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Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 5

12. Februar 2019

orgonometrieteil12

5. Reichs Selbstverständnis als Naturwissenschaftler

Jerome Eden: Franz Anton Mesmer (Teil 1)

21. August 2014

Als Dr. Franz Anton Mesmer die Menschheit mit seiner Entdeckung des tierischen Magnetismus berührte, reagierte der gepanzerte Mensch, als würde er eine Hochspannungsleitung berühren, wie es für die Emotionelle Pest typisch ist. Dank der Arbeit des verstorbenen Dr. Wilhelm Reich wissen wir viel über die Handlungsweise des gepanzerten Menschen. So werden uns bestimmte menschliche Verhaltensmuster verständlich und es wird ein klareres Licht auf die anderenfalls dunkle und rätselhafte Geschichte von Mesmers Leben und Werk geworfen. Überdies glaube ich, daß Dr. Reichs Entdeckung der Lebensenergie (das Orgon) es nun möglich macht, Mesmers Entdeckungen neu zu bewerten, sie in funktionellen, bioenergetischen Vorgängen zu verwurzeln und so das Wissen des Menschen entlang von Pfaden auszuweiten, die durch Unwissenheit und Furcht bisher verschlossen waren.

Für jene, die mit Mesmers grundlegenden Entdeckungen nicht vertraut sind, lasse ich einen kurzen Überblick folgen:

Mesmer postulierte die Existenz eines universellen Fluidums, einer „subtilen Substanz“, welches das gesamte Universum durchdringt und „kein Vakuum zuläßt“. Dieses universelle Fluidum war, Mesmer zufolge, für alle natürlichen, zyklischen Prozesse verantwortlich – stellare Bahnen, die Rotation der Planeten, die rhythmischen Schwankungen der Gezeiten und Jahreszeiten, die Wanderungen der Fische und Vögel. Es bestimmte die Entwicklung und den Ausgang aller Krankheitsprozesse. Das harmonische, ununterbrochene Fließen des universellen Fluidums im Menschen war für die Gesundheit und das Wachstum grundlegend. Das Blockieren des natürlichen Flusses des universellen Fluidums führte zu Krankheit und Verfall.

In Übereinstimmung mit seiner Theorie bestand Mesmers Behandlung im Versuch, den harmonischen Fluß des universellen Fluidums im menschlichen Organismus wiederherzustellen, indem er entweder direkt die chronisch kontrahierte Stelle bearbeitete (um die Elastizität des Gewebes wiederherzustellen) oder indem er der betroffenen Stelle zusätzliches Fluidum „zuführte“ oder durch eine Kombination dieser beiden Verfahren. Obwohl Mesmer den Großteil seines Berufslebens vergebens danach strebte, eine objektive Bestätigung für seine Postulierung eines universellen Fluidums zu finden, stammte die Verifikation ausschließlich von den subjektiven Empfindungen seiner Patienten. Nichtsdestoweniger provozierten Mesmers gute Resultate in der Praxis, insbesondere bei bisher unheilbaren Krankheiten, einen derartigen Sturm an Verleumdungen und Herabsetzungen, daß die Welt fast 200 Jahre Angst davor hatte, sich mit seinem ursprünglichen Werk erneut zu befassen.

Bei der Suche nach den Gründen, warum der gepanzerte Mensch Mesmers Entdeckungen ablehnte oder mystifizierte (wie er alle Entdeckungen abgelehnt oder mystifiziert hat, die mit dem Naturgesetz zu tun haben), finden wir, daß hier die Angst vor primärem, orgonotischem Kontakt (Orgasmusangst, wie von Reich entdeckt und beschrieben) eine entscheidende Rolle spielte. Der gepanzerte Mensch kann direkten, unmittelbaren Kontakt nicht ertragen – weder den einfachen, durchdringenden Blick eines Kindes, noch die zärtliche Berührung der Liebe. Der gepanzerte Mensch empfindet ein•derartiges direktes „Berühren“ als Bedrohung für seine gepanzerte Integrität und muß es deshalb absondern, isolieren und zerstören. Da sich Mesmers Therapie mit dem Berührungssinn befaßte (oder, besser, mit Reichs „erstem orgonotischen Sinn“), ist es nicht verwunderlich, daß der tierische Magnetismus gewaltige irrationale Angriffe heraufbeschwor. Heute finden wir zwei große Bereiche ausweichenden menschlichen Bestrebens, die aus der Notwendigkeit erwuchsen Mesmers Arbeit zu zerstören, da sie das gepanzerte Dasein bedrohte.

Der erste Ausfluß ausweichenden Verhaltens in Bezug auf Mesmers Entdeckungen wird heutzutage „Hypnose“ genannt. Tatsächlich werden „Mesmerismus“, „Hypnose“ und „Magnetismus“ vollständig durcheinander gebracht und wie austauschbare Synonyme benutzt. Die Wahrheit ist, daß Mesmer keine verbalen, suggestiven Hypnosetechniken angewandt hat. Mesmers Technik wurde bei Kindern, Tauben und Blinden erfolgreich durchgeführt. Außerdem muß ich noch auch nur einen Hypnotiseur finden (wie ich es in meiner „Einleitung“ zu Mesmers Maxims on Animal Magnetism gesagt habe), der den verletzten Lauf eines Pferdes geheilt hätte! Derartige Fälle werden mit tierischem Magnetismus erfolgreich behandelt.

Der zweite Bereich ausweichenden Verhaltens wird im allgemeinen als „ASW“ (außersinnliche Wahrnehmung) bezeichnet. Bevor wir diesen Bereich betrachten, wollen wir uns kurz Mesmers Therapiesystem zuwenden. Die Behandlung durch tierischen Magnetismus bestand im direkten, unmittelbaren Kontakt. Mit den Händen wurde der kranke Körperteil berührt oder gestreichelt oder der ganze Körper wurde vom Kopf abwärts „überstrichen“. Nirgends in seinen grundlegenden Schriften (oder sonst irgendwo in seinem ursprünglichen Werk) „suggeriert“ Mesmer seinen Patienten, daß sie irgendetwas tun! Mesmer glaubte, daß der tierische Magnetismus eine physikalische Therapie war (wie sie es noch immer ist) und daß sie physiologische Veränderungen hervorrief. Die Art und Dauer der Behandlung wurde vollständig durch die Natur, das Ausmaß und die Entwicklung des individuellen Falles bestimmt. Eine erfolgreiche Behandlung ging spontan durch eine festgelegte Folge von Ereignissen: 1. „Perturbation“ (der Patient wurde sich zunehmend seiner Schmerzen bewußt); 2. „Koktion“ (wörtlich eine „Kochung“ oder das Erreichen des Siedepunkts der Symptome); 3. „Evakuation“ (eine Art von Entladung, Blutungen, Erbrechen oder Krämpfe); und 4. „Relaxation“ und Linderung der Symptome. Das Heilungskriterium war, wie Mesmer beteuerte, das Unvermögen den Patienten weiterhin durch tierischen Magnetismus beeinflussen zu können.

Selbst dieser sehr unzulängliche Überblick über Mesmers therapeutische Vorgehensweise sollte es dem Leser, der mit Reichs Werk vertraut ist, offenkundig machen, daß Mesmer in Wirklichkeit die organismische Lebensenergie seiner Patienten in Bewegung setzte. Eine Durchsicht von Krankengeschichten belegt Energiedurchbrüche, die von Mesmer und anderen als Krisis bezeichnet wurden.

An diesem Punkt sollte ich darauf hinweisen, daß Mesmers Technik weder unnatürlich noch übernatürlich ist. Heute, wie auch zu Urzeiten, hat die Mutter stets bei einem grün und blau geschlagenen Knie die zärtliche Berührung angewandt oder das wehtuende Bäuchlein gestreichelt. Das „Handauflegen“ ist eine noch immer weitverbreitete, wenn auch mystifizierte, theologische Praxis. Christus hat diese Methode angewendet, um die Kranken zu behandeln. Die Mystifikation setzte ein, als der gepanzerte Mensch diese natürlichen, bioenergetischen Phänomene übernatürlichen, „unerkennbaren“ Quellen zuschrieb. Indem wir uns jetzt am Faden der Wahrheit orientieren, können wir über das Wolkenreich der religiösen Mystifizierung hinausblicken, den Wundern von Lourdes und die Entwicklung von Organisationen wie etwa Christian Science. In dieser Hinsicht bleibt vieles zu erforschen und zu verdeutlichen, z.B. die Beziehung zwischen Denken (Gebet) und Energiebewegung (Wunder).

Bevor ich mit weiteren Betrachtungen über Mesmers Werk fortfahre, möchte ich den Leser daran erinnern, daß „nichts unmöglich ist“. Es scheint mir ziemlich logisch zu sein, daß, was immer der Mensch bisher mit Mitteln sekundärer Energiequellen (Chemikalien, Elektrizität, Atomenergie) erreichen konnte, eines Tages mit primärer, Orgonenergie erreichbar sein wird.

Dies im Sinne kehren wir zu Mesmers Methoden zurück, die er bis zu seinem Tod 1815 anwendete. Im Verlauf der Behandlung von Tausenden von Menschen beobachtete Mesmer viele unglaubliche Phänomene, die er unter der Bezeichnung „Somnambulismus“ oder „kritischer Schlaf“ zusammenfaßte. In bestimmten Patienten, die unter dem litten, was Mesmer „nervöse Störung“ nannte, rief der tierische Magnetismus einen schlafartigen Zustand hervor, in dem sich die Schärfe und der Umfang der Sinneswahrnehmungen dieser Personen in einem überraschenden Ausmaß vergrößerte. Die Patienten waren beim Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten in der Lage, die gewöhnlichen Grenzen der Sinnesorgane weit zu überschreiten. Mesmer glaubte, daß die individuellen Sinnesorgane nichts weiter als Erweiterungen des primären Wahrnehmungsapparats sind, den er als „inwendiges Sinnesorgan“ bezeichnete, das sich im Bauchbereich befände. Er zog den Schluß, daß der tierische Magnetismus den inwendigen Wahrnehmungsapparat aktiviere und ausweite, was wiederum die Wahrnehmungsfähigkeit der äußeren Sinnesorgane erweitere. Noch immer sind Fallgeschichten zugänglich, die von jenen wenigen dokumentiert wurden, die Mesmers ursprüngliche Methoden anwandten (vgl. Mesmerism in India von James Esdaille, M.D. und die britische Zeitschrift The Zoist aus dem 19.Jahrhundert, die die Arbeit von John Elliotson, M.D. dokumentierte). Unlängst bot der verstorbene Edgar Cayce ein Beispiel für einen Menschen, der somnambulante Fähigkeiten in einem erstaunlichen Ausmaß besaß.

Nach Mesmers Tod wurden diese einzigartigen Phänomene – die alle kennen, die sich dem tierischen Magnetismus unterzogen haben – von ihrer Verwurzelung in der Postulierung eines universellen Fluidums abgespalten. Allein das universelle Fluidum konnte derartige Kontaktphänomene adäquat erklären. Jedoch empfand der gepanzerte Mensch den Kontakt mit dem tierischen Magnetismus nicht nur als unerträglich, sondern er konnte auch die bloße Idee einer derartigen allgegenwärtigen Einwirkung nicht ertragen.

Mit der starren, immer vorbeizielenden Konsequenz des gepanzerten Menschen, haben die „Anhänger“ Mesmers seine ursprünglichen Prinzipien und Vorgehensweisen gemieden. Verstohlen ersetzte die Theorie der „Suggestion“ Mesmers Postulierung eines universellen Fluidums. Die Ausübung des tierischen Magnetismus wurde zur „Kunst des Mesmerierens“ und von dort aus zum „Hypnotisieren“. Wo Mesmer eine zärtliche Berührung angewandt hatte, benutzten die „Mesmerierer“ und Hypnotiseure verbale Kommandos. Mesmers ursprüngliche Techniken sind jedoch von der Hypnose genausoweit entfernt wie das Lachen eines Kindes vom pornographischen Kichern. Das Verdrehen des tierischen Magnetismus und das Ausweichen vor ihm, hat den Zugang zu fruchtbarer Forschung nur versperrt. Zum Beispiel bleibt die Arbeit mit ASW genau dort eingeordnet, wo sie schon vor 100 Jahren war. Die bloße Bezeichnung „außersinnliche Wahrnehmung“ verhindert das Verstehen von Problemen, die nur durch die Sinne wahrgenommen werden können, wenn man je von ihnen erfahren will! Das mechanistische Werfen von Würfeln und Münzen und die einengenden „Kontrollexperimente“, die für die derzeitige ASW-Forschung charakteristisch sind, kann nur dazu beitragen, daß diese Arbeit sich in einer vertiefenden Sackgasse festfährt.

Noch immer dient Mesmers gute Arbeit als Warnung und Vorbild. Es dauerte 200 Jahre, bevor die Vorstellungen über den tierischen Magnetismus richtiggestellt wurden. Aber sie wurden richtiggestellt. Vielleicht braucht es 2000 Jahre, bevor der Mensch die zärtliche Berührung der Lebensenergie ganz tolerieren kann. Aber er wird sie berühren müssen. Und dies ist, wie Dr. Wilhelm Reich schrieb, „eine wichtige Hoffnung“.

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