Posts Tagged ‘Goethe’

Das Tor zur Hölle öffnet sich (Teil 3)

19. Juli 2018

Bei allem Wilhelminischen Bombast und seiner unfreiwilligen Komik: die Statuen, etwa das Armenius-Denkmal haben einen normalen Muskelaufbau und eine normale Ausstrahlung. Im Dritten Reich hingegen wirken die dargestellten Menschen durchweg wie Sektenmitglieder und die grotesk überbetonte und angespannte Muskulatur wirkt wie ein – Panzer. Interessant wird es, wenn man sich das plastisch gewordene Leitbild der Nachkriegszeit anschaut. Etwa diese Figur, deren Art man in Hamburg in öffentlichen Parks, vor Polizeistationen, etc. antrifft:

Wir haben die Abfolge vom normalen Menschen, zur „blonden Bestie“ und schließlich zum „Opfa“ mit häßlichen Glubschaugen vor uns. Aus Hypertonus wird Hypotonus, Anorgonie.

Die bildende Kunst gibt unmittelbar die biophysische Struktur (die „Panzerung“) einer Gesellschaft wider. Das findet sich schon bei den Felszeichnungen in der Sahara. Je weiter sich die geographische und vor allem die emotionale Wüste konsolidierte, desto abstrakter und entarteter wurde die Darstellung des menschlichen Körpers (siehe James DeMeos Saharasia. Man braucht nur ein Museum für moderne „Kunst“ besuchen, um zu sehen, daß der Mensch nunmehr an seinem Endpunkt angelangt ist: ein zerfetztes Etwas. An den Wänden hängen photorealistische Bilder unserer Seelen! Währenddessen hören sich die Kinder Slipknot an:

Diese „Musik“ ist die Melodie der Herzen jener, die als Kinder gemobbt, geschlagen, sexuell mißbraucht wurden. Sie spendet ihnen Trost und Kraft. Vordergründig natürlich, weil sie in ihrem Leid nicht mehr alleine sind und weil Wut und Aggression zumindest etwas „Expansion“ bedeuten. Worum es aber wirklich geht… Ich verweise zurück auf Hellraiser:

Der diamantenförmige Leviathan im Mittelpunkt der Hölle sendet seine Dämonen aus, weil er wie Mephisto in Goethes Faust die ANORGANISCHE Ordnung liebt und die Lebewesen, ihr Fleisch und ihr Seelen, stehen für Unordnung. Sie müssen ZERRISSEN werden – damit Ruhe ist. Wie Reich in seinen Ausführungen über den Masochismus erläutert hat: die „Blase“ will zum Platzen gebracht werden – damit Ruhe ist… Siehe auch Reichs Ausführungen über die Rehabilitation von Freuds „Todestrieb“ in Gestalt von DOR: das schwarze „Licht“, das der Leviathan aussendet. Das ist der tiefste Grund, warum Menschen Buddhisten werden, bzw. Sufis, Sozialdemokraten, Anarchisten, Satanisten, etc., oder was es mit der Linie der Buddhisten Schopenhauer, Wagner, Hitler, Himmler auf sich hat: es soll Ruhe sein! Dafür wurden Menschen buchstäblich durch den Fleischwolf gedreht. Und es geht weiter, aber niemand hat ein Auge dafür.

Das Tor zur Hölle öffnet sich (Teil 2)

14. Juli 2018

John Dee und Edward Kelley, Aleister Crowley und Rudolf Steiner, der Schamanismus und der Lamaismus; das, was Goethes Faust beschreibt; der Umgang mit Engeln und Verstorbenen und das Heraufbeschwören von Dämonen; Channeling und Tarot; das, womit sich erstaunlich viele Pubertierende, angeregt durch die Musikindustrie und Hollywood, beschäftigen: das grenzt in etwa ein, worum es geht. Es bestimmt weite Teile unseres Lebens, ist aber kein Thema für die Orgonomie – weil es durch deren Begriffsraster fällt. „Geist“, frei vom Körper, ist Mystizismus; ist Ausdruck einer durch die Panzerung verzerrten Wahrnehmung. (Morgen zu diesem Punkt ein wichtiger Anhang!)

Es geht um das Herbeizitieren von nichtmenschlichen „geistigen“ Wesenheiten, die man sich zunutze machen will, wie man sich die materielle Welt zunutze macht. Im Lamaismus, beispielsweise, gibt es ein ganzes Pantheon von diesen Wesenheiten, insbesondere auch mächtige Dämonen, die von den großen buddhistisch-tantrischen Yogis bezwungen worden sind, um fortan dem Dharma zu dienen. Tatsächlich dreht sich der gesamte Lamaismus fast exklusiv um das magische Heraufbeschwören von Geistwesen. Wenn sich angehende Lamas drei Jahre zurückziehen, tun sie dabei kaum etwas anderes als eine vorgegeben „Gottheit“ in allen allerkleinsten Einzelheiten zu visualisieren, bis diese Verkörperung einer buddhistischen Tugend ganz und gar von ihnen Besitz ergriffen hat. Wird von diesen „besessenen“ Lamas unter allen möglichen seltsamen Zeremonien ein Sandmandala gelegt, bauen sie tatsächlich einen Tempel und die dazugehörigen Gottheiten nehmen Besitz von diesem Platz. Es ist eine Landnahme!

Diese „Landnahme“ ist wortwörtlich zu nehmen. Man muß entsprechende, „besetzte“ Lokalitäten betreten, um das am eigenen Leibe zu spüren. Neulich hat es mich in die Räumlichkeiten von Anhängern der lamaistischen Karmapa-Sekte verschlagen, wo ich eine halbe Stunde warten mußte. Es war ähnlich wie im Warteraum einer Strahlenpraxis. Ein bedrückendes Gefühl wie von ORANUR und DOR, ein Energieschwall, der meine Hände hat kribbeln lassen und das subtile Gefühl, seine eigene Identität bewahren zu müssen, weil etwas an einem zehrt, während gleichzeitig etwas in dich hineinwill und an deine Stelle treten will. Vor allem fühlte ich mich den Rest des Tages energetisch schmutzig, als wäre ich starkem DOR ausgesetzt gewesen.

Da ich mich in absurd jungen Jahren, Jahre bevor ich je von Reich gehört habe, mit dem Tantrismus beschäftigte und von daher ein Gefühl dafür habe, kann ich nur jedem raten, sich davon fernzuhalten, ähnlich wie man sich von ORANUR- und DOR-Quellen fernhält. Sie (was „sie“ auch immer sein mögen!) wollen deine Seele zerreißen und an deren Stelle treten. Die Filme von Kenneth Anger, Horrorfilme wie Shining, Tanz der Teufel, Poltergeist, Event Horizon oder Hellraiser

„Spiritualität“ und „Esoterik“ aller Art, jede „Religion“, Hollywood, die Eliten, sie alle versuchen diesen Planeten in so etwas zu verwandeln, was ich bei den Karmapa-Anhängern gespürt habe: Dämonen werden heraufbeschworen, um sie zu versklaven, ähnlich wie wir „das Atom“ versklaven wollten…

Christus kam, um die Dämonen auszutreiben.

Funktionelle und mechanistische Wissenschaft

28. August 2017

1944 schrieb Reichs Freund A.S. Neill:

Die alte Aussage, daß die Wissenschaft die Farben in einem Van-Gogh-Bild analysieren kann, ist nicht so plattitüdenhaft, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Für die Wissenschaft ist ein Sonnenuntergang das Ergebnis von Staub in der Luft, und keine Menge von gelehrter Wissenschaft wird uns je helfen, die Emotionen zu verstehen, die ein Sonnenuntergang uns schenken kann. (…) Es gibt nicht einen unter meinen zahlreichen wissenschaftlichen Freunden, bei dem ich auf den Gedanken käme, mich an ihn zu wenden, wenn es um ein menschliches Problem ginge, nicht einen, dessen Bewertung eines Theaterspiels oder eines Bildes ich wahrscheinlich akzeptieren würde. Es geht um die elementare Tatsache, daß es keine zwei Meinungen über die Wirkung einer Säure auf ein Metall geben kann, hingegen tausend Meinungen über ein Bild oder eine Religion oder ein politisches Glaubensbekenntnis. Alles Wissen um die Säuren und Alkalien der Welt müssen vergleichsweise unwichtig bleiben, solange wir nicht ein gleichgroßes Verständnis von geistigen und emotionalen Dingen besitzen. (Hearts not Heads in the School, London 1944, S. 68)

Diese Stelle ist gehaltvoller, als sie auf den ersten Blick klingen mag. Es geht schlichtweg um das innerste Wesen der gepanzerten Gesellschaft. Sie beruht darauf, daß beispielsweise Liebe und Sexualität voneinander getrennt werden. Entsprechend werden die „schönen Künste“, die Religion und die Geisteswissenschaften von den Naturwissenschaften getrennt. Goethe war vielleicht der letzte, der noch um eine Einheit der beiden Sphären rang. Er mußte scheitern, weil er nichts von der Ursache dieser verhängnisvollen Spaltung wußte.

