wäre vor 20 Jahren schon der Durchbruch gekommen. Diese ewige Hoffnung, so alt wie der Orac selbst, das es schließlich eine Anerkennung dafür geben würde, ist absurd.

  4. O. Says:

    Kein Interesse an Reich vielleicht nicht, aber „Kein Interesse“ an einem Reich-Kult – das ist sicherlich sehr verbreitet, und das find ich völlig korrekt. Bisher haben die „Protagonisten“ sich immer selbst dargestellt, wen interessiert sowas? Für sachliche Informationen sind Menschen immer zu haben. Patienten würden mir den Orac aus den Händen reißen, wenn der Arbeitgeber dahinter stehen würde. Doch ohne Rückendeckung geht sowas nicht. – Und letztlich fehlt dafür wieder die Grundlagenforschung. „Post-Reichianer“ haben auf dem Gebiet ja 30 Jahre nur dummes Zeug gemacht. So wird es eben nichts.

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