Archive for Juli 2018

Das Radio in meiner Küche wurde verstellt!

31. Juli 2018

Wilhelm Reich und Hans Hass hatten einen funktionellen Forschungsansatz. Bei der Betrachtung einer Gegebenheit, etwa eines Mikroorganismus unter dem Mikroskop oder eines Korallenriffs beim Tauchgang, geht es weniger um die Gestalt der Dinge, ihre Entwicklungsgeschichte oder gar darum sie richtig mit ihrem lateinischen Namen zu benennen, sondern primär im ihre Funktion. Leider macht die Gewöhnung unser Auge wie blind für die Funktion. Deshalb verbannte Reich jedes Wissen über Mikrobiologie aus seinem Gehirn und weigerte sich, sich in die aktuelle Fachliteratur einzuarbeiten, um sich ganz auf das Funktionelle konzentrieren zu können. Desgleichen Hans Hass, der beispielsweise in seiner anthropologischen Erforschung von Menschenmassen Filme benutzte, die er im Zeitraffer, verlangsamt, rückwärts, etc. abspielte, aus der Vogelperspektive aufnahm, etc. Er wollte so sein Gehirn austricksen und es dazu zwingen auf die Menschen zu blicken, als sei er ein Außerirdischer. Reich sprach vom funktionellen Blickwinkel „aus dem Flugzeug“. Darauf beruht auch die gesamte Ethnographie: der Fremde sieht Dinge, funktionelle Zusammenhänge, für die der Einheimische wie blind ist. Oder nehmen wir Leute, die nach Jahren im Ausland nach Deutschland zurückkehren und denen Dinge auffallen, für die wir vollkommen „betriebsblind“ sind: die wachsende Rücksichtslosigkeit im Alltag, die Überfremdung, der Verfall der Infrastruktur, die Erosion aller Standards, der Dreck auf den Straßen und in den Parks, die schlechte Stimmung und Angespanntheit der Leute, etc.

Seit vielen Jahren höre ich, wenn überhaupt, ausschließlich Deutschlandfunk, weil ich dort weitgehend von „Musik“ verschont werde, jetzt habe ich durch Zufall und weil ich zu faul war, das Radio wieder richtig einzustellen, in der Küche über längere Zeit NDR2 gehört, die neusten Hits. Fremde Klänge, nie zuvor vernommen – und ein Kulturschock. Ein geschmackloser Geräuschbrei und darüber ein Geknödel aus verkrampften Hälsen, das eher an den Toilettengang bei chronischer Verstopfung als an Gesang gemahnt. Neulich habe ich irgendwo den kurzen Kommentar eines Angestellten der Musikindustrie gelesen: das, was man heute im Radio an Sprechgesang-„Musik“ hört, hätte man noch vor 20, wenn nicht 10 Jahren sofort in den Mülleimer geschmissen, wenn das als Demo eingesendet worden wäre. Und das bei Rap-„Musik“, die ohnehin nie besonders anspruchsvoll war! Das Niveau fällt ins Bodenlose.

Hier ein Beispiel aus der Sparte Fäkalmusik:

Genauso geht es mir mit meiner mittlerweile jahrzehntelangen Fernsehabstinenz. Manchmal kriege ich Sekunden- und Minutenfetzen mit. Wer tut sich diesen Dreck nur freiwillig an? Jeder muß doch spüren, daß beim Zuschauen reihenweise Hirnzellen aus Verzweiflung Selbstmord verüben! Und selbst wenn man den Ton abdreht: jeder Schauspieler, insbesondere aber die jungen, wirkt konturlos, ohne jede Persönlichkeit. Bioroboter!

Ein „Außerirdischer“ wie ich sieht die letzten Zuckungen einer sterbenden Kultur.

Einige orgonotische Erstrahlungseffekte. Eine vorläufige Mitteilung (1958) (Teil 6)

30. Juli 2018

von David Boadella

Erklärungen (Fortsetzung)

Die Beobachtung, daß das Streicheln von Glühbirnen sie zur Leuchten bringt, während heftige Reibung entweder eine viel schwächere Wirkung oder gar keine Wirkung hervorbringt, ist also eine direkte Bestätigung der 1944 getroffenen Annahme Reichs „statische Elektrizität im üblichen Sinne ist überhaupt kein Strom“. In einem Artikel über „orgonotische Pulsation“ (siehe 5) kommt er zu dem Schluß: „Es ist nur eine Frage der Konvention, ob wir die ‚Elektrizität‘ der Alten mit dem Orgon identifizieren und den Begriff der Elektrizität für die orgonotischen Phänomene. In diesem Fall müßten wir ein neues Konzept für das entwickeln, was seit Faraday, Ampere und Volta als Elektromagnetismus bekannt ist. Oder wir müssen das Konzept der Elektrizität der Alten fallenlassen, die jeweiligen Phänomene orgonotisch nennen und den Begriff der Elektrizität auf jene Phänomene beschränken, die man durch die Bewegung von Drähten in Magnetfeldern erzielt“ (S. 122). In diesem Zusammenhang ist die Reaktion eines elfjährigen Jungen interessant, dem beiläufig vom Verhalten der Glühbirne im Dunkeln beim Reiben erzählt wurde. Im Gegensatz zu der Skepsis, der Verwirrung und dem abwehrenden Lachen der Experten gab er eine direkte, gefühlsmäßige Reaktion: „Oh, was soll‘s? Das ist die Elektrizität in deinen Händen, nicht wahr?“ Dieser Junge wußte kaum etwas von Wissenschaft und wußte sicherlich nichts von Millivolt. Aber er mußte die Energie in seinen Händen gefühlt haben, und da er keine bessere Bezeichnung für diese Energie hatte, nannte er sie „Elektrizität“.

Sobald man diesen Schritt macht, galvanische Elektrizität von den orgonotischen Phänomenen zu unterscheiden (von denen die ‚Statik‘ nur ein Sonderfall ist), beginnen einige verwirrende Widersprüche Sinn zu machen. Reich hat in CANCER BIOPATHY beschrieben, wie er sich der Tatsache bewußt wurde, daß die Energiemenge, die an der Hautoberfläche nachweisbar war, in keinem Verhältnis zur minimalen Ladung stand, die in Millivolt gemessen wurde. Er weist darauf hin, daß, obwohl „wir empfindliche Voltmeter beeinflussen können, indem wir sie berühren, das Ausmaß dieser Reaktionen so unendlich klein ist, – verglichen mit den Energiemengen im Organismus, – daß wir keine Verbindung sehen können“ (1, S. 6).

Eine ähnliche Diskrepanz besteht in der Annahme, daß das, was mit dem Elektroskop, dem Standardinstrument der Elektrostatik, gemessen wird, mit Spannung gleichgesetzt werden kann. Tatsächlich haben wir zwei radikal verschiedene Energieformen, die beide in ein und derselben Einheit gemessen werden. Reich beschreibt diese Diskrepanz wie folgt: „Wir laden ein Elektroskop mit Energie aus unseren Haaren, so daß das Elektroskopblatt um 45° oder 90° abgelenkt wird. Wir können den gleichen Effekt durch Anlegen eines elektrischen Stroms mit hoher Spannung an das Elektroskop erzeugen. Eine Einheit der Orgonladung entspricht jener Spannung, die notwendig ist, um die gleiche Ablenkung des Elektroskopblatts zu erzeugen. Wir finden auf diese Weise, daß, wenn wir nur einmal sanft durch unser Haar streichen, wir Energiemengen von mehreren hundert Volt abnehmen können“ (4, S. 113).

Die Auswirkungen sind relevant und wichtig. Obwohl eine bestimmte Menge an Orgonenergie einer gegebenen Menge an elektrischer Energie entsprechen kann, sind sie in keiner Weise äquivalent. Obwohl wir Energie abziehen können, die Hunderten von Volt ‚entspricht‘, können wir nicht durch Streichen unserer Haare ein Voltmeter veranlassen, eine Ablenkung zu registrieren, die anzeigt, daß unser Haar mit einer Spannung von Hunderten von Volt elektrisch geladen ist. Effekte, die sehr leicht und einfach mit Orgonenergie aus den Händen erzeugt werden können, können nur durch eine elektrische Spannung reproduziert werden, die tausendmal größer ist als die elektrische Spannung der Hände.

Ein nützliches Ergebnis dieser Befunde ist, daß sie eine Antwort auf jene Kritiker von Reichs Interpretationen seiner Vacor-Experimente liefern, die behaupten, daß er ‚nichts Neues‘ getan hat und daß seine blaue Erstrahlung im Vakuum unter elektrischer Spannung eine bewährte Tatsache in der klassischen Physik darstellt und nichts mit Orgonenergie zu tun hätte. Was neu war, war nicht die Erzeugung von bläulicher Erstrahlung im Vakuum, sondern die Erkenntnis, daß diese funktionell identisch ist mit anderen Beispielen bläulicher Erstrahlung in der Natur und sich ebensogut, wenn nicht besser, orgonomisch erklären läßt. Soweit ich weiß, hat Reich niemals die allein mit Hilfe der Hände hervorgerufene Erstrahlung im Vakuum nachgewiesen. Die Tatsache, daß dies möglich ist, ist eine überzeugende Bestätigung der orgonomischen Hypothese. Die Kraft der Erstrahlung mit Hilfe der Hände entspricht voll und ganz der Kraft, die man von dem „elastischen Kissen“ zwischen den Handflächen erwarten kann, wie es Reich auf dem Röntgenfilm photographiert hat (6). Die größere Brillanz der 25- und 15-Watt-Glühbirnen gegenüber den Glühbirnen mit höherer Leistung und die Beobachtung, daß die gasgefüllten Glühbirnen ‚gedämmt‘ und ‚beschlagen‘ schienen, steht voll im Einklang mit Reichs Entdeckung, daß die im Vakuum erzielbaren Impulsraten größer sind als die aus gasgefüllten Geiger-Röhren: „Materie in Form von Gasmolekülen oder Luftmolekülen BEHINDERT die Energiefunktion der kosmischen OR-Energie, … Or-Energie ist am stärksten bzw. ‚schnellsten‘ im gasfreien Raum“ (7, S. 252).

 

Literatur

1. Reich, W.: CANCER BIOPATHY. Orgone Institute Press, 1948
4. Reich, W.: EXPERIMENTELLE ERGEBNISSE ÜBER DIE ELEKTRISCHE FUNKTION VON SEXUALITÄT UND ANGST. Sexpolverlag, Copenhagen, 1937
5. Reich, W.: “Orgonotic Pulsation” International Journal of Sex-Economy and Orgone Vol. 3, 1944
6. Reich, W.: „Orgonotic light functions. 2. An X-ray photograph of the excited orgone energy field of the palms (1944)“ Orgone Energy Bulletin Vol.1, No.2, 1949
7. Reich, W.: „The Orgone Energy Charged Vacuum Tubes (VACOR) (1948)“ Orgone Energy Bulletin Vol. 3, No. 4 ,1951

 

* Abdruck der Übersetzung aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung des Autors, Dr. Boadella. Der Originalaufsatz „Some Orgonotic Lumination Effects“ findet sich in der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 5 (1958), No. 3, S. 139-150.

„Tu es niemals auf politische Art und Weise!“

29. Juli 2018

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia über den Religionsersatz Gesellschaftspolitik:

„Tu es niemals auf politische Art und Weise!“

Filmkritik: Der neue Reich-Film

28. Juli 2018

von Robert (Berlin)

In den Räumen der Sigmund-Freud Privatuniversität des riesigen Tempelhofer Flughafengebäudes gab es am 26. Juli 2018 die deutsche Erstaufführung des Films „Love, Work and Knowledge. The life and trials of Wilhelm Reich“.

Am Empfang gab es gleich einen netten Stoffbeutel mit Infomaterial. Für Essen (Knabbereien) und Getränke war obendrein gesorgt. Der Film wurde wegen hoher Anmeldezahlen in zwei Räumen gezeigt.

Augenblicklich erkannte ich die Koryphäen Bernd Senf und Heike Buhl. Nach einer kurzen Einführung durch einen Studenten ging es los.

Der Film selbst hat die Lauflänge von 110 min, was ziemlich mühevoll war. Da der Film in Englisch ist, war hier die Sprecherin von besonderer Bedeutung. Aber sie sprach leider ziemlich verwaschen, wie mir meine Nachbarin bestätigte, was das Verstehen noch schwieriger machte.

Einige Schwerpunkte im Film waren der Konflikt mit Freud und der Verfolgung durch das FBI. Es wurden viele unbekannte Fotos und Filmclips gezeigt, häufig war die Stimme von Reich selbst zu hören. Reich filmte selbst Aufmärsche der KPD. Seiner Zeit als Psychoanalytiker wurde viel Platz geschenkt, aber ob Aussagen von heutigen linken Psychoanalytikern oder eines abgehalfterten Soziologen wirklich so wichtig sind, bezweifle ich.

