Als Kind hatte ich das deutliche Gefühl, daß die Luft „lebendig“ war. Es war ein seltsames Gefühl, in der Schule erfahren zu müssen, daß es sich dabei nur um Gas handelte, Stickstoff, Sauerstoff, Spurengase. Die Welt verwandelte sich in einen toten, langweiligen Ort. Und dann die Naturwissenschaftslehrer selbst: Sie hatten immer einen emotionslosen, gelangweilten, niedergeschlagenen Gesichtsausdruck, d.h. sie waren eine Verkörperung der toten Welt, die sie vermittelten. Der Biologieunterricht war kaum besser und ging bruchlos in den Sexualkundeunterricht über.
Das ist kein Plädoyer für eine „Wiederverzauberung der Welt“, sondern für einen grundsätzlich anderen Ansatz. Um was es geht, zeigt sich daran, daß in den Medien typischerweise einigermaßen gesunde Emotionen verspottet werden; alles, was die Gefühle anspricht, wird sofort lächerlich gemacht. Interessanterweise verspotten sie niemals verzerrte Gefühle, wie sie etwa bei CSD-Paraden zur Schau geführt werden. Dort wird die Welt wie kaum sonst „verzaubert“ – und gleichzeitig alles auf totes Fleisch reduziert.
Reich zufolge leiden „etwa 80% aller Frauen an vaginaler Anästhesie und Frigidität“ (Der Krebs, Fischer TB, S. 385). Nach gängigen Standards gelten immer noch 70% der Frauen als frigide. Zur Abhilfe wurde Millionen Frauen gesagt, das läge allein daran, daß die Männer nicht zu oralen und manuellen Manipulationen greifen, nicht einfühlsam und romantisch genug sind, etc. Worum es wirklich geht, nämlich das Problem der Genitalität und die Lebensenergie, bleibt draußen vor. Sie sind innerlich so tot, wie sie sich die Atmosphäre vorstellen!
Was das generelle Ausweichen vor dem Wesentlichen betrifft, muß ich an folgende weit zurückliegende Geschichte denken: Der 1992 New Age-Guru Vincent LaDuke („Sun Bear“) war ein Geschäftemacher, der vermeintlich indianische „Spiritualität“ in Form von Seminaren und irgendwelchen Gimmicks vermarktete. Ausgerechnet James DeMeo pries ihn in seiner Zeitschrift Pulse of the Planet No. 2, S. 35. Siehe dagegen dazu Roman Schweidlenka: Altes blüht aus den Ruinen, Wien 1989, S. 77.
Schwedlenka schreibt über die authentische indianische Spiritualität, z.B. der Hopis:
Die indianische Botschaft – nicht zu verwechseln mit den esoterischen Lehren der neuen Schamanen, die der spirituelle Supermarkt unserer Gegenwart zu einem großen Modetrend werden ließ – hat nichts Okkultes oder Spektakuläres: Sie besagt, daß die Erde ein lebendiger Organismus ist, der Mensch nur ein kleiner Teil desselben; Achtung und eine nicht ausbeuterische Haltung gegenüber dem gesamten natürlichen Universum, verbunden mit einem einfachen, vom Prinzip des Teilens geprägten Lebensstils sind das „Geheimnis“ für die richtigen Handlungen der Menschen. (ebd. S. 9)
Schweidlenka weiter:
Auch für den indianischen Geschäftemacher Sun Bear scheint die Radioaktivität im Gegensatz zu den durch den Uranabbau sterbenden Indianern ein Anlaß zur Heiterkeit zu sein. Bei einem Vortrag in der BRD erklärte er: „Vor zwei Jahren hatte ich ein Programm in Frankfurt und da passierte der Unfall von Tschernobyl. Die atomare Wolke kam, und für Frankfurt wurde Regen vorausgesagt. Da fing ich schnell zu beten an. Ich sagte: ‚Donnerwesen, schickt das bloß woanders hin!‘ Dann ging es in Wiesbaden herunter. Tut mir leid.“ Auf der vom Aviva Verlag vertriebenen Kassette, die diese Worte enthält, ist sodann das laute, schallende Gelächter Sun Bears und seiner Fans zu hören. „Vieles im New Age scheint die Menschen auf das Grab vorzubereiten“, schreibt die US-Zeitschrift The Merry Mount Messenger (Nr. 3/87). Damit trifft sie den Nagel auf den Kopf. Ich glaube zwar auch, daß wir uns trotz der atomaren Bedrohung eine lebensbejahende innere Einstellung bewahren und aufbauen sollten. Nur wird uns diese nicht vom Damoklesschwert des schleichenden nuklearen Todes befreien. Die auf der Positivneurose und dem Dogma „mein Bewußtsein schafft die Realität“ aufbauenden Verdummungsstrategien des Neuen Bewußtseins lenken von unserer letzen Chance auf ein Überleben ab: Der weltweiten Solidarität im kompromißlosen Widerstand gegen den atomaren Holocaust. (ebd. S. 137)
Um sich über die originale Spiritualität der Indianer ein Bild machen zu können jenseits solcher Leute wie Sun Bear verweist Schweidlenka auf das Buch: Alexander Buschenreiter: Mit der Erde – für das Leben – Der Hopi-Weg der Hoffnung (Freiburg im Breisgau, 1989).
Das erinnert mich an den alternativen Umweltgipfel in Rio 1992, der von „spirituellen Zeremonien“, Yoga-Sitzungen etc. geprägt war. Bei einer „Massenmeditation“ streckten alle im Auditorium ihren Rücken und schlossen die Augen, nur die Indios, auf die die Kamera gerichtet war, saßen hilflos da und wußten nicht, was denn überhaupt Sache ist. Sun Bear hätte sicherlich mitmeditiert und das als alte indianische Überlieferung verkauft.
Dabei liegt es mir fern „indigene Spiritualität“ zu idealisieren. In Afrika (aber auch in Teilen von Asien und sogar Südamerika) sind zusammen 230 000 000 Mädchen und Frauen beschnitten bzw. genitalverstümmelt! Das entspricht exakt der gesamten weiblichen Bevölkerung der EU! Nicht nur, daß insbesondere die schwerste und radikalste Genitalverstümmelung, die Infibulation („pharaonische Beschneidung“) praktisch tödlich weh tut (manche Mädchen sterben am Schmerzschock), sondern noch schmerzhafter ist danach die Geburt von Kindern. Und nach der Geburt muß alles wieder zugenäht werden. (Da kann man sich ja vorstellen, welches Verhältnis diese Frauen zu ihren Babys gewinnen!) Man kann sich gar keine schlimmere, grausigere Art vorstellen, einen Menschen zu foltern. Und selbst die Männer leiden, weil jeder Beischlaf für die Frau und damit auch für den Mann eine schmerzhafte Folterung ist. Und warum das ganze? Aus Todesangst vor der angeblich unstillbaren, alles zerstörenden weiblichen Sexualität (deshalb auch die Verschleierung). In Afrika breitet sich dieser Brauch durch die neuen Verkehrsverbindungen, Flüchtlingsströme, etc. auch auf Stämme aus, die ihn noch nicht kannten, denn niemand will als unbeschnitten = unrein gelten.
