Posts Tagged ‘Szientismus’

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 5

12. Februar 2019

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5. Reichs Selbstverständnis als Naturwissenschaftler

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7. November 2018

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1. Dezember 2017

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19. November 2017

Eine theoretische Erneuerung der naturwissenschaftlichen Orgonomie?

28. Juli 2015

In seinem vor kurzem bei Harvard University Press erschienen Buch Wilhelm Reich, Biologist führt der auf Biologie spezialisierte Wissenschaftshistoriker James Strick u.a. aus, daß Reichs „Obsession“ mit dem Begriff „Energie“ bzw. „Lebensenergie“ vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen zwischen Vitalismus und Mechanismus Anfang des 20. Jahrhunderts zu verstehen ist und nur konsequent war. So sei, Strick zufolge, die „Lebensenergie“ damals kein „vitalistisches“, sondern ein Konzept der Laborwissenschaft gewesen. Auch hat beispielsweise bereits 1895 Freuds damaliger Mitstreiter Josef Breuer ausgeführt, daß der Begriff „Lebenskraft“ antiquiert sei und man heute (d.h. 1895, als die Psychoanalyse in ihren ersten Anfängen steckte) von „Energie“ reden sollte.

Entsprechend wird heutzutage vorgebracht, eine bessere, an die heute gebräuchliche wissenschaftliche Ausdruckweise besser angepaßte, Begrifflichkeit wäre das Wort „Plasma“. Es träfe die Sache viel besser als das Wort „Energie“ in „Orgonenergie“ (Lars Jörgenson: Die Grauzone in der Wissenschaft, Berlin: WDB-Verlag, 1990). Nun, „Plasma“ ist ein Aggregatzustand von Materie, da ist „Energie“ weitaus neutraler ohne inhaltsleer zu sein, wie etwa Charles Kelleys „schöpferischer Prozeß“ oder gar „Radix“.

In den 1970er Jahren wurde von „Reichianern“ versucht, den Strukturalismus an die Stelle des Funktionalismus (der etwa in der Ethnologie vollständig dem Strukturalismus weichen mußte) zu setzen. Die Welt wird als eine Art Schablone begriffen, die den Objekten, die sie ausfüllen, erst ihren Sinn gibt – oder so ähnlich. Ob diese kaum nachvollziehbare „Theorie“ besser das vermittelt, was Reich ausdrücken wollte, wage ich doch stark zu bezweifeln. Im übrigen ist der Funktionalismus aus der Feldforschung heraus entstanden, während der Strukturalismus eine Kopfgeburt am Schreibtisch war.

Das Poppersche Diktum, in der Forschung gehe es um Falsifizieren nicht um Verifizieren, ist ebenfalls eine ziemliche Kopfgeburt, denn so hätte sich nicht nur nicht die Orgonomie entwickeln können, sondern überhaupt kaum etwas in der Wissenschaft.

Wirklich alle orgonomischen Versuche zielen darauf, die gesuchten „lebendigen“ Phänomene „hervorzukitzeln“, während die mechanistische Wissenschaft eine „Todschlagunternehmung“ ist. Man denke nur an das Problem des Pleomorphismus – der unter den Tisch fällt, weil alle mikrobiologischen Proben nach 2 Tagen oder so als „kontaminiert“ weggeworfen werden. Man muß dem Lebendigen die Möglichkeit geben sich zu entfalten – während der Poppersche Szientismus alles daransetzt das Leben zu töten. Eine im wahrsten Sinne des Wortes „sterile“ Wissenschaft. Diese „Skeptiker“ forschen buchstäblich so lange, bis jeder Orgoneffekt weg ist.

Generell sind korrekte Theorien gegenüber der „bewährten wissenschaftlichen Meinung“ am Anfang so schwach, daß sich die Wissenschaft gar nicht entwickeln könnte, wenn man diese Theorien sofort mit einem Falsifizierungsterror überzöge. Zum Beispiel stimmte das kopernikanische System anfangs durchaus nicht etwa besser, sondern eher schlechter mit den Beobachtungsdaten überein als das alte Weltsystem. Wäre man „wissenschaftlich“ vorgegangen, würden wir immer noch daran glauben, daß sich die Sonne um die Erde dreht!

Es ist ein bloßer Mythos, daß die Wissenschaft sich linear und im Rhythmus falsifizierbarer Hypothesen entwickeln würde. Tatsächlich entwickelt sie sich in unterschiedlichen Strängen, die immer weiter auffächern, wovon aber die meisten Stränge wieder absterben. Und das weniger weil sie falsifiziert wurden, sondern weil ihre wissenschaftliche Anhängerschaft ausgestorben ist und nicht genug Nachfolger gefunden hat.

Wissenschaft entwickelt sich evolutionär, d.h. in dem Sinne, daß manche Theorien immer mehr Anhänger finden und schließlich Allgemeingut werden, während andere Theorien schlicht aussterben. Ob dieser Prozeß jedoch direkt mit der Wahrheit korreliert, wage ich zu bezweifeln. Man denke nur mal daran, wie der Lamarckismus nach vielen Toden in den 1960er Jahren vermeintlich endgültig verendet ist – um heute in Gestalt der Epigenetik eine triumphale Auferstehung zu feiern.

Dann ist da die Besessenheit der Wissenschaft mit der „Objektivität“. Seit sie sich aus den Fängen des Aristotelismus befreit hat, dreht sich alles darum, daß man seinen Sinnen nicht trauen dürfe. Das war das Thema meiner allerersten Physikvorlesung an der Universität. Die Orgonenergie wird von vornherein ausgeschlossen, weggewischt, ausradiert. Das ist selbst in der Medizin so: früher war das höchste Gebot des Arztes, auf seinen Patienten zu hören und dessen subjektiven Beschwerden ernstzunehmen („die Klinik geht vor!“) – heute verlagert sich alles auf die Technik und Testverfahren. Auf diese Weise werden die Biopathien buchstäblich unsichtbar.

Und dann die Manie mit den Doppelblindversuchen, die den Forscher von seinem Forschungsobjekt noch weiter entfernen und die im Grunde nicht mehr besagen, als daß der gepanzerte Mensch nicht „objektiv“ sein kann – er sich selbst nicht trauen kann. Charles Konia hat alles Notwendige dazu gesagt.

Die neuere Naturwissenschaft geht den Weg der anti-autoritären Gesellschaft, von der sie ein integraler Bestandteil ist. Statt wirkliche Naturwissenschaft zu sein, entwickelt sie sich immer mehr zu einer mechanistischen Pseudowissenschaft, die das Lebendige und Energetische (also alles, was nicht maschinenartig funktioniert, etwa der subatomare Bereich, die Atmosphäre und die Astronomie auf galaktischer Ebene) mit dem denkbar ungeeignetsten Modellen erklären will: „Billardkugeln und Maschinen“. (Das wird von einer verkopften, „buddhistischen“ Art von Spiritualität flankiert!)

Die Wissenschaft zerstört sich geradezu systematisch selbst, etwa indem der Forscher immer weiter von seinem Forschungsobjekt getrennt wird und dadurch, daß allein schon der finanzielle und organisatorische Aufwand alle Möglichkeiten sprengt. Man denke nur an die sinnlosen Großbeschleuniger, die die knappen Forschungsetats leerfegen.

Ich glaube nicht, daß die Orgonomie einen Blumentopf gewinnen wird, wenn sie sich dem gegenwärtigen mechanistischen Trend in der Wissenschaft anbiedert.

Was mich persönlich am meisten bedrückt, sind die Naturwissenschaftler selbst: Da finden sich Leute, die nur studieren, um zur „Elite“ zu gehören. Ihnen ist die Wissenschaft nur Mittel zum Zweck, sie wird entsprechend mechanisch kalt betrieben. Das sind dann Leute, die mit „Knockout-Mäusen“ den Nobelpreis gewinnen. Eine zweite Gruppe sind persönlichkeitsgestörte Freaks, die seit frühster Jugend vor dem Computer sitzen, sich Science-Fiction-Romane reinziehen und für die die Naturwissenschaft nur eine einzige Funktion hat: sie so weit wie irgend möglich von den eigenen Emotionen zu trennen. Und schließlich sind da die philosophisch veranlagten Naturforscher, die die innere Logik der Naturwissenschaft durchdringen wollen: sie sind diejenigen, die der systematischen Zerstörung der Naturwissenschaft das ideologische Fundament verpassen.

Vor einiger Zeit habe ich bei einer Zufallsbegegnung mit einem Physikprofessor (Marke „Berkeley und Osnabrück“) über die Orgonenergie diskutiert. Solche Gespräche sind vollkommen sinnlos, da die Hürden willkürlich so hoch gesetzt werden, daß von vornherein kein Argument durchkommt. Als ich das To-T-Experiment erwähnte und daß es nur bei einer sehr geringen relativen Luftfeuchtigkeit richtig funktioniert, wurde eingewendet, daß bei 50% relativer Luftfeuchtigkeit die Luft sowieso keine Wärme mehr leitet und ohnehin sei der Versuchsaufbau kein in sich geschlossenes System. Überspitzt gesagt könnte man behaupten, von uns werde verlangt, die Orgonkonzentration in einer von der Umwelt hermetisch abgeschirmten Sauna zu messen, also so, daß von vornherein gar kein Orgoneffekt auftreten kann.