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nachrichtenbrief123

7. November 2018

Blogeinträge Februar 2012

13. Oktober 2017

Im Zusammenhang mit den Erläuterungen des sozialen Orgonomen Paul Mathews hier weitere Ausführungen über die soziale Orgonomie von Charles Konia:

Blogeinträge Februar 2012

  • Das Porträt eines politischen Halbgotts
  • Was ist falsch an der Denkweise der Teenager?
  • Warum es notwendig ist, die Emotionelle Pest als medizinische Krankheit in den Griff zu bekommen
  • Eine arbeitsdemokratische Organisation
  • Zwei Möglichkeiten die Wissenschaft der Orgonomie zu zerstören
  • Amerika und Rußland im 21. Jahrhundert
  • Zwischen Sozialisten und Kommunisten besteht kein Unterschied mehr

 
 

Zu „Das Porträt eines politischen Halbgotts“ schrieb Peter 2012:

Oscar-winning actor Jamie Foxx recently called Barack Obama “our lord and savior.”

http://www.wnd.com/2012/11/jamie-foxx-our-lord-and-savior-obama/

Zu „Was ist falsch an der Denkweise der Teenager?“ schrieb Robert (Berlin) 2013:

„In der Tat ist die psychiatrische Praxis von heute zum Zustand von vor 100 Jahren regrediert, als die subjektive Funktionsweise des Geistes eins zu eins mit der objektiven Funktionsweise von bestimmten Hirnarealen gleichgesetzt wurde.“

Das habe ich auch immer in diesem Blog geschrieben. Die Psychiatrie ist auf den Erkenntnisstand vor FREUD zurückgefallen.

FREUD hat übrigens mit dieser Gehirnmythologie vor der Psychologie gearbeitet, bis er merkte, dass es größtenteils unrichtige Spekulationen waren. Sein Lehrer war THEODOR MEYNERT.

Zu „Zwei Möglichkeiten die Wissenschaft der Orgonomie zu zerstören“ schrieb Robert (Berlin):

„In Bezug auf psychiatrische Therapien ist jede denkbare Art von Behandlung zulässig und gleichberechtigt, unabhängig von ihrer Wirksamkeit“

Dazu passt auch die Beliebigkeit der Parteien, die nicht mehr in ihren Werten unterscheidbar sind:
„Jede Partei schleift die Fundamente, auf denen sie gegründet wurde: Die christliche CDU will nichts mehr von der christlichen Ehe wissen, die liberale FDP macht den Kotau vor der diktatorischen EU-Kommission, die sozialdemokratische SPD drückt die Löhne ihrer Arbeiterwähler durch importierte Billiglöhner, die einst gewaltfreien Grünen sind für jeden Krieg zu haben.“

https://www.compact-magazin.com/compact-neu-mut-zur-wahrheit/

O.: Reichs Wissenschaft zu zerstören, gibt es mehrere Methoden: blanker Terror, physische und psychische Vernichtung, Unterwanderung und Übernahme, die Orgonomie „einzukaufen“, sie inhaltlich zu verflachen und mit anderen Inhalten füllen, Verwirrung zu stiften, üble Nachrede, dümmliche Darstellungen, egomainische Selbstdarstellungen, Anerkennungssucht mit Reich ausleben oder schlicht Reich in den Himmel zu loben, ihn „anzuerkennen“, ihn für die Körperpsychotherapie als maßgeblich zu stilisieren.

Eine offene Gegenerschaft ist sicherlich nicht einfach zuertragen, pestiger ist eine geheime Gegnerschaft, doch die schlimmste Gemeinheit bleibt die vermeintliche Anerkennung!