Bis etwa Mitte der 1930er Jahre stand Reich in kompletter Harmonie mit der damals gängigen Naturwissenschaft. Dann ereigneten sich zwei Dinge, die mehr miteinander zu tun haben, als es auf den ersten Blick der Fall zu sein scheint: das Zeitalter der Genetik und das „Atomzeitalter“ nahmen Form an und beherrschten schließlich den Diskurs. Dazu paßt Erwin Chargaffs bekanntes Diktum: „Die zwei größten Taten, und wahrscheinlich Missetaten, der Naturwissenschaft der Gegenwart waren die Atomspaltung und die Entdeckung von Eingriffsmöglichkeiten in die Vererbungsmechanismen“ (Chargaff: Unbegreifliches Geheimnis, Stuttgart 1981). Gleichzeitig mit diesem extremen Mechanizismus trat eine auf den ersten Blick gegenteilige „mystische“ Geistesrichtung in Erscheinung: das Lebendige wurde zur „Information“ und die Atome verflüchtigten sich in Symmetrien und – Information („Ideen“). Kein Platz mehr für so etwas wie eine „kosmische Lebensenergie“!
Reichs Auseinandersetzung mit „dem Atom“ spannt sich zwischen seinem Treffen mit Einstein Anfang der 1940er Jahre und seinem ORANUR-Experiment Anfang der 1950er Jahre. Er sah die Atom-Lobby in die Verschwörung gegen ihn bzw. das Lebendige involviert. Und was die Genetik betrifft, schrieb er in Christusmord: „Die Pharisäer (…) sind weder besser noch schlechter als die Genetiker (…), was ihre Haltung dem Leben gegenüber betrifft. Sie werden Christus töten, weil er den Leuten gesagt hat, wo sie das Leben finden können.“
Bis Mitte der 1930er Jahre hatten die Lebenswissenschaften, insbesondere die Medizin, der Physik den Weg gewiesen. In seinem Buch Die großen Physiker und ihre Entdeckungen (München 1984) zitiert Emilio Segrè aus der bedeutsamen Rede über „Die neuen Ziele der Experimentalphysik“ die Professor Orso Mario Corbino 1929 hielt:
Besser als eine einfache Überlagerung der Techniken wäre eine Verschmelzung der Mentalität eines Biologen mit der durch die neue Physik geschaffenen Denkweise in ein und demselben Hirn. Hermann von Helmholtz (…) gab (…) seinen Lehrstuhl für Physiologie auf, um (…) Physik zu lehren. Es war zum größten Nutzen der Wissenschaft. Heute liegen die Dinge genau umgekehrt. Die experimentelle Physik (…) hat (…) alle Werkzeuge an der Hand, anderen, weniger fortgeschrittenen Wissenschaften weiterzuhelfen.
Segré führt aus, daß in der Tat nicht wenige der führenden Gestalten in der neuen Disziplin Molekularbiologie in der Physik ausgebildet waren und ihre Laufbahn als Physiker begannen. Es konnte nicht ausbleiben, daß sie eine extrem mechanistische Denkungsart in die Lebensforschung trugen.
In dieser Hinsicht federführend war Max Delbrück, ein Schüler des Quantentheoretikers Max Born. Carl Friedrich von Weizsäcker zufolge wandte sich Delbrück der Biologie zu, von der Problemstellung der „Quantentheorie des Subjekts“ geleitet (Aufbau der Physik, München 1985). In seinem Buch Wahrheit und Wirklichkeit (Hamburg 1986) stellt Delbrück das Ergebnis seiner Bemühungen dar, indem er den Realismus und die kartesische Trennung von Geist und Materie kritisiert und meint, wissenschaftliche Aussagen seien letztlich sprachlich Konstruktionen.
Der Widerstand, der der Idee entgegengebracht wird, daß Bewußtsein und physikalische Phänomene als gleichberechtigt zu betrachten sind, entspricht der Sorge, die Wissenschaft könnte dann auch auf die menschliche Person übergreifen. (…) Vor allem diejenigen sprechen sich gegen eine derartige Entwicklung der Wissenschaft vom Menschen aus, die fürchten, es könnte offenbar werden, daß der Geist nichts anderes als eine Maschine sei. Doch haben wir schon gesehen, daß die Antithese von externer und interner Wirklichkeit nur eine Illusion ist. Es gibt nur eine Wirklichkeit.
Hier sieht man sehr schön wie subtil doch die Aufweichung des alten mechanistischen Weltbildes nur dazu führte, das Lebendige vollends zu mechanisieren, wo es früher zumindest noch eine separate Schutzstellung als „Geist“ (und damit, wie erwähnt, „Entelechie“, „Prana“ etc.) einnahm! Gleichzeitig wird der maschinenhafte Mechanizismus unangreifbar, weil man ja die Spaltung zwischen Geist und Materie überwunden habe.
Dazu muß man wissen, daß der Hauptbeitrag von Delbrücks Lehrer, Born in der Quantenmechanik in der Wahrscheinlichkeitsdeutung der Schrödingerschen Wellenfunktion bestand, „eine Deutung, die der Wahrscheinlichkeit eine primäre Rolle in der Physik zuschrieb und damit das Verhalten einzelner Teilchen weitgehend unbestimmt ließ, so daß sich eine akausale Beschreibung ergab“ (Franco Selleri: Die Debatte um die Quantentheorie, Braunschweig 1983). Born selber beschrieb diese Wendung vom statisch Toten zum fließenden Lebendigen in der Physik, als die Abwendung vom alten mechanistischen Weltbild, wie folgt: „Erkenntnis der Wahrheit ist das Ziel des Forschers. Aber nirgendwo findet er etwas Ruhendes, Dauerndes. Nicht alles läßt sich erforschen, noch weniger vorhersagen“ (Born: Physik im Wandel meiner Zeit, Braunschweig 1957). Nirgendwo findet sich Sicherheit und das Statische, – so daß Reichs Kritik am Absoluten in Äther, Gott und Teufel ins Leere läuft.
Der extremste Mechanizismus, der durch die Genetik das Leben selbst vernichtete – und durch „das Atom“ sogar den ganzen Planeten bedroht, schlägt in sein scheinbares Gegenteil um. So sagte in einem Bild der Wissenschaft-Interview Herwig Schopper, damals Generaldirektor von CERN, im September 1984:
Es sieht so aus, als ob die „First Principles“, die wir benutzen, um die Natur zu erklären, um zu verstehen, warum es in der Natur überhaupt eine Ordnung gibt, warum in der Natur kein Chaos herrscht, nicht letzte unzerstörbare Materieklötzchen wären, sondern Symmetrien. Wir entfernen uns damit von Demokrit, der den Begriff des Atoms für das letzte unteilbare Teilchen eingeführt hat. Wir bewegen uns auf Platon zu, der lehrte, das letzte Fundament der Realität seien abstrakte Dinge, „Ideen“.
Der Witz dabei ist, daß diese „abstrakten Dinge“, die Ideen, eben auch nur – Bauklötze sind… Die materiellen Bauklötze sind nur – Ideen… Die Wirklichkeit verflüchtigt sich, einfach weil man nicht in der Lage ist, funktionell zu denken.
