Posts Tagged ‘Brownsche Bewegung’

Orgonenergie, Liebe und Raumschiffe (1955) (Teil 1)

4. Mai 2018

von David Boadella, B.A.*

(Dies ist der Nachdruck einer Vorlesung, die am Samstag, den 18. Juni 1955, auf Einladung der Flying Saucer Research Society London in Caxton Hall, Westminster, gelesen wurde. Die erste Rede, von Paul Ritter, war eine chronologische Einführung in und ein Überblick über die Arbeit von Wilhelm Reich, wobei der Kontext für diese zweite Hälfte geboten wurde. Der Vorsitzende war Leslie Shepard. Die Herausgeber [von Orgonomic Functionalism])

(Da die folgende Vorlesung vor einer Forschungsgesellschaft für Fliegende Untertassen gegeben wurde, brauchte sie nicht zu begründen, daß es Fliegende Untertassen gibt. Für die Leser dieser Zeitschrift jedoch, von denen für viele das Feld neu sein könnte, sind ein paar einleitende Worte notwendig.

Die Geschichte der Wissenschaft zeigt, daß Phänomene, die nicht in die orthodoxen Wissenskategorien passen, häufig abgelehnt, geleugnet und umgangen werden, ohne daß irgendein Versuch unternommen wird, Sachbeweise zu betrachten. Als Reich das Orgon entdeckte, wurde ihm gesagt, daß es nur „Statik“ sei oder „Hitzeflimmern“, daß die Temperaturerhöhung im Akkumulator „nur“ eine Frage der „Konvektion“ sei; und daß der Akkumulator einfach nur durch „Suggestion“ funktioniert. Als man beobachtete, daß sich Leben aus hochsterilisierten Kulturen entwickelte, wurde ihm gesagt, daß es sich wirklich nur um eine Frage der „Brownschen Bewegung“ oder um „Luftkeime“ handelte.

Dieses ständige Wegerklären objektiv nachprüfbarer Tatsachen veranlaßte Reich, das Schlagwort „Luftkeime“ zu benutzen, um jede Art von Einwand gegen sein Werk zu kennzeichnen, bei dem Beweise ignoriert und die Fakten willentlich verdreht werden.

Im Bereich der Fliegenden Untertassen ist das „Luftkeime“-Argument sehr verbreitet und sehr potent. Dementsprechend ist es sehr einfach Fliegende Untertassen zu verwerfen als „Halluzinationen“, „Stratosphärenballons“, „Meteoriten“, „Lichtbrechung bei Inversionswetterlagen“, „in der Luft schwebende Spinnennetze“, „der Planet Venus“, „Seifenblasen“ usw.

Während man zugestehen muß, daß ein gewisser Anteil an angeblichen Untertassen-Sichtungen auf diese Art und Weise erklärt werden können, gibt es doch eine große Anzahl von „Nichtidentifizierten Flugobjekten“, die in keiner Weise als nur dies oder das „identifiziert“ werden können.

Albert Einstein hat die Ansicht vertreten, daß es nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder gibt es keine Fliegenden Untertassen oder – sie kommen aus dem Weltall. Es gibt jetzt eine ausreichende Anzahl glaubhafter Berichte verantwortungsbewußter Piloten, Meteorologen, Astronomen und Radarbediener, ganz zu schweigen von vielen tausend Sichtungen von Laien, um bei vernünftigen Menschen jeden Zweifel an der Existenz dessen zu beseitigen, was wir als Fliegende Untertasse bezeichnen.

Trotz der Tatsache, daß die übliche Emotion, die durch das Thema der Fliegenden Untertassen hervorgerufen wird, frivole Heiterkeit ist, ist es bezeichnend, daß sowohl die australische als auch die kanadische Regierung Forschung über Fliegende Untertassen gefördert haben; und daß eine Gruppe von der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität von Ohio nach einer streng objektiven Untersuchung des Themas zu dem Ergebnis gekommen ist, daß die Objekte materiell sind und unter intelligenter Kontrolle stehen.

Es ist bedauerlich, aber aussagekräftig, daß der Zusammenhang mit dem Weltraum viele Menschen in großer Zahl anzieht, deren Interesse nur im Sensationellen und Unorthodoxen liegt. Auf diesem Gebiet hat es Witzbolde und gefährliche Scharlatane gegeben, die pauschale und unbegründete Behauptungen von sich gegeben haben, aber das gab es auch in der Medizin und in jedem anderen Wissenschaftsbereich. Die Verzerrung, daran sollte man sich erinnern, liegt in der menschlichen Struktur begründet, nicht in der Wissenschaft. D.B.)

Während der letzten Stunde haben Sie eine Beschreibung der Methode des orgonomischen Funktionalismus und einiger der damit ermöglichten Errungenschaften gehört. Dies hat den richtigen Kontext geschaffen, um die Beziehung nachvollziehen zu können, die ich heute abend herstellen möchte: die Beziehung zwischen der Orgonenergie und vielen Erscheinungen, die Berichte über Fliegende Untertassen und Sichtungen charakterisieren.

Zunächst möchte ich jedoch klarstellen, daß die Orgonforschung noch keine endgültigen Schlußfolgerungen über Fliegende Untertassen getroffen hat, so daß jeder, der heute abend in der Hoffnung auf endgültige Schlußfolgerungen hierhergekommen ist, enttäuscht sein wird. Was die Erkenntnisse über das Orgon in anderen Bereichen aber tatsächlich möglich machen, ist ein neuer Zugang zu dem ganzen Problem der Nichtidentifizierten Flugobjekte und der Aura des Mysteriums, das sie umgibt. Dieser Ansatz basiert konkret auf den faktischen Entdeckungen, die durch die Orgonforschung bisher gemacht wurden. Ich glaube, daß dieser Ansatz, obwohl er sich noch in der Phase der Bildung von Annahmen und der Prüfung von Hypothesen befindet, auf lange Sicht am fruchtbarsten bei der Lösung vieler Probleme sein wird, die durch das Vorhandensein von Fliegenden Untertassen hervorgerufen werden.

Bei all den Tausenden von Berichten in den Akten der etwa zwanzig Organisationen, die seit etwa 1947 das Studium der Fliegenden Untertassen aufgenommen haben, finden sich bestimmte Merkmale, die in großer Häufigkeit auftreten. Heute möchte ich vier von ihnen für eine besondere Betrachtung herausheben: Da wäre erstens die Existenz einer Art von Erstrahlung; zweitens das Vorhandensein einer Art von Strahlungseffekt; drittens die Tatsache der großen Geschwindigkeiten, die sehr oft in völliger Stille möglich sind; und viertens die Art der Bewegung, die mit den Untertassen verbunden ist. Reich hat zuerst auf diese Eigenschaften und ihre Beziehung zu orgonotischen Funktionen aufmerksam gemacht, in CORE, Vol. 6, veröffentlicht im Juli 1954.

* Abdruck der Übersetzung aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung des Autors, Dr. Boadella. Der Originalaufsatz „Orgone Energy, Love and Space Ships“ findet sich in der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 2 (1955), No. 5, S. 287-306.

Jones: Artificers of Fraud (2013)

10. Februar 2017

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Strick: Wilhelm Reich, Biologist (2015)

4. Februar 2017

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Mechanistische Äquivalente zum Orgonenergie-Akkumulator: Maxwells Dämonen und die zweidimensionale Fermioberfläche bei SmB6

9. Dezember 2014

Ursprünglich betrachtete man „Wärme“ als eine Art „Fluidum“, was auch naheliegend ist. Man spürt wie einem im Freien die Wärme entweicht und am Ofen die Wärme zufließt. So stellte man sich die Sache auch in etwa vor, als Anfang des 19. Jahrhunderts die Thermodynamik formuliert wurde. Schließlich wurde jedoch erkannt, daß Wärme nicht eine Art „Ding“ ist, sondern sozusagen eine „Verhaltensweise“ der kleinsten mehr oder weniger frei beweglichen Einheiten der Materie, ihre chaotische, ungerichtete „Zitterbewegung“.

