Posts Tagged ‘Mehrwerttheorie’

Peter im Reich der nichtlokalen gleichzeitigen Wirkung (Teil 2)

21. November 2018

Ich habe im ersten Teil bewußt Zappa gewählt, da der sich während seiner gesamten Karriere mit diesem Funktionsbereich beschäftigt hat und beispielsweise sich überlegt hat, was passieren würde, wenn man den horizontalen Verlauf einer Symphonie nimmt und das ganze „senkrecht hinstellt“. Natürlich könnte ich auch auf Karlheinz Stockhausen und auf psychedelische Musik verweisen, etwa auf Future Games von Spirit – das beste Popalbum aller Zeiten:

…aber das Schöne an Zappa ist, daß er jeder Form von Mystizismus, Spökenkiekerei (inklusive der Psychoanalyse!) und Drogen radikal ablehnend gegenüberstand und entsprechend den Bereich der GLEICHZEITIG VORLIEGENDEN WIRKUNG ideologisch und pathologisch unbelastet „erforschen“ konnte.

Mystizismus, Spökenkiekerei, Psychoanalyse, Drogen – wir sind beim todfeindlichen Gegenteil der Orgonomie. Man kann durchaus sagen, daß die Angriffe stets von Gruppen stammten, die (wenn auch auf extrem verzerrte Weise) ihre Wurzeln im Funktionsbereich der GLEICHZEITIG VORLIEGENDEN WIRKUNG haben. Das trifft sogar auf den Marxismus und seine heutigen Wurmfortsätze zu, denn dessen gesamtes System beruht auf Voraussetzungen, die im Funktionsbereich der BEWEGUNG keinerlei Sinn machen. Ich spreche von der Arbeits- und der daraus unmittelbar abgeleiteten Mehrwerttheorie. Die investierte durchschnittliche gesellschaftliche Arbeitszeit bestimmt den Wert der Waren… Es ist kein Zufall, daß man diese Theorie mit normalen Worten und Sätzen gar nicht erklären kann! Es klingt alles so verquast, weil es tatsächlich vollständig verquast ist. Marxisten flüchten dann immer in die Phrase von der „Dialektik“ (von der sie null Ahnung haben!), tatsächlich geht es aber darum, daß der Bereich der Produzenten und der der Konsumenten durch die Funktionen ERSTRAHLUNG, ANZIEHUNG und die sie beide umfassende Funktion GLEICHZEITIG VORLIEGENDE WIRKUNG miteinander verknüpft sind. Genauso wie etwa eine Galaxie als Ganzes ist auch die Wirtschaft nicht nur ein Geflecht von „horizontalen“ BEWEGUNGEN, sondern sie ist – sie ist sozusagen „vertikal“, wie die Symphonie in Zappas Imagination.

Peters Indoktrination

1. Januar 2018

Ich habe mich immer gefragt, warum ich eigentlich einst ein so fanatischer Linker gewesen war. Ich wüßte niemanden, der mich indoktriniert hätte, zumal ich so gestrickt bin, daß jeder derartige Versuch zum Gegenteil geführt hätte. Nichts, was mich hätte links machen können. Ein Licht ist mir erst in letzter Zeit aufgegangen, als ich mir auf YouTube alte Beiträge aus Fernsehmagazinen aus der Zeit zwischen 1965 und 1975 angeschaut habe oder etwa die Udo Jürgens-DVDs und -Videos meiner Mutter. Etwa ein zeitgenössischer Bericht über eine Udo Jürgens-Tournee Ende der 1960er Jahre. Dieser schnoddrig-herablassende belehrende Ton in der Stimme des Sprechers. Insbesondere die Anklage in der Stimme, wenn auf einen von Udo Jürgens‘ Schlagertexten Bezug genommen wird – schließlich sei ja, so Udo, nicht alles schlecht. Nein, für den Marxisten ist alles schlecht, denn alles, ausnahmslos alles, beruht auf Ausbeutung und ist ungerecht. Wer das nicht sehen will, ist dem allumfassenden Verblendungszusammenhang erlegen, jener „Warenwelt“, die mittels des „Warenfetisch“ die Wahrheiten der Arbeits- und Mehrwerttheorie verkleistert.

Jedem normalen Menschen ist sofort einsichtig, daß die Marxistische „Theorie“ keine Wissenschaft ist, sondern nichts weiter als unbeweisbare Religion. Der Grundimpetus dieser modernen Gnosis ist, daß die Welt, wie sie uns erscheint, zutiefst böse und ungerecht ist. Alles Verblendung, sogar der Geschlechtsunterschied! In Kalifornien sind bereits mehr als ein Viertel aller Schüler „gender-nonkonform“. Von wegen Ekkehard Ruebsam: „Der heilige Wilhelm Reich und sein Fetisch Genitalität“. Das Argument Nr. 60, 1970, S. 178-191.

Die Orgonomie kann nichts tun, um den einen Faktor zu beseitigen, der die universelle Neurose und die Emotionelle Pest hervorruft: die Panzerung. Individuelle Therapie ist keine Größe und Kindererziehung („die Kinder der Zukunft“) angesichts des wachsenden Wahnsinns nicht die Hoffnung, die noch Reich in sie investierte. Das einzige, was erreicht werden kann, ist das Bekanntmachen des Faktors „Panzerung“ und insbesondere die Verbreitung der Kenntnisse über die soziopolitische Charakterologie nach Reich, Baker und Konia. Niemand sollte die Macht der Medien unterschätzen! Wo Marx war, soll Reich sein!

Reich-Anhänger, Reichianer und „Orgonomen“ sind meine TODFEINDE (Nachtrag)

19. Dezember 2017

Beschäftigt man sich mit der Antike, wird man feststellen, daß die damaligen Menschen exakt das gleiche Innenleben hatten wie wir. Die politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, die existentiellen Fragen waren identisch. Von daher ist der Marxismus, genauer gesagt der Historische Materialismus, einfach nur Unsinn. Es entbehrt nicht einer gewissen clownesken Komik, wenn man vor diesem Hintergrund die von einer dummdreisten Arroganz geprägten Marxistischen Angriffe auf Reichs Sexualökonomie und Orgonomie aus den späten 1960er bis mittleren 1980er Jahre liest. Reich würde die geschichtliche Bedingtheit der menschlichen Existenz vernachlässigen!