Zu „Amerika und Rußland im 21. Jahrhundert“ schrieb Robert (Berlin):

Es ist offiziell: Obama verzeichnete vier Jahre hintereinander ein Billionen-Defizit

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/j-d-heyes/es-ist-offiziell-obama-verzeichnete-vier-jahre-hintereinander-ein-billionen-defizit.html

Peter: Rußland ist heute freier als die EUdSSR:

http://www.pi-news.net/2013/08/klonovsky-ist-eudssr-freier-als-russland/

Darauf Robert: Eine russische Bekannte von mir besuchte 2012 ihre Heimatstadt Moskau und zeigte mir Fotos von Buchläden, die mehrere Regale Anti-Putin Literatur hatten. Buchläden im Zentrum und am Hauptbahnhof. Titel wie ‚Satan Putin‘ und ‚Putin unser Untergang‘ und massenhaft ähnliches. Die Cover sprachen Bände. In Deutschland undenkbar, wenn es so etwas über Merkel gäbe.

Zeitgenosse: Salut.

@Robert Leider hat Obama ein schweres Erbe angetreten; den geringen Haushaltsüberschuss der Clinton Administration hat Bush jr. komplett verpulvert und hat die Verschuldung massiv angehoben. Und diese Erblasten haben die Obama Regierung von Anfang an schwer belastet – dazu kommen die gewaltigen Konjunkturprogramme die während der Wirtschaftskrise angeworfen werden mussten. Aber das ist ja ein generelles Problem der OECD-Staaten.

Aber ich muss Henryk M. Broder recht geben: Obama war und ist eine Mogelpackung; an die Macht gepusht durch die Medienkampagnen und den kleinen Bonus eines Friedensnobelpreises (erhalten für was eigentlich…?). Aber keine Sorge: es ist vollkommen unerheblich, wie hoch die Schulden der USA sind. So lange der US-Dollar Weltleitwährung bleibt, ist es irrelevant. Dazu empfehle ich die Erläuterungen von Dirk Müller.

Darauf Robert: Ich habe vor kurzen eine interessante Grafik gesehen. Die über Staatsschulden. Und die hat fast nur der Westen und US-Protektorate. Womöglich deshalb der aggressive Nato-Kurs.

http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsschulden

Zeitgenosse antwortet: Möglicherweise. Staatsschulden haben ja andere auch. Das Grundproblem des ganzen ist ohnehin nur das Zins- und unser aller Schuldgeldystem. Auch deshalb dreht sich die Schuldenspirale immer schneller. Klar. Alle Zins- und schuldgeldsysteme kollabieren nach ca. 80 Jahre. Ist keine ideologisch gefärbte Meinung sondern Erfahrungen aus der Wirtschaftsgeschichte und reine Mathematik.

Aber es ist etwas interessantes geschehen: Die EZB hat die Banken ihres wichtigsten Geschäftsbereiches beraubt – die Verleihung von Geld (die mittels Bilanzverlängerung aus dem Nichts geschöpft werden ohne Risiko) gegen Zinsen an Staaten. Und das ohne gewaltige Zinsen. DIe Banken jammern natürlich jetzt klarerweise. 🙂

O.: Wenn ich als Amerikaner (der ich nicht bin) behaupte, dass mein Land (USA) zum stalinistischen Kommunismus mutiert ist, gilt das noch als konservatives politisches Stilmittel oder als „Kommunismus-Wahn“?
Kommunisten durfte es in Amerika eigentlich nicht geben, diese sind dort doch schnell klein gehalten worden und die soziale Kontrolle gegen Kommunisten ist sehr groß. Wer unter dem Kommunsimusverdacht steht, wird sozial geächtet, schlimmer als es in Deutschland üblich war bis in die Achtziger.
Entweder diffarmiert Konia sein Land als kommunistisch oder er hetzt ganz massiv gegen eine kaum existente „Bedrohung“ und folgt somit der Obama-Politik, die eine konsequente Fortstzung der früheren Regierungen war. Soll dies die allgemeine Haltung der ACO widerspiegeln? Schließlich ist er in exponierter Stellung Präsident derselben. DeMeo, der sich für meinen Geschmack immer aus allem raushält (wenn er gerade mal sich nicht angegriffen fühlt) übernimmt Konias Haltung?? – Wie Verhalten sich die anderen Kollegen des ACO? Gibt es hier hierzu eine sichtbare Haltung?

Darauf Peter: http://orgonomie.wordpress.com/wo-sind-all-die-kommunisten-hin/

Und Zeitgenosse: @O Was du angesprochen hast, offenbart ein noch tieferes Problem der organisierten Orgonomie: Politische Richtungen einzuschlagen ist ein gefährlicher Weg. Es gibt „linke“ Orgonomen und „rechte“ Orgonomen. Liberale und Ultrakonservative Ansichten. So kann man es natürlich halten, aber es entsteht dabei ein Grundproblem (besonders für Neueinsteiger und Interessenten von außen): Wenn Orgonomen „ihre“ Orgonomie unterschiedlich interpretieren, dann kann sie nicht den Anspruch einer exakten Wissenschaft erheben. Aber das sollte sie!! Und sie muss es auch, falls sie nicht endgültig zu einem reinen „Nischenprodukt“ verkommen will, die sich mit Lichtschiffkontaklern, Wünschelrutengänger usw. ein Ghetto teilen muss.

Denn dafür ist die Orgonomie viel zu wertvoll! Welche Politik Reich vertreten hat bis kurz vor seinem Tod, weiß niemand. Denn er hat sich dazu nicht wirklich EINDEUTIG geäußert. Es gibt nur eine Menge unterschiedlicher Interpretationen. Meine ist zB, das er bis zum Ende ein Marxist geblieben ist :-). Vielleicht ist meine Interpretation ja auch falsch; so wie die Interpretation eines Bakers, Sharafs, Konias,usw. Man weiß es nicht. Leider enthält die Orgonomie eine nicht unwesentliche soziale Komponente, was die ganze Sache noch mühsamer macht.

Lösung für diese Angelegenheit? Habe ich keine. Vielleicht haben andere eine für.

PS.: Die universale Orgonenergie steht ja auch nicht politisch in irgendeiner Richtung – genau so wenig wie die Relativitätstheorie zB. 🙂

Zeitgenosse weiter: Moment. Eine Lösung hätte ich sogar: Zuerst die Orgonomie so zu fördern und aufbauen, dass sie sich als Wissenschaft etablieren kann (die dann auch auf Unis endlich gelehrt wird). Dafür Sorge tragen das Kinder möglichst ungepanzert aufwachsen können. Bis dahin eine Konsenspolitik der Mitte fahren (wo Konservative und Liberale mit leben können). Die bestehenden Charakterpanzerungen der Menschen weitestgehend und sukzessive auflösen.

Beginnt man damit heute werden die Menschen, so schätze ich, in ca. 400 Jahren geistig und seelisch reif genug sein, um auch eine Arbeitsdemokratie nach Reich`schen Muster aufbauen und leben zu können.

Dann stellt man der gesamten Menschheit die Frage: Wie wollt ihr nun zusammenleben?
Und die Antwort(en) darauf werden in diesem Entwicklungsstand dann so sein: Wozu brauchen wir überhaupt noch so etwas wie Politik. 🙂

Lieber wäre mir so ein Zustand allerdings morgen schon – aber das ist und bleibt Illusion. 😦

O. antwortet: Meine Sicht: Die Orgonomie beginnt und endet mit Reich. Danach gab es einige interessante Leute und Ansätze, die hier weitergearbeitet haben, die ich mir gerne ansehe, aber jeder von ihnen war ein Individualist (letztlich wie Reich einer war).
Organisationen scheinen schwierig zu sein, weil es immer (bei gepanzerten Untherapierten) um Macht und Sektentum geht, einer wird zum Guru. – Diese Strukturen gehören nicht in die Orgonomie. Leute, die mystischen Esokram mit Reichs Worten vermischen, zerstören Reichs Wissen absichtlich. Sind sie Reichianer? Gewiss nicht.

Besser ist es neu zu beginnen, ohne die falschen Typen einzuladen und zu hofieren. Wenn Individualisten sich treffen und ihre eigene Meinung und Erfahrung austauschen, gefällt mir das besser, auch wenn mal um die verschiedenen Richtungen gerungen wird und wir nicht gleicher Meinung sind. Und immer muss man in der „Orgonomie“ auf der Hut sein, vor pestigem oder zu neurotischem Verhalten.
Gegenseitige Anerkennung ist der Schlüssel zur Orgonomie, aber ich dulde nicht die Zerstörung von Wissen durch Esos usw. Wer der Anerkennung Willen sich hier aufhält, geht garantiert nicht den richtigen Weg.

Die soziale Komponente ist die Ursache von allem und daher ganz zentral. Sie läßt sich für mich nicht im Links-rechts-Schemata lösen. Wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir diese Ebene verlassen. Machiavelli hat gesagt: Teile und herrsche. Das bedeutet, wenn zwei Parteien sich streiten, kannst du über sie herrschen … so oder ähnlich.

Es sei hier auch an Max Stirner erinnert in „Der Einzige und sein Eigentum.“ (1845)

Dazu Zeitgenosse: Ein Neubeginn ist ein spannender Gedanke – aber so völlig ohne irgendeine Form von, sagen wir, Dachorganisation? Hmm. Weiß nicht.

Richtig. Um persönliche Anerkennung sollte es wirklich nicht gehen; allenfalls um die Anerkennung der Orgonomie prinzipiell. Divide et impera hat auch schon das Römische Imperium zusammenbrechen lassen.

Aber das Hick hack macht es Interessenten schwer einen guten Zugang zu diesem Thema zu finden – leider landet man eben zu oft bei der Suche bei den „Esos“.

Mein allererster Kontakt beispielsweise zu dem Thema Orgontherapie fand, nach Lesen des Buches „Der Krebs“, zur Lassek?schen Methode statt (In Österreich von einer Ärztin propagiert aus WIen; Name ist unerheblich). Aber ich sagte den Termin kurz bevor ab, weil ich ein kaum Übereinstimmung zum ursprünglichen Therapiekonzept sah. Im Nachhinein zum Glück.

Aber was meinst du mit dem Hinweis die politische Ebene zu verlassen? Irgendwie muss ja das Zusammenleben der Menschen organisiert werden und eine Arbeitsdemokratie würde bei gepanzerten Menschen (zu denen ich auch gehöre zB) nicht funktionieren. Also bleibt leider derzeit nur die Politik (ohne eine politische Seite zu favorisieren). Aber das habe ich ja in meinem Nachtrag zur Antwort ohnehin beklagt.

Aber PN ermöglicht ja solche Treffen zB nächsten Monat in Hamburg – also Erfahrungsaustausch findet sehr gut statt. Die Idee eines Stammtisches finde ich toll.

Robert (Berlin) 2015: Doku Kalter Krieg 2015 – TÄUSCHUNG DIE METHODE REAGAN

Mit Reagans Machtantritt ändert sich die Strategie der USA im Kalten Krieg grundlegend: Angriff statt Verteidigung. Sein geheimes „Komitee für Täuschungsoperationen“, dessen Existenz in dieser Dokumentation zum ersten Mal von Zeitzeugen bestätigt wird, plante brillante und perfide Geheimdienst-Operationen – gegen die Sowjets, aber auch gegen die Entspannungspolitik.

