Posts Tagged ‘Unternehmer’

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 3)

18. September 2020

Reich argumentierte, daß der rote Faschismus begann, als die Kommunisten die Bedeutung der Arbeit und ihre Funktion als produktivem Urquell von allem (entsprechend Marx‘ Arbeits- und Mehrwerttheorie) nicht mehr sahen und stattdessen entsprechende Versatzstücke nahmen und zu einer Morallehre verkürzten, mit deren Hilfe man Stimmung machen und „politisieren“ kann. Marx wissenschaftliche Erkenntnisse wurden durch bloße Polemik ersetzt.

Dazu muß aber auch gesagt werden, daß die Mehrwerttheorie impliziert, das kapitalistische System sei an und für sich ungerecht, sodaß alle Mittel zu seiner Beseitigung erlaubt sind. Alle Arbeiter in den USA könnten Millionäre sein, und dennoch ist das System ungerecht, weil es, gemäß der Mehrwerttheorie, ohne Änderung der Besitzverhältnisse an den Produktionsmitteln immer noch Ausbeutung gäbe. Wenn aber der Kapitalismus per definitionem ungerecht ist, führt das logischerweise zum roten Faschismus, der dergestalt direkt auf Marx zurückgeführt werden kann.

Das kapitalistische System ist aber aus zwei Gründen nicht ungerecht – wenn wir denn überhaupt derartige moralische Kategorien verwenden wollen: 1. sind wir „ungerechte“ biologische Geschöpfe, d.h. wir werden von Ehrgeiz, dem Willen zur Macht und der Weitergabe unserer Gene angetrieben; und 2. produziert der Kapitalist auch „Mehrwert“, indem er einfach ein Unternehmer, Erfinder, Manager und „Politiker“ (im besten Sinne) ist.

Für mich sind die Implikationen von Reichs „Marxismus“ zunächst einmal andere: es geht gar nicht um eine „Theorie“ (Werttheorien usw.), sondern um eine gewisse „Leidenschaft“, die gegen Ausbeutung und Machtmißbrauch gerichtet ist, und vor allem um die Einsicht, daß wirtschaftliche Faktoren eine Rolle spielen und man nicht alles, wie die Psychoanalytiker, auf Psychologie zurückführen kann, sondern Soziologie mit berücksichtigt werden muß.

Leider hängt das alles mit Marx zusammen, der ein Pestkranker und Hochstapler war. Reich hatte eine völlig falsche Auffassung von Marx. In den Archiven finden sich „CORE-Pilot“-Materialien, wo der sehr späte Reich zu seinen frühen, noch stark „rätekommunistisch“ geprägten Werken über die Arbeitsdemokratie von Ende der 1930er Jahre und zu Marx zurückkehrte und große Abschnitte aus Franz Mehrings Marx-Biographie zitierte, um Marx‘ Größe aufzuzeigen. Dabei ist alles, was uns Mehring über Marx weißmachen will, eine Lüge, Propaganda, wenn man so will „Stalinistische“ Propaganda, die mit Friedrich Engels und Karl Kautsky begann, die versuchten, Marx als sich aufopfernden und der Armut anheimfallenden Märtyrer und wissenschaftliches Genie hinzustellen.

Dank des Kapitalisten Engels lebte Marx aber tatsächlich ein sorgenfreies Leben im Luxus, oder besser gesagt, er hätte es leben können, wenn er nicht so viel Geld vor allem für fehlgeschlagene Börsengeschäfte verschwendet hätte. Von der tatsächlichen Wirtschaft hatte er nämlich nicht viel Ahnung. Ironischerweise hatte Marx, der soviel über die Arbeit zu sagen hatte, eine schlimme Arbeitsstörung und brauchte 20 Jahre, um sein Kapital zu schreiben. Ein Buch, dessen Theorie sich auf, sagen wir, 50 Seiten formulieren läßt. Der Rest ist nur unlesbares pseudointellektuelles Beiwerk, um den Leser zu beeindrucken und so zu tun, als ob in diesem ganzen unlesbaren Mist Substanz steckt, weil es ja alles so voluminös rüberkommt.

Marx ist nicht wichtig, aber das Symbol „Marx“ steht für etwas: die Arbeiterbewegung, kritische Wirtschaftstheorie (sogar Adam Smith war den Kapitalisten gegenüber kritisch eingestellt) und „Arbeitsenergie“. Mit Wohlwollen betrachtet sind die, vielleicht, ersten 200 Seiten von Kapital recht gut, denn hier wird definiert, was „Arbeit“ eigentlich ist.

Man sieht, ich habe eine dialektische Sicht auf Marx, wie sich im 4., 5. und 6. Teil erweisen wird…

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 2)

8. September 2020

„Die Afrikaner sind so arm, weil wir so reich sind!“ An die Stelle der Afrikaner kann man jede beliebige Gruppe der „Armen und Entrechteten“ setzen und dieser eine Satz wird das zentrale Moment der linken Ideologie erfassen. Der Linke ist ein Mechanist, sein Universum ist eine Art Uhrwerk oder ein hydraulisches System kommunizierender Röhren. Wenn hier etwas geschieht, geschieht absolut zwangläufig seine spiegelverkehrte Entsprechung dort. Wenn hier etwas hinzugefügt wird, muß es dort entnommen werden. Der Erste Hauptsatz der Thermodynamik gilt absolut: es kann keine Energie aus dem Nichts erzeugt werden. Das wäre nämlich die Entsprechung mystischen („rechten“) Denkens, wo Gott durch bloße Postulierung Neues erschafft!

Reichtum muß für den in einem mechanischen Getriebe gefangenen Linken zwangsläufig Armut erzeugen. Die einzige Möglichkeit Gerechtigkeit in diesem mechanischen Folterkabinett, in dem die Lust des einen zwangsläufig das Leid des anderen hervorruft, Gerechtigkeit herzustellen, ist das Einebnen aller Unterschiede (sozusagen gemäß dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik).