Dabei leiden die Marxisten unter nichts anderem so sehr, als daß sich der Mensch partout nicht verändern will. Alle, ausnahmslos alle, linken Träume beruhen darauf, daß der Mensch veränderbar ist, während Konservative eben das sind: sie glauben an eine unveränderliche menschliche Natur, so daß es auf Erden niemals ein Himmelreich geben könne. Die Tragik der Linken ist nun, daß diese Konservativen immer recht behalten. Die Kommunisten können 100 000 000 Russen und Chinesen ermorden, um den Rest „umzuerziehen“, nur um dann festzustellen, daß sich nichts, wirklich nichts verändert hat.

Reich, der sich abgesehen von der Arbeits- und Mehrwerttheorie, in Menschen im Staat explizit vom Marxismus (Historischen Materialismus) losgesagt hat, wird nun von Reich-Anhängern, Reichianern und „Orgonomen“ dazu mißbraucht, den kommunistischen Traum doch noch wahrwerden zu lassen: die Beseitigung der Panzerung ermögliche endlich den Sozialismus! Offensichtlich haben sie, ob ihrer kompletten Kontaktlosigkeit, Christusmord, den Begleitband von Menschen im Staat, nie auch nur ansatzweise verstanden: die Verwirklichung der „sexualökonomischen Träume“ wäre, so Reich, die ultimative Katastrophe für die Menschheit. Was damit gemeint ist, wird unmittelbar evident, wenn man die Augen aufmacht. Dank der zunehmenden „Entpanzerung“ der Gesellschaft seit etwa 1960, zu der nicht zuletzt Merkels „offene Grenzen“ (!) gehören, steht die westliche Zivilisation vor dem Kollaps. Kontaktvolle Grundschullehrer wissen bereits, daß das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Der Rote Faden: Reich und Marx

8. November 2017

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER ROTE FADEN:

1. Aktion und Reaktion

a. Der Weg in den Kommunismus

b. Der Weg in den Faschismus (Wien)

c. Rassenhygiene

d. Der Weg in den Faschismus (Berlin und Kopenhagen)

e. Der Übermensch

f. Die Untermenschen

2. Der Weg in den Kalten Krieg

a. Das rote Berlin

b. Agenten des Roten Terrors

c. Der Friedenskämpfer Nr. 1

d. Der Kalte Krieger Nr. 1

e. Der Warmduscher

3. Mentalhygiene

a. Sexpol

b. Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion

c. Psychoanalyse und Kommunismus

d. Otto Fenichel und seine „Rundbriefe“

e. Die Leninistische Organisation

4. Polithygiene

a. Reich in Norwegen

b. Reich und Marx

 

nachrichtenbrief50

26. Juli 2017

Die Irrationalität des Historischen Materialismus

15. Januar 2017

Reich war ein großer Verfechter der Marxschen Arbeits- und Mehrwerttheorie. An anderer Stelle habe ich meine, wie ich finde, schwerwiegenden Einwände ausgeführt. Marx gehört zweifellos nicht zur „Wiederentdeckung der Lebenden“, auch da er als Anhänger Hegels nicht an der Rationalität der gepanzerten Geschichte zweifelte („historischer Materialismus“). Reich:

Bleiben wir weiter außerhalb dieses St. Veitstanzes. Je länger wir um uns blicken, desto toller erscheint er. Hunderte kleiner Patriarchen, die sich zu Königen und Herzogen proklamiert hatten, beschuldigten einander der Sünde wider dies und jenes und führten Krieg, versengten die Landschaft, brachten Hunger und Epidemien über die Völker. Dies nannte sich später „Geschichte“. Und die Historiker zweifelten nicht an der Rationalität dieser Geschichte.

Allmählich begann das Volk auf den Plan zu treten. „Die Königin ist schuld“, riefen die Volksvertreter und köpften die Königin. Das Volk tanzte heulend um die Guillotine. Es produzierte Napoleon. „Die Österreicher, die Preußen, die Russen sind schuld“, hieß es nun. „Napoleon ist schuld“, klang es zurück. „Die Maschinen sind schuld“, schrien die Weber, und „Das proletarische Lumpenpack ist schuld“, klang es zurück. (…) (Äther, Gott und Teufel, S. 30)

Marx und die Orgonbiophysik (Teil 2)

31. Oktober 2015

Marx’ Arbeitsbegriff ist geradezu auf die Zerstörung der Biologie gerichtet. Für Hegel bedeutet Arbeit den Vollzug der Negation der Negation der Idee, d.h. die Konstituierung des nun nicht mehr nur subjektiven, sondern absoluten Geistes durch die Aufhebung seiner Negation: der objektiven Natur. Es entspringt einer primitiven Marxistischen Fehlinterpretation der Hegelschen Philosophie, wenn man dies ausschließlich als Arbeit der Gedanken faßt, sondern es ist durchaus auch materielle Arbeit gemeint, wenn auch „die Erfahrung, die das Bewußtsein hier macht, (…) die von der Geistigkeit aller Handarbeit“ ist (Hans-Georg Gadamer: Hegels Dialektik, Tübingen 1980).

Obwohl bei Hegel der Mensch durch seine Tätigkeit die Natur „negiert“, wird das immerhin durch Hegels Monismus abgeschwächt, demzufolge die Natur letztendlich „entäußerter Geist“ ist. Bei Marx, der Hegel angeblich vom Kopf auf die Füße gestellt hat, fehlt diese untergründige Einheit von Mensch und Natur vollständig. Was bleibt, ist der vollkommen entwurzelte Mensch als Zerstörer der Natur. So betrachtet wirkt der Marxismus wie der sado-masochistische Alptraum eines restlos entfremdeten Nihilisten.