Reichs Selbstverständnis als Wissenschaftler (Teil 2)

12. September 2012

Über die unmögliche Position der Orgonomie im Wissenschaftsbetrieb mit ihren nur ungepanzerter Empfindung zugänglichen Ansatz schrieb Jerome Greenfield:

Ein Mann, der sich als sexuell normal betrachtet, d.h. erektiv und ejakulativ potent ist, weiß vielleicht nicht, was man mit „orgastischer Potenz“ meint und denkt, daß man übertreibt, romantisiert oder eben sexuelle Schwierigkeiten hat. Der Begriff selbst, den Reich definierte als „die Fähigkeit, den unwillkürlichen Bewegungen beim Orgasmus völlig nachzugeben sowie zur vollständigen Entladung der sexuellen Erregung am Höhepunkt des Sexualaktes zu gelangen“, dieser Begriff wird wirklich und als Unterschied von normaler Potenz erfaßbar nur aufgrund eigener subjektiver Erfahrung. Diese Dialektik trifft für viele – keinesfalls alle, möchte ich hinzufügen – Beobachtungen Reichs an Orgonfunktionen zu, die nur für relativ wenig abgepanzerte Menschen wahrnehmbar sind. Und weil Abpanzerung in unserer Kultur nicht nur endemisch, sondern weitgehend nicht als biopathische Erscheinung anerkannt ist, bedeutet das, daß große Gebiete der Lebenswahrnehmung von der allgemeinen Erfahrung ausgeschlossen sind, selten ihren Weg in die Wissenschaft finden und meist auf das Gebiet der Künste verwiesen werden, wo subjektive Wahrnehmungen eher gelten gelassen werden. (Greenfield: „Über Probleme als ‚Reichianer’“, Wilhelm Reich Blätter, 5/76, S. 96-101)

Bernd A. Laska hat den bemerkenswerten Schluß gezogen, Reich sei gewisserweise naturwissenschaftlicher als die gleichzeitige „Naturwissenschaft“ gewesen. Zur Definition dessen, was Reich als „naturwissenschaftlich“ verstanden habe, nennt Laska Stichwörter wie „rational, holistisch, konsequent diesseitig, nichtmetaphysisch“.

Nicht gemeint ist offensichtlich die Übernahme von Methoden und Prinzipien, die bei der Erforschung spezieller Aspekte des Naturgeschehens bisher verwendet wurden, nur weil sie dort erfolgreich waren. So sind Richtungen wie Psychophysik, Reflexologie oder experimentelle Psychologie, obwohl mit naturwissenschaftlichen Methoden arbeitend, im Sinne Reichs „nicht naturwissenschaftlich genug“, weil sie Funktionen isoliert erforschen und sich nicht organisch in umfassendere Theorien einfügen. (Laska: Wilhelm Reich, rororobildmono, S. 21f)

Siehe auch Siegfried Bernfelds und Serjei Feitelbergs Artikel „Über psychische Energie, Libido und deren Meßbarkeit“ (Imago, Bd. 16, 1930, S. 66-118), sowie ihr gemeinsames Buch Energie und Trieb – Psychoanalytische Studien zur Psychophysiolgie (Wien 1930) und die daran anschließenden Diskussionen im Imago und der Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse.

Diese Art von „Naturwissenschaft“ war für Reich Anathema. Übrigens begann Reich als strenger materialistischer Mechanist, der es noch 1922 ablehnte, Libido in quantitativen Begriffen aufzufassen, wie es die Physik bei der Energie tut (Frühe Schriften, S. 162).

Von dem Adlerianer Thomas Kornbichler, Autor der Studie Wilhelm Reich – Enfant terrible der Psychoanalyse, wurde Reich dessen „Szientismus“ vorgeworfen. Reich habe den „psychoanalytischen Szientismus“ auf die Spitze getrieben. Sein naturwisenschaftliches Weltbild sei rationalistisch und biologistisch gewesen, ein „enges Korsett, in das er die Fülle des ganzen Lebens einzuzwängen versuchte“ (Berlin 1989, S. 13).

