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Eine Notiz aus dem Jahre 1999

20. Juni 2022

Gestern hat mich wxy angerufen, um mir von einer Announce von xyz im Deutschen Ärzteblatt (?) zu berichten. In fünf Wochenendseminaren will sie Ärzte in „Orgontherapie original nach Wilhelm Reich“ (oder so) ausbilden. Und das unter dem Lassek-Logo (Ennegramm, Schlangen, Zeichen des orgonomischen Funktionalismus).

Im neuen Hamburger Körper, Geist & Seele findet sich auf dem Umschlag:

Heiko Lassek: Orgontherapie verbinden“ (?, sic!) und im Heft selbst heißt die Überschrift: „Die Kraft des Feuers erden – Orgontherapie nach Wilhelm Reich (…) verbindet der Mediziner (Lassek) die reichianische Orgontherapie mit den ‘Spontanen Bewegungen’ des Daoismus (…) Als Schüler von Professor Lu Jin Chuang (Universität Peking), dem Stammhalter der Tai-Ji Tradition, der in China anerkannt höchsten Schule des Daoismus (…) sich aus westlichen und östlichen Bezugssystemen entwickelnden Energiemedizin (…).

In Psychologie heute (Juni 1999) eine Buchbesprechung unter der Überschrift „Blockierte Orgonströme“ (Werner Köthke, Hans-Werner Rückert, Jens Simram: Psychotherapie? Psychoszene auf dem Prüfstand). Der „Eso-Mumpitz“ wird runtergemacht und „Orgonströme“ werden erwähnt, weil auch die Core-Energetik abgehandelt wird.

In einem alten Spiegel vom 16.3.98 (Nr. 12) lese ich zufällig ein Essay von meinem hochverehrten und geliebten Henryk M. Broder (der Typ, der 1997 in Psychologie heute über das Wilhelm Reich Museum geschrieben hat) – ein Essay über eine Biographie der Feministin Alice Schwarzer. Als er auf Schwarzers autoritäres Gehabe gegen andere Frauen zu sprechen kommt (das verblüffend dem Verhalten ähnelt, das manche Machos gegen Frauen zeigen!), schneidet er die psychologische Erklärung dieses Phänomens an.

Zunächst kritisiert er die besagte Biographin, die auf die Neo-Psychoanalyse Karen Horneys zurückgreift: Menschen, die als Kinder Demütigung erfahren haben, müssen als Erwachsene andere Menschen demütigen. Dagegen wendet Broder ein, daß eine solche Kausalität nie nachgewiesen wurde und daß man in den Kindheitsgeschichten etwa von Hitler und Albert Schweitzer identisches finden könne. Dann fährt Broder fort: „Dafür scheint ein anderer Zusammenhang plausibler, der mehr mit dem Erkenntnissen von Wilhelm Reich als mit der Psychoanalyse von Sigmund Freud zu tun hat.“ Das Dritte Reich hätte in vielen Gebieten ein Vakuum hinterlassen, u.a. was Autorität betrifft. „Doch ebenso wie es seine innere Logik hat, daß im Vatikan die größte Porno-Sammlung der Welt liegt, hat es auch einen organischen Grund, daß im fortschrittlichen, alternativen, ‘antiautoritären’ Milieu das Verlangen nach Autorität heftig wabert.“ Nur, daß hier der „Führer“ einen „alternativen“ Anstrich haben muß, wie etwa Alice Schwarzer. – Henryck, ich liebe Dich!

Der Dalai Lama war bei Biolek [einer Talk Show], wo er wortwörtlich das folgende über sich sagte:

Man hat gewisse Emotionen, man hat Wünsche, Hoffnungen, aber sie sind immer noch da. Und wir haben ja auch ein gewisses Training. Man muß also nicht unbedingt Gehorsam zeigen, sondern man analysiert: Was ist das Ziel, wenn man ein Mönch wird? Das Ziel ist die eigenen Emotionen zu überwinden. Wenn man diesen Status, diese Stufe erreicht hat, wo die Emotionen einen nicht mehr leiten, dann ist permanente Glückseligkeit.

Logisch! Nur leider das diametrale Gegenteil der Orgonomie.

Ich habe das neue Verlagsprogramm des yza-Verlages erhalten: die alte Mischung aus krypto-nazistischen Verschwörungstheorien, UFO-Schrott und Esoterik. Natürlich darf da das „Orgon“ nicht fehlen. Wie das geschieht ist sowas von bezeichnend: ein gewisser zab berichtet über „Orgon und Radionik: Die Welt feinstofflicher Energie (…) die neuste(n) Möglichkeiten, um feinstoffliche Energien anzuwenden“. Es folgt „Heilung durch Orgon Vitalenergie“ zur „Erhöhung Ihrer energetischen Vital-Schwingung“. Dann wieder zab über „Kundalini – vom Wesen der Lebensenergie und ihrer Reinigung“ und schließlich „Sexualität und Spiritualität – Von der Überwindung eines vermeintlichen Gegensatzes“. Es fängt mit der Orgonenergie an und endet über hirnzentrierte Allmachtsphantasien („Radionik“) in einer sexuellen Perversion, die das exakte Gegenteil der Sexualökonomie darstellt. Reich wird benutzt, um Reich zu zerstören! Das mündet schließlich im Faschismus: zab über „Karma und Reinkarnation aus vedischer Sicht“. Die Juden mußten ihr schlechtes „Karma“ abarbeiten….

Zwischen 1948 und 1962 sind von den 18 Millionen Rumänen 1 Million „verschwunden“, d.h. „verhört“ und dann liquidiert worden. Und das nicht etwa „trotz“, sondern wegen Marx. Das ist Klassenkampf – und er unterscheidet sich in nichts vom Rassenkampf der Nazis. Mit dem Unterschied, daß wir immer noch gegen die Nazis kämpfen, während die Kommunisten-Ratten… Schon mal von diesem Holocaust in Rumänien auch nur gehört?! [2022: dazu dies aktuelle Video.]

Gerade bin ich auf etwas aufmerksam geworden, was auch die „Weiterentwicklung“ dieses Kommunismus, wie sie jetzt abc vertritt (der mal in der emotion sich total begeistert über die Kollektivierung der Landwirtschaft in der UdSSR äußerte: 10 Millionen Tote!), betrifft: Seit der Einführung der Leibeigenschaft im mittelalterlichen Rußland drehte sich das gesamte russische Wirtschaftsleben darum, ohne Geld auszukommen. Es beruhte alles auf Sklavenarbeit, also „freiwilliger Arbeit“ und auf den Austausch von Naturalien. Von Peter dem Großen bis Stalin wurde also konsequent die Utopie verwirklicht, von dem die „Geldreformer“ heute träumen: den Bruch der „Zinsknechtschaft“! – OK, diese Argumentationsweise ist unfair…

Wie abc und praktisch alle Reichianer arbeite auch ich jetzt therapeutisch, wenn auch vorerst rein charakteranalytisch. Der Teddybär auf dem Sofa ist mein erster Patient. bcd hat mir diesen ersten Klienten vermittelt. Echt frappierend, aber ich bekomme zunehmend das Empfinden, daß sein gesamtes Innenleben, wie soll ich sagen, irgendwie „holzwolle-artig“ ist. Und sein Blick ist so stier, als wären seine Augen aus Glas. Absolut nervtötend ist aber, daß mein Patient praktisch nie was sagt. Aber in der Charakteranalyse ist ja auch ein „Nichtverhalten“ ein Verhalten. Aber trotzdem kann ich sicherlich mit Verständnis in der Community rechnen, daß ich bald mit diesem meinem Patienten körpertherapeutisch arbeite?! Sein (im wahrsten Sinne des Wortes) „hartnäckiges“ Schweigen zwingt mich einfach dazu! Immerhin habe ich damit angefangen den Patienten nackig zu behandeln. Übrigens ist mein Teddy-Patient derartig kataton, daß ich ihn ausziehen mußte. Praktisch macht er nichts selber. Ob ich mich hier als Anfänger übernommen habe?

Der menschliche Geist kann nur funktionieren, indem er bestimmte Teile der Wirklichkeit ausblendet. In der so geschaffenen Privatwelt ist er dann allmächtig. Das fängt beim Autofahrer an, der sein Auto und den Straßenverkehr beherrscht, weil er praktisch die gesamte Umwelt ausblendet, sofern sie irrelevant für das Autofahren ist. Und hört mit dem Psychotiker auf, der unerreichbar in einem eigenen Universum lebt. Je beschränkter und kontaktloser der Mensch ist, desto allmächtiger fühlt er sich (deshalb der „Erfolg“ von Dösbaddeln wie bcd, cde, etc.). Das entscheidende ist nun, daß der menschliche Geist prinzipiell so funktioniert. Leute wie def und efg können diese „prinzipielle“ „Allmächtigkeit“ und die idiosynkratische Beschränktheit nicht auseinanderhalten, weil ihnen die Distanz zu sich selbst fehlt. Der „Kleine Mann“ in Aktion!

Das besondere an Reich war nun, daß er sich erst gar nicht auf solche mentalen Spintisierereien eingelassen hat und sich dem Leib zugewendet hat, der wohl genauso auf der Grundlage von „Beschränktheit“ funktioniert (bestimmte Stoffe werden aufgenommen, bestimmte Stoffe ausgeschieden, der Rest wird ignoriert), aber eben nicht so praktisch unumschränkt willkürlich wie der menschliche Geist. Von dort ist Reich dann zur „Amöbe im Menschen“ vorgedrungen, die bei allen Lebewesen gleich ist und schließlich zur Orgonenergie, die überall im Universum exakt gleich funktioniert. Sie ist wirklich „unendlich“ beschränkt (sic!) und deshalb allmächtig! Exakt das, was efg und def illusorischerweise von ihrem „mind“ glauben! Und wegen dieser funktionellen Identität zwischen dem CFP der Natur und wirklich allen denkbaren philosophischen und religiösen Systemen funktioniert praktisch alles, was naive Spinner á la def so vorbringen. Kinder! Wirklich: offenbar kann man sich jahrzehntelang mit dem orgonomischen Funktionalismus beschäftigen, ohne ihn wirklich verstanden haben!

Und dann, daß wirklich jeder einzelne dieser Idioten (von efg bis def) allen ernstes glaubt, ausgerechnet er hätte die Lösung aller Probleme, er würde die Welt aus dem Angeln heben, er würde im Mittelpunkt der Welt stehen. Wie def, der über den Umweg seiner persönlichen Allergien zum Geistheiler geworden ist, schreibt: „more powerful than anything yet out there in the field of health, mental health, or spirituality“ – was nichts anderes bedeutet, als daß er größer ist als Freud, Buddha und alle anderen. Sowas Infantiles! Dazu kann ich nur neidvoll bcd, def und all den anderen zurufen: „Ich wollt’ ich wär so blöd wie du, dann wäre das Leben so einfach!“

Charlie Chaplin und Wladimir Putin

12. Juni 2022

Reichs dänische Mitarbeiterin und spätere Biographin Ellen Sierstedt wurde nachhaltig von Reichs Faszination für den Film im allgemeinen und dessen massenpsychologische Wirkung auf die Jugend im besonderen beeinflußt. Das war eines der Hauptthemen in den fünf Bänden von Reichs im skandinavischen Exil herausgekommenen Sexpol-Periodikum Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie (1934-1938).

Sierstedt hat nach dem Krieg eine kleine Broschüre für zwölfjährige Schüler veröffentlicht, Was weißt du vom Film? Dort erwähnt sie u.a. Charlie Chaplin, der in seinen Filmen „erzählt, wie es einem einfachen Mann zwischen brutalen und dummen Menschen zu Mute ist“ (Frankfurt: Verlag Schaffende Jugend, o.J.). Mir ist diese Stelle sauer aufgestoßen, nicht weil das falsch ist, was sie schreibt, sondern weil diese offensichtlich nicht sehr bemerkenswerte Aussage den Kern dessen trifft, was unser aller Schicksal besiegeln könnte.

Man kann den Einfluß Chaplins auf die Massen Anfang des 20. Jahrhunderts kaum überschätzen. Er gab den unterdrückten und ausgebeuteten Massen Gesicht und, ich hätte beinahe geschrieben, Stimme. Er stellte die einfachen Menschen dar im täglichen Kampf gegen die Brutalität und Dummheit der Herrschenden und ihrer Schergen. Entsprechend waren seine Filme, die er nach Beginn des Tonfilmzeitalters machte (einen Übergang den er eben wegen seiner „Massenbasis“ praktisch als einziger Stummfilmstar problemlos meisterte), offen linkspolitisch. Seine Darstellung eines Massenmörders, der Reihenweise Frauen abmurkst, in Monsieur Verdoux – Der Frauenmörder von Paris (1947), werde ich ihm ewig hoch anrechnen, denn es war ein kaum verklausulierter Angriff auf die Politiker ALLER Seiten, die einen solchen stümperhaften Amateur des Mordens dem Volk als billiges Bauernopfer vorwerfen, damit sie ihn genüßlich zerreißen, während die ach so hochmoralischen Staatslenker selbst Millionen auf die denkbar scheußlichste Weise massakrierten. Wer denkt heutzutage nicht an die genauso brutale und dumme Bluthyäne Annalena Baerbock, die, dümmlich grinsend, den Ukrainekrieg vollkommen sinnlos in die Länge ziehen, wenn nicht sogar weiter eskalieren will!

Das bringt mich zur größten und wirklich unverzeihlichen Sünde Chaplins: seine Unterstützung für den Einzug Amerikas in den „Großen Krieg“, der damit zum Ersten Weltkrieg wurde. Wie kaum ein anderer unterstützte er, DIE Verkörperung des arbeitenden und leidenden Volkes weltweit, einen der schlimmsten und vielleicht folgenreichsten Ausbrüche der Emotionellen Pest in der Menschheitsgeschichte. Mit primitivster Propaganda, Chaplin an vorderster Front, wurden „der Kaiser“ und wurden die Deutschen als „brutal und dumm“ hingestellt; wahre Teufel, die man unter allen Umständen bekämpfen müsse, egal welche Opfer man dafür selbst aufzubringen hat. Die dergestalt künstlich aufgeputschte Pogromstimmung gegen alles Deutsche in den USA wird in dem James Dean-Film Jenseits von Eden sehr schön dargestellt. Ansonsten: Präsident Wilsons Politik führte fast schon unausweichlich zum Sieg der Bolschewisten in Rußland und zum späteren Sieg der Hitleristen in Deutschland., dergestalt zum Zweiten Weltkrieg – und letztendlich zum heutigen Krieg in der Ukraine und damit dem Dritten Weltkrieg.

Die Geschichte wiederholt sich. Unsere Medien, hauptsächlich das Fernsehen, der heutige „Film“, zeichnen „Putin und die Russen“ auf offen rassistische Weise als „brutal und dumm“. Man müsse alles tun, um „den Russen“ Einhalt zu gebieten, sonst erobern sie die Welt, versklaven uns und unsere Kinder und vergewaltigen unsere Frauen. Danach klauen sie unsere Waschmaschinen… Sogar Campino würde heute voll Begeisterung zum Bund gehen!

Was wir hier vor uns haben, ist die abgrundtief böse Dialektik der Emotionellen Pest: das Lebendige, unser friedliches von Liebe, Arbeit und Wissen bestimmtes Leben, wird unter dem Vorwand in die Hölle geschickt, die Emotionelle Pest („Putin und die Russen“) endlich in ihre Schranken zu verweisen. Die einzigen, die davon profitieren, sind machthungrige Politiker wie die Bluthyäne und das verbrecherische Ausbeuterkonglomerat aus Finanz-, Pharma- und Rüstungsindustrie, das im Hintergrund die Fäden zieht. Man schaue sich Chaplins selbstfinanzierten Film The Bond von 1918 an:

Eine weitere Vernunftehe der Emotionellen Pest, 28. Mai 2022

30. Mai 2022

Eine Neuauflage des Hitler-Stalin-Pakts.

Eine weitere Vernunftehe der Emotionellen Pest, 28. Mai 2022

Dr. Batkis und Dr. Reich (Teil 1)

29. Mai 2022

Im folgenden werde ich in drei Teilen Auszüge (der Anfang und das Ende) von Die Sexualrevolution in Rußland von Dr. Batkis, Dozent am sozialhygienischen Institut in Moskau aus dem Jahre 1925 vorstellen. Übersetzung aus dem russischen Manuskript von Stefanie Theilhaber. Das ganze erschien in der Reihe BEITRÄGE ZUM SEXUALPROBLEM herausgegeben von Dr. Felic A. Theilhaber als Heft IV. Es erschienen in dieser Reihe insgesamt 20 Hefte im anarchistischen Verlag Der Syndikalist, Fritz Kater.

Die ersten beiden hier präsentierten Ausschnitte lassen erkennen, warum Reich sich 1927/28 voll Begeisterung dem Kommunismus zuwandte, der letzte Teil kündigt aber bereits die Sexualreaktion des Stalinismus an. (Der Rest des Heftes beschäftigt sich mit dem Kleinklein der Sowjetgesetzgebung insbesondere Ehe- und Abtreibungsrecht.)

Reich kannte diese Broschüre. Jedenfalls erwähnt er sie in Die sexuelle Revolution als „Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion“ in Zusammenhang mit der Abtreibungsfrage und der Ehegesetzgebung.

Die Sexualrevolution in Rußland

Die heutige Sexualgesetzgebung der Sowjetrepubliken ist das Werk der Oktoberrevolution. Diese Revolution ist nicht nur als politische Erscheinung, sofern sie dem Proletariat die politische Diktatur sicherte, von Wichtigkeit. Die von ihr ausstrahlenden Umwälzungen erstrecken sich auch auf das übrige Leben.

Ihr Befreiungswerk eröffneten die Führer der Revolution nicht damit, daß sie mutig und entschlossen sich der Fesseln der alten Gesetze und Einrichtungen entledigten und mit einer Proklamation großer und geschwollener Prinzipien den Umsturz einleiteten. Denn leicht stürzen Prinzipien bei einem Zusammenstoß mit dem Alltag, mit der Wirklichkeit, wie Kartenhäuser zusammen. Dafür ist die Geschichte der ersten französischen Revolution das lehrreichste Beispiel, wo Stubenluft und graue Theorie für ihre Einrichtungen und Gesetze Gevatterschaft standen.

Die soziale Gesetzgebung der russischen kommunistischen Revolution will kein Produkt reiner Kathederweisheit sein, sondern stellt einen Niederschlag des Lebens dar. Erst nach der erfolgten Umwälzung, nach dem Triumph der Praxis über die Theorie, trachtete man nach neuen, festen Bestimmungen einer ökonomischen Ordnung. Damit wurden auch Formen für die Einrichtung des Familienlebens und für die Gestaltung der sexuellen Beziehungen gemäß den Nöten und den natürlichen Erfordernissen des Volkes geschaffen.

Die zaristische Gesetzgebung bestand aus mehreren Bänden, in denen grenzenloser Despotismus, Sanktionierung der Willkür, der Gewalttätigkeit und der Versklavung des Weibes die Grundnote abgaben.

Das alte russische Ehe- und Familienrecht war der Abklatsch des allgemeinen Systems, das auch in politischer und ökonomischer Beziehung das System der Bedrückung war.

Die Auffassung und Wahrnehmung der Familie als, einer Privatangelegenheit, die unbegrenzte Machtbefugnis des Hauptes der Familie über alle Familienmitglieder, nach dem Vorbild der römischen Paterfamilie, das Anführen verschiedener unwissenschaftlich kanonischer Gesetze mit religiöser kirchlicher Moral, die die Frau als das „Gefäß des Teufels“ bezeichnen, vollkommene Ignorierung der natürlichen Verhältnisse, – das waren die charakteristischen Seiten dieser zaristischen Gesetzgebung.

„Die Frau muß ihren Mann fürchten“, jene Redensart, die während der Eheschließung in der rechtgläubigen Kirche der Frau mit auf den Lebens- und Eheweg gegeben wurde, war das grundlegende Motiv jener Gesetze. Ähnlich war auch die Lage der Kinder in der Familie. Der Teil der Gesetzgebung, in dem die entsprechenden Gesetze niedergeschrieben waren, trug die charakteristische Überschrift „Über die Macht der Eltern“.

Die uneheliche Mutterschaft, fast ohne Schutz, die Abtreibung mit Zwangsarbeit bestraft, grenzenlose Exploitation der Frauen-und Kinder-Arbeit, die sinnlose Einmischung der Gesetze und Beschnüffelung des persönlichen, intimen sexuellen Lebens unter der Maske der Besorgnis für die öffentliche Sittlichkeit einerseits und andererseits das begünstigende Einwirken auf die Verbreitung der Prostitution zu derselben Zeit – das waren die weiteren Tendenzen dieser Gesetzgebung.

Die breiten Volksmassen, insbesondere die Bauern waren vollkommen unter dem Einfluß der unwissenden Geistlichkeit und der Amtsbehörden.

Die Geistlichkeit lehrte jahrhundertelang die Bauern den Glauben an die teuflische Herkunft des Weibes, das aus der männlichen Hüfte zur Lust des Mannes geschaffen worden ist, und sie nährte den Glauben an die göttliche Autorität dieser wahrhaft teuflischen Gesetze.

Die Arbeiter und die Bauern, ewig unterdrückt, ewig erniedrigt im politischen und ökonomischen Leben, hatten nur eine einzige Möglichkeit, wo sie die Herren sein könnten, ein einziges Feld, wo sie anderen unter der Gönnerschaft von Gott und Gesetz ihre unbegrenzte Macht fühlen lassen konnten. Dieses Feld war ihre eigene Familie, diejenigen, auf die sich ihre Macht erstreckte waren ihre Weiber und ihre Kinder.

Seit langem schon erklärten die vorgeschrittenen Arbeiter und Bauern und die freiheitlichen intelligenten Elemente der russischen Gesellschaft, daß sie Feinde dieser mittelalterlichen Normen seien. Normen, die die freie Entwicklung der Gesellschaft und des Individuums hemmten, Normen, die im dauernden Widerspruch zu der Wirklichkeit standen.

Zum Gedenken an James DeMeo (14.1.1949 – 3.4.2022): Die „Saharasia-Theorie“ (Teil 5)

14. April 2022

Der Geograph und Anarchist Pjotr Kropotkin (1842-1921) war in vieler Hinsicht ein Vorläufer James DeMeos und seiner Saharasia-Theorie. Ich verweise auf den Artikel von Mike Davis: „Klimapioniere – Von Eiszeiten, Wassermangel und Wüstenzonen“, wo ich auch den Hinweis auf Ruskin gefunden habe.

Kropotkin war der erste, der in den 1870er Jahren die Vorstellung aufbrachte,

daß die 14 000 Jahre seit dem letzteiszeitlichen Maximum eine Epoche anhaltender, katastrophischer Austrocknung der Kontinentalgebiete seien. Diese Theorie – man könnte sie die „alte klimatische Deutung der Geschichte“ nennen – war zu Beginn des 20. Jahrhunderts äußerst einflußreich, verlor aber in den 1940er Jahren mit dem Aufkommen der dynamischen Meteorologie und deren Unterstellung eines sich selbst justierenden physikalischen Gleichgewichts rasch an Bedeutung.

Es ging dabei insbesondere um die These von der Austrocknung seit der letzten Eiszeit als Triebkraft der eurasischen Geschichte. Danach waren Ostturkestan und das Kernland der Mongolei einst wasserreich und „kulturell fortgeschritten“. Davis zitiert Kropotkin:

All das ist nun verschwunden, und es muß die schnelle Austrocknung dieser Gebiete gewesen sein, die ihre Einwohner nötigte, hinunter zur Dsungarischen Pforte, ins Tiefland von Balqasch und Obi zu wandern und dabei die Einwohner der Niederungen vor sich herzutreiben, was die großen Einfälle und Völkerwanderungen in Europa während der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung bewirkt hat.

Man vermeint DeMeo zu lesen, während der nächste Russe sozusagen das Negativ von Kropotkin ist:

Lew Gumiljow (1912-1992), ein sowjetischer Historiker, Ethnologe und Anthropologe prägt seit der Endzeit der Sowjetunion den antiwestlichen, „eurasischen“ Diskurs sowohl der rechtsradikalen Kreise in Rußland als auch bei den russischen Randvölkern, den von Gumiljow glorifizierten „Steppenvölkern“. Das ganze bezeichnet man als „Neo-Eurasianismus“. Gumiljow ist sozusagen der „Karl Haushofer“ eines neuen Nationalsozialismus.

In den 1950er Jahren begann Gumiljow sich mit der Geschichte der Kazaren und anderer Steppenvölker im mittelasiatischen Teil der Sowjetunion zu beschäftigen. Für ihn stellen die Russen im Verbund mit den Steppenvölkern eine „Großethnie“ dar, die sich immer wieder gegen den Hauptfeind, die Großethnie „katholisches Europa“, zur Wehr setzen mußte. Die Steppenvölker hätten dabei der gemeinsamen Mission wiederholt neue Kampfkraft beigesteuert, nachdem die Russen jeweils der Trägheit verfallen waren.

Die in einzelnen Erscheinungen vielleicht bedauerliche, in ihrer Gesamtheit jedoch fruchttragende Migration aus den südlichen Steppengebieten sei von Trockenperioden und der Wüstenausbreitung bestimmt gewesen, die wiederum auf die Sonnenaktivität und andere kosmische Einflüsse zurückgingen. Die „kosmischen Strahlen“ hätten diesen Völkern gleichzeitig auch „passionarnost“ verliehen; die Passion, Energie, Vitalität, den inneren Impetus, um andere Völker zu übermannen. Diese Strahlen seien vielleicht sogar für Mutationen und das Auftreten neuer „Rassen“ verantwortlich.

Im Rückgriff auf u.a. Wladimir Wernadski sind für Gumiljow Menschen „Funktionen“ der Biosphäre. Die Ethnien seien nicht nur eine Ansammlung von Individuen, sondern Teil umfassender „biogeochemischer“ Prozesse. Sie wären dem Zweiten Thermodynamischen Gesetz unterworden, der zum Energieausgleich und Stillstand führt, gäbe es nicht Phänomene gleicher Stärke, die dem entgegenwirkten. Die lebendige Materie besäße anti-entropische Eigenschaften. Diese Energie sei genauso real wie jene, die von den Physikern studiert wird.

Sie bringt die Organismen dazu sich zu entfalten und zu vermehren. Dazu zählten auch die Menschen und Völker. Ausgelöst durch die bereits erwähnten „kosmischen Strahlungen“, die bestimmte Abschnitte der Erdoberfläche unabhängig von geographischen Barrieren träfen, würde es zu „passionierten“ Eruptionen und Exzessen bei den Völkern kommen, mit deren Hilfe sie die akkumulierte Energie wieder entladen. Dies erkläre warum mächtige Eroberer schnell wieder in Vergessenheit geraten. Ihr „Erschlaffen“ ist nur allzu natürlich.

Die entsprechenden energetischen Prozesse führen gesetzmäßig nacheinander zum Aufstieg einer Ethnie, ihrer Entwicklung, dem imperialen Höhepunkt, gefolgt von Trägheit, Rückzug und Erinnerung an die glorreichen Zeiten. Beim Aufwallen der nationalen Passion und ihrer „orgasmischen“ Entladung komme es zu den großen Eroberungen. So sah Gumiljow beispielsweise das derzeitige Verhältnis zwischen dem trägen Europa und dem von nationaler Passion getriebenen Arabien.

James DeMeo verweist in seinem Buch Saharasia zwar auf Gumiljows Forschungen über die Auswirkungen von Dürreperioden in Zentralasien auf die Wanderungsbewegungen der Steppenvölker, erwähnt jedoch weder die quasi „orgonomischen“ Anteile von dessen Theorie noch, daß Gumiljow sozusagen eine „faschistische Variante der Saharasia-Theorie“ vertritt. Geradezu zwangsläufig muß dieser „Anti-DeMeo“ im Antisemitismus münden: Für ihn stehen die Juden außerhalb der beschriebenen energetischen Prozesse. Sie seien ein merkantiler Fremdkörper, der in keiner organischen Beziehung zu seiner Umwelt steht.

Um das richtig einordnen zu können, verweise ich auf meine Ausführungen in Der Blaue Faschismus, wo gezeigt wird, daß der Nationalsozialismus auf ähnlichen quasi „orgonomischen“ Theorien beruht.

Bleiben wir auf dem eurasischen Kontinent: David Zhang (University of Hong Kong) et al. haben bei der Analyse von Klimadaten und historischen Aufzeichnungen entdeckt, daß es im Osten des chinesischen Kaiserreichs im vergangenen Jahrtausend immer dann gehäuft zu kriegerischen Auseinandersetzungen gekommen ist, wenn in diesem Zeitraum das Klima besonders kalt war. Im ganzen traten sechs große Kältephasen auf, die mit Perioden zusammenfielen, in denen es gehäuft zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam. Die Wissenschaftler führen das auf die verringerten landwirtschaftlichen Erträge zurück. Die Kriege brachen meist etwa zehn bis dreißig Jahre nach Beginn der jeweiligen Klimaperiode aus. Die Forscher weisen auch darauf hin, daß der Dreißigjährige Krieg und andere Krisen in Europa und Asien mit dem Höhepunkt der „kleinen Eiszeit“ zusammenfallen.

Das ist eine weitere Bestätigung für einen zentralen Aspekt von James DeMeos Saharasiatheorie: lebenswidrige Umwelteinflüsse führen zu lebenswidrigem Verhalten. (Übrigens stehen wir gegenwärtig am Beginn einer neuen kleinen Eiszeit!)

Einer Studie von Richard Neugebauer von der Columbia Universität in New York zufolge erhöht eine mangelhafte Nährstoffversorgung im Mutterleib das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, deutlich. Beim Vergleich von klinischen Daten zwischen 1971 und 2001 von Patienten die vor, während und nach einer extremen Hungersnot Mitte des 20. Jahrhunderts in China zur Welt gekommen waren, wurde festgestellt, daß sich bei jenen, die während der Hungerperiode geboren wurden, das Risiko für Schizophrenie verdoppelt hatte.

Die Forscher fragen sich, ob der generelle Nährstoffmangel oder das Fehlen eines bestimmten Stoffes während der Schwangerschaft das auslösende Moment ist. Bezeichnenderweise wird nicht gefragt, ob auch der Umgang mit den Kindern unter dieser extremen Streßsituation eine Rolle spielt. Jedenfalls bestätigt diese Studie aufs neue James DeMeos Saharasia-These: daß Panzerung ursächlich auf Wüstenbildung (oder in diesem speziellen Fall auf die soziale Ver-Wüstung durch den Kommunismus) zurückgeht.

Wilhelm Reich und die Ukraine

1. April 2022

Reich wurde in einem Gebiet geboren und ist aufgewachsen, das heute zum westlichsten Teil der Ukraine gehört. Die Einzelheiten kann man auf der Website https://www.wilhelmrei.ch/ nachlesen.

Nach dem Ersten Weltkrieg stand das Deutsche Reich ständig am Rande des Bürgerkrieges, während sich die Sowjetunion aus einem blutigen Bürgerkrieg herausschälte. Man war alles andere als geborene Freunde, denn die Komintern tat alles, um einen blutigen Bürgerkrieg in Deutschland zu befeuern, und die Deutschen standen auf Seiten der Weißen; eine Unterstützung, die von den Sozialdemokraten bis zum rechten Rand des politischen Spektrums reichte. Außerdem hatten die Deutschen mit der Sowjetunion noch ein Hühnchen zu rupfen, denn die hatte alles getan, um ihren vertraglichen Verpflichtungen von Brest-Litowsk nicht nachzukommen, womit sie gewichtig zur wirklich „ungerechten“ deutschen Niederlage im Weltkrieg beigetragen hatte. Aber was mehr zählte als Ideologie und Gefühle war die geostrategische Lage der beiden Nationen, die zu diesem Zeitpunkt gemeinsam die absoluten Parias der Weltpolitik waren. Buchstäblich der Abschaum der damaligen Menschheit, sahen sich die Reichswehr (in Gestalt der Freikorps die Schlächter der Roten in Deutschland) und die Rote Armee (die Schlächter der Weißen in Rußland) gezwungen eng miteinander zu kooperieren. Die Russen profitierten von der Expertise und Technik der Deutschen, während die Deutschen in den Weiten Rußlands frei von der Kontrolle der Entente Manöver abhalten und sogar Waffen produzieren und testen konnten.

Die Periode der Unsicherheit endete in beiden Ländern etwa 1923. In diesem Jahr scheiterte Hitlers Marsch nach Berlin, er kam in Haft und wurde dort über Rudolf Heß mit den Ideen Karl Haushofers, Professor für Geopolitik, bekannt gemacht: die Zukunft Deutschlands läge in den unermeßlichen Weiten Eurasiens („Lebensraum im Osten“). Nach der Machtergreifung Hitlers 10 Jahre später wurde die bereits auslaufende Zusammenarbeit mit der Roten Armee aus ideologischen Gründen endgültig gestoppt und Hitler bereitete sich auf einen kolonialen Eroberungskrieg gegen „die Slawen“ vor. Dieser begann denn auch nach einem genauso kurzen wie absurden Intermezzo: der Renaissance der deutsch-sowjetischen Freundschaft im Hitler-Stalin-Pakt. Im Gegensatz zu seinen Generälen, die auf das Machtzentrum Moskau konzentriert waren, richtete sich Hitlers eigentliches Augenmerk auf die Ukraine als Kornkammer und in jeder Hinsicht „westlichster“ Teil der Sowjetunion. Tatsächlich stand diese dank des Verlustes der Ukraine knapp vor dem Kollaps, vor dem sie nur die Unterstützung durch die USA gerettet hat.

Nach dem Krieg taten die USA alles, um eine Allianz zwischen Bonn bzw. Berlin und der Sowjetunion bzw. Rußland zu verhindern. Das war natürlich anfangs alles durch Kommunismus und Kalten Krieg überlagert, tritt aber jetzt aktuell klarer denn je zutage. Biden riskiert eher einen Dritten Weltkrieg, wieder mit Deutschland im Zentrum, als es zuzulassen, daß ein neues Machtzentrum entsteht: Deutschland und seine Expertise in enger Allianz mit Rußland, d.h. mit freiem Zugriff auf die unendlichen Weiten Nord- und Zentraleurasiens.

Dieser geopolitische Zentralkonflikt des Planeten hat Reichs Leben bestimmt. Man denke nur an das Berlin Anfang der 1930er Jahre. Nachdem sich Moskau mit dem endgültigen Sieg Stalins über Trotzki als Zentrum des Weltkommunismus fest etabliert hatte, war es nicht im Interesse der KPdSU, daß die Kommunisten in Berlin an die Macht kamen. Alles wurde getan, um einen Erfolg der KPD unmöglich zu machen, denn über kurz oder lang wäre die Führungsrolle von Moskau und den Russen nach Berlin und den Deutschen übergegangen. Hingegen bot ein Hitler an der Macht Stalin die Möglichkeit schließlich ganz Europa mit der Roten Armee von der „faschistischen Barbarei“ zu befreien, d.h. im Endeffekt ein großrussisches Reich zu errichten.

Das oben Umrissene ist m.E. der „materialistische“ Kern der gegenwärtigen Ukraine-Krise. Es geht um materielle Interessen. Das Fressen steht immer am Anfang, vor jedweder Ideologie, jeder Sexualität, etc. Reichs Entdeckung war, daß die in den Massen Struktur gewordene Sexualunterdrückung das Unmögliche schafft, nämlich, daß diese schließlich gegen ihre eigenen Interessen, letztendlich gegen ihre „Freßinteressen“ handeln und den Stalins und Hitlers dieser Welt die Macht über sich geben. Das sieht man sehr schön an den heutigen seelenverkrüppelten Deutschen, die in ihrer überwiegenden Mehrheit sich gegen Putin und Rußland mobilisieren lassen und für einen durch und durch korrupten Mafiastaat wie die Ukraine BUCHSTÄBLICH hungern und frieren wollen, statt im Verein mit Rußland und mit dem Goldrubel in eine sichere, satte und warme Zukunft voranzuschreiten.

Und Gemach, ich mache mir über Putins Charakter und den russischen Faschismus keinerlei Illusionen, auch nicht über die „saharasische“ Natur von „Rußland an sich“. Aber ich will nicht „die Welt retten“, sondern frage mich, was im DEUTSCHEN Interesse ist. Was jedenfalls nicht im deutschen Interesse ist, ist die Aufnahme von Millionen von Afroukrainern und die weitere Zersetzung der Reste der deutschen Kultur durch die politisch korrekte trans Jaucheflut aus dem Westen.

Niemand kann aus seiner Haut heraus: Zar Wladimir

25. März 2022


Vom roten zum schwarzen Faschismus.

Ein weiteres Beispiel für den ideologischen Krieg der Linken gegen Amerika

Die innere Dynamik der antiautoritären Gesellschaft (Teil 4)

20. März 2022

Charles Konia hat auf etwas hingewiesen, was selten, wenn überhaupt, gesehen wird: Gesellschaften wie die Türkei, der Iran und Arabien befinden sich ebenfalls in einer antiautoritären Krise, weil die Jugend in den Westen blickt. Phänomene wie ISIS sind (wie zuvor die Nazis) pseudotraditionalistisch und ein Symptom des antiautoritären Verfalls des Islam. 1400 Jahre Weisheit der „Umma“ werden wegwischt wie nichts. Oder schauen wir nach Schwarzafrika, wo aufgrund des exponentiellen Bevölkerungswachstums die traditionellen Autoritäten, d.h. die Älteren, an den Rand gedrängt und mit Verachtung gestraft werden. Es bleibt eine restlos desorientierte Jugend zurück, deren einziger Traum Asyl in Deutschland ist. In China ist dank der Ein-Kind-Politik zwar die Lage scheinbar geradezu entgegengesetzt, aber das Resultat ist dasselbe: eine Generation von verwöhnten Gören, die „sich nichts mehr sagen lassen“ – von den lokalen Autoritäten. In Indien sehen wir, wie der Konsumerismus die Struktur der traditionellen Kultur in ihren Grundfesten zerstört. Oder man nehme die letzten Stammesgesellschaften: typischerweise machen sich christliche Missionare an die Schwachen und Ausgestoßenen heran, um die lokale „heidnische“ Autorität „revolutionär“ zu ersetzen – wie im Mittelmeerraum vor 2000 Jahren.

Manche schauen hoffnungsvoll nach Rußland, doch das im ersten Teil erwähnte „rechte Regime“ ist Makulatur, d.h. eine graue Tapete über einem brüchigen Mauerwerk. Ein demographisch und moralisch sterbendes Land, mit Drogenproblemen, Hoffnungslosigkeit und Nihilismus.

Die innere Dynamik der antiautoritären Gesellschaft (Teil 1)

14. März 2022

Wilhelm Reich, Elsworth F. Baker und Charles Konia zufolge wird die gesellschaftliche Dynamik durch die soziopolitischen Charakterstrukturen der Gesellschaftsglieder bestimmt. Das sieht man beispielsweise im Verhältnis der Deutschen zu Rußland. Als dort der antiautoritäre (antikapitalistische) Rote Faschismus herrschte, ich spreche von den 1980er Jahren, drehte sich in unserem Land alles um Abrüstung und „Lieber rot als tot!“. Wer von russischen Einflußagenten, etwa die Kampagne des Stern gegen Solschenizyn sprach, wurde bestenfalls mitleidig belächelt. Jetzt, wo in Rußland ein rechtskonservatives bis reaktionäres, also autoritäres Regime herrscht und etwa Solschenizyn kurz vor seinem Tod Putin ausdrücklich seinen Segen gab, mutieren die Grünen zu haßerfüllten Kriegstreibern, schlimmer als es der fanatischste Kalte Krieger jemals war. Der Schrecken eines Atomkrieges wird systematisch verdrängt.

Eines der Hauptmerkmale der antiautoritären Gesellschaft ist die Verlagerung von der lokalen Autorität zu einer zentralen. Die Linke haßt die Honoratioren, die im alten Deutschland vom berüchtigten „Stammtisch“ zur Kommunal-, Länder- und schließlich Bundespolitik ihre Herrschaft als „alte weißen Männer“, d.h. die Herrschaft des verhaßten Familienoberhauptes ausübten. Stattdessen wird immer mehr nach „bundeseinheitlichen (bzw. europaweiten) Richtlinien“ gerufen, die, wie im Roten Faschismus üblich, den Kommissaren das „Durchregieren von oben“ ermöglichen. Die lokalen Machtstrukturen sind nur noch dazu da, „die Parteilinie“ durchzusetzen. Am Ende steht eine Weltregierung, der Traum jedes wahren Linken.

Sowohl die autoritäre als auch die antiautoritäre Gesellschaft beruht auf Sexualunterdrückung. Der Unterschied liegt darin, daß im alten Deutschland Genitalität (also die Einheit von Liebe und Sex) zumindest teilweise toleriert wurde, solange die geschlechtliche Umarmung mit dem göttlichen Auftrag des „Mehret euch!“ jedenfalls prinzipiell „gerechtfertigt“ werden konnte. Heute hingegen richtet sich der Haß explizit auf die „binäre“ Genitalität. Frauen können einen Penis haben und auch Männer können menstruieren!

Die antiautoritäre Gesellschaft ist davon gekennzeichnet, daß keine Spannung mehr ausgehalten wird und das nicht nur im Geschlechtlichen. Es ist praktisch unmöglich noch Geschäfte zu machen, weil niemand sich mehr an Absprachen hält, sich auch nur an diese erinnert, d.h. das Zeitfenster, in dem man sich zu engagieren traut, wird immer enger. Rechnungen verschicken und „eintreiben“ wird zunehmend zu einem Alptraum. Das kann man auf die gesamte Wirtschaft extrapolieren, die nichts anderes ist als ein System der Kreditvergabe. Im Kern geht es um die Herstellung und Aufrechterhaltung von bioenergetischer Spannung, Aber genau diese kann der Linke von seinem Charakter her nicht ertragen, dreht sich doch bei ihm alles um Entladung und Entspannung. Er will das Leben genießen, ohne dafür etwas zu tun! Oder, um mit Margaret Thatcher zu reden: der Sozialismus endet, wenn das Geld, das andere erwirtschaftet haben, aufgebraucht ist.

Die Ukraine und die „emotionale Pest“

11. März 2022

Ich möchte hier den Begriff „Emotionelle Pest“ wörtlich nehmen: als Pest der Gefühlsduselei. Auf diese Weise haben etwa die Propagandisten der Sowjetunion irgendwelche sibirischen Bauernsöhne in die Maschinengewehrsalven der Deutschen getrieben und umgekehrt Goebbels in Deutschland: der „heilige vaterländische Krieg“ in den man „wie in einen Gottesdienst geht“. Der Gegner ist ein entmenschter Dämon, der aus perversem Vergnügen Frauen und Kinder massakriert, während unsere Sache edel und selbstlos ist. Der Verstand wird ausgeschaltet, ständig auf die Tränendrüsen gedrückt und alles getan, damit einem vor unbändiger Wut die Galle überkocht.

Diese Form der Emotionellen Pest, die „emotionale Pest“, ist besonders perfide und effektiv, weil die, die bei Verstand bleiben und versuchen objektiv zu bleiben und nüchtern die eigenen Interessen abzuwägen, als herzlos, berechnend und, ja, als „pestilent“ dastehen. „Die Russen bombardieren Krankenhäuser, während du nichts besseres zu tun hast, als dir über die Gas- und Benzinpreise Sorgen zu machen!“

Darauf kann ich nur antworten, daß bei einem Kollaps der Weltwirtschaft, wenn nicht sogar einem Atomkrieg zig Millionen, wenn nicht Milliarden Menschen krepieren werden, während du dich selbst beweihräucherst und deinen vermeintlich edlen Gefühlen frönst.

Man muß ein kindliches, will sagen antiautoritäres Gemüt wie Annalena Baerbock haben, um für eine bloße Gefühlslage die Zukunft einer ganzen Nation zu opfern. Und wir hatten eine ähnliche Situation schon mal, als wir im Überschwang der Gefühle Millionen von gefährlichen Parasiten ins Land holten.