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Frank-Reich (Teil 5)

13. September 2026

James DeMeos Orgone Accumulator Handbook (Manuel de l’accumulateur d’orgone) ist 2001 bei Editions Sully in Vannes, Morbihan (ein Departement im Süden der Bretagne) erschienen. Ein kleiner Verlag, der auch eines der Bücher von Gérard Guasch veröffentlicht hat: Quand le corps parle… introduction à l’analyse reichienne („Wenn der Körper spricht… Einführung in die Reichianische Analyse“, 1998). Die „Reichianische Analyse“ ist Dr.med. Guaschs eigene Version der Orgontherapie und wird von mehreren Laientherapeuten in Frankreich praktiziert. Ein Ausbildungsprogramm wurde an der von Guasch gegründeten „Pariser Reichianischen Schule“ angeboten. Anfang der 1990er Jahre sagte die Leiterin dieser Schule, Arlette Gastine, daß die Techniken von Elsworth F. Baker (die sie dank Guiseppe Cammarellas SEDIFOR-Ausgabe von Man in the Trap kannte) dem, was sie tun, sehr ähnlich sind… Zuvor hatte Guasch in der 1983 erschienenen Ausgabe der Zeitschrift L’Arc über Reich das American College of Orgonomy für dessen Elitismus und „Versteinerung“ kritisiert.

Guaschs vorheriges Buch, Wilhelm Reich, énergie vitale et psychothérapie (1998), eine allgemeinere Einführung in Reich und die Orgonomie, enthielt bereits einiges an Material zur „Reichschen Analyse“. Es wurde von der linksnationalen Tageszeitung Libération erwähnt. Er fügte eine Liste von Organisationen hinzu, darunter der ACO, das OBRL, das IOS usw., aber nicht Cammarellas französische SEDIFOR! 2007 folgte die umfangreiche Biographie (369 Seiten) Wilhelm Reich, biographie d’une passion (Sully).

„SEDIFOR“ steht für Dr. Cammarellas Verlag zur Verbreitung der Orgonomie (S.E.DIF.OR. – Société d’Edition pour la Diffusion de l’Orgonomie).

Ich habe den Begriff „analisi reichiana“ auch in Italien gefunden, wo sie von einigen Ärzten wie Genovino Ferri und ihren Laienschülern praktiziert wird. Das ist etwas anderes als die Navarro-Schule mit ihrer „Vegetotherapie“ und „Somatopsychodynamik“. Ich habe ein Interview von Ferri gefunden, in dem er nicht nur Reich dafür kritisiert, daß er die physikalischen Eigenschaften der biologischen Energie studieren wollte, sondern auch sagt, daß er in seiner Praxis nie einen genitalen Charakter gesehen habe.

Thierry Carrasco, ein klinischer Psychologe, war Präsident des von Gérard Guasch gegründeten „Wilhelm Reich Institut“ in Paris. Er behauptet, eine Kombination aus Charakteranalyse und Primärtherapie („cri primal“) anzuwenden. Ich glaube nicht, daß Eva Reich sie „autorisiert“ hat, aber sie gab in den 1970er Jahren Seminare für sie. Die Ironie ist, daß der Neo-Reichianer wie Carrasco sagt, er sei fassungslos gewesen, als er Eva Reich in einer Gruppensitzung knien und für die Linderung eines Patienten beten sah! Eva bezeichnete sich selbst als „christliche Sozialistin“… Der bereits erwähnte Gérard Ponthieu, war Mitglied des „Wilhelm Reich Institut“.

Jean-Loic Albina war der Leiter der „Navarro-Schule“ in Frankreich. Obwohl er ein Vertreter der „orthodoxen Orgonomie“ am „Wilhelm Reich Institut“ war, bot er auch Gruppentherapiesitzungen an. Absolut lächerliche Veranstaltungen! Es wurde von einem Patienten eines anderen Navarro-Therapeuten berichtet, daß er durch die „Therapie“ geschädigt wurde. Offenbar wurden untere Panzersegmente angegangen, bevor die oberen frei waren. Noch Monate nach der vorzeitigen Beendigung der Therapie war er in seinem Funktionieren gestört. Der „Therapeut“ war selbst ein schwergestörter Mann.

Am Institut waren sie alle Freunde: André Tange, der „Liebestherapeut“, Gian Laurens, der Anarchisten und dessen Kumpane, die Leute von der Ecole Reichienne de Paris (von Guasch in den 1970er Jahren gegründet) usw. Henri Saigre, war Präsident des Ecole Reichienne de Paris und Begründer der „Maskentherapie“; einer Technik, die darin besteht, Gedanken auf einige Masken zu projizieren. Natürlich stellt er sie als einen wichtigen originellen Beitrag dar. Er habe sie aus Reichs Arbeit über Peer Gynt abgeleitet. Sic!

Aber niemand unter den Reichianern, nicht einmal an der Ecole Reichienne de Paris, erwähnte das Orgon, außer vielleicht Albina und einige Navarro-Leute. Der einzige, der das Wort „orgonomisch“ benutzte, um seine Aktivitäten zu beschreiben, war ausgerechnet der Reichianische „Liebestherapeut“ (seine Worte) André Tange. Er war eine angesehene Persönlichkeit am Pariser „Wilhelm Reich Institut“. Ich denke, die meisten französischen Neulinge in der Orgonomie landeten zuerst am Institut. Dort trafen sie auf Tange und sein Centre de bioénergie orgonomique, wo er Fotokopien der vergriffenen Bücher von Reich verkaufte. Wenn Tange seinen Namen in die Nähe von Reichs Namen rücken will, druckt er einfach „Die genitale Umarmung“ aus Christusmord nach und fügt seine Kommentare hinzu. Seine Gruppe, das besagte „bioenergetische Zentrum“, findet sich in den Ardennen, wo sie leben, arbeiten, Therapien und Gruppenmassagen durchführen.

2010 erschien sein Buch L’amour au coeur de l’homme (Liebe im Herzen des Menschen), das wie folgt beworben wurde:

Die Liebe ist unumgänglich und sitzt in den Herzen und Körpern aller Menschen. Es ist unmöglich, sich ihrem Einfluß völlig zu entziehen. Sie ist schon vor der Geburt im Mutterleib vorhanden und bleibt auch nach unserem Tod in der Erinnerung derer, die uns vermissen. Können wir unterscheiden, was Liebe und was Vergnügen ist? Die Verwechslung von Glück und Hedonismus ist heute in der Zivilisation der Objektivität die Norm. Leider ist die Liebe kein Gegenstand für wissenschaftliche Studien. Im Gegenteil, um sie zu beobachten, braucht sie unsere totale Subjektivität: warm und weitsichtig, sensibel und neugierig, respektvoll gegenüber allen Meinungen, die im Laufe der Geschichte geäußert wurden, und mit dem nötigen Mut, um die Menschen dazu zu bringen, zuzugeben, daß im Herzen des Menschen die Liebe steckt und daß sie uns braucht, um zu wachsen, zu verschönern und sich zu verbreiten. André Tange führt uns in die Beobachtung der Liebe ein, mit all ihrer Subjektivität, die hier enthüllt wird, um uns auf dem Weg zu einem besseren Bewußtsein für diesen Motor unseres Lebens zu begleiten.

Tange verwendete Aluminium in seinen Orgonakkumulatoren.

Alain Masson war ein Reichianischer Psychologe und protestantischer Theologe, der von Guasch als einziger orgonomischer Forscher in Frankreich dargestellt wurde. Seine Forschungen scheinen mir eher spekulativ und sogar mystisch zu sein. Man nehme sein 1996 erschienenes Buch Souffle de lumière (Hauch des Lichts), in dem er seine eigenen Fototechniken vorstellt, mit deren Hilfe er „unsichtbare Energien“ sichtbar macht, und über die Überlagerung von Energiefeldern aus dem Kopf spekuliert. Er spricht auch von einer Überlagerung von zwei Strömen aus den beiden Körperhälften.

Die Biopathien

28. August 2026

Es geht in der Diagnostik der Biopathien und damit ihrer Therapie um die Differenzierung, da kann man mit der einen Grunderkrankung „orgastische Impotenz“ wenig bis gar nichts anfangen. Vielmehr geht es um die spezifische Genese streng definierter Krankheiten. Daß bei Diabetes (Zwerchfellsegment) und Bluthochdruck (Brustsegment) man erblinden kann, also das okulare Segment involviert ist, hat von der Genese der beiden Krankheiten aus gesehen überhaupt keinerlei Bedeutung. Man lese Emanuel Levine: “Treatment of a Hypertensive Biopathy with the Orgone Energy Accumulator” (Orgone Energy Bulletin 3(1):23-34, January 1951) und die Seiten 264f in Charles Konia: „Orgone Therapy (Part 7)” (The Journal of Orgonomy 22(2):256-267, November 1988).

Beispielsweise ist das Reiter-Syndrom keine Biopathie, sondern eine Folgeerkrankung einer Biopathie, etwa einer Dickdarmentzündung (Biopathie im Bauchsegment), genauso wie die Erblindung bei Diabetes eine Folgeerkrankung ist:

Das kann man in eine tertiäre Erkrankung (z.B. kann die Urethritis zu einer Nierenkrankheit führen) und so ins Unendliche weiterführen. Es geht darum, diesen biopathischen Prozeß rückgängig zu machen und ganz zu beseitigen, indem man das spezifische CFP (gemeinsame Funktionsprinzip) verändert: die Bauchpanzerung.

In der orgonomischen Medizin geht man von folgender alles bestimmender Grundgleichung aus:

Beim gegen die Bioenergie gepanzerten Organismus stellt sie sich dann, nach Reich, ganz allgemein wie folgt dar:

Nach diesem biopathischen Grundmuster lassen sich diverse biopathische Anlagen darstellen, je nach der speziellen Panzerstruktur. Im folgenden z.B. die Bluthochdruck-Diathese, wie Konia sie dargestellt hat:

So kann man alle biopathischen Diathesen nach einem ganz einfachen Grundmuster darstellen.

Bei der Krebs-Biopathie sieht es m.E. wie folgt aus, weshalb es ein Sonderfall ist – die Bioenergie wird nicht nur segmentär blockiert, sondern hört überhaupt auf als Bioenergie zu funktionieren (d.h. zu pulsieren):

Immer nach Schema F: spezifische bioenergetische Störung und ihre jeweiligen besonderen psycho-somatischen Folgen.

Der unmöglich zu schreibende Blogeintrag über Orgontherapie

30. Juli 2026

Ich wollte diesen Blogeintrag schon des längeren schreiben, habe aber immer wieder gezögert, weil ich aus naheliegenden Gründe Namen weder nennen kann noch will. Das öffnet natürlich Fehlidentifikationen und Gerüchten Tür und Tor… Wie man’s macht, macht man es verkehrt! Es geht im folgenden um geschlechts- und nationslose Orgontherapeuten, alphabetisch aneinandergereiht. Dabei handelt es sich explizit nicht um irgendwelche „Reichianischen Therapeuten“ oder selbsternannte „Orgontherapeuten“, sondern tatsächlich um Ärzte, die von Reich oder seinen direkten Schülern ausgebildet und explizit als Orgontherapeuten autorisiert worden sind.

Da wäre erstmal A, der seine Patienten unterschiedslos nach dem Schema F behandelte: atmen und ausagieren lassen. Als nach As Tod B und C dessen Patienten übernahmen, waren sie einfach nur entsetzt. Von Charakteranalyse oder der naheliegenden Einsicht, daß das Ausagieren (wildes rumstrampeln) ein Weglaufen vor tieferen Gefühlen sein kann und deshalb in diesem Fall das diametrale Gegenteil einer Orgontherapie darstellt, konnte keine Rede sein. A war alles mögliche gewesen, aber definitiv kein Orgontherapeut!

Nach dem Tod von B übernahm D dessen Patienten und stellte mit einiger Verwunderung fest, daß B an sich das gleiche getan hatte wie zuvor A. Zwar auf einem weitaus höherem Niveau, aber der Effekt war derselbe: die Patienten wurden an die Therapie gebunden, weil sie sich besser fühlten, etwa so wie man sich nach irgendwelchen „fernöstlichen Praktiken“ besser fühlt. Sie kamen gerne zur Therapie, aber von einer charakterlichen Umstrukturierung („Entpanzerung“) konnte teilweise jahrzehntelang kaum die Rede sein. Bei C hatte E die Patienten übernommen und stellte bei manchen eine falsche Charakterdiagnose fest, so daß die Therapie bei C ihnen eher geschadet als geholfen hatte.

Schließlich wäre noch F zu nennen, der nach Jahrzehnten der Orgontherapie-Praxis etwas verwundert feststellte, daß er am Ende der jeweiligen Therapie, also beim Öffnen des Beckens, praktisch nie auf die dramatische „Endverschlechterung“ gestoßen war, von der Reich und Baker gesprochen hatten, und bei kaum einem seiner Patienten war der Orgasmusreflex aufgetreten. Da fragt man sich, ob er je wirklich Orgontherapeut gewesen war oder nicht einfach nur ein netter „bioenergetisch orientierter“ Psychiater, der seine Patienten „heilte“, indem er sowas wie ein „Ersatzelter“ war, bei dem sie die Patienten puddelwohl fühlten. Von Fs Schülern schweigen wir lieber und erst recht von G, der jeden zum „Orgontherapeuten“ ausbildete, der nicht rechtzeitig auf einen Baum klettern konnte…

Ich hätte beinahe geschrieben: Wenn ich das Wort „Orgontherapie“ höre, entsichere ich meine Pistole… Das wäre nicht mal übertrieben, denn ich könnte Horrorgeschichten erzählen bzw. besser nicht… Ich wurde immer wieder gefragt, warum ich so „fanatisch“ und absolut kompromißlos das American College of Orgonomy unterstütze. Die Antwort ist einfach: ohne Elsworth F. Baker und Charles Konia würde es auf diesem Planeten keine Orgontherapie mehr geben! Ja, die Voraussetzungen (Ausbildung zum Arzt, dann Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und danach noch zusätzlich Ausbildung zum medizinischen Orgonom) ist geradezu unmenschlich aufwendig, die lebenslange Supervision außergewöhnlich, aber leider absolut notwendig.

„Orgontherapie“ als perverse (sado-) masochistische Zwangshandlung

19. Juni 2026

„Reichianische“ Therapie und ab und an sogar Orgontherapie (in diesem Fall „Orgontherapie“) ist kaum mehr als eine Kombination aus dem ständigen Aufsuchen des kindlichen Traumas, auf das das heutige Leid zurückgeht, plus dem Hervorrufen physiologischer Flashs, die das aktuelle Leiden so kaschieren, daß es akzeptabler wird. Man zittert, erbebt, schreit, hat „Anfälle“ etc. „Es passiert was.“ In Wirklichkeit passiert rein gar nichts bei dieser Kombination von schlechter Psychotherapie und sadistischer „Körperarbeit“!

Das Reaktivieren des kindlichen Ungemachs erfolgt im Sinne des Freudschen Wiederholungszwangs, weil man auf magische Weise einen anderen Ausgang erwartet, irgendeine Lösung im nachhinein, ein zufriedenstellendes Schließen der offenen Gestalt. Das wird natürlich niemals eintreten! Wie auch? Man wird die ausgedrückte Zahnpasta nicht zurück in die Tube kriegen und stattdessen immer wieder von neuem an der alten Wunde verbluten!

Eine entsprechende Illusion entsteht allenfalls, weil man die damaligen Affekte und Emotionen von neuem erlebt, wogegen sicherlich nichts einzuwenden ist und was fraglos tatsächlich einen therapeutischen Effekt haben kann, aber es kann auch schnell zu einem kontaktlosen Ausagieren um seiner selbst willen entarten und mit einem ständigen Retraumatisieren einhergehen, was dann wieder nach „Aufarbeitung“ verlangt. Ein Teufelskreis, der einen immer tiefer in den seelischen Sumpf treibt.

Man bleibt jedoch bei der Stange, weil die Entspannung und das hemmungslose(re) Ausatmen in der „Reichianischen“ „Körpertherapie“ einen energetisch expansiven Zustand hervorruft, dem man ebenso suchtartig verfallen kann, wie der besagten hoffnungsvollen psychologischen „Aufarbeitung“, und deshalb immer wieder in den Therapiestunden („Therapie“) erlangen muß wie etwa bei Alkohol- oder Drogen- oder irgendeiner anderen Sucht. Das ist nichts als ein billiger Ersatzkontakt, der den „Therapeuten“ ähnlich ihren Lebensunterhalt sichert, wie Junkies das luxuriöse Leben ihrer Dealer finanzieren. Auf diese Weise erhält die „Therapie“ die Neurose und die neurotisierenden gesellschaftlichen Verhältnisse aufrecht. Ein schlimmerer Verrat an Reichs Lebenswerk ist kaum denkbar!

Es ist wie bei der Frau, die sich immer und immer wieder erniedrigen und vergewaltigen läßt und darauf insistiert, nur so könne sie „kommen“. Ihr gesamtes Sexualleben gruppiert sich um ihr Kindheitstrauma, das sie zwanghaft reinszeniert, um es endlich zu bewältigen, was natürlich nie und nimmer geschehen wird. Das wird zur selbstzerstörerischen Sucht, zumal die erneute Vergewaltigung jedesmal für einen Kick und einen Flash sorgt, der sie vermeintlich „befriedigt“.

Orgontherapie ist etwas grundsätzlich anderes als das Aufsuchen der traumatischen Vergangenheit und das sinnlose Hervormanipulieren vermeintlich spontaner „bioenergetischer“ Ausbrüche in der Gegenwart, die tatsächlich kaum mehr sind als der Ausdruck von masochistischer Kontaktlosigkeit. Wirkliche Orgontherapie ist die Auflösung von Kontaktlosigkeit und die Vereinigung und Integration der in der kindlichen Entwicklung zersplitterten Teilpulsationen zum einheitlichen Orgasmusreflex und sonst nichts. Ohne diese beiden Elemente sind „Reichianische“ „Körperpsychotherapeuten“ perverser Verbrecherabschaum der schlimmsten Sorte!

Orgontherapie 2026 (Teil 3)

31. Januar 2026

Ich habe mit mehreren Orgontherapeuten und „Orgonpatienten“ darüber gesprochen: Orgontherapie über eine Videokamera ist möglich. Damit fällt (mal abgesehen von den Finanzen!) jedwede Ausrede weg, sich keiner Orgontherapie lege artis zu unterziehen.

Kann man sich selbst therapieren? Könnte es nicht ein „Muskelrelaxans“ geben, das die Panzerung auflöst? Wie kann Orgontherapie funktionieren, wenn der Therapeut seinen Patienten während der gesamten Therapie nicht ein einziges Mal anfaßt? Wie sollen mir bloße Gespräche weiterhelfen?

Praktisch alle Fragen zur Orgontherapie lassen sich mit folgendem funktionellen Schema erklären (nach Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 110):

Man nehme etwa eine Frau, die vollkommen übertriebene Angst vor Einbrechern hat. Der drängende Sexualtrieb wird von der verinnerlichten Moral unterdrückt und kommt stattdessen durch das Symptom (das letztendlich Ausdruck einer Vergewaltigungsphantasie ist) zum Ausdruck. Entsprechend läßt sich ausnahmslos jedes neurotische Symptom mittels des obigen Funktionsschemas erklären.

Man kann sich nicht selbst therapieren, weil die neurotische Erkrankung soziale Ursachen hat. Wir haben die triebfeindliche (heute permissive) Moral verinnerlicht und können uns entsprechend auch nur mit Hilfe anderer Menschen wieder von ihr befreien. Es geht um weit mehr als bloße Muskelverspannungen!

Die Panzerung entstand im frühen Kindesalter im Umgang mit unseren unmittelbaren Bezugspersonen, also größtenteils durch die Eltern. Das therapeutische Setting bedingt, daß wir uns zunehmend in diese Zeit zurückversetzen. Man kann sich in der Therapie gegen diesen Vorgang der „Übertragung“ gar nicht wehren. (Mehr dazu gleich!) Der neue „Elter“ (der Orgontherapeut) macht die Verinnerlichung der gesellschaftlichen lebensfeindlichen Moral rückgängig, so daß wir die Triebabwehr aufgeben können. Wir sind befreit!

Voraussetzung ist natürlich das absolute, wirklich vorbehaltlose Vertrauen in den Therapeuten. Ohne dieses ist eine Orgontherapie vollkommen sinnfrei! Und genau hier fängt das ganze Elend des sogenannten „Reichianismus“ an. Viele Patienten hintertreiben bzw. verunmöglichen nämlich eine Heilung, indem sie sich exzessiv mit den Orgontherapeuten, deren Organisationen, Ausbildung, jeweiligem „Hintergrund“, etc. beschäftigen. Unbewußt suchen sie nach „Schmutz“, der eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung verunmöglicht, damit sie in ihrer gepanzerten Existenz verharren können. Sie können in alle Ewigkeit Atmen und den Muskelpanzer bearbeiten – sie werden niemals gesunden, weil es kein menschliches Wesen gibt, das ihren Anforderungen jemals genügen wird. Sie werden nie jemanden finden, der den Knoten ihrer Existenz wieder löst!

Das obige Funktionsschema sagt auch, daß es eine von gesellschaftlichen Auseinandersetzungen isolierte, sozusagen „unpolitische“ Orgontherapie nicht geben kann. Leute, die sagen, daß Orgonomen sich auf Wissenschaft und Therapie beschränken und sich nicht als eine Art „Sozialreformer“ betätigen sollen, wissen schlichtweg nicht wovon sie reden! Panzer ist verinnerlichte Gesellschaft. Orgontherapeuten haben immer die Gesellschaft im Auge – oder sie sind gar keine Orgontherapeuten.

Orgontherapie 2026 (Teil 2)

17. Januar 2026

Ich habe mit mehreren Orgontherapeuten und „Orgonpatienten“ darüber gesprochen: Orgontherapie über eine Videokamera ist möglich. Damit fällt (mal abgesehen von den Finanzen!) jedwede Ausrede weg, sich keiner Orgontherapie lege artis zu unterziehen.

Man begegnet immer wieder Leuten, die sich der „Selbstbefreiung“ verschrieben haben und sich deshalb niemals einem (Orgon-) Therapeuten aussetzen würden. Wie Münchhausen wollen sie sich selbst am Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen. Ihr Denkfehler liegt darin, daß, wenn sie sich selbst aus ihrer Neurose befreien könnten, sie gar nicht neurotisch wären!

Immerhin kommen sie der Wahrheit ziemlich nahe, denn es gäbe für ihre langfristige seelische Gesundheit kaum etwas verheerenderes als aktionistische Therapeuten, die sie mit allen möglichen Techniken, insbesondere „körpertherapeutischen“ Interventionen, von außen befreien wollen. Derartige „Erziehungsdiktaturen“ mögen oberflächlich betrachtet zu einer Verbesserung führen, doch tatsächlich wird so die Unfähigkeit zur Selbstregulation nur noch tiefer verankert. Deshalb sind „Orgontherapeuten“, die an ihren Patienten eine „körpertherapeutische“ Intervention nach der anderen ausführen, ihnen eine Vorgabe nach der anderen machen, in Wirklichkeit das Gegenteil von Orgontherapeuten: es sind pestilente Charaktere, die auf sadistische Weise das Lebendige drangsalieren und narzißtisch ihre angemaßte „Autorität“ genießen.

Ein richtiger Orgontherapeut macht dem Patienten klar, daß er ihn nicht „gesund machen“ kann. Oder wie mir mein erster Orgontherapeut sagte: „Die Patienten wollen immer, daß ich sie von ihrer Neurose befreie. Wie soll ich das machen? Ich bin doch kein Magier!“ Der Orgontherapeut ist kein „Führer“, der schon alle Antworten kennt und dem man nur zu folgen braucht, sondern ein, wie Reich ihn in Christusmord nannte, „Neuer Führer“, der jede Verführung „ein Führer“ zu sein, zurückweist, vielmehr nimmt er die Menschen ernst und läßt sie sich selbst retten, indem er ihnen die Verantwortung für ihr eigenes Leben auferlegt. Das macht er, indem er verhindert, daß sie ständig dem Wesentlichen ausweichen.

Ein Orgontherapie-Patient übernimmt selbst die Verantwortung für seine Gesundung – oder er ist gar kein Orgontherapie-Patient.

Man kann immer wieder beobachten, daß „Reichsche Therapie“ bei vielen einfach keine Wirkung zu zeitigen scheint. Sie bleiben irrational, werden teilweise sogar pestilent (Emotionelle Pest). Es fehlt ihnen an „Magnetismus“, vielmehr wirken sie „hohl“ und „leer“. Statt sich wohler und integrierter zu fühlen, werden sie entweder immer wehleidiger und „sensibler“. Oder sie verwandeln sich in narzißtische, blasierte Kotzbrocken, die sich einbilden „umstrukturiert“ zu sein.

Therapie macht nur Sinn, wenn man sich der Panzerung bewußt wird und sich entsprechend von innen her verändert. Solange die grundlegenden Verhaltensmuster, etwa eine alles erstickende Indifferenz, nicht bewußtgemacht werden, wird jedwede „bioenergetische“ Intervention verpuffen oder diesen Widerstand sogar noch weiter verstärken.

Heutzutage, wo der Charakterpanzer in der Struktur der Menschen immer wichtiger wird, auf die Charakteranalyse zu verzichten, d.h. es zu unterlassen, die okulare Panzerung aufzulösen, ist ein Kunstfehler. Was „Körpertherapeuten“, sogenannte „originale Reich-Therapeuten“, „Bioenergetiker“, etc. treiben, ist zutiefst reaktionär, weil sie die pathologische Tendenz der Gesellschaft zur Oberflächlichkeit nur noch weiter verstärken. „Nur nicht den Kern des Problems berühren!“

In der Orgontherapie muß Kontakt hergestellt werden und der Patient von seinen Ersatzkontakten entfremdet werden. Stattdessen bieten die „Neoreichianischen Körpertherapeuten“ Ersatzkontakt in Form von mechanischen Übungen und Massagen. Diese Therapien sind nur ein Spiegel dieser Gesellschaft: „action“ und „event“ bei Vermeidung von wirklichem bioenergetischen Kontakt.

Genauso wie der Sozialist alles von „der Gesellschaft“, d.h. dem Staat, erwartet und von der Eigenverantwortung entlastet werden will, soll der Therapeut den Patienten von außen her durch „Körperübungen“ und „Muskelmassage“ oder gar durch das „Bewegen der Lebensenergie“ heilen.

Das ist imgrunde eine mechanistische Einstellung, die sich kaum von der der „Schulmedizin“ unterscheidet. Wirkliche Veränderung kann nur Frucht von Eigenverantwortung sein. Aufgabe des Therapeuten ist es, die Selbststeuerung wieder in Gang zu bringen, d.h. den Patienten mit Verantwortung zu belasten, statt ihn zu entlasten.

Peter Töpfer (Teil 11)

9. Dezember 2025

Töpfer beschreibt gewohnt lang und breit Reichs Kindheits- bzw. Jugendtragödie mit dem Selbstmord der Mutter und im Anschluß der des Vaters. Habe es doch damals die Tiefenwahrheit gegeben und hätte er, Reich, doch seinen Schmerz nicht „repulsiert“! Dann wäre er zur neuen postphilosophischen Aufklärung fortgeschritten!

Aber auch Laska hätte der Neuen Aufklärung einen größeren Dienst als ohnehin schon erweisen können, wenn er die reich‘sche Repulsion thematisiert und diese selbst nicht auch repulsiert hätte. Doch das machen wir ja jetzt als LSR-Fortführer. Das reich’sche Scheitern bei der Verarbeitung seines Traumas hängt mit seiner Resignation als Therapeut und seiner Aufgabe der Therapie bzw. deren verbleibendem Zweck der Geldbeschaffung zusammen. (…) Abgesehen davon, daß Reich und Laska offenbar den Mißbrauch und das Ausbeuten von Patienten gutheißen, kommt das doch einer schändlichen Kapitulation gleich, zumal es – wenn man von den Reichianern absieht, die sich am „LBTQ“-Verbrechen beteiligen – offensichtlich überhaupt nie zu irgendwelchen „Vorschlägen“, geschweige denn zu einer „Prophylaxe“ gekommen ist. Beide, Reich und Laska, haben kapituliert und ihre Kapitulation mittels „Prophylaxe“ ausagiert. Die auf Ignoranz basierende Kapitulation wird mit Arroganz überspielt und grenzt dann schon an den „Zynismus von Theologen“, den Laska selbst kritisiert: „[Der Leser des ‚Anti-Seneca‘] möge sich […] mit Kondylis auseinandersetzen: […]; kurz: ob das letzte Wort zum Thema ‚Aufklärung‘ (das bisher Kondylis sprach) im Endeffekt auf dasselbe hinausläuft, was zynische Theologen schon immer wußten.“ Dieses Laska-Zitat stellte ich 1998 meinem Aufsatz „Auschwitz, das Ende und die Fortführung der Aufklärung“ voran, und zwar – weil es so schön dazu paßte – neben dieses Zitat von [dem Holocaustleugner] Pierre Guillaume (…). (Tiefenwahrheit, S. 377)

Dieser ganze Quatsch mit der „Tiefenwahrheit“ als Alternative zu Orgontherapie und Neurosenprävention, Vorwürfe von Pädokriminalität und das unmotivierte Anklingenlassen von Holocaustleugnung – und im Zentrum ausgerechnet Laska: das ist der Inhalt von Töpfers Buch!

Eine Abschnittsüberschrift im Buch lautet allen Ernstes: „Kann sich die Neue Aufklärung mit Prophylaxe begnügen? Oder sollte sie nicht dem bedürftigen Publikum ein aktuell-individuelles Angebot einer Eigner-Werdung unterbreiten?“ Muß ich diese komplett verrückte Umkehrung der Sachlage, wie sie sich seit etwa 100 Jahrhundert Reich und seinen Nachfolgern darstellte, kommentieren? Leider ja, denn den nächsten Abschnitt überschreibt Töpfer: „Gefährliche Abwege bei Laskas Fixierung auf die ‚Prophylaxe‘.“

Zunächst einmal stellt Töpfer Laskas (bzw. Reichs!) „ultra-gefährliche“ Vision von der Unterbrechung der Kontinuität der Über-Ich-Implantierung in unserer Kultur dar. Was Töpfer „an irgendwelche schwer verpestete deutsche Grüne (erinnert), die den Kindern gern auch mal ein böses ‚Über-Ich‘ einredeten, wenn sie sich nicht bereitwillig sexuell ausbeuten und damit schwerst traumatisieren lassen wollten“ (S. 61). Das seien Laskas „[i]rre Phantasien von der großen, zukünftigen Welt – aber nichts im Kleinen bei sich selbst tun“ (S. 62).

Es geht weiter unter der Überschrift: „Das Märchen von der ‚Prophylaxe‘ – nur Veränderungen in der Gegenwart können für die ‚Kinder der Zukunft‘ (Reich) etwas bewirken.“ Was scheren den Stirnerschen Egoisten die „Kinder der Zukunft“, zumal die Prophylaxe eh eine Illusion sei, denn die Eltern sind mangels eigener Therapie eh zu krank, um gesunde Kinder aufzuziehen und das langsame Vorgehen über Generationen sei eh Blödsinn, angesichts von Kriegen alle drei Generationen, die alles wieder zunichte machen. Gesunde Kinder könnten nur sozusagen „Kollateralnutzen“ gesundender Eltern sein. Natürlich gesundet durch eine effizientere Therapie als den Dreck, den Reich angeboten hat (S. 64), nämlich der Tiefenwahrheit, „dem LSR-Verfahren“ (S. 130 oder wohl eher „LSRJ-Verfahren“, wobei das J für Janov steht (S. 129). Wir erinnern uns an die apostolische Abfolge: Reich – Janov –Töpfer! Später wird Töpfer entsprechend von „LRT“ sprechen, wie wir noch sehen werden.

Ich kann nur sagen, daß heutzutage die wenigsten Menschen an wirklicher Reichscher Therapie, also dem Abbau der Panzerung, interessiert sind. Ganz im Gegenteil suchen die Menschen heute nach mehr Panzerung, insbesondere durch Psychopharmaka und Psychotherapien, die immer spezifischer ganz bestimmte störende Symptome angehen, damit die zugrundeliegende Charakterneurose um so stabiler bleibt! Parallel dazu wollen sie ihre Kinder eher mehr abpanzern, damit die nicht rumnerven (Stichwort ADHS), Babys werden beispielsweise immer mehr wie Pakete eingeschnürt („pucken“) und durch irgendwelche „Aktivitäten“ am Bildschirm ruhiggestellt. Aber Leute, die dagegen ankämpfen, sind für Töpfer ja eh nur „Körpertherapie- und Orgonfreaks“ (S. 68), „Orgon-Spinner“ wie Walter Hoppe (S. 131). „Viele vermeintliche Helfer sind auch insofern Betrüger, als sie wissen, daß ihre Dienste nichts bringen und sie diese trotzdem anbieten – das war bei Wilhelm Reich und vielen Orgonomen der Fall“ (S. 241). „Reich (…) war ein formidabler ‚Freiheitskrämer‘. Er hat auf diese Weise viel Geld eingestrichen, das er zum Fenster in den blauen Orgonhimmel hinausgeworfen hat“ (S. 446). „Als Reich bei der Verfolgung der Verästelungen [Verschachtelung der Triebabwehr] mit seinem Latein am Ende war und nicht mehr mit dem an allen Enden aufreißenden Chaos fertigwurde, kam er auf den schlauen Gedanken, dem Symptom die Energie zu entziehen“ (S. 270).

Die Fortführung irgendeiner Art von „Therapie“ ist, so Töpfer, eine LSR-immanente Notwendigkeit und „Konsequenz“. Dabei will er über das Kognitive, also „die Wahrheit“, ins Emotionale übergehen, „die Tiefenwahrheit“, und von der Objektorientierung der Psychologen zur existentialistischen Subjektorientierung (S. 73). „In allen meinen Sitzungen geht es um die elementare Beziehung von Leben und Tod“ (S. 441). Wie schon bei der Lektüre seines Buches über Die Wahrheit wird auch hier klar, daß Töpfers Problem in erster Linie die „Ichlosigkeit“ (S. 84), will sagen die Kontaktlosigkeit ist, deshalb ja auch die Faszination mit „Wahrheit“ und „Tiefenwahrheit“!

Warum ausschließlich das AMERICAN COLLEGE OF ORGONOMY? (Teil 1)

11. September 2025

Die Orgonomie ist eine Wissenschaft und von daher weder an Institutionen noch an irgendwelche akademischen Titel oder Diplome gebunden. Reich hat aber auch eine psychotherapeutische Schule begründet, die Biopsychiatrie. Und hier ist es nicht anders als etwa bei Autowerkstätten, wo man ja auch nicht zu beliebigen Leuten hingeht, die „sich irgendwie mit Autos auskennen“, sondern sich ausschließlich an lizensierte Meisterbetriebe wendet, um etwa das Bremssystem überprüfen oder gar richten zu lassen. Da gibt es zwar auch keine hundertprozentige Garantie, daß alles richtig gemacht wird, aber immerhin wird die Fahrt von der Werkstatt zurück nach Hause nicht zu einem unkalkulierbaren Himmelfahrtskommando.

Als Reich sich kurz vor dem ORANUR-Experiment dafür entschied, seine Aktivitäten ganz nach Orgonon zu verlagern und sich auf die naturwissenschaftliche Forschung zu konzentrieren, gab er die Verantwortung für die Ausbildung in Orgontherapie aus der Hand und übertrug sie seinem Schüler Elsworth F. Baker, der diese Funktion ununterbrochen bis zu seinem Tod 1985 ausübte, die zu diesem Zeitpunkt an Charles Konia überging. Reich wählte Baker, der 1968 mit seinen mittlerweile ausgebildeten Schülern das „Amerikanische Kollegium der Orgonomie“ gründen sollte, aus, weil er als einziger von Reichs Schülern ausgebildeter Psychiater in gehobener Position war und eine fundierte psychoanalytische Ausbildung abgeschlossen hatte, so daß seine Hinwendung zur Orgontherapie Hand und Fuß und vor allem Gewicht hatte. Er verzichtete auf eine bequeme Karriere im medizinischen Establishment! Außerdem betrachtete Reich ihn von seiner Charakterstruktur her am geeignetsten. Am bemerkenswertesten war wohl Bakers vollkommen freies Augensegment.

Reich selbst hatte die Orgontherapie erst vor kurzem entwickelt. Tatsächlich erschien die Beschreibung der sieben Panzersegmente erst in der dritten amerikanischen Ausgabe der Charakteranalyse 1949! Entsprechend hatte Reich, der selbst noch „im Schwimmen war“, seine Schüler nie sonderlich gründlich ausgebildet. Das beste Beispiel ist Baker selbst, dem Reich 1946 bereits nach sechs Wochen seiner eigenen Therapie erlaubte, selbst Patienten orgontherapeutisch zu behandeln. Das waren sozusagen die wilden Jahre der Orgonomie; genauso wie noch Anfang der 1920er Jahre, als Reich als Therapeut anfing, die sich immer noch formierende Psychoanalyse nach wie vor sich in ihren „wilden Jahren“ befand und von geregelter psychoanalytischer Ausbildung keine Rede sein konnte. Hier ist Reich selbst das beste Beispiel! Das änderte sich erst im Verlauf der 1920er Jahre, nicht zuletzt aufgrund der Arbeit Reichs am „technischen Seminar“ in Wien.

Ob in den „wilden Jahren“ der Psychoanalyse (etwa 1900 bis 1925) und der Orgonomie (etwa 1935 bis 1950) wirklich kompetente Therapeuten ausgebildet wurden, war mehr oder weniger Glückssache, zumal während dieser Zeiten jeweils teilweise sogar Nichtmediziner zugelassen wurden. Noch heute hat man ab und an mit mittlerweile sehr alten Orgontherapie-Patienten zu tun, die manchmal ziemlich konfus wirken, so als sei zwar ihr Biosystem dramatisch „aktiviert“, dabei jedoch vor allem das Augensegment sträflich vernachlässigt worden, da ihre „Orgontherapeuten“ nicht wirklich wußten, was sie taten. Wahrscheinlich waren diese Patienten auch falsch, wenn überhaupt, biopsychiatrisch diagnostiziert und entsprechend in einen Zustand allgemeiner bioenergetischer Konfusion versetzt worden.

Bis heute ist am American College of Orgonomy das Feintuning in Sachen Diagnose und Therapie nicht abgeschlossen. Beispielsweise wurde immer deutlicher, daß die Diagnose einer „Schizophrenie“ (im biopsychiatrischen Sinne, nicht im Sinne der mechanistischen Psychiatrie!) weitaus häufiger angebracht ist, als noch zu Bakers Zeiten angenommen. Hinzu kommt der grundlegende Wandel von der autoritären zur antiautoritären Gesellschaft, die heute eine ganz andere orgontherapeutische Herangehensweise verlangt als noch bis in die 1980er Jahre hinein.

Es ist der reine Horror, daß es heute, teilweise sogar mehr denn je, Individuen und sogar ganze vermeintlich „orgonomische“ Organisationen gibt, die immer noch so agieren, als wäre die Orgonomie nach wie vor in ihren „wilden Zeiten“ und als könne man Patienten nach dem überkommenen Schema F behandeln. Resultat können bestenfalls immer neue Patientengenerationen sein, die einfach „daneben“ sind, einem ständig auf die Nerven gehen, sich aber einbilden „durchtherapiert“ zu sein, weil sie innerlich irgendwelche aufregenden Erlebnisse verbuchen können. Einen richtigen Orgontherapie-Patienten erkennt man an seinen freien, tiefen Augen, seiner unprätentiösen Lebendigkeit und seiner, im besten Sinne des Wortes, „Normalität“. Er kann„versprechen, d.h. bioenergetische Spannung aushalten und deshalb in den Bereichen Liebe, Arbeit und Wissen seinen individuellen Möglichkeiten entsprechend produktiv ein. Er ist ein „Mensch“ im Sinne des Jiddischen, kein „bioenergetischer Freak“!

Im Jiddischen bezeichnet das Wort „Mensch“ eine Person von Integrität, Ehre, Anstand und noblem Charakter, d.h. eine Person, die nachgeahmt werden sollte. Ein „echter Mensch“ ist jemand, der mit Ehrlichkeit handelt, Respekt zeigt, Mitgefühl hat und das Richtige tut, auch wenn es ihm Nachteile bringt. Mit anderen Worten: er ist das exakte Gegenteil des Kleinen Mannes!

Das Wesen der psychiatrischen Orgontherapie (Teil 1)

7. August 2025

Für „Reichianer“ bedeutet Therapie nicht Durchsetzen des Eigenen, sondern Offenheit für das Fremde, für das Über-Ich, für das Kollektiv. Es handelt sich hier um den Konflikt zwischen Identität und Universalismus. Für den liberalen Geist ist die eigene Identität als Person und die Identität der eigenen Nation ein Hindernis für die freie Entfaltung universalistischer Ideen, die der Linksliberale durchsetzen will und weshalb er sich irrigerweise und vollkommen deplaziert zu Reich und der Orgontherapie hingezogen fühlt. Wegen deren Fokus auf das Eigene hassen Liberale Trump und die AfD aus tiefstem Herzen. Trump und der archetypische „AfDler“ sind eigenwillige Persönlichkeiten mit eigenem Kopf, d.h. sie ziehen „Grenzen“, sie sind keine Kollektivisten und „Idealisten“, sondern „ruchlos“, und sie bringen die realen Landesgrenzen sowie die immateriellen Grenzen von Recht und Ordnung zurück. Für den liberalen Geist ist das ein Greuel, denn für ihn ist das Grenzensetzen (in allen drei oben genannten Bedeutungen des Wortes), um es mit den Worten Reichs zu sagen, nichts als „Panzerung“.

Tatsächlich aber hat der Liberale nicht die geringste Vorstellung davon, was „Panzerung“ wirklich bedeutet, denn der Kern der Panzerung ist das, worauf der Liberalismus aufgebaut ist: Schuld (Unterwerfung des Eigenen unter das Über-Ich), Scham (Selbstausgrenzung des Eigenen) und ein tiefes Gefühl der Nicht-Verbundenheit mit dem Eigenen, der Vergangenheit, d.h. der Tradition, und mit der Tiefe, d.h. den angeborenen Instinkten. Patriarchalische Figuren wie Elsworth F. Baker und Charles Konia treiben sie in den absoluten Wahnsinn, zumal diese in gewisser Weise revolutionärere Figuren sind, als sie selbst es je sein könnten, da die „Reichianischen“ Liberalen nichts anderes sind als ohnmächtige, schuldbeladene Rebellen und geborene Verräter der Orgonomie.

Es gibt einen tieferen Sinn, warum Orgontherapie abwärts vom Kopf in Richtung Genital erfolgt, von der Fassade nach innen zum Kern und von der Gegenwart in die Vergangenheit. Ziel ist Verankerung, weg vom Kopf hin zum „Menschentier“, weg von Oberflächlichkeit hin zur Tiefe, zu Instinkt und Tradition. Also genau das, was Linke so gerne als „Biologismus“ und „Individualismus“ denunzieren.

In einer Orgontherapie lege arte werden eben nicht die „Grenzen im Süden“ geöffnet, sondern zunächst einmal das „Über-Ich im Norden“ angegangen, d.h. nicht etwa „sexualökonomisch“ das Becken entpanzert, sondern der Kopf. Es geht nicht darum, theatralisch den Kern zu mobilisieren, sondern zunächst einmal ganz nüchtern die angenommenen kollektivistischen Verhaltensstereotypen zu hinterfragen, statt sich im Sinne des zutiefst kollektivistischen Linksliberalismus „zu öffnen“. Es soll nicht durch „Aufarbeitung“ die Kindheit mit wohlfeilen, doch nur verkopften „Deutungen“ „aufgearbeitet“ werden, sondern das konkrete Verhalten und die Denkmuster im Hier und Jetzt sollen angegangen werden. Mit anderen Worten, soll Kontakt hergestellt werden.

Man könnte sagen, in der „Reichianischen“ Pseudo-Orgontherapie ist der Kopf, das Kollektiv, die Ideologie das Ziel. In der authentischen Orgontherapie, so wie sie einzig und allein vom American College of Orgonomy vertreten wird, geht es hingegen um die Herstellung von orgastischer Potenz („tugendhafter Lust“) und von Selbstregulation („Eigner seiner selbst sein“).

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Theorie” und folgende

6. April 2025

Humana conditio ex orgonomico prospectu: Stichwort „Theorie“ und folgende