Hingegen wurde Reich 1927 von Eugen Bleuler gelobt:

Zum Unterschied von manchen neueren Arbeiten der Freudschüler verlegt sich R. nicht nur aufs Behaupten, sondern er sucht, wenigstens im Hauptteile, ernstlich Beweise zu geben, die allerdings mit den nicht untersuchten Grundbegriffen der Psychoanalyse stehen und fallen. (z.n. in Wilhelm Reich Blätter, 3/80, S. 155)

In die gleiche Kerbe schlug 1928 Arthur Kronfeld:

Wenn auch Einzelbeobachtungen und Erklärungsversuche – oft etwas schematisch und konventionell – in die Sprache der Libidotheorie gekleidet sind, so ist doch das Bestreben des Verfassers rühmlich, jede Formulierung kasuistisch zu belegen und alle spekulativen Formulierungen zu vermeiden. (…) Er warnt, namentlich gegen Rank gerichtet, vor methodisch ungenauem Deuten, das häufig von „einer bloßen Analogie auf Identität“ schließt, und ist ständig sorgsam bemüht, das wirklich Tatsächliche über seine Probleme zusammenzutragen. (ebd., S. 156)

Im Gegensatz zu Freud verstand sich Reich immer als Arzt, nicht als Psychologe. Während Freud in seinen Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse hervorhob, die Psychoanalyse unterscheide sich von den „anderen“ ärztlichen Disziplinen dadurch, daß das Hören und das Wort im Mittelpunkt stehen und in der normalen ärztlichen Ausbildung alles auf den direkten Augenschein ausgerichtet sei (Fischer Taschenbuch, 1992, S. 14f), legte Reich grade auf diesen unmittelbaren Augenschein aller höchsten Wert.

Reich schaute den Patienten an, während Freud dem Patienten nur zuhörte. Reich faßte den Patienten an, während Freud nur durch Worte intervenierte. In diesem Sinne war Reich ein weit konventionellerer Arzt als Freud. Freud beklagte, daß das Medizinstudium den angehenden Psychoanalytiker vom Kern der Psychoanalyse wegbringe und stattdessen biologisch, anatomisch, chemisch und physikalisch indoktriniere (ebd. S. 18f). Reich sah grade in dieser spezifisch ärztlichen Sichtweise die Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Anwendung der Psychoanalyse (siehe die damalige Diskussion zur Laienanalyse).

Übrigens hat Reich als Student verlangt, daß die Prüfungen verschärft werden, „indem an die Kandidaten Anforderungen höchsten Ausmaßes gestellt werden, durch Einführung von obligaten, strengen und recht häufigen Kolloquien“ („Zwei kaum bekannte Arbeiten des jungen Reich“, Wilhelm Reich Blätter, 2/80, S. 58-66).

Bernd A. Laska hat den Vorwurf, Reich hätte sich nicht mit seinen Berufskollegen, d.h. anderen Wissenschaftlern auseinandergesetzt, zurückgewiesen und darauf verwiesen, daß man sich nur die Jahre bis zu Reichs Ausschluß aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung anschauen müsse: es sei geradezu umgekehrt gewesen (Laska: Wilhelm Reich Blätter, 3/81, S. 139).

Dazu auch Freud über seine eigenen Erfahrungen:

Mir schien es (…), als ob die sogenannte wissenschaftliche Polemik im ganzen recht unfruchtbar sei. Abgesehen davon, daß sie fast immer höchst persönlich betrieben wird.

Freud weiter:

Sie werden nun gewiß urteilen, daß eine solche Ablehnung literarischer Diskussion einen besonders hohen Grad von Unzugänglichkeit gegen Einwürfe, von Eigensinn oder, wie man es in der liebenswürdigen wissenschaftlichen Umgangssprache ausdrückt, von „Verranntheit“ bezeugt. Ich möchte Ihnen antworten, wenn Sie einmal eine Überzeugung mit so schwerer Arbeit erworben haben werden, wird Ihnen auch ein gewisses Recht zufallen, mit einiger Zähigkeit an dieser Überzeugung festzuhalten. Ich kann ferner geltend machen, daß ich im Laufe meiner Arbeiten meine Ansichten über einige wichtige Punkte modifiziert, geändert, durch neue ersetzt habe, wovon ich natürlich jedesmal öffentlich Mitteilung machte. Und der Erfolg dieser Aufrichtigkeit? Die einen haben von meinen Selbstkorrekturen überhaupt nicht Kenntnis genommen und kritisieren mich noch heute wegen Aufstellungen, die mir längst nicht mehr dasselbe bedeuten. Die anderen halten mir grade diese Wandlungen vor und erklären mich darum für unzuverlässig. (Freud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, S. 235)

Freud sagt dann noch: „An den grundlegenden Einsichten habe ich bisher nichts zu ändern gefunden und hoffe, es wird auch weiterhin so bleiben“ (ebd. S. 236). Er führt die „allgemeine Auflehnung“ gegen die Psychoanalyse auf die „dritte Kränkung“ zurück, die nach Kopernikus und Darwin die Menschheit durch ihn, Freud erlitten habe (ebd. S. 273f). Reich hat diese Kränkung auf die Spitze getrieben:

Die Orgonomie: Tod durch Isolation oder durch Verflachung

31. August 2011

1928 schrieb Reich in seinem Aufsatz Dialektrischer Materialismus und Psychoanalyse etwas, was ich hier nummerisch aufschlüssele:

    1. So würgt die momentane kapitalistische Daseinsweise der Psychoanalyse sie von außen und von innen ab.
    2. Freud behält Recht: Seine Wissenschaft geht unter – wir fügen aber hinzu: in der bürgerlichen Gesellschaft; wenn sie sich ihr nicht anpaßt, sicher, wenn sie sich ihr aber anpaßt,
    3. dann erleidet sie den gleichen Tod, den der Marxismus bei den reformistischen Sozialisten erleidet, nämlich den Tod durch Verflachung, vor allem durch Vernachlässigung der Libidotheorie.
    4. Die offizielle Wissenschaft wird nach wie vor nichts von ihr wissen wollen, weil sie sie in ihrer klassenmäßigen Gebundenheit nicht akzeptieren darf.
    5. Die hinsichtlich der Ausbreitung der Analyse optimistischen Analytiker irren gewaltig. Diese Ausbreitung gerade ist Zeichen ihres beginnenden Untergangs. Da die Psychoanalyse, unverwässert angewendet, die bürgerlichen Ideologien untergräbt, da ferner die sozialistische Ökonomie die Grundlage der freien Entfaltung des Intellekts und der Sexualität bildet, hat die Psychoanalyse eine Zukunft nur im Sozialismus.

Von den Marxistischen Floskeln befreit, kann man das unmittelbar auf die Gegenwart übertragen:

  1. Die lebensfeindliche mechano-mystische „Daseinsweise“ bedrängt die Orgonomie von außen und unterhöhlt sie von innen.
  2. Dergestalt ist sie sowohl gefährdet, wenn sie sich nicht anpaßt (Abdrängen ins Abseits, vollständige Isolation) – und wenn sie sich anpaßt.
  3. Wenn sie sich anpaßt, erleidet sie „den Tod durch Verflachung“. Dieser erfolgt, wenn sie, um „akzeptabel“ zu werden, die Orgasmustheorie und die Entdeckung des Orgons hintanstellt.
  4. Die offizielle Wissenschaft will von der Orgonomie nichts wissen, da die Wissenschaft an die mechano-mystische Daseinsweise gebunden und von ihr abhängig ist und entsprechend mechano-mystisch denken muß.
  5. Die Ausbreitung der Orgonomie wäre ein sicheres Zeichen ihres Untergangs. Ihre Zukunft liegt im Projekt „Kinder der Zukunft“, d.h. in zukünftigen Generationen, deren Charakterstruktur, nicht zuletzt durch den Einfluß der Orgonomie, sukzessive immer weniger rigide sein wird.