Damit trat jedoch ein gewichtiges Problem auf: Die Thermodynamik hatte gezeigt, daß, solange sich der Versuchsaufbau selbst überlassen bleibt, es stets zu einem Wärmeausgleich kommt. Schütte ich etwa heißes Wasser vorsichtig in einen Behälter mit kaltem Wasser, so daß sich ein „Warmwasserbereich“ bildet, wird über kurz oder lang das gesamte Wasser die gleiche Temperatur annehmen, die je nach dem Mengenverhältnis irgendwo zwischen den beiden ursprünglichen Wassertemperaturen liegt.

Daß das so sein muß, kann man sich vergegenwärtigen: wenn man das Wasser als eine Ansammlung von Molekülen betrachtet, die wild hin und her, vor und zurück, rauf und runter fliegen und dabei zusammenstoßen, – sehr schnell werden alle Moleküle das gleiche Bewegungsmuster annehmen. Das Bild ändert sich erst, wenn ich individuelle Moleküle betrachte: im Durchschnitt mögen sich alle gleich schnell und gleich ungeordnet bewegen, doch das individuelle Molekül A bewegt sich in einem gegebenen Zeitraum vielleicht weniger als das Molekül B.

Man könnte nun die etwas langsameren A-Moleküle individuell von den etwas schnelleren B-Molekülen trennen – und hätte wieder einen Warm- und einen Kaltwasserbereich vor sich. Auf diese Weise wäre das Zweite Thermodynamische Gesetz, das besagt, daß isolierte Systeme stets einen Temperaturausgleich anstreben, ad absurdum geführt.

Mitte des 19. Jahrhunderts spielte James Clerk Maxwell genau dieses Gedankenexperiment durch: kleine „Dämonen“ könnten die Thermodynamik auf den Kopf stellen, indem sie eine Barriere zwischen zwei Bereichen immer dann öffnen, wenn ein schnelles Molekül gegen diese zu knallen droht, während sie die Barriere bei einem langsamen Molekül geschlossen halten. Es wäre ungefähr so, als würde in der Tasse der Kaffee von alleine heiß werden!

Zwar nicht aus dem Nichts, aber aus der Information über das Verhalten individueller Moleküle, würde Energie entstehen.

Nach 150 Jahren hat der Japaner Shoichi Toyabe von der Chuo University, Tokio ein solches Experiment tatsächlich real durchführen können. Wie er das genau gemacht hat, soll uns hier nicht weiter interessieren. Das Problem bei der ganzen Sache ist natürlich, daß wir es nicht mit einer Art von „Geistwesen“ („Maxwells Dämonen“) zu tun haben, sondern mit Toyabe und der sehr aufwendigen und energieintensiven Apparatur, mit der er die einzelnen Moleküle identifiziert und manipuliert. Ein „Energiegewinn“ ist so nicht zu erzielen!

Andererseits hat auch Toyabe die Moleküle nicht berührt, also nicht direkt Energie auf sie übertragen, sondern nur Barrieren (bei ihm waren es elektrische Felder) je nachdem errichtet oder nicht errichtet. Das ist etwas grundsätzlich anderes, als einen Bereich zu erwärmen und den anderen Bereich zu kühlen, indem Wärmeenergie zu- oder abgeführt wird!

Dieses Experiment ist von Interesse, da es das mechanistische Äquivalent des Orgonenergie-Akkumulators darstellt. Wenn man das orgonomische Potential wirklich ernst nimmt, muß es die „Maxwells Dämonen“ tatsächlich geben. Sicherlich nicht in Gestalt kleiner „Toyabes“, sondern als Entsprechung jener Lebensenergie, die Toyabe lebendig macht und ihn zu seinem Experiment befähigt.

