Posts Tagged ‘Marxismus’

Die Antifa aus metaphysischer Sicht (Teil 1)

25. Mai 2019

Wer könnte diese Spaken nicht lieben, die uns so tiefe Einblicke in die Soziale Orgonomie gewähren? Man nehme etwa folgendes Wandbild von St. Pauli Ultras (USP):

All Cops Are Bastards. Alle Bullen sind Schweine! Oink Oink:

Warum sind es Schweine? Weil sie Rassismus, Sexismus und Homophobie schützen. Nur der rote Schwarm kann sich gegen die Haie zur Wehr setzen:

Die ganze Infantilität, die hinter diesem Aufstand gegen Autoritätspersonen und dieses Gruppendenken „der Kleinen gegen die Großen“ steht! Typischerweise ist der Haß gegen die letzte Gruppe in dieser Gesellschaft gerichtet, die noch physische Gewalt ausübt, d.h. die durch ihre Muskulatur wirkt. Die letzte Gruppe, die dafür steht, daß Menschen eigenverantwortlich („vernunftgemäß“) handeln.

Letztendlich geht es der Antifa um die Vernichtung des bioenergetischen Kerns, der durch das Vaterimago verkörpert wird:

Der folgende Aufkleber einer weiteren rotfaschistischen Organisation faßt auf förmlich geniale Weise zusammen, womit wir es zu tun haben:

Auf lokaler Ebene herrscht der unmittelbare Rote Terror. Davon kann jeder Wahlhelfer der AfD ein Lied singen! Die einzige Institution, die das Recht aufrechterhalten kann, der Nationalstaat, wird abgeschafft. Ohne Grenzen kein Staat. Ohne Staatsvolk kein Staat. Darüber die Fremdbestimmung durch eine anonyme Bürokratie. Die Räterepublik, die Sowjetrepublik, die EUdSSR!

Zum folgenden will mir nichts rechtes einfallen:

Das ganze ist unglaublich dringend! Dieser Druck!

„Marxismuß“! Die Revolution als orgastische Befreiung! Tatsächlich sieht das sexualökonomische Geschehen aber so aus („SLM“ steht für Islam):

Diese ganze Mischung aus Ödipuskomplex (Papa ist ein Schwein!), ängstlichem Rückzug vom Genital in den Kopf („Intellekt!) und ins Kollektiv (buchstäblich das „Über-Ich“), diese Mischung aus Sadismus (Roter Faschismus) und Masochismus („I love Volkstod“) – das ist der Faschismus („Antifaschismus“) heute.

Besprechung: Marx, Engels, Lenin, Trotsky – GENOCIDE Quotes (The Hidden History of Communism’s Founding Tyrants, in their Own Words) von James DeMeo

13. Mai 2019

In der Einleitung zu dieser Zitatensammlung ist ständig von „königlichen Despoten“ die Rede, so als wäre die beiden Kaiser Despoten gewesen. Wenn man das mit dem mörderischen Wüten der „Demokratien“ England, Frankreich und insbesondere Belgien in deren Kolonien vergleicht… Nicht vergessen sei auch, daß diese Demokratien Verbündete des despotischen Rußland gegen das „despotische“ Deutschland waren. Im Ersten Weltkrieg einen Kampf zwischen Gut und Böse sehen zu wollen, ist mystisches, d.h. irrationales Denken, das sich in seiner Struktur beispielsweise kaum vom Antisemitismus unterscheidet.

Ein zweites Leitmotiv, das das Büchlein durchzieht, ist die Linie, die von den deutschtümelnden, antisemitischen, „antislawischen“ und antidemokratischen Marx und Engels zu Hitler gezogen wird. Beispielsweise zeigt ein Zitat, daß Marx 1870 auf der Seite Preußens stand und daß seiner Meinung ein deutscher Sieg im sich abzeichnenden Krieg den Interessen der Arbeiterbewegung im allgemeinen und des Marxismus im besonderen diene (S. 26). Ja, und?! Bindeglied zwischen „Marx“ und „Hitler“ ist die Unterstützung und Finanzierung Lenins durch das deutsche Oberkommando, das Friedensdiktat von Brest-Litowsk (wo Rußland übrigens nur nichtrussische Gebiete abgeben mußte!) und nach dem Krieg die strenggeheime enge Kooperation der Reichswehr mit der Roten Armee. Das ganze schließlich gekrönt vom Hitler-Stalin-Pakt.