Für Bernd Guggenberg (Weltflucht und Geschichtsgläubigkeit, Mainz 1974) unterscheiden sich die Dialektiken von Hegel und Marx darin, daß bei Hegel dem Willen zur Synthese die Lösung unmittelbar vorliegt, während bei Marx sich der antithetische Wille „erst ihre Möglichkeit und Bedingung erkämpfen (muß), indem er sich dem Universum des Bestehenden entgegengestellt.“ (Man denke in diesem Zusammenhang an Reichs „Funktionalismus“ – der so vollkommen anders als Marx‘ zerstörerische Dialektik geartet ist!) Selbst, bzw. gerade, das angeblich „humanistische“ Aufbegehren gegen den angeblich „unmenschlichen“ Kapitalismus gehört hierher, denn für Marx ist der ausbeuterische Kapitalismus „Natur“, nichts als Natur. Für ihn ist die (im Kapitalismus kulminierende) Natur der Feind, der revolutionär überwunden werden muß. Oder anders (und geistesgeschichtlich korrekt) formuliert: für Marx sind Arbeit und Zerstörung Synonyme. Marxismus ist Emotionelle Pest in Reinform.

Die Arbeit ist bei Marx nicht nur antibiologisch und zerstörerisch angelegt, sie wird auch abgewertet auf das Niveau reiner Maschinentätigkeit. Ausgerechnet diesen Aspekt nimmt Reich jedoch in Schutz, wenn er 1945 schreibt:

Ich hatte eine hohe Meinung von Karl Marx als einem Wirtschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts. Heute jedoch betrachte ich seine Theorie als weit überholt durch die Entdeckung der kosmischen Lebensenergie. Ich glaube, daß von der Marxschen Theorie nur der lebendige Charakter der menschlichen Produktivkraft bestehen bleiben wird. (Menschen im Staat, Stroemfeld 1995, S. 20).

Damit meint Reich die Marxsche Arbeits- und Mehrwerttheorie, wie er sie auf den Seiten 65 bis 69 in Menschen im Staat referiert:

    Arbeitswerttheorie:

  1. Der Wert einer Ware wird bestimmt durch die menschliche Arbeitskraft, die in ihr verausgabt wurde.
  2. Diese wird in durchschnittlicher gesellschaftlicher Arbeitszeit gemessen.
  3. Mehrwerttheorie:

  4. Tauschwert und Gebrauchswert sind bei allen toten Waren identisch, während der Gebrauchswert der lebendigen „Ware Arbeitskraft“ höher ist als ihr Tauschwert.
  5. Die in durchschnittlicher gesellschaftlicher Arbeitszeit gemessene Differenz fällt dem Kapitalisten zu, der dergestalt das Lebendige aussaugt.

Hegel hatte seine dialektische Methode entwickelt, um das starre, atomistische, mechanistische Denken zu überwinden und um die Welt als Komplex, als Ganzheit erfassen zu können. Und wie fängt der famose „Dialektiker“ Marx sein Kapital an? Mit folgendem Satz:

Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine „ungeheure Warensammlung“ (Marx 1859), die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.

Von hier aus versucht er dann baukastenartig sein System aufzubauen, was ihm natürlich nicht gelingen konnte. So ist sein Buch zwangsläufig ein unvollendetes Werk geblieben, das erst dann vollendet werden kann, wenn man die Gesellschaft so primitiv reorganisiert hat, daß sie in Marxschen Begriffen faßbar wird.

Es ist einer der Grundfehler der Mechanisten, gegen den Hegel angegangen ist, daß sie glauben, man könne einen Komplex verstehen, wenn man seine atomistische „Elementarform“ untersucht. Deshalb stand Marx in einer fundamental anderen Denktradition als Reich, nämlich in der der „Geometrisierung des Menschen“, vor der bereits LaMettrie zu Hochzeiten der sogenannten „Aufklärung“ gewarnt hatte (Ursula Pia Jauch: Jenseits der Maschine, München: Hanser, 1998). Diese Linie läßt sich bis zu Henri Bergson führen, dessen Philosophie maßgebenden Einfluß auf den jungen Reich hatte. Bergson wandte sich gegen die mechanistische „Vermessung“ des Menschen, gegen seine Einengung zur Maschine, gegen das, was man als „Entqualifizierung“ bezeichnen könnte. Für den Mechanisten zählt z.B. nur noch die Zeitspanne (Quantität), in der man eine Arbeit verrichtet und nicht mehr, wie man sie verrichtet (Qualität).

Wenn Reich also speziell auf den lebendigen Charakter der Arbeit abhebt, kann er sich nicht auf Marx‘ Arbeitswertlehre berufen, denn wie kann man sinnvoll von lebendiger menschentierlicher Arbeit sprechen, wenn man die Arbeit maschinenhaft auf die reine Quantität der verflossenen Zeit reduziert – wenn man nur von „abstrakter Arbeit“ spricht, wie es Marx mechanisierend und vermeintlich „verwissenschaftlichend“ explizit tut?! Dieses Kernstück der Marxistischen Ökonomie, die Mechanisierung, Quantifizierung, „Geometrisierung“ des Menschen, ist unvereinbar mit dem „Bergsonianismus“ Reichs!

Deshalb irrte sich Reich auch, als er schrieb:

Man wundert sich immer wieder über das sklavische Festhalten des Menschen an Schlagworte, wenn er etwas Neuem gegenübersteht. Zum Beispiel wird Wilhelm Reich als „Marxist“ bezeichnet, trotz seiner diversen veröffentlichten Stellungnahmen. (…) Wenn Wilhelm Reich ein „Marxist“ ist, ist er auch ein „Bergsonianer“. (N.N.: „The Position of Sex-Economy, A Clarification“,International Journal of Sex-economy and Orgone Research, Vol. 4, S. 213)

Das eine schließt das andere aus!

Wenn Reich in seinem Artikel über die Marxsche Arbeitswerttheorie Arbeit und Sexualität als oszillierende Funktionen nebeneinander stellt und beide auf die biologische Energie zurückführt (Menschen im Staat, S. 82), wird dies besonders deutlich. Man versuche nur den folgenden Satz von Marx auf die Sexualität zu übertragen:

Komplizierte Arbeit gilt nur als potenzierte, oder vielmehr multiplizierte einfache Arbeit, so daß ein kleines Quantum komplizierter Arbeit gleich einem größeren Quantum einfacher Arbeit.

