Goethes Funktionalismus

Das menschliche Gehirn erkennt auf Bildern andere Lebewesen weitaus schneller und zuverlässiger als tote Gegenstände. Forscher um Joshua New von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara zeigten Probanden jeweils zwei Bilder ein und derselben Szene, die sich nur durch ein Detail unterschieden. Beispielsweise ein Elefant bzw. ein Auto in einer afrikanischen Savannenlandschaft, eine Kaffeetasse auf einem Schreibtisch oder eine menschliche Gestalt in einer Urwaldszene. Für jedes Bildpaar ermittelten die Forscher, ob und wie schnell die Probanden die Veränderung bemerkten. Dabei zeigte sich durchweg ein großer Unterschied zwischen toten Gegenständen und Lebewesen, selbst wenn die ersteren viel kleiner waren und sich mit deutlich weniger scharfen Kontrasten vom Hintergrund abhoben. Das Getreidesilo auf dem Bild einer Landschaft oder die Kaffeetasse auf dem Schreibtisch registrierten die Probanden bei weitem nicht so schnell wie eine vergleichsweise winzige Taube in einer Marktszene oder die menschliche Gestalt im tropischen Regenwald. Gerade die im Vergleich zu Lebewesen langsame Erkennung von Autos spreche dafür, so die Wissenschaftler, daß die Unterschiede nicht auf erlernten Fähigkeiten beruhen, sondern angeboren sind, denn für die meisten Menschen wäre es heute wohl eher ein Vorteil, Autos schnell zu erkennen. Eine Fähigkeit, die wir im Alltag ständig trainieren.

New und seine Kollegen erklären die Ergebnisse natürlich evolutionsbiologisch: unsere Vorfahren hätten vor Raubtieren auf der Hut sein müssen und wären vom Jagderfolg abhängig gewesen.

In Äther, Gott und Teufel beschreibt Reich den Animismus als natürlichen Geisteszustand. Die toten „mechanischen“ Gegenstände um uns herum sind unserem Wesen derartig fremd, daß wir sie “beseelen”. Durch die Dominanz der evolutionistischen Herangehensweise wurde diese „Goetheanische“ Betrachtungsweise fast vollständig verdrängt.

Dazu ein sehr interessanter Film auf YouTube in vier Teilen:

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5 Antworten to “Goethes Funktionalismus”

  1. Manuel Says:

    Vorsicht vor falschen Propheten!
    Nietzsche, der in seinem Studierzimmer im Elfenbeinturm impotente Träume vom Übermenschen („Superman“!) zusammendelirierte, war die zweite Hälfte seines Lebens ein Pflegefall, in der Obhut von Mutti, die er so gehasst hat. Da er sich sonst aber keine Freunde und Freundinnen gemacht hatte, musste er zurück in den Schoß der Familie, gegen die seine philosophische Gewaltphantasien eigentlich gerichtet waren ( aus meiner Sicht und zB. aus der Sicht von Alice Miller).
    Goethe wird von den Moslems als einer der ihren vereinnahmt, und das Lieblingsgedicht scheint mir von der Wiedergeburt zu handeln – als Opportunist hat er halt allen Göttern gehuldigt, je nach dem, was gerade en vogue war… naja, das ein oder andere gute Gedicht ist da nebenbei auch bei raus gekommen, ok.

  2. Denis Roller Says:

    Also ich seh das ähnlich und doch anders: Nietzsche und Goethe waren, ähnlich wie Reich und Jesus, und (viel zu) wenige andere, herausragende Heroen eines „roten Fadens“ der „(Geistes-)wissenschaftlichen Geschichte des Lebendigen“, oder mit anderen Worten: authentische Vertreter der Orgonomie. Und sie waren allesamt, wie jeder von uns, Opfer ihrer Zeit und deren gesellschaftlichen Umständen und Horizonten, sowie der Überlieferung und nachträglichen Interpretation preisgegeben- wir kennen sie nicht als Zeitgenossen, aber ihre Worte sind Lebensbrunnen. Mit echtem „Seltenheitswert“. Und zeitlosem Weisheits- und Wahrheitsgehalt. … Ist es nicht schade, dass die gesamte griechische Philosophie so wenig „für das Leben“ gedacht hat? Von vorsokratischen „Perlen“ und den optimistischen Charakterstudien von Aristoteles mal abgesehen. Und in Indien sieht’s nicht besser aus. Oder in China. Zum Großteil wurde doch in den Kreisen der Denker historisch das „Sterben lernen“ betrieben- Philosophie als „intellektuelle Panzerung“ gegen das Leben. Klar, Jesu Rache-, Droh- und Höllepredigten sind zum Kotzen (vorausgesetzt man hat als wirklich gläubiger Christ das richtige Verständnis für ihren „Kern- gehalt“, dann versteht man nämlich, dass bspw. das Licht der Welt/ das lebendige Leben Dich tatsächlich in die Hölle verbannt, wenn Du Dich dagegen panzerst anstatt ihm nachzufolgen), Nietzsches chronische Panzerung „gegen“ das Leben aus dem Motiv „für“ das Leben heraus ist blauer Faschismus pur, Goethes „das Lebend’ge will ich preisen, das nach Flammentod sich sehnet“ erinnert mich schon wieder an einen „untherapierbaren Haken“, an einen „Christusmord im Geiste“: das Lebendige sehnt sich nicht nach Flammentod, Herrgott nochmal! Nur die sekundäre Schicht, die zwischen Kern und Fassade vermittelt und mit solchen „Slogans“ Eindruck schinden will, weil sie keine bessere Sprache für das Lebendige findet… Und das Reich ein „Superman“ mit „unendlicher Jugend- Energie“ war, zu jedem Konflikt bereit, nicht immer „weise“ und vor allem nicht „diplomatisch“, leider auch manchmal „polemisch“ wirkend und wahrscheinlich mit seinen Entdeckungen teilweise überfordert war bis zum Abwinken (seien es gesellschaftliche Umwälzungen und seine Kontakte zu Sozialismus, seine Loslösung von Freud, sein Hilfesuchen bei der US- amerikanischen Regierung, die ihn später verriet, seine theologischen Interpretationen der Orgonenergie oder seine Begegnungen mit Aliens), so war er dennoch, genau wie die anderen drei vor ihm, ein wahrer „Superman“. … Es geht um das „CFP“ des Denkens über das Lebendige… Man zähle mal ganz ehrlich nach… In der Geschichte „wimmelt“ es von „Hirngewixe“ aller Art… Und es gibt nur wenige „echte“ Denker des Lebendigen. Die einem medial überfoderten „Alltags- Hirn- Wixer“ wie unsereiner auch eine echte „Orientierung“ und „Hilfe“ durch zeitlose Gedanken bieten können. Und (!), nicht zu unterschätzen, die einen die Bibel, das alte, wie das neue Testament, neu zu verstehen verhelfen- nämlich als zeitloses Plädoyer „für“ das Leben, was man als allgemeiner „Hirn- wixer“ ohne wirkliches „Tun“ leider nie begreifen wird, weil man dabei an oberflächlichen Widersprüchen und Ekelhaftigkeiten ohne wirkliches Tiefenverständnis der Texte (nämlich ohne eigenen „Kern- Kontakt“), hängen bleibt.

  3. Peter Nasselstein Says:

    Phantastische Sammlung von Goethe-Zitaten:

    http://www.commonwood.de/SPIRIT/goethe.htm

  4. O. Says:

    Weniger phantastisch hingegen das, was der Hessische Rundfunk kürzlich zu berichten wusste: Goethe wurde zu einer Gesetzesveränderung um sein Urteil gefragt, was ausschalg auf die folgende Gesetzgebung hatte. Sollen Frauen, die eine Abtreibung vorgenommen haben weiterhin mit dem Tode bestraft werden? Die beiden anderen gefragten Personen hatten unentschieden gestimmt (sich für und dagegen entschieden) und Goethe gab den Ausschlag: Er stimmte für die Bestrafung – d. h. die Fortsetzung der Todesstrafe für junge Frauen, die in ihrer (meist wirtschaftlichen) Not keine andere Wahl hatten.

    Dem Nachsteigen des Gretchen von Faust bekommt somit auch eine neue Bedeutung. Und im richtigen Leben konnte er sich seinen Affären so schnell entledigen, wenn er sie geschwängert hatte.

  5. stephan Says:

    Abschlussbewegungen: Goethe, Freud, and Spectral Forms of Life

    https://www.academia.edu/39610220/Abschlussbewegungen_Goethe_Freud_and_Spectral_Forms_of_Life?email_work_card=view-paper

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