In seinem Buch Äther, Gott und Teufel befaßt sich Reich mit der Rolle der Panzerung in der Naturwissenschaft:
Die Erforschung der Natur durch das Experiment war ein entscheidender Schritt vorwärts zur objektiven Betrachtung. Doch das mechanistisch durchgeführte Experiment hat den Forscher von seiner unmittelbaren Beobachtung getrennt. Das Mißtrauen zum Menschen, zu seiner Urteilskraft und zur Rationalität seiner Emotionen ist berechtigterweise so riesenhaft, daß man das objektive Experiment überlud. Man fühlte Abneigung gegen das Untersuchen der Gewebe in lebendem Zustande ebenso wie gegen die Beobachtung der Atmosphäre mit dem freien Auge. „Objektive Experimente“ wie etwa das Michelson-Lichtexperiment, das den Äther abschuf, sind katastrophale Ereignisse für die Naturforschung. Man kann den. lebendigen Beobachter durch das Experiment nur kontrollieren, aber man kann ihn nicht ersetzen. Eine mechanistisch arbeitende und denkende Struktur im Beobachter kann durch Experimentieren nicht befruchtet werden. Daher war es immer der Rebell gegen den Mechanismus in der Naturforschung, der die scharfen Grenzen überschritt und seine Entdeckungen gerade durch Unorthodoxie machte. Er kehrte einfach zur direkten Beobachtung und zum natürlichen, d.h. funktionellen Verknüpfen der Beobachtungen zurück. Diese Rebellen der Naturwissenschaft waren auch Rebellen im Denken; sie funktionierten lebendig, überschritten Grenzen, brachen Zäune nieder, so in der Frage der Unveränderlichkeit chemischer Stoffe, in der Beziehung von Energie und Masse, in der Beziehung von Mensch und Tier, etc. Man denke bloß daran, was die Psychologie geleistet hat.
Der Funktionalist bedient sich also des Experiments auf Grund direkter Beobachtung zur Bestätigung seiner Beobachtungen und Denkresultate. Er ersetzt nicht das Denken und das Beobachten durch das Experimentieren. Der Mechanist hat kein Vertrauen zu seinem Denken und Beobachten, und er ist da im Rechte. Der Funktionalist hat Vertrauen zu seinen Sinnen und zu seinem Denken. Er unterscheidet sich. vom Mystiker und vom Gläubigen dadurch, daß er die Unsicherheiten kennt und experimentell kontrolliert. Er unterscheidet sich vom Mechanisten dadurch, daß er nichts aus der Beobachtung ausschließt, alles für möglich hält, durch seine Fassung von Beziehungen die Grenzen zwischen den Wissenschaften niederbricht und stets in disziplinierter Weise zum einfacheren Funktionsprinzip fortschreitet. (S. 114)
Das bedeutet, daß das mechanistische Experiment eine Entsprechung zur „mechanistischen Struktur“ des Wissenschaftlers ist, seiner Panzerung, d.h. es trennt ihn von seinem Gegenstand. Das, was Kontakt mit der Natur herstellen soll, nämlich der wissenschaftliche Versuch, unterbindet diesen Kontakt. Das ist so, weil der Gepanzerte seiner sinnliche Beobachtungsgabe und seinen eignen gedanklichen Schlußfolgerungen (zu recht) nicht traut. Natürlich muß auch der funktionelle Forscher das wissenschaftliche Beobachten und Schließen durch Experimente ständig kontrollieren, aber diese Versuchsaufbauten können nicht die lebendige Beobachtung und das funktionelle, d.h. der Natur folgende, Denken ersetzen. Am Beginn steht immer der lebendige Organismus mit seinen Emotionen, Empfindungen, Wahrnehmungen und den daraus abgeleiteten „Eingebungen“ und Kognitionen. Das Experiment dient wie gesagt der Kontrolle.
Man kann Wildtiere beobachten und daraus seine Schlüsse ziehen. Natürlich sollte man das, soweit möglich kontrollieren, indem man diese Tiere etwa auf eine Weide sperrt, d.h. kontrollierte Bedingungen herstellt. Durch diese Übergriffigkeit besteht aber die Gefahr, daß die nunmehr kontrollierten Beobachtungen nur Artefakte widergeben. Wenn ich, „blind und dumm“, was die natürlichen Bedingungen betrifft, nun von solchen artifiziellen Bedingungen ausgehe und jede Menge willkürlicher Experimente mit den unversehens zu Nutz- wenn nicht Haustieren entarteten Versuchsobjekten mache, kontrolliere ich nicht mehr meine Beobachtungen und Schlußfolgerungen anhand der Natur, sondern projiziere ganz im Gegenteil meine „Unnatur“ (Panzerung) in die Natur hinein. Genau das machen mechanistische Wissenschaftler mit ihren vermeintlich „objektiven Experimenten“ tagtäglich, weil sie nicht mehr ihren Beobachtungen und Denkresultaten trauen können. Imgrunde ist Naturwissenschaft ohne vorangehende Orgontherapie unmöglich. Es ist Pseudowissenschaft, in der der gepanzerte Mensch nur sich selbst widerspiegelt, während ihm die Natur entgleitet. Naturwissenschaft wird zur Unnaturwissenschaft.
Reich hatte hier seine Bionforschung vor Augen, in der er die „unsterile“ Natur einfach ganz „naiv“ beobachtete und daraus organisch Experimente ableitete, während es den „richtigen“ Mikrobiologen um das präzise Taxieren, Bestimmen, Charakterisieren unter kontrollierten, d.h. sterilen Bedingungen geht. Daß dadurch genau das abgetötet wird, was Gegenstand der Untersuchung sein sollte, wird weder gesehen noch mental erfaßt. Ein weiteres Beispiel ist das Orgon in der Physik. Es wird durch die Versuchsbedingungen abgetötet und förmlich unsichtbar gemacht. Es ist, als würde man Verhaltensforschung von Schweinen und Kühen auf der Schlachttheke betreiben wollen. „Naturwissenschaftler“ sind wie nekrophile Sexualmörder, die das, was sie vermeintlich lieben, erst erdrosseln müssen, bevor sie es „lieben“.
Da die Orgonomie nicht anerkannt ist und deshalb ein ziemlich abgeschlossenes, „sektiererisches“ Dasein fristet, besteht die Gefahr, daß sie als soziales „Biotop“ mißbraucht wird. Man wird Teil einer verschworenen Gemeinschaft, deren „Geheimwissen“ für den gewissen Kick sorgt und dem Leben einen Sinn gibt. Doch genauso wie sich Sexualität und Arbeit wechselseitig ausschließen, harmoniert diese Art von Nestwärme nicht mit der orgonomischen Wissenschaft. Sie im gleichen Lebensbereich zu suchen, bedeutet einen Kult zu begründen.
Auch wird die Orgonomie in einen weltanschaulichen Kult verwandelt, wenn man passiv die Weisheiten der (vermeintlichen) orgonomischen Autoritäten wie heilige Worte unreflektiert aufnimmt, ohne selbständig zu denken. Es geht um die funktionelle Hierarchie des arbeitsdemokratischen Prozesses, nicht um Heilssicherheiten, die von oben nach unten weitergegeben werden.