Was ist das anderes als der lebenstötende mechanistische Ansatz von Sexualforschern wie etwa Masters und Johnson, wenn diese etwa den menschlichen Orgasmus zu erfassen versuchen?!

Marx und die Orgonbiophysik (Teil 1)

30. Oktober 2015

Es ist traurig, aber kaum überraschend, daß Marx nach wie vor aktuell ist. Beispielsweise neulich in meinem Beisein ein Gespräch zwischen drei Polizeibeamten aus dem höheren Dienst: Es könne doch nicht angehen, daß man selbst als überdurchschnittlich gut Verdienender seinen drei Kindern kaum etwas bieten könne. Daran schloß sich dann eine kurze Diskussion über die Ungerechtigkeiten der Einkommensverteilung an, bis schließlich einer der drei einwirft, er habe neulich in Marx‘ Das Kapital gelesen und es müsse doch möglich sein, die Gesellschaft gerechter zu organisieren.

Reich wurde bei seinem Denken über die Arbeitsenergie entscheidend von Karl Marx beeinflußt. Noch 1953 veröffentlichte er in seiner politischen Autobiographie Menschen im Staat einen 1936 verfaßten Aufsatz über „Die lebendige Produktivkraft – Arbeitskraft – bei Karl Marx“. Also war er, was sich auch aus einer Erwähnung von Marx in seiner Petition ans Oberste Gericht von 1956 schließen läßt, bis ans Ende seines Lebens von der Marxschen Arbeitswert- und Mehrwerttheorie überzeugt. Er glaubte, daß Marx‘ Theorie vom „lebendigen Charakter der menschlichen Produktivkraft“ als „eine der größten Taten, die je vom menschlichen Denken vollbracht wurde“, bestehenbleiben werde, sie sei nämlich identisch mit der „’Arbeitsfunktion der biologischen Energie‘ der Orgonbiophysik“.

Nichts kann weiter von der Wahrheit entfernt sein, denn Marx‘ Arbeitswertlehre ist ein krudes mechano-mystisches Konstrukt. Zwar rechnete Reich schließlich auch Marx das zu, was er 1943 als „biologischen Rechenfehler im menschlichen Freiheitskampf“ bezeichnet hat, aber Reich irrte sich, als er behauptete, dies wäre zwangsläufig so gewesen, weil zu Marx‘ Zeiten Freuds spätere Entdeckungen noch unbekannt gewesen seien. Hier sei nur an die von Bernd Laska im Rahmen des LSR-Projekts eruierte Verdrängung der Einsichten Stirners durch Marx erinnert, die um das Problem der psycho-strukturellen Freiheitsunfähigkeit des Menschen kreiste: das, was Freud später „Über-Ich“ und Reich „Panzerung“ nennen sollte.

Woher kam eigentlich der Marxismus und warum wurde er formuliert? Die erste Auseinandersetzung findet sich in Die deutsche Ideologie, in der es in erster Linie um eine Auseinandersetzung mit Max Stirner ging. Stirner hatte behauptet, daß alles, wirklich alles, vom Individuum abhängt. Marx versucht zu zeigen, daß es von wirtschaftliche Zwängen und vor allem Klasseninteressen bestimmt wird. Damit wird auch Stirners eigentlicher Hauptpunkt obsolet, nämlich daß mein Ich gar nicht mein richtiges Ich ist, sondern von „verinnerlichten Hierarchien“ bestimmt wird, von denen es sich zu befreien gilt.

Marx setzte gegen diesen (vermeintlichen) Idealismus die ehernen Gesetze der Ökonomie und die Zwänge des Klassenkampfes. Sie würden den Menschen derartig bestimmen, daß für Stirners Konzept nicht nur kein Platz bleibt, sondern Stirner selbst als Spielball dieser Kräfte und letztendlich als Klassenfeind entlarvt wird.

Marx‘ Lösung der menschlichen Malaise war es, den Klassenkampf des produzierenden Proletariats gegen die akkumulierende Bourgeoise bis zum Ende durchzufechten. Am diesem Ende stünde eine Gesellschaft, die nicht vom komplizierten Geflecht der Warenproduktion bestimmt wird, sondern in der die Menschen unmittelbar die Früchte ihrer Arbeit genießen könnten. Zunächst werden Bezugsscheine nach erbrachten Arbeitsstunden verteilt, später, wenn sich die Menschen endgültig vom kapitalistischen Ungeist befreit haben, nach den Bedürfnissen des Einzelnen. Daß bei diesem „Emanzipationsprozeß“ nichts vom Individuum übrigbleibt, sondern es vollständig in der Gesellschaft aufgeht, d.h. von verinnerlichten Hierarchien bestimmt wird, ist offensichtlich. Genauso offensichtlich ist, daß Stirner und Reich funktionell eins sind!

Die Unvereinbarkeit von Reich und Marx wird insbesondere deutlich, wenn man Marx direkt von einer sexualökonomischen Warte aus betrachtet:

Der Sozialismus in England und auf dem Kontinent scheint die bürgerliche Respektabilität eher unterstützt als angegriffen zu haben. Während Marx und Engels zwar die patriarchalische Familienstruktur ihrer Zeit durch eine Familie ersetzen wollten, die auf Liebe und größere Gleichheit gegründet war, achteten sie doch zugleich darauf, die Grenzen der Respektabilität zu wahren. Beispielsweise verwarfen sie ausdrücklich die libertäre Sexualmoral des Anarchisten Max Stirner. (George L. Mosse: Nationalismus und Sexualität. Bürgerliche Moral und sexuelle Normen, München 1985, S. 230)

Was Reichs angeblichen „Marxismus“ betrifft, meint der Marxist Helmut Kentler:

Mit seiner „Naturphilosophie“ brachte sich Reich nicht nur in Gegensatz zu Freud, sondern auch zu Marx. Für Freud wie für Marx nämlich war die Inadäquatheit von Mensch und äußerer Natur eine Grundtatsache, und darum konnte für sie immer nur die Geschichte die wahre Naturgeschichte des Menschen sein. (Sexualwesen Mensch, Hamburg 1984)

Man denke in diesem Zusammenhang etwa an Reichs Rede von der „Entdeckung der natürlichen biologischen Arbeitsdemokratie“ (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 26).