Die chemische Analyse der Farben Van Goghs sind dem Studenten der Orgonomie ziemlich gleichgültig. Das Hauptinstrument des orgonomischen Physikers ist seine Subjektivität, sein Körpergefühl, seine Wahrnehmungsgabe, sein „orgonotischer Sinn“ und in diesem Sinne können die Bilder Van Goghs und dessen inneres Ringen Inspiration sein. Van Gogh malte die atmosphärische Orgonenergie, die über ihre diversen Erregungszustände mit unseren Emotionen untrennbar verbunden ist. Der Student der Orgonomie weiß, daß jeder Sonnenuntergang ein energetisch hochdramatisches Ereignis ist und daß die Farben des Himmels nicht nur mechanisch erklärt werden können. Er sieht die Erregung der atmosphärischen Orgonenergie unmittelbar beim Sonnenuntergang, etwa wenn er zu der Zeit durch den Wald spazierengeht, und experimentell die Entsprechung in der VACOR-Röhre. Wie Reich sagte: er hätte keine einzige Formulierung der Orgonphysik hingekriegt, hätte er sich nicht vorher mit der individuellen und gesellschaftlichen Panzerung („Charakteranalyse und Sexpol“) auseinandergesetzt.

Nichts steht außerhalb der Wissenschaft, weder die Kunst noch die Religion. Beispielsweise kann man die moderne „Kunst“ und die moderne „Religion“ (der sich ausbreitende Buddhismus) nur verstehen, wenn man weiß, daß sie ein sekundärer Ausdruck einer bestimmten bioenergetischen Umwandlung sind, die ich auf diesem Blog bereits des öfteren erklärt habe: Emotion → Sensation.

Und was den Bereich der mechanistischen Wissenschaft betrifft, d.h. das Handhaben von Maschinen und die Übertragung des menschengemachten Maschinenmodells auf die Natur, hat sie zweifellos ihre Berechtigung. Sie hat etwa das Notebook geschaffen, auf dem ich dies gerade schreibe, aber hier muß ich Neills Ausführungen im zitierten Buch beipflichten, die darum gehen, daß in der Erziehung das Herz die erste Geige spielen sollte und der Kopf sekundär ist. Die ungeheuren Machtmittel, die uns die mechanistische Wissenschaft geschenkt hat, können verantwortlich nur von Menschen mit „Herzensbildung“, d.h. ungepanzerten Menschen angewendet werden bzw. Menschen die mit der Panzerung, der Emotionellen Pest und dem Orgon vertraut sind. Alles andere wird die Menschheit über kurz oder lang zerstören. Es ist wie mit dem herzlosen Sexus, der uns Geschlechtskrankheiten, zerstörte Familien und zerstörte Menschen hinterlassen hat.

Goethes Funktionalismus

20. September 2016

Das menschliche Gehirn erkennt auf Bildern andere Lebewesen weitaus schneller und zuverlässiger als tote Gegenstände. Forscher um Joshua New von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara zeigten Probanden jeweils zwei Bilder ein und derselben Szene, die sich nur durch ein Detail unterschieden. Beispielsweise ein Elefant bzw. ein Auto in einer afrikanischen Savannenlandschaft, eine Kaffeetasse auf einem Schreibtisch oder eine menschliche Gestalt in einer Urwaldszene. Für jedes Bildpaar ermittelten die Forscher, ob und wie schnell die Probanden die Veränderung bemerkten. Dabei zeigte sich durchweg ein großer Unterschied zwischen toten Gegenständen und Lebewesen, selbst wenn die ersteren viel kleiner waren und sich mit deutlich weniger scharfen Kontrasten vom Hintergrund abhoben. Das Getreidesilo auf dem Bild einer Landschaft oder die Kaffeetasse auf dem Schreibtisch registrierten die Probanden bei weitem nicht so schnell wie eine vergleichsweise winzige Taube in einer Marktszene oder die menschliche Gestalt im tropischen Regenwald. Gerade die im Vergleich zu Lebewesen langsame Erkennung von Autos spreche dafür, so die Wissenschaftler, daß die Unterschiede nicht auf erlernten Fähigkeiten beruhen, sondern angeboren sind, denn für die meisten Menschen wäre es heute wohl eher ein Vorteil, Autos schnell zu erkennen. Eine Fähigkeit, die wir im Alltag ständig trainieren.

New und seine Kollegen erklären die Ergebnisse natürlich evolutionsbiologisch: unsere Vorfahren hätten vor Raubtieren auf der Hut sein müssen und wären vom Jagderfolg abhängig gewesen.

In Äther, Gott und Teufel beschreibt Reich den Animismus als natürlichen Geisteszustand. Die toten „mechanischen“ Gegenstände um uns herum sind unserem Wesen derartig fremd, daß wir sie “beseelen”. Durch die Dominanz der evolutionistischen Herangehensweise wurde diese „Goetheanische“ Betrachtungsweise fast vollständig verdrängt.

Dazu ein sehr interessanter Film auf YouTube in vier Teilen:

Liest man bestimmte Stellen bei Goethe, fühlt man sich stellenweise in die Welt des Orgonomischen Funktionalismus versetzt.

Wenn es bei Goethe heißt, daß ein ausgesprochenes Wort meistens „Widerspruch, Stocken und Stillstehen“ erregt, oder daß „der Begriff Summe ist“, dann auch, daß das Höchste „das Anschauen des Verschiedenen als identisch“ ist, so ist es leicht, über alle Unterschiede hinweg, die Verbindungslinien zu Grundgedanken Hegels zu ziehen, zum Beispiel zu seinem Axiom: „Das Wahre ist das Ganze.“ Die deutsche Klassiker bilden eine höchst harmonische Ganzheit, und sie stehen gemeinsam auf dem Boden einer großen Tradition, die in ihnen ihre letzte Aufgipfelung empfängt. (Predrag Grujic: Hegel und die Sowjetphilosophie der Gegenwart, Bern 1969)

Das Höchste ist das Anschauen des Verschiedenen als identisch!

Hans Hass, nach Reich mein zweiter Held des Funktionalismus (siehe Hans Hass und der energetische Funktionalismus), sei, nach eigenem Bekunden, „nahezu erschlagen“ gewesen von Gedankengängen bei Goethe, die der eigenen Energontheorie entsprachen.“Wie kein anderer“ habe Goethe „das Energonprinzip in der Natur erschaut.“ Wenn Goethe

nach dem Urtier und der Urpflanze suchte, dann dachte er nicht an gemeinsame Ahnen, sondern an ein gleiches Grundkonzept, das den höheren Pflanzen und den höheren Tieren, so verschieden sie sich unseren Sinnen auch darbieten, verbindend zugrunde liegt. „Alle Gestalten sind ähnlich und keine gleichet der anderen, und so deutet das Chor auf ein einigendes Gesetz, auf ein heiliges Rätsel“ – so schrieb er in einem Gedicht über die Metamophose der Pflanzen. Nirgends fand ich deutlicher ausgesprochen, was mich selbst in meiner Forschung bewegte, wohin sie mich Stück für Stück weiterführte. (Hass/Lange-Prollius: Die Schöpfung geht weiter, Stuttgart 1978)

Auch in der ganz konkreten Herangehensweise an Naturphänomene wirkt Goethe wie ein direkter Vorläufer Reichs. Insbesondere wenn Reich beispielsweise auf die Voraussetzungslosigkeit des funktionellen Forschungsansatzes abhebt. Hätte Reich Anfang der 1930er Jahre profunden Kenntnissen in der Bakteriologie Folge geleistet, hätte er nie die Bione entdecken können.

Goethe in einem Brief von 1780:

(…) wie der Hirsch und der Vogel sich an kein Territorium kehrt, sondern sich da äst und dahin fliegt, wo es ihn gelüstet, so, halte ich davon, muß der Beobachter auch sein. Kein Berg sei ihm zu hoch, kein Meer zu tief. Da er die ganze Erde umschweben will, so sei er frei gesinnt wie die Luft, die alles umgibt. Weder Fabel noch Geschichte, weder Lehre noch Meinung halte ihn ab zu schauen. Er sondere sorgfältig das, was er gesehen hat, von dem, was er vermutet oder schließt. Jede richtig aufgezeichnete Bemerkung ist unschätzbar für den Nachfolger, indem sie ihm von entfernten Dingen anschauende Begriffe gibt, die Summe seiner eigenen Erfahrungen vermehrt und aus mehreren Menschen endlich gleichsam ein Ganzes macht.

Bei der Naturforschung sei „der anschauende Begriff dem wissenschaftlichen unendlich vorzuziehen“ und man fühle „mit dem lebhaften Anschauen einen dunklen Wink in der Seele (…): so ist es erstanden!“

Eine solche empathische, d.h. gleichempfindende, Annäherung an die Natur erfordert natürlich „reine“ Sinneswerkzeuge, reine (Nach- und Mit-)Empfindung orgonotischer Prozesse, d.h. eine ungepanzerte Wahrnehmung. Goethe in einem Brief von 1779:

Mein Auge und meine Seele konnten die Gegenstände fassen, und da ich rein war, diese Empfindung nirgends falsch widerstieß, so wirkten sie was sie sollten.

Auch in sozialer Hinsicht war Goethe, der schließlich zu Zeiten der französischen Revolution und der beginnenden romantischen Bewegung lebte, hellsichtig und aktuell.

