Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 3)

Reich argumentierte, daß der rote Faschismus begann, als die Kommunisten die Bedeutung der Arbeit und ihre Funktion als produktivem Urquell von allem (entsprechend Marx‘ Arbeits- und Mehrwerttheorie) nicht mehr sahen und stattdessen entsprechende Versatzstücke nahmen und zu einer Morallehre verkürzten, mit deren Hilfe man Stimmung machen und „politisieren“ kann. Marx wissenschaftliche Erkenntnisse wurden durch bloße Polemik ersetzt.

Dazu muß aber auch gesagt werden, daß die Mehrwerttheorie impliziert, das kapitalistische System sei an und für sich ungerecht, sodaß alle Mittel zu seiner Beseitigung erlaubt sind. Alle Arbeiter in den USA könnten Millionäre sein, und dennoch ist das System ungerecht, weil es, gemäß der Mehrwerttheorie, ohne Änderung der Besitzverhältnisse an den Produktionsmitteln immer noch Ausbeutung gäbe. Wenn aber der Kapitalismus per definitionem ungerecht ist, führt das logischerweise zum roten Faschismus, der dergestalt direkt auf Marx zurückgeführt werden kann.

Das kapitalistische System ist aber aus zwei Gründen nicht ungerecht – wenn wir denn überhaupt derartige moralische Kategorien verwenden wollen: 1. sind wir „ungerechte“ biologische Geschöpfe, d.h. wir werden von Ehrgeiz, dem Willen zur Macht und der Weitergabe unserer Gene angetrieben; und 2. produziert der Kapitalist auch „Mehrwert“, indem er einfach ein Unternehmer, Erfinder, Manager und „Politiker“ (im besten Sinne) ist.

Für mich sind die Implikationen von Reichs „Marxismus“ zunächst einmal andere: es geht gar nicht um eine „Theorie“ (Werttheorien usw.), sondern um eine gewisse „Leidenschaft“, die gegen Ausbeutung und Machtmißbrauch gerichtet ist, und vor allem um die Einsicht, daß wirtschaftliche Faktoren eine Rolle spielen und man nicht alles, wie die Psychoanalytiker, auf Psychologie zurückführen kann, sondern Soziologie mit berücksichtigt werden muß.

Leider hängt das alles mit Marx zusammen, der ein Pestkranker und Hochstapler war. Reich hatte eine völlig falsche Auffassung von Marx. In den Archiven finden sich „CORE-Pilot“-Materialien, wo der sehr späte Reich zu seinen frühen, noch stark „rätekommunistisch“ geprägten Werken über die Arbeitsdemokratie von Ende der 1930er Jahre und zu Marx zurückkehrte und große Abschnitte aus Franz Mehrings Marx-Biographie zitierte, um Marx‘ Größe aufzuzeigen. Dabei ist alles, was uns Mehring über Marx weißmachen will, eine Lüge, Propaganda, wenn man so will „Stalinistische“ Propaganda, die mit Friedrich Engels und Karl Kautsky begann, die versuchten, Marx als sich aufopfernden und der Armut anheimfallenden Märtyrer und wissenschaftliches Genie hinzustellen.

Dank des Kapitalisten Engels lebte Marx aber tatsächlich ein sorgenfreies Leben im Luxus, oder besser gesagt, er hätte es leben können, wenn er nicht so viel Geld vor allem für fehlgeschlagene Börsengeschäfte verschwendet hätte. Von der tatsächlichen Wirtschaft hatte er nämlich nicht viel Ahnung. Ironischerweise hatte Marx, der soviel über die Arbeit zu sagen hatte, eine schlimme Arbeitsstörung und brauchte 20 Jahre, um sein Kapital zu schreiben. Ein Buch, dessen Theorie sich auf, sagen wir, 50 Seiten formulieren läßt. Der Rest ist nur unlesbares pseudointellektuelles Beiwerk, um den Leser zu beeindrucken und so zu tun, als ob in diesem ganzen unlesbaren Mist Substanz steckt, weil es ja alles so voluminös rüberkommt.

Marx ist nicht wichtig, aber das Symbol „Marx“ steht für etwas: die Arbeiterbewegung, kritische Wirtschaftstheorie (sogar Adam Smith war den Kapitalisten gegenüber kritisch eingestellt) und „Arbeitsenergie“. Mit Wohlwollen betrachtet sind die, vielleicht, ersten 200 Seiten von Kapital recht gut, denn hier wird definiert, was „Arbeit“ eigentlich ist.

Man sieht, ich habe eine dialektische Sicht auf Marx, wie sich im 4., 5. und 6. Teil erweisen wird…

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