Exemplifizieren wir diese Punkte:

  1. Die Angriffe auf die Orgonomie haben sich in Ton und Inhalt seit den Pressekampagnen gegen Reich zunächst in Skandinavien und dann in Amerika in keinster Weise geändert. Neuerdings gewinnen sie auch ihre alte Intensität zurück. Man denke nur an das Buch Adventures in the Orgasmatron und seine Rezensionen in wirklich jeder bedeutenden Zeitung der englischsprachigen Welt. Wie fremd und bedrohlich die Orgonomie dem mechano-mystischen Denken ist, sieht man auch daran wie schwer es auch den engagiertesten Studenten der Orgonomie fällt korrekte funktionelle Formulierungen vorzubringen.
  2. Die Orgonomie hat sich beispielsweise bei der Darstellung der Orgontherapie den gängigen Mustern angepaßt. Zunächst einmal durch Elsworth F. Bakers Buch Man in the Trap (Der Mensch in der Falle) von 1967, das weitgehende Konzessionen an die damals noch immer dominierende psychoanalytische Ausrichtung der Psychiatrie machte. Entsprechend vermittelt es einen falschen Eindruck, wie eine Orgontherapie wirklich abläuft. Ähnliches gilt für den Dokumentarfilm Way to Happiness, in dem weitgehende Konzessionen an die filmische Darstellbarkeit gemacht werden und die Orgontherapie so wirkt, als wäre sie eine hochdramatische „Körpertherapie“. Doch ohne derartige Konzessionen wäre die Orgontherapie schon längst vergessen, kaum mehr als ein exotischer Geheimtip bzw. eine bizarre Legende.
  3. Was geschieht, wenn die Anpassung sogar die beiden Essentials (Orgasmustheorie und Entdeckung des Orgons) umfaßt, hat auf drastische Weise die sogenannte „Reichianische Bewegung“ gezeigt. Es geht dabei nicht nur um das explizite Leugnen, sondern bereits um das taktische, gar „strategische“ Verschweigen der besagten Kernelemente der Orgonomie. Die angeblichen Freunde der Orgonomie nehmen den Feinden der Orgonomie die Drecksarbeit ab!
  4. Es ist kein Geheimnis, daß die Wissenschaft weitgehend von ihren Geldgebern abhängig ist bzw. ihre Geldgeber von sich abhängig macht, etwa durch das Zeichnen von Krisenszenarios, die immer neue Geldmittel erforderlich machen. Man denke nur an die „Klimaforschung“! Bei den Sozialwissenschaften geht das soweit, daß teilweise nicht einmal mehr der Anschein von Wissenschaftlichkeit gewahrt wird. Etwa wenn „Islamwissenschaftler“ apodiktische Behauptungen über den Islam aufstellen, die sie mit keiner einzigen Lehrmeinung irgendeiner islamischen Autorität belegen können. Derartiges wird immer wieder moniert. Vollkommen unberücksichtigt in der Wissenschaft bleibt jedoch, daß sich die Wissenschaftler instinktiv daran orientieren, daß Mensch und Gesellschaft so bleiben wie sie sind: gepanzert.
  5. Entsprechend wäre die Ausbreitung der Orgonomie ein sicheres Zeichen ihres Untergangs: Sie wäre dann offensichtlich keine Gefahr mehr für die gepanzerte Gesellschaft – und damit keine Orgonomie mehr. Sie kann nur eins tun: So weit es irgend möglich ist, die Denkweise der Zukunft vorrausnehmen und dadurch dazu beitragen die Daseinsweise der Zukunft vorzubereiten. Die gepanzerten Menschen müssen aufgeklärt werden und ungepanzerte Menschen müssen großgezogen werden. Die Orgonomie ist dabei jeweils nur der „bewußte“ Teil einer umfassenden „unbewußten“ Bewegung, die die gesamte Gesellschaft durchzieht. Ab und an wird in diesem Blog auf den einen oder anderen Vertreter dieser „Bewegung“ hingewiesen.