Für den Goethe-Verehrer Nietzsche war Romantik ein Rachesyndrom, dessen Gegensatz die klassischen Produkte eines Goethe waren, die der Dankbarkeit für das Leben entspringen, aus der heraus man allen Dingen einen Glorienschein geben will. Demgegenüber entspricht das romantische Syndrom dem Gefühl des Leidenden und Schlechtweggekommenen, der aus seinem Ressentiment heraus am Leben Rache nehmen will. Auch das Christentum sei eine solche Bewegung, aus der sich schließlich der „romantische Pessimismus der Entbehrenden, Mißglückten, Überwundenen“ entwickelte, wie er sich in der Wagnerschen Musik und Schopenhauers Willensmetaphysik ausdrückt. Der Romantiker nimmt Rache am Leben, indem er dem Dasein sein eigenes Leiden „zum verbindlichen Gesetz und Zwang“ aufprägen will (Nietzsche: Fröhliche Wissenschaft, Aphorismus 370). Die eigene persönliche neurotische Not wird zunächst theoretisch und dann praktisch der ganzen Welt aufgezwungen, angefangen vom kleinbürgerlichen Christentum der Antike bis zu den gegenwärtigen linken „Bewegungen“.

Der konservative Philosoph Günter Rohrmoser führt aus, daß es den konservativen Menschen kennzeichnet, in der Kategorie der Dekadenz zu denken, während der Linke strukturell dazu nicht in der Lage ist.

Wer eine Gesellschaft oder einen einzelnen Menschen als dekadent empfinden kann, der ist ein Konservativer von Geblüt. Eine der ganz großen Schwierigkeiten in der Verständigung mit Sozialisten besteht darin, daß man sich mit noch so einsichtigen und gutwilligen Sozialisten nicht über Dekadenz verständigen kann. Im Falle, daß man sich mit einem Sozialisten über Dekadenz verständigen kann, stellt man fest, daß dieser Sozialist im Grunde genommen keiner ist. Die Behauptung vom inneren Zusammenhang von Sozialismus und Dekadenz hat eine lange Vorgeschichte. Der späte Goethe beispielsweise hat in diesem Punkte voll mit Nietzsche übereingestimmt. Goethe hat im Angesicht der Ausbreitung des Humanitarismus, und der Sozialismus ist nichts anderes als eine humanitaristische Ideologie, die Prognose gewagt, daß am Ende dieses Weges die Menschheit ein einziges großes Lazarett und jeder des anderen Krankenwärter werden würde. Wenn wir heute in der Analyse des fortgeschrittenen Sozialstaates Pathologien in den Mentalitäten der Wohlfahrtsempfänger und derer, die es werden wollen, entdecken, dann ahnen wir vielleicht, was Nietzsche unter der im Sozialismus angelegten Dekadenz verstanden und immer bekämpft hat. (Rohrmoser: Nietzsche als Diagnostiker der Gegenwart, S. 298f)

Goethe war natürlich in erster Linie Dichter, obwohl er zeitweise seine Farbenlehre als bedeutenderen Beitrag betrachtete als etwa den Faust!

In der Anfang der 80er Jahre in München erschienen Zeitschrift Die Wolken sterben wurde Goethes Funktionalismus anhand der Ballade Der Fischer von 1779 aufgezeigt. Der Autor, Werner Schiwy, führt aus, wie zu Beginn des Gedichts die Antithese von lebendigem Organismus „Fischer“ und totem Element „Wasser“ aufgehoben wird, indem der Fischer wesentlicher Attribute des Lebens entkleidet wird (er ist kühl und ruht bis ins Herz hinein), während das tote Element Wasser lebendig ist und durch eine Frau (eine „Nixe“) verkörpert wird. Im folgenden beschreibe Goethe die orgonotische Erregung und schließliche Vereinigung der beiden Anfangs unvereinbar erscheinenden Systeme.

In der Ballade heißt es:

Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?

Das erinnert mich an mein Lieblingsgedicht von Goethe, das mich immer an den äquatorialen Orgonenergie-Strom der Erde gemahnt hat. Es entstammt einem Brief von 1775 an die Gräfin Christine von Brühl:

Auf den Auen wanden wir
Und bleiben glücklich ohne Gedanken,
Am Hügel schwebt des Abschieds Laut,
Es bringt der West den Fluß herab
Ein leises Lebewohl.
Und der Schmerz ergreift die Brust,
Und der Geist schwankt hin und her,
Und sinkt und steigt und sinkt.
Von weiten winkt die Wiederkehr
Und sagt der Seele Freude zu.
Ist es so? Ja! Zweifle nicht.

Goethes Faust, das deutsche Nationalepos, wird von Anthroposophen als mystisches Mysterienspiel interpretiert. Marxisten wollen in den Schlußszenen Kritik am beginnenden Kapitalismus und Kolonialismus erkennen. Was m.W. kaum je gesehen wird, ist das, was sofort ins Auge fällt. Am Ende heißt es: „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.“ Das ist tatsächlich mystisch und doch hat es eine zutiefst funktionelle und sexualökonomische Bedeutung. Das Ewig-Weiblich ist nämlich nicht nur das Höchste, sondern auch das Tiefste, das Gemeinsame Funktionsprinzip. Taucht doch Faust im ersten Akt (Finstere Galerie) von Faust II in die namenlose Tiefe des Ungeformten, zu den „Urmüttern“ hinab, um Helena heraufzubeschwören. Er war ihr bereits in Faust I begegnet, denn in der Hexenküche hieß es: „Das schönste Bild von einem Weibe! Ist’s möglich, ist das Weib so schön? Muß ich an diesem hingestreckten Leibe den Inbegriff von allen Himmeln sehn? So etwas findet sich auf Erden?“ Das Weib ist natürlich niemand anderes als Helena.

In Faust I geht es um das Kindweib Gretchen, in Faust II um das Vollweib Helena. Die Gretchen-Tragödie mit dem Vorspiel des Osterspaziergangs, auf dem er Mephisto trifft und der zitierten Szene in der Hexenküche ist eine geradezu sexualökonomische Moritat. Es dreht sich alles um die Sexualnot junger Männer und Frauen, alleingelassener Frauen (Gretchens Nachbarin), mangelnde Empfängnisverhütung und einen überholten Sünden- und Ehrbegriff, der in Mord- und Todschlag endet. Der Hexensabbat auf dem Blocksberg ist das Gegenbild einer vom Christentum zerstörten Sexualökonomie: die Unfähigkeit Befriedigung zu finden, endet in frustrierenden Orgien. Faust hat „zwei Seelen in seiner Brust“, d.h. die für orgastische Impotenz ausschlaggebende Trennung zwischen sinnlichen und liebevollen Strebungen. Letztendlich beruht die gesamte Tragödie, auch im zweiten Teil, auf Fausts Lebenshunger bzw. Sexualhunger.

Im zweiten Teil versucht Faust der christlichen Sexualmisere mit Hilfe von Wissenschaft (dem ohne Geschlechtsakt erzeugten Homunkulus) und mit Rückbesinnung auf das heidnische Griechentum zu entfliehen, in das ihn der Homunkulus entführt. (In Faust I und in Faust II wird die Kirche als unmoralisch und geldgeil gezeichnet.) Schließlich endet Faust als Industriemogul, der ganze Landschaften erschließt und dabei neues Elend, himmelschreiende Ungerechtigkeit, Mord und Todschlag verbreitet. Goethe hat die Tragödie des gepanzerten Menschen gezeichnet, der Himmel (der bioenergetische Kern), Erde (die bürgerliche Fassade) und Hölle (die sekundäre Schicht) durchschreitet. Und bemerkenswerterweise erkannte Goethe den sexualökonomischen Kern dieser Tragödie.

Odin statt Jesus

26. August 2016

Man überfliege die Netzseite der Germanischen Glaubensgemeinschaft und schaue sich die beworbenen Buchtitel an. Die GGG ist stolz auf ihr Altheidentum, d.h. sie versucht redlich die Religion der vorchristlichen Germanen zu rekonstruieren und, um die lückenhafte Überlieferung aufzufüllen, greift sie auf verwandte Glaubenssysteme in Asien zurück, die überlebt haben.

Die GGG erinnert mich wieder daran, wie dankbar ich, bei aller Distanz und Abneigung, den christlichen Missionaren bin, daß sie die heiligen Eichen in Germanien gefällt haben! Das Christentum hat uns von einem alles erstickenden Obskurantismus befreit, der die Entwicklung der Wissenschaft unmöglich gemacht hätte. Seit den Tagen des „New Age“ und nicht zuletzt mit aktiver Unterstützung so mancher „Reichianer“, wird seit geraumer Zeit alles getan, um die Welt wieder zu „verzaubern“. Den Preis, den wir dafür zahlen müssen, wird schrecklich sein.

Nichts gegen „Heidentum“, aber man sollte sich vergegenwärtigen, wie großartig unsere Kultur ist. Das Barock war voller heidnischer Allegorien, teilweise vergißt man ganz, daß man im christlichen Abendland ist, Goethes Faust, an sich ein rein christlicher Stoff, platzt geradezu vor griechischem Heidentum, etc. Europa hatte das Beste aus beiden Welten, den vom Aberglauben befreiten Christenmenschen und dem vom religiösen Wahnsinn freien lebensfrohen Heiden, aber wir sind fleißig dabei dies alles in die Tonne zu treten.

Der Christ ist frei vom Aberglauben und der Heide ist frei vom „Glauben“. Nur in diesem Freiraum, den Europa ins Dickicht der wuchernden Neurose des Menschengeschlechts geschlagen hat, konnte sich die Orgonomie entwickeln. Heute wuchert die Waldlichtung wieder zu.

Kritik an Wilhelm Reich

20. August 2016

Bücherlogo

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Kritik an Wilhelm Reich
 

 

Eva Reich in Makavejevs Drecksfilm:

Robert 2011: Reichs Tochter, Lore-Reich Rubin, hat sich auch so ihre Gedanken zu Makavejev´s Film gemacht (im letzten Zehntel der Seite):

Um nun zum Film zu kommen: Ich persönlich schätze den Film trotz etlicher gravierender Verdrehungen der Reichschen Ideen. In dieser erfundenen, in Jugoslawien handelnden Geschichte von Vladimir und Milena, verdeutlicht Makavejev sowohl Reichs Konzepte zur Charaktertypologie, als auch seine Vorstellung, dass es in autoritären Staaten durch Unterdrückung der Sexualität zu einer Unterwerfung und Idealisierung des Staates kommt.
Wenn wir aber auf das Thema Sexualität zu sprechen kommen, erkennen wir, dass Makavejev selbst die Ideale entstellt. In einem Interview bezeichnete er Reichs sexuelle Revolution als zahm. Er verherrlicht die Revolution der 60er und 70er Jahre mit allen ihren Extremen. Ein paar Beispiele:
1) Gleich in der ersten Szene des Films wird der Geschlechtsakt ei-nes Paares gezeigt und ist als Original-Filmmaterial aus der Sex-Pol-Zeit deklariert. Durch die unmittelbare Nähe zu anderen Szenen ist damit der Geschlechtsakt meiner Eltern, Wilhelm und Annie Reich, gemeint. Reich hätte diese Szene aber niemals gefilmt. Er glaubte an die Intimität des sexuellen Aktes. Tatsächlich wurde dieser Filmab-schnitt 1969 beim Hippie-Musikfestival in Woodstock aufgenommen. Wollte sich hier Makavejev über Reich, sein bewundertes Idol, lustig machen?
So können wir sagen, dass Makavejev Reich bewundert, sich für seine Vorstellungen und Theorien einsetzt und uns für seine ungerechte Inhaftierung trauern lässt. Gleichzeitig aber fühlt er sich als Rivale und möchte selbst ein berühmter Mann sein. Das gipfelt darin, dass er sich über Reich und seine Theorien lustig zu machen beginnt, obwohl er gerade in seinem Film aufgezeigt hat, wie großartig und einzigartig er die Theorien findet.
Trotzdem: Als Ganzes gesehen ist „Wilhelm Reich und die Mysterien des Organismus“ ein starker und bewegender Film, zeitweise brillant, Einblicke gewährend, manchmal schockierend und manch-mal amüsant. Er ist auch eine wunderbare Erinnerung an das Ethos der 1970er Jahre und eine eindringliche Warnung vor bedrohlichen Zeiten, in denen wir uns gegenwärtig befinden.

http://www.heikolassek.de/39994.html

Peter dazu: Danke für den Hinweis! Hier noch eine interessante Stelle:

Die Reichsche Therapie – das Lösen des Muskelpanzers mit tiefem Atmen und anderen Übungen – wird in Alexander Lowens Bioener-getik-Therapie in Hyperventilation und Übungen in Stresspositionen umgewandelt, bis Muskelzuckungen und Schüttelkrämpfe erfolgen, was das Ideal, den Panzer zu lösen, anstatt noch mehr Spannung aufzubauen, verfälscht. Während sich die Gruppensitzungen in ein Schreien, Stampfen und in einen aggressiven Tumult kehren, was bestenfalls Sadomasochisten ertragen würden. (Reich hat einmal zu seinem Sohn gemeint, dass er diese Art von Behandlung verabscheue.)

Peter: Das logische Resultat der „Revolution der 60er und 70er Jahre mit allen ihren Extremen“:
http://www.pi-news.net/2011/08/dalrymple-die-frivolitat-des-bosen-1

Robert: Während sich die Gruppensitzungen in ein Schreien, Stampfen und in einen aggressiven Tumult kehren,…
Genau dass habe ich in meiner Bioenergetikgruppe vor 30 Jahren erlebt.

Peter: Zum Zerfall der Gesellschaft:
Reich sagt, daß man die Emotionelle Pest u.a. daran besonders gut erkennt, daß sie wie blind für prägenitale Perversionen ist, jedoch bei genitaler Liebe unerbittlich zuschlägt.
Dazu der „Politskandal“ in Schleswig-Holstein um einen CDU-Politiker und eine 16jährige (die ihn im übrigen ausdrücklich in Schutz genommen hat, man könne nichts Schlechtes über ihn sagen) und der passende Kommentar aus dem TAGESSPIEGEL.
Vor diesem Hintergrund ist es zwar nicht seltsam, aber ein ethisches Armutszeugnis unserer Gesellschaft, daß sie den Betrügern eher verzeiht als den Liebenden.
siehe http://www.steinhoefel.de/blog/2011/08/16-jahr-blondes-haar.html

Peter: Darauf hat sich ja auch Charles Kelley berufen („education in felling and purpose“): Reich hätte einseitig auf die Befreiung der Emotionen geschaut und dabei die „Kopfseite“ vernachlässigt: Motivation und Zielgerichtetheit, die (auch) geschult werden müsse.
Das Problem dabei ist, daß die Motivation am Anfang steht. Ohne Motivation von vornherein ist jede Therapie vollkommen aussichtslos. Aber wo kommt die her?
Meines Erachtens aus der Erziehung. Wird die hintertrieben, wie in „Wohlfahrtsfamilien“ und bei manchen dekadenten Superreichen, dann ist der Mensch rettungslos verloren. Motivation ist eine Angelegenheit des Überlebenskampfes. Im Zoo und im Wohlfahrtsstaat stirbt sie ab. Das sozialistische Paradies auf Erden wäre das Ende der Menschheit.

Klaus 2013: „Fakten, um Wahrheit und Nichtwahrheit“
Was Fakt ist, hängt außer von der Welt von der Weise, wie man sie beschreibt, ab. Da steckt der Teufel im Detail – u.a. im Detail der von Reich gewählten Ausdrücke.

Robert 2013: Es war schon immer mein Kommentar, dass die Orgonomie sich mit der Evolutionsbiologie im Einklang befinden muss, um Ernst genommen zu werden. Die utopischen Elemente der Orgonomie, die Reste von Reichs kommunistischer Periode sind, müssen langsam abgelegt werden.
Das menschliche Territorialverhalten würde in einer Genitalen Welt (was für eine irre Wortschöpfung) berücksichtigt werden müssen und durch Bevölkerungsabbau in einem vernünftigen Maß reduziert.
Nebenbei: man sollte sich immer klar machen, das die
Orgonomie eine vollkommen unbedeutende Sekte ist mit vielleicht einigen hundert bis tausend Gläubigen weltweit. Solche Artikel wie die von Mathews erinnern mich an die von kommunistischen Splittergruppen, die darüber spekulieren, wie die Welt nach ihrer Machtergreifung aussehen wird.

Markus: Man muss sich fragen, bei welchen Arten die organismische Pulsationsfunktion durch zb. ein Alphamännchen unterdrückt wurde?
Was ist mit Hunden? Hunde werden durch ihr Herrchen (Alphatier) unterdrückt und entwickeln auch einen Muskelpanzer. Genauso Rinder oder Hühner die in Ställen eingesperrt sind entwickeln einen Muskelpanzer und werden desktruktief, bzw neurotisch!
Autoimunerkrankungen entstehen nur bei unterdrückten Lebewesen. Das sollte doch wohl zu denken geben.
Schaut Euch doch die ganzen humpelnden Lebewesen an!
Die Menschen übertragen ihre Neurosen auf ihre Haustiere,..
ich wil gar nicht weiter schreiben, das geht tief, sehr tief.
Mans right to know! der letzte Abschnitt, Reich spricht genau das an was passiert ist!!!
Die Orgonomie verflacht und verwässert…

O.: Kritik an Reich wird wenig geübt innerhalb der „Reichszene“, da es oft an eigener Kompetemz fehlte und man sich dies nicht zutraute oder weil man eher sich am Positiven berauschen möchte – eine esoterische Sicht der Dinge hat und Reich für seine eigenen (mystischen) Bedürfnisse nützen will.
Reich hatte zwei Arten von Gegner: 1. hassefüllte Gegner, die ihn sehr wohl verstanden haben und 2. blinde Mitläufer, die sich mit ihm berauschen. Mischtypen zwischen diesen beiden Positionen sind auch denkbar.
Die Mitläufer – oft als „Nachfolger“ tituliert – sabotieren ihn von innen heraus.
Eine ernsthafte Beschäftigung mit Reich wird von beiden Gegnertypen aktiv verhindert. Die organisierte und institutionalisierte Gegnerschaft (emotionelle Pest) geht von beiden Typen aus und beide agieren Hand in Hand.
Nicht selten sind begeisterte Anhänger zunächst Reich gegen über positiv bestimmt und spüren im Verlauf der Beschäftigung mit ihm, dass sie strukturell keine Chance haben aus ihrer neurotischen Charakterstruktur herauszukommen – kein Orgontherapeut kann ihnen helfen (oder sie finden keinen) – auch kein Psychotherapeut wird ihnen hier heraus helfen können. Sie hassen sich und Reich für seine Entdeckung und klarere Sicht über ihre neurotische Struktur und werden ihm gegenüber von Hass erfüllt, sie müssen ihn zerstören, um selbst nicht an ihr Elend erinnert zu werden. Oft kaschieren sie ihren Hass in dem sie als „Reichianer“ ihn nicht so ernst nehmen, ihn uminterpretieren oder esoterisch weiterentwickeln. Sie verflachen und verwässern die Orgonomie. Reich wird für alle kommenden Generationen zerstört. Keiner soll haben, was sie gefunden haben und nicht für sich haben konnten.
_____________________________
Eine Kritik an Wilhelm Reich kann wohlwollend und systemimmanent geführt werden, wenn man sich von den oben geschilderten neurotischen Reaktionen frei machen kann. Doch wem gegenüber möchte man sie äußern? Wer kann damit sorgsam umgehen, ohne sie destruktiv zu nutzen?

O.: Bernd SENF meets Don CROFT:
Zu einer „orgonomischen Verschwörung“ wird hier folgende Theorie geboten: Bernd Senf distanziert sich in „neutraler“ Weise von der Verschwörung von Don Croft. Nun das mag man vielleicht noch informativ finden, wird doch alles Wissenswerte auf 19 Seiten zusammengepresst (danit es kein anderer sagt), doch was macht Senf so sicher, dass das Publikum so unfähig ist, seine Darstellung zu durchschauen? Geht es nicht um eine Rechtfertigung für die eigenen Taten, die zur Don Crofts „Werk“ führten? DeMeo wieder in der Position des „Aufklärers“, auch unfähig sich zu reflektieren, und Senf als Mittler und „objektiver Beobachter“.
Diese ganze Inszenierung ist eine Verschwörung, kaum schwer zu erkennen und eine „paranoide Beweiskette“ kann man sich auch sparen: Pseudo-Reichianer und originalste Reichianer treffen auf Pseudo-pseudo-Reichianer. Bei dieser Besetzung ist der Verschwörungsthriller garantiert, es fehlt nur noch die Verfilmung dazu, die gibt es dann auf youtube.
So wird suggeriert, dass „Reichianer“ die Guten in völliger Unschuld seien.
http://www.berndsenf.de/pdf/OrgonOrgonitCloudbusterChembuster.pdf

O. 2015: Reich macht auf eines aufmerksam: Die psychovegetative Panzerung; – ich brauchte heute mal wieder einen neuen Begriff.
Und diese zeigt, wie sehr er von emotioneller Pest und von Idioten umringt war. Reich hoffte hieran etwas ändern zu können. Die Hoffnung hieß „Orgontherapie“.
Die einzige Kritik an der Orgonomie wäre die, dass ihr mehr als eine Person angehöre. – Sicherlich gab es um Reich nette und anständige Menschen, die ihn auch emotionell unterstützt haben.
Doch alle sind zwangsläufig gepanzert und limitiert im Nutzen für eine Orgonomie. Auch Reich stand sich emotionell oft selbst im Weg, doch für Selbstzweifel fand er keine Zeit.
Unter der Bedingung der psychovegeativen Panzerung, ist ein Fach, wie die Orgonomie, nicht etablierbar. Nicht eine Konferenz würde Sinn machen.

Körper und Seele

25. Juni 2016

In Die Funktion des Orgasmus (Teil 2) habe ich mich bereits mit dem Psychologieprofessor Stuart Brody (University of the West of Scotland) beschäftigt, der in jeder Beziehung Reichs sexualökonomische Forschung bestätigt.

Es geht weiter:

Bereits 2008 hatte Brody festgestellt, daß Frauen mit einem fließenden und energischen Gang größere Chancen auf einen vaginalen Orgasmus haben als jene mit einem stark beckenlastigen, behäbigen Gang. Beckenpanzerung!

Ähnliches verraten sinnliche bzw. „unsinnliche“ Lippen. Demnach treten vaginale Orgasmen häufiger und zügiger bei Frauen mit einem ausgeprägten Lippenherz auf, als bei jenen, die eine eher dünne Oberlippe haben. Dabei ist der knubbelartige Bereich unter dem Lippenherzbogen ausschlaggebend. Ist dieser recht ausgeprägt, entspricht dies einer verbesserten Fähigkeit einen vaginalen Orgasmus zu erreichen.

Was der Körper einer Frau zwischen Kopf und Becken über ihren Charakter aussagt, siehe Die Panzersegmente (Teil 3): Der Brustpanzer.

Instinktiv wissen die Menschen natürlich von diesen Zusammenhängen. Entsprechend sind das Aufspritzen der Lippen und das Aufpolstern der Busen ein verzweifelter Versuch, Lebendigkeit und Lustfähigkeit wiederherzustellen. Tatsächlich sind die angeblichen „Schönheitsoperationen“ nichts anderes als ein extrem mechanistischer Ersatz für eine Orgontherapie!

Der Mensch tut alles, läßt sich sogar verstümmeln, nur um nicht die Angst zu spüren, die in seiner muskulären Panzerung gebunden ist. Reich hat beschrieben, wie bei der Freilegung der Energie in der Orgontherapie die Lockerung der Panzerung von Angst gefolgt wird, die in zunehmend lustvollen Klonismen ausläuft, die letztendlich zu orgastischen Sensationen im Genitalapparat führen (Der Krebs, Fischer TB, S. 348).

Die innige Beziehung zwischen „Äußerlichkeiten“ und dem Innersten des Menschen zeigt sich auch an so etwas simplen wie der Körperlänge.

Jane Green, University of Oxford, et al. haben die Daten von mehr als 1,3 Millionen Frauen mittleren Alters ausgewertet, die über ein Jahrzehnt hinweg beobachtet wurden. In dieser Zeit traten 97 000 Krebsfälle auf. Nachdem man alle anderen Risikofaktoren heraus rechnete, ergab sich, daß das Krebsrisiko pro 10 Zentimeter mehr Körpergröße um 16 Prozent steigt.

Bemerkenswerterweise gilt dies für die unterschiedlichsten Arten von Krebs, sagt also etwas über „den Krebs an sich aus“, – den es für die moderne Medizin zunehmend gar nicht mehr gibt.

Der mechanistische Erklärungsversuch:

Entweder gibt es bestimmte Umweltfaktoren oder genetische Besonderheiten, die sowohl das Wachstum als auch das Krebsrisiko beeinflussen. Oder die größere Anzahl von Zellen, die in einem großen Körper vorhanden sind, erhöht per se die Wahrscheinlichkeit, daß es zu Entartungen kommt. In jedem Fall könnte der Größeneffekt laut den Forschern zumindest zum Teil erklären, warum es in unterschiedlichen Ländern verschiedene Krebsraten gibt – und warum die Anzahl von Krebserkrankungen seit Jahren stetig zunimmt, denn auch die Durchschnittsgröße steigt kontinuierlich an.

Zunächst einmal hat Reich in Der Krebs ebenfalls die Behauptung aufgestellt, daß die Anzahl der Biopathien, insbesondere aber die der Krebserkrankungen steigt. Reich:

Es wird in der Literatur der Krebsstatistik behautet, daß das Anwachsen der Zahl der Todesfälle infolge Krebses in den letzten Jahrzenten der besseren Diagnostik am Lebenden und an Leichen zuzuschreiben ist; daß also das Anwachsen der Todesziffern ein Artefakt ist. (ebd., S. 407f)

Die mechanistische Wissenschaft müsse das sagen, „um an der rein erblichen Natur des Krebses (festhalten zu können)“ (ebd., S. 408).

Wir sehen anhand der obigen aktuellen Meldung, daß aus heutiger Sicht das Anwachsen des Krebsrisikos kein Artefakt ist. Die mechanistische Wissenschaft kann das heute einräumen, weil sie gleich eine naheliegende genetische Erklärung zur Hand hat: mehr Zellen bedeutet, daß mehr Zellen genetisch entarten, d.h. sich zu Kondensationskernen von Krebstumoren entwickeln können. Und da in den industrialisierten Ländern die Menschen von Generation zu Generation immer größer werden, wachse dort das Krebsrisiko, während es in den unterentwickelten Ländern, wo dieses Längenwachstum nicht in diesem Ausmaß auftritt, in etwa gleich bleibt.

Für Reich ist Krebs eine Art „Enttäuschungsreaktion auf Zellebene“. Große Erwartungen, d.h. ein entsprechend mobilisiertes Energiesystem, führen zu entsprechend verheerenden Enttäuschungsreaktionen; eine bioenergetische Reaktion, die bis auf die Zellebene zurückwirkt. Wir alle wissen aus eigener Anschauung, wie es „bis ins Mark geht“, wenn große Erwartungen brutal enttäuscht werden. „Bremsen bei voller fahrt!“

Und warum breitet sich dann die Krebserkrankung immer weiter aus? Reich:

Menschen, die durch die Veränderung der Sitten zur Bewußtheit ihrer sexuellen Bedürftigkeit kommen, denen aber die Mittel und Wege fehlen, der sexuellen Energie den natürlichen Ablauf durch volle natürliche Befriedigung zu geben, müssen notwendigerweise zerrissen werden, müssen biopathisch erkranken (…). (ebd., S. 412)

Die Lebendigkeit der Menschen bliebe, so Reich weiter, immer mehr hinter ihren Ansprüchen zurück, was zu immer weiter steigender sexueller Frustration führt.

Parallel zu der von Reich beschriebenen sexualökonomischen Entwicklung wurden die Menschen auch immer größer. Anthropologen fanden anhand von Knochensammlungen heraus, daß es immer wieder Zeiten mit regelrechten Wachstumsschüben gegeben hat. Seit Ende des 19. Jahrhunderts, als die Industrialisierung begann, sind wir größer geworden als jemals zuvor. Die Ursachen dafür sehen sie in den optimalen Umweltbedingungen. Wir haben ausreichend Nährstoffe und Nahrung zur Verfügung. Aber auch die sonstigen Bedingungen, wie ein hoher Standard an Hygiene, sind sehr gut.

Der Wirtschaftshistoriker Marco Sunder (Universität Leipzig) weist darauf hin, daß es, was die Körpergröße betrifft, im Laufe der Jahrhunderte entscheidend war, in welcher Familie man geboren wurde. So haben soziale Unterschiede im vergangenen Jahrhundert eine sehr große Rolle gespielt. Gleichaltrige Schüler, die auf Schulen für Arme gingen, waren oft 20 cm kürzer als diejenigen, die Schulen für Adlige besuchten. Auch heute sind solche Unterschiede, je nach sozialer Schicht, erkennbar. Allerdings beträgt der Unterschied nur noch zwei bis drei Zentimeter.

Und was hat eine Zunahme der Körpergröße direkt mit einer Zunahme des Krebsrisikos zu tun? Aus bioenergetischer Sicht ist Krebs gleichbedeutend mit einem Hang zur Anorgonie.

In der Anorgononie ist weniger biologische Energie frei und tätig; die träge Masse des Organismus wird im Verhältnis zur tätigen Energie, die den Körper zu bewegen hat, größer, also schwerer. (Der Krebs, S. 400)

Offenbar, so können wir angesichts der neuen Daten spekulieren, „hinkt die organismische Orgonenergie der hypertrophierenden Masse hinterher“.

Interessanterweise haben große Menschen ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Herz-Kreislauferkrankungen sind in vieler Hinsicht das Gegenteil der Krebs-Schrumpfungsbiopathie, nämlich eine „Stauungsbiopathie“. „Zu viel Energie für die zu kleine Masse.“

Weitere Ausführungen würden vollends in Spekulation abgleiten, weshalb ich es mit folgender Aufstellung bewenden lassen will:

Michael Haselhuhn und Elaine Wong (University of Wisconsin in Milwaukee), haben in zwei Studien gezeigt, daß je breiter ein Männergesicht im Verhältnis zur Höhe ist, es desto wahrscheinlicher ist, daß Männer lügen und betrügen. Das gilt nur für Männer, bei Frauen ist die Gesichtsform in keinster Weise mit dem Hang zum Betrug verbunden.

Ein breites Gesicht ist [bei Männern] ein klares Indiz dafür, daß sein Besitzer zum Mogeln und zum Betrügen neigt. Damit sei zum allerersten Mal eine Verbindung zwischen unethischem Verhalten und einem genetisch festgelegten körperlichen Merkmal nachgewiesen worden, jubeln Haselhuhn und Wong. Vermittelt werde diese Verbindung ganz offensichtlich durch das persönliche Machtgefühl. Das mache auch aus Sicht der Evolution Sinn: Wäre das breite Gesicht lediglich ein Indikator für einen Hang zum Lügen, dürfte es seinen Trägern in der Vergangenheit ausschließlich Nachteile gebracht haben und müßte mittlerweile völlig verschwunden sein. Ist es jedoch gleichzeitig ein Anzeichen für positiv gewertete Qualitäten, könnte das den negativen Effekt aufgehoben haben. Genau das sei hier der Fall: Macht beziehungsweise das Gefühl von Macht bringe auch Optimismus, zielgerichtetes Verhalten und Führungsqualitäten mit sich.

Mir fällt dazu das Kindchenschema ein, das ich an anderer Stelle versucht habe orgonenergetisch zu erklären. Das hier weiterzuspinnen würde sich jedoch in Spekulationen verlieren.

1980 hat mich meine damalige Freundin zu einer „charakterkundlichen“ Vorlesungsreihe mitgeschleppt. Im Anschluß an Johann Caspar Lavater (der heute vor allem durch seine Beziehung zu Goethe bekannt ist) ging es darum, aus der Schädelform und den Gesichtszügen den Charakter zu lesen. Entsetzt saß ich da im altertümlichen Vorlesungssaal, den der Veranstalter von der Hamburger Universität angemietet hatte, und fühlte mich um 40 Jahre in die Vergangenheit versetzt. Ich ärgerte meine Freundin, indem ich sie als „Ernährungstyp“ charakterisierte und sie mich: ich sei vom Typus des „genialen Verbrechers“ (hohe Stirn mit unausgewogenen Gesichtszügen).

Merkwürdigerweise sahen fast durchweg alle Schachgroßmeister, Teilchenphysiker, Mathematikprofessoren, etc., denen ich im Leben begegnet bin, ausgesprochen „unintelligent“ aus.

Weniger witzig war, daß dieses System auch auf „Rassen“ angewendet wurde, wobei die „weiße Rasse“ als „vergeistigt“ galt, die „schwarze Rasse“ als „animalisch“.

Bereits Reich mußte sich bei seiner Formulierung der Charakteranalyse mit derartigen Vorstellungen herumschlagen, insbesondere mit der Charakterkunde von Ludwig Klages (Charakteranalyse, Fischer TB, S. 198).

Das ganze läuft darauf hinaus, daß der Mensch aus drei Schichten aufgebaut ist: bioenergetischer Kern, Mittlere Schicht und soziale Fassade.

Diese drei Schichten entsprechen der angeborenen Natur des Menschen (ich habe beispielsweise das aufbrausende Temperament meiner Mutter geerbt), sein Charakter, d.h. die Art und Weise, wie er sich im Leben durchsetzt und schließlich seine Persönlichkeit, mit der er sich mehr oder weniger willentlich der Umwelt präsentiert (beispielsweise: „Immer nur lächeln, auch wenn einem zum Weinen zumute ist!“).

„Charakterologen“, wie Klages, werfen diese drei Bereiche wild durcheinander. Dergestalt ist „Charakterkunde“ ein Beispiel für die Emotionelle Pest. Der Charakter zeigt, wie man mit dem „angeborenen Material“ umgeht. Meist ist dies kontraproduktiv, läßt sich aber in einer Orgontherapie weitgehend verändern.

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel VI.15.

5. Juni 2016

orgonometrieteil12

I. Zusammenfassung

II. Die Hauptgleichung

III. Reichs „Freudo-Marxismus“

IV. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

V. Reichs Biophysik

VI. Äther, Gott und Teufel

1. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

2. Spiritualität und die sensationelle Pest

3. Die Biologie zwischen links und rechts

4. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

5. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

6. Die gesellschaftlichen Tabus

7. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

8. Dreifaltigkeit

9. „Ätherströme“, Überlagerung und gleichzeitige Wirkung

10. Die Schöpfungsfunktion

11. Die Rechtslastigkeit der Naturwissenschaft

12. Bewegung und Bezugssystem

13. Der Geist in der Maschine

14. Orgonomie ist Wissenschaft, keine Naturphilosophie!

15. Die Identitätsphilosophie

Orgonomie und Anthroposophie

2. Juni 2016

Steiner und Reich sind in ihrer jeweiligen Jugend (jedenfalls in entscheidenden Teilbereichen) von identischen Positionen ausgegangen – um am Ende diametral entgegengesetzte Theorien zu vertreten. Beide gingen von einer strengen naturwissenschaftlichen Orientierung aus und von einer aufklärerischen Partei, die durch die Namen Max Stirner, Ibsen und Nietzsche gekennzeichnet ist. Ihre Fragestellung war in etwa: Was macht den Kern des autonomen Individuums aus? Sein Geist, der sich von der Tyrannei der Triebe befreit? Oder ist es der von aller irrationalen „Vernunft“ befreite, in sich vernünftige Trieb?

Geht man diesen Fragen nach, fällt einerseits auf, daß sowohl der Geist als auch der Trieb bei Steiner und Reich jeweils zu etwas Überindividuellem, „Kosmischen“ wurden (wodurch sich Steiner und Reich von ihren Ursprüngen entfernten), und andererseits Steiner eine inhärent gespaltene, dualistische Weltsicht entwickelt hat, während Reich dem naturwissenschaftlichen Monismus treu blieb.

Steiner behauptete, daß er in seiner Jugend einen ungenannten okkulten Lehrer hatte; eine offensichtliche Lüge, um seinen Lehren überhaupt irgendeine originäre Substanz zu geben, schöpfte er doch „seine“ Einsichten zu einem sehr späten Zeitpunkt seines Lebens aus der rosenkreuzerischen und theosophischen Literatur. Tatsächlich steht überhaupt keinerlei persönliche Erfahrung hinter der Anthroposophie. Steiner hat, als typischer Ideologe, alle Elemente der Anthroposophie gestohlen, zurechtgestutzt, vereinfacht und als seine eigene Schöpfung verkauft. Sozusagen eine deutsche Vorgängerversion der amerikanischen Scientology.