Neben Marx wird auch Lenin zitiert, der 1920 erklärte:

Ich bin kein Freund der Deutschen, aber im gegenwärtigen Augenblick erscheint es mir besser, sie zu nützen, als sie herauszufordern. Ein unabhängiges Polen ist eine große Gefahr für Sowjetrußland; aber es ist ein Übel, das auch sein Gutes hat, denn solange es besteht, können wir auf Deutschland rechnen. Die Deutschen hassen die Polen genauso wie wir und werden sich jederzeit mit uns verbünden, um dieses Land zu vernichten. … Deutschland will Rache, und wir wollen die Revolution. Im Augenblick haben wir die gleichen Ziele. Wenn sich unsere Wege einmal trennen werden, werden die Deutschen unsere größten und erbittertsten Feinde sein. Aber die Zeit wird erweisen, ob aus den Trümmern Europas eine deutsche Hegemonie oder der kommunistische Zusammenschluß erwachsen wird. (S. 48)

Wieder: Ja, und?! Formal ist hier Lenin, ein offenbar sehr kluger Mann, nicht „böser“ oder zynischer als jeder andere Politiker dieser Zeit. Ich denke dabei insbesondere an England und Frankreich. Diese Zitatenauswahl empfinde ich als tendenziös, als wolle DeMeo sagen, daß Deutschland schlechthin böse war und daß Marx und Engels böse gewesen seien, weil sie deutsche Nationalisten waren, während Lenin und Trotzki böse gewesen seien, weil sie auf die deutsche Karte setzten. Es geht um nicht weniger als die Eroberung der Welt! DeMeo:

Lenin, Trotzki und Stalin hatten sich alle an Geheimplänen deutscher Techniker und Ingenieure beteiligt, neue Munitionsfabriken tief im sowjetischen Territorium zu errichten, geschützt vor den neugierigen Blicken der Versailler Inspektoren, mit Aufteilung der produzierten Waffen. In diesen neuen Fabriken wurden nach gemeinsamen Plänen der Sowjets und des deutschen Oberkommandos neue Generationen von Jagd- und Bomberflugzeugen, Panzern und Artillerie, Giftgas und anderen Waffen für einen späteren offenen Eroberungskrieg gegen den Rest der Welt heimlich hergestellt und getestet. Diese Täuschung blieb auch nach 1933, als Hitler an die Macht kam, geheim, und in Deutschland erschienen „wie durch Zauberei“ riesige Mengen neuer und erschreckender Waffen. Der bekanntere „Hitler-Stalin-Pakt“ von 1939, kurz vor der gemeinsamen Invasion Polens durch Deutschland und die Sowjetunion, war die erste öffentliche Ankündigung einer tödlichen Verschwörung für die Welteroberung, die zwischen den deutschen Militaristen und den bolschewistischen Sowjets zwei Jahrzehnte zuvor ausgebrütet worden war. (S. 60)

Man weiß gar nicht, wo anzufangen! Es kann keine Rede davon sein, daß da großartig Rüstungsgüter für die deutsche Armee hergestellt und nach Deutschland, gar nach Hitlers Machtergeifung, gebracht wurden. Hitler hat seinen Generälen nach der besagten Machtergreifung strengstens verboten, die alten Kontakte in die Sowjetunion zu aktivieren. Der Hitler-Stalin-Pakt war von beiden Seiten Machiavellistische Diplomatie, nicht Ausfluß der angeblichen „Welteroberungspläne der deutschen Militarkaste“. (Ebenso hätte Deutschland Polen als Partner und etwa das faschistische Italien als Gegner haben können!) Beim Polenfeldzug drohte der Wehrmacht, die angeblich die Welt erobern wollte, die Munition auszugehen, etc.pp. Auf diesen ganzen Komplex werde ich in den nächsten Tagen näher eingehen. Aber zunächst zum eigentlichen Inhalt der Broschüre: die Sammlung von Zitaten von Marx, Engels, Lenin und Trotzki, die von Linken (einschließlich Reich!) gerne als Lichtgestalten gegen den mörderischen Stalinismus abgehoben werden. Doch deren eigene Worte verdammen sie, „die Klassiker“. Diese zeichnen nämlich den Roten Terror vor, wenn sie ihn nicht direkt anordnen. Erschreckend ist die Menschenverachtung, mit der „Klassen“ und ganze Völker der Ausmerzung überantwortet werden. Das ganze mutet wie eine mörderische Mischung aus (Pseudo-) Hegelianismus und (Pseudo-) Darwinismus an. Für Marx, Engels & Co. gehen die „Gesetze“ der Geschichte gefühllos wie ein Erdbeben über Individuen und ganze Nationen hinweg und es gilt das eherne Gesetz der „Auslese“. Menschen werden zu „Ungeziefer“.

DeMeo bietet ein Zitat Maos (das einzige eines Stalinisten im Buch) über den Laogai, den chinesischen GULAG, das mir vollkommen neu war und das denkbar plastisch den Unterschied zwischen der „Stalinistischen“ und der Reichschen Marx-Interpretation verdeutlicht:

Unsere Wirtschaftstheorie besagt, daß der Mensch die grundlegendste Produktivkraft ist. Mit Ausnahme derer, die aus politischen Erwägungen physisch ausgerottet werden müssen, müssen Menschen als Produktivkraft eingesetzt werden vorausgesetzt sie sind unterwürfig. Laogai-Einheiten zwingen Gefangene zur Arbeit. Die grundlegende Politik des Laogai lautet: „Zwangsarbeit ist das Mittel, während Gedankenreform das grundlegende Ziel ist.“ (S. 13)

Man vergleiche das mit dem „Marx-Kapitel“ in Menschen im Staat und den Ausführungen über die „natürliche Organisation der Arbeit“ in Die Massenpsychologie des Faschismus! „Gebt Veratwortung der lebensnotwedigen Arbeit!“ DeMeo zeigt mit seiner Zitatensammlung, daß Reich einem Mythos anhing, der nichts mit dem lebensfeindlichen und despotischen Grundwesen des Marxismus zu tun hat. Die Tragik ist, daß dieser rosarote Mythos der amerikanischen Jugend flächendeckend eingetrichtert wird (mit aktiver Hilfe rotverstrahlter pestilenter „Reichianer“!) – und daß DeMeos Buch niemals zum „Kleinen Roten Buch“ dieser Generation werden wird.

Wie der Marx-Mythos geschaffen wurde und was Marx und Engels wirklich an mörderischem Schrott verzapft haben (hunderte Seiten wörtlicher Zitate!) findet sich in den beiden Werken von Konrad Löw:

Der Mythos Marx und seine Macher, München 1996

und

Das Rotbuch der kommunistischen Ideologie, München 1999

Nicht Menschen gehören ausgerottet, sondern menschenverachtende Ideologien wie der Marxismus.

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 11

21. März 2019

orgonometrieteil12

11. Verhalten und Handlung

Der Ödipus-Komplex und die Reichianer

8. März 2019

Elsworth F. Baker zufolge gibt es zwei Arten von Menschen: diejenigen, die frei sind vom Ödipus-Komplex, und diejenigen, deren gesamte Existenz von ihm geprägt ist. Zu den ersteren gehören jene, die die genitale (bzw. phallische) Phase nicht durchgemacht haben und die deshalb weitgehend lebensunfähig sind („orale Charaktere“), und jene, die unergründlicherweise die genitale Libidophase unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen unbeschadet durchstanden haben und entsprechend gesunde genitale Charaktere sind. Zur zweiten Gruppe gehören effektiv fast 100% der Bevölkerung! Entsprechend beherrscht der Ödipus-Komplex wirklich alles.

Nach Baker gibt es zwei Möglichkeiten, wie der Neurotiker den Ödipus-Komplex bewältigt: entweder tritt er in offene Konkurrenz zum Vater bzw. zur „Vater-Imago“ (das konservative Syndrom) oder er rebelliert gegen ihn auf subversive Weise (das liberale, „linke“ Syndrom). Diese beiden Bewältigungsformen des Ödipus-Komplexes bzw. deren Widerstreit bestimmt unser gesamtes politisches und gesellschaftliches Leben. Das zeigt sich besonders schön am „Reichianismus“ selbst.

Beispiel Amerika: dort besteht, wie zuvor in der Psychoanalyse und im Marxismus, ein Gutteil der „Reich-Anhänger“ aus „Juden“. Davon leidet wiederum ein Großteil unter dem „liberalen“ Bewältigungsmodus des Ödipus-Komplexes. Obwohl sie ganz offensichtlich nichts mit dem Judentum verbindet, kehren sie dieses plakativ nach außen, weil sie, fast durchweg der Oberschicht entstammend oder zumindest aktuell dazugehörend, sich in der Rolle des „Opfers“ gefallen – des Opfers im ödipalen Drama, das gegen den Vater rebelliert. Entsprechend ist die „Israel-Kritik“ ihr großes Thema. Ganz offen betreiben sie Boykotthetze gegen Israel, solidarisieren sich mit den „Palästinensern“ (fast durchweg Hitler-Verehrer!) und stellen Israel als DIE Bedrohung des Weltfriedens hin. Unter keinen Umständen wollen sie angesichts des so „unjüdischen“ Judenstaates Israel ihres Opferstatus verlustig werden und vor allem leben sie die Rebellion gegen das Vater-Imago aus.

Das zeigt sich auch in ihrer Haltung zu Amerika: auf der einen Seite können sie sich gar nicht wieder einkriegen in ihrem Haß gegen Trump, weil der (warum auch immer) den amerikanischen Traum und die amerikanische Demokratie zerstöre – und auf der anderen Seite delegitimieren sie die Vereinigten Staaten erbarmungslos. Der aufgeblasene Militärhaushalt, die Erinnerung an Vietnam, die Sklaverei, die Indianerkriege, etc.pp. Selbst die Gründung der USA sei eine einzige Lüge, da die Engländer die Steuern nur erhoben, weil sie bei der Verteidigung der Kolonisten gegen die Franzosen und deren indianische Verbündete sich finanziell verausgabt haben und im Westen aufwendige Militärposten ausrechterhalten mußten, um die Indianer vor den nach Westen drängenden weißen Siedlern zu schützen. Sie lassen kein gutes Haar an ihrem eigenen Land. Das nennt man Subversion! IN IHREN AUGEN WÄRE ES BESSER, WENN ES DIE USA GAR NICHT GEBEN WÜRDE. Das gleiche gilt für Israel, das sie offensichtlich ausradiert sehen wollen. Der Ödipus-Komplex ist derartig wirksam, daß sie selbst einen zweiten Holocaust freudig beklatschen würden!

Diese Geistesart prägt weltweit (wenn natürlich auch jeweils unter anderen Vorzeichen!) den gesamten „Reichianismus“, dem so gut wie ausschließlich Linke angehören. Man vertue sich nicht: diese Leute werden erst Ruhe geben, wenn das Erbe Reichs endgültig vernichtet und die Orgonomie endgültig zerstört ist. Man mache doch bitte mal die Augen auf! Diese linken Charaktere haben es geschafft ein Land wie Schweden, ein Paradies auf Erden ohne wirklich tiefgehende Probleme, in eine veritable Hölle zu verwandeln und dem sicheren Untergang auszuliefern. DEN GESAMTEN WESTEN HABEN SIE ZERSTÖRT. Und genau das gleiche machen sie mit der Orgonomie in ihrer nunmehr viele Jahrzehnte andauernden Verschwörung gegen Wilhelm Reich und das American College of Orgonomy. Belege finden sich u.a. in meinen „Besprechungen Reichianischer Bücher“ hier, hier und hier.

Die Begegnung Wilhelm Reich – Albert Einstein (Teil 1)

27. Februar 2019

von Bernd Laska

Vorbemerkung über die Anerkennungsproblematik

Reich stieß mit seinen Theorien von Anfang an auf erbitterte Gegnerschaft; ob es bei den ‚aufgeklärten‘ Psychoanalytikern war; ob es bei den Kommunisten und Sozialisten mit ihrer ‚wissenschaftlichen Weltanschauung‘ war; oder ob es bei den ‚nüchternen und sachlichen‘ Naturwissenschaftlern war; von anderen Gruppen ganz zu schweigen. Jede von diesen dreien sich auf ihre Rationalität etwas zugute haltenden Gruppen ‚liquidierte‘ Reich auf ihre Art, aber keine setzte sich ernsthaft mit seinen Argumenten auseinander.

Nun ist Reich aber nie ein im eigentlichen Sinne unpolitischer Mensch geworden, der mit seiner Forschung und einer kleinen Anhängerschaft zufrieden gewesen wäre. Er war nur zu der Ansicht gekommen, daß die Veränderung der Welt zum Besseren hin nicht länger durch relativ ungerichtete Aktivität und Agitation erreicht werden kann, auch wenn diese unter den (inhaltlich nie klar ausgefüllten) Schlagwörtern „Fortschritt“, „Freiheit“, „Emanzipation“ usw. läuft; ein Problem, das heute leider noch so aktuell ist wie vor vierzig Jahren, als Reich sich vom organisierten Marxismus löste.

Und gemäß dieser Einsicht, die Reich nicht aufgrund philosophischer Spekulationen und von Wunschdenken gelenkt, sondern durch praktische und theoretische Arbeit an Mensch und Gesellschaft erlangte, arbeitete Reich an einem wissenschaftlichen Menschenbild, das den ganzen Menschen und seine Stellung in Natur und Gesellschaft erfassen sollte und den obenerwähnten Schlagworten einen konkreten Sinn geben konnte.

Ich glaube, daß die Entstehung der oft als unpolitisch bezeichneten Orgonforschung ohne diesen Gesichtspunkt nicht voll verständlich ist. Nach dem Fiasko in der Sowjetunion resignierte Reich nicht wie so viele ehemalige Sympathisanten und ‚fellow travellers‘ aus dem Westen, sondern er suchte und fand die Ursache, die allerdings sehr viel tiefer liegt als der gewöhnliche Intellektuelle akzeptieren möchte.

Das Thema verlockt zur weiteren Ausführung; ich muß aber im Rahmen dieser Vorbemerkung hier abbrechen. Nur noch soviel: Wenn Reich sich später z.B. um die Entwicklung eines Orgonmotors bemühte, so sicher nicht, um den herkömmlichen Motoren Konkurrenz zu machen. Er wollte damit sowohl das wissenschaftliche Fundament seiner Entdeckungen (also auch der Funktion des Orgasmus) verbreitern, als auch die Menschen dazu bringen, daß sie sich damit auseinandersetzen. Gerade er wird sich dabei voll bewußt gewesen sein, daß dies noch lange nicht genügt hätte; aber es hätte ein Anfang sein können.

Ähnliche Motivationen kann man vielen seiner Aktivitäten in der Orgonforschung unterstellen, ob es nun die Experimente zum Krebsproblem, zur Immunisierung gegenüber der Radioaktivität (Oranur) oder zur Wetterbeeinflussung waren. Die Orgonforschung war in einem höheren (oder tieferen) Sinn immer hochpolitisch (zumindest intentional), weil sie nie zu trennen war von Reichs Person und seinem Menschenbild, das vielen „linken“ Idealen erst eine wissenschaftliche Grundlage liefern und sie damit ihres illusionistischen Charakters entledigen könnte.

 

Literatur:

/1/ The Einstein Affair, Rangeley USA 1953
/2/ Ilse Ollendorff-Reich, Wilhelm Reich, München 1975

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 2/76N.

Chronik der Orgonomie (Teil 1)

7. Januar 2019

ChronikderOrgonomie

Ich habe den ersten Teil meiner 414seitigen Reich-Biographie überarbeitet:

CHRONIK DER ORGONOMIE 1897-1939

Wilhelm Reich, Reichist

23. Oktober 2018

Doktrinen wie der Marxismus und die Psychoanalyse, die in der Rückschau die gesamte Aufmerksamkeit okkupieren, waren in Wirklichkeit zu ihrer Zeit nur Teil von, nur jeweils ein Ausdruck unter vielen von entsprechenden umfassenden Bewegungen. Bei beiden waren es zwei Reaktionen auf den Kapitalismus: beim Marxismus war es die „soziale Bewegung“ und bei der Psychoanalyse die, wenn man so will, „surrealistische Bewegung“. Die erstere wehrte sich gegen die Zerstörung der alten Sozialstrukturen durch den Druck der kapitalistischen Rationalisierung, die letztere gegen die entsprechende Okkupation des Innenlebens. Reichs Sexualökonomie war Teil der umfassenden „Mentalhygiene-Bewegung“ der Zwanziger Jahre, die im Lichte der modernen Medizin das antike Ideal eines gesunden Geistes in einem gesunden Körper wiederbeleben wollte und zwar für die Massen der arbeitenden Bevölkerung. Ähnliches läßt sich über die Orgonomie sagen. Die entsprechende umfassende Bewegung wird anhand des „Reichianismus“ evident.

Die Orgonomie ist Teil jener „Wellness-Bewegung“, die seit vielen Jahrzehnten in Frauenzeitschriften evident wird, Yoga, Tai-Chi, Thai-Massage, Feldenkrais, Alexander-Methode, etc. Nicht zuletzt aber die schier unzähligen „neo-Reichianischen“ Therapien. Reich war sich dieses Zusammenhangs durchaus bewußt.

Myron Sharaf zeigte Reich einmal einen Artikel aus dem Magazin Look, in dem Übungen zur Lockerung von Körperverspannungen vorgestellt wurden, die jetzt durch Esalen und andere Encounter-Schauplätze populär werden. „Ich war wütend“, schrieb Shraf, „weil die Übungen oberflächlich wirkten und weil seine [Reichs] eigene tiefere Arbeit nicht erwähnt wurde. Aber zu meiner Überraschung lächelte Reich in einer wohlwollenden Weise und sagte, solche Bemühungen seien gut, sie gehörten zu einer allgemeinen kulturellen ‚Aufweichung‘, die den Weg für ein tieferes Gewahrsein bereite.“ Zu anderen Zeiten kritisierte Reich derartige Entwicklungen scharf. (David Boadella: Editorial zu Energy and Character, Vol. 3, No. 1, Jan. 1972, S. ii)

Wilhelm Reich, Marxist

22. Oktober 2018

Marx hatte recht: Ideologie ist ein Nichts im Vergleich zur materiellen Determinierung des Lebens. Pseudomarxistische Idealisten wie Herbert Marcuse und Erich Fromm, die der bourgeoisen Medien eine derartige Macht andichteten, haben das nie ganz durchschaut: daß nach Marx das materielle Sein und nicht das ideelle Bewußtsein die Handlungen der Menschen bestimmt. Im Gegensatz zu diesen beiden kleinbürgerlichen Afterphilosophen ist Reich dem Materialismus treu geblieben und dabei sogar einen Schritt weitergegangen als Marx. Nach Reich sorgen nicht die kapitalistischen Produktionsverhältnisse dafür, daß die kapitalistische Ideologie bei den Arbeitern verfängt („die herrschende Ideologie ist die Ideologie der Herrschenden“ – apropos die besagten „bourgeoisen Medien“), sondern deren in der verkrampften Muskulatur konkret greifbare Charakterstruktur sorgt erst für den fruchtbaren Boden, auf dem diese Ideologie gedeihen kann. Die Menschen werden zu ängstlichen Wesen erzogen, können deshalb nicht für das Eigene eintreten und verfangen sich deshalb in der Multikulti-Ideologie der global operierenden Großkonzerne und deren „antifaschistischer“ SA-Mörderbanden.

Entsprechend ist der Hebel zu einer grundsätzlichen Gesellschaftsänderung weder der materielle Unterbau, noch der ideologische Überbau, sondern vielmehr die Kindererziehung, in der die Charakterstrukturen zukünftiger Generationen geformt werden. Die Quintessenz von Reichs Marxismus (und übrigens gleichzeitig auch seines Freudismus) ist das Projekt „Kinder der Zukunft“.

Der verdrängte Christus: 23. Der zweite Jesus

8. September 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

23. Der zweite Jesus

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 1)

5. September 2018

Klaus Heimann (Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977, gepostet mit der freundlichen Genehmigung des Autors)

Einleitung

In Deutschland ist wenig echtes Wissen über die Orgonomie bekannt. Sie ist die Wissenschaft von der primordialen, kosmischen Energie, Orgonenergie genannt, die universell gegenwärtig ist und in den Lebewesen als biologische Energie funktioniert. Die Orgonomie erhebt den Anspruch, Naturwissenschaft zu sein. Obwohl ihr noch Pioniercharakter anhaftet, beruhen ihre Grundlagen auf klinisch-empirisch gut begründeten Thesen und aus Experimenten gewonnenen Einsichten. Das Stadium der bloßen Spekulation ist längst überwunden, was natürlich nicht heißt, daß es keine offenen, unbeantworteten Fragen mehr gibt.

Die Entdeckung der Orgonenergie in den Jahren 1936 bis 1939 und ihre weitere Erforschung ist im Wesentlichen das Werk Wilhelm Reichs. Reich begann seine wissenschaftliche Laufbahn als Mitglied der damals von Freud geleiteten Wiener psychoanalytischen Gesellschaft, in die er 1920 noch als Student auf Grund klinischer und theoretischer Beiträge aufgenommen wurde. Die konsequente Verfolgung tiefenpsychologischer Fragestellungen und Probleme führte zunächst zum Versuch einer Synthesebildung zwischen Psychoanalyse und Marxismus, später dann zur Entdeckung der Orgonenergie. Reichs Schriften, die lange Zeit in Vergessenheit geraten waren, wurden in der Studentenbewegung neu verlegt. Sie bildeten einen der theoretischen Stützpfeiler für die Forderungen nach Abschaffung der autoritär-patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen.

Jedoch erhielt die Ablehnung der Orgonomie durch die meisten von Reichs Zeitgenossen während der Studentenbewegung in Deutschland eine schicksalhafte Neuauflage. Die Reich-Renaissance der späten sechziger Jahre beschränkte sich auf seine frühen Schriften, die sich mit dem Zusammenhang von Sexualität und Politik befassen. Die Orgonomie wurde weiterhin ungeprüft abgelehnt.

In zahlreichen Gesprächen mit jungen, engagierten Intellektuellen zeigte sich, daß niemand, der sich mit dem frühen sexualpolitischen Schriften Reichs befaßt hatte, den logischen Schritt zur Beschäftigung mit der Orgonomie vollzogen hat. Mehrere Positionen lassen sich zusammenfassen.

  • „Ich weiß nichts über Orgonomie, ich kann da nichts zu sagen.“ Vertreter dieser Gruppe diskutieren ungeniert auf der Grundlage der sexualpolitischen Schriften Reichs Fragen zur Erziehung und Sexualität. Dieses anachronistisch anmutende Vorgehen ist in etwa vergleichbar dem Verhalten eines Mathematikers, der trotz Entdeckung der Computertechnik schwierige mathematische Aufgaben mit dem Rechenschieber zu lösen versucht, weil die neuen Erkenntnisse noch nicht Allgemeingut geworden sind.
  • „Wenn da was dran wäre, hätte schon längst jemand etwas gemerkt. Schließlich wird die Orgonomie ja von führenden Wissenschaftlern (klugen Köpfen!?) abgelehnt.“ Diese Aussage trifft oft gepaart mit einer anderen, im Folgenden beschriebenen Haltung auf.
  • „Reich stand unter dem Einfluß einer beginnenden Schizophrenie, als er sich mit der kosmischen Energie befaßte“ (statt als angesehener Therapeut, der er damals war, Geld und Anerkennung nachzujagen). Die Thesen der Orgonomie seien ja auch viel zu absurd, als daß man sich ernsthaft damit auseinandersetzen müßte.1
  • Von marxistischer Seite wird Reich die Aufgabe des Marxismus vorgeworfen. Eine Auseinandersetzung unterbleibt, man verweist in diesen Kreisen ebenfalls auf die vermeintliche Geisteskrankheit Reichs.

Gelegentlich bekam ich auch zu hören, die Orgonomie sei bereits widerlegt, jedoch wußte niemand anzugeben, wo eine wissenschaftliche Kritik nachzulesen ist. Ich selbst habe keine wissenschaftliche Veröffentlichung gefunden, die auf Grund von Überprüfung der Orgonenergie-Experimente zu einer Kritik an den gefundenen Phänomenen gelangt. Im Gegenteil: Wissenschaftler, die einzelne Experimente nachvollzogen haben, bestätigen die Reich’schen Entdeckungen. Darauf werde ich im Verlauf der Darstellung zurückkommen.2

Gegenwärtig mehren sich die Anzeichen für eine sachliche Auseinandersetzung mit der Orgonomie. Seit 1975 gibt eine Wilhelm Reich Studiengruppe in der Bundesrepublik die Wilhelm-Reich-Blätter heraus, die die Information und Diskussion über die Orgonomie zum Ziele haben. Auch existieren inzwischen schon einige Orgonenergie-Akkumulatoren in Deutschland, mit deren Hilfe Experimente nachvollzogen werden können. Ich selbst besitze seit Januar 1977 einen Akkumulator. Auf meine eigenen Erfahrungen gehe ich im Rahmen dieser Arbeit noch ein.

Die Beschäftigung mit der Orgonomie – und damit mit der Lebensenergie – ist unmöglich von der Beschäftigung mit dem eigenen Denken und Fühlen, den Manifestationen der Lebensenergie im eigenen Organismus, zu trennen. Voraussetzung für den praktischen Nachvollzug der Entdeckung der Orgonenergie ist die biologische Funktionsfähigkeit des forschenden Organismus. Ein Wissenschaftler der – vielleicht ohne es zu wissen – unfähig ist, das natürliche Funktionieren der Lebensenergie im eigenen Körper zu erleben, sich im Orgasmusreflex gänzlich hinzugeben, also das unwillkürliche, konvulsive Zucken des gesamten Körpers zuzulassen, kann unmöglich über eben diesen Orgasmusreflex und dessen bioenergetische Grundlage wissenschaftlich urteilen. Hierin liegt sicher ein Grund, warum bisher nur so wenige versucht haben, die Orgonomie sachlich zu behandeln. Mich persönlich führte die Beschäftigung mit der Orgonomie schließlich zur Einsicht in die eigene Neurose und damit zur Einsicht in die Notwendigkeit einer Orgontherapie mit dem Therapieziel: Herstellung des Orgasmusreflexes (orgastische Potenz). Da es gegenwärtig in Europa lediglich einen Orgontherapeuten gibt, muß ich eine längere Wartezeit in Kauf nehmen und kann daher die praktische Erfahrung einer Orgontherapie in diese Arbeit noch nicht einbeziehen.

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Entdeckung der Orgonenergie darzustellen und dem Leser einen ersten Eindruck zu vermitteln, wie die Orgonenergie funktioniert. Es ist nur allzu verständlich, daß viele Fragen auftauchen werden, die nicht alle in dieser Arbeit behandelt werden können. Die Entdeckung der Orgonenergie kann heute nur sehr schwer systematisch nachvollzogen werden. Einer der Gründe hierfür liegt in der Tatsache, daß die umfangreichen Veröffentlichungen, die sich auf einen Zeitraum von ca. 30 Jahren verteilen, infolge verschiedener politischer und sozialer Umstände nur sehr schwer zugänglich sind. Es wurde in den USA, wo Reich seit 1939 arbeitete, während der fünfziger Jahre die Verbreitung orgonomischer Literatur ebenso wie die Verbreitung sexualpolitischer Schriften in Nazi-Deutschland gerichtlich verboten. In Deutschland sind viele Schriften Reichs zur Orgonomie heute noch nicht veröffentlicht. Daher war es mir auch nicht möglich, Reichs Arbeit Contact with Space in diese Darstellung einzubeziehen.3 Ein Lehrbuch zur Einführung in die Orgonomie existiert nicht, und die vorliegende Arbeit kann die mühsame Auseinandersetzung mit der Originalliteratur nicht ersetzen. Das Ziel dieser Arbeit wäre erreicht, wenn der Leser zu näherer Beschäftigung mit der Orgonomie motiviert würde und somit an einer sachlichen Diskussion über die Orgonenergie teilnehmen könnte.

 

Fußnoten

  1. Vgl. z.B. Rycroft, Charles, Wilhelm Reich, München 1972, S. 92.
    Die These, Reich sei schizophren gewesen und bei der Orgonomie handele es sich um pseudowissenschaftliche Wahnwelten, wurde noch im März 1977 in einer vom WDR ausgestrahlten Rundfunksendung vertreten. Aus dem Manuskript von Marianne Lienau geht hervor, daß sie ihre Aussage auf die Reich-Biographie von Ilse Ollendorff-Reich stützt. Ollendorff-Reich gibt aber deutlich zu verstehen, daß sie selber von der Existenz und Nützlichkeit der Orgonenergie überzeugt ist. Vgl. Ollendorff-Reich, I., Wilhelm Reich, München 1975, S. 165. Sie bezeichnet lediglich einige von Reichs Ideen in den fünfziger Jahren, also rund 12 Jahre nach Entdeckung der Orgonenergie, als paranoid, z.B. daß Reich glaubte, der Prozeß gegen ihn sei von den Sowjets angezettelt, und die amerikanische Regierung stünde auf seiner Seite und bewache ihn ständig. (Vgl. ebenda S. 196). Eine derartige Verdrehung von Aussagen durch den WDR kann als schlecht recherchierte Sendung abgetan werden. Meiner Auffassung nach stellt sie jedoch ein typisches Beispiel für die Rufmordkampagne gegen die Orgonomie dar. In einem Antwortbrief teilte mir die Autorin mit, sie habe sich kaum mit Orgonomie befaßt.
  2. Kelley bemerkt zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Orgonomie: „Was hat die traditionelle Wissenschaft getan, um Reichs Behauptungen zu widerlegen oder in Zweifel zu ziehen? In den mehr als 20 Jahren, seit Reich die Entdeckung der Orgonenergie verkündet hat, wurde niemals eine glaubwürdige Wiederholung irgendeines kritischen Orgonexperiments veröffentlicht, die Reichs Ergebnisse widerlegte. Dr. Bernard Grad wiederholte und bestätigte Reichs ‚Experiment XX‘. Wer hat es widerlegt? Ich wiederholte und bestätigte seine Wetterkontrollversuche. Wer hat diese widerlegt? Tatsache ist, trotz (und teilweise auch wegen) Spott, Verleumdungen und Versuchen der Orthodoxen, Reich und die Orgonomie zu ‚begraben‘, gibt es keine Gegenbeweise zu seinen Experimenten in einer wissenschaftlichen Publikation, geschweige denn eine systematische Widerlegung der Bände an wissenschaftlicher Arbeit, die ihren Standpunkt unterstützen.“ Aus: Kelley, Ch. R., What is Orgone Energy, Raubdruck, S. 72f [Zitat übersetzt von PN]. Bei dem Raubdruck handelt es sich um einen Vortrag aus dem Jahre 1962.
  3. Inzwischen habe ich von der Möglichkeit erfahren, diese Schrift in englischer Ausgabe über einen österreichischen Alternativ-Verlag zu beziehen.