Posts Tagged ‘Marxisten’

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 46

31. Dezember 2019

orgonometrieteil12

46. Goethes Funktionalismus

Paul Mathews: Das Weltgeschehen, die Medien und Modju

28. Dezember 2019

 

Paul Mathews:
Das Weltgeschehen, die Medien und Modju

 

Das Weltgeschehen, die Medien und Modju (Teil 4)

11. August 2019

 

Paul Mathews:
Das Weltgeschehen, die Medien und Modju

 

Buchbesprechung: SEX-POL-Essays, 1929-1934 (Teil 2)

2. Juli 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

Nun sind wir mit diesem Band konfrontiert, der von dem bereits erwähnten Lee Baxandall herausgegeben wurde. Mit Reichs eigenen, unrevidierten marxistischen Schriften und der Pseudoanwendung von Reichs sexuellen Erkenntnissen in der Gegenwart ist es wahrscheinlich der bisher politisch ausbeuterischste Band über Reich. Die Verfasser dieses Buches geben vor, sowohl Freunde oder Sympathisanten einiger Reichscher wissenschaftlicher Erkenntnisse als auch seiner sexologischen und frühen politischen Arbeit zu sein. Damit erfüllen sie eines von Reichs Kriterien für die emotionale Pest: „[Sie] bemüht sich sehr darum, als gerecht den Gerechten und vernünftig den Vernünftigen zu erscheinen, und . . . . hat sogar Erfolg dabei, gerecht und vernünftig zu erscheinen . . . um in einer sehr schlauen Art und Weise das ungerecht und in schädigender Weise unvernünftig Sein zu verbergen“ (3).

Der einzige Unterschied bei dieser Anthologie besteht darin, dass es sich um die erste veröffentlichte englischsprachige Übersetzung der marxistischen Schriften von Reich in ihrer ursprünglichen, nicht revidierten Form handelt. Als solches besitzt sie eine historische Bedeutung und zeigt, wie Reichs funktionelles Denken in das fehlerhafte Denken und die Schlussfolgerungen dieser Zeit eingedrungen war. Sie enthält bestimmte Artikel von Reich, von denen einige bereits in den oben genannten Studies on the Left veröffentlicht worden sind, darunter „Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse“g (ein Versuch, die beiden zu versöhnen), „Psychoanalyse in der Sowjetunion“h (eine Entschuldigung für die schwache Stellung der Psychoanalyse in dem, was Reich damals „den Arbeiterstaat“ nannte [S. 87], die er dem „wirtschaftlichen Druck“ und „der feindlichen Umzingelung durch kapitalistische Länder“ [ebd.] gemäß dem vorherrschenden marxistischen Jargon der damaligen Zeit zuschrieb), „Der Einbruch der Sexualmoral“ (4), „Politisierung des Sexualproblems der Jugend“ (später umgeschrieben als Die sexuelle Revolution),i „Was ist Klassenbewusstsein?“ und „Reform der Arbeiterbewegung“j (im Wesentlichen ein Regelwerk, um die Massen für den Marxismus zu gewinnen). Selbst in diesen letztgenannten Schriften war es ganz klar, dass Reich kein politischer Kommunist war (5, S. 4), da er ihre wichtigsten charakteristischen Merkmale vermied: Verbergen, Verheimlichen und hinterhältige Subversion (5, S. 274-276). „Die Suggestion als Mittel der Massengewinnung gilt nur für die politische Reaktion . . . . Die Geheimdiplomatie ist die Politik der Reaktion; sich immer an die Massen wenden (…) ist die Politik der Revolution“ (S. 362, 363).k Warum Reich letztlich von den Marxisten und Kommunisten nicht toleriert wurde, ist klar. Ebenfalls klar ist das Ausmaß seiner eigenen Missverständnisse über die Natur des Linksradikalismus und linksgerichteter Gruppen jeglicher Art. Später erkannte er diese Eigenschaften als unterschiedliche Erscheinungsformen der rotfaschistischen emotionalen Pest. So erklärt er seine Fehler wie folgt:

Später stieß ich auf eine gewaltige Fehleinschätzung. . . . Wichtig war nicht mehr der reaktionäre Führer oder der Kapitalist, sondern ausschließlich die „menschliche Natur“, d.h. die menschliche Charakterstruktur, die Unterdrückung nicht nur akzeptierte, sondern tatsächlich bejahte und unterstützte. . . . Mit der Verlagerung des gesellschaftlichen Akzents von kleinen Gruppen, politischen Parteien, einzelnen großen Männern usw. auf die Charakterstruktur der Menschenmassen brach die Sexpol zusammen, denn sie basierte auf dem irrigen Konzept, dass „Rechts schwarz ist“ und „Links weiß ist“ (6).2l

 

Anmerkungen

2 Vgl. auch die Erklärung von Reich für seine Ablehnung der „marxistischen Parteibegriffe“ und anderer in seinen früheren soziopolitischen Schriften seiner marxistischen Periode im Vorwort der dritten Auflage der Massenpsychologie des Faschismus, S. xiv ff. in der Wolfe-Übersetzung und S. xviii ff. in der Carfagno-Übersetzung.

