Die Funktion des Orgasmus (Teil 2)

Bestätigung findet Reichs Orgasmustheorie in einer Studie des Urologen und Sportmediziners Dr. Frank Sommer mit 39 Leistungssportlern. (Zu Dr. Sommerer siehe auch Funktionelle Medizin.) Er stellte sich die Frage, ob Geschlechtsverkehr kurz vor dem Wettkampf die Leistung mindert oder steigert und fand heraus, daß bei Sportlern, wie Sprinter, Stabhochspringer, Weitspringer oder Kugelstoßer, wo alles auf die „Schnellkraft“ ankommt, sexuelle Aktivität zwei Stunden vor dem Wettkampf einen eher negativen Einfluß auf die Leistung hat. Da der Geschlechtsakt zu verminderter Aggressivität, innerer Ruhe und Gelassenheit und zu einer generellen Entspannung der Muskulatur führt, fehlt den Sportlern der rechte Biß.

Ganz anders sieht es bei Sportarten aus, wo es um hohe Konzentrationsfähigkeit geht. Zum Beispiel hat bei Zielsportarten (Schießen mit Bogen, Pistole oder Gewehr) sexuelle Aktivität vor dem Wettkampf positive Auswirkungen auf das Ergebnis, da die Sportler entspannter in den Wettkampf gehen und sich besser konzentrieren können.

Einer britischen Studie zufolge macht Geschlechtsverkehr vor Prüfungen lockerer und streßresistenter, andere „Sexpraktiken“ haben eine deutlich geringere Wirkung, während „Keusche“ dem Streß ungeschützt ausgesetzt sind. Der Psychologe Stuart Brody und Kollegen von der University of Paisley ließen 24 Frauen und 22 Männer zwei Wochen lang Tagebuch über ihre sexuellen Aktivitäten führen. Anschließend wurden sie Streßsituationen ausgesetzt: vor einem Auditorium reden und öffentlich Kopfrechnen. Der Orgasmus in der geschlechtlichen Umarmung hält den Blutdruck und andere Streßsymptome über mindestens eine Woche hinweg in Schach.

Besonders interessant ist jedoch, daß Brody und sein Kollege Tillmann Krüger von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich bei der Auswertung dreier früherer Studien feststellten, daß ausschließlich regelrechter Vaginalverkehr diese Auswirkungen zeitigt. Nach einem genitalen Orgasmus war der Prolaktin-Spiegel in der Blutbahn der Versuchspersonen viermal höher als beim masturbatorischen „Orgasmus“. Das Hormon Prolaktin sei für das Gefühl von Sättigung und Befriedigung verantwortlich.

Hier die Zusammenfassung von Brodys Aufsatz Penile-vaginal intercourse is better: Evidence trumps ideology:

Es ist häufig behauptet worden, daß alle sexuellen Verhaltensweisen gleich seien. Die empirische Forschung zeigt jedoch, daß unterschiedliche sexuelle Verhaltensweisen sich in vielen physiologischen und psychologischen Bereichen unterscheiden. Diese Unterschiede treten insbesondere hinsichtlich des Vaginalverkehrs hervor, bei dem alle Anzeichen auf ein besseres physiologisches und psychologisches Funktionieren verweisen. Andere sexuelle Verhaltensweisen (Onanie, gegenseitiges Masturbatieren, Oralverkehr, Analverkehr oder jede andere Art geschlechtlicher Betätigung, bei der es zu keinem Vaginalverkehr kommt) haben entweder keine oder gelegentlich sogar negative Auswirkungen auf das physiologische und psychologische Funktionieren. Darüber hinaus zeigen neuere Forschungen, daß sich der vaginale Orgasmus physiologisch und psychologisch vom klitoralen Orgasmus unterscheidet, und daß der vaginale Orgasmus mit einer besseren psychologischen Gesundheit verbunden ist. Mehrere Beispiele anderer Forschungsergebnisse werden zusammengefaßt. Die Übereinstimmung der Ergebnisse mit physiologischen, evolutionsbiologischen und psychoanalytischen Theorien wird diskutiert. Eine ethische sexualtherapeutische Praxis, Ausbildung und Forschung verlangt nach der Beseitigung vorherrschender Vorurteile in der Sexologie.

Der „Reichianische“ Psychologe Sean Haldane hat die Ergebnisse von Brodys Forschungsarbeit aufgelistet (Pulsation, London 2014, S. 159-161). Ich fasse nun wiederum diese Liste zusammen und organisiere sie neu. Sie bestätigt Reichs Orgasmustheorie vollumfänglich!

  1. Psychische Gesundheit korreliert positiv mit Vaginalverkehr und negativ mit Onanie.
  2. Der Prolaktin-Anstieg nach dem Orgasmus infolge Vaginalverkehr ist höher als nach der Masturbation, was auf eine größere Befriedigung hinweist.
  3. Die Unfähigkeit einen Vaginalorgasmus zu erreichen, ist mit ängstlicher Anhänglichkeit und anderen Anzeichen von psychischen und Beziehungsstörungen verbunden.
  4. Bei sehr gewissenhaft vorgehenden Frauen, im Gegensatz zu „ADHS“-Schlampen, die nichts auf die Reihe kriegen, ist es wahrscheinlicher, daß sie einen Vaginalorgasmus haben.
  5. Unreife psychologische Abwehrmechanismen treten desto stärker auf, je schwächer die Rolle des Vagialverkehrs im Leben ist.
  6. Je häufiger der Vaginalverkehr, desto schlanker die Menschen bzw. desto weniger Eßstörungen.
  7. Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr leiden weniger häufig an Depressionen.
  8. Frauen mit regelmäßigem Vaginalverkehr, haben weniger Probleme, die Emotionen anderer korrekt wahrzunehmen und die eigenen Emotionen auszudrücken. Je stärker die Scheidenempfindungen sind, desto stärker ist dies ausgeprägt.
  9. Glück in der Ehe ist mit Vaginalverkehr verbunden, nicht jedoch mit Onanie, wechselseitiger Masturbation, Analverkehr und „Oralsex“.
  10. Unabhängig von der Einstellung der Gesellschaft sind Homosexuelle beiderlei Geschlechts suizidgefährdeter, depressiver, greifen häufiger zu Alkohol und Drogen und leiden häufiger unter psychiatrischen Krankheiten als Heterosexuelle.
  11. Die Benutzung von Kondomen reduziert die positiven Effekte des Vaginalverkehrs.
  12. Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr, aber insbesondere Frauen mit einem vaginalen Orgasmus, haben einen „flüssigeren“ Gang und ihre Muskulatur ist weniger verspannt.
  13. Regelmäßiger Vaginalverkehr führt zur Variabilität der Ruhe-Herz-Frequenz, die mit besserer Stimmung, Aufmerksamkeit, affektiver Schwingungsfähigkeit und besserem Umgang mit Streß verbunden ist.
  14. Allgemein ist eine höhere Rate von Geschlechtsverkehr mit einer höheren Lebenserwartung verbunden.
  15. Prostata- und Brustkrebs sind bei Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr weniger häufig.
  16. Erkrankungen des Beckens (Entzündungen, Schmerzen, etc.) sind bei Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr weniger verbreitet.
  17. Die Vagina ist bei Frauen mit Vaginalverkehr lebenslang straffer und besser durchblutet.
  18. Bei Männern, die regelmäßig Vaginalverkehr haben, vergrößert sich das Volumen des Ejakulats, die Anzahl der Spermien, deren Beweglichkeit und der prozentuale Anteil morphologisch gesunder Spermien.
  19. Bei Männern führt ein hoher Testosteronspiegel zu mehr Geschlechtsverkehr und umgekehrt führt Vaginalverkehr zu einem höheren Testosteronspiegel.

FunctionOrgasm

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30 Antworten to “Die Funktion des Orgasmus (Teil 2)”

  1. Robert Says:

    Die Ergebnisse, die Brody und Krüger vorlegen, bestätigen Reichs Orgasmusforschung zu 100 Prozent. So etwas Erstaunliches habe ich noch nie gelesen. Das letzte Buch, welches ich zum Thema las, „Vom Höchsten der Gefühle. Wie der Mensch zum Orgasmus kommt“ von Rolf Degen, hat sich als unlesbarer Schrott entpuppt.
    Wo hast du eigentlich dieses tolle Foto her?

