Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 5

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5. Reichs Selbstverständnis als Naturwissenschaftler

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16 Antworten to “Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 5”

  1. Robert (Berlin) Says:

    „Wir haben das Predigen gar nicht notwendig.“

    Später hat Reich ja doch gepredigt, jedenfalls kommt mir „Hör zu, kleiner Mann“ und „Christusmord“ so vor. Vielleicht hat er eingesehen, dass Tatsachenfeststellungen bei gepanzerten Gesellschaften zu keiner Änderung führen.

  2. Klaus Says:

    „Reich beharrt gegen alles angeblich „neue Denken“ auf traditioneller Wissenschaftlichkeit: „Systematik und Theoriebildung“
    Eben deshalb muss man ihn an diesem Anspruch messen. Wir hatten hier ja schon die Schwierigkeiten mit dem Falsifizieren, und so geht es auch um den Anspruch der Falsifikation selbst. Ein wunder Punkt: die Rolle des subjektiven Erlebens. Es gibt doch etliche, die nach Wochen regelmäßigen ORACs nicht viel merken (oder es nicht sagen). Und je mehr es um Messergebnisse ging, desto umstrittener ist immer die Deutung von ORAC-Versuchen gewesen.
    Für mich – wieder eher subjektiv – interessant: Manche (die meisten?) bekommen auch nach eigenen Erfahrungen, z. B. mit Schmerzlinderung, kein echtes Interesse. Das kann ich immer nicht nachvollziehen, aber es ist so.

    • Peter Nasselstein Says:

      Vielleicht wirft Konia ein Licht auf das Problem: http://charleskonia.com/2012/01/02/there-has-to-be-something-more-to-life/

    • O. Says:

      „Systematik und Theoriebildung“ ist vorwissenschaftlich zu nennen in einer methodisch quantitativ orientierten Wissenschaft.
      Reich ging es um Erkenntnisgewinn für eine wirksame Therapie.

      In der „evidenzbasierten Therapie“ soll eine Wirkung einer Therapie (z. B. VT) konstruiert und nachgewiesen sein, die nie eine Theorie hatte und somit nie eine Therapie darstellen wird. Die Psychoanalyse gehört nicht zu den evidenzbasierten Therapien, sondern zur heuristischen Therapie.

    • O. Says:

      Es läßt sich auch umgekehrtes feststellen: Es gibt doch etliche, die nicht regelmäßig ORACs benutzen und sagen wie viel sie merken würden (jedoch auch nach Jahren der Benutzung nichts spüren). Letzteres liegt nicht am Orac. Insbeondere sind hiervon „Orgonome“ (die sich für solche halten) betroffen, daher traue ich keinem Orgonom über 25.
      Jeder sollte selbst lernen mit dem Orac umzugehen – und wenn man seinem Gefühl vertraut, kann nichts schief gehen, solange man darauf geachtet hat keine (bekannte) Oranurquellen in der Nähe zu haben. Das ist besser als einen Blinden zu fragen, wie das Orgon aussieht.

      Wer Kopfschmerzen, rote Augen, Atemnot und Herzrasen für einen Orgoneffekt hält, dem kann keiner helfen. Und wer sich nicht mit den Gegenmaßnahmen vertraut gemacht hat bei einer DOR-Situation, wird schnell merken, dass er etwas falsch macht.

  3. O. Says:

    Reich hat den ersten Schritt der Theoriebildung (Methode fortschreitendem „Zirkelschluss“ hier aufgezeigt (und es mit Experimentieren später fortgesetzt). Er wäre heute vorwissenschaftlich zu nennen, wird jedoch als „unwissenschaftlich“ dargestellt. Wer solchen Unsinn behauptet, weiß nicht was wissenschaftlich bedeutet. Erst mit einer ordentlichen Theorie lassen sich sinnvolle Hypothesen aufstellen – das wird seit Jahrzehnten in der sog. Wissenschaft ignoriert. Hypothesen können dann – und nur dann – „falsifiziert“ werden. Das quantitative Verfahren ist hochkomplex und kann nicht mal eben von Hobbywissenschaftlern durchgeführt werden, wo zu dem keine finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.

    Jede Theorie oder Hypothese kann so überprüft werden, dies ist keine Diskussion von Wissensachaftlichkeit einer These, sondern eine methodische Frage.

    Ob man z. B. „Orgon“ für existent hält, ist zunächst eine Glaubensfrage. Kann man es operationalisieren und in ein Versuchsdesign verwandeln, läßt sie sich erforschen.
    Aus quantitativer Forschung kann man eine Hypothese beurteilen, aber nicht eine sinnige (heuristische) Theorie ableiten, die praxisrelevant sein kann. Der subjektive Faktor geht verloren.

    • Sebastian Says:

      „Er wäre heute vorwissenschaftlich zu nennen, wird jedoch als „unwissenschaftlich“ dargestellt.“

      Warum vorwissenschaftlich? Was bedeutet das?

      • O. Says:

        Zunächst sollte man eine Theorie entwickeln, bevor man experimentell Hypothesen prüfen möchte bzw. überhaupt eine Hypothese aufstellt, da diese sonst ohne einen sinnvollen Zusammenhang recht sinnfrei bleibt.
        Hat man eine taugliche Theorie entwickelt, macht es Sinn diese durch Formulierung von Hypothesen testen zu wollen. Solange wir noch um Hypothesen ringen, halte ich es für „vorwissenschaftlich“.

        Wenn man wissenschaftlich durch „(sozial-)wissenschaftliche Methoden“ definieren möchte; doch sollte man eine theoretische Herleitung nicht durch stumpfes Aneinanderreihen vorangegangener Experimente (ohne entsprechender theroretischer Fundierung) ersetzen, sondern eine Theorie entwickelt haben. Ersatzweise kann man auch eine von Reich benutzen, wenn man sie verstanden zu haben glaubt.

      • Sebastian Says:

        Sie trennen klassisch den Entdeckungs- vom Begründungszusammenhang, nennen ersteres vorwissenschaftlich und letzteres wissenschaftlich. Das klingt für mich arg nach einem schlechten Kompromiss, damit man den Gralshütern der Wissenschaft, die Reich nie gelesen haben, sagen kann: Okay, wir nennen seine Forschung nicht wissenschaftlich, aber auch nicht unwissenschaftlich, sondern vorwissenschaftlich! Für mich ist Reichs Forschung zu keiner Zeit vorwissenschaftlich. Arbeitet irgendein Philosoph, Esoteriker oder Religiöser, wie Reich es tat? Nein, denn sie haben ein geschlossenes religiöses, philosophisches oder esoterisches Weltbild. Wissenschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie nie abgeschlossen ist, daher befinden wir uns immer „vorher“. Wir müssten eine Reihe der berühmtesten Naturwissenschaftler in die Kategorie „Vorwissenschaft“ einordnen, wenn sie SInn ergeben soll, was selbstverständlich nicht geschieht! Warum also Reich in diese Ecke stellen?

        Hypothesen kann man zu jeder Zeit aufstellen. Ein striktes Verfahren, wie Wissenschaft abzulaufen hat, kann ich mit Blick auf die Wissenschaftsgeschichte, also die Geschichte wie Theorien entstehen, nur ablehnen. Es macht Sinn in bestimmten Situationen unsinnig, unvernünftig und unmethodisch vorzugehen. Anders hätte Reich niemals das Orgon entdeckt.

        Zum Vergleich mal die Vorgehensweise von Niels Bohr, der anerkannter Naturwissenschaftlicher (Nobelpreisträger Physik) ist:

        „… er versuchte nie, ein fertiges Bild zu entwerfen, sondern durchlief geduldig alle Phasen der Entwicklung eines Problems, ging von einer scheinbaren Paradoxie aus und gelangte allmählich zur Lösung. Man kann sagen, er betrachtete erzielte Ergebnisse stets nur als Ausgangspunkte für weiteres Forschen. Wenn er über die Möglichkeiten eines Untersuchungsansatzes nachdachte, schob er die üblichen Gesichtspunkte der EInfachheit, Eleganz, ja selbst der Widerspruchsfreiheit mit der Bemerkung beiseite, solche Qualitäten könnten erst hinterher richtig beurteilt werden…“ Das ist wissenschaftliche Praxis und braucht man nicht als vorwissenschaftlich zu bezeichnen.

        • Jonas Says:

          „Das klingt für mich arg nach einem schlechten Kompromiss, damit man den Gralshütern der Wissenschaft, die Reich nie gelesen haben, sagen kann: Okay, wir nennen seine Forschung nicht wissenschaftlich, aber auch nicht unwissenschaftlich, sondern vorwissenschaftlich.“

          Interessant hierzu ist sicher die Kontroverse, die vor einigen Jahren in der deutschen Wikipedia ablief. Dort ging es um die Kategorie, in die die Artikel zu „Orgon“ und „Bion“ eingeordnet werden sollten. „Wissenschaftliche“ Kategorien kamen natürlich gar nicht erst in Frage, aber was dann? „Pseudowissenschaft“? „Wissenschaftsgeschichte“? „Überholte Theorie“? Man einigte sich schließlich auf „Parawissenschaft“, was dem Begriff der „Vorwissenschaft“ ungefähr gleich kommt.

          • O. Says:

            Die Diskussion im Wikipedia um die Wissenschaftlichkeit von Reich war das versteckte Pro und Contra, wobei das Contra überwiegen würde und musste.
            Der Begriff „vorwissenschaftlich“ ist von mir nicht auf Reich gemünzt, sondern wissenschaftstheoretisch und evaluationsmetodisch gemeint im Kontext auf Wirksamkeit einer Therapie. Theorien werden im Allgemeinen unterbewertet und nicht als Methode akzeptiert. Reich hat Theorien aufgestellt, die auch „überprüfbar“ wären, wenn man sich die Mühe mache. Eine Theorie wird heute nicht in den Sozialwissenschaften als wissenschaftlich bewertet, wenn sie reine „Prosa“ bleibt. Die Methodik Reichs oder Freuds wird heute nicht mehr anerkannt. Die Frage müsste heißen, was ist wissenschaftlich? Für was nützt der Begriff?

            Reichs Denkmethode ist somit eine „überholte Denkmethode“ der Philosophie, des Erkenntnisgewinnes.

            Ih aus der Zeit rausnehmen zu wollen und mit heutigen Maßstäben zu messen, ist eigentlich nicht in Ordnung. Aber bei Reich war schon immer alles erlaubt, was mies ist. Es bleibt ein Problem menschlicher Charakterschwäche und -erkrankung. Es gibt keine Objektivität, sondern nur „Subjekte“, die versuchen wissenschaftlich zu agieren. Einen Forscher als Subjekt zu sehen und hinterfragen zu müssen, lenkt vom Thema ab, aber sollte nicht ganz unbeachtet bleiben.
            Ein Subjekt ist aber auch nicht nur eine mögliche Fehlerquelle, sondern zeigt einen Charakter, der massgeblich das Thema beeinflusst.

            Daher plädiere ich dafür zunächst von einer Theorie auszugehen und diese offenzulegen, damit man diese (subjektiv und anhand von Kriterien) beurteilen kann.
            _____________________________

            @ Sebastian: Sicher müsste man alle wesentlichen Entdecker als Vorwissenschaftler klassifizieren. Und auch das geschieht nicht. Daher ist klar, das auf Reich herumgetrampelt wird.

            Die (heutige) Wissenschaft ist in einer Krise oder ist eigentlich keine. Die Erkenntnis scheint noch zu fehlen und wäre zu schmerzhaft.

            Reich hat wichtige „vorwissenschaftliche“ Arbeit geleistet ohne die unsere heutige sozialwissenschaftliche Methode nicht auskommen kann. Wer nicht heute in der Forschung nicht auch vorwissenschaftlich arbeitet, arbeitet überhaupt nicht wissenschaftlich, sondern wie ein Stümper. Wenn die Annahmen nicht passen werden mal eben neue Berechnungsmethoden der Statistik ausprobiert, damit es schon mal passt und etwas publizierbares rauskommt. Sowas ist Stümperei und die eigentliche „Parawissenschaft“ [ohne auch nur ein parapsychologisches Phänomen], „Pseudowissenschaft“ passt wohl besser.

            Aber natürlich gilt, wie immer: wer die Macht hat, hat das sagen, was „Wissenschaft“ sei.

            ______________________________

            Zusammenfassend: Reich hat nach meinem Begriff hervorragend die Basis (u. Theorie) gelegt und „vorwissenschaftlich“ (nach heutige Auffassung) gearbeitet, ohne das kein wissenschaftliches Vorgehen in der Evaluation möglich ist. Ich schränke es mal erst so ein.
            Es wäre nun auch mal die Aufgabe von anderen Menschen (Forschern) hier mal positiv weiter zu gehen und sich nicht von Meinungen aufhalten zu lassen.
            Ich kann und will nicht behaupten, das Reich vorwissenschaftlich ist, sondern das seine Theorien gute vorwissenschaftliche Arbeiten sind und somit klar Wissenschaft zu nennen ist!

            Wer dies so nicht sieht, hat ein Problem mit Reich persönlich und schiebt es auf seine Theorie. Vielmehr hat er ein persönliches Problem mit sich und erkennt es aber nicht.

    • O. Says:

      Nun für den der nichts spürt bleibt es eine Glaubensfrage. Und das, was man für körpereigenes Strömen hält, ist kein freies Orgon im „physikalischen Sinne“.

      Hier mein Lieblingsversuchsdesign: Zwei Kästen, wie beschrieben bei Müschenich und Gebauer im Doppelblind versuch 1986, und eine Hautpotentialsmessung als Ableitung von der Haut. Viel Spass beim Finden einer Finanzierung des Projektes und einer wissenschaftlichen Anleitung/ Begleitung, geschweige einer ordentlichen Publizierung. 😉

  4. Klaus Says:

    „der wunde Punkt“ Argumentativ wund. Ich denke, das war im Kontext klar. Vor Kurzem fragten Sie noch, wie man einen ORAC bauen kann – heute sind Sie Experte, ich staune.

  5. Klaus Says:

    Die vielen Leute, die sich in Deutschland mit ‚Orgon’ befasst haben, machten durchweg Selbstversuche, ohne einen ‚Orgonomen’ um Diagnosen/die Feststellung einer Indikation gebeten zu haben. Das gehört zum Interesse. Zugegeben: Mit Röntgen würde man das für fatal halten. Schon bei Reich gehörte es allerdings zum allgemeinen Erfahrungsschatz, das auch stärkere ‚Überladungen’ überstanden werden können. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen, welche Erfahrungen er auf sich nehmen will. Ratschläge eines der vielen selbst ernannten ‚Orgonomen’ wird da kaum jemand abwarten. Und auf einen teuren Termin bei einem ACO-Mitglied warten … Es geht schließlich nicht um Therapie. (Dass man niemanden zwingen/überreden soll, ist wohl klar.)

    • O. Says:

      Viele haben einfach nicht darauf geachtet keine strahlenden Uhren neben dem Orac zu haben und habe sich schön verseucht und wunderten sich, dass der Orac nicht funktioniere oder sie nichts besonderes mehr spürten.
      In der DGK sind auf Konferenzen von 50% Körpertherapeuten mit solchen Uhren zu finden, so viel wie nirgends, aber es herrscht der Glaube, sie wissen ja alles über Reich … genau wie die „Orgonclowns“ in Berlin und Buxtehude.

      Zum Orac hat sich das ACO kaum geäußert, es ist fraglich, ob sie sich damit beschäftigt haben oder ob dies jeder nur privat nutzt.

  6. Peter Nasselstein Says:

    Weitere Kommentare von 2012:

    Sebastian: „Reich zufolge ist es „ein Kriterium fortschreitender Forschung (…), daß von allgemeinen heuristischen Prinzipien zu speziellen Problemen differentialpsychologischer Phänomene und über diese hinaus zu neuen allgemeinen Sätzen geschritten wird“.“
    Können Sie mir ein einfaches Beispiel für diesen Forschungsprozess nennen? Ist damit zB folgendes gemeint: Bestimmte Phänomene, über die man noch nicht vollständige Informationen hat, werden nach der psychoanalytischen Theorie als Widerstände gedeutet (allgemeines heuristisches Prinzip). Es kommt zur Widerstandsanalyse (spezielle Probleme differentialpsychologischer Phänomene), die zur Theorie der Panzerung (allgemeiner Satz) führt?

    Dazu Peter: Ich kann Ihre Frage nicht beantworten, weil ich Ihr Beispiel nicht verstehe. Das vermutlich richtig ist…
    Einfacherweise hier ziemlich laienhaft, wie ich es verstehe:
    Man kann komplexe Probleme in einfachere Teilprobleme zerlegen, die man dann wiederum beispielsweise durch Analogieschluß lösen kann. Auf diese Weise kann man aus komplizierten Verhaltensweisen nach und nach mit Hilfe der gesicherten Kenntnisse der Allgemeinen Psychologie (hier in Gestalt der Psychoanalyse, etwa die Ereknntnisse aus der Traumdeutung) langsam eine Persönlichkeitspsychologie entwickeln, die dann in einem abschließenden Schritt zu den allgemeinen Sätzen einer umfassenden Charakterologie führt. So ist das Handwerkszeug der heutigen Orgontherapeuten entstanden. Andere „Schulen“ hingegen beruhen auf kaum mehr als „glücklichen Einfällen“ und haben nichts, aber auch rein gar nichts mit Wissenschaft zu tun.