 

Anmerkungen des Übersetzers

g Dialectical Materialism and Psychoanalysis, Studies on the Left, 6, Juli-August 1966, S. 5-45.

h Die Stellung der Psychoanalyse in der Sowjetunion, Psychoanalytische Bewegung, Heft 4 (1929).

i Tatsächlich handelt es sich um einen Abschnitt aus Der sexuelle Kampf der Jugend, 1932. PN

j Grundsätze zur Diskussion über die Neuformierung der Arbeiterbewegung, ZPPS, Band 1, Heft 3/4 (1934).

k Zitiert aus: Was ist Klassenbewusstsein, Verlag de Munter, Amsterdam 1968, S. 67.

l „Führer“ im Originaltext in Deutsch.

 

Literatur

3. Reich, W.: „Modju at Work in Journalism“, Orgone Energy Bulletin 5:85-89, 1953
4. Mathews, P.: Besprechung von The Invasion of Compulsory Sex-Morality von W. Reich, Journal of Orgonomy 6:120-23, 1972
5. Higgins, M. und Raphael, C., Hrsg.: Reich speaks of Freud. New York: Farrer, Straus & Giroux, 1967
6. Reich, W.: „Work Democracy in Action“, Annals of the Orgone Institute, 1:14-15, 1947

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 1, S. 120-124.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Besprechung von ORGONOMIC FUNCTIONALISM, No. 7 (Teil 1)

1. Juli 2019

Nach Jahren ist dieser Tage wieder eine neue Ausgabe der Zeitschrift des Wilhelm Reich Infant Trust, Orgonomic Functionalism erschienen, die No. 7. Die Artikel stammen aus jedem Jahr zwischen 1935 und 1939.

Das ganze wird eingeleitet durch ein „Gespräch mit einem Frisörgehilfen“ aus Reichs Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie. Dieses Gespräch ist ein Beispiel für die besagte „politische Psychologie“. Es wird zwei Arten von Lesern geben:

Erstens jene, die in Reich einen (Mit-)Marxisten erkennen, der die Mehrwerttheorie „massengerecht“ darstellt. Ein perfekter Propagandist für die Demokratische Partei der USA, die seit spätestens Bernie Sanders den Sozialismus als Vision für Amerika entdeckt hat. Dazu passend sind viele Artikel nicht nur ins Amerikanische, sondern auch ins – Mexikanische übersetzt worden. Für den US-Amerikaner ist das ein politisches Statement „für Vielfalt und offene Grenzen“.

Die zweite Art von Lesern wird sich über Reichs Argumentation verwundert zeigen. Kein Arbeiter auf der ganzen Welt brauchte jemals die Mehrwerttheorie, um dem Tatbestand seiner Ausbeutung gewahr zu werden. Charakteristischerweise wird der Friseurgehilfe von Reich gefragt, warum er nicht mehr Geld bekomme, wenn die Geschäfte gut laufen, aber nicht, warum er nicht weniger Geld bekommt, wenn diese schlecht laufen.

Verblendet durch Marx‘ pseudowissenschaftliche Theorie sieht Reich nicht, daß die Frage der Bezahlung eine pure Machtfrage ist, die von der Mehrwerttheorie nur verkleistert wird. Diese Theorie hat eine ganz andere Funktion: sie soll den Kapitalismus an sich in Frage stellen. Der Friseurgehilfe könnte statt 100 im Monat 1000 Mark verdienen – solange der Unternehmer den Mehrwert einheimst, bleibt es eine (vermeintliche) Ungerechtigkeit. (Man sieht, ohne MORAL funktioniert der angeblich „materialistische“ Marxismus gar nicht!)

Gerade aus psychologischer Sicht ist Reichs ganzer Ansatz an Absurdität kaum zu überbieten. Der Friseurgehilfe soll seiner vermeintlich eigenen Interessen gegenwärtig werden und damit aufhören sich mit seinem Boß zu identifizieren. Dieser soll enteignet werden und der Mehrwert, der vorher in die Taschen des Kapitalisten floß, soll der Gemeinschaft der Werktätigen zugute kommen. Das bedeutet schlichtweg den Anreiz zu beseitigen, überhaupt Friseursalons aufzumachen und zu expandieren. Der erste Schritt hin zum Sozialismus ist stets die Einführung einer konfiskatorischen Erbschaftsteuer. Daß wir evolutionär so geprägt sind, für unsere Nachkommen zu arbeiten, d.h. für unsere Gene, und daß mit solchen Maßnahmen entsprechend der „psychologische“ Grundantrieb aller ökonomischen Aktivität zerstört wird… Zu diesem biologischen Erbe gehört auch, daß man sich mit seinem Boß identifiziert und mit ihm in Wettstreit tritt. (Ich verweise auf die soziopolitische Charakterologie und den dort beschriebenen grundlegenden „psychologischen“ Unterschied zwischen dem Konservativen, Identifikation und Wettstreit mit dem Vater, und dem Linken, subversive Rebellion gegen den Vater.)

Reichs hochnotpeinlicher Aufsatz ist nur von geschichtlichem Interesse, aber nun wirklich nichts für eine Zeitschrift, die der Verbreitung der Orgonomie dient. Läge der Fokus primär auf der Wissenschaft, würden die Aufsätze parallel im deutschen Original veröffentlicht werden und nicht ausgerechnet auf spanisch! Ich verweise auf Paul Mathews Ausführungen zu den SEX-POL-Essays: Reichs frühe Schriften werden gegen ihn selbst in Stellung gebracht. Die Emotionelle Pest in Aktion: Reich wird benutzt, um die Orgonomie zu zerstören.

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 5

12. Februar 2019

orgonometrieteil12

5. Reichs Selbstverständnis als Naturwissenschaftler

Mehrwert und Zins

29. Januar 2019

In den 1950er Jahren war es so, daß in den USA der typische Facharbeiter („Proletarier“) ein Eigenheim besaß und in Aktien investierte. In Deutschland rutscht heute ein Facharbeiter mit seinem Einkommen in die Spitzensteuerklasse. Marxisten hat so etwas nie irritiert, denn der Kern des Marxismus ist nicht materialistisch-ökonomischer Art, sondern es geht um Moral. Der Kapitalist schöpft den „Mehrwert“ ab und das ist ungerecht. Punkt. Daß auch der Unternehmer einen Mehrwert schafft (schlicht und ergreifend, weil er etwas „unternimmt“) und daß das ganze ein Spiel um Macht ist (wie jede Tarifverhandlung zeigt), quittieren Marxisten mit einem verächtlichen Lächeln, da dies ja nur eine oberflächliche Betrachtungsweise sei.

Genau die gleiche Gedankenstruktur findet sich bei den Zinskritikern. Zinsen seien ungerecht, weil der Gläubiger ja nichts leistet. Aber soll ich dir etwa ohne jede Gegenleistung einen Kredit geben?! Es ist genau wie beim Mehrwert: Als Kapitalgeber („Kapitalist“) verzichte ich nicht nur über geraume Zeit auf die Verfügungsgewalt über mein Geld, sondern ich leiste sehr wohl etwas, denn ich bewerte die Erfolgschancen der Unternehmungen, für die du mein Geld haben willst und verhindere gegebenenfalls, daß du dich ruinierst. Und was den Zinssatz betrifft, ist das Verhandlungssache, also wieder ein Spiel um Macht.

Es geht hier jeweils um menschlichen Kontakt und ein Netz gegenseitiger Kontrolle, durch die das Optimum aus der menschlichen Arbeitsfunktion herausgeholt wird. Es geht schlichtweg um LEBEN. Etwas, was Marxisten und „Zinskritiker“ von ihrer Struktur her nicht ertragen können. Von daher auch ihr messianischer Eifer und ihre Verachtung.

Wie sich die Marxistische Linke selbst widerlegt

5. Januar 2019

Imgrunde läßt sich die Marxistische Theorie bzw. die „politische Ökonomie“ auf die Aussage reduzieren, daß politische Ansichten die Ökonomie widerspiegeln. 1933 führte Reich aus, daß es neben der ökonomischen leider auch die sexuelle Unterdrückung gibt. Die letztere verwandele die Menschen so, daß sie gegen ihre ökonomischen Interessen handeln. Im Laufe der darauffolgenden Jahrzehnte, kulminierend in dem Buch Christusmord (1953), wurde der letztere Aspekt, der „charakterologische“, immer wichtiger, während der ökonomische (den Reich bis zum Schluß immer mit einer Marxistischen Brille sah!) immer mehr in den Hintergrund trat. 1967 hat dann Elsworth F. Baker aufbauend auf Reichs Veröffentlichungen und mündlichen Erläuterungen (wie die aussahen, kann man etwa anhand von Reichs Korrespondenz mit A.S. Neill sehen, Zeugnisse einer Freundschaft) politische Einstellungen vollständig rein bioenergetisch (und auch tiefenpsychologisch) erklärt. Daß man sie nicht vollständig von ihrer „materialistischen“ Grundlage trennen kann, ist eine Selbstverständlichkeit, die natürlich auch Baker berücksichtigt: die Lebensbedingungen formen den Charakter. Daß aber ausgerechnet Marx das Werkzeug geliefert haben soll, um diese Lebensbedingungen adäquat zu beschreiben…

Ich wollte aber auf etwas ganz anderes hinaus: Marxisten erklären politische Einstellungen (den „Klassenkampf“) streng materialistisch, d.h. ökonomisch. Entsprechend sollten es die „kältesten“ Menschen sein, die man sich überhaupt vorstellen kann. Eine Kuh verhält sich, wie sie sich verhält, weil sie schlichtweg eine Kuh ist, mit der Anatomie und dem angeborenen Verhaltensrepertoire einer Kuh. Genauso sollten sich Arbeiter verhalten und Kapitalisten wie Kapitalisten. Da ist im Diskurs keinerlei Platz für Emotionen bzw. einzig und alleine bei denen, die diese materialistischen Zusammenhänge verschleiern wollen. Es ist nun aber so, daß man sich in der Politik keine schrillere Hysterie, keine abgeschmacktere Moralisiererei, keinen größeren Gefühlsschwall vorstellen kann als ausgerechnet bei diesen „Materialisten“. Versuche mal mit so einem zu diskutieren! Außer Hysterie, Moralismus und die ganz großen Emotionen kommt da nichts. Man denke nur an die ruhigen, sachlichen und durch und durch materialistischen Erläuterungen eines Thilo Sarrazin oder eines Sprechers der AfD im Reichstag – und vergleiche das mit den genauso geifernden wie fakten-freien Reaktionen der Linken. Marxisten sind der schlagende Beweis für Bakers soziopolitische Charakterologie.

Siehe auch Bakers Schüler Charles Konia morgen.

Wilhelm Reich, Marxist

22. Oktober 2018

Marx hatte recht: Ideologie ist ein Nichts im Vergleich zur materiellen Determinierung des Lebens. Pseudomarxistische Idealisten wie Herbert Marcuse und Erich Fromm, die der bourgeoisen Medien eine derartige Macht andichteten, haben das nie ganz durchschaut: daß nach Marx das materielle Sein und nicht das ideelle Bewußtsein die Handlungen der Menschen bestimmt. Im Gegensatz zu diesen beiden kleinbürgerlichen Afterphilosophen ist Reich dem Materialismus treu geblieben und dabei sogar einen Schritt weitergegangen als Marx. Nach Reich sorgen nicht die kapitalistischen Produktionsverhältnisse dafür, daß die kapitalistische Ideologie bei den Arbeitern verfängt („die herrschende Ideologie ist die Ideologie der Herrschenden“ – apropos die besagten „bourgeoisen Medien“), sondern deren in der verkrampften Muskulatur konkret greifbare Charakterstruktur sorgt erst für den fruchtbaren Boden, auf dem diese Ideologie gedeihen kann. Die Menschen werden zu ängstlichen Wesen erzogen, können deshalb nicht für das Eigene eintreten und verfangen sich deshalb in der Multikulti-Ideologie der global operierenden Großkonzerne und deren „antifaschistischer“ SA-Mörderbanden.

Entsprechend ist der Hebel zu einer grundsätzlichen Gesellschaftsänderung weder der materielle Unterbau, noch der ideologische Überbau, sondern vielmehr die Kindererziehung, in der die Charakterstrukturen zukünftiger Generationen geformt werden. Die Quintessenz von Reichs Marxismus (und übrigens gleichzeitig auch seines Freudismus) ist das Projekt „Kinder der Zukunft“.