  2. David Says:

    Besonders interessant ist jedoch, daß Brody und sein Kollege Tillmann Krüger von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich bei der Auswertung dreier früherer Studien feststellten, daß ausschließlich regelrechter Vaginalverkehr diese Auswirkungen zeitigt.

    Hier sieht man ziemlich alt aus, wenn man jahrzehnte- oder zumindest jahrelang etwa auf Selbstbefriedigung angewiesen ist.

    Zum Beispiel wenn Mann die Ansicht verinnerlicht hat, man müsse erst seine Studium / Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben und einige Zeit lang im Beruf ordentlich was geleistet haben; vorher eine Partnerin zu haben sei zwar erlaubt aber ein seltener Glücksfall.

    Gelingt es dem studierenden Mann, die verinnerlichten Ansichten abzulegen, so werden die Aussichten auf einen Erfolg bei der Ausbildung besser. Jedoch führt das Ablegen der besagten Ansicht nicht automatisch zu einer Freundin.

    Hat der vaginale Geschlechtsverkehr besagte Wirkung auch, wenn der Mann zu einer Prostituierten geht? Gängigen Moralvorstellungen zufolge nein, denn es handelt sich ja um eine Aktivität, die ohne Liebe geschieht.

    • Peter Nasselstein Says:

      Erstens ist da das Problem des Kondoms. Und zweitens: Geschlechtsverkehr ohne Liebe bringt wohl kaum mehr als Masturbation. „Liebe“ ist natürlich ein großes Wort. Sie kann ein Leben oder nur eine Nacht währen. Natürlich kann es bei Protituierten so etwas wie gegenseitige Sympathie geben (insbesondere bei „Stammkunden“), aber solche Sympathieträger sollten ihr Geld lieber in einen Pick-up-Kurs investieren!

  3. David Says:

    Pick-Up Kurs: Ist das ein Kurs zum „Aufsammeln“ im Sinne von Beziehung anfangen zu einem Partner / einer Partnerin? Gibt es das an der Volkshochschule?

    • Peter Nasselstein Says:

      An Volkshochschulen gibt es sicherlich Flirtkurse. Worauf ich hinaus will sind die „Pick-Up Artists“ in Amerika. Das ist daraus entstanden, daß Männer ganz einfach keine Lust mehr hatten, Frust zu schieben und sich ständig von hysterischen Ziegen zum Idioten machen zu lassen, nur weil sie ihre heterosexuellen Bedürfnisse auf ganz normale Weise befriedigen wollten. Entsprechend taten sie sich zusammen, verwendeten NLP und andere Psychotechniken und – „schleppten Weiber ab wie blöde“. Es ist egal wie man aussieht und was man an Geld zur Verfügung hat: mit der richtigen Technik (und vor allem Praxis) kriegt man wohl nicht jede, aber doch fast jede. Diese Bewegung hat sich im Laufe der Jahre todgelaufen, einfach weil es zur ziemlich unappetitlichen Masche wurde und die Mädchen nur noch die Augen verdrehten, weil es wirklich Überhand nahm. Inzwischen hat sich die Bewegung hin zu „Naturals“ entwickelt: es geht um Persönlichkeitsentwicklung und nicht mehr um billige Verhaltensmanipulation. Egal wie man aussieht, man kann sogar blau gefärbtes Haar und ein rose Balettröckchen anhaben: wenn man entsprechend selbstbewußt auftritt, hat man Erfolg bei den Frauen, ohne jede Technik. Das muß man sich erarbeiten. Beispielsweise eine Woche lang täglich 50 wildfremde Frauen auf der Straße grüßen. Zweite Woche: täglich 50 wildfremde Frauen nach der Uhrzeit fragen. Dritte Woche: 50 Frauen Komplimente machen. Vierte Woche: nach der Telefonnummer fragen. Man muß vollkommen immun gegen Ablehnung werden und lernen, aus dem Bauch heraus zu agieren. Gar nicht erst bedenken, was alles passieren könnte. Im Flow sein – und man kann buchstäblich alles erreichen.

      Der Witz ist, daß das Aussehen wirklich VOLLKOMMEN egal ist.

      Und noch etwas: im Internet wird man keine hochklassigen Frauen finden, sondern nr neurotische Wracks.

  4. David Says:

    Orgasmus bei der Prostituierten: Vermutlich kommt der, wenn auch selten, vor.

    Kann es sein, einige Prostituierte arbeiten auf Grundlage vollständiger Frigidität, andere erleben Lust nur bei ihrem Freund bzw. Zuhälter, solche, die ohne Zuhälter arbeiten, haben auch bei Kunden manchmal eine geringe Lustentwicklung und ganz gelegentlich einen Höhepunkt?

    Betrifft „normale“ heterosexuelle Liebesbeziehung, also nicht Prostitution: wird nicht im Laufe der Zeit die Harmonie zwischen den beiden Partnern zunehmen und daher ein gleichzeitiger Orgasmus zunächst selten, später öfter auftreten?

    Und was ist „Liebe“? Ich würde es so definieren: wenn das „Körperliche“ und das „Seelische“ gleichzeitig vorhanden ist …

  5. Homosexualität und die Angst der Psychiater « Nachrichtenbrief Says:

    […] Sexualökonomie der Homosexualität siehe Die Funktion des Orgasmus (Teil 2). Wo wissenschaftlich nachgewiesen wird, daß ausschließlich Vaginalverkehr befriedigen kann. […]

  6. Die Funktion der Schönheitsoperationen « Nachrichtenbrief Says:

    […] Die Funktion des Orgasmus (Teil 2) habe ich mich bereits mit dem Psychologieprofessor Stuart Brody (University of the West of […]

  7. Reichs Fetischisierung der Genitalität « Nachrichtenbrief Says:

    […] Es ist vollständig sinnlos hier weiterargumentieren zu wollen, schlichtweg weil die psychophysiologische Forschung eindeutig zeigt, was gesunde und was ungesunde Sexualität ist. Siehe dazu meine Ausführungen in Die Funktion des Orgasmus (Teil 2). […]

  8. Wilhelm Reich, Sigmund Freud, Louis Breger: ein Trauerspiel « Nachrichtenbrief Says:

    […] Nur unbefriedigte Sexualität ist schädlich, dazu gehört die Masturbation, die Ejakulation außerhalb der Vagina und jede sexuelle Handlung, die von Schuldgefühlen begleitet wird. Daß Kondome die Befriedigung extrem herabsetzen, zumal die Kondome der damaligen Zeit, ist auch eine Selbstverständlichkeit. Desgleichen sollte jeder Mann aus eigenem Empfinden wissen, daß eine erzwungene erneute Erektion und Ejakulation nach einem befriedigenden Orgasmus nicht zu noch mehr Befriedigung führt, sondern ganz im Gegenteil zu Überdruß und einem Gefühl der – Nichtbefriedigung. Was perverse Sexualpraktiken angeht… Ersparen wir uns das! Ich bin darauf an anderer Stelle eingegangen. […]

  9. David Says:

    Aus diesem:

    Psychische Gesundheit korreliert positiv mit Vaginalverkehr und negativ mit Onanie

    und dem weiteren würde – für Männer – folgen:

    – Nicht onanieren

    – Homosexualität ist schon etwas besser als Onanie, weil mann dabei nicht allein ist

    – Vaginalverkehr mit einer käuflichen Dame ist besser als Homosexualität, weil zwar die persönliche Beziehung – auch Liebe genannt – nicht da ist, das aber sonst am nächsten beim Natürlichen ist (entspricht nicht ganz meiner eigenen Ansicht)

    – und heterosexuelle Liebe mit regelmäßigem Vaginalverkehr ist am besten.

    Was wäre zu diesen Vermutungen zu sagen?

    Meinungsbild?

    Objektive Erkenntnisse dazu?

    • Peter Nasselstein Says:

      Aus dem ganzen folgt dezidiert NICHT, daß man nicht onanieren soll oder daß homosexuelle Betätigung schädlich wäre, sondern EINZIG, daß es nichts besseres gibt als Vaginalverkehr. Wenn der nicht möglich ist, ist alles besser als Enthaltsamkeit – alles, wobei wir uns wohlfühlen. Wenn das ein anderer Mann ist, wer sollte etwas dagegen haben?!

  10. Homosexualität und die Angst der Psychiater | Nachrichtenbrief Says:

    […] Sexualökonomie der Homosexualität siehe Die Funktion des Orgasmus (Teil 2). Wo wissenschaftlich nachgewiesen wird, daß ausschließlich Vaginalverkehr befriedigen kann. […]

  11. Peter Nasselstein Says:

    Das kommt dabei raus, wenn man den Menschen nicht funktionell-energetisch betrachten, sondern wie eine Maschine:

    http://www.fem.com/liebe-lust/news/6-skurrile-orgasmus-tipps

  12. Paul Says:

    Obwohl ich seit 2 Jahren WEGEN meiner Orgontherapie auf Vaginalverkehr verzichte, verbessert sich mein Allgemeinzustand zusehends. Ist das nicht ein Widerspruch zur Theorie? Wie können die neurotischen Symptome nachlassen, wenn die in der Theorie so wichtige Spannungsentladung noch mehr reduziert wurde?

    • Peter Nasselstein Says:

      „Obwohl ich seit 2 Jahren WEGEN meiner Orgontherapie auf Vaginalverkehr verzichte“??? Ähh?!

      • Paul Says:

        Schade, ich hoffte schon, ich bekomme eine kompetente Fremdeinschätzung zur Problematik. Die Antwort meines Orgontherapeuten auf diese Frage habe ich nicht verstanden. Zum „äähhh?!“: Angenommen du verlierst durch die Orgontherapie deine Homosexualität, denkst du, du hast eine Woche später gleich Vaginalverkehr? ähh??

  13. Paul Says:

    Homosexualität war bloss ein Beispiel. Ich habe auch nirgends geschrieben, dass ich auf Anraten meines Orgontherapeuten auf den Vaginalverkehr verzichtet habe, was soll diese wirre Interpretiererei? Es hat sich aus der Therapie heraus einfach so ergeben. Ich stelle nochmals meine Frage, die eigentlich interessanter als mein Liebesleben sein sollte: Wie kann es sein, dass trotz fehlendem Vaginalverkehr seit 2 Jahren sich neurotische Symptome deutlich gebessert haben, wenn die Theorie der Funktion des Orgasmus behauptet, dass das Abführen der sexuellen Spannung Voraussetzung dafür ist, gesund zu bleiben bzw. zu werden?

    • Renate Says:

      Ich nehme an, dass das Wissen um die Zusammenhänge bereits therapeutische Wirkung hat. Werden in der Therapie vielleicht auch Spannungen abgebaut durch tiefes Atmen und Gefühlen freien Lauf zu lassen?
      Nicht böse sein wegen der Interpretiererei 🙂 ich glaube, das war nicht sehr angenehm.

    • Peter Nasselstein Says:

      Zitat: „Obwohl ich seit 2 Jahren WEGEN meiner Orgontherapie auf Vaginalverkehr verzichte, verbessert sich mein Allgemeinzustand zusehends. Ist das nicht ein Widerspruch zur Theorie? Wie können die neurotischen Symptome nachlassen, wenn die in der Theorie so wichtige Spannungsentladung noch mehr reduziert wurde?“

      OK. Na gut… Jetzt die Frage: „Wie kann es sein, dass trotz fehlendem Vaginalverkehr seit 2 Jahren sich neurotische Symptome deutlich gebessert haben, wenn die Theorie der Funktion des Orgasmus behauptet, dass das Abführen der sexuellen Spannung Voraussetzung dafür ist, gesund zu bleiben bzw. zu werden?“

      Statistisch ist nachweisbar, daß Vagialverkehr mit einer höheren emotionalen und körperlichen Gesundheit verbunden ist als jede andere Sexualbetätigung. Das steht aber nicht im Wiederspruch dazu, daß etwa Heydrich sicherlich jede Menge Vaginalverkehr hatte und der von mir verehrte Paolo Pasolini keinen. Will sagen: es besteht keine automatische Verbindung zwischen Vaginalverkehr und allem Guten auf der einen und „Keinvaginalverkehr“ und allem Schlechten auf der anderen Seite.

      Es stimmt, daß die orgastische Potenz (= befriedigender [!] Vaginalverkehr) Ziel der Orgontherapie ist, aber die Lösung der oberen Panzersegmente ist ziemlich unabhängig von sexueller Betätigung. Eine sexuelle Beziehung am Beginn der Therapie hilft sicherlich ungemein, weil Energie mobilisiert wird und die Fortschritte sofort im Leben verankert werden können, aber… Prinzipiell könnte man auch einen katholischen Priester, der das Zölibat ernstnimmt, mit Orgontherapie behandeln, doch ab der Befreiung des Zwerchfells, wenn der Körper beginnt wirktlich als Einheit zu funktionieren, und erst recht wenn es ans Becken geht, ist die Katastrophe vorgezeichnet, geht es doch um die Mobilisierung des Orgasmusreflexes. Ohne aktives Sexualleben ist eine fortgeschrittene Orgontherapie kaum vorstellbar. Am Anfang einer Orgontherapie kann es nur helfen, aber Orgontherapie ist nicht undenkbar.

      Die Frage läßt sich wirklich nur sinnvoll beantworten, wenn man jede Einzelheit „des Falls“ kennt. Es könnte z.B. darum gehen, daß man sich aus einer destruktiven Beziehung („mit jeder Menge Vaginalverkehr“) löst, und eine Zeit durchmacht ohne jeden Vaginalverkehr, in der man emotional gesundet, weil man nicht mehr von einer Hysterikerin gequält wird. Es lassen sich alle möglichen Szenarios ausdenken.

      • claus Says:

        Ja; guter Kommentar, denke ich. Man mache sich einfach klar, wie viele heterosexuell aktive gemeingefährliche Psychopathen es gibt.

      • Paul Says:

        Danke. Dann ist unbefriedigender Vaginalverkehr (deshalb ist man ja in Therapie) also besser als gar kein Vaginalverkehr.

  14. Peter Nasselstein Says:

    Unbefriedigender Vaginalverkehr besser als keiner? Die Frage ist doch viel zu abstrakt! Man nehme etwa eine Frau in der Ehehölle, die, wenn sie das einzig richtige tut, nämlich sich von ihrem Mann zu trennen, keinerlei Chance hat, wieder einen Partner zu finden.

    Algemein dazu was aus dem JOURNAL OF ORGONOMY von 1980:

    Neurotic Sexual Relations or Abstinence?

    Q. I have had disputes about whether it is better for people who are not orgastically potent and not able to obtain therapy to have whatever neurotic sexual relations they are capable of (including the homosexual or the sadistic and masochistic) or to abstain. Can you shed any light on this?

    A. Barring the capacity for orgastic potency, pregenital sexual practices must be permitted. They do provide some degree of energetic discharge. This is better for health than abstention, where the inner tensions may reach harmful proportions or bioenergetic shrinking takes place. One can, however, assume responsibility for the fullest degree of genital health of which one is capable. Oftentimes, this will mean voluntarily giving up sadistic, masochistic, or homosexual perversions.
    In therapy, pregenital sexuality is usually spontaneously relinquished as the patient finds himself seeking and tolerating the greater excitation and satisfaction that comes with genitality. Where the patient has a capacity for genitality but runs from it by clinging to pregenital sexuality, he may be asked to stop the latter and face his anxiety.

    Richard A. Blasband

  15. Körper und Seele | Nachrichtenbrief Says:

    […] Die Funktion des Orgasmus (Teil 2) habe ich mich bereits mit dem Psychologieprofessor Stuart Brody (University of the West of […]

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