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Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 46

31. Dezember 2019

orgonometrieteil12

46. Goethes Funktionalismus

Über den Terrorismus (Teil 1)*

10. Oktober 2019

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.**
 

Verständlicherweise kann man sich fragen, was das Thema Terrorismus mit Orgonomie zu tun hat und warum wir uns überhaupt mit politischen Fragen beschäftigen. Für den funktionellen Denker ist die Antwort klar: Alles, was mit dem soziopolitischen Ausdruck von Menschen zu tun hat, umfasst auch ihre Charakterstrukturen und wie diese im sozialen Kontext zum Ausdruck kommen. So kann die Erforschung des kollektiven menschlichen Verhaltens zu einem tieferen Verständnis der Dynamik blockierter Energie im gesamten Spektrum führen, vom einfachen Neurotiker bis hin zum voll entfalteten Modju.1 Unser Ziel ist, diese Fragen in einem Bereich zu untersuchen, der dramatisch sichtbar, erschreckend unmittelbar und sozial destruktiv ist, d.h. dem Terrorismus. Wir werden uns auf den Terrorismus der Linken konzentrieren, da er derzeit eine noch größere Bedrohung für die menschliche Freiheit darstellt, als sein nicht minder abscheuliches Gegenstück auf der rechten Seite.

Auf einer Konferenz über den internationalen Terrorismus, die 1979 in Jerusalem stattfand, wurde die folgende Definition angenommen: Terrorismus sei die „vorsätzliche, systematische Ermordung, Verstümmelung und Bedrohung von Unschuldigen, um Angst zu erregen und damit politische Ziele zu erreichen“ (1, S. 361).

Die obige Definition, so pragmatisch sie auch sein mag, ist aus funktioneller, orgonomischer Sicht begrenzt. Funktionell können „politische Ziele“ als charakterologische Ziele interpretiert werden – eine Erweiterung des menschlichen Charakters auf die soziale Szene. Die Politik kann möglicherweise positive Aspekte des menschlichen Charakters zum Ausdruck bringen, wie sie in einigen wirklich großen Staatsmännern der Vergangenheit verkörpert wurde. Häufiger ist sie jedoch Ausdruck dessen, was neurotisch, machttrunken und der emotionellen Pest ähnlich ist. Man könnte durchaus argumentieren, dass alle politischen Aktivitäten a priori neurotisch sind. Wir müssen uns jedoch darüber im Klaren sein, dass es Menschen gibt, die sich aus nicht-neurotischen Gründen der Politik nähern, die ihre natürlichen, kosmischen Gefühle falsch interpretieren und dennoch starke, anständige soziale Anliegen (Kontakt zur Umwelt) haben, die sie zum gesellschaftlichen Dienst mittels des politischen Apparats nötigen.

Der Terrorismus muss, so wie er zuvor definiert wurde, von der Art der Guerilla-Aktivität („kleiner Krieg“) unterschieden werden, die ausschließlich den Angriffen auf die politischen und militärischen Bastionen eines objektiv unterdrückerischen und ungewollten Regimes dient. Terroristen hingegen zielen auf unschuldige Menschen ab, mischen sich häufig unter sie, machen sie zu Geiseln und bestrafen sie für feindliche Aktivitäten, wie z.B. der Vietcong und die P.L.O. Nachdem Unschuldige verletzt wurden, weinen sie Krokodilstränen über Wirkung und Nutzen. Folglich waren die Guerilla-Taktiken der amerikanischen Kolonisten und der palästinensischen Juden gegen die Briten und der Partisanen gegen die Achsenmächte während des Zweiten Weltkriegs nicht terroristisch, jedenfalls nicht als Teil einer offiziellen oder kalkulierten Politik. Diese Aktionen richteten sich nicht gegen unschuldige Zivilisten, noch waren die Täter eine Koalition von Triebtätern der Emotionellen Pest, die den Interessen einer globalen Verschwörung gegen die Freiheit und das natürliche Leben dienten. Sie versteckten sich weder hinter einem vorgeschobenen Humanitarismus oder Nationalismus, noch haben sie abscheuliche Taten hinter Blendfassaden begangen bzw. sie mit ihnen verschleiert, wie die P.L.O., die Baader-Meinhof-Bande, die Roten Brigaden, die IRA-Provosa und andere derartige Terrorgruppen.

 

Anmerkungen

* Basierend auf Vorlesungen an den Universitäten Adelphi und New York, Herbst und Frühjahr 1981-1982.

** Außerordentlicher Professor der Sozialpsychologie, New York Universität. Orgonomischer Berater. Mitglied des American College of Orgonomy. [Anm. d. Übers.: Paul N. Mathews (1924-1986)]

1 Eine Bezeichnung, die von Reich für den tödlichsten emotionellen Pestcharakter verwendet wird.

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Provisional Irish Republican Army, die aus der Spaltung der Irisch-Republikanischen Armee im Dezember 1969 hervorging. Verantwortlich für unzählige Bombenanschläge und über tausend Verletzte.

 

Literatur

1. International Terrorism: Challenge und Response, Proceedings of the Jerusalem Conference on International Terrorism (The Jonathan Institute, Jerusalem, 1980)

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 16 (1982), Nr. 2, S. 235-243.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Goethes Funktionalismus

20. September 2016

Das menschliche Gehirn erkennt auf Bildern andere Lebewesen weitaus schneller und zuverlässiger als tote Gegenstände. Forscher um Joshua New von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara zeigten Probanden jeweils zwei Bilder ein und derselben Szene, die sich nur durch ein Detail unterschieden. Beispielsweise ein Elefant bzw. ein Auto in einer afrikanischen Savannenlandschaft, eine Kaffeetasse auf einem Schreibtisch oder eine menschliche Gestalt in einer Urwaldszene. Für jedes Bildpaar ermittelten die Forscher, ob und wie schnell die Probanden die Veränderung bemerkten. Dabei zeigte sich durchweg ein großer Unterschied zwischen toten Gegenständen und Lebewesen, selbst wenn die ersteren viel kleiner waren und sich mit deutlich weniger scharfen Kontrasten vom Hintergrund abhoben. Das Getreidesilo auf dem Bild einer Landschaft oder die Kaffeetasse auf dem Schreibtisch registrierten die Probanden bei weitem nicht so schnell wie eine vergleichsweise winzige Taube in einer Marktszene oder die menschliche Gestalt im tropischen Regenwald. Gerade die im Vergleich zu Lebewesen langsame Erkennung von Autos spreche dafür, so die Wissenschaftler, daß die Unterschiede nicht auf erlernten Fähigkeiten beruhen, sondern angeboren sind, denn für die meisten Menschen wäre es heute wohl eher ein Vorteil, Autos schnell zu erkennen. Eine Fähigkeit, die wir im Alltag ständig trainieren.

New und seine Kollegen erklären die Ergebnisse natürlich evolutionsbiologisch: unsere Vorfahren hätten vor Raubtieren auf der Hut sein müssen und wären vom Jagderfolg abhängig gewesen.

In Äther, Gott und Teufel beschreibt Reich den Animismus als natürlichen Geisteszustand. Die toten „mechanischen“ Gegenstände um uns herum sind unserem Wesen derartig fremd, daß wir sie “beseelen”. Durch die Dominanz der evolutionistischen Herangehensweise wurde diese „Goetheanische“ Betrachtungsweise fast vollständig verdrängt.

Dazu ein sehr interessanter Film auf YouTube in vier Teilen: