Posts Tagged ‘Befriedigung’

David Holbrook, M.D.: SEX, LIEBE, STRÖMUNGSANGST UND ALL IHRE ÄUßERUNGSFORMEN (Teil 1)

26. Februar 2021

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Sex, Liebe, Strömungsangst und all ihre Äußerungsformen (Teil 1)

 

Ein dritter Blick auf Reichs Triebtheorie (Teil 3)

20. Februar 2019

Es gibt (…) zweierlei „Moral“, aber nur eine Art moralischer Regulierung. Diejenige „Moral“, die alle Menschen mit Selbstverständlichkeit bejahen (nicht vergewaltigen, nicht morden usw.), ist nur aufgrund vollster Befriedigung der natürlichen Bedürfnisse herzustellen. Doch die andere „Moral“, die wir verneinen (Askese für Kinder und Jugendliche, absolute ewige Treue, Zwangsehe, usw.), ist selbst krankhaft und erzeugt das Chaos, zu dessen Bewältigung sie sich berufen glaubt. Ihr gilt unser unerbittlicher Kampf. (Wilhelm Reich: Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 50)

Reich führt aus, daß durch die Stärkung der letzteren „Moral“ Perversionen und Brutalität nur zunehmen. Versucht man aber die Moral einfach in einem rebellischen Akt wegzufegen, wird durch das entstehende Chaos zwangsläufig eine noch stärkere und strengere Moral letztendliches Resultat sein. So gesehen sind Gott und Teufel nur zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Ein dritter Blick auf Reichs Triebtheorie (Teil 2)

19. Februar 2019

Zurückhaltung, also das Zurückhalten von Impulsen, wird gemeinhin mit Moral und Zivilisiertheit gleichgesetzt. Ursprünglich dient Zurückhaltung jedoch der Herstellung einer höheren Ladung und stärkeren Spannung, deren Entladung mit einer dem höheren Gefälle entsprechenden größeren Befriedigung einhergeht. Die natürliche Moral beruht auf dieser funktionellen Identität von Zurückhaltung und Lust. An ihre Stelle tritt die Zwangsmoral, wenn der Mensch aufgrund orgastischer Impotenz zwischen Triebhemmung und Triebhaftigkeit hin und her schwankt.

Dem gepanzerten Menschen ist es fremd, daß Kinder von sich aus auf die unmittelbare Befriedigung ihrer Impulse („Spaß“) verzichten, um Grammatik, Mathematik, Chemie, etc. zu lernen. Durch den temporären Verzicht erhöht sich die Spannung und damit der Lustgewinn. Kinder und Jugendliche sind zu den unglaublichsten „Kulturleistungen“ fähig, wenn es um etwas geht, was sie wirklich wollen. Hier in der Nähe gibt es beispielsweise einen schwer zugänglichen seit Jahrzenten verwilderten Schuttberg, der von Jugendlichen in einer kaum glaublichen bautechnischen Leistung mit mehreren sehr anspruchsvollen „Parcour-Trails“ (?) für Mountainbikes mit diversen Sprungschanzen ausgestattet wurde. Ich könnte das beim besten Willen nicht nachbauen!

Die Funktion des Orgasmus (Teil 2)

17. Juli 2014

Bestätigung findet Reichs Orgasmustheorie in einer Studie des Urologen und Sportmediziners Dr. Frank Sommer mit 39 Leistungssportlern. (Zu Dr. Sommerer siehe auch Funktionelle Medizin.) Er stellte sich die Frage, ob Geschlechtsverkehr kurz vor dem Wettkampf die Leistung mindert oder steigert und fand heraus, daß bei Sportlern, wie Sprinter, Stabhochspringer, Weitspringer oder Kugelstoßer, wo alles auf die „Schnellkraft“ ankommt, sexuelle Aktivität zwei Stunden vor dem Wettkampf einen eher negativen Einfluß auf die Leistung hat. Da der Geschlechtsakt zu verminderter Aggressivität, innerer Ruhe und Gelassenheit und zu einer generellen Entspannung der Muskulatur führt, fehlt den Sportlern der rechte Biß.

Ganz anders sieht es bei Sportarten aus, wo es um hohe Konzentrationsfähigkeit geht. Zum Beispiel hat bei Zielsportarten (Schießen mit Bogen, Pistole oder Gewehr) sexuelle Aktivität vor dem Wettkampf positive Auswirkungen auf das Ergebnis, da die Sportler entspannter in den Wettkampf gehen und sich besser konzentrieren können.

Einer britischen Studie zufolge macht Geschlechtsverkehr vor Prüfungen lockerer und streßresistenter, andere „Sexpraktiken“ haben eine deutlich geringere Wirkung, während „Keusche“ dem Streß ungeschützt ausgesetzt sind. Der Psychologe Stuart Brody und Kollegen von der University of Paisley ließen 24 Frauen und 22 Männer zwei Wochen lang Tagebuch über ihre sexuellen Aktivitäten führen. Anschließend wurden sie Streßsituationen ausgesetzt: vor einem Auditorium reden und öffentlich Kopfrechnen. Der Orgasmus in der geschlechtlichen Umarmung hält den Blutdruck und andere Streßsymptome über mindestens eine Woche hinweg in Schach.

Besonders interessant ist jedoch, daß Brody und sein Kollege Tillmann Krüger von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich bei der Auswertung dreier früherer Studien feststellten, daß ausschließlich regelrechter Vaginalverkehr diese Auswirkungen zeitigt. Nach einem genitalen Orgasmus war der Prolaktin-Spiegel in der Blutbahn der Versuchspersonen viermal höher als beim masturbatorischen „Orgasmus“. Das Hormon Prolaktin sei für das Gefühl von Sättigung und Befriedigung verantwortlich.

Hier die Zusammenfassung von Brodys Aufsatz Penile-vaginal intercourse is better: Evidence trumps ideology:

Es ist häufig behauptet worden, daß alle sexuellen Verhaltensweisen gleich seien. Die empirische Forschung zeigt jedoch, daß unterschiedliche sexuelle Verhaltensweisen sich in vielen physiologischen und psychologischen Bereichen unterscheiden. Diese Unterschiede treten insbesondere hinsichtlich des Vaginalverkehrs hervor, bei dem alle Anzeichen auf ein besseres physiologisches und psychologisches Funktionieren verweisen. Andere sexuelle Verhaltensweisen (Onanie, gegenseitiges Masturbatieren, Oralverkehr, Analverkehr oder jede andere Art geschlechtlicher Betätigung, bei der es zu keinem Vaginalverkehr kommt) haben entweder keine oder gelegentlich sogar negative Auswirkungen auf das physiologische und psychologische Funktionieren. Darüber hinaus zeigen neuere Forschungen, daß sich der vaginale Orgasmus physiologisch und psychologisch vom klitoralen Orgasmus unterscheidet, und daß der vaginale Orgasmus mit einer besseren psychologischen Gesundheit verbunden ist. Mehrere Beispiele anderer Forschungsergebnisse werden zusammengefaßt. Die Übereinstimmung der Ergebnisse mit physiologischen, evolutionsbiologischen und psychoanalytischen Theorien wird diskutiert. Eine ethische sexualtherapeutische Praxis, Ausbildung und Forschung verlangt nach der Beseitigung vorherrschender Vorurteile in der Sexologie.

Der „Reichianische“ Psychologe Sean Haldane hat die Ergebnisse von Brodys Forschungsarbeit aufgelistet (Pulsation, London 2014, S. 159-161). Ich fasse nun wiederum diese Liste zusammen und organisiere sie neu. Sie bestätigt Reichs Orgasmustheorie vollumfänglich!

  1. Psychische Gesundheit korreliert positiv mit Vaginalverkehr und negativ mit Onanie.
  2. Der Prolaktin-Anstieg nach dem Orgasmus infolge Vaginalverkehr ist höher als nach der Masturbation, was auf eine größere Befriedigung hinweist.
  3. Die Unfähigkeit einen Vaginalorgasmus zu erreichen, ist mit ängstlicher Anhänglichkeit und anderen Anzeichen von psychischen und Beziehungsstörungen verbunden.
  4. Bei sehr gewissenhaft vorgehenden Frauen, im Gegensatz zu „ADHS“-Schlampen, die nichts auf die Reihe kriegen, ist es wahrscheinlicher, daß sie einen Vaginalorgasmus haben.
  5. Unreife psychologische Abwehrmechanismen treten desto stärker auf, je schwächer die Rolle des Vagialverkehrs im Leben ist.
  6. Je häufiger der Vaginalverkehr, desto schlanker die Menschen bzw. desto weniger Eßstörungen.
  7. Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr leiden weniger häufig an Depressionen.
  8. Frauen mit regelmäßigem Vaginalverkehr, haben weniger Probleme, die Emotionen anderer korrekt wahrzunehmen und die eigenen Emotionen auszudrücken. Je stärker die Scheidenempfindungen sind, desto stärker ist dies ausgeprägt.
  9. Glück in der Ehe ist mit Vaginalverkehr verbunden, nicht jedoch mit Onanie, wechselseitiger Masturbation, Analverkehr und „Oralsex“.
  10. Unabhängig von der Einstellung der Gesellschaft sind Homosexuelle beiderlei Geschlechts suizidgefährdeter, depressiver, greifen häufiger zu Alkohol und Drogen und leiden häufiger unter psychiatrischen Krankheiten als Heterosexuelle.
  11. Die Benutzung von Kondomen reduziert die positiven Effekte des Vaginalverkehrs.
  12. Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr, aber insbesondere Frauen mit einem vaginalen Orgasmus, haben einen „flüssigeren“ Gang und ihre Muskulatur ist weniger verspannt.
  13. Regelmäßiger Vaginalverkehr führt zur Variabilität der Ruhe-Herz-Frequenz, die mit besserer Stimmung, Aufmerksamkeit, affektiver Schwingungsfähigkeit und besserem Umgang mit Streß verbunden ist.
  14. Allgemein ist eine höhere Rate von Geschlechtsverkehr mit einer höheren Lebenserwartung verbunden.
  15. Prostata- und Brustkrebs sind bei Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr weniger häufig.
  16. Erkrankungen des Beckens (Entzündungen, Schmerzen, etc.) sind bei Menschen mit regelmäßigem Vaginalverkehr weniger verbreitet.
  17. Die Vagina ist bei Frauen mit Vaginalverkehr lebenslang straffer und besser durchblutet.
  18. Bei Männern, die regelmäßig Vaginalverkehr haben, vergrößert sich das Volumen des Ejakulats, die Anzahl der Spermien, deren Beweglichkeit und der prozentuale Anteil morphologisch gesunder Spermien.
  19. Bei Männern führt ein hoher Testosteronspiegel zu mehr Geschlechtsverkehr und umgekehrt führt Vaginalverkehr zu einem höheren Testosteronspiegel.

FunctionOrgasm

Die Gene oder die Umwelt? Nein, die Bioenergetik!

30. September 2012

An anderer Stelle habe ich auf frühere Studien hingewiesen, die gezeigt haben, daß emotionale („psychische“) Traumata in frühen Lebensjahren die DNA-Methylierung, d.h. die Aktivität bestimmter Gene, langfristig verändert. Damit verschiebt sich die Frage von der einfachen Präsenz bestimmter Gene („Veranlagung“) darauf, ob diese Gene überhaupt sozusagen „angeschaltet“ werden.

Forscher der Ruhr-Universität Bochum (E. Unternaehrer et al.) haben nun gemeinsam mit Kollegen aus Basel, Trier und London gezeigt, daß sich die Methylierung der DNA auch nach akutem emotionalen Streß ändert und so psychische und körperliche Erkrankungen verursachen kann.

Die Forscher untersuchten die Gene für den Oxytocin-Rezeptor und für den Brain-Derived Neurotropic Factor (BDNF). Oxytocin hängt mit der Mutter-Kind-Beziehung, Liebe und Sex zusammen, insbesondere mit dem Gefühl von Glück, Befriedigung und Entspannung nach dem Orgasmus. Der „Wachstumsfaktor BDNF“ ist mit dem Schutz bestehender und dem Wachstum neuer Neuronen verbunden.Belastende soziale Situationen haben im Experiment die Mehylierung des BDNF-Gens nicht beeinflußt, sehr wohl jedoch die Mehylierung in einem Abschnitt des Oxytocin-Rezeptor-Gens.

Die Wissenschaftler testeten 76 Personen, die an einem fiktiven Jobinterview teilnahmen und unter Beobachtung Rechenaufgaben lösen mußten – ein bewährtes Mittel, um im Experiment akuten Streß auszulösen. Für die Analyse der DNA-Methylierung nahmen sie den Probanden vor dem Streßtest sowie 10 und 90 Minuten danach Blut ab.

Streß hatte keinen Einfluß auf die Methylierung des BDNF-Gens. In einem Abschnitt des Oxytocin-Rezeptor-Gens stieg sie jedoch bereits in den ersten zehn Minuten nach der Streßsituation an. Das legt nahe, daß die Zellen weniger Oxytocin-Rezeptoren bildeten. 90 Minuten nach dem Streßtest fiel die Methylierung dann unter das Ausgangsniveau vor dem Test. Das deutet an, daß die Rezeptorproduktion übermäßig angekurbelt wurde.

Diese Ergebnisse zeigen, wie widersinnig der alte Streit ist, ob man alles auf (insbesondere soziale) Umweltfaktoren zurückführen kann oder ob das Erbgut allein unser Schicksal bestimmt. Es ist offensichtlich, daß die DNA die Bauanleitung für den Organismus enthält, aber es sollte auch offensichtlich sein, daß „eine Bauanleitung gelesen werden muß“. Diese „epigenetischen“ Faktoren sind eindeutig bioenergetischer Natur und sind entsprechend hauptsächlich von Kontraktion (Hemmung von Oxytocin) und Expansion (Ausschüttung von Oxytocin) geprägt. Die Gene stellen die strukturellen Voraussetzungen zur Verfügung, die Umwelt (d.h. größtenteils andere Organismen) beeinflußt die Bioenergie, die wiederum die Genexpression steuert. Die biologische Energie ist der alles entscheidende „dritte Faktor“, neben „Umwelt und Vererbung“, der bisher übersehen wurde.