Posts Tagged ‘Testosteron’

Sexpol 2018: Modju Herbert Marcuse

10. November 2018

Neulich wieder im Abendprogramm von N3. Irgendeine Moderatorin berichtet über ihren Mann, der früher eine Frau war. Wir erfahren, wie schwierig es ist einen Penis zu konstruieren und das umgekehrt Männer, die Frauen werden, darunter leiden, daß das Testosteron diese in ihrer Jugend unwiederbringbar zu häßlichen Monstern geformt hat, halt Männern (Würrrggggggghhhhhhhh!). Trotz all dem menschelnden Drum und Rum und vielen sentimentalen Tränen („Nicht Frau und Mann lieben sich, sondern zwei Menschen!“) bleibt beim normalen Zuschauer doch Ekel und Horror: verschnittene und entstellte Menschen. Außerdem Kopfschmerzen: das biologische (anatomisch vorgegebene) Geschlecht ist kein Schicksal, sondern ein bloßes Konstrukt, sozusagen ein Hirngespinst, aber das Wahngebilde im falschen Körper geboren zu sein – das ist unabwendbar, ein unhinterfragbares Absolutum, sakrosankt.

Es geht nicht um diese Menschen. Jeder hat das Recht zu tun und sein zu lassen, was er will. Meinetwegen kannst du dir einen Ring durch die Nase ziehen. Wenn interessiert’s?! Mein Problem ist, daß ich in einer vom Modju Herbert Marcuse geprägten Welt von Freaks leben muß, in der das Leben und die Probleme der 99% weggewischt wird und das Leben und die Probleme von vielleicht 700 Menschen in ganz Deutschland alles dominiert. Es wird nie, NIE, über die genitale Not von 99% der Jugendlichen gesprochen, aber ständig über Probleme, die ausschließlich Privatsache einer verschwindend kleinen Minderheit sind und dementsprechend in die Praxis von Psychiatern, Spezialambulanzen, etc. gehören. Deren Probleme brauchen dezidiert nicht öffentlich erörtert werden, allein schon weil in einer sexualökonomisch einigermaßen gesunden Gesellschaft die Menschen entspannt und entsprechend tolerant sind. Die Massen bedürfen keiner Aufklärung über verstörende Sexualabweichungen. Das einzige, was Not tut, ist ganz im Gegenteil die Aufklärung über die Funktion des Orgasmus und im Zusammenhang damit, daß man Sex und Liebe nicht voneinander trennen kann. In der autoritären Gesellschaft mußte die Sexpol der antisexuellen Propaganda insbesondere der Kirche, also der organisierten Emotionellen Pest, entgegenwirken. In der antiautoritären Gesellschaft ist es vor allen Dingen die alles durchdringende mechanistische Propaganda der pestilenten Pornographie, der entgegengewirkt werden muß. Und was machen die vermeintlichen Aufklärer in diesem Land? Sie belästigen uns mit Tucken, Transen und Tunten.

TOD DER REAKTION!

ZUKUNFTSKINDER: 6. Das sexuelle Elend der Jugend, e. Der kastrierte Junge

7. April 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

6. Das sexuelle Elend der Jugend, e. Der kastrierte Junge

ZUKUNFTSKINDER: 6. Das sexuelle Elend der Jugend, d. Das ORANUR-Kind

3. April 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

6. Das sexuelle Elend der Jugend, d. Das ORANUR-Kind

Die toten Schlüpfer: über die neue Sex-Pille für Frauen

21. August 2015

Mit „Libidomangel“ bei Frauen, bzw. im Fachchinesischen eine „Störung mit verminderter sexueller Appetenz“, Hypoactive Sexual Desire Disorder, HSDD, hat das Weib nun endlich auch „Erektionsprobleme“. Aber, gemach, in England ist ein Buch erschienen, in dem das „HSDD“ als bloße Marktstrategie der Pharmaindustrie entlarvt wird. Nachdem sie Milliarden mit Viagra und anderen Produkten mit Männern gemacht hatten, deren Leben so leer ist, daß sie es mit nichts anderem als Sex füllen können, sollte nun das emotionale Leiden der Frauen ökonomisch fruchtbar gemacht werden.

Ein Artikel im British Medical Journal dieser Woche macht öffentlich, daß Pharmaunternehmen nicht nur die Forschungen über ein neues Leiden finanzierten, das als Weibliche Erregungsstörung bezeichnet wird, sondern bei dessen Konstruktion Pate gestanden haben, um weltweit Märkte für neue Medikamente zu schaffen.

Bei der Recherche für sein neues Buch Sex, Lies and Pharmaceuticals hat Ray Moynihan, Journalist und Dozent an der University of Newcastle in Australien, entdeckt, daß Angestellte der Pharmaindustrie mit bezahlten Hauptmeinungsmachern zusammengearbeitet haben, um gemeinsam das neue Krankheitsbild zu konstruieren. Sie haben Umfragen durchgeführt, um es als weitverbreitet erscheinen zu lassen. Und sie halfen bei der Gestaltung von Diagnoseschlüsseln, um Frauen davon zu überzeugen, daß ihre sexuellen Probleme es rechtfertigen, mit einem medizinischen Etikett versehen und entsprechend behandelt zu werden.

Er glaubt, daß „die Vermarktung von Pharmaprodukten auf eine bestechende und beängstigende Art und Weise mit der medizinischen Wissenschaft verknüpft ist“ und er stellt in den Raum, ob wir eine ganz neue Herangehensweise benötigen, um Krankheiten zu definieren.

Er zitiert die Angestellte eines Unternehmens, daß ihre Firma daran interessiert gewesen wäre „die Konstruktion von Krankheiten voranzutreiben“ und er legt offen, wie die Unternehmen Erhebungen finanzieren, die sexuelle Probleme als weitverbreitet darstellen, und Werkzeuge entwickeln, um Frauen für die Hypoactive Sexual Desire Disorder zu evaluieren.

Moynihan zufolge waren viele der Forscher, die sich an diesen Aktivitäten beteiligten, Angestellte der Pharmaunternehmen oder sie hatten zumindest finanzielle Verbindungen zur Industrie. Währenddessen stellten wissenschaftliche Untersuchungen, die ohne Finanzierung durch die Industrie durchgeführt wurden, infrage, ob es überhaupt eine weitverbreitete Störung mit verminderter sexueller Appetenz gibt.

Er fügt hinzu, daß die Industrie eine führende Rolle dabei einnimmt, sowohl die Fachwelt als auch die Öffentlichkeit über diesen umstrittenen Zustand zu „unterrichten“.

Beispielsweise wurde in einem von Pfizer finanzierten Lehrgang behauptet, daß bis zu 63% der Frauen eine sexuelle Störung hätten und daß Testosteron und Sildenafil (Viagra) in Kombination mit Verhaltenstherapie möglicherweise helfen könnten. Er verweist insbesondere darauf, daß die „Aufklärungsarbeit“ des deutschen Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim „auf Hochtouren lief“, als sich der für 2010 geplante Zeitpunkt näherte, an dem sie ihr Mittel Flibanserin gegen die sexuelle Appetenzstörung auf den Markt werfen wollten.

Im Juni wurde Flibanserin von Beratern der US Food and Drug Administration (FDA) zurückgewiesen und Pfizers Sildenafil wurde gleichfalls zurückgezogen, nachdem Untersuchungen gezeigt hatten, daß praktisch kein Unterschied zu Placebos vorliegt. Doch obwohl die Mittel bisher gescheitert sind, warnt Moynihan, daß „das wissenschaftliche Gebäude über den Nachweis des Zustandes bestehen bleibt … und der Eindruck vermittelt wird, es gäbe einen massiven ‚unbefriedigten Behandlungsbedarf‘“.

Und mit mehr Mitteln in Planung „zeigt die Pharmaindustrie keine Anzeichen“, so Moynihan, „ihre Pläne ad acta zu legen, den unbefriedigten Bedarf aufzufangen, zu dessen Existenz sie selbst beigetragen hat“.

Er legt nahe, daß es „vielleicht an der Zeit sei die Art und Weise zu überdenken, mit der das medizinische Establishment allgemein verbreitete Krankheitszustände definiert und Vorschläge gibt, wie sie zu behandeln sind“.

Und er schließt: „Vielleicht ist es Zeit für die Entwicklung neuer Gremien, die dafür zuständig sind behandelbare Erkrankungen zu definieren. Sie sollten sich aus Leuten zusammensetzen, die keine finanziellen Verbindungen zu jenen haben, die ein Eigeninteresse am Resultat dieser Überlegungen haben, und die viel repräsentativer für die breite Öffentlichkeit sind … und mit dem langsamen Prozeß beginnen, die miteinander verwobenen Bereiche Marketing und medizinische Wissenschaft voneinander zu trennen.“

So wird heute „Wissenschaft“ betrieben. Das war zu Reichs Zeiten nicht anders. Er hat versucht derartige Machenschaften der Pharmaindustrie in seinen Gerichtsakten zu dokumentieren.

In einem Begleitkommentar schreibt Dr. Sandy Goldbeck-Wood, die sich auf psychosexuelle Medizin spezialisiert hat: „Angesichts einer weinenden Frau, deren Libido verschwunden ist und die Angst davor hat ihren Partner zu verlieren, können Doktoren unter einem starken Druck stehen eine sofort wirksame, effektive Lösung anzubieten.“

Sie schreibt, daß Moynihans Recherchen sowohl den Interessenkonflikt als auch den relativen Mangel überzeugender Belege für pharmakologische Lösungen der Sexualprobleme von Frauen verdeutlicht. Jedoch stellt sie seinen Einwand infrage, „die weibliche Sexualstörung sei ein bloßes Konstrukt einer Krankheit, die von pathologisierenden Ärzten unter dem Einfluß der Pharmaindustrie geschaffen wurde. Dies werde weder die Kliniker überzeugen können, die Frauen mit Sexualstörungen sehen, noch deren Patientinnen.“

Frauen, schreibt sie, die damit gerungen haben, die psychologischen und kulturellen Hemmnisse zu überwinden, um nach Hilfe für ihre Sexualprobleme zu suchen, werden den Einwand nicht goutieren, man solle sie doch einfach „in Ruhe lassen“.

Sie glaubt, hier liege eine grobe Vereinfachung vor und geht davon aus, daß weitere Untersuchungen notwendig sind, die die Komplexität des Sexuallebens widerspiegeln. „Es ist an der Zeit in mehr Forschung zu investieren für die am meisten realistische, einfühlsame und auf Evidenz basierende Behandlung, statt sich auf biologische Behandlungen zu beschränken, die auf dürftiger Evidenz basieren.“

Das Kuriose ist, daß aus orgonomischer Sicht, die weitgehend der von Goldbeck-Wood entspricht, die Pharmaindustrie natürlich nicht ganz falsch liegt. Es ist ähnlich wie bei der allgemeinen neurotischen und „psychosomatischen“ Malaise der Bevölkerung, von der die Pharmaindustrie lebt. Die „Diagnose“ der Knechte der Pharmakonzerne ist so falsch nicht, aber aus der orgastischen Impotenz Profit schlagen und jeden zur Strecke bringen, der etwas Grundsätzliches gegen dieses profitable Massenleiden (d.h. die Panzerung der Massen) unternehmen will…

Die Auseinandersetzung zwischen Moynihan und der Pharmaindustrie zeigt auch, daß beide Seiten gleichermaßen in der Falle der mechanistischen Lebensauffassung gefangen sind: die eine Seite legt uns a la Freud nahe, uns ins allgemeine Unglück zu fügen, während die andere Seite uns künstliche Paradiese verspricht. Beide machen es sich auf ihre jeweilige Weise in der Falle gemütlich.

Sie mögen sich als unversöhnliche Gegensätze betrachten, doch tatsächlich ergänzen sie einander:

Die Funktion des Orgasmus (Teil 3)

18. Juli 2014

Jürgen Hoyer und seine Kollegen von der TU Dresden konnten bei 451 Patienten, die sich einer kognitiven Verhaltenstherapie wegen Angststörungen oder Depressionen unterzogen, die folgenden aus sexualökonomischer Sicht bedeutsamen Elemente isolieren:

  • 63,2% berichteten vor Behandlungsbeginn von sexuellen Problemen (sexuelles Desinteresse, Erektionsprobleme, Anorgasmie)
  • diese Probleme besserten sich, wenn die Verhaltenstherapie erfolgreich war
  • aber auch bei jenen, die durch die Verhaltenstherapie geheilt wurden, berichteten noch 45% von sexuellen Problemen

Für Hoyer et al., und allgemein für die Psychologie und Psychiatrie, sind sexuelle Dysfunktionen bloße Begleiterscheinungen psychischer Erkrankungen. Für Reich waren sie der Kern jeder psychischen Erkrankung. Das bedeutet jedoch nicht, wie oft fälschlich Reich in den Mund gelegt wird, daß ein sozusagen „erfolgreicher Orgasmus“ die psychisch Erkrankten heilen würde. Es ist ja gerade die orgastische Impotenz, die sie krank macht, diese geht aber auf die Panzerung zurück. Mit dem Abbau der Panzerung bessert sich deshalb auch die Orgasmusfähigkeit und damit wird den neurotischen Symptomen ihre Energiequelle abgedreht. Darauf beruht jede funktionierende Therapie. Die Erhebungen von Hoyer et al. bestätigen dies erneut:

  • psychische Erkrankungen sind überdurchschnittlich oft mit groben sexuellen Problemen verbunden – ganz abgesehen vom Mangel andauernder sexueller Erfüllung („orgastische Potenz“)
  • ist die Therapie erfolgreich, d.h. wird die Panzerung zumindest teilweise abgebaut, nehmen auch die sexuellen Probleme ab – was wiederum den langfristigen Erfolg der Therapie absichert
  • da der Abbau der Panzerung und damit die verbesserte orgasmische Abfuhr nicht Ziel, sondern nur ein mehr oder weniger zufälliges Nebenprodukt der Verhaltenstherapie ist, halten sich die Erfolge in Grenzen

Siehe auch meinen Aufsatz über Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht, in dem ich in einem anderen Zusammenhang auf die Beziehung von Verhaltenstherapie und Orgasmustheorie eingehe.

Reich zufolge erfüllt die Sexualität eine grundlegende bioenergetische Funktion und würde sich deshalb in den Geschlechtern gleich äußern, gäbe es nicht die Unterdrückung der weiblichen Sexualität. (Siehe dazu auch Lucky Luke und Barbie.)

Die Vorstellung, daß die sexuelle Erregung bei beiden Geschlechtern gleich abläuft, widerspricht sowohl der modernen, mechanistischen Sexualforschung (d.h. die Erforschung der pathologischen, liebe-losen Sexualität von Homo normalis), als auch der persönlichen Erfahrung der meisten Menschen.

Tom Tiegs und Paul Perrin von der University of Florida haben gezeigt, daß junge Männer zwar tatsächlich „sexueller“ sind als junge Frauen, sich die Geschlechter in dieser Hinsicht jedoch annähern, wenn es zu einer festen Beziehung kommt. Im Schutz der Partnerschaft verliert der gesellschaftliche Druck, der auf Frauen lastet, seine Kraft.

Donatella Marazziti und ihr Forscherteam von der Universität Pisa haben herausgefunden, daß bei Liebespartnern die Testosteronwerte sich einander nähern, d.h. sie sinken beim verliebten Mann und steigen bei der verliebten Frau. Die Geschlechter gleichen also ihren Sexualhormonhaushalt an, wenn sie ineinander verliebt sind.

Das hat nichts mit sexueller Aktivität an sich zu tun, da die Mitglieder der Kontrollgruppe genauso viel Sex hatten wie die Gruppe der Verliebten. Dieser Befund beweist zwar nicht Reichs Orgasmustheorie, legt aber die Antwort für das oben erläuterte Problem nahe: Sex ist nicht gleich „Sex“.

Mittels Infrarotkameras konnten Psychologen (Irv Binik et al.) an der McGill University, Montreal etwas dingfest machen, was infolge der psychologischen Zumutungen bei anderen, durchweg invasiven Meßmethoden bisher verborgen geblieben ist: Frauen werden genauso schnell sexuell erregt wie Männer. Den Versuchspersonen wurden Ausschnitte aus Pornos, Reiseberichten und Horrorfilmen vorgespielt, während Wärmebildkameras auf ihre Genitalien gerichtet waren. Beide Geschlechter fingen innerhalb von 20 Sekunden an, erregt zu werden und erreichten innerhalb von 11 oder 12 Minuten die maximale „Genitaltemperatur“. Wie in Reichs Experimenten stimmte die physiologische Erregungskurve genau mit der subjektiven Empfindung überein.

In seinen „bio-elektrischen Experimenten“ hat Reich mit dem Problem gerungen, daß die Meßinstrumente direkt mit der Haut verbunden sein mußten und dergestalt genau das hintertrieben, was gemessen werden sollte: die lustvolle Expansion des „bio-elektrischen“ Potentials. Siehe dazu Die Funktion des Orgasmus.

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Die Funktion des Orgasmus (Teil 2)

17. Juli 2014

Bestätigung findet Reichs Orgasmustheorie in einer Studie des Urologen und Sportmediziners Dr. Frank Sommer mit 39 Leistungssportlern. (Zu Dr. Sommerer siehe auch Funktionelle Medizin.) Er stellte sich die Frage, ob Geschlechtsverkehr kurz vor dem Wettkampf die Leistung mindert oder steigert und fand heraus, daß bei Sportlern, wie Sprinter, Stabhochspringer, Weitspringer oder Kugelstoßer, wo alles auf die „Schnellkraft“ ankommt, sexuelle Aktivität zwei Stunden vor dem Wettkampf einen eher negativen Einfluß auf die Leistung hat. Da der Geschlechtsakt zu verminderter Aggressivität, innerer Ruhe und Gelassenheit und zu einer generellen Entspannung der Muskulatur führt, fehlt den Sportlern der rechte Biß.

Ganz anders sieht es bei Sportarten aus, wo es um hohe Konzentrationsfähigkeit geht. Zum Beispiel hat bei Zielsportarten (Schießen mit Bogen, Pistole oder Gewehr) sexuelle Aktivität vor dem Wettkampf positive Auswirkungen auf das Ergebnis, da die Sportler entspannter in den Wettkampf gehen und sich besser konzentrieren können.

Einer britischen Studie zufolge macht Geschlechtsverkehr vor Prüfungen lockerer und streßresistenter, andere „Sexpraktiken“ haben eine deutlich geringere Wirkung, während „Keusche“ dem Streß ungeschützt ausgesetzt sind. Der Psychologe Stuart Brody und Kollegen von der University of Paisley ließen 24 Frauen und 22 Männer zwei Wochen lang Tagebuch über ihre sexuellen Aktivitäten führen. Anschließend wurden sie Streßsituationen ausgesetzt: vor einem Auditorium reden und öffentlich Kopfrechnen. Der Orgasmus in der geschlechtlichen Umarmung hält den Blutdruck und andere Streßsymptome über mindestens eine Woche hinweg in Schach.

Besonders interessant ist jedoch, daß Brody und sein Kollege Tillmann Krüger von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich bei der Auswertung dreier früherer Studien feststellten, daß ausschließlich regelrechter Vaginalverkehr diese Auswirkungen zeitigt. Nach einem genitalen Orgasmus war der Prolaktin-Spiegel in der Blutbahn der Versuchspersonen viermal höher als beim masturbatorischen „Orgasmus“. Das Hormon Prolaktin sei für das Gefühl von Sättigung und Befriedigung verantwortlich.

Hier die Zusammenfassung von Brodys Aufsatz Penile-vaginal intercourse is better: Evidence trumps ideology:

Es ist häufig behauptet worden, daß alle sexuellen Verhaltensweisen gleich seien. Die empirische Forschung zeigt jedoch, daß unterschiedliche sexuelle Verhaltensweisen sich in vielen physiologischen und psychologischen Bereichen unterscheiden. Diese Unterschiede treten insbesondere hinsichtlich des Vaginalverkehrs hervor, bei dem alle Anzeichen auf ein besseres physiologisches und psychologisches Funktionieren verweisen. Andere sexuelle Verhaltensweisen (Onanie, gegenseitiges Masturbatieren, Oralverkehr, Analverkehr oder jede andere Art geschlechtlicher Betätigung, bei der es zu keinem Vaginalverkehr kommt) haben entweder keine oder gelegentlich sogar negative Auswirkungen auf das physiologische und psychologische Funktionieren. Darüber hinaus zeigen neuere Forschungen, daß sich der vaginale Orgasmus physiologisch und psychologisch vom klitoralen Orgasmus unterscheidet, und daß der vaginale Orgasmus mit einer besseren psychologischen Gesundheit verbunden ist. Mehrere Beispiele anderer Forschungsergebnisse werden zusammengefaßt. Die Übereinstimmung der Ergebnisse mit physiologischen, evolutionsbiologischen und psychoanalytischen Theorien wird diskutiert. Eine ethische sexualtherapeutische Praxis, Ausbildung und Forschung verlangt nach der Beseitigung vorherrschender Vorurteile in der Sexologie.

Der „Reichianische“ Psychologe Sean Haldane hat die Ergebnisse von Brodys Forschungsarbeit aufgelistet (Pulsation, London 2014, S. 159-161). Ich fasse nun wiederum diese Liste zusammen und organisiere sie neu. Sie bestätigt Reichs Orgasmustheorie vollumfänglich!

  1. Psychische Gesundheit korreliert positiv mit Vaginalverkehr und negativ mit Onanie.
  2. Der Prolaktin-Anstieg nach dem Orgasmus infolge Vaginalverkehr ist höher als nach der Masturbation, was auf eine größere Befriedigung hinweist.
  3. Die Unfähigkeit einen Vaginalorgasmus zu erreichen, ist mit ängstlicher Anhänglichkeit und anderen Anzeichen von psychischen und Beziehungsstörungen verbunden.
  4. Bei sehr gewissenhaft vorgehenden Frauen, im Gegensatz zu „ADHS“-Schlampen, die nichts auf die Reihe kriegen, ist es wahrscheinlicher, daß sie einen Vaginalorgasmus haben.
  5. Unreife psychologische Abwehrmechanismen treten desto stärker auf, je schwächer die Rolle des Vagialverkehrs im Leben ist.
  6. Je häufiger der Vaginalverkehr, desto schlanker die Menschen bzw. desto weniger Eßstörungen.
  7. Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr leiden weniger häufig an Depressionen.
  8. Frauen mit regelmäßigem Vaginalverkehr, haben weniger Probleme, die Emotionen anderer korrekt wahrzunehmen und die eigenen Emotionen auszudrücken. Je stärker die Scheidenempfindungen sind, desto stärker ist dies ausgeprägt.
  9. Glück in der Ehe ist mit Vaginalverkehr verbunden, nicht jedoch mit Onanie, wechselseitiger Masturbation, Analverkehr und „Oralsex“.
  10. Unabhängig von der Einstellung der Gesellschaft sind Homosexuelle beiderlei Geschlechts suizidgefährdeter, depressiver, greifen häufiger zu Alkohol und Drogen und leiden häufiger unter psychiatrischen Krankheiten als Heterosexuelle.
  11. Die Benutzung von Kondomen reduziert die positiven Effekte des Vaginalverkehrs.
  12. Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr, aber insbesondere Frauen mit einem vaginalen Orgasmus, haben einen „flüssigeren“ Gang und ihre Muskulatur ist weniger verspannt.
  13. Regelmäßiger Vaginalverkehr führt zur Variabilität der Ruhe-Herz-Frequenz, die mit besserer Stimmung, Aufmerksamkeit, affektiver Schwingungsfähigkeit und besserem Umgang mit Streß verbunden ist.
  14. Allgemein ist eine höhere Rate von Geschlechtsverkehr mit einer höheren Lebenserwartung verbunden.
  15. Prostata- und Brustkrebs sind bei Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr weniger häufig.
  16. Erkrankungen des Beckens (Entzündungen, Schmerzen, etc.) sind bei Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr weniger verbreitet.
  17. Die Vagina ist bei Frauen mit Vaginalverkehr lebenslang straffer und besser durchblutet.
  18. Bei Männern, die regelmäßig Vaginalverkehr haben, vergrößert sich das Volumen des Ejakulats, die Anzahl der Spermien, deren Beweglichkeit und der prozentuale Anteil morphologisch gesunder Spermien.
  19. Bei Männern führt ein hoher Testosteronspiegel zu mehr Geschlechtsverkehr und umgekehrt führt Vaginalverkehr zu einem höheren Testosteronspiegel.

FunctionOrgasm

Fickende Gehirne

28. Mai 2014

Reich beschreibt, wie ihn 1919, beim ersten Kontakt mit der Psychoanalyse, deren Umgang mit der Sexualität abstieß.

Die Art, wie das Thema (…) behandelt wurde, klang mir sonderbar, naturfremd. Ich spürte eine Ablehnung in mir. (…) Ich hatte das Geschlechtliche anders erlebt, als ich es damals vorgetragen bekam. Das Sexuelle hatte in diesen ersten Vorträgen etwas Bizarres, Fremdartiges an sich. Eine natürliche Sexualität schien es nicht zu geben. Das Unbewußte war erfüllt von perversen Trieben allein. Die psychoanalytische Lehre leugnete zum Beispiel die Existenz einer primären vaginalen Erotik des kleinen Mädchens und ließ die weibliche Sexualität aus komplizierten Zusammensetzungen anderer Triebe hervorgehen. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 26f)

Fast ein Jahrhundert später sind die Fronten noch immer dieselben. Nichts hat sich verändert. Man lese nur den Band Der „Fall“ Wilhelm Reich, mit dem Suhrkamp Reich zu dessen hundertstem Geburtstag „ehrte“. Unter anderen Tat sich Ulrike Körbitz vom „Grazer Arbeitskreis für Psychoanalyse“ hervor. Hier die Einladung zu ihrem Vortrag „Ohne Mord kein Vergnügen – Psychoanalytische Gedanken zum Orgasmus bei der Frau“:

Wie können wir uns aus Perspektive moderner psychoanalytischer und sexualwissenschaftlicher Konzepte dem Geschehen rund um den Orgasmus bei der Frau annähern? Für dieses „Abenteuer im Kopf“ wird die phasenweise heftig geführte Debatte über die hierfür „richtigeren“ körpergeographischen Orte – Klitoris oder Vagina – eine höchstens historische Rolle spielen; ebenso die der Orgasmusfähigkeit häufig zugeordneten Paradigmen einer gesunden, reifen, heterosexuell ausgerichteten Genitalität. Mein Vortrag führt statt dessen zu der Frage: Wer mordet hier wen oder was? Klärungen auf Basis von Indizien einer „erotischen Kette“ (A. Green) werden versucht und hoffentlich in der Diskussion gemeinsam vorangetrieben.

Siehe dazu das Martyrium von Marilyn Monroe, die von ihrem Psychoanalytiker Ralph Greenson, einem Schüler von Otto Fenichel, systematisch zerstört wurde. 2003 hat der Autor Mathew Smith erstmals die Tonbänder veröffentlicht, die Marilyn Monroe kurz vor ihrem Tod für Greenson besprach: „Ich hatte nie einen Orgasmus. Ich erinnere mich, wie Sie zu mir sagten: Ein Orgasmus passiert im Kopf, nicht im Becken.“ Das „Sexsymbol“ schlechthin und der verkopfte Psychiater….

In der März 2009-Ausgabe von Info Neurologie & Psychiatrie erschien ein kurzes Interview über „Erotik im Kernspin“. Was sagt die funktionelle Magnetresonanztomographie über „das Hirn beim Sex“? Interessant an dem Interview mit Prof. Dr. med. Michael Forsting vom Universitätsklinikum Essen ist zweierlei. Erstens druckt die Redaktion in der Printausgabe am Rande als Blickfänger ein Zitat, das gar nicht im Interview auftaucht: „Lust und Erregung finden nicht im Becken, sondern zwischen den Ohren statt.“ Zweitens kann Prof. Forsting die entscheidende Frage, was sich nämlich während des Orgasmus im Hirn abspielt, nur mit Verweis auf eine niederländische Studie beantworten. Mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie wurde festgestellt, „daß das zentrale Merkmal des Orgasmus die Verminderung der kortikalen Aktivität – präfrontaler Kortex/linker Temporallappen – ist. Diese ist verantwortlich für die Enthemmung – den sogenannten Kontrollverlust und die Auflösung bzw. Aufweichung der Körpergrenzen.“

Mit anderen Worten: während des Orgasmus werden die „oberen“ Funktionen des Hirns abgeschaltet! Von wegen: „Lust findet im Kopf statt“!

Und auch in anderer Hinsicht findet Reichs Orgasmustheorie Bestätigung. Prof. Forsting verweist auf die Daten anderer Arbeitsgruppen, die gezeigt hätten, „daß die zerebrale Aktivierung bei Frauen während eines vaginal induzierten Orgasmus intensiver ist als bei klitoral induziertem Orgasmus“.

Wenden wir uns dem Übersichtsartikel „Kommandozentrale Gehirn: Wo die Liebe wohnt“ in der Frankfurter Rundschau über die (2009) letzten Forschungsergebnisse in Sachen Liebe und Sexualität zu:

Bisher hätten Hirnforscher zum Thema Liebe wenig sagen können, da es nicht einfach ist, Versuchspersonen in einen entsprechenden Zustand zu versetzen. Immerhin meinen sie zu wissen, daß Emotionen im Gehirn entstehen und danach Veränderungen im Körper erzeugen. Der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer:

Wir spüren die Liebe im Herzen, trotzdem spielt sie sich im Gehirn ab. Das Gehirn ist das Organ der Liebe.

Die Londoner Forscher Andreas Bartels und Semir Zeki fanden bei MRT-Untersuchungen (Magnetresonanz-Tomographie) von Verliebten, daß nur vier engbegrenzte Hirnareale das Gefühl der Liebe „hervorrufen“. Der „vordere cinguläre Kortex“ und der „Insellappen“ dienen dem Erkennen eigener und fremder Emotionen und der Verarbeitung von Sinneseindrücken. Für die erotischen Elemente des Verliebtseins seien der „Nucleus caudatus“ und der „Putamen“ verantwortlich.

Entsprechend meint die New Yorker Anthropologin Helen Fisher, die etlichen Verliebten mit Hilfe der MRT „in den Kopf geschaut hat“:

Die romantische Liebe ist eine Sucht erzeugende Droge.

Man könne, so Spitzer, romantische Liebe medikamentös mit Dopamin-Antagonisten ähnlich bekämpfen wie eine Manie oder eine Sucht. Aber natürlich sei Liebe keine Krankheit. Spitzer:

Wir können opiumsüchtig werden, weil unser Gehirn selbst opiumähnliche Stoffe herstellt und nicht umgekehrt.

Seit etwa fünf Jahren wisse man, daß Lernen und Liebe mit den gleichen Hirnarealen und mit der Ausschüttung von Dopamin verbunden sind. Spitzer:

Verliebtheit, Lernen und Glück sind sozusagen verschiedene Seiten des gleichen Funktionszusammenhangs.

Hormonell steht bei Liebe und Sexualität das Testosteron im Mittelpunkt. Es regelt nicht nur bei Männern, sondern auch bei Frauen das sexuelle Verlangen.

Erst seit kurzem weiß man, daß umgekehrt Sex auch den Testosteronspiegel erhöht.

Die biologische Basis für die längerfristige Bindung insbesondere des Mannes an die Frau sei Oxytocin, daß auch für die Mutter-Kind-Bindung sorgt. Es werde infolge von Zärtlichkeit und beim Geschlechtsakt ausgeschüttet. Deshalb habe Sex, so Spitzer, nicht nur eine reproduktive Funktion, sondern auch eine soziale Funktion: es schafft die Voraussetzung für den Familienzusammenhalt.

Soweit das, was „die moderne Naturwissenschaft“ zum Thema zu sagen hat. Auffallend ist die Fixierung auf das Gehirn. Der Körper erscheint nur als eine Art Anhängsel des Gehirns. Die Empfindungen der sich bewegenden Orgonenergie im Körper wird zur bloßen Illusion. Kein Wunder, daß diesen Leuten die eigentliche Funktion des Orgasmus unzugänglich bleibt.

For the record: Wir spüren Liebe im Herzen, weil der Solar plexus das energetische Zentrum des Organismus ist. Das Gehirn ist nur ein Koordinationsorgan.

Die Einzelergebnisse der modernen Forschung, insbesondere die Verbindung von Lernen und Liebe (d.h. die Offenheit für neue Erfahrungen), sowie die Bedeutung regelmäßigen Geschlechtsverkehrs für die hormonelle Ausgeglichenheit, sind natürlich sehr wichtig und bestätigen Reichs Orgasmustheorie, aber ohne Reichs Forschungsansatz hängen diese Forschungsergebnisse zusammenhanglos in der Luft.

Warum wird beispielsweise nicht erwähnt, daß der schulische Erfolg untrennbar mit einem erfüllten Liebesleben zusammenhängt. Man mag auf pickelige Streber verweisen, die es akademisch weit gebracht haben, aber genau sie sind für die mechano-mystische sterile Wissenschaft verantwortlich! Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Leben, sie sollten es auch regieren!

Es ist beängstigend, daß Reich mit seiner Arbeit über „die elektrische Funktion von Sexualität und Angst“ uns heutigen weit voraus ist. Es ist, als wäre die Arbeit nicht 1937 erschienen, sondern würde im Jahre 2037 auf uns warten.

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Funktionelle Medizin (Teil 1)

1. Mai 2014

In den letzten Jahren häufen sich Meldungen, daß selbst bei schwerwiegenden medizinischen Störungen, denen man bisher hilflos gegenüberstand, durch denkbar simple und nebenwirkungsfreie Prozeduren Abhilfe geschaffen werden kann. Man denke etwa an Erektionsstörungen.

Dank des Fortschritts der mechanistischen Medizin lassen sich heute Potenzstörungen medikamentös behandeln. Um so bemerkenswerter ist es, daß simple Beckenbodengymnastik sogar noch effektiver ist als Viagra. Bei einer umfangreichen Untersuchung des Hamburger Urologen Frank Sommer hatten Probanden, denen man Viagra verabreichte, eine Erfolgsquote von 74%, während sie bei jenen, die statt dessen entsprechende Übungen (z.B. Gesäßbacken zusammendrücken) machten, nach wenigen Wochen bei 80% lag.

Das weist auf simple bioenergetische Prozesse hin, die Potenzstörungen zugrundeliegen. Nach orgonomischer Theorie beruht erektive Impotenz auf Anorgonie im Beckensegment, die durch Mobilisierung der Beckenbodenmuskulatur aufgehoben werden kann (E.F. Baker: Der Mensch in der Falle, S. 109)

Meist handelt es sich bei diesen Prozeduren um mechanische Äquivalente zu der Herangehensweise der medizinischen Orgonomie, insbesondere was die Lockerung des Muskelpanzers im Kopf und Brustbereich betrifft. Teilweise geht es in der Orgontherapie aber auch um die (zeitweise) Verstärkung der Panzerung im Beckenbereich.

Ein Beispiel für das letztere ist die Arbeit von Wouter Wieling und seiner Mitarbeiter von der Universität Amsterdam. Sie ließen Patienten, die zu Ohnmachtsanfällen neigen, die Beine kreuzen und die Muskulatur von Schenkeln, Unterleib und Po so anspannen, als würden sie versuchen Stuhl und Urin zurückzuhalten. Diese denkbar simple Methode verhindert eine drohende Bewußtlosigkeit oder zögert sie zumindest hinaus.

Wieling sieht darin eine praktische Alternative zu Medikamenten oder einen Schrittmacher. Sein Erklärungsansatz ist rein mechanistisch: die Muskelspannung würde die Adern zusammenpressen, das Blut nach oben drücken und auf diese Weise Blutdruck und Herzschlag stabilisieren.

Anders als bei den oben vorgestellten Übungen gegen Impotenz dienen sie bei Wieling nicht der Abwehr einer chronischen, sondern einer akuten Anorgonie in den Stützorganen, die mit einem Verlust des Gleichgewichtsempfindens einhergeht (vgl. Der Krebs, Fischer TB, S. 388).

Wann wird die Medizin erkennen, daß chronisch verspannte Muskeln, d.h. die Panzerung, der Dreh- und Angelpunkt der Pathologie ist?

In Der Mensch in der Falle (S. 104) führt Elsworth Baker aus, daß durch Mobilisierung des Brustkorbes das Herz entlastet wird.

Tadeusz Petelenz von der Kardiologischen Gesellschaft Kattowitz lehrte 115 Herzpatienten zu husten, wenn sie plötzliche Schmerzen in der Brust spürten. Bei 292 von 365 Vorfällen verschwanden die Symptome. Die Patienten blieben bei Bewußtsein und der Herzschlag normalisierte sich.

Es ist wirklich verblüffend, wie mit Hilfe von Reichs Panzerungs-Konzept komplizierte Krankheitszustände erklärbar werden. Man denke etwa an chronisch angespannte Halsmuskeln:

Enge Krawatten erhöhen das Risiko für Grünen Star, so eine US-Studie. Schon nach drei Minuten wurde bei 70% der Testpersonen ein erhöhter Augeninnendruck gemessen. Ist demnach das Glaukom eine typische Biopathie, die auf Panzerung, beispielsweise der Halsmuskulatur, zurückgeht?

Ian Edwards (Universität Leeds) et al. erklären wie verspannte Nackenmuskeln zu hohem Blutdruck führen:

Man kannte bereits die Stelle im Nachhirn, wo die Signale der Nackenmuskeln ankommen. Nun entdeckten die Wissenschaftler im Nachhirn von Ratten und Mäusen Verbindungen zu einer Hirnregion namens Nucleus tractus solitarii (NTS), die mit der Regulierung von Atmung, Blutdruck und Herzschlag in Verbindung gebracht wird. Eine solche Regulierung des Blutdrucks über die Nackenmuskulatur sei sinnvoll, weil der Blutfluß zum Gehirn unabhängig von der aktuellen Körperhaltung stets gleichbleibend gehalten werden muß. Da die Nackenmuskeln etwa im Liegen vollkommen anders belastet werden als im Stehen, eignen sie sich besonders gut dafür, dem Gehirn Veränderungen in der Haltung mitzuteilen.

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Drei Blicke zum rechten Rand

12. April 2012

Aaron Sell (Griffith University, Australien) et al. haben u.a die politischen Einstellungen von Männern mit deren Muskelkraft abgeglichen. Die Kampfkraft eines Mannes, die durch die Stärke seines Oberkörpers bestimmt wird, wird von den Forschern zwar vor allem aus evolutionsbiologischer Sicht betrachtet, doch wenn man davon abstrahiert, erhält man einen Blick auf die bioenergetischen Prozesse, die den untersuchten Einstellungen zugrundeliegen. Beispielsweise zeigen Sell und seine Kollegen, daß jene Schauspieler in Hollywood, die wegen ihrer körperlichen Stärke ausgewällt wurden, d.h. „Action Stars“, überdurchschnittlich zu einer Republican außenpolitischen Einstellung neigen. Während in dieser Hinsicht Hollywood-Schauspieler fast durchweg links eingestellt sind, neigen Leute wie Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis, Chuck Norris und Sylvester Stallone eher zu rechten Einstellungen.

Diverse Studien, die in Amerika, Indien, Bolivien und der Zentralafrikanischen Republik durchgeführt wurden, zeigen, daß körperlich starke Männer jähzorniger sind und eher zu körperlicher Gewalt neigen, wenn sie wütend werden. Der Effekt, den die pure Muskelstärke in dieser Hinsicht ausübt, ist weitaus stärker ausgeprägt als etwa die Auswirkung unterschiedlicher Testosteron-Spiegel. Solche Männer glauben auch weitaus stärker an den Nutzen, der von politischer Aggression ausgeht, um Interessenkonflikte zu lösen.

Ein kräftiger Oberkörper bei erwachsenen Männern scheint eine entscheidende Variable zu sein, die Einfluß auf eine große Reihe von geistigen Mechanismen hat. Diese Mechanismen wurden durch die natürliche Auslese zu einer Zeit geschaffen, als physische Aggression des Einzelnen viel allgemeiner verbreitet war und individuelle Unterschiede in der Fähigkeit zur körperlichen Auseinandersetzung weitaus wichtiger für den Ausgang von Konflikten waren. Trotz der stetigen Abnahme physischer Aggression und von Todesfällen aufgrund von Gewalteinwirkungen im Verlauf der westlichen Zivilisation, wird der menschliche Geist noch immer von der Umwelt unserer Vorfahren geprägt.

Elsworth F. Baker hat in seinem bahnbrechenden Buch Der Mensch in der Falle aufgezeigt, daß Menschen, die im weitesten Sinne dem konservativen und rechten Spektrum zugeordnet werden können, in erster Linie „muskulär gepanzert“ sind und entsprechend einen, wenn auch verzerrten, Kontakt zu ihrem „tierischen“ Kern haben, während Liberale und Linke tendenziell mehr „intellektuell gepanzert“ sind, d.h. mit ihrer bioenergetischen Erregung durch „Gedankenarbeit“ fertigwerden. Sie sind von ihrem bioenergetischen Kern abgetrennt und empfinden entsprechend nichts als tiefste Verachtung für die „primitiven Affen“ von rechts. Man lese eine beliebige Analyse in unserer durchweg „progressiven“ Presse!

Ich habe lange gezögert, auf die beiden folgenden Videos hinzuweisen. Aber, was soll’s… Also, das folgende zeigt Louis Farrakhan, den Führer der rassistischen Nation of Islam, wie er sich zur „Technologie“ von L. Ron Hubbard bekennt. Man könnte jetzt über den schwarzen Nazi Farrakhan und den Okkult-Nazi Hubbard herziehen – blablabla. Wichtiger ist aber, daß Farrakhan hier eine absolut erstaunliche Aussage macht: Erstens räumt er ein, daß er einer faschistischen Organisation vorsteht. Die Nation of Islam hat dieselben schwarz-faschistischen Züge wie einst der deutsche Nationalsozialismus oder der italienische Faschismus. Als „religiöser“ Mensch ist Farrakhan aufgefallen, wie durch und durch krank seine Bewegung ist. Zweitens führt er aus, woran sie krankt: an Menschen, die unter blockierten Emotionen leiden und dies an ihre Untergebenen, ihren angeblichen „Brüdern und Schwestern“, auf das gemeinste auslassen. Insbesondere Frauen müßten darunter leiden.

Daß Farrakhan einen anderen okkulten, schwarz-faschistischen Verein, nämlich die Scientology, heranzieht, ist erst mal nebensächlich. Wichtiger ist, daß man hier sehen kann, wie sich in einer schwarz-faschistischen Bewegung sozusagen in einem schmalen Zeitfenster die Panzerung löst, bevor sie sich um so stärker verkrampfen wird:

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Das zweite Video ist ebenfalls recht problematisch, da es ausgerechnet eine Sitzung der deutschen „Skeptiker“ dokumentiert, also von Leuten, die die Orgonomie vom Grunde ihres Herzens verachten. Aber darum geht es hier gar nicht, wichtiger ist, daß Ursula Caberta, Sektenexpertin der Hamburger Innenbehörde, mit ihrem Vortrag „Esoterik – Die spirituelle Verwahrlosung der Republik“ jeden an der Orgonomie interessierten zutiefst betroffen machen sollte. Es ist nämlich so, daß die „Orgonomie“ (oder das, was manche Leute dafür halten) in Deutschland zunehmend ins Fahrwasser der vermeintlichen „Esoterik“ gerät und Leute in etwas gezogen werden, was man nur als „schwarz-faschistische“ Versklavung bezeichnen kann. Das, was die Panzerung aufheben soll, die Orgonomie, wird dazu genutzt, die Panzerung in der Welt nur noch weiter zu verstärken.

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