Wilhelm Reich, Antifaschist

2. September 2018

Reich 1936: Im Neuheidentum des deutschen Nationalsozialismus brach sich das vegetative Leben abermals Bahn. Der vegetative Wellengang wurde von der faschistischen Ideologie besser erfaßt als von der Kirche und ins Irdische herabgeholt. Die nationalsozialistische Mystik der „Blutwallung“ und der „Verbundenheit mit Blut und Boden“ bedeutet somit gegenüber der altchristlichen Anschauung von der Erbsünde einen Fortschritt; er erstickt jedoch in neuerlicher Mystifizierung und in reaktionärer Wirtschaftspolitik. Die Lebensbejahung biegt neuerdings in Lebensverneinung um, wird zur Bremsung der Lebensentfaltung in der Ideologie der Askese, des Untertanentums, der Pflicht und der Volksgemeinschaft mit den Kapitalisten. Trotzdem kann man nicht die Sündenlehre gegen die Lehre von der „Blutwallung“ verteidigen; man muß die „Blutwallung“ vorwärtstreiben, sie zurechtbiegen. (Die Sexualität im Kulturkampf, Fischer TB, S. 267)

Reich 1938: Heute hörte ich die Rede Hitlers – Wie recht der Mann im Rahmen der Schweinerei hat!! Kein vernünftiges Argument gegen ihn!
Der Geist des Denkens und der Wahrheit ist heute dem der Masse konträr – morgen und später sind sie dieselben. Heute läuft die Menschheit wie eine Herde erkrankter Schafe jedem Hitler nach. (Jenseits der Psychologie, S. 258f)

Reich 1939: Nehmen wir an, daß der hitlersche Imperialismus den englischen besiegt, dann wäre auch nicht ein einziges menschliches Problem wirklich gelöst. Ebensowenig umgekehrt. Ob die Völker von diesem oder jenem unterdrückt werden, ist egal. Problem der Zeit ist nicht Wechsel der Herrschaft, sondern praktische Lösung menschlicher und sozialer Fragen. („Abschied von meinen europäischen Freunden“, Rundbrief z.n. Orgonomic Functionalism VII/5, Sept. 1961)

Reich 1942: Man kann den faschistischen Amokläufer nicht unschädlich machen, wenn man ihn, je nach politischer Konjunktur, nur im Deutschen oder Italiener und nicht auch im Amerikaner und Chinesen sucht; wenn man ihn nicht in sich selbst aufspürt; wenn man nicht die sozialen Institutionen kennt, die ihn täglich ausbrüten. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 15)

Reich 1953: Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß all das große Aufsehen, daß um Christus gemacht wurde, nur dem einen Zwecke diente, den begangenen Mord zu vertuschen und jede Spur auch nur des geringsten Verdachts auf einen solchen Mord zu verwischen. Vor allem sollte damit die Weiterführung des Mordens gesichert werden, von der Zeit direkt nach der Kreuzigung über das Mittelalter hin bis zu den brennenden Kreuzen und dem Mord an sanftsinnlichen Negern im Süden der Vereinigten Staaten und der Ermordung von sechs Millionen hilfloser Juden, Franzosen und anderer in Hitlerdeutschland.
Der lange Zeitraum von der tatsächlichen Ermordung Christi und dem, was dazu geführt hat, bis zu der Ermordung von Negern in Cicero, USA, von Pazifisten in der UdSSR und von Juden in Hitlerdeutschland ist voller Ereignisse ersten Ranges. Keine noch so detaillierte Erforschung all dieser einzelnen Ereignisse wird jedoch jemals auch nur ein bißchen vom wahren Wesen des Christusmordes enthüllen, denn es ist ja gerade das Hauptkennzeichen der Pest, den Mord und die Motive dafür zu verschleiern. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 100f)

Die Wahrheit deines Feindes ist die Gegenwahrheit zu deiner eigenen Wahrheit. Wenn der Feind deiner Wahrheit die Wahrheit spricht, dann ist bei deiner eigenen Wahrfielt etwas falsch, unausgereift oder unvollständig. Bevor die Morde Hitlers voll verstanden werden konnten, mußte die Wahrheit, die er über Marxisten, Juden, Liberale und die Weimarer Republik gesagt hatte, erkannt werden. Das Erkennen seiner Wahrheit, d.h. der eigenen Gegenwahrheit, war entscheidend, um den nächsten Schritt machen zu können, zu fragen: „Wie ist es möglich, daß ein Hitler überhaupt so weit aufsteigen konnte? Wie können siebzig Millionen Deutsche, relativ gut unterrichtete und hart arbeitende Menschen, sich von einem eindeutigen Psychopathen in einen solchen Alptraum führen lassen?“ Ohne eine solche Fragestellung konnte man auch keine Antwort erhalten. Hitler vertrat ganz klar eine Gegenwahrheit.
Die Antwort auf Hitler wurde in der Charakterstruktur der breiten Masse gefunden, die seine Morde möglich machte. Es war das Volk, das Hitler hochbrachte, und nicht Hitler, der das Volk unterdrückte. (ebd., 357)

Zur Illustration des Faschismus HEUTE: