Am Anfang in der Darstellung der Entwicklung der Orgonomie wirkt das Buch etwas nachlässig geschrieben. Es wäre kleinlich, Beispiele anzuführen, z.B. reiht DeMeo Jung in die Psychoanalytiker der 1930er Jahre ein (S. 16) und seine Darstellung der bioelektrischen Experimente bringt den Leser in chronologische Konfusion (S. 30f). Überhaupt scheint die gegebene Information teilweise mehr dem Redefluß zu dienen als umgekehrt. So ist das Buch wohl sehr lesbar, aber für den aufmerksamen Leser auch sehr irreführend. Zumal die leider politisch korrekte Übersetzung und Druckfehler noch mehr zur Konfusion beitragen, wenn z.B. „the Reversed Orgonotic Potential“ mit „die umgekehrte orgonomische Spannung“ (S. 43) übersetzt wird.
In dem Teil, wo DeMeo über seine eigene orgonomische Arbeit berichten kann, wird das Buch zu einer aufregenden Lektüre. Hier liegt wirklich ein unentbehrliches Handbuch vor, dem man nur die weiteste Verbreitung wünschen kann. Zu diesem meinen inständigen Wunsch tragen auch die Beiträge von Stefan Müschenich, über seine Doppelblindstudie der physiologischen Wirkungen des ORAC, und von Heiko Lassek bei, über seine Arbeit mit dem ORAC in der ärztlichen Praxis. Gleichzeitig sorgt Lassek aber auch für einen Wermutstropfen der mir das Buch gründlichst vergällt hat:
Lassek kann den Leser nur verwirren, da er die Grundlage der Orgonomie, die Erforschung der Orgasmusfunktion mit keiner Silbe erwähnt, die organismische Pulsation in Begriffen der Informationsverarbeitung beschreibt und schließlich die Biopathie mit Hilfe der klassischen Psychosomatik darstellt. Der Sympathikothonie stellt er zur diagnostischen Systematik eine „Parasympathikotonie“ gegenüber, während Reich alle Biopathien auf Sympathikotonie zurückgeführt hat und parasympathische Reaktionen nur als reaktive auffaßte. Dies ist auch bei Lassek so, aber seine Terminologie führt doch sehr in die Irre, z.B. setzt Lassek Parasympathikotonie mit Unterladung gleich, während nach Reich bei der durch Unterladung gekennzeichneten Krebsbiopathie der Orgonakkumulator parasympathikoton gegen die sympathikotone Schrumpfung wirkt.
Wirklich schlimm ist aber erst Lasseks Beschreibung dessen, was er irrwitzigerweise als „psychosomatische Orgontherapie (Vegetotherapie)“ bezeichnet. Durch Atemübungen (!!!) kommt es infolge der Hyperventilation zu Krämpfen. „Nachdem in mehreren Behandlungsstunden das vom Organismus des Behandelten tolerierbare Ladungs-/Entladungsniveau diagnostiziert werden kann, wird der Patient aufgefordert, die Arme vor den Körper parallel zu strecken, die Finger beider Hände vollständig zu strecken und zu spreizen und die auf diese Weise geöffneten Handinnenflächen während der vertieften Atmung in Abstand von ca. 10 cm zu halten. Weiterhin sollte das Becken aus der Ausgangsposition heraus leicht (!) angehoben werden, die Belastung des Fußes sollte an den Fußballen stärker als an der Ferse sein. Ist eine ausreichende Ladung des Körpers erreicht worden, setzen Vibrationen in der gesamten Oberschenkelmuskulatur ein, die zunächst im Adduktorenbereich am ausgeprägtesten erscheinen“ (S. 207, das Ausrufungszeichen stammt von Lassek). Danach breiten sich dann die Vibrationen vom Becken ausgehend nach oben über den ganzen Körper aus, bis schließlich der Orgasmusreflex einsetzt. Von einer systematischen Auflösung der Panzerung (oder gar von einer Charakteranalyse) kann hier keine Rede sein, vielmehr ist alles auf den schnellen Effekt ausgerichtet.
Andererseits ist Lasseks abschließende Beschreibung seiner ORAC-Behandlung von Krebskranken im Terminalstadium ein extrem wichtiger Beitrag, anhand dessen man ermessen kann, was die amerikanische Gesundheitsbehörde auf dem Gewissen hat. Hier kehrt bei mir das Gefühl wieder, das mich bereits beim Lesen von DeMeos eigenen Ausführungen plagte: bodenlose Empörung, angesichts eines menschenverachtenden kriminellen Wissenschafts- und Medizinbetriebes dem bequeme Autoritätsstellung, bequemes Dogma und bequeme Profite wichtiger sind als die wissenschaftliche Wahrheit und das Leben von Menschen. Mörder!
Bemerkenswert ist Lasseks Warnung vor einer ideologischen Ablehnung schulmedizinischer Methoden in der Krebsbehandlung. Viele sogenannte „Reichianer“, die man hätte retten können, haben sich mit ihrer ORAC-Selbstbehandlung, die bei bestimmten Krebsformen zu einer Förderung der Tumorbildung führen kann, selbst das Grab geschaufelt. Die Ausführungen Lasseks sind auch deshalb von besonderem Gewicht, da vorher im Buch durch DeMeo selbst die besagte Do-It-Yourself-Ideologie gefördert wurde.
Es geht in der Diagnostik der Biopathien und damit ihrer Therapie um die Differenzierung, da kann man mit der einen Grunderkrankung „orgastische Impotenz“ wenig bis gar nichts anfangen. Vielmehr geht es um die spezifische Genese streng definierter Krankheiten. Daß bei Diabetes (Zwerchfellsegment) und Bluthochdruck (Brustsegment) man erblinden kann, also das okulare Segment involviert ist, hat von der Genese der beiden Krankheiten aus gesehen überhaupt keinerlei Bedeutung. Man lese Emanuel Levine: “Treatment of a Hypertensive Biopathy with the Orgone Energy Accumulator” (Orgone Energy Bulletin 3(1):23-34, January 1951) und die Seiten 264f in Charles Konia: „Orgone Therapy (Part 7)” (The Journal of Orgonomy 22(2):256-267, November 1988).
Beispielsweise ist das Reiter-Syndrom keine Biopathie, sondern eine Folgeerkrankung einer Biopathie, etwa einer Dickdarmentzündung (Biopathie im Bauchsegment), genauso wie die Erblindung bei Diabetes eine Folgeerkrankung ist:
Das kann man in eine tertiäre Erkrankung (z.B. kann die Urethritis zu einer Nierenkrankheit führen) und so ins Unendliche weiterführen. Es geht darum, diesen biopathischen Prozeß rückgängig zu machen und ganz zu beseitigen, indem man das spezifische CFP (gemeinsame Funktionsprinzip) verändert: die Bauchpanzerung.
In der orgonomischen Medizin geht man von folgender alles bestimmender Grundgleichung aus:
Beim gegen die Bioenergie gepanzerten Organismus stellt sie sich dann, nach Reich, ganz allgemein wie folgt dar:
Nach diesem biopathischen Grundmuster lassen sich diverse biopathische Anlagen darstellen, je nach der speziellen Panzerstruktur. Im folgenden z.B. die Bluthochdruck-Diathese, wie Konia sie dargestellt hat:
So kann man alle biopathischen Diathesen nach einem ganz einfachen Grundmuster darstellen.
Bei der Krebs-Biopathie sieht es m.E. wie folgt aus, weshalb es ein Sonderfall ist – die Bioenergie wird nicht nur segmentär blockiert, sondern hört überhaupt auf als Bioenergie zu funktionieren (d.h. zu pulsieren):
Immer nach Schema F: spezifische bioenergetische Störung und ihre jeweiligen besonderen psycho-somatischen Folgen.
In der autoritären Gesellschaft ging es noch darum, daß sich die gebildeten und weißen Menschen als allen anderen überlegen fühlten und sich dabei durchaus wohl in ihrer eigenen Haut fühlten. In der anti-autoritären Gesellschaft trägt diese „Wissenschaft“ dazu bei, daß sich alle gleichermaßen scheiße fühlen. Etwa Schwangere:
Invasion der kindlichen Zellen: Für das Immunsystem der Mutter ist das Kind der Parasit, und die Plazenta ähnelt einem Tumor. Diese Erkenntnisse wollen Forscher im Kampf gegen Krebs und Unfruchtbarkeit nutzen.
So, im typisch schnoddrigen Spiegel-Stil, wird ein Artikel über eine der neusten Großtaten der mechanistischen Wissenschaft eingeleitet. Der Anfang des menschlichen Lebens wird mit dem Krebs gleichgesetzt (Hackenbroch 2009).