Für Reich war A.S. Neill das perfekte Beispiel eines „Anhängers“, wie er ihn sich wünschte:
Neill besitzt in einem sehr hohen Grade die seltene, aber auch so wichtige Qualität der vollständigen Unabhängigkeit bei gleichzeitiger Unterordnung, was die gemeinsame Sache betrifft. Das unterscheidet ihn von dem Rebellen, der sich zwar nicht für eine gemeinsame Sache unterordnen will, der aber gleichzeitig nie seine tiefe Abhängigkeit in den Griff bekommt. Dergestalt gingen viele Meinungsunterschiede in Erziehungs- und sozialen Fragen einher mit einem tiefempfundenen Verantwortungsbewußtsein für die gemeinsame Hauptaufgabe. (Reich: „Orgonomy 1935-1950 – A Brief Review (I)“, Orgone Energy Bulletin, Vol. 2, July 1950, S. 146)
Von seiten Kleiner Männer und Frauen wird gegen die „offizielle“ Orgonomie, insbesondere das American College of Orgonomy, häufig der Vorwurf erhoben, sie wäre viel zu orthodox, in sich abgeschlossen und nicht offen genug, während die „Reichianische Szene“ ganz anders wäre, nämlich offener und lebendiger. So wird die Alternative zwischen einem „offenen Reichianismus“ gegen einen „fundamentalistischen“ orgonomischen Kult konstruiert. Aus derartigen Aussagen spricht die Sehnsucht nach der Nestwärme einer „orgonomischen Bewegung“, die einen mit offenen Armen aufnimmt und deren mitgerissenes Teil man sein kann. Der Orgonomie wird etwas vorgeworfen, was man heimlich von ihr ersehnt, aber nicht bekommt: kultische Führung. Die „orthodoxe“ Orgonomie ist so unpopulär, weil sie sich immer dagegen gesperrt hat, nach Reichs Tod eine „mitreißende“ Bewegung ins Leben zu rufen, z.B. indem sie die Therapie streng auf Mediziner beschränkte. Man denke in diesem Zusammenhang an die (bis vor etwa 25 Jahren) explosionsartige Ausbreitung „Reichianischer Therapeuten“ und an das zwischenzeitlich wilde Wuchern von „Chembustern“.
Dadurch, daß sie öffentlich zum Ausdruck brachten, sie wollten keine Gurus sein, warfen die Führer der Orgonomie die Menschen auf sich selbst zurück. Die Orgonomen verhielten sich dabei nicht anders als in der individuellen Therapie, in der es nicht die Aufgabe des Therapeuten ist, dem Patienten „Gesundheit zu geben“, sondern ihm ein realistisches Bild seiner selbst zu vermitteln (z.B. daß der Patient nicht atmet und partout nichts tut, um sein soziales Leben zu verbessern), woraus der Patient selber Konsequenzen ziehen muß. Der Kleine Mann empfindet diesen Appell an den Willen zur Selbstregulierung als die kalte Arroganz des gehaßten „Establishments“, das den Kleinen Mann aus der heimeligen Wärme der Masse herausreißen will. Irrwitzigerweise sprechen dann diese Kleinen Männer von „Arbeitsdemokratie“, die das besagte „Establishment“ angeblich mißachtet.
Charakteranalyse ist ideologiefrei wie eine Blinddarmoperation oder sie ist das Gegenteil von Charakteranalyse. Es gibt wohl kaum etwas Widerwärtigeres als „Orgontherapeuten“, die jede einzelne Äußerung des Patienten verbal und vor allem nonverbal moralisch bewerten, also dem Patienten vorgeben, was er von sich selbst zu halten hat. Dies untergräbt jede Selbstregulation und ist gemeingefährliche Manipulation – es ist nichts anders als Seelenmord. Man braucht nur wenige Elemente der Orgonomie ändern, etwa „orgonomische“ Moral ins Spiel bringen, und schon wird die Orgonomie zum hassenswertesten System, das es jemals auf der Erde gab. Aufgabe des Therapeuten ist es nicht, sich in das Seelenleben des Patienten einzumischen („subjektive Meinungen“), sondern ihm einfach nur zu helfen, das Primäre und Gesunde vom Sekundären und Neurotischen zu scheiden („objektive Naturprozesse“). Kontakt!
Hier kommt das ins Spiel, was Reich als „die sogenannte ‘Weltanschauungsfrage’“ (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 163) bezeichnet hat. Es geht um die grundsätzliche „weltanschauliche“ Unterscheidung zwischen lebenspositiv und lebensnegativ. Diese Unterscheidung ist in allen Lebensbereichen zu treffen, vor allem aber in der Wissenschaft. Reich hat dazu gesagt:
Ich halte es für richtig, an jeder geeigneten Stelle zu betonen, daß es nicht darauf ankommt, ob eine Wissenschaft von der menschlichen Natur einer Weltanschauung entspringt und durch sie gefärbt ist; daß dies nicht anders sein kann, ist jedem Wissenschaftler klar; wohl aber ist entscheidend, mit welcher Weltanschauung sich eine wissenschaftliche Tätigkeit verbündet; mit der, die das Wissen, die ganze Persönlichkeit des Forschers und oft auch seine Existenz und sein Leben in den Dienst der Erforschung des Seins stellt, oder mit der, die alles tut, buchstäblich alles, von der harmlosen falschen Theoriebildung über den Boykott des Gegners und wissenschaftlichen Raub an ihm bis zu reaktionären Taten und Manifesten, um zwar den Nimbus der Wissenschaft für sich zu sichern, aber im übrigen jedes Stückchen mühsam errungenen Wissens zu verschleiern, abzubiegen, seine Konsequenz zu vermeiden. (Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, KiWi, S. 199)
Man kann ganze Bibliotheken durchforschen, auf zwei Dinge wird man nie stoßen: die Orgasmustheorie und die Über-Ich-Problematik. Das sind Bereiche, die aus weltanschaulichen Rücksichtnahmen aus der Wissenschaft ausgegliedert wurden. Die gleichen Leute sprechen aber sofort von weltanschaulichem Mißbrauch der Wissenschaft, wenn die Orgonomie den Unterschied zwischen Primär und Sekundär verdeutlichen will. Dabei geht es einfach nur darum, seinen inneren (primären!) Gefühlen frei zu folgen, statt einer künstlichen Weltanschauung. Es geht darum, unverstellt durch unfundierte Meinungen direkten Kontakt mit der Realität aufzunehmen, anstatt in weltanschaulichen Illusionen gefangen zu bleiben. Es geht um den Unterschied zwischen Kontakt und Kontaktlosigkeit. Jede korrekte Beobachtung muß „stets zu funktionellen, energetischen Formulierungen führen, wenn man nicht vorher abbiegt“ (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 48).
Es gibt gewisse Wahrheiten, die durch unsere Sinne und Bewegungen a priori gegeben sind. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 299)
Die Orgonomie ist der unmittelbare, also wissenschaftliche Ausdruck der Wirklichkeit. Reich hat alle metaphysische Auslegung weit von sich gewiesen, ist nicht der Auslegungsakrobatik der Tiefenpsychologie gefolgt, sondern ist dem greifbaren Körper und seinem Verhalten nachgegangen; hat das alltägliche Leben der objektiven Arbeitsdemokratie untersucht und nicht politische Ideologien vertreten; ist nicht teleologischen Zielvorgaben und irgendwelchen außer ihm liegenden Zwecken gefolgt, sondern hat den Weg zum Ziel erklärt. Dies entspricht dem „Silent Observer“, dem nüchternen, nicht weltanschaulich befangenen Beobachter.
Während Ideologien und Religionen Weltbilder erschaffen, entdeckt die Wissenschaft: Reich hat die Arbeitsdemokratie nicht als neue subjektive Weltanschauung geschaffen, sondern als objektive Tatsache entdeckt; er hat nicht ein neues Menschenbild geschaffen, sondern die Genitalität und damit den Genitalen Charakter entdeckt. Es gibt unendlich viele jener erschaffenen Ideologien und Religionen, unendlich viele Weltanschauungen, aber nur eine einzige Wissenschaft. Man kann, so Reich, Tausende von Meinungen über ein und dieselbe Sache haben, aber es gibt nur eine einzige korrekte Erklärung für sie („The Evasiveness of Homo Normalis“, Orgonomic Functionalism, Vol. 3, Summer 1991, S. 84).