Reichs Gegensatz zu Marx dokumentiert Kentler, indem er die beiden Fassungen von Reichs Einbruch der sexuellen Zwangsmoral von 1935 und 1952 (in Großschrift) miteinander vergleicht:

  • Marxsche Soziologie – ÖKONOMISCHE SCHRIFTEN VERSCHIEDENER RICHTUNGEN ANGEHÖRENDER AUTOREN
  • während die materielle Not nur die beherrschte Klasse erfaßt – WÄHREND DIE WIRTSCHAFTLICHE NOT NUR EINEN KLEINEN TEIL DER GESELLSCHAFT ERFASST
  • im Proletariat – UNTER DEN VERARMTEN
  • die privatwirtschaftliche Gesellschaft – DIE AUF DER HERRSCHAFT DES GEPANZERTEN MENSCHEN BASIERTE GESELLSCHAFT
  • kapitalistisch – PATRIARCHALISCH-AUTORITÄR
  • urkommunistisch – UR-ARBEITSDEMOKRATIE
  • privatwirtschaftlich – AUF ARBEIT ALS HANDELSWARE BASIERT
  • Privat- und Warenwirtschaft – MENSCHLICHE ABHÄNGIGKEIT
  • das Kapital und seine Ordnung – DIE GROSSUNTERNEHMER UND DER STAAT
  • proletarische Revolution – UMSTRUKTURIERUNG DER MASSEN
  • Kapital – PFEILER DER REAKTIONÄREN GESELLSCHAFT DER HIERARCHIE IN STAAT, KIRCHE UND UNTERNEHMERTUM
  • bürgerliche Sozialpolitiker – REAKTIONÄRE SOZIALPHILOSOPHEN
  • Interesse am Privatbesitz im Anfang der Klassengesellschaft – SOZIALE STRATIFIZIERUNG
  • Wegfall der Warenwirtschaft – ENTWICKLUNG IM 20. JAHRHUNDERT

Ich selbst habe die ersten Kapitel der beiden Fassungen der Massenpsychologie des Faschismus miteinander verglichen (Reichs Berichtigungen von Anfang der 1940er Jahre in Großschrift):

  • in einer ökonomisch zur Sprengung der kapitalistischen Produktionsweise reif gewordenen Phase – IN EINER, WIE DIE MARXISTEN BEHAUPTETEN, „ÖKONOMISCH ZUR…“
  • die junge sexualpolitische Bewegung – DIE JUNGE BEWEGUNG DER ARBEITSDEMOKRATISCHEN SEXUALÖKONOMIE
  • wirtschaftspolitische Ziele der Arbeiterbewegung – WIRTSCHAFTSPOLITISCHE ZIELE DER NATÜRLICHEN ARBEITSDEMOKRATIE
  • Antikapitalisten – REVOLUTIONÄRE
  • wissenschaftlicher Sozialismus – WIRTSCHAFTSLEHRE DES SOZIALISMUS
  • bürgerliche Erfassung der Wirklichkeit – REAKTIONÄRE ERFASSUNG DER WIRKLICHKEIT
  • revolutionäre Praxis – BEWÄLTIGUNG DES REAKTIONÄREN
  • sozialistische Praxis – REVOLUTIONÄRE PRAXIS
  • marxistische Forschung – SOZIOLOGISCHE FORSCHUNG
  • Klassensituation – ARBEITSSITUATION
  • Hemmung der Entwicklung des revolutionären Bewußtseins – HEMMUNG DER SOZIALEN BEWUSSTHEIT
  • Klassenbewußtsein – SOZIALES VERANTWORTUNGSBEWUSSTSEIN
  • bürgerliche Gesellschaft – AUTORITÄRE GESELLSCHAFT
  • bürgerliche Wissenschaft – KONSERVATIVE LEBENSANSCHAUUNG
  • privatwirtschaftliche Gesellschaft – PATRIARCHALISCH-AUTORITÄRE GESELLSCHAFT
  • kapitalistische Interessen – AUTORITÄRE INTERESSEN

Reich zufolge wird der besagte biologische Rechenfehler, der auch Marx unterlaufen ist, durch folgende Maximen gekennzeichnet:

„Weg vom Tier; weg von der Sexualität!’ sind die Leitsätze aller menschlichen Ideologiebildung. Gleichgültig, ob es ein Faschist in die Form des rassisch reinen „Übermenschen“, ein Kommunist in die Form der proletarischen Klassenehre, ein Christ in die Form der „spirituell-moralischen Natur“ des Menschen oder ein Liberaler in die Form der „höheren moralischen Werte“ kleidet. (Massenpsychologie des Faschismus, S. 300)

In Menschen im Staat (Stroemfeld 1995, S. 72) konstatiert Reich bei Marx konkret ein „Unverständnis für die biologische Verwurzelung des Menschen, für seine Triebbestimmtheit.“

Nachdem Reich diese entscheidende Lücke bei Marx beklagt, setzt er auf eine kaum nachvollziehbare Weise dessen „lebendige Arbeitskraft“ mit der „‘Arbeitsfunktion der biologischen Energie’ der Orgonbiophysik“ gleich! Reichs Mißgriff ist allzu offensichtlich, denn einerseits ist am Marxschen Arbeitsbegriff nichts biologisch. Ganz im Gegenteil hat Marx wie kaum ein anderer die Arbeit von der Biologie des Menschen und der „natürlich biologischen Arbeitsdemokratie“ der Gesellschaft getrennt. Und zweitens liegt bei Marx keine Aufwertung, sondern im Gegenteil eine Abwertung der menschlichen Arbeit vor.

„Kapitalistische Reichianer“ (Teil 2)

3. März 2015

Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre setzte sich Reich im Rahmen einer „Marxistischen“ „politischen Sexualökonomie“ fast ausschließlich mit der Pathologie des rechten Spektrums auseinander. Dabei wollte er insbesondere erklären, warum die „Massen“ nicht die Ideologie der „herrschenden Klasse“, die zur Ideologie der gesamten Gesellschaft geworden war, spontan von sich abtaten, „der wirtschaftlichen Entwicklung gemäß ein revolutionäres Klassenbewußtsein entwickelten“ und die „Ausbeuterklasse“ aus ihrer Machtstellung beseitigten.

Reich konnte das Ausbleiben dieser revolutionären Umwälzung damit erklären, daß wohl die ökonomische Unterdrückung in die Rebellion führe, die damit aber verbundene sexuelle Unterdrückung das genau gegenteilige Ergebnis zeitigte. Die sexuelle Unterdrückung würde autoritätshörige Menschen erzeugen, die aktiv die Interessen ihrer Unterdrücker verfechten. Die Agentur dieser charakterlichen Verformung durch sexuelle Unterdrückung ist die Familie, deren Erhalt deshalb der Kern jedweder konservativen Gesellschaftsdoktrin sei. Darüber hinaus sei erst der sexuell verkrüppelte Mensch überhaupt in der Lage, die entfremdete Fabrikarbeit zu leisten. Daß diese strukturelle Umformung auch weitere neurotische Symptome bedingt, die durchaus ungewollt sind, da sie die Arbeitsfähigkeit letztlich doch untergraben, ist ein nicht zu vermeidendes Nebenprodukt.

Eben wegen dieses letzten Punktes ist Reichs Kritik am Kapitalismus hinfällig geworden und hat sich in eine des Sozialismus verwandelt. Der entwickelte Kapitalismus benötigt kreative, innovative Mitarbeiter, keine menschlichen Automaten, die stur einen festgesetzten Plan erfüllen. Demgemäß war ja auch die sexuelle Unterdrückung in sozialistischen Wirtschaftssystemen weit größer als in kapitalistischen.

In seiner Schrift Die natürliche Organisation der Arbeit zeichnete sich 1939 Reichs Bruch mit der sozialistischen Bewegung ab, um sich in Weitere Probleme der Arbeitsdemokratie 1941 ganz zu vollenden. Am 7. November 1940 schrieb Reich an Neill, er fühle sich, was seine bisherigen sozialistischen Ansichten beträfe, „völlig verunsichert“ und er tendiere dazu,

das meiste zu revidieren, was ich je in Europa darüber gelernt habe, was Sozialismus sein könnte oder sollte. Ich kann nur hoffen, daß die Grundlagen meiner fachlichen Arbeit mich davor schützen, reaktionär zu werden. Wenn man Sozialisten und Kommunisten, die hier herübergekommen sind, sagen hört, daß Roosevelt ein Diktator oder Faschist sei, dann dreht sich einem einfach der Magen um. Ich fange an, sie zu hassen. Sie erscheinen mir ausgesprochen schädlich mit ihrer völligen Unfähigkeit, einen Gedanken zu Ende zu denken oder irgendeine Arbeit zu tun. Aber es kann sein, daß dies Gefühl zum Teil nichts als Enttäuschung ist.“ (Hervorhebungen hinzugefügt)

Doch schon 1942 sollte Reich im Vorwort zur Massenpsychologie des Faschismus die Grundlage für die objektive Bewertung linker Politik schaffen, indem er den falschen Liberalismus auf die oberflächliche, verlogene Charakterschicht zurückführte.

Heute, 70 Jahre später, geht es schlicht darum, was den Zielen der Orgonomie (= die individuelle und gesellschaftliche Selbststeuerung) näher steht: die libertär-kapitalistische eigentümlich frei oder all die krypto-kommunistischen Medien, die in einem Land gegen „die Auswüchse des Neo-Liberalismus“ wettern, dessen Staatsquote und Sozialleistungen (in denen Deutschland ungeschlagen Weltspitze ist) es zu einem de facto sozialistischen Land machen.

Was soll ich tun? Für noch mehr „Arbeitnehmerrechte“ eintreten? Damit noch weniger Leute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben! Für mehr Mieterrechte? Damit der Wohnungsmarkt weiter schrumpft! Für mehr Konsumentenrechte? Damit unser aller Leben noch komplizierter und bürokratisierter wird! Mehr Mitbestimmungsrechte im Betrieb? Damit die politische Pest weiter um sich greift! Höhere Besteuerung der Reichen? Um die Kapitalflucht und das Auswandern der Leistungsträger zu fördern! Soll ich gegen die Ausgrenzung älterer Arbeitnehmer wettern? Damit würde ich für noch mehr Antidiskriminierungsgesetze eintreten! Soll ich in den allgegenwärtigen „Antiautoritarismus“ einstimmen und „gegen die da oben“ wettern? Also das tun, was ohnehin alle tun! Soll ich (gegen meine Überzeugungen) gegen die „Zinsknechtschaft“ anschreiben oder Marx Mehrwerttheorie vertreten?

Nein, ich ziehe es vor mit „Libertär-Kapitalisten“ wie Hayek, Mises und Rothbard gegen das planwirtschaftliche System der Zentralbanken und die politische Korruption der Großindustrie „anzugehen“.

Dabei bin ich mir mit Adam Smith durchaus bewußt, daß es der Natur des Kapitalismus entspricht wirklich aus allem „Kapital zu schlagen“ und seien es Heroin oder Kinderpornos. Deshalb war Smith durchaus für einen starken und schlagkräftigen Staat, der gegen das vorgeht, was Reich später als „Emotionelle Pest“ bezeichnet hat. Je mehr der Staat in dieser Hinsicht überflüssig wird, desto mehr nähern wir uns einer Arbeitsdemokratie an.

Die anhaltende Weltwirtschaftskrise spiegelt unser tragisches Leben in der Falle wider:

Einerseits ringen die Massen darum, daß alles noch bürokratisierter und gesellschaftlich immobiler (gepanzerter) wird und schaden sich durch das Abwürgen der Arbeitsenergie nur selbst, da die Produktion des Reichtums immer weiter erschwert wird. (Wenn man die Staatsquote von formal fast 50% und real 70% betrachtet, sind wir bereits ein sozialistisches Land! 80% der Parlamentarier sind eh Beamte. Der Asozialstaat verschlingt schon mehr als die Hälfte des Etats. Vor 20 Jahren gab der Bund 90 Milliarden Euro für Asolziales aus, heute sind es 150 Milliarden!) Andererseits haben die Massen durchaus recht, wenn sie gegen „die da oben“ anrennen, denn der gesellschaftliche Reichtum wird von der Nomenklatura immer mehr monopolisiert und sinnlos verpulvert. Man denke nur an den ungeheuerlichen Betrug, dem Kleinaktionäre in den letzten Jahren zum Opfer gefallen sind. Vom Betrug mit dem Euro und an den Kleinsparern wollen wir gar nicht erst reden.

Doch auch hier schädigen sich die Massen mit ihrem Engagement nur selbst, denn sie fordern die Verschärfung genau dessen, was Ursache der Misere ist: die „Kontrolle der Finanzmärkte“, letztendlich Planwirtschaft. Dabei ist die Ausbeutung nur möglich, weil Geld heute gar keine echte Ware ist, sondern planwirtschaftlich, d.h. mafiös verwaltet wird. Dieser Bereich ähnelt der strukturellen Mißwirtschaft in der ehemaligen UdSSR und erodiert entsprechend unsere Wirtschaft langsam aber sicher (vgl. Ökonomie und Sexualökonomie).

Symptomatisch für die umrissene Falle ist der vor drei Jahren verstorbene Ökonom Milton Friedman.

Konservative, insbesondere in den angelsächsischen Ländern, können sich in ihren Lobreden für diesen „Champion der Freiheit und Demokratie“ kaum überbieten. Der Student der Orgonomie kann bei Friedman über ein Phänomen sinnieren, das Reich in Äther, Gott und Teufel diskutiert hat:

Mit neurotischer Zwanghaftigkeit geht der Mensch immer wieder in die Irre, weil er eine panische Angst davor hat, folgerichtig zu denken. Stattdessen bleibt er immer an irgendeinem „Absoluten“ hängen, an dem sich dann von neuem das alte Elend kristallisiert und mit frischer Kraft perpetuiert. Es ist wie mit der Panzerung: die Energie fließt, bis sie an einem bestimmten Punkt ins stocken gerät.

Beim Friedmanschen „Monetarismus“ war es die sozialistische (sic!) Bewirtschaftung des Geldes. Die Wirtschaft soll vollkommen frei sein, aber ausgerechnet das Geld, das Lebensblut der Wirtschaft, habe einer strengen planwirtschaftlichen Regulierung unterworfen zu sein! Jene Völker, die in die richtige, und d.h. die kapitalistische, Richtung gehen, werden auf diese Weise immer weiter ins sozialistische Elend getrieben und die Linken können ihren Finger auf das Amok laufende „Finanzkapital“ richten, das Scheitern des Kapitalismus konstatieren und, wie gegenwärtig in Südamerika, ausgerechnet den Sozialismus als Alternative preisen.

An diesem Beispiel wird auch deutlich, daß es ziemlich gleichgültig ist, wie man sich selbst ideologisch einordnet oder von anderen eingeordnet wird. Man kann „Friedmanianer“ und trotzdem ein pseudoliberaler modern liberal character (ein Kommunist) sein, der alles tut, um die kapitalistische Gesellschaft in den Untergang zu treiben.

„Freudo-Marxismus“ (Teil 3)

14. Januar 2015

Das Über-Ich ist, so Reich, „Vertreter der versagenden Person bzw. der Forderungen der Gesellschaft im Ich“ (Charakteranalyse, KiWi, S. 284). Es ist „ein fremder, der drängenden und drohenden Außenwelt entlehnter Bestandteil“ (S. 219). In diesem Sinne, d.h. weil beide eine Verarbeitung des Ödipus-Komplexes sind, ist, wie Elsworth F. Baker in Der Mensch in der Falle geschrieben hat, das Über-Ich funktionell identisch mit dem Panzer. Reich:

Dieser Charakter des Ichs baut sich aus Elementen der Außenwelt, aus Verboten, Triebeinschränkungen und Identifizierungen verschiedenster Art auf. Die inhaltlichen Elemente des charakterlichen Panzers sind also äußerer, gesellschaftlicher Herkunft. (ebd., S. 220)

Oder wie Reich in dem von Freud so sehr inkriminierten Aufsatz über den Masochismus schrieb: das Leiden kommt „aus der Außenwelt, aus der Gesellschaft“ (S. 289).

Freud konnte das nicht akzeptieren, schob Reichs damaligen „Kommunismus“ vor, um seine Ablehnung zu rechtfertigen, doch tatsächlich ging es ihm einzig darum, daß das Leiden von Innen kommt, durch den biologisch bedingten und unabwendbaren Ödipus-Komplex und den Todestrieb oder zumindest durch eine Triebstruktur, die dem friedlichen Zusammenleben und dem Glück des Menschen entgegenstehen. Beispielsweise ist das Über-Ich nichts anderes als vom Todestrieb gespeister Selbsthaß, während der Gegenspieler des Todestriebes, der Eros (sic!), den antisozialen Narzißmus speist (siehe Freuds Das Ich und das Es). Das Leben, ein mörderischer Alptraum! Die beiden Psychoanalytiker Bela Grunberger und Janine Chasseguet-Smirgel bringen dieses psychoanalytische Lebensgefühl wie folgt zum Ausdruck: „Die Existenz eines natürlichen Sozialtriebs biologischer Natur erscheint uns äußerst hypothetisch“ (Freud oder Reich?, Frankfurt 1979, S. 181).