    O.: Nun ich will es mal versuchen zu erklären. Die hier genannte qualitative Forschungsmethode (im Gegensatz zur quantitativen Methode, dem „Zählen …“) wird in der Pädagogik und Psychoanalyse verwendet. Sie sollte grundstätzlich genutzt werden für eine Theoriebildung (was leider nicht gemacht wird): Es ist der „Zirkelschluss“ zwischen Praxis und Theorie/ zwischen Fall und Theorie.
    Ich untersuche einen Fall (eine Person) und bilde daraus eine Theorie über diese Person (z.B. eine Diagnose oder ein klinisches Syndrom/ Symptom oder eine Persönlichkeitsanalyse). Ich beschreibe mich oder einen Freund oder einen Klienten, den ich besonders gut beobachtet habe, arbeite die für mich typischen Merkmale heraus und benenne diese als Typus „hyperaktiv“. (Das ist nur ein Beispiel.)
    Dann verallgemeinere ich: Alle „Hyperaktiven“ haben die Eigenschaften „lange Ohren“ und „rote Nasen“ (was natürlich Unsinn ist), weil ich einen Menschen gefunden habe, auf dem ich meine Annahme aufgebaut habe. Jetzt muss ich mit dieser These mich umschauen und mehrere Hyperaktive mit diesen Eigenschaften finden. Finde ich diese, wird meine Annahme bestätigt, finde ich sie nicht, dann sollte ich meine Theorie verwerfen und neu aufstellen … etc.
    Aus einem Einzelfall wird eine allgemeingültige These gestrickt (von der Praxis zur Theorie) und dann wird die Theorie auf andere Fälle angewandt und überprüft (von der Theorie zur Praxis). Dies kann weiter fortgeschritten werden = fortschreitende Forschung.
    _______________________
    Begriffsklärungen zu: „ein Kriterium fortschreitender Forschung (…), daß von allgemeinen heuristischen Prinzipien zu speziellen Problemen differentialpsychologischer Phänomene und über diese hinaus zu neuen allgemeinen Sätzen geschritten wird“
    „von allgemeinen heuristischen Prinzipien“ = von einer allgemeinen erklärenden Theorie (z. B. psychoanalytischer Entwicklungstheorie: orale, anale Phasen etc.)
    „zu speziellen Problemen differentialpsychologischer Phänomene“ = zu unterschieds-psychologischen (die Differentielle Psychologie betreffenden) Merkmalen/ Unterschiede zwischen Personen bezogen auf ein Merkmal (bei Reich Charaktereigenschaften), die tatsächlich beobachtetet werden.
    „über diese hinaus zu neuen allgemeinen Sätzen geschritten wird“ =
    hin zu einer neuen allgemeinen oder auch speziellen Theorie, bspw. über den „triebhaften Charakter“ oder einen „Hyperaktiven“.
    Selbstverständlich können auch „Prozesse“ Gegenstand der Forschung sein und zu einer Theorie über Panzerung führen.

    Dazu Sebastian: Ah super! Danke!!

    Klaus: Ich finde auch hier keinen Anhaltspunkt für eine Auseinandersetzung Reichs mit Wissenschaftstheorie – was für mich u. a. heißt: mit dem Wiener Kreis (Schlick, Carnap, …). Irgendwo las ich einmal, Reich habe jemandem, der von „Orgonthese“ sprach, entgegnet, das Orgon sei keine These. Diese Entgegnung – sofern sie stattgefunden hat – spricht leider Bände über Reichs Unkenntnis in dieser Hinsicht. Natürlich wird die Rede von der „Orgonthese“ (verkürzend) so gemeint sein, dass sie sich auf eine (günstigstenfalls möglichst genau formulierte) These bezog, die „Orgon“ Genanntes postuliert, nicht so, das postulierte Orgon sei eine These. Das zu betonen, ist jedenfalls dann nicht spitzfindig, wenn Reich wirklich so reagiert hat (ich weiß aber nicht, wo es stand).

    Dazu Jonas: Es gab zwei Artikel von Eberhard Krumm mit dem Titel „Wilhelm Reich und die Philosophie“, erschienen in Bukumatula 4/97 und 5/97. Leider sind die Artikel nicht mehr online. Die Zeitschrift ist hier zu finden:
    http://www.wilhelmreich.at/?page_id=397
    Soweit ich mich erinnere, wird hier ein Bezug zum Wiener Kreis hergestellt; es kann aber sein, dass ich den Artikel verwechsele.

    O.: Ich habe noch im Ohr – evtl. sogar aus die „Entdeckung des Orgon Bd. 1 oder 2“ – dass er sich gegen die Aussage einer Orgon-„theorie“ wandte: Orgon existiere und seine Eigenschaften sind experimentell von ihm nachgewiesen worden und somit keine „Theorie“ mehr.
    Wer dies mit dem Begriff „Orgontheorie“ in Zweifel bringen will, hat sich nicht mit Reichs Schriften befasst – so könne Reich argumentieren.
    Man wird schwerlich über Orgon philosophieren können.

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