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Buchbesprechung: REICH – FOR BEGINNERS von David Zane Mairowitz (Teil 1)

11. September 2020

Reich – for Beginners. Von David Zane Mairowitz. Writers and Readers Publishing, Inc., New York, 1986, 174 Seiten, 6,95 $
[Wilhelm Reich kurz und knapp, Zweitausendeins, Frankfurt/M, 1995, 167 Seiten]

von Paul N. Mathews, M.A., Brooklyn, NY

 

Ich nehme an, es war unvermeidlich, dass jemand ein Buch über Reich mit dem Titel Reich – for Beginners1 schreiben würde. Ehrgeizig durchläuft der Autor das gesamte Spektrum von Reichs Leben und Werk von der Kindheit bis zum Tod, von der Psychoanalyse bis zum Cloudbusting. Wie erfolgreich er ist, ist eine andere Sache. Nicht unpassend für den Titel ist das Comic-Format. David Mairowitz, der Autor, zeigt dennoch mehr als Anfängerwissen über Reich und manchmal sogar ein Verstehen. Es ist offensichtlich, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat und einen ironischen und satirischen Sinn für Humor hat. Es ist auch offensichtlich, dass dieser 174-seitige Band viele Unklarheiten und Zweideutigkeiten sowie einige Fehler und Verzerrungen enthält.

Letztere manifestieren sich in mehreren „Kritiken“ und „Zwischenbemerkungen“, in denen der Autor seine eigenen Vorstellungen und Interpretationen von Reich zu mehreren entscheidenden Fragen darlegt. Die erste dieser „Kritiken“ wirft Reich vor, „genital besessen“ zu sein, und in der der Autor seine eigene These darlegt, dass es eine Unterscheidung zwischen männlicher und weiblicher Sexualität gibt, „die oft erbringt, daß sexuelle Lust nicht unbedingt vollständig auf der genitalen Hingabe beruhen muss“. Er stellt fest, dass die Stimulation der Klitoris auch eine Funktion der sexuellen Befriedigung bei Frauen ist … „wobei ein männlicher Partner nicht einmal nötig ist“. Offensichtlich hat der Autor bei all seinen Lektüren und Studien über Reich den häufig gemachten Standpunkt von Reich und seinen Mitarbeitern übersehen, dass prägenitale Funktionen sehr wohl eine Rolle für die sexuelle Lust spielen und nur dann pathologisch werden, wenn sie das Endziel der genitalen orgastischen Befriedigung ersetzen.

Der Autor geißelt Reich auch wegen seiner angeblich „lebenslangen Haltung zur männlichen Homosexualität“ als „Neandertaler“. Er stellt fest, dass Reich Homosexualität als „Abweichung, die geheilt werden sollte“, betrachtete, dass er nie einen homosexuellen Patienten aufgenommen habe und dass er, einmal darum gebeten, geantwortet habe: „Ich will mit solchen Schweinereien nichts zu tun haben.“a Wiederum irrt er sich, was die Behandlung homosexueller Patienten durch Reich betrifft. Es nicht getan zu haben, wäre eine Unwahrscheinlichkeit für jemanden, der die Struktur des passiv-femininen Charakters klar verstanden und der den Artikel Das Problem der Homosexualität (J. of Orgonomy, 20(1), 1986) geschrieben hat, in dem er unmissverständlich seine Missbilligung der moralistischen, nichtklinischen Geringschätzung und Verfolgung von Homosexuellen zum Ausdruck bringt. Reich ist sich über die Pathologie der Homosexualität im Klaren und hier unmissverständlich, warnt aber vor einer moralischen und rechtlichen Verurteilung eines opferlosen, pathologischen Musters des sexuellen Ausdrucks. Der Autor hat seine Informationen offensichtlich aus dem Buch von Reichs ehemaliger Frau Ilse Ollendorff. Es ist weithin anerkannt, dass ehemalige Ehepartner häufig keine glaubwürdigen Quellen für genaue Informationen übereinander sind.

 

Anmerkungen

1 Vielleich sollte man darauf hinweisen, dass dieser Band zu einer Reihe von Büchern „für Anfänger“ gehört, die sich hauptsächlich mit linken Figuren wie Marx, Lenin und Engels beschäftigt haben – obwohl auch Einstein und Freud enthalten sind.

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Zitat im Original in Deutsch.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 20 (1986), Nr. 2, S. 293-296.
Übersetzt von Robert (Berlin)

ZUKUNFTSKINDER: 5. Säuglingspflege und Kindererziehung, b. Die Sexualökonomie des Stillens

3. März 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

5. Säuglingspflege und Kindererziehung, b. Die Sexualökonomie des Stillens

Linke Klitoris, rechte Vagina

7. August 2016

Soweit ich es überblicke, ist es ausnahmslos so, daß, was die weibliche Sexualität betrifft, linke Sexologen vollkommen klitoris-fixiert sind, während die Rechten ganz im Gegenteil vaginal orientiert sind. Zum Beispiel schrieb die rechtskatholische Kinder- und Jugend-Psychotherapeutin Christa Meves (Jahrgang 1925) in ihrem mittlerweile 36. Auflagen erreichten Ehe-Alphabet von 1973:

Der Orgasmus der Frau ist in seiner nackten Form im Grunde eine höchst künstliche Anpassung an das männliche sexuelle Erleben. Er geht von dem anatomischen „Rest“, der Klitoris aus und ist deswegen eigentlich für die Frau ein Rückschritt in die infantile Sexualität. Die große Liebe der Frau, die keine Onanistin war, geht nicht phallisch als Anstieg und abrupter Abfall der Spannung vor sich, sondern sie schwingt in weichen Rhythmen, und für sie gibt es eigentlich kein Ende; denn für sie ist das Ende der männlichen Erregung im Grunde die Hoffnung auf einen großen, langanhaltenden erregenden Anfang: nämlich die Hoffnung, ein Kind empfangen zu haben. (z.n. Vorsicht „Lebensschützer“ – Die Macht der organisierten Abtreibungsgegner (Herausgeber: Frauen gegen den § 218, Bundesweite Koordination), Hamburg: Konkret Literatur Verlag, 1991, S. 58)

Natürlich liegt die Konservative mit ihrem verzerrten Kontakt mit dem Kern der orgonomischen Wahrheit irgendwie näher als ihre linken Kollegen, mit deren totalen Abtrennung vom Kern. Ich habe noch nie einen Konservativen gehört, der die Klitoris verteidigt (in Saharasia schneiden sie sie sogar ab), während alle Linken die vaginale Hingabe als reaktionär ablehnen. Und die Orgonomie sitzt wieder mal zwischen allen Stühlen.

Siehe dazu auch Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht.

Frau Meier kommt!

3. August 2016

Seit jeher ist es ein Rätsel, warum Frauen einen Orgasmus haben. Lange Zeit wurde ihnen die „Befähigung“ zu demselben sogar rundweg abgesprochen. Für Biologen ist er so ein Rätsel, weil sich der evolutionäre Vorteil eines weiblichen Orgasmus nicht recht erschließen will. Die neuste Theorie ist, daß bei den frühen Säugetieren der Eisprung durch den Geschlechtsakt selbst ausgelöst wurde, womit der Orgasmus bei den Weibchen eine ähnliche Rolle spielte, wie der Samenausstoß bei den Männchen. Erst später erfolgte bei Herdentieren wie den Schimpansen, die ständig Sexualpartner haben, der Eisprung in regelmäßigen monatlichen Zyklen. Die ursprünglich notwendige Stimulierung des Eisprungs würde den Orgasmus erklären, zumal sich die Klitoris ursprünglich innerhalb der Vagina befand und erst im Verlauf der Evolution nach außen wanderte. Der weibliche Orgasmus habe sich dabei sozusagen verselbständigt und, wenn er nicht funktionslos geworden sei, habe er vielleicht andere Funktionen übernommen, etwa die Paarbindung durch Ausschüttung entsprechender Glückshormone.

Was bei diesen Überlegungen immer unter den Tisch fällt, ist die naheliegende Funktion des Orgasmus: die Abfuhr überschüssiger biologischer Energie, um ein möglichst hohes Energieniveau aufrechterhalten zu können. Dies gilt gleicherweise für Mann und Frau. Diese Funktion würde auch erklären, warum es so drastische Folgen für das psychische und körperliche Wohlbefinden hat, wenn der Orgasmus durch Störungen „ruiniert“ wird. Der Orgasmus ist ohne Zweifel kein bloßer Irrläufer der Evolution, auf den man ebensogut verzichten könnte!

Siehe dazu auch meine Ausführungen in Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht.

Diskussionsforum 2011: eine Nachlese (Teil 2)

10. September 2015

Robert machte aufmerksam auf: Das Korrespondenzblatt der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 1910–1941

http://www.luzifer-amor.de/index.php?id=179

Kostenloser Download:

Klicke, um auf korrespondenzblatt_1910-1941.pdf zuzugreifen

Außerdem wies Robert darauf hin, daß es in der Zeitschrift SEIN um orgastistische Geburtsgefühle geht. Ganz das Gegenteil zu den üblichen Schmerzen bei der Geburt. Peter fand beim Zusammenstellen dieser Nachlese das:

https://www.sein.de/orgasmische-geburt-das-bestgehuetete-geheimnis/

O. verwies auf die Seite der Wilhelm Reich Gesellschaft (WRG), Berlin, wo die Frage beantwortet wird: „Was ist eigentlich die Reichsche Orgontherapie?“ http://www.wilhelm-reich-gesellschaft.de/content/reichsche-therapie

Kommentar von O.: Wieder eine orientierungslose Definition mit ein paar ausgewählten Reich Zitaten, die alles auszusagen scheinen und nichts ausdrücken. Es pulsiert mal wieder sehr lebendig und vor allem „demokratisch“ in der WRG, möcht man sagen.

O. weiter: Auf der WRG Seite werden die „Essentials“ original bei Reich zitiert – so heißt es:

Diese Frage ist bedeutend leichter zu beantworten als die vorangegangene, denn dazu brauchen wir Reich selbst nur heranzuziehen. Letztlich ist es eine Frage nach dem, was Reich selbst als essentiell für seine Arbeit schriftlich definiert hat.

… ich nun mit dem Ausdruck Orgontherapie auch die Charakteranalyse und die Vegetotherapie zu umfassen vorschlage. …. Die Orgontherapie konzentriert unsere Arbeit an der biologischen Tiefe, am Plasmasystem, oder, wie wir technisch zu sagen pflegen, am biologischen Kern des Organismus. (CA, S. 362)
Die Orgontherapie unterscheidet sich von allen anderen Arten der Beeinflussung des Organismus dadurch, daß sie unter weitgehender Ausschaltung der Wortsprache den Kranken dazu anhält, sich biologisch auszudrücken. (CA, S. 365)
Die zentrale Aufgabe der Orgontherapie ist die Zerstörung der Panzerung …, das Resultat der ideal durchgeführten Orgontherapie ist das Auftreten des Orgasmusreflexes. (CA, S. 369)

Diese 3 Zitate verdeutlichen die Essenz dessen, was wir als Reichsche Therapie benennen können, nämlich die Orientierung an den biologisch-energetischen Prozessen im Organismus jenseits der Wortsprache mit Ziel, ihr zur freien Beweglichkeit zu verhelfen, die für Reich im Orgasmusreflex sichtbar wurde. Verkürzt könnte man deshalb sagen, daß die Essenz Reichscher Therapie die Orientierung am Orgasmusreflex, an der biologisch-emotionalen Hingabehaltung ist.

Darauf Sebastian: Danke für den Text. Mir sind vier Dinge aufgefallen:

  1. widerspricht sich VKD [der Autor des WRG-Textes] bezüglich der statischen „Orthodoxie des ACO“ und geht nicht weiter auf die Qualität der Impulse von außen ein.
  2. kritisiert er die „Orthodoxie“, bemängelt dann aber ironischerweise selbst die Abweichung von den wesentlichen Inhalten der Orgontherapie.
  3. betont VKD organisatorische Probleme.
  4. stammt der Text von 2004. So neu ist er doch gar nicht, oder?

Zu 1.: Er nennt die Orgontherapie des ACO statisch. Als statisch bezeichnet er, was nur Impulse von innen zuläßt. Das ist ein Widerspruch. Wie kann etwas Impulsives statisch sein?
Sein Kriterium für Dynamik sind Impulse von außen und „atemberaubende Entwicklungsschritte“.
Die Impulse von außen rechtfertigt VKD mit neuen Charakterdiagnosen. Auf die Frage, wie man auf Impulse von außen reagieren soll, die Reichs wesentlichen Erkenntnissen diametral entgegenstehen, also die Qualität der Impulse, geht er nicht ein. Zudem stimmt es nicht, daß Reich sich nicht dazu äußerte, was er von Impulsen von außen hält:

Ein zweiter Ingenieur kommt an der Garage unseres Arbeitenden vorbei. Er merkt sofort, mit dem Kennerblick des Erfahrenen, daß der Arbeitende einen schweren Stand hat. Er legt seinen Rock ab, krempelt die Ärmel hoch und versucht zunächst zu begreifen, wie der Defekt beschaffen ist und ob der arbeitende Ingenieur Fehler macht. Er zeigt diesem eine wichtige Stelle, die er übersehen hatte, er überlegt mit ihm zusammen die Fehler, die bei der Arbeit begangen sein mochten. Er faßt mit an, bespricht und kritisiert die Arbeit und hilft, es besser zu machen. Sein Motiv ist keine nörgelnde Schwiegermutter und kein Versagen in seinem eigenen Beruf, sondern sachliches Interesse am Gelingen der Arbeit. […]
Im streng sachlich-wissenschaftlichen Sinne ist nur eine Art Kritik zulässig, die sogenannte immanente Kritik [sic!]; d. h. der Kritiker muß einige Forderungen erfüllen, ehe er sein Recht zu kritisieren in Anspruch nimmt:

  1. Er muß das Arbeitsfeld, das er kritisiert, selbst beherrschen [sic!].
  2. Er muß es zumindest ebensogut, wenn nicht besser kennen, als der, den er kritisiert.
  3. Er muß daran interessiert sein, daß die Arbeit gelingt, und nicht, daß sie mißlingt. Will er sie nur stören, haben seine Kritikmotive nicht mit sachlichem Interesse zu tun, dann ist er ein neurotischer Querulant, aber kein Kritiker.
  4. Er muß seine Kritik vom Standpunkt des kritisierten Arbeitsfeldes leisten [sic!]. Er kann nicht von fremden Standpunkten her kritisieren, die mit dem Arbeitsfeld nichts zu tun haben. (Massenpsychologie…, 6. Aufl., KiWi, S. 328 f)

Sebastian weiter: Die „atemberaubenden Entwicklungsschritte“ sollen Reich charakterisieren. Paradox: Ich habe Reich bisher genau andersherum interpretiert, was sein Werk für mich auch so attraktiv macht. Für mich ist Reich ein wissenschaftlicher Arbeiter, ein Forscher, dessen Forschungsmethodik gerade nicht „atemberaubend“ ist: Er macht eine Beobachtung, schreibt sie in sein Tagebuch, sammelt über lange Zeiträume (Jahre) akribisch weiteres Beobachtungsmaterial, erklärt es sich theoretisch und baut seine Technik aus, sammelt Beobachtungsmaterial, was sich daraus ergibt, stellt es zur Diskussion und nach diesem langen Prozeß veröffentlicht er es erst! So jedenfalls mein Eindruck von seiner medizinischen Entwicklung.

Zu 2.: Er spricht von einer unnötigen Einschränkung der therapeutischen Kompetenz. Wo unterscheidet sich das von der Kritik an den Körpertherapien, der WRG etc.? 🙂

Zu 3.: Ein Teil des Artikels handelt von organisatorischen Angelegenheiten. VKD spricht von „sozialer Kontrolle“, „Qualitätskontrollen“, „geschützten Titel[n]“, „keine[r] unabhängige Instanz [Organisation]“ und will damit zweierlei ausdrücken: Zum einen die Position des ACO unterminieren, zum anderen die (demokratische, organisatorische) Position der WRG stützen. Wenn man sich vor Augen führt, was Reich von Organisationen hält, erübrigt sich jeder Kommentar.

Robert dazu: Dies ganz im Gegensatz zu Angehörigen von erkennbar demokratisch organisierten Instituten und Institutionen, wie dies z.B. die Wilhelm-Reich-Gesellschaft ist.

Dies ist ihr absurder Anspruch, Wissenschaft per Demokratie zu betreiben. Für Reich sollten Fachleute die Entscheidungen treffen (Arbeitsdemokratie), die mit dem Stoff zu tun hatten. Wenn nun der Psychologe über Biophysik entscheiden soll und darüber nichts weiß, kann dies nur schiefgehen. Reich hat auch nicht über seine Forschungen abstimmen lassen. Der Fetisch der Demokratie kann nicht ernsthafte Forschung ersetzen.

Peter 2015: Die psychiatrische Orgontherapie hat sich aus der Psychoanalyse Freuds und dem gängigen Handwerkszeug der Psychiatrie heraus entwickelt (bevor das letztere vollständig von der Psychopharmakotherapie verdrängt wurde). Das dient in der Therapie aber immer nur einem: den Patienten mit seiner Panzerung in Kontakt bringen (in WIRKLICHEN Kontakt!) und dann (WIRKLICH erst dann!) durch denkbar einfache biophysische Eingriffe, die Panzerung aufzulösen. Man kann Jahrzehnte einer „Orgontherapie“ damit verbringen, etwa eine Brustpanzerung „biophysisch“ aufzulösen, ohne Kontakt des Patienten mit seiner Panzerung ist das alles vollständiger Unsinn. Diese Disziplin des Kontaktherstellens bringt kein Laientherapeut auf, zumal er das Handwerkszeug gar nicht hat mit Patienten professionell als Psychotherapeut umzugehen und ein psychotherapeutisches Gespräch lege arte zu führen. Impulse von außen, etwa durch Adlerianische und Jungianische Konzepte, sind, soweit sie nicht eh zur gängigen Psychiatrie gehören, nur ablenkender Firlefanz. Es geht um die Herstellung von Kontakt mit Blockaden und deren Auflösung. Da ist die Orgontherapie, d.h. die „biophysische Chirurgie“ (Reich), genauso primitiv wie die Chirurgie, die für das Herausschneiden von Blinddärmen verantwortlich zeichnet: aufschneiden, abschneiden, zunähen! – Manche verwechseln die Orgontherapie mit einem „spirituellen Weg“, d.h. mit Ideologie und Religion. Kurioserweise werfen sie dann der Orgonomie vor, diese sei ideologisch verhärtet und nicht offen für Impulse von außen. Diese ganze Diskussion ist derartig verquer und kontaktlos. Aaaaarrrggghhhhh!!!

Ich spreche aus eigener Erfahrung mit „Reichianischen“ „Therapeuten“: sie sind nicht in der Lage mit einem psychotherapeutischen Patienten umzugehen, wie es wirklich jeder konventionell ausgebildete Psychotherapeut selbstverständlich kann, wollen die Psychotherapie aber mit allen möglichen Dingen „erweitern“.

Ähnliches läßt sich über die Orgonomie generell sagen, die in den Händen von „Reichianern“ und Pseudo-Orgonomen zu einer Art Naturphilosophie wird. Etwa wie hier http://www.hanspeterseiler.ch/site/ganzheitlich_main.html : „Alles Seiende besteht aus Wellen, Schwingungen und Wirbeln eines lebendigen Fluidums, das als kosmische Urflüssigkeit, Weltäther oder auch als göttlicher Atem oder spirituelles Pneuma bezeichnet werden kann.“ Sicherlich würden 99% von allen Reich-Enthusiasten diesem Satz zustimmen und ihn zur Quintessenz von Reichs Lebenswerk erklären, das entsprechend „ausgebaut“ werden kann, nicht zuletzt „spirituell“. Doch das ist Unsinn! Die Orgonomie ist eine Wissenschaft. In Wissenschaften geht es um funktionelle Zusammenhänge, nicht um die Formulierung eines in sich geschlossenen „Weltbildes“. Und wieder: es sind genau jene, die ein „orgonomisches“ Weltbild vertreten, die für eine „Öffnung“ der Orgonomie eintreten. Was soll das bedeuten? Wissenschaft ist per se offen oder sie ist keine Wissenschaft. Tatsächlich meinen sie, daß sich die Orgonomie „anderen“ (man beachte meine Anführungszeichen) „Weltanschauungen“ öffnen soll.

Peter 2011: In Zeiten des Kults der Expansion wird alles auf Comedy und Fun reduziert. Sie fühlen sich zu Reich hingezogen – und können nur hysterisch, kindisch lachen.

Wenn irgendwas unsere “Kultur” symbolisiert, dann ist es wirklich das “Orgasmatron”: http://www.orgasmatron.com.au/

Frage: Werde ich einen Orgasmus haben?
Antwort: Wir können einen Orgasmus nicht garantieren, aber es macht definitiv Spaß es zu versuchen.

Die Angriffe auf Reich häufen sich, wie Ende der 1940er Jahre in den USA. Sie sind sogar noch gemeiner und hinterhältiger als damals. Linke machen ihn für den Zerfall des Klassenkampfes verantwortlich, Rechte für die Zersetzung aller Werte. Jetzt der britische Guardian anläßlich von Christopher Turners Reich-Biographie Adventures in the Orgasmatron:

http://www.guardian.co.uk/books/2011/jul/08/wilhelm-reich-free-love-orgasmatron

Man lese auch die Kommentare.

Und dann auch noch etwas zum Cloudbuster!

http://www.guardian.co.uk/news/2011/jul/06/weatherwatch-cloudbuster

Und dann der vielleicht schwerste Angriff seit Reichs Tod, vielleicht überhaupt der schwerste Angriff. Auf dem britischen kommerziellen Sender Channel 4 erschien als Folge 2 der Reihe The Sex Researchers:

http://www.channel4.com/programmes/the-sex-researchers/episode-guide

Die Sexforscher (Folge 2)
„Besseren Sex“ zu erreichen ist der Heilige Gral der Sexforschung, aber die Wissenschaft ist sich uneins über die Methoden. Findet alles im Kopf statt? Oder ist die Lösung bei Pillen und in der Chirurgie zu suchen?
Das zweite Programm in der Serie befaßt sich mit der neuesten wegweisenden Forschung in Sachen Sex und der Wissenschaft, den richtigen Partner zu finden.
Es betrachtet die Vor- und Nachteile von chemischen Mitteln, wie Viagra, und die moralischen Dilemmata bei der Entwicklung von „Liebesdrogen“, um die Libido aufzupumpen und Partner anzuziehen.
Der Film bietet auch einige seltsame Episoden in der Geschichte der Sexforschung, wie etwa die Arbeiten von Wilhelm Reich. Ein Kumpel von Einstein, der behauptete, daß er die verborgene libidinöse Kraft entdeckt hatte, die das Universum entstehen läßt und die er „Orgon“ nannte.
Freuen Sie sich auf die enorme Operation, um den Penis eines Taiwanesischen Mannes in eine Art von Gelenklampe zu verwandeln und den Versuch, Männer mittleren Alters durch Transplantation von Affenhoden zu verjüngen.

„Kommerzieller Sender“? Alle Sender der westlichen Welt werden von linken Pestratten dominiert! Hier meine damaligen spontanen Notizen beim Betrachten dieser Scheiße, die nach der ersten Ausstrahlung zurückgezogen wurde, nachdem James DeMeo seine Anwälte darauf angesetzt hatte:

Das schlimmste EP-Angriff JEMALS: ab 06:50 Minuten mit Jim DeMeo. Reich (bzw. der Schauspieler, der Reich spielt) masturbiert vor der Kamera, um die Orgasmusenergie zu messen! „So viele Orgasmen wie möglich führen zur Gesundheit.“ – Reich ist weiter am Masturbieren. DeMeo-Szene. Nächste Szene: Reich masturbiert einen nackten Patienten! Als sich Gerüchte verbreiteten, er sei psychisch krank, floh er in die amerikanische Wildnis! Dort erfand er seine Karriere neu und erfand Boxen, um die Orgonenergie zu nutzen. DeMeo und seine ORACs. Die weltumspannende Orgasmusenergie wird an die Person, die innen sitzt, abgestrahlt. MAN MUSS DIE HÄMISCHE STIMME DES SPRECHERS VOLL ABGRUNDTIEFER VERACHTUNG HÖREN!! Dann wird der ORAC-Trichter (shooter) gezeigt – und aus dem Kontext heraus wird jeder denken, er werde auf den Penis aufgesetzt! Reich und Einstein – Einstein erklärte es als einfache Wärmeübertragung. Als Reich erwähnt, daß die Menschen ihn als verrückt betrachten, antwortete Einstein: „Das kann ich verstehen!“ Reichs Ruf in Amerika war bald so schlimm wie in Europa. Die ORACs wurden zu einem Betrug ersten Ranges erklärt. Es stellte sich heraus, daß die Übel der Gesellschaft von reichlich Orgasmen nicht gelöst werden. 12:15 Minuten.
DeMeo hatte nicht die geringste Ahnung, daß er von Modju mißbraucht wurde. Es war nur eine TV-Dokumentation.

Leider mußte ich über weitere zwei Berichte über Reich in der englischen Presse berichten:

http://www.dailymail.co.uk/femail/article-2015005/Did-wooden-box-trigger-sexual-revolution.html

http://www.economist.com/node/18956016?story_id=18956016

Es macht den Eindruck, daß diese Angriffe darauf zurückzuführen sind, daß, wenn es ein Hindernis auf dem Weg zur multikulturellen Gesellschaft gibt, die dem modern liberal (dem pseudo-liberalen „linksgrünen“ Kommunisten) so wichtig ist, die sexuelle Revolution im Reichschen Sinne verantwortlich gemacht wird. In einer Art „emotionaler Verschwörung“ bzw. „emotionaler Kettenreaktion“ (es geht hier also nicht um eine Verschwörungstheorie im üblichen Sinne!) wird Reich als der imaginierte Schöpfer dieser Kalamität angegriffen.

Robert verwies darauf, daß James DeMeo seinen Kommentar gegeben hat: https://www.economist.com/users/James%20DeMeo/comments

Und schließlich O. mit seiner Generalabrechnung mit DeMeo:

Zur Anmerkung, daß meine Bemerkung zum Filmbeitrag DeMeos sarkastisch sei:
Ich finde, daß wenn Mist gebaut wurde, DeMeo immer dabei war. Er hätte es eigentlich besser wissen müssen, tut es aber nicht, da stimmt für mich was nicht bei ihm. Und das ist das ständige Geltungsbedürfnis, das scheinbar sachliche Beiträge oberflächlich richtig erscheinen läßt, aber da immer was Schräges rauskommt. Und genau das ist ihm in diesem Film passiert, er ist keine Zwanzig, wo man noch naiv agieren kann. Er hat Erfahrung mit F[…], T[…] und anderen und lernt nichts daraus? Haben die ihn nicht genug ver… ? Da läßt er sich von Fernsehleuten noch vorführen, als hätten die noch nie über Reich schlecht geredet, als würden sie „neutral“ urteilen wollen. Das regt mich nicht auf, sondern da kann ich nur – meinetwegen sarkastisch grinsen.
DeMeo meint es vielleicht gut, aber das (mir) reicht nicht. Er ist oberflächlich argumentativ überzeugend und hält die Fahne hoch, doch wir (so wie General Castor) brauchen keinen Fahnenträger.
Konkret: Beispiel 1: Die Saharasiathese sollte mit statistisch signifikanter Studie (seiner Diss) irgendwie belegt sein. Oberflächlich ist sie plausibel als Hypothese. Die methodische Ausarbeitung ist aber nicht aufgeführt. Seine Arbeit ist nicht nachvollziehbar und auch nicht signifikant. Angaben zum Test fehlen. Somit ist sie kritisch betrachtet ein Prosatext ohne Aussage. Das ist um so fataler, da wir hier weitreichende Annahmen machen über die islamische Kultur, arabische Staaten etc. Dann ist einfach zu dünn. [Siehe dazu die Diskussion in den Kommentaren zu https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2014/09/02/james-demeos-saharasia-theorie/%5D
Beispiel 2: DeMeo entgegnet Harrer (als fast einziger) verbal fundiert und sich auf Reich beziehend [siehe dazu Teil 1]. Das hört sich gut an, ich könnte ihm in manchen Punkten auch Recht geben, aber er weiß nichts von Harrers Arbeit, außer etwas vom Hörensagen.
Sein Motiv ist doch wohl leicht zu unterstellen, er will sich auf der Seite der WRG schlagen, zu denen er auch gute Kontakte hatte, die Harrer damals loswerden wollten.
Das die WRG aufgrund von Unfähigkeit irgendetwas wissenschaftlich zu beurteilen vor Harrer einknickte und um ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen (rein taktisches Vorgehen, das Fähnchen nach dem Wind halten), konnte DeMeo nicht ahnen und dann auch nicht fassen, würde ich vermuten. Die Orgonenergie wurde nicht in der „Maierklärung“ wegerklärt, weil Harrer so brillante „Beweise“ hatte, sondern weil ihn keiner verstanden hat.
DeMeos Ausführungen sind keine Auseinandersetzung mit Harrers Ergebnissen, sondern oberflächliche Gegenargumente, die eine Scheindiskussion führen auf fraglichem Niveau, nämlich keinem wissenschaftlichen, den Harrer für sich beanspruchte.
Seine Entgegenung ist der Versuch Reich zu verteidigen oder für sich selbst „Punkte“ zu sammeln (damit man ihm mal sein Labor und seine Ambitionen als zweiter WR finanziert). Hier gilt auch das Prinzip, wer viel „arbeitet“ hat Recht und Ansehen in der Reichszene, ein doch fragliches Dogma, was von Reichs Arbeitsdemokratie abgeleitet sei. DeMeo will hier wieder die Welt retten, als James (007). – Ok, der Kommentar war wieder sarkastisch, aber es soll hier mal sein Motiv zeigen.
Beispiel 3: Wirft das CLB-Projekt nicht Fragen auf? CLB mit F[…], T[…] und S[…]. – In Konkurrenz übrigens zu Harrer.
Daher der unterschwellig persönlich gefärbte und motivierte Diskurs als Abrechnung mit Harrer und nicht als inhaltlicher Beitrag!
Für mich schleimt DeMeo wo er kann auf allen Seiten und es geht ihm nur um Anerkennung (Narzißmus), das ist mein Resümee, sonst hätte er gemerkt, daß er auch nur benutzt wird, um mit ihm zu glänzen. Er stellt im Internet seinen Disput mit T[…] (und umgekehrt) zur Show und lobt kritiklos F[…]. Da dürfte doch mal etwas auffallen, oder? Deftige Kritik an Harrer, obwohl dessen Inhalte nicht bekannt sind (bis heute nicht) und unseren Experten F[…] für Engelsakkumulatoren wird nicht mal in einer Fußnote kritisiert. Also da ist es dann mit der „Verteidigung“ von Reich nicht mehr so wichtig. Das nenne ich eine einseitige und fragwürdige Haltung, die (auch hier) alles in Frage stellt.
Und jetzt sollen bei der Filmdarstellung die anderen Schuld sein? Sind es denn bei DeMeo nicht immer die anderen? Wer schult einen „Haufen Orgonitten“ im CLB, damit sie Wetterchaos anrichten können? Welche anderen waren es? Wer schreibt „So Du willst einen CLB bauen“ in der BZ der Orgonomie, wo klargestellt wird, daß man erstmal eine abgeschlossene Orgontherapie für sich braucht, und läßt dann unsere „Panzerknackergang“ an das Gerät, die von Orgontherapie nur drei Zitate im TB Fischer der Charakteranalyse findet?
Seriöse Arbeit Mr. Dr. phil. DeMeo sieht klar anders aus. (Ich hoffe die Titel sind korrekt, ansonsten entschuldige ich mich an dieser Stelle.)
DeMeo hat nicht ein einziges Mal darüber nachgedacht, geschweige denn seine Methode überprüft, als man ihm vorgeworfen hat, daß er Wetterchaos anrichtet, ob er tatsächlich mit dem „Greening Desert Project“ nicht völlig falsch liegt. – Alle hier bereits ordentlich kritisierten Projekte wie Greening Africa, auch die chemtrail Aktivisten, sind Nachahmungen seiner populistischen Aktivitäten (Orop Namibia, Arizona usw.), die „nie Anerkennung“ erfuhren. (Die anderen sind Schuld). DeMeo irrt nicht – so scheint es – er kann nicht irren und ist unfehlbar, unkritisierbar.
DeMeos Haltung ist für mich nicht konsistent, sondern zu widersprüchlich.
Dies soll als Argumentationslinie für hier einmal ausreichen. Die Kritik und den Hinweis, daß ich sarkastisch war, nehme ich an; das ist unangenehm und dies zu ändern fällt mir schwer, aber ich kann mal daran arbeiten!

Sebastian: Ich habe ein paar Fragen zu den weiblichen Geschlechtsorganen und zum Orgasmus aus orgonomischer Sicht. Was sagt der Orgonom zur Gräfenberg-Zone (G-Punkt), zur erogenen Zone nach Chua Chee Ann (A-Punkt) und was weiß ich, wie die Vagina noch in einzelne Punkte oder Zonen zersplittert wird? Was hat es mit der weiblichen Ejakulation auf sich? Reich beschreibt diese überhaupt nicht. Und was ist von multiplen Orgasmen zu halten, die ja landläufig als „Superorgasmus“ gelten?

Peter: Frauen haben bei der Selbstbefriedigung meist intensivere „Orgasmen“, manchmal sogar „multiple Orgasmen“. Das hat mit einem „Orgasmus“ ziemlich wenig zu tun, der mehr ist als eine starke Nervenerregung und „Jucken“. Was den G-Punkt betrifft, markiert er nur das innere Ende des sehr umfangreichen Klitorisgewebes. Dieses trägt zur Erregungssteigerung bei, der Orgasmus (= Plasmazuckung) selbst ist jedoch unabhängig von derartigen Nervengeweben. Siehe auch https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2014/05/28/die-funktion-des-orgasmus-und-%E2%80%9Edie-moderne-naturwissenschaft%E2%80%9C/

Sebastian: Mir kam da eben so ein Gedanke. Die Beschreibung des Erregungsverlaufs bei multiplen Orgasmen einer Frau (…) hat mich an Reichs Beschreibung der Nymphomanie erinnert. Kann das sein? Sie beschreibt den Verlauf als eine Welle. Reich schreibt:

Das achte Schema stellt den Verlauf der Erregung bei Frauen dar, die sehr darunter leiden, daß sie während eines Geschlechtsaktes mehrere Male der Akme ähnliche Sensationen erleben, ohne jedoch die Spannung zu verlieren, so daß sie in ständiger sexueller Erregung verbleiben („Nymphomanie“). (Frühe Schriften II, S. 59)

Nun ist sie allerdings ziemlich begeistert davon und in der Doku bezeichnen irgendwelche Hippie-Frauen den multiplen Orgasmus als „Superorgasmus“. Ich sag‘s gleich vorweg. Das ist für Reich-Kenner eine relativ unerträgliche Doku mit ihren Sexgurus, Vagina-Fitnesstrainern, Meditatoren und Hippies, die die unwillkürliche Hingabe nicht kennen und alles kontrollieren wollen.

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=HlqNYQhgB0E%5D

Peter: Was das weibliche Ejakulat betrifft: Reich ging es um die Qualität des Scheidensekrets. Je sämiger und öliger, desto besser. Das weibliche Ejakulat ist dünnflüssig, teilweise ein feines „Spray“. Ich glaube kaum, daß es eine großartige Korrelation zur orgastischen Potenz gibt.

Peter weiter: Baker beschreibt das ganze sehr schön hier: http://orgonomy.org/articles/Baker/Sexual_Theories_of_Wilhelm_Reich.html

Das Vorspiel steigert die Erregung weiter bis die Vereinigung (Wunsch nach Eindringen) dringlich wird. Ein Wunsch, der in beiden Partnern vorhanden sein sollte. Bei Männern ist die Erektion eine offensichtliche Voraussetzung.
Bei der Frau ist die Erektion nicht so offensichtlich und wird nicht derartig als Voraussetzung betrachtet. Dennoch erigieren Schamlippen bei adäquater sexueller Bereitschaft, wie die Brustwarzen, wenn die Brüste reagieren. Des weiteren gibt es zwei Arten von Vaginalsekret, wäßrig und schleimig. Letztere, die elektrolytisch ist, bietet ein höheres Maß an Kontakt und Erregung und wenn sie nicht vorhanden ist, ist eine Frau nicht vollständig sexuell bereit. Längeres Vorspiel mit Stimulierung der Klitoris wird tendenziell einen klitorialen Höhepunkt produzieren und die vollständige vaginale Reaktion stören.
Es ist noch immer eine Frage, ob die Frau in der Scheide selbst Lust fühlt oder ob dies eine Illusion ist, die von Lustempfindungen an den Schamlippen und am Scheideneingang bedingt ist. Die Hinterwand der Vagina scheint am meisten zu reagieren. Es gibt entsprechend einen definitiven Drang nach Penetration und vaginalem Orgasmus im Gegensatz zum klitoralen Höhepunkt. Letzterer erzeugt nur eine lokale Reaktion, während ein vaginaler Orgasmus eine totale Reaktion des gesamten Organismus darstellt, die zur kompletten Befriedigung führt. Auch wird, wo genitale Potenz vorliegt, die Scheide zu einem aktiven Organ, das am Penis saugt, wie der Mund an einer Brustwarze saugt.
Die wirkliche genitalen Vereinigung, bei der Kontakt (Strömungen) vorhanden ist, bewirkt das dringende Bedürfnis nach reibenden Bewegungen, weich aber aggressiv und synchron mit der Atmung. Schnelle, harte Bewegungen beruhen auf Kontaktlosigkeit und überdecken jede natürliche Empfindung der Hingabe. Zaghafte Bewegungen oder Mangel an Bewegung kann durch Angst bedingt sein oder um das Empfinden zu drosseln.
Der tatsächliche Geschlechtsakt dauert zwischen drei und zwanzig Minuten mit einem anhaltenden Gefühl von natürlicher Sanftheit. Die Position erfordert nur, daß es zu keiner Behinderung der Bewegungen kommt. Man kann direkt zum Orgasmus fortschreiten oder auch nicht. Man kann innehalten, die Stellung ändern, etc., aber an einem bestimmten Punkt wird der Akt automatisch und initiiert die unwillkürliche orgastische Zuckung. An diesem Punkt wird das Anhalten oder anderes Eingreifen als sehr schmerzhaft und störend empfunden. Dies kann auftreten, wenn einer der beiden den vollen Schwung der orgastischen Zuckung nicht erträgt und durch schnelle, ruckartige Bewegungen oder sogar Rückzug eingreift. Oder man erstarrt und wird unbeweglich und verliert die Empfindung sogar gänzlich. Der Geschlechtsakt sollte frei von Phantasien sein, die in sich selbst eine Flucht darstellen.
Der vollständige Orgasmus hängt vom kompletten Fehlen von Festhalten im Organismus ab. An einem bestimmten Punkt ergreift die Erregung den ganzen Menschen und ihre Zunahme unterliegt nicht der willkürlichen Kontrolle. Nachdem sie sich zunächst auf den gesamten Organismus ausgebreitet hat, konzentriert sie sich im Genitalbereich und es folgt eine warme, schmelzende Empfindung. Unwillkürliche Muskelkontraktionen im Genitalbereich und im Beckenboden treten in Wellen auf. Der Berg jeder Kontraktionswelle fällt mit einer tiefen Penetration während des Ausatmens zusammen. Es folgen die Spasmen, die die Ejakulation hervorrufen. Bei Frauen treten Kontraktionen auf und es kommt zu einer Dehnung in der Vagina, ergänzt durch den Wunsch, vollständig zu empfangen. Aufgrund der Invagination ist dies vergleichbar mit dem expansiven Drang des Penis, vollständig zu durchdringen. Es folgt eine Trübung des Bewußtseins und eine Zunahme der Kontraktionen, die den ganzen Körper betreffen. Nach den Konvulsionen bleiben die beiden Organismen für eine Zeit vereinigt, während die Energie, die sich auf das Genital konzentriert hat, wieder durch den Organismus fließt, was als Befriedigung empfunden wird. Die folgende Trennung ist mit Entspannung verbunden, einer zärtlichen, dankbaren Haltung gegenüber dem Partner und Schlaf.

Zur Illustration siehe
https://orgontherapie.wordpress.com/glossar/ unter dem Stichwort „orgastische Potenz“.

Ich glaube, in manchen Kreisen würden die Leute in Schockstarre verfallen, wenn man ihnen das vortragen würde. Und es ist nicht der katholische Kirchenkreis, an den ich hier denke 😉

Die Funktion des Orgasmus (Teil 2)

17. Juli 2014

Bestätigung findet Reichs Orgasmustheorie in einer Studie des Urologen und Sportmediziners Dr. Frank Sommer mit 39 Leistungssportlern. (Zu Dr. Sommerer siehe auch Funktionelle Medizin.) Er stellte sich die Frage, ob Geschlechtsverkehr kurz vor dem Wettkampf die Leistung mindert oder steigert und fand heraus, daß bei Sportlern, wie Sprinter, Stabhochspringer, Weitspringer oder Kugelstoßer, wo alles auf die „Schnellkraft“ ankommt, sexuelle Aktivität zwei Stunden vor dem Wettkampf einen eher negativen Einfluß auf die Leistung hat. Da der Geschlechtsakt zu verminderter Aggressivität, innerer Ruhe und Gelassenheit und zu einer generellen Entspannung der Muskulatur führt, fehlt den Sportlern der rechte Biß.

Ganz anders sieht es bei Sportarten aus, wo es um hohe Konzentrationsfähigkeit geht. Zum Beispiel hat bei Zielsportarten (Schießen mit Bogen, Pistole oder Gewehr) sexuelle Aktivität vor dem Wettkampf positive Auswirkungen auf das Ergebnis, da die Sportler entspannter in den Wettkampf gehen und sich besser konzentrieren können.

Einer britischen Studie zufolge macht Geschlechtsverkehr vor Prüfungen lockerer und streßresistenter, andere „Sexpraktiken“ haben eine deutlich geringere Wirkung, während „Keusche“ dem Streß ungeschützt ausgesetzt sind. Der Psychologe Stuart Brody und Kollegen von der University of Paisley ließen 24 Frauen und 22 Männer zwei Wochen lang Tagebuch über ihre sexuellen Aktivitäten führen. Anschließend wurden sie Streßsituationen ausgesetzt: vor einem Auditorium reden und öffentlich Kopfrechnen. Der Orgasmus in der geschlechtlichen Umarmung hält den Blutdruck und andere Streßsymptome über mindestens eine Woche hinweg in Schach.

Besonders interessant ist jedoch, daß Brody und sein Kollege Tillmann Krüger von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich bei der Auswertung dreier früherer Studien feststellten, daß ausschließlich regelrechter Vaginalverkehr diese Auswirkungen zeitigt. Nach einem genitalen Orgasmus war der Prolaktin-Spiegel in der Blutbahn der Versuchspersonen viermal höher als beim masturbatorischen „Orgasmus“. Das Hormon Prolaktin sei für das Gefühl von Sättigung und Befriedigung verantwortlich.

Hier die Zusammenfassung von Brodys Aufsatz Penile-vaginal intercourse is better: Evidence trumps ideology:

Es ist häufig behauptet worden, daß alle sexuellen Verhaltensweisen gleich seien. Die empirische Forschung zeigt jedoch, daß unterschiedliche sexuelle Verhaltensweisen sich in vielen physiologischen und psychologischen Bereichen unterscheiden. Diese Unterschiede treten insbesondere hinsichtlich des Vaginalverkehrs hervor, bei dem alle Anzeichen auf ein besseres physiologisches und psychologisches Funktionieren verweisen. Andere sexuelle Verhaltensweisen (Onanie, gegenseitiges Masturbatieren, Oralverkehr, Analverkehr oder jede andere Art geschlechtlicher Betätigung, bei der es zu keinem Vaginalverkehr kommt) haben entweder keine oder gelegentlich sogar negative Auswirkungen auf das physiologische und psychologische Funktionieren. Darüber hinaus zeigen neuere Forschungen, daß sich der vaginale Orgasmus physiologisch und psychologisch vom klitoralen Orgasmus unterscheidet, und daß der vaginale Orgasmus mit einer besseren psychologischen Gesundheit verbunden ist. Mehrere Beispiele anderer Forschungsergebnisse werden zusammengefaßt. Die Übereinstimmung der Ergebnisse mit physiologischen, evolutionsbiologischen und psychoanalytischen Theorien wird diskutiert. Eine ethische sexualtherapeutische Praxis, Ausbildung und Forschung verlangt nach der Beseitigung vorherrschender Vorurteile in der Sexologie.

Der „Reichianische“ Psychologe Sean Haldane hat die Ergebnisse von Brodys Forschungsarbeit aufgelistet (Pulsation, London 2014, S. 159-161). Ich fasse nun wiederum diese Liste zusammen und organisiere sie neu. Sie bestätigt Reichs Orgasmustheorie vollumfänglich!

  1. Psychische Gesundheit korreliert positiv mit Vaginalverkehr und negativ mit Onanie.
  2. Der Prolaktin-Anstieg nach dem Orgasmus infolge Vaginalverkehr ist höher als nach der Masturbation, was auf eine größere Befriedigung hinweist.
  3. Die Unfähigkeit einen Vaginalorgasmus zu erreichen, ist mit ängstlicher Anhänglichkeit und anderen Anzeichen von psychischen und Beziehungsstörungen verbunden.
  4. Bei sehr gewissenhaft vorgehenden Frauen, im Gegensatz zu „ADHS“-Schlampen, die nichts auf die Reihe kriegen, ist es wahrscheinlicher, daß sie einen Vaginalorgasmus haben.
  5. Unreife psychologische Abwehrmechanismen treten desto stärker auf, je schwächer die Rolle des Vagialverkehrs im Leben ist.
  6. Je häufiger der Vaginalverkehr, desto schlanker die Menschen bzw. desto weniger Eßstörungen.
  7. Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr leiden weniger häufig an Depressionen.
  8. Frauen mit regelmäßigem Vaginalverkehr, haben weniger Probleme, die Emotionen anderer korrekt wahrzunehmen und die eigenen Emotionen auszudrücken. Je stärker die Scheidenempfindungen sind, desto stärker ist dies ausgeprägt.
  9. Glück in der Ehe ist mit Vaginalverkehr verbunden, nicht jedoch mit Onanie, wechselseitiger Masturbation, Analverkehr und „Oralsex“.
  10. Unabhängig von der Einstellung der Gesellschaft sind Homosexuelle beiderlei Geschlechts suizidgefährdeter, depressiver, greifen häufiger zu Alkohol und Drogen und leiden häufiger unter psychiatrischen Krankheiten als Heterosexuelle.
  11. Die Benutzung von Kondomen reduziert die positiven Effekte des Vaginalverkehrs.
  12. Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr, aber insbesondere Frauen mit einem vaginalen Orgasmus, haben einen „flüssigeren“ Gang und ihre Muskulatur ist weniger verspannt.
  13. Regelmäßiger Vaginalverkehr führt zur Variabilität der Ruhe-Herz-Frequenz, die mit besserer Stimmung, Aufmerksamkeit, affektiver Schwingungsfähigkeit und besserem Umgang mit Streß verbunden ist.
  14. Allgemein ist eine höhere Rate von Geschlechtsverkehr mit einer höheren Lebenserwartung verbunden.
  15. Prostata- und Brustkrebs sind bei Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr weniger häufig.
  16. Erkrankungen des Beckens (Entzündungen, Schmerzen, etc.) sind bei Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr weniger verbreitet.
  17. Die Vagina ist bei Frauen mit Vaginalverkehr lebenslang straffer und besser durchblutet.
  18. Bei Männern, die regelmäßig Vaginalverkehr haben, vergrößert sich das Volumen des Ejakulats, die Anzahl der Spermien, deren Beweglichkeit und der prozentuale Anteil morphologisch gesunder Spermien.
  19. Bei Männern führt ein hoher Testosteronspiegel zu mehr Geschlechtsverkehr und umgekehrt führt Vaginalverkehr zu einem höheren Testosteronspiegel.

FunctionOrgasm

Fickende Gehirne

28. Mai 2014

Reich beschreibt, wie ihn 1919, beim ersten Kontakt mit der Psychoanalyse, deren Umgang mit der Sexualität abstieß.

Die Art, wie das Thema (…) behandelt wurde, klang mir sonderbar, naturfremd. Ich spürte eine Ablehnung in mir. (…) Ich hatte das Geschlechtliche anders erlebt, als ich es damals vorgetragen bekam. Das Sexuelle hatte in diesen ersten Vorträgen etwas Bizarres, Fremdartiges an sich. Eine natürliche Sexualität schien es nicht zu geben. Das Unbewußte war erfüllt von perversen Trieben allein. Die psychoanalytische Lehre leugnete zum Beispiel die Existenz einer primären vaginalen Erotik des kleinen Mädchens und ließ die weibliche Sexualität aus komplizierten Zusammensetzungen anderer Triebe hervorgehen. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 26f)

Fast ein Jahrhundert später sind die Fronten noch immer dieselben. Nichts hat sich verändert. Man lese nur den Band Der „Fall“ Wilhelm Reich, mit dem Suhrkamp Reich zu dessen hundertstem Geburtstag „ehrte“. Unter anderen Tat sich Ulrike Körbitz vom „Grazer Arbeitskreis für Psychoanalyse“ hervor. Hier die Einladung zu ihrem Vortrag „Ohne Mord kein Vergnügen – Psychoanalytische Gedanken zum Orgasmus bei der Frau“:

Wie können wir uns aus Perspektive moderner psychoanalytischer und sexualwissenschaftlicher Konzepte dem Geschehen rund um den Orgasmus bei der Frau annähern? Für dieses „Abenteuer im Kopf“ wird die phasenweise heftig geführte Debatte über die hierfür „richtigeren“ körpergeographischen Orte – Klitoris oder Vagina – eine höchstens historische Rolle spielen; ebenso die der Orgasmusfähigkeit häufig zugeordneten Paradigmen einer gesunden, reifen, heterosexuell ausgerichteten Genitalität. Mein Vortrag führt statt dessen zu der Frage: Wer mordet hier wen oder was? Klärungen auf Basis von Indizien einer „erotischen Kette“ (A. Green) werden versucht und hoffentlich in der Diskussion gemeinsam vorangetrieben.

Siehe dazu das Martyrium von Marilyn Monroe, die von ihrem Psychoanalytiker Ralph Greenson, einem Schüler von Otto Fenichel, systematisch zerstört wurde. 2003 hat der Autor Mathew Smith erstmals die Tonbänder veröffentlicht, die Marilyn Monroe kurz vor ihrem Tod für Greenson besprach: „Ich hatte nie einen Orgasmus. Ich erinnere mich, wie Sie zu mir sagten: Ein Orgasmus passiert im Kopf, nicht im Becken.“ Das „Sexsymbol“ schlechthin und der verkopfte Psychiater….

In der März 2009-Ausgabe von Info Neurologie & Psychiatrie erschien ein kurzes Interview über „Erotik im Kernspin“. Was sagt die funktionelle Magnetresonanztomographie über „das Hirn beim Sex“? Interessant an dem Interview mit Prof. Dr. med. Michael Forsting vom Universitätsklinikum Essen ist zweierlei. Erstens druckt die Redaktion in der Printausgabe am Rande als Blickfänger ein Zitat, das gar nicht im Interview auftaucht: „Lust und Erregung finden nicht im Becken, sondern zwischen den Ohren statt.“ Zweitens kann Prof. Forsting die entscheidende Frage, was sich nämlich während des Orgasmus im Hirn abspielt, nur mit Verweis auf eine niederländische Studie beantworten. Mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie wurde festgestellt, „daß das zentrale Merkmal des Orgasmus die Verminderung der kortikalen Aktivität – präfrontaler Kortex/linker Temporallappen – ist. Diese ist verantwortlich für die Enthemmung – den sogenannten Kontrollverlust und die Auflösung bzw. Aufweichung der Körpergrenzen.“

Mit anderen Worten: während des Orgasmus werden die „oberen“ Funktionen des Hirns abgeschaltet! Von wegen: „Lust findet im Kopf statt“!

Und auch in anderer Hinsicht findet Reichs Orgasmustheorie Bestätigung. Prof. Forsting verweist auf die Daten anderer Arbeitsgruppen, die gezeigt hätten, „daß die zerebrale Aktivierung bei Frauen während eines vaginal induzierten Orgasmus intensiver ist als bei klitoral induziertem Orgasmus“.

Wenden wir uns dem Übersichtsartikel „Kommandozentrale Gehirn: Wo die Liebe wohnt“ in der Frankfurter Rundschau über die (2009) letzten Forschungsergebnisse in Sachen Liebe und Sexualität zu:

Bisher hätten Hirnforscher zum Thema Liebe wenig sagen können, da es nicht einfach ist, Versuchspersonen in einen entsprechenden Zustand zu versetzen. Immerhin meinen sie zu wissen, daß Emotionen im Gehirn entstehen und danach Veränderungen im Körper erzeugen. Der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer:

Wir spüren die Liebe im Herzen, trotzdem spielt sie sich im Gehirn ab. Das Gehirn ist das Organ der Liebe.

Die Londoner Forscher Andreas Bartels und Semir Zeki fanden bei MRT-Untersuchungen (Magnetresonanz-Tomographie) von Verliebten, daß nur vier engbegrenzte Hirnareale das Gefühl der Liebe „hervorrufen“. Der „vordere cinguläre Kortex“ und der „Insellappen“ dienen dem Erkennen eigener und fremder Emotionen und der Verarbeitung von Sinneseindrücken. Für die erotischen Elemente des Verliebtseins seien der „Nucleus caudatus“ und der „Putamen“ verantwortlich.

Entsprechend meint die New Yorker Anthropologin Helen Fisher, die etlichen Verliebten mit Hilfe der MRT „in den Kopf geschaut hat“:

Die romantische Liebe ist eine Sucht erzeugende Droge.

Man könne, so Spitzer, romantische Liebe medikamentös mit Dopamin-Antagonisten ähnlich bekämpfen wie eine Manie oder eine Sucht. Aber natürlich sei Liebe keine Krankheit. Spitzer:

Wir können opiumsüchtig werden, weil unser Gehirn selbst opiumähnliche Stoffe herstellt und nicht umgekehrt.

Seit etwa fünf Jahren wisse man, daß Lernen und Liebe mit den gleichen Hirnarealen und mit der Ausschüttung von Dopamin verbunden sind. Spitzer:

Verliebtheit, Lernen und Glück sind sozusagen verschiedene Seiten des gleichen Funktionszusammenhangs.

Hormonell steht bei Liebe und Sexualität das Testosteron im Mittelpunkt. Es regelt nicht nur bei Männern, sondern auch bei Frauen das sexuelle Verlangen.

Erst seit kurzem weiß man, daß umgekehrt Sex auch den Testosteronspiegel erhöht.

Die biologische Basis für die längerfristige Bindung insbesondere des Mannes an die Frau sei Oxytocin, daß auch für die Mutter-Kind-Bindung sorgt. Es werde infolge von Zärtlichkeit und beim Geschlechtsakt ausgeschüttet. Deshalb habe Sex, so Spitzer, nicht nur eine reproduktive Funktion, sondern auch eine soziale Funktion: es schafft die Voraussetzung für den Familienzusammenhalt.

Soweit das, was „die moderne Naturwissenschaft“ zum Thema zu sagen hat. Auffallend ist die Fixierung auf das Gehirn. Der Körper erscheint nur als eine Art Anhängsel des Gehirns. Die Empfindungen der sich bewegenden Orgonenergie im Körper wird zur bloßen Illusion. Kein Wunder, daß diesen Leuten die eigentliche Funktion des Orgasmus unzugänglich bleibt.

For the record: Wir spüren Liebe im Herzen, weil der Solar plexus das energetische Zentrum des Organismus ist. Das Gehirn ist nur ein Koordinationsorgan.

Die Einzelergebnisse der modernen Forschung, insbesondere die Verbindung von Lernen und Liebe (d.h. die Offenheit für neue Erfahrungen), sowie die Bedeutung regelmäßigen Geschlechtsverkehrs für die hormonelle Ausgeglichenheit, sind natürlich sehr wichtig und bestätigen Reichs Orgasmustheorie, aber ohne Reichs Forschungsansatz hängen diese Forschungsergebnisse zusammenhanglos in der Luft.

Warum wird beispielsweise nicht erwähnt, daß der schulische Erfolg untrennbar mit einem erfüllten Liebesleben zusammenhängt. Man mag auf pickelige Streber verweisen, die es akademisch weit gebracht haben, aber genau sie sind für die mechano-mystische sterile Wissenschaft verantwortlich! Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Leben, sie sollten es auch regieren!

Es ist beängstigend, daß Reich mit seiner Arbeit über „die elektrische Funktion von Sexualität und Angst“ uns heutigen weit voraus ist. Es ist, als wäre die Arbeit nicht 1937 erschienen, sondern würde im Jahre 2037 auf uns warten.

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