Ich habe mit mehreren Orgontherapeuten und „Orgonpatienten“ darüber gesprochen: Orgontherapie über eine Videokamera ist möglich. Damit fällt (mal abgesehen von den Finanzen!) jedwede Ausrede weg, sich keiner Orgontherapie lege artis zu unterziehen.
Man begegnet immer wieder Leuten, die sich der „Selbstbefreiung“ verschrieben haben und sich deshalb niemals einem (Orgon-) Therapeuten aussetzen würden. Wie Münchhausen wollen sie sich selbst am Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen. Ihr Denkfehler liegt darin, daß, wenn sie sich selbst aus ihrer Neurose befreien könnten, sie gar nicht neurotisch wären!
Immerhin kommen sie der Wahrheit ziemlich nahe, denn es gäbe für ihre langfristige seelische Gesundheit kaum etwas verheerenderes als aktionistische Therapeuten, die sie mit allen möglichen Techniken, insbesondere „körpertherapeutischen“ Interventionen, von außen befreien wollen. Derartige „Erziehungsdiktaturen“ mögen oberflächlich betrachtet zu einer Verbesserung führen, doch tatsächlich wird so die Unfähigkeit zur Selbstregulation nur noch tiefer verankert. Deshalb sind „Orgontherapeuten“, die an ihren Patienten eine „körpertherapeutische“ Intervention nach der anderen ausführen, ihnen eine Vorgabe nach der anderen machen, in Wirklichkeit das Gegenteil von Orgontherapeuten: es sind pestilente Charaktere, die auf sadistische Weise das Lebendige drangsalieren und narzißtisch ihre angemaßte „Autorität“ genießen.
Ein richtiger Orgontherapeut macht dem Patienten klar, daß er ihn nicht „gesund machen“ kann. Oder wie mir mein erster Orgontherapeut sagte: „Die Patienten wollen immer, daß ich sie von ihrer Neurose befreie. Wie soll ich das machen? Ich bin doch kein Magier!“ Der Orgontherapeut ist kein „Führer“, der schon alle Antworten kennt und dem man nur zu folgen braucht, sondern ein, wie Reich ihn in Christusmord nannte, „Neuer Führer“, der jede Verführung „ein Führer“ zu sein, zurückweist, vielmehr nimmt er die Menschen ernst und läßt sie sich selbst retten, indem er ihnen die Verantwortung für ihr eigenes Leben auferlegt. Das macht er, indem er verhindert, daß sie ständig dem Wesentlichen ausweichen.
Ein Orgontherapie-Patient übernimmt selbst die Verantwortung für seine Gesundung – oder er ist gar kein Orgontherapie-Patient.
Man kann immer wieder beobachten, daß „Reichsche Therapie“ bei vielen einfach keine Wirkung zu zeitigen scheint. Sie bleiben irrational, werden teilweise sogar pestilent (Emotionelle Pest). Es fehlt ihnen an „Magnetismus“, vielmehr wirken sie „hohl“ und „leer“. Statt sich wohler und integrierter zu fühlen, werden sie entweder immer wehleidiger und „sensibler“. Oder sie verwandeln sich in narzißtische, blasierte Kotzbrocken, die sich einbilden „umstrukturiert“ zu sein.
Therapie macht nur Sinn, wenn man sich der Panzerung bewußt wird und sich entsprechend von innen her verändert. Solange die grundlegenden Verhaltensmuster, etwa eine alles erstickende Indifferenz, nicht bewußtgemacht werden, wird jedwede „bioenergetische“ Intervention verpuffen oder diesen Widerstand sogar noch weiter verstärken.
Heutzutage, wo der Charakterpanzer in der Struktur der Menschen immer wichtiger wird, auf die Charakteranalyse zu verzichten, d.h. es zu unterlassen, die okulare Panzerung aufzulösen, ist ein Kunstfehler. Was „Körpertherapeuten“, sogenannte „originale Reich-Therapeuten“, „Bioenergetiker“, etc. treiben, ist zutiefst reaktionär, weil sie die pathologische Tendenz der Gesellschaft zur Oberflächlichkeit nur noch weiter verstärken. „Nur nicht den Kern des Problems berühren!“
In der Orgontherapie muß Kontakt hergestellt werden und der Patient von seinen Ersatzkontakten entfremdet werden. Stattdessen bieten die „Neoreichianischen Körpertherapeuten“ Ersatzkontakt in Form von mechanischen Übungen und Massagen. Diese Therapien sind nur ein Spiegel dieser Gesellschaft: „action“ und „event“ bei Vermeidung von wirklichem bioenergetischen Kontakt.
Genauso wie der Sozialist alles von „der Gesellschaft“, d.h. dem Staat, erwartet und von der Eigenverantwortung entlastet werden will, soll der Therapeut den Patienten von außen her durch „Körperübungen“ und „Muskelmassage“ oder gar durch das „Bewegen der Lebensenergie“ heilen.
Das ist imgrunde eine mechanistische Einstellung, die sich kaum von der der „Schulmedizin“ unterscheidet. Wirkliche Veränderung kann nur Frucht von Eigenverantwortung sein. Aufgabe des Therapeuten ist es, die Selbststeuerung wieder in Gang zu bringen, d.h. den Patienten mit Verantwortung zu belasten, statt ihn zu entlasten.
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3. Dezember 2013 um 15:11 |
Ich habe letztens zwei Bekanntschaften gemacht, die zufällig beide vom Inneren Kind überzeugt waren. Die Eine ging mal zum Therapeuten, die Andere hat sich selbst therapiert. Bei Beiden hatte ich das Gefühl, dass sie in ihren Intellekt geflüchtet sind. Sie kamen überhaupt nicht mit Emotionen klar. Die Eine hat ihr emotionales Leben sogar als gerade Linie beschrieben, aber sie hat das als Fortschritt gewertet. Außerdem wurde rumanalysiert und die Kindheit gedeutet, was das Zeug hält. Unerträglich.
Mir ist aufgefallen, dass die Wenigsten verstehen, was „unwillkürlich“ oder „unbewusst“ bedeutet.
4. Dezember 2013 um 00:21 |
„Selbsttherapie“ wäre in der Körpertherapie so als würde man sich selbst den Rücken massieren.
Beim „Inneren Kind“ Konzept mag es genauso wirksam sein (sich selbst zu analysieren) wie das „therapeutische Arbeiten“ mit diesem Konzept. [vermutbare Wirksamkeit = 0]
Für Therapeuten ist so eine Themenvorgabe „wir wollen heute am Inneren Kind arbeiten“ ein willkommenes Unterhaltungsprogramm für Klienten, die kein Gespräch anbieten.
Bei solchen Ansätzen schäme ich mich immer fremd.
4. Dezember 2013 um 00:27 |
Der Patient muss immer für sich die Verantwortung für Veränderung und seine Entwicklung übernehmen, das gilt allgemein in der Psychotherapie. Psychotherapie (/OT) ist keine KFZ-Werkstatt, wo man repariert wird. Dies ist der erste „Zahn“, der dem Patient gezogen werden muss.
9. Dezember 2013 um 06:44 |
In “ ‚Arschtritt‘: Mein Weg aus der Depression zurück ins Leben“ von Holger Senzel schreibt der Autor, wie ihm seine Therapeuten alle Selbstverantwortung für sein Leben wegnahmen und damit lähmten, weil sie alles auf die Umwelt oder Erziehungspersonen schoben und nichts taten, um ihn zu aktivieren.