Auf diese Weise steht der Sozialismus für die Negation alles Schöpferischen, der Schöpfung selbst! Alles Unternehmerische, Werteerschaffende wird zum Todfeind, weil dieses Licht in der mechanistischen Weltsicht immer genausoviel Schatten hervorruft. „Wenn du mit einer Unternehmung erfolgreich bist, verhungert in Afrika ein Kind!“

Der Sozialist haßt die orgonometrische „Schöpfungsfunktion“ selbst, bei der durch Überlagerung zweier primordialer Orgonenergie-Ströme prinzipiell Neues entsteht. Das ist so in der erfüllenden Sexualität (genitale Umarmung) als auch in der produktiven Arbeit. „Geteilte Freude ist doppelte Freude“ – gemäß dem orgonomischen Potential.

Während der Mechanist in einem unentrinnbaren Alptraum lebt, der nur dadurch erträglich wird, daß alle ihre Aktivitäten auf ein Minimum reduzieren und „keine Wellen“ schlagen, lebt der Funktionalist.

Arbeitsdemokratie, Reichtum und orgastische Impotenz

16. Juni 2018

Wirkliche Unternehmer, d.h. an der Arbeitsdemokratie ausgerichtete Unternehmer, machen Gewinne, um sie in das weitere Wachstum ihres Betriebes zu investieren, um ihre Vision voranzubringen. Diese aufzustellen und anzustreben und andere damit anzustecken ist ihre arbeitsdemokratische Funktion. Ihr Wohlstand dient nur der Erhaltung ihrer Arbeitskraft, als Ansporn mehr zu leisten und nicht zuletzt zur Repräsentation gegenüber Kreditgebern und Investoren. Letztendlich ist ihr Reichtum Ausdruck ihrer Lebensbejahung.

Ganz anders der „antiarbeitsdemokratische“ Unternehmer. Bei ihm dienen der Reichtum und das Streben nach immer mehr Reichtum nur der Kompensation einer tiefsitzenden Unzufriedenheit, „Unbefriedigbarkeit“, letztendlich schwerer orgastischer Impotenz. Die innere Leere soll durch materielle Güter aufgefüllt werden. Da dies unmöglich ist, wirkt der typische Reiche so auffällig unzufrieden, mißmutig, melancholisch und frustriert. Er hat alles und steht trotzdem vor dem nichts. Man hat alles erreicht und wird doch nicht froh. Ein Leben, das nur noch im Suff, unter Drogen und Psychopharmaka ertragen werden kann. Die bloße körperliche Nähe dieser „Nihilisten“ kann unerträglich sein!

Eine mechanistische, kollektivistisch-sozialistische Erklärung dieser „Tristesse der reichen Parasiten“ wäre, daß sie abgetrennt sind vom gesellschaftlichen Arbeitsprozeß, isoliert sind von ihren arbeitenden Brüdern und Schwestern, die sie ausbeuten und vor denen sie ständig unbewußt Angst haben; Angst, daß sie ihres Diebesgutes („Eigentum ist Diebstahl“) wieder verlustig gehen. Oder wie man so schön sagt: „Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freud ist doppelte Freud!“ Der bioenergetische Kern dieser Volksweisheit ist, daß menschlicher Kontakt die Bioenergie erregt und damit die Kontraktion („Leid“) aufhebt bzw. die Expansion („Freud“) weiter verstärkt. Der in der Arbeitsdemokratie eingebundene Unternehmer hat daher nicht die emotionalen Probleme des reichen Kapitalistengesindels.

Eine mystische Erklärung wäre, daß materielle Güter unsere Seele nicht wirklich berühren können, uns sogar nur noch weiter von Gott, „der Geist ist“, trennen – „denn eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als daß ein Reicher ins Himmelreich komme“. Diese auf verzerrtem Kernkontakt beruhende Auffassung kommt der Erklärung mit der orgastischen Impotenz noch am nächsten, obwohl sie auf der Negierung alles „Weltlichen“, letztendlich Sexuellen beruht.

Der biologische Rechenfehler in der Marxschen Mehrwertlehre (Teil 2)

2. Februar 2016

Liebe, Arbeit und Wissen sind die Grundlage der Arbeitsdemokratie. Die Menschen benötigen eine emotionale, gemeinschaftsbildende Beziehung, sie müssen in dieser Gemeinschaft kooperativ tätig sein und diese Tätigkeit muß zielgerichtet und planvoll sein. Später wurde aus dieser Triade der Gegensatz von „Arbeit und Kapital“, den die Linke stets verschärfen wollte, während die Rechte ihn auf illusorische Weise zu verkleistern trachtete, sei dies nun im Sinne der „nationalsozialistischen Volksgemeinschaft“ oder der „sozialen Marktwirtschaft“.

Das folgende wird sehr schön durch das Schicksal des „Oligarchen“ Michail Chodorkowski illustriert. In einem Interview kurz vor seiner Verhaftung 2003 durch das faschistische Putin-Regime gab er zu Protokoll:

Wissen Sie, als ich zu YUKOS kam, 1996, hatten die einen Schuldenberg von 3 Milliarden Dollar. Die Gesellschaft produzierte 40 Millionen Tonnen Erdöl und die Produktion sank um 7 Prozent pro Jahr. Die Selbstkosten betrugen 12 Dollar pro Barrel, das heißt, sie lagen über dem Marktpreis.
Heute kostet uns ein Barrel Öl 1,5 Dollar und wir zahlen 3 bis 4 Milliarden Dollar Steuer jährlich – 3 bis 4 Milliarden Dollar! Wir wachsen um 20 Prozent pro Jahr und fördern keine 44 Millionen Tonnen Öl, sondern 80. Die Gesellschaft zahlt ihren Aktionären Dividenden und legt Mittel zurück für weitere Großinvestitionen.

Man höre oder lese den ganzen sehr aufschlußreichen Bericht des Deutschlandfunks.

Bei meiner Beschäftigung mit dem Reichschen Konzept „Arbeitsdemokratie“ kam ich dazu, die funktionellen Paare
„Psyche und Soma“,
„Idee und Tätigkeit“ und
„Unternehmer und Arbeiter“
funktionell gleichzusetzen ohne viel auf Reichs Ansichten zum Problemkomplex „Kapital und Arbeit“ zu achten, die doch teilweise von Marx geprägt sind. Nun überraschte mich der Gedanke, daß ja meine Überlegungen bereits im Motto der Arbeitsdemokratie enthalten sind:

Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens. Sie sollten es auch beherrschen.