Seine gesamte metaphysische Philosophie, zusammen mit seinen pädagogischen Theorien, hat er von Johann Friedrich Herbart (1776-1841). Herbarts Schüler Robert Zimmermann (1824-1898) war einer von Steiners Universitätslehrern gewesen. Zimmermann hatte 1882 ein Buch über Anthroposophie veröffentlicht! Eine weitere Quelle von „Steiners“ Anthroposophie ist der romantische Naturphilosoph und Arzt Ignaz P.V. Troxler (1789-1830), der im Anschluß an Schelling eine spekulative Anthropologie und „Biosophie“ begründet hatte. „Steiners“ Theologie stammte vom russischen Religionsphilosophen Wladimir Solowjow. Der Rest der Anthroposophie, wie z.B. der „biodynamische“ Anbau, entstammt „germanischen“ Traditionen, Hahnemanns Homöopathie und natürlich Goethe.

So ist die Anthroposophie nichts weiter als chaotischer Eklektizismus, der nur zusammengehalten wird von psychotischem Primärprozeßdenken (z.B. sind die Afrikaner so ahrimanisch heißblütig, weil ihre ahrimanische Hautfarbe die Sonnenenergie absorbiert), trivialen Analogieschlüssen (z.B. vom Universum als großer Mensch auf den Menschen als kleines Universum und umgekehrt), „mystischem Materialismus“ (Funktionen werden in Substanzen verwandelt, daher die vielen „Äther“ anstatt dem einen Äther und seinen vielen Funktionen) und „mystischem Mechanismus“ (z.B. die rigide Einteilung des Lebens in Siebenjahrs-Etappen).

Steiner berief sich auf die mechanistische Naturwissenschaft, um mit deren Methodik eine „Geisteswissenschaft“ zu begründen. Beispielsweise ist das ganze anthroposophische Konzept vier unterschiedlicher Äther von den vier Aggregatzuständen der Materie abgeleitet. Steiner:

Der Geheimwissenschaftler erforscht die geistigen Gesetze gerade in der Art, wie der Physiker oder der Chemiker die materiellen Gesetze erforscht. (z.n. Friedrich Heyer Anthroposophie – ein Stehen in höheren Welten?, Konstanz 1993, S. 60).

Mechano-Mystizismus ist stets mit Sadismus verknüpft:

Man sollte den okkulten „Gehalt“ des Nationalsozialismus nicht überbewerten, aber ein gewisser christlich-gnostischer Einschlag ist unverkennbar, der sehr stark an die christlich-gnostische Anthroposophie erinnert. Hitler selbst wurde entscheidend durch den „arisch-christlichen“ Ordo Novi Templi (ONT) des Zisterziensers Lanz von Liebenfels (der übrigens, genauso wie Hitler, nie aus der Kirche ausgetreten ist oder ausgeschlossen wurde). Zeichen des ONT war das Hakenkreuz, das das christliche Kreuz zum arisch-christlichen Symbol vervollkommnen sollte. Für Lanz von Liebenfels war das Christentum in seinem Kerngehalt „arischer Ahnen- und Rassenkult“. Jesus Christus ist „Frauja-Jesus“, bzw. der germanische Gott Fro. Die „Reinheit“ wird durch die Emanzipation der Frauen, mit ihrem „Hang zu Niederrassigen“, und durch die Emanzipation der ebenso triebhaften Juden gefährdet. Der Jude sei gefährlich und gleichzeitig sexuell faszinierend. Er ist hinterhältig (intellektuell), feige (weibisch) und grausam (tierisch). Wie Steiner wollte auch Lanz von Liebenfels eine „Johanneskirche“, „eine Kirche des heiligen Grals“ begründen. Später sollte Himmler soweit gehen, als geheime Kommandosache Expeditionen nach Südfrankreich zu entsenden, die dort im Gebiet der Albigenser, bzw. Katharer nach dem Heiligen Gral suchen sollten.

Die untergründige Verbundenheit von Hitlers und Steiners „Glaubensgut“ kann man sich wohl am besten Anhand Richard Wagners vergegenwärtigen. Wagner behauptete, sein Parsifal stelle „die höchsten Mysterien des christlichen Glaubens“ auf der Bühne dar. Wagner, der ohne Zweifel die physische Ausrottung aller Juden wollte. Parsifal vertritt ein vom Judentum gereinigtes Christentum: „Erlösung dem Erlöser“, Erlösung Christi von den Juden. Dieses „Johanneische Christentum“ bezieht sich auf biblische Aussagen, wonach die Juden „zum Gefolge Satans gehören“ (Offb 2,9) und „Kinder des Teufels“ (Joh 8,44) sind. Die Nazis kämpften gegen Satan, d.h. die egoistische, machthungrige geistige Blindheit, die durch die jüdische Rasse verkörpert werde, die den arischen Erlöser Jesus Christus ermordet habe. Hitler war von der Johanneischen Materie- und Leibfeindlichkeit beseelt, und wollte als vergeistigter, vegetarischer Reinheitsfanatiker die „materiellen Juden“ buchstäblich wie Ungeziefer vertilgen und Christus gleich die jüdischen Geldwechsler aus dem Tempel vertreiben.

In der hellenistischen Gnosis gab es einen Erlöser, der aus der antiweltlichen Lichtzone herabstieg, um die Menschen aus der sündigen Welt zu erretten. Im christlich-gnostischen Mythos wurde diese Welt aber von den Juden symbolisiert, die zum „Herren dieser Welt“ beteten. Genauso war für Hitler „der Weltjude“ „der Widersacher“. Das besondere am Wagnerianertum und infolge am Nationalsozialismus war nun die Naturalisierung dieses manichäischen Reinheitswahns, die Biologisierung des Grals-Christentums: die Idee des reinen „unbefleckten“ Blutes und der gewalttätigen darwinistischen Durchsetzung dieses reinen Blutes gegen die degenerativen dunklen Mächte des Bösen. Für Hitler war der arische Christus kein defensiver Mensch, sondern ein heroischer Kämpfer des Lichts gegen die verräterischen Juden.

Dem Antisemitismus-Forscher Robert Wistrich zufolge ist das „Entweder-Oder“ der innerste Kern der Hitlerschen Weltanschauung. Sie

korrespondiert mit einer im Grunde religiösen Weltauffassung, die an bestimmte manichäische und gnostische Häresien zur Zeit des frühen Christentums erinnert. Hitler begriff den Kampf gegen die Juden tatsächlich als einen endzeitlichen Krieg der Kräfte des Lichts gegen einen teuflischen Feind. (Der antisemitische Wahn, Ismaning, 1987, S. 60)

Das Erschreckende ist, daß diese „gnostische“ Geistesart bis heute von „Esoterikern“ gepflegt wird – und tatsächlich immer populärer wird. Gleichzeitig verbindet sie sich mit Verschwörungstheorien, etwa um den 11. September herum, die faktisch identisch mit jenen „Theorien“ sind, die Hitler und Himmler bewegt haben.

Mit der Anthroposophie beschäftige ich mich aus dem gleichen Grund, aus dem ich mich mit dem Buddhismus beschäftigt habe: als Gegenwehr gegen die Unterwanderung der Orgonomie durch mystische und faschistische Ideologien.

Zu Steiners Zeiten gab es im deutschsprachigen Raum eine quasi funktionelle „orgonomische“ Naturwissenschaft: die „Energetiker“ und „Monisten“, mit ihrer Art von „vitalistischem Materialismus“, wie Ernst Haeckel, Wilhelm Ostwald, und Paul Kammerer. Steiner nahm diese „Proto-Orgonomie“ auf und machte sie sich zu eigen, indem er sie nach dem Muster „vergeistigte“, mit dem er schon mit Goethe verfahren war. Steiners Annäherung an die Natur, die bei ihm zum bloßen Spiegelbild der „reinen“ Ideen wurde, ist bei aller vordergründigen „Goetheanität“ in Wirklichkeit das genaue Gegenteil von Goethes protofunktionellem Ansatz. Dahinter steckt Steiners Charakterstruktur.

Nichts kam Steiner auf natürliche Weise, es wurde alles vom Willen erzwungen, und dann zwang er dies kontaktlos anderen auf, unabhängig von jeder Realität. Obwohl sich die Anthroposophie als Wissenschaft geriert, gibt es keinerlei Weg zur intersubjektiven Auseinandersetzung mit Steiners „Geisteswelt“. Niemand, nicht einmal Anthroposophen, sehen, was Steiner sah (oder vielmehr behauptete zu sehen). Zum Beispiel das Lesen der ursprünglichen „Akasha-Chronik“. Die Anthroposophie ist ein scholastisches Dogma, das jede eigenständige Erfahrung untergräbt. Es ist etwas für Menschen, die innere Bewegung und Entwicklung fürchten und sich nach vollständiger ideologischer Panzerung sehnen, nach „Versteinerung“.

Bereits zu Lebzeiten Steiners stellte der russische Philosoph Nikolai Berdjajew fest:

Einige Anthroposophen machten auf mich den Eindruck von Besessenen. Sie standen im Banne einer fixen Idee. Wenn sie die Worte sprachen: „Der Doktor (d.h. Steiner) sagt…“, so änderte sich der Ausdruck ihrer Augen, das Gesicht wurde anders, und es war dann nicht mehr möglich, das Gespräch fortzusetzen. Gläubige Anthroposophen sind viel dogmatischer, viel autoritätsgebundener als die orthodoxesten Orthodoxen oder Katholiken. (z.n. Friedrich Heyer: Anthroposophie – ein Stehen in Höheren Welten?, Konstanz 1993: S. 41)

Nach Steiners Tod ist die Anthroposophie vollends zu einem sterilen, dogmatischen System erstarrt, dessen Dreh- und Angelpunkt die Unterdrückung aller kritischen Distanz und die vollständige Identifikation mit dem Führer ist.