Wenn „Reichianer“ den Orgonomen einen „totalitären orgonomischen Fundamentalismus“ vorwerfen, weil diese auf den wissenschaftlichen Fundamenten beharren, steckt hinter dieser Kritik Blauer Faschismus. Diese „Reichianer“ wollen auf der Orgonomie ihre diversen weltanschaulichen Süppchen kochen. Und wenn sie einwenden, sie würden eine offene, nichttotalitäre, tolerante Weltanschauung vertreten, dann sind sie doch nur Agenten der allgegenwärtigen Reaktion und Teil der vorgeblich „pluralistischen“ Unterdrückung der einen wissenschaftlichen Wahrheit. Konsequent umgehen sie das durch den Namen „Wilhelm Reich“ gekennzeichnete Wesentliche: die Orgasmustheorie und die Über-Ich-Problematik. Man denke z.B. daran, daß aus Gründen politischer Korrektheit die Homosexualität irrigerweise nicht mehr als Krankheit betrachtet wird – werden darf. Man darf Sekundäres und Primäres nicht mehr unterscheiden. Die Orgonomie soll sich dem „gesellschaftlichen Konsens“, den interessanterweise stets angeblich „Progressive“ im Munde führen, anpassen.
Reich erachtete alles (einschließlich Gott, Geist, Selbst, Religion, Liebe, etc.) als naturwissenschaftlich erforschbar. Zum Beispiel löst die Orgonomie philosophische und psychologische Probleme, die das Bewußtsein beinhalten, durch außerphilosophische und außerpsychologische Mittel. Die Frage nach dem Unbewußten wird über die physiologische Panzerung beantwortet; die Frage nach der Realität der Außenwelt durch Auflösung der Augenpanzerung. In diesem Beharren darauf, daß grundsätzlich alles der naturwissenschaftlichen Forschung zugänglich ist, war Reich weit radikaler als praktisch alle anderen Naturwissenschaftler, die immer noch Platz außerhalb der Wissenschaft für Weltanschauung und „Glaubensfragen“ lassen.
Man nehme den Biophysiker Alfred Gierer, für den
viele verschiedene philosophische, kulturelle und religiöse Ideen mit wissenschaftlichen Tatsachen und logischem Denken vereinbar (sind). Wissenschaft ergibt keine verbindliche Weltdeutung, sie ist selbst deutungsbedürftig. (Die gedachte Natur, München 1991, S. 13)
Sogar für die irrationale Mystik ist Platz:
Wissenschaft widerlegt nicht Religion als solche. Wissenschaft ist mit dem Glauben vereinbar, daß es keinen Gott, einen Gott oder mehrere Götter gibt. Der Mensch kann, er muß aber nicht die Welt als Gottes Schöpfung und den Menschen als sein Ebenbild verstehen. Religion steht in Zusammenhang mit Lebensbereichen, die die Wissenschaften nicht ausfüllen und die dennoch für das Individuum und die Gesellschaft wichtig sind; sie stellt sich Fragen nach dem Sinn und Ziel menschlichen Daseins und nach dem „guten“ Leben. (ebd., S. 250)
Reich hat stets gegen derartige „wissenschaftliche“ Freibriefe für den mystischen Irrationalismus gekämpft. Bereits in den 1920er Jahren hat er sich dagegen verwahrt, die Psychoanalyse als „bürgerliche Kulturphilosophie“, also als Ideologie aufzufassen. Erinnert sei an seine schroffe Ablehnung der Laienanalyse, mit der Freud (nach Reichs etwas schiefer Einschätzung) die Psychoanalyse von einer medizinischen Disziplin in eine Weltanschauung überführen wollte. Dagegen setzte Reich seine „Wissenschaft der sozialen Sexualökonomie“ (Massenpsychologie des Faschismus, S. 47). Im Kapitel über „Die Sexualökonomie im Kampf gegen die Mystik“, sowie in „Einige Fragen der sexualpolitischen Praxis“, sieht man, daß es ihm beim Kampf gegen die Mystik (und damit gegen die faschistische Bewegung) stets darum ging, die Naturwissenschaft gegen die Mystik durchzusetzen: dem Feind (!) keine Ruheräume zu gönnen. Er frägt:
Wurden im Kampf zwischen Naturwissenschaft und Mystizismus alle Möglichkeiten von der ersten ausgeschöpft? (ebd., S. 161)
Die Orgonomie ist die Wissenschaft, die sich mit der Orgonenergie und ihren Funktionen, d.h. mit grundsätzlich allem befaßt. Sie ruht auf drei Säulen: die Funktion des Orgasmus, die Entdeckung des Orgons und die orgonometrische Denkmethode. Gemeinsam ist diesen drei Grundelementen der Orgonomie, daß ihnen Zielvorgaben inhärent sind: das Orgon als positive Gegebenheit und sein ungestörter Metabolismus, d.h. sexuelle, medizinische, soziale und ökologische Hygiene. Die Wirklichkeit, d.h. letztlich die orgonotische Pulsation, stellt also objektive Forderungen, die nichts mit subjektiven, willkürlichen Weltanschauungen zu tun haben. Man kann nicht darüber diskutieren, ob es Hygiene geben soll oder nicht; ob ein Kind gesund oder krank aufwachsen soll! Selbstregulation ist selbstverständlich, es ist der Sache immanent, während die Weltanschauungen, die der Wissenschaft angeklebt werden, immer eine Sache von Fremdbestimmung sind: das „Sollen“ wird von außen durch „Offenbarungen“ oktroyiert.
Wie Reich es während seiner Marxistischen Periode in seiner Kritik der „bürgerlichen“ Wissenschaft formuliert hat, sind Sein und Sollen nicht voneinander zu separieren. Daß aus dem Sein ein Sollen folgt, ist natürlich nicht dahin mißzuverstehen, daß man aus einer Tatsachen-Feststellung einfach Forderungen ableiten (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 140) oder sich bei einer Forderung auf die Vergangenheit berufen kann. Dies wäre, Reich zufolge, ein logischer Irrtum (ebd., S. 139). Vielmehr muß man die Entwicklung betrachten, die rückschrittlichen und progressiven Elemente identifizieren und entsprechend unterdrücken bzw. unterstützen (ebd., S. 149). Es läuft also wieder auf die kontaktvolle Unterscheidung zwischen dem Sekundären, Gepanzertem und dem Primären, Gesunden hinaus.
Reich wollte gegenüber dem Zeitgeschehen die überzeitlichen Naturgesetze, etwa die Funktion des Orgasmus, zur Geltung bringen. Dieser Wille zur „politischen“ Wirksamkeit steht in der Tradition der „kosmischen Politik“ Giordano Brunos oder der „großen Politik“ Nietzsches (Studienausgabe, Bd. 13, S. 637f), d.h. es geht um die Rückführung der Geschichte auf die Natur. Bei Bruno war es der Protest gegen den sich ausformenden Absolutismus, der nicht dem neuen dezentralen Bild des Kosmos entsprach, dazu gehörte für Bruno auch die Beseitigung des Glaubens an einen persönlichen Gott.
In der Orgonomie sind Theorie und Praxis unlösbar miteinander verknüpft (immer wieder: Kontakt!), d.h. es gibt in ihr keine reine Theoretisiererei, keine Trennung zwischen Geistes- und Naturwissenschaft, sondern Reichs sozial- und naturwissenschaftliche Theorien sind stets unmittelbar „auf der Straße“ und im Laboratorium, nicht am Schreibtisch entstanden. Reichs so unwissenschaftlich wirkendes revolutionäres Pathos stammt daher, daß man ihm zufolge keinen Gegensatz von Wissenschaft und dem (organisierten) Anstreben gesellschaftlicher Veränderungen, d.h. dem Separieren des Sekundären vom Primären, konstruieren kann. Doch die Trennung von Sein und Sollen ist die Ideologie der modernen Naturwissenschaft: aus dem faktischen Sein sei kein ideelles Sollen ableitbar; es sei nur ethisch dekretierbar. Daß diese „wissenschaftliche“ Haltung ideologische Verkleisterung ist, zeigt sich am antiwissenschaftlichen „Wissenschaftsbetrieb“, in dem Fakten dekretiert werden. Neuerdings wird darüber abgestimmt; der „Pluralismus“ der bloßen Meinungen triumphiert.
In der Orgonomie brechen „alle Grenzen zwischen Wissenschaft und Religion, Wissenschaft und Kunst, Objektivem und Subjektivem, Quantität und Qualität, Physik und Psychologie, Astronomie und Religion, Gott und Äther“ (Das Oranur-Experiment, S. 221).
Reich sagt, daß die Orgonomie sowohl ein Zweig der Naturwissenschaft, als auch ein künstlerisches Verfahren ist (ebd.). Zum Beispiel prädestiniert Kunstempfinden zur orgonomischen Beobachtung der Natur bei der CORE-Arbeit. Dies heißt jedoch nicht, daß es eine „orgonomische“ Kunst geben müsse. Im Gegenteil! Kunst ist etwas Autonomes, das durch jede „weltanschauliche“ Inanspruchnahme zerstört wird. Es kann keine „orgonomischen Gedichte“, keine „orgonomischen Bilder“, keine „orgonomische Musik“ geben, denn gute Kunst erkennt man daran, daß jeder etwas anderes in sie hineinlesen kann: und da die Orgonomie keine Weltanschauung ist, ist alle Kunst als sicht- oder hörbarer Ausdruck der kosmischen Orgonenergie – orgonomisch.
Am Ende hat Reich sogar auf religiöse Bilder zurückgegriffen. Bereits Anfang der 1920er Jahre findet sich bei ihm das nonverbale Denken in Bildern, was seine Kollegen amüsierte und sie später schließen ließ, er sei wirklich meschugge, wenn er „Blasen- und Pseudopodienmodelle“ wortwörtlich nähme und in diesen Bildern dächte: psychotisches Primärprozeßdenken. In Wirklichkeit war es ein ganzheitliches, „ganzkörperliches“ Denken, das allen wirklich schöpferischen und originellen Menschen eigen ist, welches aber Homo normalis nicht von der Schizophrenie unterscheiden kann. Es ist ein Denken, das wie jede große Kunst und jede echte Religion um die Grundfunktionen der Natur kreist.
Die Orgonomie darf nicht in falsche Hände geraten, da sie, wegen ihrer Nähe zu „Kunst und Religion“, ansonsten tatsächlich zu einem mythologischen Wahnsystem mutieren kann. Man vergegenwärtige sich die Mythologisierungs-Tendenzen bei Reich: „Äther, Gott und Teufel“, „Christus und Modju“, etc. Stoff für ein vollständiges religiöses Wahnsystem, dem Abermillionen vermeintlich „Pestilenter“ geopfert werden könnten. Es geht um die klare Differenzierung zwischen „Weltanschauung“ im Sinne eines willkürlichen Wahnsystems und „Weltanschauung“ im Sinne der objektiven Unterscheidung zwischen lebenspositiv und lebensnegativ, primär und sekundär, OR und DOR. Es geht um die Differenz zwischen Orgonomie und Blauem Faschismus. Nochmals: Es ist eine Gratwanderung, die der Menschheit den finalen Todesstoß versetzen könnte, sollte die Orgonomie in die falschen Hände geraten.
Friedrich Kraus‘ „Tiefenperson“ ist das, was das Leben an sich im jeweiligen Menschen ausmacht, wenn man alle Strukturen von den Organen des Körpers bis hinab zu den Zellorganellen wegdenkt. Es ist das in sich Dranghafte, das, was für den Turgor sorgt, und bei dessen Wegfall sofort die Strukturen des Körpers zerfallen. Für den Internisten Kraus war das einfach der Druck der Kochsalzlösung, die uns ausmacht und die durch Osmose, Ionenfluß etc. in Wallung kommt. Dieser Kern, der das Lebendige ausmacht, ist genau das, was Reich in den 1930er Jahren bei seiner „sexualökonomischen Lebensforschung“ mittel der erwähnten „Orgasmusformel“ ergründen wollte.
Die von Kraus aus der internistischen Praxis an der Berliner Charité heraus postulierte „vegetative Strömung“ wollte Reich zunächst „bio-elektrisch“ beschreiben, scheiterte daran jedoch und landete dabei beim Orgon. Zu dieser Zeit, d.h. ab etwa 1933 entwickelte Reich das, was er zunächst als „charakteranalytische Vegetotherapie“ bezeichnete. Sie sollte die Kraus‘sche vegetative Strömung freilegen, indem die Panzerung systematisch Schritt für Schritt aufgelöst wird. Systematisch bedeutet: von oben nach unten, von außen nach innen und von der Gegenwart in die Vergangenheit. Es ist nicht abwegig zu behaupten, daß das der Weg jeder authentischen Aufklärung ist. Man folgt nicht vorgefaßten Meinungen, sondern dringt Schicht für Schicht wie ein lege artis vorgehender Archäologe ins Unbekannte vor. Bei diesem Prozeß sät man im Patienten Zweifel und regt zum Selberdenken an. Man führt zum Kern der Sache hin. Für Reich bedeutete das hin zum Genital, hin zum „pneumatischen Zentrum“ und hin zur Sexualhemmung, d.h. dem Ursprung des Über-Ichs bzw. der Panzerung. Ein Hinführen zur Einsicht und zum „Einleben“!
Reich verkündete nicht deduktiv was verdrängt wurde, sondern zeigte induktiv erstens auf, daß überhaupt verdrängt wurde und wie sich diese Verdrängung im einzelnen und systematisch vollzog. Aufklärung, d.h. Wissen-Schaffen, ist in diesem Sinne buchstäblich das Beseitigen von zunächst oberflächlichen und danach schrittweise immer tieferen Panzerschichten bis schließlich die vegetative Strömung wieder freiliegt: die Kunst Wollust zu empfinden, das authentische Ich, die Jahrtausendentdeckung. Die „Jahrtausendentdeckung“ ist, daß die Beschneidung dieser Selbstregulation, künstliche Regulation notwendig macht, deren Produkte selbst wieder künstlich reguliert werden müssen, statt daß man von Anfang an schlichtweg der vegetativen Strömung vertraut, die sich ihre besten Daseinsbedingungen selbst schaffen wird (Reich: Die sexuelle Revolution). Secundum naturam! Die mechanistische Naturauffassung ist unmittelbarer Ausdruck der besagten „künstlichen Regulation“ (ich verweise zurück auf die „Legosteine“)!
Dem von Bernd A. Laska beeinflußten Philosophen Ronald Hinner zufolge geht es dem Hegel-Schüler Stirner um die Verflüssigung und Auflösung der „fixen Ideen“. Ähnliches konstatiert Hinner beim Positivismus Ernst Machs. Stirner endet beim endlichen Subjekt, dem leiblichen Ding an sich, Mach beim endlichen Objekt, dem sinnlich greifbaren Element, nachdem sie jeweils alle fixen Ideen und bloßen Begriffe negiert haben (Hinner 2016: Max Stirner und Ernst Mach. Elemente des modernen Gnostizismus).
