Als Haarvard gegenüber dem mit ihm verbündeten Jon seine lichten Pläne für die rosige Zukunft der mit dem Gut verbundenen „Häusler“ (Kleinstbauern und sozusagen „Teilzeitknechte“) ausbreitet, kommt es zu folgendem Dialog:
„Irgendwann mal in der Zukunft soll das so werden!“ verteidigte sich Haavard. „Wenn alles klappt, meine ich .“ „Hm! Ja, dann willst du also den anderen helfen!“ Jon sah ihn abermals verwundert an. „Noch dazu den armen, verlausten Häuslerteufeln! Ich will dir etwas sagen. Hüte dich und sprich mit niemandem darüber! Hast du einmal ein Krähengericht gesehen? Da sitzen hundert Krähen in einem Kreis, und in der Mitte sitzt eine, die anders ist. Und wenn die hundert lange genug auf diese eine geschaut haben, gehen sie auf sie los und hacken sie in hundert Stücke. Hüte dich, sage ich. Tust du es nicht, dann werden sie dich in Kerstaffers Keller bringen lassen [das örtliche Irrenhaus], sobald sie die Möglichkeit dazu haben.“ (S. 126).
Das erklärt die entsprechende Darstellung auf dem Cover der deutschen Ausgabe, das den Christusmord symbolisiert. Zuvor hatte der Außenseiter Jon gegenüber Haarvard an drastischen Beispielen beschrieben, mit was für absolut scheußlichen Menschen er es im Dorf tatsächlich zu tun hat.
Immerhin sinniert Haarvard: „Dies hier erinnert mich an den geradezu mystischen Unwillen gegenüber Neuerungen, dem man überall begegnet, und oftmals ist dieser bei denjenigen am meisten ausgeprägt, die den größten Vorteil davon hätten!“ (S. 138). Geradezu charakteranalytisch/sexualökonomisch sind seine unmittelbar daran anschließenden Überlegungen:
Schau nur diese Pfähle an, die hier im Sumpf stecken. Du willst sie aus irgendeinem Grund herausziehen – vielleicht, weil sie dich ärgern. Da stellst du fest, daß sie nicht wollen. Du kannst sie nicht herausbekommen. Der klebrige Stoff im Sumpf klammert sich an sie und läßt sie nicht los, es ist, als hielten unterirdische Mächte mit tausend Fingern an ihnen fest. Willst du sie befreien, mußt du das umständliche Verfahren in Kauf nehmen, den ganzen Sumpf zu drainieren, kreuz und quer Gräben anzulegen, so daß das überflüssige Wasser ablaufen kann. Und dann eines Tages – siehe da! – kannst du den Pfahl leicht mit einem kleinen Ruck herausziehen, der Sumpf hat seinen Griff gelockert. Doch gleichzeitig ist er insgesamt verändert, es ist kein Sumpf mehr, sondern fruchtbares Land, zum Anbau geeignet… (S. 138f)
Sigurd Hoel beschreibt die Bevölkerung des Landstrichs, die Hofbesitzer und „Häusler“, als gemeines hinterhältiges und gehässiges Pack, das etwa Haarvards Traum davon die Produktivität zu steigern, um ihnen einen doppelt so hohen Lohn auszahlen zu können, als Trick betrachten, der sie dazu veranlassen soll noch heftiger für Haarvard zu schuften. Beispielsweise sabotieren sie die Entwässerung einer Wiese und einen dort von Haarvard neu angelegten Kartoffelacker.
Bei einem Besuch bei seiner Schwägerin versucht diese ihm nahezubringen, seine Frau sei einst die Geliebte eines Fabrikbesitzers gewesen. Er geht daraufhin frühzeitig allein nach Hause nur um mitzuerleben, wie einer der Häusler versucht, eine von Haarvards Stuten im Stall abzustechen, wobei er von der panisch werdenden Stute totgetreten wird. Als Haarvard den Stall verläßt, wird er von den umstehenden Häuslern lautstark beschuldigt der Mörder zu sein. Voll Überdruß versucht er sich dann am Abend mit seinem Rasiermesser selbst zu töten.
Schnell richtet sich alles, da die Vorwürfe gegen ihn zu absurd sind, doch bleibt bei Haarvard ein Gefühl der Entfremdung und zwischen ihm und Rönnau entsteht „eine Mauer von unausgesprochenen Dingen, die immer höher und undurchdringlicher wurde“ (S. 260f). Die Entfremdung endet dann schließlich nach Jahren in immer heftigeren Eifersuchtsanfällen der alternden Rönnau gegenüber der zur Frau aufblühenden Stieftochter, was schließlich durch einen unglücklichen Sturz während einer ihrer hysterischen Angriffe gegen die Stiefstochter zu Rönnaus Tod führt.
Und wieder steht der absurde Vorwurf im Raum, Haarvard sei ein Mörder:
Das Gerücht ging im Ort um, wuchs sich aus, während es weitergetragen wurde, vermehrte sich wie Ratten oder Mäuse in einem Erdloch. Die Weiber gingen öfter als sonst mit ihrem Strickzeug von Haus zu Haus und ließen das Vieh und den Mann und die Zubereitung des Abendbrotes länger als gewöhnlich warten, weil sie über so düstere und scheußliche Dinge zu reden hatten. „Weißt du schon das Neueste, was ich gehört habe…“ (S. 330)
Nachdem er schließlich hingerichtet wird: „Nun sind sie ihn los und können weitere fünfzig Jahre leben wie bisher“ (S. 440). Nilsen zufolge spielt das auf Reichs Willen an, sein Archiv für 50 Jahre geschlossen zu halten!
Nilsen faßt den Roman wie folgt zusammen:
Der Titel Der Trollring hat zwei Bedeutungen. Ein Troll ist in der norwegischen Folklore eine Gestalt aus der Unterwelt. Hier besteht also ein Bezug zum Unbewußten in der Psychoanalyse. Der Trollring ist einerseits ein innerer Konflikt, eine Spannung, die ein bestimmtes Schicksal hervorbringt, als ob es etwas in einem Menschen gäbe – und das können sogar starke Eigenschaften sein –, das zu einem tragischen Ausgang führt. So ist der Trollring einerseits der klassische Begriff von Tragödie und Schicksal oder der psychoanalytisch inspirierte Begriff von unbewußt selbst auferlegten Mustern und Wiederholungen im eigenen Leben. Andererseits ist der Trollring ein Kreis von Trollen, wobei die Menschen, die den Helden umgeben, trollartig werden und seinen Untergang herbeiführen. Da er ein Fremder, ein Neuankömmling ist, bringt dies schließlich die schlimmsten Eigenschaften der Einheimischen zum Vorschein; sie werden zu einem Trollring um ihn herum und ringen ihn nieder. Dies ist im Grunde Hoels Art, Reichs Jahre in Norwegen zu beschreiben.
