Was liegt näher als diese drei „Quellen“ orgonometrisch in Beziehung zu setzen? Und ist überhaupt eine andere Zusammenstellung denkbar als die folgende?

Zusammenarbeit und Vertrauen als unverzichtbarer Kern jedes ökonomischen und sozialen Lebens.

Das komplexe Verhältnis von Kapital und Arbeit läßt sich auch entsprechend der „psychosomatischen Beziehung“ darstellen, wie Reich sie 1944 in seiner Arbeit Orgonotic Pulsation präsentiert hat:

  • Richtet sich 1 gegen 2 haben wir die funktionelle Entsprechung des ersten Falls vor uns, den Idealismus: Wirtschaft wird vom Unternehmer als großem Patriarchen bestimmt, dem man nur zu gehorchen hat und der Laden läuft: Befehl, Gehorsam und Kontrolle.
  • Richtet sich 2 gegen 1 liegt der mechanistische Materialismus vor, wie wir ihn im revolutionären Marxismus-Leninismus vor uns haben: der imgrunde überflüssige Unternehmer muß weg, so daß die Wirtschaft besser läuft, da der „Widerspruch von Kapital und Arbeit beseitigt ist.“
  • In der Entsprechung des „psychophysischen Parallelismus“ laufen Kapital und Arbeit (3 + 4) unabhängig nebeneinander her: so sieht es größtenteils in den westlichen Demokratien aus.
  • Im Mystizismus laufen Kapital und Arbeit (5 + 6) auseinander und sind unvereinbar: hier haben wir die alten feudalistischen (und die modernen „kommunistischen“) Staaten vor uns, wo der Adel vollkommen vom arbeitenden Volk abgeschnitten war. In Ländern wie Spanien und China war für die Edelleute Arbeit (selbst „unternehmerische Arbeit“) etwas zutiefst Entwürdigendes und Unehrenhaftes.
  • Im Monismus schließlich gibt es keinen Unterschied zwischen beiden (7 + 8): dies findet sich in den faschistischen Ideologien (und vielleicht auch im Anarchismus) wieder, wo vollständig von der Arbeitsteilung abstrahiert wird und eine illusorische Versöhnung realer Interessengegensätze (die „Volksgemeinschaft“) gepredigt wurde.
  • 9 steht für die undifferenzierte biologische Schöpfungskraft an sich.

So mancher „Reichianer“ vertritt entgegen diesem funktionellen „holistischen“ Ansatz noch immer das alte Marxistische Prinzip, daß einseitig die „lebendige Arbeit“ über das „tote Kapital“ obsiegen muß, damit sich die Arbeitsdemokratie entfalten kann. Daß ein solches fehlerhaftes Denken, das nur eine der fünf Möglichkeiten, nämlich die oberflächlichste sehen will (oder gar „orgonomisch“ in der tiefsten verharren will), bei seiner materiellen Verwicklung zwangsläufig in die Tyrannei führen muß, hatten am Ende selbst die Kommunisten erkannt. So beschrieb ein sowjetischer Wissenschaftler den sozialpsychologischen Zustand der UdSSR am Ende ihrer Existenz wie folgt:

Entpersönlichung des gesellschaftlichen Lebens und Unterbewertung des individuellen Ursprungs des Daseins (…). Viele Jahre hindurch wurde die menschliche Individualität unter dem Banner des Kampfes gegen den Individualismus konsequent erniedrigt und unterdrückt. In der Wirtschaft förderte dies die Gleichmacherei in der Entlohnung, in der Politik die Bürokratisierung des gesellschaftlichen Lebens und eine Vorstellung vom Menschen als einem Schräubchen, das sich automatisch im unpersönlichen Mechanismus der Maschinengesellschaft dreht. Es galt sogar, wie einst in der archaischen Gesellschaft [d.h. im fiktiven „Urkommunismus“], als unanständig in erster Person zu sprechen, da dies als egozentrisch aufgefaßt wurde. (z.n. Deutschlandfunk, 4.1.1989)

Es ist sehr interessant, was Bronislaw Malinowski 1935 am Ende seines Werkes über die trobriandrische Landwirtschaft schrieb. Im Lichte seiner Analyse zeige sich,

wie vergeblich die Unterscheidung zwischen kommunistischem und Privateigentum ist. Ich hätte durchweg zeigen können, wie jeder Anspruch, jede Beziehung zwischen Mensch und Boden betontermaßen sowohl individuell wie kollektiv ist. (Korallengärten und ihre Magie, Frankfurt 1981)

Malinowski hebt hervor, wie ungeheuer komplex die angeblich „urkommunistische“ Wirtschaft der Trobriander ist – daß hier praktisch alle denkbaren Wirtschaftsordnungen in einer funktionellen Einheit verbunden sind. Dagegen handelt es sich bei den alten anthropologischen Theorien, die den „Wilden“ entweder zum Kommunisten oder zum Prototyp des brutalen Manchesterkapitalisten machen wollen,

um einen schlechten und unklugen Kurzschluß; durchgehend haben wir gesehen, daß das eigentlich Problem nicht im Entweder-Oder von Individualismus und Kommunismus liegt, sondern in der Wechselwirkung kollektiver und persönlicher Ansprüche.

Selbst in unserer Wirtschaft ist nicht alles so eindeutig „kapitalistisch“ wie es manche Ideologen gerne in sie hineindeuten wollen. Man frage z.B. einen Arbeiter, wem die Drehbank gehört, an den er steht. Mit einigem Recht wird er sagen, daß es seine ist, weil er an ihr arbeitet, oder er sagt, sie gehöre dem Chef. Gleichzeitig ist der Arbeiter aber in das Kollektiv des Betriebes eingebunden, genauso wie der Chef von Geldgebern (und selbst der Dreher könnte z.B. Aktien besitzen) und Kunden abhängt, die gewissermaßen auch sagen könnten, ihnen würde die Drehbank gehören. Hier nur die Unterdrückung der „lebendigen Arbeit“ durch das „tote Kapital“ sehen zu wollen, hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Vielmehr geht es darum, diese Beziehungen und Abhängigkeiten, die bioenergetische Spannung wechselseitiger verpflichtungen, weiter so auszubauen und bewußt zu machen, daß unsere Gesellschaft zu einer wahrhaft „sozialen Marktwirtschaft“ wird und nicht nur in der Entsprechung des „psychophysischen Parallelismus“ verharrt.

Eine Lehre, die eine der funktionellen Komponenten des gesellschaftlichen Organismus verwirft, muß ihn umbringen, sollte sie verwirklicht werden. Marx hat das Kapital abschaffen wollen und hat damit zwangsläufig auch jeden Individualismus und jede Initiative erstickt. Wäre er wirklich ein Dialektiker und kein Dogmatiker gewesen, hätte er erkennen müssen, daß dialektisches Denken keine letzte Instanz kennt. Bei ihm war es die Entwicklung der Produktivkräfte, so als hinge dies nicht von der Innovation ab – dem angeblichen „Überbau“ also. Außerdem ist der Marxsche „revolutionäre“ Ansatz a priori gegen die Arbeitsdemokratie gerichtet, während die Orgonomie im Grunde konservativ ist.

Arbeitsdemokratie wurzelt in dem, was die Ahnen geschaffen haben. Das reicht von dem was Pflanzen und Tiere getan haben, „um“ die Erde erst für den Menschen bewohnbar zu machen, bis zu unseren direkten, menschlichen Vorfahren, die uns ihre künstlichen Organe vermacht haben, ohne die wir nackt und dem Tode geweiht wären. Und wo wären wir ohne den einen Menschen, der als erster künstlich Feuer erzeugt hat! Hier haben wir den sehr rationalen Kern der Ahnenverehrung vor uns.

In seiner Massenpsychologie des Faschismusbeklagt Reich:

Woher kommt es, daß von Millionen Autofahrern, Radiohörern etc. nur ganz wenige die Namen der Entdecker des Autos und des Radios kennen, dagegen jedes Kind die Namen der politischen Pestgeneräle kennt?

Und Hans Hass schreibt im Zusammenhang mit seiner Energontheorie:

Sofern wir (…) Häuser, Sessel und Straßen als etwas Gegebenes und Selbstverständliches ansehen, ist uns kaum zu helfen. (…) Das Vorgefundene wird als selbstverständlich angesehen. Was nicht den eigenen Wünschen entspricht, wird zum Impuls für Kritik und Aggression. Betrachten wir indessen, wie alles entstand, dann sehen die Dinge ganz anders aus. (Naturphilosophische Schriften)

Hier gehört auch die Psychopathologie des liberalen Charakters hin, der im Gegensatz zum konservativen Charakter jeden Kontakt zu seinen Ahnen und damit zum Leben verloren hat. Imgrunde kann er nur zerstören. Marx war ein Prototyp dieses gesellschaftlichen Krebses, dessen einzige Lebensperspektive Zerstörung ist.

Der biologische Rechenfehler in der Marxschen Mehrwertlehre (Teil 1)

1. Februar 2016

Franz Steinkühler, damals noch Vorsitzender der IG-Metall, sagte am 1. Mai 1989, also dem Jahr, in dem der Kommunismus unterging:

Der Grundkonflikt in dieser Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung läuft nicht zwischen Deutschen und Ausländern, sondern zwischen Kapital und Arbeit.

Dazu meint Roland Baader, ein Schüler von F.A. von Hayek und selbst Unternehmer:

Man muß sich die Infamie, die heuchlerische Demagogie und die haßschürende, staats- und gemeinschaftszersetzende Kaltschnäuzigkeit, die hinter solcher Verbaldiarrhöe steckt, nicht auf der Zunge, sondern im Kopf zergehen lassen, um die ganze Pestilenz ihrer zerstörerischen Wirkung zu erkennen. Im Klartext heißt der Satz: Statt die Ausländer zu hassen und zu verachten, haßt lieber die Kapitalisten. (Kreide für den Wolf, Böblingen 1991, S. 249f)

Dieser Klassenwahn unterscheidet sich in nichts vom Rassenwahn der Nazis.

Im Zusammenhang einer Auseinandersetzung mit „anti-faschistischen“ und feministischen Gewaltphantasien schreibt der Publizist Klaus Rainer Röhl:

Insgesamt galt den orthodoxen wie den neo-utopistischen Lehren der Kapitalismus als das Alte, Absterbende, das manchmal auch das „Verfaulende“ genannt wurde. Man beachte den im Grunde darwinistischen, rassistischen Sprachgebrauch! Eine Welt, die negativ zu bewerten ist und bekämpft werden muß, auch mit Gewalt. Dagegen stand (und steht) das Neue, die Arbeiterbewegung und ihre Vordenker, die von einer besseren Welt, einem neuen Menschen träumen (Auch hier haben wir wieder die biologisch gesündere, Schöne Neue Welt!). (Röhl: Linke Lebenslügen, Frankfurt 1994, S. 168f)

Und schließlich Reich selbst: er erinnert an die Ritualmordlegenden und an das Bild des Juden, der kleine Jungen beschneidet.

Solche Dinge tut nur ein Wesen, das selbst alle Lust, speziell Sexuallust für sich rauben will. Der Jude nimmt also dem Arier die Mädchen weg, nachdem er die Männer kastriert hat. Der Jude nimmt immer etwas weg. Da er zudem das Unglück hat, durch frühere Judenverfolgungen dem Handel zu frönen, raubt er Geld. Nur ein Schritt noch, und er ist der Inbegriff des „Kapitalisten“ geworden. So kann sich unter geschicktester Ausnützung der Sexualangst vor dem Schächtjuden der gesamte Gefühlshaß der Massenmenschen gegen den Geldwucherer, mit anderen Worten, den „Kapitalisten“, auf den Juden verlagern. Der Jude zieht somit sowohl den sozialistischen Kapitalistenhaß wie die erworbene Sexualangst auf sich. (Menschen im Staat, S. 178)

Reich hat stets großen Wert darauf gelegt, daß Marx selbst nie mit diesem Haß gegen Kapitalisten gespielt habe. Ihm war das so wichtig, daß er seinem Aufsatz über „Die lebendige Produktivkraft (Arbeitskraft) bei Karl Marx“ ein entsprechendes Marx-Zitat voranstellt (Menschen im Staat, S. 61). „Roter Faschismus“ war für Reich geradezu dadurch definiert, daß die Emotionelle Pest, also irrationale Politiker, Marx‘ wissenschaftliche Werttheorie im Nachhinein mit einem Ressentiment gegen die Kapitalistenklasse verknüpft habe (ebd., S. 62).

Reich verdrängt dabei, daß Marx selbst in erster Linie Politiker war und von ganz persönlichen „antikapitalistischen“ Ressentiments getrieben wurde. Ein Zeitzeuge erinnerte sich „des schneidend höhnischen, ich möchte sagen, des ausspuckenden Tones“, wenn Marx das Wort „Bourgeois“ aussprach (Carl Schurz: Lebenserinnerungen, Bd. 1, Berlin 1906, S. 144). Reich war sich nicht bewußt, daß es von Anfang an um die Ausrottung der Kapitalistenklasse ging. Der Klassenwahn der Marxisten war faktisch identisch mit dem Rassenwahn der Nazis. Zum Beispiel hat Ulrike Meinhoff in einem Interview gesagt, daß hinter Auschwitz ein wahres, von den Nazis ausgebeutetes antikapitalistisches Gefühl gesteckt habe, bei dem die Juden stellvertretend für die Kapitalisten vernichtet wurden.

Und selbst wenn man Marx als Wissenschaftler, d.h. das Problem „Mehrwert“, ernst nimmt: Der Biologe und Wirtschaftstheoretiker Hans Hass bringt im dritten Band seiner Naturphilosophischen Schriften einen sehr interessanten Gedanken zum Thema vor: Marx habe, schreibt Hass, „die funktionelle Bedeutung des Unternehmers und jene des Konkurrenzkampfes als Gratisinstrument zur Hochhaltung der Leistungen“ übersehen. Darunter würden die kommunistischen Staaten noch heute leiden (Hass formulierte das in den 1960er Jahren) und indem sie

die Bindung von Betriebsmitteln an Einzelpersonen nicht gestatten, verhindern sie gewaltsam die Bildung von Energonen. (…) Ausgerechnet der menschliche Impuls zur individuellen Energonbildung – auf der die zweite Stufe der Evolution beruht – wird so weitgehend zum öffentlichen Feind gemacht.

Hass führt weiter aus, Marx habe Mißstände gesehen und geglaubt,

daß zu deren Behebung die Austilgung einer ganzen Sparte von Funktionsträgern notwendig sei: die Austilgung der Unternehmer. Die große funktionelle Wichtigkeit dieser organisations- und risikofreudigen Menschen übersah er. Die Vorstellung eines vom Arbeiter geschaffenen „Mehrwerts“, der ungerechterweise in die Taschen von Unternehmern falle, blendete ihn derart, daß er den komplementären „Mehrwert“, den der Unternehmer schafft, übersah. Gerade dieser ist aber von nicht geringerer Wichtigkeit – und zwar nicht nur für den einzelnen Betrieb, sondern darüber hinaus als Impuls für die gesamte Wirtschaft eines Volkes.

Wenn Marx durch seinen Kapitalistenhaß nicht dermaßen geblendet gewesen wäre, hätte er selbst die funktionelle Rolle des Unternehmers aus seinen eigenen Formulierungen ableiten müssen. Im Kapital unterscheidet Marx nämlich die Arbeit des Tieres, z.B. den Wachszellenbau der Bienen, von der des Menschen dadurch, daß der menschliche Baumeister schon

die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideel vorhanden war.

In der Manufaktur nun geht diese „Idee“ des Handwerkers auf, löst sich von ihm. Marx weiter:

Die geistigen Potenzen der Produktion erweitern ihren Maßstab auf der einen Seite, weil sie auf vielen Seiten verschwinden. Was die Teilarbeiter verlieren, konzentriert sich ihnen gegenüber im Kapital.

Dieser „Scheidungsprozeß“ zwischen „geistiger Potenz“ und Arbeit

vollendet sich in der großen Industrie, welche die Wissenschaft als selbständige Produktionspotenz von der Arbeit trennt und in den Dienst des Kapitals preßt.

Dazu zitiert Marx den sozialistischen Ökonomen William Thompson (1785-1833):

Der Mann des Wissens und der produktive Arbeiter sind weit voneinander getrennt, und die Wissenschaft, statt in der Hand des Arbeiters seine eigenen Produktivkräfte für ihn selbst zu vermehren, hat sich fast überall ihm gegenübergestellt (…) Kenntnis wird ein Instrument, fähig von der Arbeit getrennt und ihr entgegengesetzt zu werden.

Kapital ist also im Kern nichts anderes als Know How.

Zur gleichen Zeit taucht bei den „romantischen“ Nationalökonomen wie Adam Müller (1779-1828) aber auch bei Friedrich List (1789-1846) der Begriff des „geistigen Kapitals“ auf. „Damit wird das Ergebnis der Erziehung, die schöpferische Kraft, die Fachkenntnis u.dgl. eines Menschen oder eines ganzen Volkes bezeichnet“ (Weber: Kompendium der Volkswirtschaftslehre, Düsseldorf 1969). In neuerer Zeit hat H. Gross den Begriff Das Geist-Kapital (Düsseldorf 1970) geprägt:

Geisteskapital ist das zielsetzende, systembildende und unternehmerische Element, das intellektuelle Kräfte aktiviert und das Wollen durch Können realisiert. Wollen ist Voraussetzung für neue Problemlösungen oder der „Strategie im Reich der Wünsche“; Wollen formt Unternehmen und Institutionen zu Systemen, die zielgerichtet und flexibel Intelligenz, Arbeit, Boden und Kapital einsetzen (…) Das Unternehmerische ist durch das Geistkapital charakterisiert, das Wissen verarbeitet und den Mut zum Risiko des Wollens einschließt.

Reichs „alle Klassen übergreifende natürliche Arbeitsdemokratie“ schließt natürlich mit dem Unternehmer auch den angeblichen „Ausbeuter“ mit ein. Das „Geistkapital“ ist das eigentliche, wesentliche, das zielsetzende und strategische Element des Unternehmertums. Der orgonomische „Organisations-Therapeut“ Martin Goldberg stellt dar, daß der „unternehmerischen Vision“ eine fundamentale bioenergetische Funktion ist, die beim Individuum dem Gehirn entspricht.

In der Wirtschaft repräsentiert der Unternehmer das, was unser Gehirn und unsere Konzepte in unserem Körper sind. Hass, der noch größtenteils dem traditionellen Kapital-Begriff verhaftet bleibt, schreibt hierzu:

Das eigentliche und wirkliche (!) menschliche „Kapital“ besteht im Gesamtbesitz an Verhaltensrezepten zum Aufbau von Funktionsträgern und deren Verwendung.

Der Mensch hätte sich die Welt „nicht so sehr durch Handlungen erobert (…), sondern durch das ‘Spiel’ seiner Gedanken und Vorstellungen.“

Die Phantasie sei deshalb vielleicht die wichtigste der menschlichen Besonderheiten. Weiter zitiert Hass die Arbeit des Wirtschaftwissenschaftlers J.K. Galbraith, wonach im Laufe der Geschichte zuerst Grundbesitz, danach „Kapitalbesitz“ und seit neustem Spezialwissen die Quellen ökonomischer Macht gewesen seien (Naturphilosophische Schriften, Bd. 3). Meines Erachtens hat dabei Galbraith übersehen, daß schon immer Know How zum Erwerb, zur Erhaltung und zur Anwendung „materieller Machtfaktoren“ notwendig war. Wie Francis Bacon an der Wende vom Feudalismus zum Frühkapitalismus, also zur „Zeit des Großgrundbesitzes“, sagte: „Wissen ist Macht.“

Reichs eigene Haltung zum „Mehrwert“, den der Unternehmer erwirtschaftet, läßt sich aus seinem Artikel über die Orgonometrie erschließen, wo er sagt, daß

die Qualitäten der Funktionen Priorität vor der Quantität der Funktionen haben. Dies steht sogar in Übereinstimmung mit der praktischen Ingenieurstätigkeit. Bevor irgendwelche Messungen für das zukünftige Bauwerk unternommen werden können, muß seine Gestalt und Anlage bestimmt werden. Wir können nicht damit anfangen ein Haus zu bauen, indem wir die Ausmaße einer Wand messen. Zuerst muß die allgemeine Grundidee über die Eigenschaften vorhanden sein. („Orgonometric Equations: 1. General Form“ Orgone Energy Bulletin, Vol. 2, 1950)

Und eben dies ist die funktionelle Aufgabe des Unternehmers.

Siehe dazu auch Reichs Ausführungen in der Massenpsychologie des Faschismus (Fischer TB, S. 339f) über die „lebensnotwendige Arbeit der Kapitalisten“. Er nennt als Beispiele für den „selbst arbeitenden, planenden und produzierenden Unternehmer“ Henry Ford, Thomas Edison, die Gebrüder Wright, Junkers, Reichert und Zeiss.

Kapitalismus und die Funktion des Orgasmus (Teil 6)

3. Juli 2015

Das Grundwesen der Arbeitsdemokratie ist die Unmittelbarkeit, ist direkter bioenergetischer Kontakt. Innovation und unternehmerische Initiative, Phantasie und Vorausschau stehen gegen Ideologie und Bürokratie; Marktwirtschaft und Dezentralisation gegen Planwirtschaft und Zentralisation. Ähnlich wie im Feld der Sexualität wird auch im Bereich der Wirtschaft die natürliche Überlagerung behindert. Entsprechend spricht Reich davon, daß die (freie) Überlagerung zu „einer neuen Grundlage für einen neuen Gesellschaftsaufbau“ werden könnte („Man‘s Roots in Nature“, Orgonomic Functionalism, Vol. 1, S. 69): einer arbeitsdemokratisch organisierten Gesellschaft.

Die Überlagerungsfunktion, die sowohl in der sexuellen Gemeinschaft als auch in der „Arbeitsgemeinschaft“ zum Ausdruck kommt, ist identisch mit der Schöpfungsfunktion, was im ersten Fall (manchmal) zur Produktion von neuen Menschen, im zweiten Fall zur Produktion von Gütern führt. Ohne diese Güter wiederum, z.B. Unterkünfte, die ein geschütztes Refugium zur Entspannung schaffen, wäre Genitalität schwer denkbar. Erst die menschliche Zivilisation verschafft uns die Muße und Sicherheit zur genitalen Umarmung, während alle anderen Tiere diese verletzliche Phase extrem kurz halten müssen und es bei ihnen keine Abtrennung der Aufmerksamkeit von der Außenwelt geben kann. Sexualität (bzw. Genitalität) und Zivilisation (gleich Arbeit) sind also nicht nur sich (periodisch!) ausschließende Gegensätze, sondern gleichzeitig untrennbar voneinander abhängig.

Neben diesem lebensnotwendigen „Grobbedarf“, der die Voraussetzungen für eine funktionierende Sexualität schafft, sorgt die Arbeit auch für die Befriedigung des Luxusbedarfs, der ein direkter Ausfluß der Sexualität ist. Das geht soweit, daß der Kapitalismus fast durchweg eine „erotische Kultur“ ist. Oder mit anderen Worten: Sexualität und Kapitalismus sind untrennbar miteinander verbunden. Sie rufen sich gegenseitig ins Leben: eine produktive Wirtschaft setzt die Sexualität frei und eine freie Sexualität gebiert den Kapitalismus. (Aus diesem Grunde leben islamische Länder im Elend.)

Die Entwicklung der Sexualenergie und der Arbeitsenergie verläuft in ähnlichen Bahnen. Das erweist sich etwa daran, daß man den Werdegang eines einzelnen Menschen und eines wirtschaftlichen „Organismus“ (etwa einer Firma) in den gleichen Begriffen beschreiben kann. Entsprechend betrachtete Reich die organisierte Orgonomie als einen Organismus, der aus der Überlagerung von verschiedenen Arbeitsfunktionen hervorgeht, wobei sich die einzelnen Funktionsträger als „Organe“ arbeitsdemokratisch in die „Gesamtheit der spezifischen organismischen Funktion“ integrieren. Das jeweilige einzelne Organ „muß langsam, behutsam und geduldig in eine kontinuierliche, wohlgeordnete und (…) ‘disziplinierte’ Koordination und Kooperation mit der Gesamtfunktion hineinwachsen“ (Reich/Neill: Zeugnisse einer Freundschaft, S. 576).

Wie der „Organisations-Therapeut“ Martin Goldberg ausführlich dargelegt hat („Work Energy and the Character of Organizations“, Journal of Orgonomy, 1989-1991), kann man die „psychologische“ Entwicklung von Wirtschaftsunternehmen genauso fassen, wie es die Psychoanalyse und die Orgonomie beim einzelnen Menschen getan haben:

Am Anfang steht der psychosexuelle Entwicklungsschritt der okularen Phase, die bei der Bildung von Organisationen der grundlegenden unternehmerischen Vision entspricht, d.h. die generelle Ausrichtung und „Corporate Identity“ der Organisation wird festgelegt. Diese Phase wird gefolgt von einer oralen Entwicklungsstufe, in der das noch nicht eigenständig lebensfähige System von seinen Gründern, den „Kapitalisten“, die das System sozusagen noch „säugen“ müssen, in einem unmittelbaren Abhängigkeitsverhältnis steht.

Es schließt sich die anale „Trotz-Phase“ an, die bei Organisationen dem engeren organisatorischen Zusammenschluß entspricht, bei dem die Unabhängigkeit der Organisation hergestellt wird. Die darauf folgende phallische Phase kennzeichnet Goldberg mit dem Begriff „Arbeitsaggression“, was der Zurschaustellung der Leistung entspricht: das System signalisiert, daß es produktionsbereit ist. In der genitalen Phase schließlich kommt es zur vollständigen Integration aller Teilfunktionen und zur autonomen Selbstregulation des Systems, das nun reibungslos produziert und somit den Status der „Arbeitsdemokratie“ erreicht hat, die beim Individuum der Genitalität entspricht.

Die von Reich in Charakteranalyse beschriebenen sieben biophysischen Segmente des Menschen finden eine Entsprechung in den drei Grundstrukturen einer Organisation: der „Kopf“, der der Arbeit Richtung verleiht; die mittlere Ebene, die alles für die tatsächliche Arbeit bereitstellt und organisiert; und der arbeitende Kern, der die Arbeitsleistung vollführt. Dies entspricht dem leitenden Management, dem mittleren Management und der Arbeitsebene. Aufgabe des ersten Segments ist die fundamentale Ausrichtung der Arbeit, des zweiten die Organisierung des Arbeitsflusses und des dritten die Entladung der Arbeit durch Wechselwirkung mit der Umwelt.

Ganz so wie bei der Entwicklung des Individuums bestimmen auch bei Organisationen Störungen während der „libidinösen“ Entwicklung den Charakter. Entweder geht ein solches System infolge der Störungen zugrunde oder es entwickelt sich ein neues biopathisches Gleichgewicht, eben der neurotische Charakter des Menschen bzw. der Organisation, die sich aus Menschen zusammensetzen und auf diese wieder rückwirken. Zum Beispiel muß „die Neigung der neurotischen Charakterstruktur zur Willkür und Disziplinlosigkeit im Denken und Arbeiten“ (Äther, Gott und Teufel, Frankfurt 1983, S. 113) durch Disziplin, Zwang und Bürokratie eingeschränkt werden, wenn das System überleben will.

Diese neurotischen Charakterstrukturen der Organisationen können durch die „Organisationstherapie“ behandelt werden. Ziel der Goldbergschen orgonomischen Organisationstherapie ist die „Befähigung von chronisch blockierten Systemen ihre Arbeitsenergie wieder frei in einer produktiven, befriedigenden Art und Weise zu entladen“. Dies entspricht genau dem Ziel der individuellen Orgontherapie hinsichtlich der Sexualenergie.

Die individuelle Ökonomie der Arbeitsenergie verläuft ähnlich wie die individuelle Sexualökonomie: wir spüren eine innere Erregung, die sich als Tätigkeitsdrang äußert und zur Entladung in produktiver Arbeit drängt. So funktionieren auch ganze Organisationen (letztlich sind wir ja auch nichts weiter als „Organisationen“ unserer Teilorgane): wie bei der sexuellen Gemeinschaft von Frau und Mann spüren wir eine gemeinsame Erregung, die zu gemeinsamer Befriedigung drängt, zu produktiver Zusammenarbeit.

Im krassen Gegensatz zur Sexualenergie, können bei der Arbeitsenergie auch mehr als zwei Personen beteiligt sein. Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt darin, daß gesunde Sexualität ein in sich ruhender Selbstzweck ist (sie kennt keine Aufgabe, „hat keinen Zweck“, sie findet Erfüllung in sich selbst), während gesunde Arbeit stets zielgerichtet ist („Leistung“), d.h. letztendlich immer auf zukünftigen Konsum und Lusterfüllung gerichtet ist, also der Vorbereitung der Sexualität dient. „Zwecklose“ Arbeit, die sich in sich selbst erschöpft, kann niemals zur Befriedigung, sondern allenfalls zur Erschöpfung führen. Man denke dabei an den „Arbeitsethos“ des Sozialismus, der auf Marx‘ Arbeitswertlehre gründet.

Arbeit hat stets der Sexualität, d.h. dem Konsum, zu dienen.

Marukusu shugi

6. August 2012

Bei Marx’s Theorie aus Produktionsmitteln (Maschinen, Fabriken, Patente, etc.) und Produktionsverhältnissen (Kapital und Arbeit), Arbeitswertlehre (der Wert der Waren häng von der in ihnen verausgabten in Zeiteinheiten gemessener durchschnittlicher gesellschaftlicher Arbeitskraft ab) und Mehrwertlehre (der Gebrauchswert der Ware „Arbeiter“ ist höher als sein Tauschwert, d.h. der Arbeiter erwirtschaftet mehr als er als Lohn erhält, mit dem er seine Arbeitskraft erhalten muß) stimmt etwas Grundsätzliches nicht:

  1. Die Produktionsmittel entwickeln sich nicht aus sich selbst heraus, sondern aufgrund unternehmerischer Initiative.
  2. Deshalb ist das Produktionsverhältnis „Kapital und Arbeit“ naturgegeben und kann nicht einfach auf den einen Faktor „Arbeit“ reduziert werden.
  3. Menschliche Tätigkeit wird erst zu „Arbeit“, wenn sie einem Leitfaden folgt und dabei selbst Initiative ergreift. Beispielsweise wird ein Haus nach den Bauplänen des Architekten gebaut, der jedoch in den einzelnen Arbeitsschnitten vom Fachwissen der Arbeiter abhängig ist. Entsprechend ist „Wert“ etwas intrinsisch Qualitatives, das nur bedingt in abstrakten Zeiteinheiten gemessen werden kann. „Roboten“ schafft keinen Wert!
  4. Es ist aus den ersten drei Punkten offensichtlich, daß der Unternehmer selbst auch „Mehrwert“ erwirtschaftet und deshalb der Kapitalismus kein inhärent ausbeuterisches System ist.

Marx hatte vollkommen recht, daß nur Arbeit Wert erschafft, aber seine Vorstellungen waren viel zu mechanistisch und liefen letztendlich darauf hinaus, den einen Faktor zu delegitimieren und letztendlich zu vernichten, der der eigentliche Motor der gesellschaftlichen Entwicklung ist: der menschliche Erfindergeist und seine unmittelbare unternehmerische Umsetzung.

Diese meine Kritik an Marx, die ich an anderer Stelle erläutert habe, wird durch die gegenwärtige wirtschaftliche Lage Japans illustriert.

Ich kann mich noch sehr gut an die 1980er Jahre erinnern, in denen uns Japan als führende Wirtschaftsmacht des damals bevorstehenden neuen Jahrtausends gezeichnet wurde. Japan war das uneinholbare Vorbild. Das Erfolgsgeheimnis seien unglaublich fleißige Arbeiter, die wie Roboter funktionieren, sowie das harmonische Ineinandergreifen von Kultur, Wirtschaft und Staat. Tatsächlich geht es jedoch seit Anfang der 1990er Jahre kontinuierlich bergab und weltwirtschaftlich sollte man sich mittlerweile vielleicht mehr Sorgen um Nippon als um die Eurozone machen!

In einem sehr interessanten Artikel führt nun Yuri Kageyama den Niedergang Japans auf den Niedergang der unternehmerischen Initiative zurück. Die konformistische Kultur Japans betrachte Mißerfolg als große Schande, was jeden Risikowillen in schwierigen wirtschaftlichen Situationen ersticke. Er beschreibt die junge Unternehmensberaterin Chiaki Hayashi, die diesem verhängnisvollen Trend entgegenarbeitet.

Sie bietet einen Dienst an, der aus ihrer Diagnose der Krankheit erwachsen ist, die in den Unternehmen grassiert: Verlust an innovativem Geist. Sie hofft, einen Kern der Kreativität in den Unternehmen anzustoßen, der „klein anfängt, aber lawinenartig anwächst“. Japanische Spitzenunternehmen hätten eine Menge an talentierten fleißigen Mitarbeitern, aber diese seien derartig von Erstarrung erfaßt, etwa Qualitätskontrolle in der Massenproduktion, daß ihr Denken statisch geworden sei und sie sich nicht vorstellen könnten, wo und wie Änderungen in Gang zu bringen seien. „Die Unternehmen brauchen unsere Hilfe, weil sie zu einem gigantischen Gundam-Roboter herangewachsen sind und dergestalt nicht mehr der Lage sind, feine Neuerungen zu handhaben, die Ameisen zu Füßen des Riesenroboters ähneln und deshalb zerquetscht werden.“ So Hayashi, die sich auf einen Transformer-ähnlichen Roboter bezieht.

Einem Studenten der Orgonomie sollten diese Gedankengänge nicht fremd sein, denn die Orgonomie im allgemeinen und die Entwicklung des Orgonenergie-Akkumulators im besonderen beruht einzig und allein auf dem Erfindungsgeist und der „unternehmerischen Initiative“ Reichs. Die Verbreitung des Orgonenergie-Akkumulators wurde unterbunden von einer quasi „sozialistischen“ Regierungsstelle (der Food and Drug Administration, die auf die Roosevelt-Jahre zurückgeht) und von der amerikanischen Pharmaindustrie, die jede innovative Konkurrenz auszuschalten trachtete (corporate socialism).

Wie in den USA junge innovative Unternehmer durch das Establishment ausgebremst wurden und dergestalt ein unermeßlicher volkswirtschaftlicher Schaden angerichtet wurde, wird sehr schön in dem Film Tucker: The Man and His Dream (1988) beschrieben.

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=ziAXmTCeapE%5D

Wirkliche Menschheitsfeinde sind

  1. eine konservative, wenn nicht reaktionäre Kultur, die jede Innovation als Gefährdung des Status quo im Keim erstickt und Neuerer zu Parias erklärt;
  2. der Marxismus, der letztendlich genau dieselben Faktoren aus dem gesellschaftlichen Gefüge beseitigen will; und
  3. die Großindustrie, die alles tut, um die „Tuckers“ buchstäblich zu vernichten.

Wir sprechen von der Emotionellen Pest, die die freie, schöpferische Bewegung der Orgonenergie nicht ertragen kann und sie deshalb erstickt.