Reich schreibt an einer quasi „positivistischen“ Stelle in Äther, Gott und Teufel gegen das „bloße Denken“ an, deren Ergebnisse „als sekundär gegenüber den beobachtbaren Naturfunktionen angesehen werden (müssen)“. Er hebt die Bedeutung des voraussetzungslosen Beobachtens hervor und fordert „die Funktion des Denkens selbst (…) logisch und konsistent aus den beobachtbaren Naturfunktionen im Beobachter selbst (abzuleiten)“ (S. 150f), wobei er insbesondere auf die Rolle der Panzerung abzielt, die den Zugang zum „Ding an sich“ verhindert.
Mit „bloßem“, von den tatsächlichen Naturvorgängen abweichendem Denken meint Reich offensichtlich zweierlei: erstens ein Denken, das indirekt und eines das direkt fremdbestimmt ist. Bei ersterem handelt es sich um eben „gepanzertes Denken“, d.h. ein Denken, das auf das durch die Erziehung gehemmte Funktionieren des Organismus zurückgeht. Beim direkt fremdbestimmten Denken geht es um die unhinterfragte Übernahme der Meinungen von Autoritäten. Man folgt dem „Über-Ich“, weil man die gesellschaftlichen Vorgaben verinnerlicht hat und durch diese charakterstrukturell umgeformt wurde. Das trifft nicht nur auf mystische Ideen in der Religion, sondern auch auf mechanistische Theorien in der Naturwissenschaft zu.
War die Beschäftigung des Psychoanalytikers („Psychologen“) und Sozialreformers („Soziologen“) Wilhelm Reich mit Naturwissenschaft nicht nur eine Marotte, die man nicht ernstnehmen kann?
Mit der Naturwissenschaft ist das so eine Sache. Man denke nur an all die physikalischen Halbgebildeten, die beispielsweise davon schwätzen, daß die Mondlandung unmöglich gewesen wäre, weil die Astronauten den radioaktiven Van-Allen-Gürtel durchqueren mußten. Das hätte wie ein Aufenthalt im Sarkophag von Tschernobyl tödlich verlaufen müssen! Und erst die Kälte (170 Grad unter Null) und die Sonnenhitze (130 Grad über Null) auf der Mondoberfläche hätten sie in ihren Mondanzügen unmöglich überleben können! Nun, den Van-Allen-Gürtel durchquerten sie jeweils in etwa 50 Minuten, den wirklich gefährlichen inneren Bereich in 15 Minuten, wobei die Strahlenwirkung zwar nicht gerade gesundheitsförderlich war, aber weit unter dem lebensgefährlichen Bereich lag. Und im Vakuum haben „Kälte“ und „Wärme“ eine grundsätzlich andere Bedeutung als in der dichten Erdatmosphäre. Ansonsten wäre überhaupt jede Raumfahrt unmöglich!
Das, was dem Laien mit seinem beschränkten Sichtkreis als „logisch“ erscheint, muß in der Wirklichkeit ganz und gar nicht so sein. Man kann sich ausmalen, wie sehr Naturwissenschaftler angesichts von so viel dummdreister Arroganz leiden! Gehörte Reich mit seinen außerhalb des anerkannten naturwissenschaftlichen Betriebs stehenden „orgonomischen“ Thesen nicht auch zu dieser Kategorie nerviger Ignoranz? Alles Fehlschlüsse, Fehlinterpretationen, Mißverstehen?
Als Reich 1919 und 1920 sich während seines Medizinstudiums mit „Physik für Mediziner“ herumschlug, war die Existenz des Atoms als Baustein der Materie erst frisch etabliert. Kaum anderthalb Jahrzehnte zuvor galt das Atom noch als ein voraussichtlich bald obsolet werdendes hypothetisches Hilfskonstrukt. Auch die Vorstellung, daß Elektrizität so etwas wie eine „flüssige Substanz“ ist, war erst zur Jahrhundertwende am Verschwinden. Das heißt der Triumph des konsequent mechanistischen Models, das die Welt als eine Art „Legobaukasten“ betrachtet, war noch nicht wirklich etabliert. Beispielsweise lehnte der streng phänomenologisch denkende Ernst Mach bis zu seinem Tode 1916 die physische Realität des Elektrons und des Atoms ab, da man sie nicht direkt beobachten konnte. Es handele sich bei ihrer Postulierung also um „Metaphysik“, die in der Naturwissenschaft keinen Platz haben sollte!
Reich bewegte sich in den 1930er Jahre gewissermaßen noch immer im 19. Jahrhundert, als er seine Physik mit dem „Zerstören von Materie durch Kochen und Glühen“ begann und sich auf elektrostatische Phänomene konzentrierte. Um sich in diese „altertümliche“ Vorstellungswelt hineinzuversetzen denke man nur daran, daß wir bei der Elektrizitätslehre noch immer mit Begriffen arbeiten, die auf die Dynamik von Flüssigkeiten verweisen: Ladung = Quelle bzw. Senke, Spannung = Druckunterschiede, Stromstärke = Durchflußmenge, Widerstand = Rohrverengung, Isolator = Damm.
Weit besser kann man sich den besagten Bruch zwischen der gängigen und der Reichschen Naturwissenschaft anhand der Arbeit des Berliner Internisten Friedrich Kraus vergegenwärtigen, dessen Hauptwerk Allgemeine und spezielle Pathologie der Person (Leipzig: Thieme, 1927) Reich noch im Erscheinungsjahr besprach. Der zentrale Gedanke von Kraus‘ Buch war das Konzept der „Tiefenperson“, die den unmittelbar erfahrbaren vitalen „spontan dranghaft schöpferischen“ Kern des Menschen ausmache und die, so Reich, weitgehend identisch sei mit Freuds Libido – eine Assoziation, die Kraus selbst in dem besagten Buch herstellt. Das, was Reich als Spitze der bio-medizinischen Avantgarde rezipierte, war jedoch das letzte Aufbäumen einer bio-medizinischen Wissenschaft, in der das Lebendige noch auf so etwas wie „vegetative Strömungen“ (Kraus) zurückgeführt wurde und nicht, wie seit etwa 1936 (Kraus‘ Todesjahr), alles auf biochemische Strukturen zurückgeführt wurde und langsam jene Genetik sich entwickelte, die heute die Biologie und Medizin fast ausschließlich bestimmt nach dem Muster: Software (die DNA) und Hardware (die Proteinsynthese). Es war ähnlich wie zuvor, als die einheitliche Materie und die einheitliche Elektrizität jeweils „atomisiert“ wurden!
Reichs Ausgangspunkt seiner bio-medizinischen Forschung, die Orgasmusformel (Spannung – Ladung – Entladung – Entspannung), wirkt heute vollständig absurd, da wir seit nunmehr fast einem Jahrhundert systematisch darauf trainiert werden, das Lebendige rein auf Informationsverarbeitung und das Maschinelle zu reduzieren. Beispielsweise „findet Sex im Kopf statt“ und der Rest weiter unten sei bloße Mechanik, so daß wir mit dem Begriff „das Lebendigen“ als autonomer Instanz rein gar nichts mehr anfangen können. Kraus‘ Lehre von den funktionellen Zusammenhängen und der Ganzheit des Menschen, bei der nicht nur das Plasma der einzelnen Zelle, sondern das gesamtorganismische dynamische Kontinuum dieses Plasmas und das energetische Fließgleichgewicht, das in diesem immer wieder hergestellt wird, also die Selbstregulation, eben das besagte „dranghafte Lebendige“, im Mittelpunkt stand („Syzygiologie“), wurde abgelöst von einer merkwürdig mittelalterlich wirkenden rein morphologisch orientierten statischen neuen Lehre mit den Genen als dem unveränderlichen Bauplan des Organismus. Die Nationalsozialisten waren enthusiastische Vertreter dieser Erblehre, entsprechend betrachtete Reich seine „sexualökonomische Lebensforschung“ der 1930er Jahre und die „biophysikalische Orgonforschung“ der 1940er Jahre als antifaschistischen Widerstand gegen das heraufziehende neue Mittelalter.
Gleichzeitig begann er die immer noch hydrodynamische und damit mechanische Vorstellung („Fluida“) durch eine biologische zu ersetzen mit Begriffen wie Erregung und qualitativen Umschreibungen, die dem Gefühlsleben entnommen waren. Man denke nur an Reichs Ausführungen über das ORANUR-Experiment von 1951, die dem „Hineinsehen“ in der Phänomenologie entsprechen.
Ich möchte nur mal zwischenzeitlich Danke sagen für die m.E. UNBESCHREIBLICH WICHTIGE Arbeit, die Du in der Orgonometrie-Reihe leistest – auch wenn dazu in der Regel wenig kommentiert wird.
Ich bin immer wieder beeindruckt!
Sebastian:
Ich kann das gar nicht beurteilen, aber finde alleine die Bemühung hervorragend und möchte mich daher anschließen.
Oliver Gerlach:
Auch ich möchte mich hier unbedingt anschliessen. Neben der unglaublich umfassenden „Chronik der Orgonomie“ stellen „Orgonometrie 1 + 2“ die m.M. nach tiefgehendste zeitgenössische orgonomische Literatur dar!
Robert (Berlin) hat hinsichtlich „Orgonometrie (Teil 1): Kapitel II.1.d.“ eine Frage:
Mir wird aus dem Ganzen nicht ganz klar, was mit Sensation gemeint wird (hier mal als Kitzeln gesehen) und warum diese als Gegensatz zur Emotion steht.
Darauf meine Antwort:
Emotion sind „aufwallende“ Gefühle wie Traurigkeit, Wut, Liebe, etc. Sensationen entsprechen dem, was man hört, ertastet, sieht, etc. Man denke nur an den religiösen Glauben: die einen lieben Gott und fürchten Gott, die anderen „wollen erst sehen“.
Claus:
Dafür gibt es ja einen guten Grund: Dafür, dass es das-und-das tatsächlich gibt, sprechen eher ‚Sensationen‘, zum Beispiel Anblicke (je nachdem, wie theoretisch die betreffende Sache ist, mehr oder weniger direkt oder eher über gedeutete Anzeichen). Gefühle kann man hingegen auch gegenüber Nichtexistentem haben (wohl jedenfalls dann, wenn man es für existent hält).
Einschub 2025: Schöne Illustrationen von Emotion und Sensation ist die bildende Kunst und die Musik. In der klassischen Malerei ging es vor allem um das Hervorrufen von Emotionen. Von der Tendenz her angefangen mit dem Impressionismus und dann radikal in der sowohl abstrakten als auch hyperrealistischen Kunst des 20 Jahrhunderts geht es praktisch nur noch um Sensationen. Man starrt stundenlang eine Rauhfasertapete an und ist fasziniert. Ähnliches ereignete sich in der Musik. Die Klassik und frühe Romantik war kaum etwas anderes als „vertonte Emotion“, was sich dann im Laufe der Zeit zu einer reinen Geräuschkulisse verflüchtigte. Selbst im Jazz und in den verschiedenen Bereichen der Populärmusik gab es ähnliche Entwicklungen. Man nehme etwa Miles Davis‘ Album In a Silent Way von 1969, wo es weniger um Melodie und den Spannungsbogen geht, sondern um die „Atmosphäre“, die erzeugt wird und um die „Textur“ – buchstäblich die besagte „Rauhfasertapete“!
Themenwechsel. Sebastian schrieb 2015:
Ähm, ich muss mal etwas loswerden. „Bei Anwesenheit von Panzer […].“Das ist einfach grausam zu lesen. Bin ich schon öfter drüber gestolpert. Warum nicht Panzerung?
Meine Antwort:
Ganz heikles Thema. Früher habe ich wie selbstverständlich immer von „Panzerung“ gesprochen. Doch jetzt, wo ich mich intensiv mit Konia beschäftigt habe: der hat meistens „Panzer“ geschrieben („armor“ statt „armoring“), was in mir einige Panik hervorrief. Reich selbst schreibt, wenn ich das jetzt richtig überblicke, meistens von „Panzerung“, ab und zu aber auch von „Panzer“. Etwa hier in der Charakteranalyse, wo er grammatikalisch richtig schreibt:
„Der Bewegungsausdruck des vierten Segments ist im Falle des Fehlens eines chronischen Panzers der der ‚Gefühlsbewegtheit‘ (…). Im Falle der Panzerung ist der Ausdruck der der ‚Unbewegtheit‘ oder ‚Unberührtheit‘“ (KiWi, S. 493).
Robert (Berlin) geht auf die Reich-Marx-Frage ein:
Man muss den Marxismus und Reichs entsprechende „Sexpol-Beiträge“ von der Arbeitsdemokratie her verstehen. Das erstere, der „Reichianische“ Ansatz, ist bloßes Sektierertum, in dem die zufällige, bzw. durch die Zeitläufe bestimmte Entwicklung eines einzelnen Mannes zum Maßstab wird, mit dem man eine ganze Wissenschaft verstehen will. Tatsächlich wichtig ist aber nur die Entdeckung der Arbeitsdemokratie, von der aus entschieden werden kann, was an Reichs frühen Theorien von mehr als historischem Interesse ist.
Ähnlich bei Giordano Bruno. Heute interessiert uns überhaupt nicht mehr, mit welchen Philosophen er sich damals auseinandersetzte, sondern das er das geozentrische Weltbild überwand.
Angeregt durch ein zufällig gesehenes Photo bin ich grundsätzlich geworden:
Worum es in der Orgonomie geht auf einem Photo: der schmutzig-braune DOR-Panzer des Planeten und darüber das frische Orgon, wie von Reich in CONTACT WITH SPACE beschrieben.
Der Begriff Orgontechnik wird meines Erachtens ausschließlich von Leuten benutzt, die keinerlei Ahnung von Orgonomie haben, aber ORACs bauen von ungewisser Zusammensetzung und dies als den „originalsten“ verkaufen. Weiterhin subsummieren sie irgendwelche Dorbuster-Konstruktion und dergleichen mehr.
Hier wird sich ausschließlich auf den Orgonmotor bezogen. Alternativ wäre und damit abgrenzend zum Sprachvandalismus der Orgonesoterik der neue Begriff „Orgonmotortechnik“ einzuführen.
Peter:
Danke, ich weiß Deinen Einwand zu würdigen, aber ich lasse mir doch nicht von „Reichianern“ und Esoterikern meinen Sprachgebrauch diktieren!
Es geht um Vogelschwärme:
Manuel:
Man beachte das Flugmuster der Bienen ab ca. 4:10:
Sebastian und ich verwiesen jeweils auf ein Video mit Vogelschwärmen. Diese Videos existieren nicht mehr im Netz, daher dies: