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Paul Mathews: People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest

1. November 2019

 

Paul Mathews:
People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest

 

Über den Terrorismus (Teil 6)

21. Oktober 2019

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.
 

Leider haben simple Begründungen und intellektuelle Überzeugungsarbeit bei jenen, die intellektuell abwehren, keine Wirkung. Sie müssen entlarvt werden – wie Reich es ausdrückte. Dies ist keine leichte Aufgabe und wird immer schwieriger, da sich ihre Krankheit ausbreitet, besonders unter den Jugendlichen, die leicht von Slogans, Musik und anderen Anreizen verführt werden, die ihnen eine Kompensation für die Liebe bieten, die sie nie wirklich hatten.3 Das Vergöttern von Pop-Musik-Helden ist ein Beispiel für eine solche Sehnsucht. Und der Trend zu Massenaktivitäten, sei es bei „Rockfestivals“ oder „Friedensbewegungen“, ist ein weiteres Zeichen für diesen tiefen Hunger. Leider kann der Hunger durch diese kompensatorischen Aktivitäten nicht gestillt werden. Sie können sogar den Druck erhöhen und die Bedürfnisse verstärken. Es ist ein tiefgreifendes Dilemma, das nur durch ein Verständnis der orgonotischen Dynamik gelöst werden kann. Die Sehnsucht nach Frieden tief im biologischen Kern der jungen Menschen, die in unterschiedlichem Maße unter Störungen ihrer biologischen Pulsation leiden, wird von der konspirativen emotionellen Pest in Richtung ihres Ziels, die freie Welt zu entwaffnen, manipuliert. Wie erreicht man diese „Arglosen“ rechtzeitig? Der Wille und das Bedürfnis, an die guten Absichten revolutionärer Bewegungen zu glauben, sind so stark wie die zugrunde liegende Verzweiflung des Organismus, sich von seiner biologischen Spannung zu befreien. Man betrachte beispielsweise einen Auszug aus Gerald Steibels Rezension (10) eines Buches von Paul Hollander (11), das die früheren und aktuellen Reisen verschiedener westlicher Intellektueller in kommunistische Länder beschreibt:

Trotz alledem, warum? Hier sind gut ausgebildete Männer und Frauen (Shawl, Feuchtwangerm, die Webbsn, Lincoln Steffenso, Shirley MacLainep, Galbraithq, Bernsteinr usw.), nicht „Spinner“ am Rande des modernen Lebens. Sie sind publizierte Schriftsteller, etablierte Musiker, sogar Kongressabgeordnete und Senatoren. Ihr Verstand ist diszipliniert und es mangelt ihnen nicht an skeptischer Schärfe. Was passiert mit dieser Skepsis, mit dieser leidenschaftlichen Hingabe an die Freiheit, wenn sie sich in die Arme des Diktators irgendeines ausländischen Polizeistaates begeben? Und wie können so viele glauben, dass ihr eigenes Land der Hauptverursacher des Bösen in der Welt ist?

 

Anmerkungen

3 In einem Artikel der New Yorker Daily News vom 23. Oktober 1981 wird die frühere Weathermen-Frau Jane Alpert zitiert, dass sie „eher wegen Rebellion und Sex als wegen Politik radikal geworden sei“. Sie erzählte auch, dass ihr Weathermen-Liebhaber eine Bombe gelegt hatte, bei der 20 Menschen verletzt wurden, weil sie damit drohte, Sex mit einem anderen Mann zu haben.

 

Anmerkungen des Übersetzers

l George Bernard Shaw (1956-1950), irischer Schriftsteller und Politiker. Las 1882 Das Kapital von Karl Marx. „Das wurde zum Wendepunkt meiner Laufbahn. Marx bedeutete eine Offenbarung“. In den 1930er-Jahren reiste Shaw in die Sowjetunion. Seine Werke wurden dort verlegt. Er verteidigte in dem Vorwort zu dem Stück „On the Rocks“ (1933) die Zwangskollektivierung in der Sowjetunion. Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1931 rief er in einer US-amerikanischen Radiosendung jeden fähigen Arbeiter dazu auf, in die UdSSR zu reisen. Shaw verteidigte die Säuberungen unter Stalin und erklärte: „Wir können es uns nicht leisten, hochmoralisch aufzutreten, wenn unser kühner Nachbar [die Sowjetunion, Anm.] auf humane und gerechte Weise eine Handvoll Ausbeuter und Spekulanten liquidiert, um die Welt für die Anständigen zu schützen.“

m Lion Feuchtwanger (1884-1958) war ein deutscher Schriftsteller. Ließ sich 1936/37 zu einer Propagandatour in die Sowjetunion einladen. Am 7. Januar 1937 empfing ihn Stalin wie einen Staatsgast im Kreml und gewährte ihm ein Interview; Aussagen daraus flossen in sein Stalin lobpreisendes Buch Moskau 1937 ein. Darin hielt Feuchtwanger auch fest, dass Stalin ihn von der Schuld der Angeklagten der Schauprozesse überzeugt habe. In der zweiten Januarhälfte 1937 saß er mehrmals während des zweiten Schauprozesses auf der Zuschauertribüne. Er schrieb zwei Artikel für die sowjetische Presse, in denen er die Schauprozesse verteidigte. Nach seiner Rückkehr begann Feuchtwanger mit der Niederschrift seines Buchs Moskau 1937. Ein Prawda-Reporter überzeugte ihn, positive Passagen über Leo Trotzki sowie kritische Anmerkungen Lenins über Stalin aus dem Manuskript zu streichen. Stalin persönlich redigierte das Vorwort. Auch durch die Geheimrede Nikita Chruschtschows über Stalins Verbrechen auf dem XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 ließ sich Feuchtwanger nicht von seinen Lobpreisungen des sowjetischen Regimes abbringen.

n Sidney Webb (1859-1947) und Beatrice Webb (1858-1943), Ehepaar, berühmte britische Sozialisten, veröffentlichten mehrere grundlegende Werke. Nach einem Besuch der Sowjetunion 1932 schrieben die Webbs ein lobendes Buch (Soviet Communism. A New Civilization?) und verteidigten in mehreren Artikeln die stalinistischen Repressionsmaßnahmen. Das Buch förderte und ermutigte eine unkritische Sicht auf Stalins Verhalten während der brutalen Kollektivierung der Landwirtschaft im ersten Fünfjahresplan (1928-1933), der Schaffung des Gulag-Zwangsarbeitssystems und der umfassenden Säuberungen der 1930er Jahre. Der trotzkistische Historiker Al Richardson beschrieb 1935 die Darstellung der UdSSR im Buch als „reine sowjetische Propaganda in ihrer verlogensten Form“. In späteren Ausgaben wurde das Fragezeichen entfernt, ebenso wie öffentliche Zweifel, die die Webbs an der Natur der UdSSR hatten. Der britische Historiker Alan Taylor nannte es „das absurdeste Buch, das jemals über Russland geschrieben wurde“.
Das letzte Buch der Webbs, The Truth About Soviet Russia (1942), feierte die zentrale Planung. Sie ignorierten die zunehmenden Beweise für die von Stalin begangenen Gräueltaten und unterstützten die Sowjetunion bis zu ihrem Tod.

o Joseph Lincoln „Link“ Steffens (1866-1936) war ein US-amerikanischer Journalist.
Im März 1919 begleitete er den Beamten des US-Außenministeriums, William C. Bullitt, zu einem dreiwöchigen Besuch in Sowjetrussland. Nach seiner Rückkehr setzte er sich für die sowjetische Revolution ein und machte im Zuge seiner Kampagne für die US-amerikanische Nahrungsmittelhilfe für Russland seine berühmte Bemerkung über die neue sowjetische Gesellschaft: „Ich habe die Zukunft gesehen, und sie funktioniert“, ein Satz, den er oft mit vielen Variationen wiederholte.

p Shirley MacLaine (*1934) ist eine US-amerikanische Schauspielerin. In den 1970er- und 1980er-Jahren veröffentlichte sie erste Bücher und machte selbst einen Film: The Other Half of the Sky: A China Memoir, einen Propagandafilm über die Volksrepublik China. Der Film schildert den dreiwöchigen Besuch einer Gruppe US-amerikanischer Frauen im Frühjahr 1973 in China. Neben MacLaine selbst gehörten der Gruppe sieben weitere Delegierte an. In Begleitung von Vertretern der chinesischen Regierung besuchten die Frauen Peking, Shanghai, Guangzhou und Hangzhou.
MacLaine gilt politisch als linksliberal. Sie engagierte sich gegen den Vietnamkrieg und unterstützte mehrfach Politiker der Demokraten im Wahlkampf.

q John Kenneth Galbraith (1908-2006) war ein kanadisch-US-amerikanischer Ökonom, Sozialkritiker, Präsidentenberater, Romancier und Diplomat.
1972 bereiste er in seiner Eigenschaft als Präsident der American Economic Association auf Einladung der chinesischen Regierung China und publizierte darüber 1973 das Buch A China Passage mit Lobpreisungen des damals in China herrschenden Mao-Kommunismus aus amerikanisch links-liberaler Perspektive. Galbraith schrieb, dass es „keinen ernsthaften Zweifel daran gibt, dass China ein hochwirksames Wirtschaftssystem entwickelt“, „Dissidenten werden in China fest in Einklang gebracht, aber, wie man vermutet, mit großer Höflichkeit“, „Großraum Shanghai … hat einen besseren medizinischen Dienst als New York“ und hielt es nicht für unplausibel, dass die chinesische Industrie- und Agrarproduktion jährlich um 10 bis 11% zunahm.
1984 besuchte er die UdSSR und schrieb, dass die sowjetische Wirtschaft „große materielle Fortschritte“ gemacht habe, da die UdSSR „im Gegensatz zur westlichen Industriewirtschaft ihre Arbeitskraft voll ausschöpft“.
China. Impressionen einer Reise. Droemer Knaur, München 1978

r Leonard „Lenny“ Bernstein (1918-1990) war ein US-amerikanischer Komponist, Dirigent und Pianist.
Sein politisches Leben erhielt aufgrund eines Treffens in seiner Wohnung in Manhattan an der 895 Park Avenue am 14. Januar 1970 eine beachtliche Berichterstattung. Bernstein und seine Frau hielten die Veranstaltung ab, um Geld für die Verteidigung mehrerer Mitglieder der Black Panther Party gegen verschiedene Anklagen, insbesondere gegen die Panther 21 [Die Panther 21 war eine Gruppe von einundzwanzig Mitgliedern der Black Panther, die wegen geplanter koordinierter Bomben- und Langstreckengewehrangriffe auf zwei Polizeistationen und ein Bildungsbüro in New York City festgenommen und beschuldigt wurden] zu sammeln. Die New York Times berichtete zunächst über die Zusammenkunft als Lifestyle-Artikel, veröffentlichte jedoch später einen für Bernstein äußerst ungünstigen Leitartikel, nachdem die allgemein negative Reaktion auf die weit verbreitete Geschichte zu verzeichnen war. Diese Reaktion im Juni 1970 gipfelte im Erscheinen von „Radical Chic: That Party at Lenny’s“, ein Essay des Journalisten Tom Wolfe auf dem Cover des Magazins in New York. Der Artikel stellte den komfortablen Lebensstil der Bernsteins in einer der teuersten Gegenden der Welt der Anti-Establishment-Politik der Black Panther gegenüber. Es führte zur Popularisierung von „Radical Chic“ als kritischem Begriff.
http://nymag.com/news/features/46170/

 

Literatur

10. Steibel, G.: Book Review of Political Pilgrims: Travels of Western Intellectuals to the Soviet Union, China and Cuba (1928-1978) by Paul Hollander, in: Freedom at Issue, March/April 1982
11. Hollander P.: Political Pilgrims: Travels of Western Intellectuals to the Soviet Union, China and Cuba (1928-1978). New York: Oxford University Press, 1981

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 16 (1982), Nr. 2, S. 235-243.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Das Weltgeschehen, die Medien und Modju (Teil 4)

11. August 2019

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.

 

Weil die Population der genitalen Charaktere recht spärlich ist, müssen wir uns vor allem mit den einfachen Neurotikern und den emotionalen Pestcharakteren befassen. Wir werden sehen, wie diese beiden Charaktertypen, der im Grunde anständige, aber verkrüppelte einfache Neurotiker und die höchst bösartige emotionale Pest, so aufeinander einwirken, dass sie die Krankheit des jeweils anderen auf eine für diesen Planeten verheerende Weise verstärken.

Der einfache Neurotiker wird aus zwei Gründen leicht vom Modju angezogen: weil das genitale Vorbild selten ist, er auch Angst vor diesem Modell hat, und der energetischen Intensität, hinzu kommen die Manipulationen der Pest. Was die Genitalität zu bieten hat, ist für gepanzerte Menschen weitaus furchteinflößender als das illusorische Angebot von Modju. Letzteres verspricht einen schnellen Weg zu himmlischen Freuden und verdeckt den Nachteil meisterhaft. Der genitale Weg ist direkt, ehrlich, offen, wahr und angstmachend.

Da die Pest sich in jedem entscheidenden Bereich des Lebens vorfindet – Bildung, Medizin, Sexualität, Psychologie, Politik, Religion, Recht, Kommunikationsmedien usw. – befindet sie sich in einer strategisch einflussreichen Position, um diese Bereiche für ihre zerstörerischen Ziele zu nutzen. Sie tut dies durch ihre Einsicht in die Mängel und Schwächen der Menschen und ihre Fähigkeit, Schuld und Ressentiments zu mobilisieren. Ein Modju-Führer weiß, wie Massen sich aus ihrer Ohnmacht heraus nach Führung, Ruhm und dem Status quo ihrer Abwehrmechanismen sehnen. Er weiß, dass sie lieber andere beschuldigen würden, als sich ihrer eigenen Krankheit zu stellen, dass sie regelmäßig von brodelndem Groll und Hass geplagt werden, den er zu seinen eigenen Zwecken kanalisieren kann, und dass die Menschen die Freiheit mehr fürchten, als sich danach zu sehnen, und sich häufig heimlich mit Regimen identifizieren, die die Freiheit angreifen, anstatt denjenigen, die sie verteidigen und aufrechterhalten. Modju weiß, dass der verbleibende grundlegende Anstand der Massen die Aufrechterhaltung ihrer humanitären Illusionen erfordert, und die erfolgreichsten Modjus liefern diese Illusionen, selbst wenn sie ihre hinterhältigsten Taten begehen. Wie viel leichter ist es, mit den Khomeinis, Ho Chi Minhs, Pol Pots, Castros, Mao Tse Tungs und Stalins mitzufühlen als mit den Schahse, Parks, Pinochets, Somozas, Perons, Mussolinis und Hitlers! Wie viel bedrohlicher sind die kleinen rechtsgerichteten Militärdiktaturen als die linken totalitären Kolosse! Wie viel empörender ist die im Grunde gut motivierte amerikanische Operation in Vietnam als die brutalsten Unterdrückungen durch rote Faschisten in Vietnam, Kambodscha, China, Afghanistan, Afrika und Kuba! Diese katastrophale Doppelmoral, die sich gegen die freie Welt richtet und die Roten Faschisten begünstigt, kann nur aus der Angst vor der Freiheit, vor der Wahrheit und vor dem Kontakt zum Kern entstehen. So ist das Khomeini-Regime im Iran feindseliger gegenüber Amerika eingestellt als gegenüber der größeren Bedrohung der Sowjetunion, weil es die freien Traditionen Amerikas mehr fürchtet als die Gefahr der sowjetischen Versklavung. Um Daniel Pipes, Historiker an der Universität von Chicago und Autorität für den Islam, zu zitieren (8):

Aktivistischer Islam und Marxismus stellen die internationale Solidarität über den Nationalismus, die Bedürfnisse der Gemeinschaft über die des Einzelnen, Gleichmacherei über die Freiheit. . . . aktivistische Muslime und Marxisten verfolgen edel klingende, aber unerreichbare Standards für die Gesellschaft . . . Schließlich, weil der aktivistische Islam und der Marxismus alle Bereiche des Lebens berühren, neigen ihre Regierungen zum Totalitarismus. (Kursiv von mir: P.M.).

Zu behaupten, dass „ihre Regierungen zum Totalitarismus neigen“, ist natürlich eine Untertreibung, aber hier haben wir das grundlegende gemeinsame Funktionsprinzip: Hass und Intoleranz gegenüber Individualität und Freiheit.

 

Anmerkungen des Übersetzers

e Gemeint ist der persische Schah Mohammad Reza Pahlavi (1919-1980).
„Parks, Pinochets, Somozas, Perons“
Park Chung-hee, 1961 bis 1979 Präsident der Republik Korea.
Augusto José Ramón Pinochet Ugarte, 1973 bis 1990 Putschführer/Präsident in Chile.
Luis Anastasio Somoza Debayle, Präsident von Nicaragua von 1956 bis 1963.
Juan Perón, 1946 bis 1955 und 1973/1974 Präsident von Argentinien.

 

Literatur

8. Pipes, D.: „Khomeini, the Soviet and U.S.“, New York Times, Op-Ed page, May 27, 1980

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 14 (1980), Nr. 2, S. 211-222.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Das Weltgeschehen, die Medien und Modju* ** (Teil 1)

5. August 2019

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.***

 

„Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden in lockende Gestalt….“
Shakespeare – Hamlet

Reich sagt: „Ich betone die Rationalität der primären Emotionen des Lebendigen“ (1)a. Ist es für irgendeinen Beobachter der heutigen Weltkulisse, bei ihren sozialen, politischen und militärischen Ereignissen, möglich – ihre Rationalität zu bestätigen? Das wäre in der Tat sehr zweifelhaft. Die Menschen sind verwirrter denn je. Sie sehen, dass Unterdrückung durch größere Unterdrückung ersetzt wird; sie sehen, wie Umweltbelange in Gestalt wirtschaftlicher, politischer oder militärischer Belastungen zu Buche schlagen; sie sehen, dass die rechtschaffene Ausrottung der Korruption durch die Korruption der Rechtschaffenen ersetzt wird; sie sehen, wie eine Reaktion auf militärische Gewalt sich als Segen erweist für die militärisch und politisch Gewalttätigen; sie sehen die Sorge um Bürgerrechte, Gleichstellung der Geschlechter und Kinderrechte, die von den politisch Ruchlosen manipuliert werden; sie sehen die Suche nach sexueller und emotionaler Gesundheit, die von Pornografen und Gewinnsüchtigen beschmutzt wird. Kann ein solches Durcheinander korrigiert werden oder ist es hoffnungslos? Wenn es Hoffnung gibt, muss dies mit einem Verständnis der Wurzeln unseres Dilemmas einhergehen: dem gepanzerten Zustand der Menschheit und seinen charakterologischen und sozialen Folgen. Leider wehrt sich das gepanzerte Leben mittels Kontaktlosigkeit oder durch emotionale Pest-Angriffe gegen die Einsicht in seine Misere. Reich hat den Fall kurz und bündig dargelegt: „Die soziale Existenz des Menschentieres ist in der Tat bioenergetisch gesehen ein kleiner Gipfel auf dem riesigen Berg seiner biologischen Existenz“ (2)b.

Wenn wir uns darin einig sind, dass der Mensch gepanzert und orgastisch impotent ist, dann folgt daraus, dass dieser „kleine Gipfel“ ziemlich wackelig und gestört sein wird. Man kann die Art der Störung als jene Modi individuellen und sozialen Verhaltens definieren, die durch die Abwehr innerer Angst und Schreckens destruktive Folgen zeitigen. Einige dieser Verhaltensstrukturen und -arten sind:

 

1. Faschistische Charakterstruktur

a. Sehnsucht nach und Unfähigkeit zur Freiheit
b. Verlangen nach einem Führer
c. Massenirrationalität

2. Einfaches neurotisches Verhalten

a. Immobilität
b. Lustangst
c. Apathie und Resignation

3. Emotionale Pest

a. Hohe Energie – unüberwindliche Beckenblockade
b. mörderischer Hass auf das Leben und die genitale Liebe
c. das direkte oder maskierte Böse auf der gesellschaftlichen Bühne
d. charismatische Anziehungskraft und ausgefuchste Manipulation der schlechtesten Eigenschaften der Anhängerschaft.

 

Der Durchschnittsmensch ist sich dieser zugrunde liegenden Kräfte, die hier wirksam werden, nur sehr wenig bewusst. Er versucht, Probleme auf einen eher naiven und fragmentarischen Weg zu lösen. Es gibt wenig oder gar kein Verständnis für die Tiefe und Macht der biologischen Kräfte, die in einem titanischen Kampf zwischen Gut (primär, rational, gesund und genital) und Böse (sekundär, irrational, pervers und von der Pest befallen) wirksam sind. Dies liegt daran, dass durchschnittliche gepanzerte Menschen sich gegen den Kontakt mit ihrem Kern wehren. Wenn ihnen also gesagt wird, dass etwas für den „Frieden“ notwendig ist, glauben sie, dass es gut ist, weil es für ein „gutes“ Ideal ist. Wenn ihnen gesagt wird, dass der Schah des Iran ein brutaler Despot war, glauben sie, dass das Khomeini-Regime irgendwie besser sein müsse. Mit anderen Worten, die meisten Menschen denken gepanzert: mechanistisch oder mystisch. In Wahrheit verstehen sie weder genau was „gut“ noch was „böse“ ist. Sie haben keine Kriterien, die in natürlichen Funktionen und Wahrnehmungen verwurzelt sind. Sie haben kein Verständnis von Gesundheit oder Krankheit, ob sexuell, körperlich, emotional oder sozial. Sie sind vielleicht in der Lage, einen „komplett Gestörten“ oder ein tödlich verlaufendes Karzinom zu erkennen, aber sie haben keinen Sinn für emotionale Ödnis und Resignation bzw. die Existenz einer nicht-tumorösen Schrumpfungsbiopathie.

 

Anmerkungen

* Basierend auf Vorträgen, die an der New York University im Sommer 1980 gegeben wurden.

** „Modju“ ist ein von Reich geprägter Begriff, eine Verschmelzung der Namen zweier bösartiger Männer: Mocenigo, der Giordano Bruno an die Inquisition verraten hat, und Djugashvilli (Stalin).

*** Orgonomischer Berater. Außerordentlicher Assistenzprofessor für Sozialpsychologie, New York University. Sprechkliniker und Oberschullehrer. Mitglied des American College of Orgonomy.

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Farrar, Straus and Giroux; First edition (1973), Seite 53.
Äther, Gott und Teufel, Nexus Verlag, 1983, S. 54.

b Ausgewählte Schriften, Köln 1976, S. 24.

 

Literatur

1. Reich, W.: Ether, God and Devil. New York: Orgone Institute Press, 1949
2. Reich, W.: Bibliography on Orgonomy (1920-1952), „Prefatory Note“, Orgone Energy Bulletin 5:1, September, 1953

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 14 (1980), Nr. 2, S. 211-222.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Peter ist Euer Erlöser! (Das Nasselsteinistische Manifest) (Teil 2)

11. Juni 2019

Was wäre, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte? Die Frage läßt sich ziemlich leicht beantworten, wenn man zu seinen beiden Geistesverwandten Stalin und Mao blickt, die tatsächlich „den Krieg“ gewonnen haben! Millionen sind elendig verreckt, aber Rußland sähe heute kaum anders aus, wenn es die UdSSR nie gegeben hätte. Das gleiche gilt für das heutige China. Und Hitler-Deutschland! 1975 zeigte der WDR ein interessantes Fernsehspiel, das bezeichnenderweise nie wieder die Archive verlassen hat (wenn es denn überhaupt noch existiert!): Zahnschmerzen. Hier wurde dargestellt, daß Hitler-Deutschland sich im Jahre 1975 in kaum etwas von der Bundesrepublik unterscheidet. Die Ideologie ist vielleicht anders, aber das tägliche Leben der Menschen unterscheidet sich kaum. (Siehe auch das weithin bekannte Buch bzw. den Film Vaterland!)

Oder man nehme die sogenannte „DDR“: Die Herrschenden der SED haben sich leidlich bemüht ein wahrhaft sozialistisches Land aufzubauen und die mittleren und unteren Ebenen hatten gar keine andere Wahl als mitzuspielen, aber abseits von „sozialistischen Bekundungen und Gesten“ blühte vollkommen losgelöst von illusionären „Planvorgaben“ ein reger Tauschhandel zwischen Kombinaten und Fabriken, die Menschen haben sich eng vernetzt, um die ständige Mangelwirtschaft zu umgehen, und auf ihren Datschen ein Leben geführt, das dezidiert NICHTS mit der „DDR“ zu tun hatte. Oder wie der Ost-CDU-Politiker Peter-Michael Diestel nach der Wende auf die Wessie-Kritik, warum er sich in/mit der „DDR“ widerstandlos arrangiert hatte, sinngemäß sagte: „Ich habe mir doch von diesen roten Clowns mein Leben nicht kaputtmachen lassen!“

Was immer in der Politik geschieht, was immer für großartige „Visionen“ doch der Gesellschaft aufgezwungen werden, die Arbeitsdemokratie läuft weiter bzw. reorganisiert sich stets von selbst. Das ist so, weil sie keine „Idee“ ist, sondern sie ist die Gesellschaft selbst. Solange es Menschen gibt, die arbeiten, wird es auch die Arbeitsdemokratie geben. Lenin und Stalin haben alle „Kulaken“ umgebracht, d.h. alle, die auf dem Land mehr waren als bloße Kulis und die Roten Khmer haben sogar jeden umgebracht, der auch nur ansatzweise einen eigenen Kopf hatte, aber kein Terror ist in der Lage, den Lebensfunken zum Erlöschen zu bringen. Das sieht man ja auch bei den individuellen Biopathien: selbst wenn die lebensfeindliche Erziehung, der „elterliche Terror“, beispielsweise eine Krebsschrumpfungs-Biopathie induziert hat, pulsiert der Organismus eben auf einer tieferen Ebene weiter und sei es in Gestalt eines Tumors. Das gleiche gilt für alle denkbaren individuellen Neurosen und Krankheiten. Im trotzigen „Das Leben geht weiter!“ ist eine tiefe Wahrheit enthalten.

Auch von daher kann man alle „Erlöser“ und „Heilsbringer“, auch die vermeintlich „orgonomischen“, in die Tonne treten!

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 4)

9. Mai 2019

 

Paul Mathews:
People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest

 

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 1)*

3. Mai 2019

 

Paul Mathews:
People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest

 

nachrichtenbrief129

27. April 2019

Paul Mathews: Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters

22. März 2019

 

Paul Mathews:
Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters

 

Die Begegnung Wilhelm Reich – Albert Einstein (Teil 3)

1. März 2019

von Bernd Laska

 

Reich war sich lange Zeit nicht im Klaren, warum sich Einstein auf solche Art und Weise zurückgezogen haben mag, wo er doch anfangs großes Verständnis und Interesse gezeigt und auch kooperiert habe. Im Kreise seiner Mitarbeiter gab es eine Reihe von Theorien darüber, die natürlich alle nicht überprüfbar waren. Als dann am 17.3.1950 in der New York Times eine Meldung erschien, nach der Einsteins früherer Assistent Leopold Infeld – aus Polen gebürtig und 1936 emigriert – in seine Heimat zurückkehrte, glaubte Reich das Rätsel um Einsteins Verhalten gelöst: als Teil einer kommunistisch gelenkten Kampagne gegen ihn. Das war nun keineswegs eine Wahnidee aus heiterem Himmel. Wer Reichs Dokumentensammlung /3/ zu diesem Komplex gelesen hat und sich bewußt ist, daß das Dokumentierbare nur die Spitze eines Eisbergs sein mag, findet diese Einordnung des Falles Infeld nicht so absonderlich. Daß Infeld Marxist war, geht schon aus der Tatsache hervor, daß er in das stalinistische Polen ging; aber auch in seiner Autobiographie /4/ bezeichnet er sich als „undogmatischen Marxisten“, der von den Taten der Stalin-Ära erst nach dem XX. Kongreß der KPdSU erfuhr (S. 194 und 170). Allerdings hat er, nachdem er von 1936-38 Einsteins Assistent war, bis zum Ende des 2. Weltkrieges an der Universität Toronto Mathematik gelehrt und Einstein in dieser Zeit („soweit ich mich erinnere“) nicht gesehen.

Die Sache ist nie weiter aufgeklärt worden. Man sollte vielleicht auch mal versuchen, sich die Atmosphäre unter Amerikas Physikern (davon viele deutsche Emigranten) vorzustellen, als in Deutschland Otto Hahn die erste Uran-Atomkernspaltung gelang. Auch Einstein, der zwar nicht zur engeren Kreis der Physiker des (Atombomben-) Projektes „Manhattan“ gehörte, war hier sehr engagiert. Außerdem war er von der jungen Physikergeneration theoretisch isoliert, weil er sich weigerte, die von Heisenberg und anderen begründete Quantenmechanik voll anzuerkennen („Gott würfelt nicht!“). Er arbeitete an einer Theorie, die auf seiner ursprünglichen aufbaute und der Quantenmechanik überlegen werden sollte. In dieser Situation kam ihm die Reich-Sache sicher nicht gelegen, zumal Reichs Theorie, wie sich später herausstellte, die Annahme eines Äthers erforderte. Einstein mag diese Konsequenz geahnt und sich deshalb zurückgezogen haben, denn sein Lebenswerk ruhte nun mal auf der Abschaffung des Ätherkonzeptes. (/5/)

Wie dem auch gewesen sein mag: ob kommunistisch gelenkte Kampagne, ob ein einzelner marxistisch oder sonst feindselig gesinnter Assistent, ob Gerüchte aus Psychoanalytikerkreisen oder ob Einsteins eigener Entschluß es war, für uns bleibt wichtig:

  1. Einstein hat die Temperaturdifferenz zwischen Akku und umgebender Luft als „Bombe“ für die Physik bezeichnet.
  2. Einstein hat die Temperaturdifferenz durch eigene Messungen bestätigt, sie dann aber auf konventionelle Art gedeutet.
  3. Reich hat weitere Experimente unter Ausschaltung der Möglichkeit von Konvektion gemacht und den gleichen, im Freien noch deutlicher auftretenden Effekt erzielt und dies Einstein mitgeteilt.
  4. Einstein hat sich auf merkwürdige Art aus der Affäre gezogen.

Die Temperaturdifferenz wurde später von Reich und anderen ungezählte Male bestätigt und war Grundlage für Reichs weitere Arbeit. Von der etablierten Wissenschaft sind Reichs Arbeiten aber nie mehr ernst genommen und überprüft worden.

 

Literatur:

/3/ Conspiracy – An Emotional Chain Reaction, Rangeley USA 1954
/4/ Leopold Infeld, Leben mit Einstein, Zürich 1969
/5/ Ronald Clark, Einstein – Leben und Werk, Essligen 1974

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 2/76N.