Es stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Natur der Wärmebewegung, ungefähr so, wie sich die Frage stellt, ob „Hitzewellen“ wirklich nur auf unterschiedlich erwärmte Bereiche der Luft zurückgehen oder auch die atmosphärische Orgonenergie eine Rolle dabei spielt. Zweifellos gibt es die Wärmebewegung, aber selbst der Entdecker der chaotischen Molekularbewegung, der sogenannten „Brownschen Bewegung“, Robert Brown, war ursprünglich davon überzeugt, es mit lebendigen (quasi „lebensenergetischen“) Vorgängen zu tun zu haben: lebendige Bewegung auf der kleinstmöglichen Ebene, die schließlich in der Bewegung der Lebewesen mündet.

Was ist „SMB6“? Ein topologischer Isolator! Was das ist? Etwas, was jeden Studenten der Orgonomie hellhörig machen sollte: ein chemisch homogener Isolator, der an seiner Oberfläche elektrischen Strom leitet. Es ist, als wäre ein Stück Gummi mit Metall überzogen: Reichs Akkumulatorprinzip! Samariumhexaborid („SMB6“) ist der bisher robusteste topologische Isolator und könnte von daher den Weg in neue Technologien weisen, insbesondere den „Quantencomputer“, der die gegenwärtigen Computer wie Steinzeitwerkzeuge aussehen lassen wird.

SMB6 funktioniere deshalb, so die Physiker, weil seine Oberfläche von „Dirac-Elektronen“ beherrscht wird. Das sind Elektronen, denen ein breites, praktisch kontinuierliches „Band“ an möglichen Energien zur Verfügung steht und die deshalb mit der relativistischen Dirac-Gleichung beschrieben werden können, d.h. so, als hätten sie keine Ruhemasse – seien „massefrei“ („masselose Fermionen“). Sie bewegen sich in einer zweidimensionalen „Fermioberfläche“, in der die Freiheitsgrade extrem eingeschränkt sind (kein Widerspruch zum vorherigen Satz!), es also kein „entropisches Rauschen“ mehr gibt, was, wie in Orgonenergie-Kontinuum und atomare Struktur im Zusammenhang mit der Supraleitung erläutert, sie zu einem perfekten Äquivalent der Orgonenergie macht.

Reichs Selbstverständnis als Wissenschaftler (Teil 1)

11. September 2012

Reichs grundsätzliches Selbstverständnis als Wissenschaftler kommt wohl am besten in seinen 12 „Grundregeln“ zum Ausdruck, die ich hier gekürzt und paraphrasiert wiedergebe:

  1. Die Instrumente zur Beobachtung und Messung sollten die gleiche Qualität haben wie die sinnlosen Luxusgegenstände, die man sich erträumt und für die man bereit ist Unsummen auszugeben.
  2. Man soll auf die Antworten hören, die einen die Natur gibt und nicht auf das, was ein Lehrbuch aus dem anderen abschreibt.
  3. Man soll nicht versuchen besonders clever zu sein, sondern einfach und bescheiden.
  4. Man soll nicht darauf achten, was denn die Mitmenschen über einen sagen könnten.
  5. Zu Beginn soll man sich streng an die Vorgaben für das jeweilige Experiment halten. Später kann man dann den Versuchsaufbau variieren und „kontrollieren“.
  6. Entsprechend soll man sich zunächst auf seine Sinne verlassen, danach aber das beobachtete mit Hilfe von Instrumenten verifizieren, die von den Sinnen unabhängig sind.
  7. Man soll nicht Ideen über Dinge ausspinnen, die man selbst nie beobachtet hat.
  8. Vorgänge und Gegebenheiten muß man aus ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten heraus verstehen und nicht fremde Gesetzmäßigkeiten abstrakt auf sie übertragen.
  9. Erfährt man von einer neuentdeckten natürlichen Grundfunktion, muß man bereit sein, seine bisherigen Vorstellungen einer Revision zu unterziehen.
  10. Man darf seine Fehler nicht verdrängen, sondern muß aus ihnen lernen.
  11. Man muß sich stets darüber im Klaren sein, was man (noch) nicht weiß.
  12. Eine Autorität ist nur derjenige, der sich mit dem gegeben Phänomen wirklich befaßt hat. Bloße akademische Titel bedeuten in dieser Hinsicht gar nichts. („Rules to Follow in Basic Research“, Orgone Energy Bulletin, 3(1), Jan. 1951, S. 63f)