Man frägt sich unwillkürlich, in was für einer Welt solche Leute leben! Während der Aggressionstrieb, Feindschaft und Ambivalenz für sie den Kern der menschlichen Natur ausmachen, erscheint ihnen Freundschaft, Kameradschaft, Liebe als etwas dem Menschen Fremdes und den Kindern Aufgezwungenes. Entsprechend steht die genitale Umarmung für Grunberger und Chasseguet-Smirgel auf der gleichen qualitativen Ebene wie eine Diarrhö, nur daß sie etwas komplexer ist:

Wir glauben in der Tat, daß der Orgasmus an sich noch keine besondere Bedeutung hat. Es handelt sich bei ihm um eine einfache Abfuhr von Spannungen, welche in Wirklichkeit nichts anderes ist als eine Entleerung (Alexander spricht von einer „Entwässerung“), selbst wenn die betreffenden Spannungen weitaus komplexerer Natur sind als die rein analen Spannungen. Wenn es infolgedessen beim Orgasmus vor allem darum geht, sich aus der Umklammerung des Feindes zu lösen [den Autoren zufolge ist der Paranoiker, also Reich, psychoanalytisch betrachtet, „im Rektum seines Verfolgers gefangen“, PN], so scheint es ein Fehler zu sein, ihm in der Genitaltheorie eine solch entscheidende Rolle zu übertragen, besonders dann, wenn diese Theorie von der Vollendung der psychosexuellen Entwicklung auf allen Ebenen [also nicht nur der analen, PN] handelt. (Grunberger und Chasseguet-Smirgel, ebd., S. 125f)

Was bei Reich die Funktion des Orgasmus ist, ist, wie bereits in Teil 1 dargelegt, bei diesen Freudisten das Gehirn, in das sie sich flüchten. Freud:

Es ist unsere beste Zukunftshoffnung, daß der Intellekt – der wissenschaftliche Geist, die Vernunft – mit der Zeit die Diktatur im menschlichen Seelenleben erringen wird. (z.n. ebd., S. 146)

Wo Es war, soll Ich sein! Grunberger und Chasseguet-Smirgel fahren (na ja…) ganz richtig fort:

Auf diesem Hintergrund erscheint nun das Werk von Reich als Einbruch des Irrationalen in die Psychoanalyse und – in gewisser Hinsicht – in den Marxismus. Gleichzeitig ist es aber, gewiß unbewußt, ein Werk der Destruktion beider Systeme. (ebd.)

Was bei Grunberger und Chasseguet-Smirgel bleibt, ist Resignation, Zynismus, ein Leben ohne jede Freude und das Gefühl intellektueller Überlegenheit – was verdammt an das erinnert, was bisher stets am Ende der Marxistischen Theorie stand: eine tote, „wertlose“ Welt – und die Illusion, die Welt (den „Warenfetisch“) durchschaut zu haben. Das Motiv ist jeweils die tiefsitzende Lebensangst und der Lebenshaß des typischen „Intellektuellen“. Reich sprach von „intellektueller Abwehr“.

Vor dem klassenfremden Intellektuellen Marx ging es der Arbeiterbewegung einzig und allein um Macht. Ein Machtkampf um gerechte Löhne zwischen „Arbeit“ und „Kapital“. Das erinnert an den ständigen Bürgerkrieg zwischen der Legislative und Exekutive in einer Demokratie. Jedenfalls in einer Demokratie mit einer funktionierenden Gewaltenteilung wie in Amerika. (Deutschland ist infolge seiner obrigkeitsstaatlichen Tradition in dieser Beziehung ein vollkommener Saustall!)

Die Marxistische Mehrwerttheorie sagt aus, daß der Kapitalismus grundsätzlich falsch ist, unabhängig von den jeweiligen Zuständen in einem kapitalistischen Land. Demnach sind „Arbeitskämpfe“ aus Marxistischer Sicht vollkommen sinnlos. Wie Trotzki ausgeführt hat: auch wenn jeder einzelne Arbeiter einen Lohn erhält, der ihn zum Millionär macht; solange der von den Arbeitern erwirtschaftete Mehrwert in der Tasche der Kapitalisten verschwindet, ist das System ausbeuterisch.

In diesem Sinne hat die Arbeitswerttheorie, aus der die Mehrwerttheorie hervorgeht, eine einzige Funktion: die Delegitimierung privater ökonomischer Betätigung. In diesem Sinne ist sie Roter Faschismus. In einer abwegigen Wendung ist sie sogar Schwarzer Faschismus, denn Engels (und damit automatisch auch sein Parasit Marx) war selbst Kapitalist. Engels argumentierte, daß er (getreu der Marxistischen Gesellschaftsanalyse) nichts tun könne, um das Los seiner eigenen Arbeiter zu verbessern, denn deren Lage sei dem Kapitalismus an sich zuzuschreiben. (Die perfekte Rechtfertigung für Ausbeutung, die später von den Kommunisten in den „staatskapitalistischen“ Ländern auf die Spitze getrieben wurde.)

Abgesehen davon gibt es zumindest ein Sache, die zu Gunsten der Arbeitswerttheorie spricht: bis heute kann die „bürgerliche“ Ökonomie nicht erklären, wie überhaupt „Wert“ entsteht. Marx zufolge ist er die „geronnene“ lebendige Arbeit des kollektiven Arbeiters. Die „bürgerliche“ Ökonomie hat dem hingegen Konzepte, wie dem vom individuellen „Geistkapital“ vorgebracht, d.h. die unternehmerische Initiative und Expertise. Reich selbst, der in dieser Hinsicht stark von Marx beeinflußt war, macht sich zu recht über die Vorstellung lustig, Wert würde irgendwie durch den Handel geschaffen.

abstrueberWahrscheinlich kann das Rätsel, wie Wert produziert wird, nur durch Reichs Entdeckung der kosmischen Überlagerung bzw. ihrer orgonometrischen Formulierung gelöst werden.

Durch Beseitigung der Kapitalisten als Klasse und damit der „geistigen Produktivkraft“ wird die Erschaffung von Wert unmöglich gemacht (wie die Geschichte des Kommunismus plastisch vor Augen geführt hat). Das gleiche läßt sich sagen, wenn die „lebendige Produktivkraft“ der Arbeiterklasse zerstört wird, wie gegenwärtig beim Zerfall der liberalen Gesellschaft (Drogen, Hartz IV, die Jugend-„Kultur“, der generelle sittliche Verfall im allgemeinen und der Arbeitsmoral im besonderen). Charakteristischerweise fördern Marxisten diesen Zerfall, um die „Aufhebung“ des Kapitalismus voranzubringen.

Was also ist Wert? Es ist das „A“ in der obigen Gleichung: das Produkt der Überlagerung von Kapital und Arbeit. Dieses Produkt „A“ ist dabei eine mittelbare Fortführung der kosmischen Orgonenergie „N“: „geronnene Orgonenergie“, wenn man so will. Marx hat alles getan diese „Wertschöpfung“ zu verunmöglichen.