Gunnar Heinsohn und die drei Welten

Krebs (oder genauer gesagt die „Krebsschrumpfungs-Biopathie“, im Gegensatz zu isolierten Tumoren) ist eine Krankheit, für die es keine Heilung gibt (siehe Reichs Der Krebs). Da der Kommunismus der Zweiten Welt nichts anderes als Krebs auf gesellschaftlicher Ebene war, ist Rußland dem Untergang geweiht. Was wir erleben, sind die letzten Todeszuckungen. Die Russen sind buchstäblich am Aussterben! Zunächst kollabiert die Produktion, dann sogar die Reproduktion.

Wenn einmal die „Energieproduktion“ im Inneren eines Menschen oder einer Gesellschaft (Arbeit, Familie) aufgehört hat, gibt es kein Zurück mehr. Auf das Gesellschaftliche übertragen, ist genau das die Gefahr, die vom Sozialismus ausgeht: daß er „das Produktive“ in der Gesellschaft erstickt. Wenn der Kommunismus Krebs ist, d.h. die „Energieproduktion“ im Kern der Gesellschaft aufhört („Mangelwirtschaft“), dann ist der gegenwärtige Kapitalismus des Westens die Entsprechung einer „kardiovaskulären Biopathie“. Die kardiovaskuläre Biopathie, die Reich als „Angstneurose infolge Abstinenz“ definiert, zeichnet sich dadurch aus, daß die „Energieproduktion“ im bioenergetischen Kern zwar lebendig bleibt, diese aber aufgrund einer peripheren Kontraktion (die vor allem durch eine chronische Inspirationshaltung gekennzeichnet ist) zu einer Stauung führt.

Im Kommunismus befand sich praktisch jeder im Dauerstreik: „Ihr tut so, als wenn ihr uns bezahlt, und wir tun so, als würden wir arbeiten!“ Im Kapitalismus hingegen schuften sich die Leute zu Tode, abgesehen von einigen übelriechenden sozialistischen „Tumoren“. Wir ersticken geradezu an der eigenen Produktivität. Aufgrund der Panzerung der Massen besteht eine Blockade, die zwischen Produktion und Konsumption geschaltet ist. „Es wird an den Bedürfnissen vorbeiproduziert.“ Ein Beispiel sind unsere Städte: Gibt es irgendeinen Menschen, dem die modernen Bauten wirklich gefallen?

Was die Länder der Ersten Welt in der Produktion sind, sind die Länder der Dritten Welt (einschließlich der reichen Ölstaaten) in der Reproduktion. Jeder Zuwachs an materiellen Gütern wird unmittelbar in mehr Kinder umgesetzt, weshalb Entwicklungshilfe insbesondere in Afrika ein gigantisches Mißverständnis ist. Wie verheerend es ist, wenn die Erste Welt (Warenproduktion) und die Dritte Welt (Menschenproduktion) einander durchdringen, kann man anhand der USA und Mexiko ablesen – und in unseren „bikulturellen“ Großstädten unmittelbar beobachten.

Reich hat stets Produktion und Reproduktion, Ökonomie (Probleme der Arbeitsdemokratie) und „Sexualökonomie“, als ein und derselben Ebene zugehörig betrachtet. Derjenige, der dem heute noch am nächsten kommt, ist Gunnar Heinsohn mit seinen Theorien über die „Eigentumsökonomie“ und zur Demographie („Youth Bulge“). Problem ist, daß er nicht die bioenergetischen Zusammenhänge sieht.

Die Frage ist natürlich zunächst einmal, ob die Heinsohnsche Eigentumsökonomie überhaupt realitätsgerecht ist. Meines Wissens hat wirklich jeder Rezensent Heinsohn zugute gehalten, daß dieser zur Begriffsklärung beigetragen hat. Besitz ist nicht gleich Eigentum. Beispielsweise kann ich in den Wald gehen und mir dort eine Hütte bauen, Feldfrüchte anbauen, etc. Wirtschaftliche Dynamik kommt aber erst auf, wenn es mir gelingt, diese Hütte und die umliegenden Felder als mein anerkanntes Eigentum eintragen zu lassen. Mit der hergestellten Rechtssicherheit ist es mir möglich Kredite aufzunehmen und so an der Ökonomie jenseits des lokalen Tausches von Feldfrüchten gegen andere Güter teilzunehmen. Wahrscheinlich werde ich wie ein Irrer schuften müssen, um meine Hütte nicht zu verlieren, d.h. meine Kredite bedienen zu können. Für geraume Zeit werden alle dank dieser Schufterei reicher, doch langfristig kommt es durch die Fallstricke des Kreditwesens dazu, daß sich das Eigentum immer mehr konzentriert und das Spiel dergestalt schließlich zum Erliegen kommt. Die Resettaste muß gedrückt werden: ein zeitweises Unrecht stellt das (Eigentums-) Recht wieder her.

Wie das abläuft, haben wir nach dem Fall des Realsozialismus zumindest in Anklängen gesehen. Ein Spieler, der Staat, hatte alle Karten und hat Almosen vergeben: Bezugsscheine für die Realwirtschaft. Nach der kapitalistischen Revolution wurde der Staatsbesitz willkürlich verteilt. An die Stelle von Bezugsscheinen traten Nachweise für Eigentum, mit denen man Kreditgeschäfte tätigen konnte, bis schließlich nach vielen in die Hose gegangenen Kreditgeschäften wieder eine immer kleiner werdende Oligarchie alles in Händen hat. Diese Konzentration von Eigentum in wenigen Händen sieht man auch an der weltweiten Schuldenkrise: immer mehr Menschen haben bei immer weniger Menschen Schulden, wobei es egal ist, ob sie selbst die Schulden aufnehmen oder ob es der Staat für sie tut.

Das ganze ist ein zutiefst tragisches Weltbild, denn echte Ökonomie, d.h. auf Kredit basierende Ökonomie (Eigentumsökonomie), kann nur funktionieren, wenn das Eigentum einigermaßen gleichmäßig verteilt wird, jedoch führt eben dieses System der Kreditvergabe zwangsläufig (fast so wie bei einem Skatspiel) zu einer immer ungleichmäßigeren Verteilung des Eigentums, bis schließlich alle bei ganz wenigen verschuldet sind und man es an sich wieder mit dem Elend einer kommunistischen Verteilungsdiktatur zu tun hat. Eine solidarische Gesellschaft, in der alle zusammenarbeiten, wäre eine Elendsgesellschaft, da ihr die Dynamik des besagten „Kartenspiels“ abgeht. Selbstregulation und eine „Arbeitsdemokratie“ sind eine Illusion. Es bleibt eine Art Keynsianisches System: der Staat muß mächtig sein, da sich das kapitalistische System ansonsten selbst zerstört. Die Anklänge an Marx sind offensichtlich („Konzentration des Kapitals und damit Selbstaufhebung des Kapitalismus“), mit dem entscheidenden Unterschied, daß bei Heinsohn kein Platz für eine Utopie bleibt, allenfalls die ewige Wiederkehr des Gleichen.

Ich habe gesagt, daß man Heinsohn die Begriffsklärung zugute halten muß. Aber genau da zeigen sich auch die Risse in seiner Theorie. Beispielsweise wird schlichtweg bestritten, daß es in der DDR Geld gab, denn das kann es nur geben, wenn es Eigentum gibt, das verpfändet werden kann. Aber kann man ernsthaft in Abrede stellen, daß es in der DDR Geld gab? Und, was noch wichtiger ist: Kann man bestreiten, daß sich neben der Planwirtschaft eine funktionierende Schattenwirtschaft entwickelt hat, die das System erst lebensfähig gemacht hat? Also eine wirtschaftliche Dynamik ganz ohne staatlich gesichertes Eigentum? Und was Gesellschaften betrifft, denen der Eigentumsbegriff weitgehend fremd war, wie etwa den Völkern Amerikas vor den Konquistadoren: Dort gab es ein den ganzen Kontinent umfassenden Handel. Dem das Prädikat einer „genuinen Ökonomie“ abzusprechen, ist einfach ein Jonglieren mit selbstgebastelten Definitionen („Begriffsklärung“).