Reichs Durchhaltevermögen, das in der grundsätzlichen Überzeugung fundiert war, den richtigen Weg zu gehen, war das Geheimnis seines Erfolges, während andere aus Bequemlichkeit und Selbstzweifeln zu schnell aufgaben. Reich führte dazu 1938 aus:

Es mußte (…) zu einem methodischen Grundsatz meiner Arbeit werden, jede technische Errungenschaft der wissenschaftlichen Forschung zu übernehmen, jede praktische Beobachtung genau zu registrieren, jedoch, um nicht gestört zu werden, jede theoretische Auslegung zunächst unbeachtet zu lassen. Ich pflege, um von vornherein Schwierigkeiten der Arbeit zu beseitigen, meine Mitarbeiter ausdrücklich darum zu bitten, nur ihre Technik und ihre Tatsachenkenntnisse anzuwenden, jedoch in der Arbeit und mir gegenüber irgendwelche gelernten Theorien oder Anschauungen zu vergessen. So wurde es möglich, den Versuch durchzuführen, Ruß zu glühen und in Bouillon + KCl quellen zu lassen, ja sogar zu kultivieren. Es stellt sich nämlich heraus, daß diese sogenannte physikalische Bewegung (Brownsche Bewegung), die ja als solche immer vorhanden sein müßte, bei Veränderung der Bedingungen nicht vorhanden ist, daß die Kohle- und Rußstäubchen schön ruhig daliegen, daß sie sich nach einiger Zeit der Quellung zu rühren beginnen etc. und daß die Bewegung nach mehreren Wochen oder Monaten aufhört. Die Bequemlichkeit des Denkens in der naturwissenschaftlichen Arbeit ist gewiß eine Erscheinung, die man bei Durchbrüchen in unwahrscheinlich klingende Gebiete sehr deutlich zu spüren bekommt. Man hat also in der zweiten Art wissenschaftlicher Forschung nicht nur Tatsachen und Probleme zu bewältigen und nicht nur gegen überlieferte, oft falsche Anschauungen zu kämpfen und sie zu widerlegen, mehr: Neben dem eigenen Gefühl von der Richtigkeit und Korrektheit der Annahmen, das unbedingt vorhanden sein muß, hat man mit den unerläßlichen und quälenden Zweifeln an der eigenen Sache zu kämpfen, die einen sowohl sehr befruchten, aber auch sehr oft veranlassen können, die Arbeit in einem verfrühten Stadium abzubrechen. (Die Bionexperimente, S. 176)

Die Geschichte der Orgonomie ist nicht die Entfaltung eines Dogmas, sondern eine ständige Selbstwiderlegung von Hypothesen. Reich ist während seines gesamten Forscherlebens von einer dieser Widerlegungen zur nächsten geradezu gestolpert, sie trennten ihn von der Psychoanalyse und dem Marxismus, denen er absolut gehuldigt hatte, seine elektrischen Spekulationen der 1930er Jahre erwiesen sich als unhaltbar. Dann entdeckte er eine spezifisch biologische „isolierte“ Strahlung – die sich als allgegenwärtiger Background erwies; er meinte nur im Menschen würde diese Energie blockiert, um dann zu entdecken, daß das DOR auch unabhängig vom Menschen auftrat.

Sein Assistent und Biograph Myron R. Sharaf führt aus, daß sich Reichs Selbstverständnis vor allem durch den Widerstand und das Unverständnis seiner Umwelt formte. Reich war, wie gesagt, ursprünglich allzu erpicht darauf, nur die Gedanken fortzuführen, die Freud und Marx/Engels/Lenin ins Rollen gebracht hatten. Nur die scharfe Zurückweisung durch die Psychoanalytiker und Marxisten brachte ihn dazu sich auf sein ureigenstes Anliegen zu konzentrieren. Als er sich des Ausmaßes und der ganzes Bedeutung seiner Entdeckungen bewußt wurde, hörte er auf sich als „nichts besonderes“ zu betrachten, sondern fing an zu fragen, welche Qualitäten es der Person Wilhelm Reich ermöglicht hatten, etwas zu leisten, was ohne diese Person nie hätte geleistet werden können (Sharaf: „Thoughts about Reich“, Journal of Orgonomy, 11(2), November 1977, S. 240-245).

Seine Antwort auf diese Frage nach seiner „Einzigartigkeit“ lautete nicht etwa, daß er, Reich, ein besonders großes „Genie“ gewesen sei. Nein, es fing schon damit an, daß er anders atmete!

Ich habe immer sehr gut geatmet. Die Leute dachten, es hätte mit mir etwas Besonderes auf sich, weil ich so gut atmete. Ich bin einmal zu einem Arzt gegangen, weil ich eine Sehnsucht in der Brust spürte. Er hat es überhaupt nicht verstanden. (Sharaf: „Some Remarks of Reich: Summer 1948“, Journal of Orgonomy, 3(1), S. 116-119, March 1969)

Reich hatte einfach eine Qualität, die den meisten anderen Wissenschaftlern abgeht: ein „Offensein“ für die Naturprozesse.

Ich fühlte mich mehr als Übermittler einer bestimmten Logik denn als weiser Denker, der „überlegen“ wissenschaftliche Schlußfolgerungen zieht. (Menschen im Staat, S. 175)

Das, d.h. das Fühlen wie ein „Neugeborenes“, das noch außerhalb der Gesellschaft steht, beinhaltet wiederum eine neue Haltung zur „Wertfreiheit“ der Wissenschaft.

Wissenschaftlern seien, so Bernd A. Laska in einer Buchbesprechung, „nur zwei Möglichkeiten denkbar, wie sie ihr Geschäft erledigen können: als wertfreie oder als parteiliche Wissenschaft“.

Laska fährt fort:

Das Konzept der wertfreien Wissenschaft geht von dem Dogma aus, das Werten könne prinzipiell nicht Aufgabe der Wissenschaft sein. Es ist deshalb gezwungen, jedem mündigen Menschen grundsätzlich Autonomie im Werten zuzusprechen. Das Paradoxe an dieser Position ist, daß Autonomie erst dem „Mündigen“ zugestanden wird, also gerade demjenigen, der in einem Anpassungsprozeß seine Autonomie eingebüßt hat, während dem wahrhaft autonomen Neugeborenen Autonomie abgesprochen wird. (Laska: Wilhelm Reich Blätter, 3/81, S. 160)

Es gibt zwei Arten von Wissenschaft: die erstere ist ein Instrument, „im Dienste der Tendenz des Menschen, den Problemen des lebendigen Lebens auszuweichen.“ Entsprechend unterschied Reich, wie Laska weiter ausführt, „zwischen notwendigem Irren aus Unkenntnis und nichtnotwendigem Irren, das aus dieser Tendenz erwächst“ (Laska: „Zur Bestimmung des Status der Reichschen Theorie: I. Allgemeiner Überblick“, Wilhelm Reich Blätter, 1/80, S. 8-20).

Reichs psychoanalytische Kollegen, typische Intellektuelle, sahen seine praktische Beschäftigung mit der sozialen Frage als Verrücktheit an (Menschen im Staat, S. 102), wo es doch für einen Arzt die selbstverständlichste Sache der Welt sein sollte. Das gleiche gilt für Reichs Beschäftigung mit der Biologie: es sollte doch für einen Arzt selbstverständlich sein, sich mit den biologischen Grundlagen des Lebens direkt auseinanderzusetzen: