Psychotherapie, Körpertherapie, Orgontherapie

Psychotherapie ist nicht das, was sie vorgibt zu sein, denn jedes längere Gespräch setzt euphorisierende Endorphine frei. Deshalb ist die Methode auch ziemlich gleichgültig, wie jeder ehrliche Psychotherapeut zugeben wird. Es kommt auf die Person des Therapeuten an, sein Charisma und seinen Rapport mit dem Patienten. Ähnlich ist es mit der Körpertherapie bestellt, etwa der „Bioenergetik“ nach Alexander Lowen. Die Aktivierung verspannter Skeletmuskulatur setzt Endorphine frei und entsprechend enthusiasmiert verläßt der Patient die Praxis. In beiden Fällen kommt das endorphin-freisetzende freiere Atmen hinzu.

Was rundweg allen diesen Ansätzen fehlt, ist die Libidotheorie Freuds, die einzig und allein Reich beibehalten und weiter ausgebaut hat. Dabei geht es nicht nur, wie es häufig dargestellt wird, darum, daß Reich das vage Konstrukt „Libido“ mit einer konkreten physikalischen Energie, dem Orgon, ausgefüllt hat. Wichtig sind die Libidostufen, d.h. die Befreiung der genitalen Libido von prägenitalen Überlagerungen. Das zwingt dem Gespräch und den körperlichen Interventionen von den Themen bzw. den Körperregionen her eine bestimmte Abfolge auf.

Orgontherapie ist „biophysische Chirurgie“ (Reich), d.h. die sprachlichen und die körperlichen Interventionen haben jeweils eine bestimmte FUNKTION, sind Teil eines strategischen Gesamtplans. Es geht nicht darum, daß es dem Patienten besser geht, d.h. er sich in seiner Neurose häuslicher einrichtet, sondern um die Umstrukturierung seiner Libidostruktur (= Charakterstruktur) in Richtung Genitalität (= Gesundheit, das Funktionieren des Organismus als Einheit).

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9 Antworten to “Psychotherapie, Körpertherapie, Orgontherapie”

  1. Tzindaro Says:

    All very well in theory, but the question is, „How do you KNOW“? How do you devise a test to find out if a therapy is doing what it is claimed to or not? How can orgone therapy be tested to see if it is effective or not? What controlled studies have been done on orgone therapy? What are the statistical findings for it‘;s effectiveness?

    Unless and until actual controlled double blind studies are done, orgone therapy remains untested no matter how many orgonomists and their subjects claim to have experienced help from it.

  2. stephan Says:

    Peter,

    was hältst du von diesem „Do-it-Yourself“-Ansatz?

    [ZENSIERT!]

    • Peter Nasselstein Says:

      Was ich davon halte, wird dadurch ersichtlich, daß ich jetzt den Link entferne.

      • stephan Says:

        Könntest du das einfach sachlich-argumentativ erklären anstelle so zu überreagieren?

        • stephan Says:

          Ich weiß dass dies keine richtige Therapie ersetzen kann, aber könnte vielleicht einige Übungen helfen das eigene energetische Level zu erhöhen?

          • O. Says:

            Das energetische Level zu erhöhen ist keine Therapie, das denken aber viele.
            Welchen Grund gibt es das e-Level zu erhöhen? Nur ein enegetisch geschwächter Organismus zur Prävention somatischer Entgleisungen. Psychotherapeutisch macht es für mich keinen Sinn. Und wenn einer Krebs hat, macht es auch keinen Sinn mehr; es ist dann zu spät.

        • Peter Nasselstein Says:

          Überreagieren würde ich, wenn ich schimpfen würde. Ich sage ja gar nichts. Ich kann nur drei Dinge nicht mit meinem Gewissen vereinbaren:

          1. Bau- und Gebrauchsanweisungen für den Cloudbuster verbreiten. Nicht „nur“, daß derjenige massives Unheil für andere hervorrufen kann – auf jeden Fall würde er sich selbst massivst schädigen.

          2. Das gleiche trifft auf den Medical DOR-Buster zu.

          3. Laientherapien/-therapeuten. Was nun speziell diese Übungen betrifft: jede moderne, wiklich jede, Psychotherapie ist ein Arbeitsbündnis. Das gilt verstärkt für die Orgontherapie, wo der Patient paktisch alles alleine macht. Das Fatale ist nur, daß er jemanden braucht, der ihn darauf hinweist, daß er nicht im Kontakt ist und nicht atmet – ohne Kontakt und Atmung macht aber nichts Sinn. Beides merkt man aber nicht. „Atmen Sie!?“ „Hä?!“ – Bestenfalls ist das ganze dann denkbar schlechte und sinnlose Gymnastik, doch schlimmstenfalls können solche Übungen schädlich sein und gegebenfalls eine spätere Orgontherapie verunmöglichen. Ohnehin fehlen bei diesen Übungen so gut wie alle Elemente: das Energetische (der Kontakt mit einem anderen Energiefeld), das Psychische („das Gespräch“) und das Soziale (es ist einfach für sich allein frei zu atmen, aber praktisch unmöglich in Beisein eines dich anstarrenden Orgontherapeuten).

          • Peter Nasselstein Says:

            „aber praktisch unmöglich in Beisein eines dich anstarrenden Orgontherapeuten“ – das ist Orgontherapie: der Druck wird erhöht: psychisch durch Konfrontation (Charakteranalyse – „Warum lächeln Sie?“), körperlich (direkter Druck auf die ohnehin schon verspannten Muskeln), sozial (Angespanntsein in Gegegwart einer „Autorität“ – spielt die Übertragung mit hinein).

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