Die energetische Funktion der Steinerity ist die komplette Konfusion, um genuinen Kontakt zu vermeiden. Das Ziel des Anthroposophen ist die „Dreigliederung“ seines eigenen inneren Lebens in Denken, Fühlen und Wollen. Diese drei Elemente sollen voneinander unabhängig werden. Die innere Einheit des Menschen löst sich auf, so daß ein Anhänger Steiners „neben sich selbst“ tritt. Diese schizophrene Spaltung ist für jede mystische Tradition charakteristisch, aber die synkretistische Anthroposophie fügt dieser Konfusion noch ein weiteres Element hinzu, da Steiners Konzept von der Dreigliederung des Menschen mit seinem Konzept der viergliedrigen Organisation des Menschen unvereinbar ist (die vier Äther-Körper: materiell-emotional, imaginativ, inspirativ und intuitiv). Dieses spezielle Gefühl von prekärer Balance und Konfusion wird unmittelbar von der typischen anthroposophischen Architektur vermittelt, die den Gleichgewichtssinn stört und tatsächlich in einen schizophrenie-artigen Geisteszustand versetzt.

Steiner war eine zutiefst entfremdete Persönlichkeit. Seinen Erinnerungen zufolge lernte er Glück das erste Mal mit zehn Jahren beim Studium der Geometrie kennen. Er hatte nie persönliche Freunde, geschweige denn sexuelle Beziehungen. Er heiratete mit 35 eine viel ältere Frau und seine zweite Heirat mit Marie von Sivers war mehr ein politisches Manöver. Steiner zufolge werden wir durch unsere Emotionen von der kosmischen Einheit getrennt, während wir durch das Denken alles durchdringen und eins mit dem Universum werden. Man vergleiche dies nur mit Nietzsches Aussage: „Unsere Instinkte sind besser als ihr Ausdruck in Begriffen. Unser Leib ist weiser als unser Geist!“ (Studienausgabe, Bd. 11, S. 244).

Anthroposophie versucht die Überlegenheit des Geistes über die Materie zu beweisen, deren „Vergeistigung“ der Zweck des Lebens sei. Sie schreitet stets von oben nach unten, von der Idee zum Stoff, von der Doktrin zur Realität vor und kreuzigt so das Lebendige. Man betrachte nur die Kinderzeichnungen in Waldorf-Schulen; es ist alles nach einem Schema gefertigt, ohne persönlichen Ausdruck und Spontanität. Auch hat Marie von Sivers „Ausdruckstanz“, die Eurhythmie, nichts mit bioenergetischem Ausdruck zu tun, sondern ist rein vom Kopf her gesteuert. Anthroposophen leben nur in ihren Köpfen und streben danach jeden zu vernichten, der unterhalb seines Kopfes lebt, also „verworfen“ das lebt, was die Anthroposophen so krampfhaft verdrängen.

Diese Emotionelle Pest-Reaktion aus Projektion stammt direkt von Steiner selbst: es ist verblüffend, wie alle Charakteristiken „Ahrimans“ (dem materialistischen Teufel der spirituellen Anthroposophie) am besten auf Steiner selbst passen. Man muß nur Fotos von Steiner mit seinen Zeichnungen Ahrimans vergleichen, um zu sehen, daß Ahriman nichts weiter war als Steiners eigenes verhaßtes Selbst. (Im Vergleich trifft dasselbe auf das Verhältnis Wagners und Hitlers gegenüber den Juden zu.)

Der britische Anthroposoph Trevor Ravenscroft legt ungewollt diese geheime Identität offen, wenn er auf Seite 275 von The Spear of Destiny eine angebliche „Triumphhymne der bösen Mächte“ präsentiert, die in Wirklichkeit das genaue Gegenteil ist: es ist Steiners persönliches „Kosmisches Vaterunser“! So identifiziert ein herausragender Anthroposoph durch einen erhellenden Fehlgriff unbewußt Steiner mit Ahriman!

Es ist nur natürlich, daß Steiner die Psychoanalyse haßte und bekämpfte und daß die Anthroposophie stets ein fanatischer Gegner der Vorstellung von einem Unbewußten war. Nach der Aussage eines zeitgenössischen Anthroposophen ist die Psychoanalyse „Blendwerk Satans“. Ich nehme an, daß die Orgonomie noch härter beurteilt werden würde, da sie von der bioenergetischen Einheit des Menschen spricht, während die Anthroposophie von einem universellen psycho-physiologischen Parallelismus ausgeht, einer kosmischen Spaltung, der zufolge der Mensch zwei Wesen in einem Organismus ist. Auf der einen Seite die biologische Evolution, der wir unseren Körper verdanken, auf der anderen die davon vollkommen unabhängige Entwicklung unserer Seele von Inkarnation zu Inkarnation. Zum Beispiel erklärt die Anthroposophie die gegenwärtige Überbevölkerung wie folgt: im 20. Jahrhundert ist Christus in seinem „Ätherkörper“ zurückgekehrt, um das New Age zu bringen, all die einzelnen Seelen wollen an dieser Erfahrung Anteil haben und reinkarnieren sich deshalb nun auf der Erde.

Ursprünglich war Steiner gegen derartige Theorien, da er vorher ein atheistischer Monist und „Individualanarchist“ in Anlehnung an Max Stirner und Nietzsche war. Es gibt eine profane Erklärung für Steiners plötzlichen Wechsel zur Theosophie im Jahre 1902: er war in einer verzweifelten Lage, da er keinen Beruf hatte und die Theosophie seine allerletzte Chance war, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten (in dieser Hinsicht erinnert er an L. Ron Hubbard). Ich nehme an, daß dieser Umschwung zu einem festgelegten mystischen System diesen Schizophrenen in engeren Kontakt mit der Realität brachte, indem es ihn einen Orientierungsrahmen bot. Vielleicht hatte dies einen heilenden Einfluß auf seine Schizophrenie und ermöglichte es ihm später in seinen sozialen Unternehmungen so produktiv zu sein. Marie von Sivers, ein pestilenter, sadistischer Charakter, war der Antrieb hinter Steiners Weg in den sozialen Erfolg. Wie sehr er von ihr dominiert wurde, zeigt die Tatsache, daß nach seinem Tod Marie von Sivers seine von ihr veröffentlichten Vorträge so manipulierte, daß er geistig nicht allzu angeschlagen wirkte. Aber schon Steiner selbst hatte die neuen Ausgaben seiner frühen Bücher vollkommen umgeschrieben, um den Bruch in seinem Leben zu kaschieren.

Wegen seiner persönlichen rassistischen Überzeugungen, die sogar noch rigider waren als die der angelsächsischen Theosophen, spaltete sich Steiner 1913 von der Theosophie ab. Er konnte die „Absurdität“ nicht ertragen, daß das braune Hindukind Jiddu Krishnamurthi zur Reinkarnation Christi erklärt wurde. 1917 wandte er sich dann von seiner dualistischen gnostischen Abgeschiedenheit ab und all seinen sozialen Aktivitäten rund um die „Dreigliederung“ zu. Aber trotzdem blieb hinter Steiners Konzepten der grundlegende Manichäische Dualismus zwischen einer höheren und einer niederen Welt, zwischen Geist und Körper. Zum Beispiel steckt hinter Steiners angeblich „arbeitsdemokratischem“ Konzept von der gesellschaftlichen „Dreigliederung“ das Konzept einer Dichotomie zwischen den höheren geistigen Menschen und den niederen materialistischen. Steiners Gesellschaftssicht ist nicht demokratisch, sondern „hierarchisch-hierokratisch“. Seine „Dreigliederung“ der Gesellschaft in die vollständig unabhängigen Sphären des Staates (Justiz), der Ökonomie und der Kultur, ist weit davon entfernt arbeitsdemokratisch zu sein und bedeutet in Wirklichkeit eine Art von Kastensystem mit den Anthroposophen (Kultur) an der Spitze als der Erziehungs-Elite, die die beiden anderen Sphären bestimmt, während die Anthroposophie selbst von allen ökonomischen und rechtlichen Eingriffen frei bleibt. Es ist ein rigides patriarchalisches totalitäres System hinter einer liberalen Maske von Freiheit und „Unabhängigkeit“. Für einige Nazis war und ist es die Blaupause ihrer Staatsutopie.

Orgonometrie (Teil 2): Kapitel VI.13.

27. Mai 2016

orgonometrieteil12

I. Zusammenfassung

II. Die Hauptgleichung

III. Reichs „Freudo-Marxismus“

IV. Reichs Beitrag zur Psychosomatik

V. Reichs Biophysik

VI. Äther, Gott und Teufel

1. Der modern-liberale (pseudo-liberale) Charakter

2. Spiritualität und die sensationelle Pest

3. Die Biologie zwischen links und rechts

4. Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur

5. Die Illusion vom Paradies und die zwei Arten von „Magie“

6. Die gesellschaftlichen Tabus

7. Animismus, Polytheismus, Monotheismus

8. Dreifaltigkeit

9. „Ätherströme“, Überlagerung und gleichzeitige Wirkung

10. Die Schöpfungsfunktion

11. Die Rechtslastigkeit der Naturwissenschaft

12. Bewegung und Bezugssystem

13. Der Geist in der Maschine