Der funktionelle Kern bei Heinsohn ist, daß die Eigentumsökonomie die Menschen zwingt, wie blöde zu arbeiten, um ihr Eigentum nicht wieder zu verlieren. Das geht heute so weit, daß die zweite Kernfunktion der Gesellschaft, die Reproduktion der Menschen in den Familien, zum Erliegen kommt, sogar die Familie selbst zur Disposition steht.

Die sexuelle Revolution begann Anfang der 1920er Jahre: damals fingen die Geburten pro Frau an sich statistisch dem heutigen Wert zu nähern. Der nachwirkende Jugendüberhang ist im Zweiten Weltkrieg verheizt worden. Seitdem äußert sich der expansive Impuls nur noch in der Produktion und Überproduktion von Waren.

Um diesem Spuk ein Ende zu setzen, bedarf es etwas, was der sexuellen Revolution entspricht. Die Dritte Welt benötigt eine sexuelle Revolution, wie ich morgen erläutern werde. Die Erste Welt benötigt eine „arbeitsdemokratische Revolution“.

heinsohnmaldrei

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16 Antworten to “Gunnar Heinsohn und die drei Welten”

  1. David Says:

    Und was heißt hier, Krebs sei nicht heilbar? Hat nicht Wilhelm Reich einige wenige Patienten mit Erfolg behandelt? Und was hat es auf sich mit den so genannten Spontanheilungen?

    Ich kenne folgende Anekdote: ein Mann, der einen Krebs hatte welcher von den Schulmedizinern als unheilbar eingestuft wurde, sagte sich, jetzt mache ich schnell noch eine Rund-um-die-Welt-Kreuzfahrt. Genug Geld hatte er und er trat die mehrere Monate lange Reise an.

    Nach der Rückkehr stellte sich heraus, dass der Krebs weg war.

    Offenbar wurde durch die Weltreise die Charakterliche Resignation, welche nach Reich Hauptursache für Krebs ist, beendet.

    • Peter Nasselstein Says:

      Wie Reich an seinen Krebsmäusen gezeigt hat, kann jeder an Krebstumoren erkranken, auch der Gesündeste. Was nicht heilbar ist, ist die Krebsschrumpfungsbiopathie, die meist mit Krebstumoren einher geht, aber nicht notwendigerweise. Wenn einmal die „Energieproduktion“ im Inneren aufgehört hat, gibt es kein zurück mehr. Auf das Gesellschaftliche übertragen, ist genau das die Gefahr, die vom Sozialismus ausgeht: daß er „das Produktive“ in der Gesellschaft angreift. Meiner Meinung nach ist unser planwirtschaftliches Geldsystem („Geldmengensteuerung“), das vermeintlich „kapitalistischste“ am Kapitalismus, Kommunismus pur.

  2. David Says:

    Und dieses Jahrhundert wird unvergleichlich schlimmer werden, – weil der gepanzerte Mensch lernunfähig ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich NICHTS verändert.

    Obamas Welt(krieg):

    http://nbfs.wordpress.com/2008/12/13/obamas-weltkrieg
    http://nbfs.wordpress.com/2008/12/13/obamas-weltkrieg

  3. Deep Space Nine blickt zurück auf unsere heutige Zeit « Nachrichtenbrief Says:

    […] dermaßen brüchig, daß noch mehr Geld, und zwar unermeßlich viel, „geschöpft“ wird. Ich hatte vorausgesagt, daß uns das alles im April um die Ohren fliegt…. Mal sehen, ob wir den Mai […]

  4. Peter Nasselstein Says:

    Viel Spaß!