Reich zufolge ist Krebs „verfaulen bei lebendigem Leibe“, der Krebstumor ein verzweifelter Versuch des Organismus sich auf niedrigerem energetischem Niveau neu zu organisieren (siehe Reich 1948). Dabei entstehen genauso groteske wie giftige Gebilde, die Tumoren. Mit denen setzt man nun Embryos gleich!
Das Problem ist nicht nur die Wissenschaft, sondern wie die Ergebnisse vermittelt werden. Obwohl: der Zynismus ist unmittelbarer Ausfluß der mechanistischen Weltanschauung! Wie muß eine werdende Mutter empfinden, wenn sie so etwas liest, in einem zynischen Schreibstil, dem jeder Respekt für das Lebendige abgeht?
Ich habe mich schon immer schlecht gefühlt, wenn ich in dieses ekelhafte Schmierantenblatt gelesen habe, das wie kein anderes den lebensfeindlichen Geist unserer „Eliten“ verkörpert. Man betrachte etwa das Titelbild des oben verlinkten Spiegel, das das Lebensgefühl der Macher widerspiegelt. Der Autor berichtet über „Das Geheimnis der Gestalt“, beschreibt die wunderbare Einheitlichkeit der Formen des Lebendigen – und endet in einem Horrorszenario der Genmanipulation.
Natürlich ist die Genforschung wichtig, sie macht aber nur Sinn, wenn sie in ein umfassendes bioenergetisches Verständnis eingepaßt ist. Das ist so, weil das Mechanische etwas Sekundäres ist, das Bioenergetische das Primäre. Und was soll das sein, „das Bioenergetische“? Genau das, was der Spiegel unterdrückt, wenn er keine authentischen Gefühle zuläßt, wenn er alles ins Lächerliche, Groteske und Abstoßende zieht. Mechanistische Wissenschaft kann nur jemand betreiben, der sein natürliches Empfinden gewaltsam unterdrückt. (Übrigens kommt es infolge der Schwangerschaft zu „Mikrochimärismus“, bei dem fötale Zellen in die Mutter übergehen,aber auch umgekehrt.)
Wichtiger ist, daß viele Frauen während der Schwangerschaft das Embryo, das sie in sich tragen, als eine Art „Parasit“ empfinden, das ihnen ihre Nährstoffe entzieht, sie förmlich aussaugt und sich schlecht fühlen läßt. Die moderne Biologie unterstützt dieses Empfinden, handelt es sich doch bei dem Embryo um zur Hälfte fremdes genetisches Material mit entsprechender Immunabwehr etc. Das Problem ist, daß sich andere Frauen gerade während der Schwangerschaft „puddelwohl“ fühlen, wie sonst kaum in ihrem Leben, einfach weil sich die beiden Organismen bioenergetisch hochschaukeln, ähnlich wie es jemand erfährt, der in einem Orgonenergie-Akkumulator sitzt. Das Leiden mancher Frauen und deren Gefühl ein böser Fremdkörper sei in ihnen, ist eindeutig eine neurotische Reaktion auf dieses bioenergetische Aufblühen, das sie nicht ertragen können und deshalb ersticken müssen. Bereits im Mutterleib wird dem Baby signalisiert, daß es auf diesem lustfeindlichen Planeten nicht willkommen ist!
Verschärft wird die Problematik durch einen anderen Aspekt, für den die moderne Biologie jeden Zugang verbaut hat. Viele Schwangere erleben die heftigen Fötusbewegungen (Entwicklungszuckungen die nichts anderes sind als Orgasmusreflexe des Fötus) als seltsam, fremd, als „alien-artig“ unheimlich, beunruhigend und bedrohlich. Daß sie das Lebendige selbst verteufeln und dergestalt der Christusmord anfängt… Die Biologie hat nichts, rein gar nichts begriffen, schon gar nicht, wie sie unmittelbar in die Soziologie übergeht. Die moderne Wissenschaft ist ein grausamer Witz. In den 1930er Jahren bot Reichs „sexualökonomische Lebensforschung“ die Möglichkeit richtig abzubiegen, aber stattdessen… Wir haben es bei den modernen Wissenschaftlern mit gemeingefährlichen Halbirren zu tun, die dir mit ihrem grenzdebilen Grinsen irgendwas von „Wissenschaftstheorie“ erklären wollen – und nicht sehen, daß sie selbst die allerprimitivsten Dinge nicht begreifen. Die mechanistische Wissenschaft ist eine Ausprägung der mörderischen Emotionellen Pest!