    http://www.welt.de/finanzen/article13446623/Angst-vor-Genickbrecher-Rezession-geht-um.html

  5. Peter Nasselstein Says:

    Es war nur eine Galgenfrist: http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/kopp-exklusiv-ab-2-12-kriege-wieder-mitten-in-europa.html;jsessionid=B706853BD3B7D5DBB09001F3CA2B2F54

  6. Robert (Berlin) Says:

    „Selbstregulation und eine „Arbeitsdemokratie“ sind eine Illusion.“

    Es gibt viele archaische Gesellschaften, die auch ohne das Zinssystem funktionieren. Vom mechanistischen Standpunkt muss immer ein Anreiz des Eigentums vorhanden sein, aber es gibt auch Systeme des gegenseitigen Beschenkens (zB. Potlach), die ohne das Skatspiel funktionieren.
    Der Gedankenfehler in der Beweisführung ist, dass die Basis die gepanzerte Menschheit mit ihrer mechanisch-mystischen Ökonomie ist.

  7. Sebastian Says:

    Der Artikel gefällt mir 😉 Letztens habe ich auch überraschender Weise etwas in „Politischer Irrationalismus“ gefunden:

    Der Markt ist sozusagen die Loslösung der Arbeitsdemokratie von ihren eigenen bioenergetischen Grundlagen. Diese Loslösung sieht man daran, daß praktisch alles „austauschbar“ wird und alle Gefühlsbindungen („Liebe“), alle Sinnhaftigkeit („Arbeit“) und Kooperation („Wissen“) zerrissen werden. Also genau das, was auch im „staatskapitalistischen“ Realsozialismus geschehen ist. In diesem Sinne, und zwar ausschließlich in diesem Sinne, ist Kritik am Kapitalismus berechtigt.

    Genau auf diesen Punkt habe ich immer und immer wieder hingewiesen, der bei Reich unter „Gebrauchswirtschaft“ vs. „Warenwirtschaft“ und bei Heinsohn unter „materielle Reproduktion“ vs. „Ökonomie“ (hier aber nicht kritisch, sondern geradezu emanzipatorisch) zum Ausdruck kommt!

    Aber kann man ernsthaft in Abrede stellen, daß es in der DDR Geld gab?

    Ja! DDR-Recht hatte kein funktionierendes Zivilrecht, dh keine Grundlage für Geld. Es waren stattdessen Zuteilungsscheine, wie eine gigantische Zigaretten“währung“. Es gab zwar formal alles, wie im Westen – Zivilrecht, Kredite, Geld -, aber praktisch liegt hier ein Etikettenschwindel vor.

    Russen können sich bis heute in vielen Fällen nicht darauf verlassen, Leistungen aus einem privat geschlossenen Vertrag von einem Schuldner verlässlich einklagen und vollstrecken zu lassen. Das ist aber eine der Grundlagen für eine funktionierende Eigentumsökonomie.

    Es gab im russischen und DDR-Zivilrecht kein privates Grundeigentum, keine Möglichkeit, privates Grundeigentum an andere private Eigentümer zu verkaufen oder es im Rahmen privater Vermögenshaftung für Schulden aus privaten Verträgen zu verlieren.

    Lenin:

    Wir erkennen nichts Privates an, für uns ist alles auf dem Gebiet der Wirtschaft öffentlich-rechtlich und nicht privat.

    Privates Grundeigentum und private Verträge sind aber historisch und logisch der Kern und die Basis des Privatrechts/Zivilrechts/Kreditwesens und somit der Eigentumsökonomie. Juristen und Ökonomen in den Transformationsländern fallen ganz ähnlicher Verwirrung zum Opfer.

  8. David Says:

    Sebastian hat gesagt:

    Es waren stattdessen Zuteilungsscheine, wie eine gigantische Zigaretten”währung”. Es gab zwar formal alles, wie im Westen – Zivilrecht, Kredite, Geld -, aber praktisch liegt hier ein Etikettenschwindel vor.

    Was ist die Zigaretten“währung“??

    Als nach dem Zweiten Weltkrieg das von der deutschen Zentralbank emittierte „Schein-Geld“ (Fiat Money) nichts wert war, ließen sich die Leute etwas einfallen, was anstatt dieses – durch kriebsbedingte Inflation entwerteten – Schein-Geldes verwendet werden konnte.

    Etwas, was eine Kaufkraft hat.

    Somit könnte man definieren: Geld ist alles, was eine Kaufkraft hat.

    Der Theorie zufolge würde alles hin zum Gold streben. Dies ist bedingt zutreffend, weil Gold für kleine Zahlungen nicht unbedingt geeignet ist; insofern könnte sich – ohne Eingriff durch Zentralbanken und Staat – ein System entwickeln, in welchem beispielsweise eine Unze Gold tausend Zigaretten entspricht.

    Zurück zu den Zigaretten – wieso hatten die eine Kaufkraft? Weil sie – außer sie als Geld zu verwenden – auch eine Freude machten, geraucht werden konnten. Genau so ist es mit dem Gold; es ist ein Rohstoff, einer von vielen, zur Herstellung von Schmuck, und in der Neuzeit auch von Zahnkronen und von gewissen elektronischen Bauteilen bzw. Kontakten.

    D.h. im Gegensatz zu dem sowjetischen und DDR-„Geld“ sind die Zigaretten richtiges Geld, weil ihre Kaufkraft auf einem tatsächlichen – durch möglichen Gebrauch / Verbrauch bedingten – Wert beruht.

    • David Says:

      Und die Zigaretten sind privates Geld wie auch die „Komplementärwährungen“ wie etwa die „Chiemgauer“ oder die in den so genannten Tauschringen verwendeten „Talente“ oder „Creditos“. Aber die „Creditos“ beruhen nicht auf einem Wert im Sinne eines wertvollen Rohstoffs.

      Stephen Zarlenga zufolge emittierte Lykurg, König von Sparta, Geld das aus wertlosem Material bestand, es seien Eisenblechstücke gewesen, die durch Behandlung mit Essig noch extra wertlos gemacht worden seien. Dieser Geldwert wurde durch die Macht des Staates, welcher weitgehend ein Militärstaat war und jeden – außer dem Staat selbst – hinrichtete, der „Geld“ herstellte, garantiert.

      Das spartanische Geld: ist es Geld oder ist es nicht Geld?

    • Sebastian Says:

      Was ist die Zigaretten”währung”??
      […]
      Etwas, was eine Kaufkraft hat.

      Nein, etwas, was eine Tauschkraft hat, was etwas völlig anderes ist. Tauschen kannst Du mit jeder beliebigen Sache, dh etwas Materiellem, was Du anfassen, fühlen, riechen kannst.

      Mit Zigaretten kannst Du aber nicht in einen Laden gehen und Dir etwas kaufen. Warum nicht? Der Kaufvertrag ist ein schuldrechtlicher Vertrag, dh ein Vertrag zwischen einem Gläubiger und einem Schuldner, also eine eigentumsrechtliche Handlung. Du kannst etwas kaufen ohne etwas zu bezahlen. Es entsteht durch den Kaufvertrag eine Schuld, die Du verpflichtet bist zu tilgen.

      Dadurch, dass die Tilgung der Schuld meist im selben Moment des Kaufs stattfindet, entsteht kein Zins. Das ist ein Grund, warum Ökonomen nicht die immaterielle, schuldrechtliche Eigentumsbasis des Geldes erkennen, sondern über materielle Tauschvorgänge spekulieren, die sich evolutionär und nie beobachtet zum Geld entwickelt haben sollen.

      Mit der Zahlung des Kaufpreises tilgst Du die Schuld. Bezahlt wird mit Geld, einem Schuldschein, der aus einer Schuld entstanden ist. Geld ist damit ein Schuldendeckungsmittel. Da das Ganze eine vollkommen immaterielle Basis hat, braucht man dazu nichts Physisches, es reicht zB eine Überweisung, die wiederum aus mehreren schuldrechtlichen Verträgen zwischen Käufer, Verkäufer und Kreditinstituten besteht. Ökonomie ist ein Netz von Vertragsrechten:

      Das stammesgriechische und auch das feudalmykenische Haus (=oikos), das lediglich genutzt wurde, wird […] in der polis als ‚Eigentum‘ einem Netz von Vertragsrechten (=nomoi) unterworfen, das nun jene Wirtschaft herbeizwingt, die der Öko-Nomie ihr Thema stellt. (Heinsohn/Steiger, Eigentum, Zins und Geld, S. 92)

      DAS und nicht irgendeine evolutionäre Tauschmetaphysik ist ethnologisch und historisch beobachtbar.

      Die Zuteilungsscheine der DDR sind einfach Zettel, Distributionsscheine, auf die der feudale Staat geschrieben hat, dass man dagegen etwas eintauschen darf. Sie haben nichts mit privaten Schuldrecht und damit auch nicht mit Geld zu tun. Es folgt daraus keine eigentumsökonomische Schuldendynamik, die die Menschen rastlos ohne Ende bis zum Ende antreibt. Zigaretten sind ein allgemein anerkanntes Tauschmittel und stellen damit das dar, wovon linke und rechte Ökonomen träumen, dass es die Grundlage der Ökonomie ist. Auch hier kein Schuldrecht und kein Geld.

      Mehr habe ich dazu nicht zu sagen und verweise ansonsten auf die Literatur.

      • Sebastian Says:

        Es folgt daraus keine eigentumsökonomische Schuldendynamik, die die Menschen rastlos ohne Ende bis zum Ende antreibt.

        Nicht falsch verstehen… Ich begehe hier nicht den biologischen Rechenfehler. Ich sehe den Schuldendruck als äußeren Reiz an, der in den gepanzerten Institutionen der Menschen (Recht, Staat) verankert ist und damit auf der Charakterstruktur der Massen beruht. Aber ich begebe zu bedenken:

        All institutions have been established with the armor in mind. (Reich, Orgonomic Functionalism I, S. 43)

  9. Peter Nasselstein Says:

    Interessanter Beitrag von Heinsohn:

    http://www.achgut.com/dadgdx/images/uploads/ZAHLTAG-Schweizermonat-Heinsohn-04-2014.pdf

    Letztendlich geht es um die Arbeitsfunktion (etwa die der Juden) und die Emotionelle Pest (insbesondere den Antisemitismus).

    Die Lösung der Finanzkrise kann natürlich nicht eine Vermögenssteuer sein, sondern nur die Freilegung der Arbeitsfunktion in den Massen – wie von Konia ausgeführt..

  10. Renate Says:

    Zitat: „Krebsschrumpfungs-Biopathie“, im Gegensatz zu isolierten Tumoren

    Was ist oder bedeutet ein isolierter Tumor, orgonomisch gesehen?
    Was ist der Unterschied?

    • Peter Nasselstein Says:

      Es gibt Krebstumoren, die sozusagen auf „fruchtbarem Boden“ wachsen, d.h. als Resultat einer langen Geschichte von gestörter Atmung bis hinab zur Zellatmung. Und es gibt Tumoren, die auch im gesündesten Organismen wachsen, infolge irgendwelcher Umwelteinflüsse (etwa Sonneneinstrahlung oder irgendwelcher krebserregender Chemikalien) oder weil irgendwo im Organismus, etwa im Gehirn, etwas „zufällig“ entgleist. Gelingt es diese Tumoren zu entfernen, bleiben keine oder nur minimale Folgen für den Organismus (er lebt gesund weiter), während sich bei der Krebsbiopathie selbst mit Tumorentfernung wenig ändert, d.h. der Organismus ist weiterhin krank, wie der Reich-Bluttest zeigt.

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