Der Zeit mit Elsa Lindenberg wurde viel Platz gegeben. Besonders manche Fotos von Reich zeigen ihn von einer mir bisher unbekannten, ausdrucksvollen Art. Weiterhin wurden unbekannte Fotos seiner Familie und Mitarbeiter gezeigt. Teile der Funktion des Orgasmus und People in Trouble scheinen von Reich vor der Publikation auf Magnetband gesprochen zu sein, wie im Film zu hören war.

Sehr interessant ebenfalls spätere Aufnahmen und Filmclips vom Orgonmotor, den Mäuseexperimenten und dem ersten Bau des ORAC, häufig in Farbe. Jedoch ist die amerikanische Periode sehr stark der Verfolgung und dem Prozess gewidmet. Hier fehlte mir einiges, so z.B. die therapeutische Entwicklung.

Leider ist der gesamte Film mit einem traurig klingenden Streichinstrument unterlegt, was eine bedrückende Atmosphäre hinterlässt. Da doch einige Punkte von Reichs Leben wegfielen, ist zu fragen, ob der Film nicht besser in zwei oder drei Teilen hätte gedreht werden sollen. Desgleichen der Schnitt erschien seltsam unausgegoren, manchmal erschienen Szenen aus späteren Zeiten, die Kohärenz war mir nicht ersichtlich. Im Abspann merkte man, dass eine starke Linksdrift vorhanden war, das ACO tauchte nicht auf. Morton Herskowitz wurde mehrmals mit seinen Aussagen wiedergegeben.

Bei der anschließenden Diskussion war ich nicht mehr dabei.

Fazit: Der Film überzeugt mit viel neuem Material. Insgesamt ist er etwas lückenhaft und manchmal wieder weitschweifig. Allerdings bin ich nicht in Lage, alles korrekt zu beurteilen, weil meine Englischkenntnisse verbesserungswürdig sind. Eine Teilnehmerin meinte, Untertitel (in Englisch) wären gut gewesen.

Die extreme Linke, der Konservative, die extreme Rechte

27. Juli 2018

Der Konservative (und der Orgonom) lebt mehr oder weniger durch die Panzerung verzerrt aus seinem bioenergetischen Kern heraus, während der Linke keinerlei Kontakt zu seinem Kern hat und immer mehr in der sekundären Schicht versinkt. Ähnlich der Rechtsradikale, der zunehmend seinen stark verzerrten Kontakt zum Kern verliert und schließlich eine einzige Verkörperung der sekundären Schicht ist. Beispiele:

Die Linke und überhaupt das urbane Gesindel, das sich überall breitmacht, verlangt „Respekt“ als einforderbares Recht. Dabei ist Respekt etwas, was man sich durch Leistung und im menschlichen Umgang erarbeiten muß. Jeder kann von mir Rücksicht verlangen, Leben und Leben lassen, aber niemandem schulde ich Respekt, den er sich nicht in meinen Augen erworben hat!

Die Ablehnung aller Autorität ist im anti-autoritären Zeitalter (Konia) das Hauptmerkmal der Linken:

Sich selbst als einzige Autorität für sich selbst anzusehen – ja, letztendlich ist man sowieso in jedem Fall derjenige, der die letzte Entscheidung im eigenen Kopf fällt; aber der Linke weitet das aus und Autorität ist nicht mehr etwas, was man sich hart erarbeiten muß, sondern sie entspringt der eigenen kontaktlosen Selbstherrlichkeit. Man schaue sich nur in Universitären an wie Professoren, die die politische Korrektheit verletzen, von Studenten, die kaum die ersten Grundlagen ihres Faches verstanden haben, in die Schranken verwiesen werden. Anarchie und Verblödung fallen in eins!

Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes. Die Volkszugehörigkeit ist angeboren, kann aber auch, wie früher der erbliche Adelsstand, nachträglich erarbeitet werden. Beispielsweise werden Fremdenlegionäre nach einer gewissen Dienstzeit Franzosen. Linke hingegen schmeißen mit dem deutschen Paß nur so um sich, lösen das verbindliche Volk in eine unverbindliche „Be-Völkerung“ auf und haben Angst vor „Populismus“, gar „Faschismus“.

Das Recht ist für sie kodifiziertes Gutmenschentum. Für Konservative sind Rechte vor allem gottgegeben, naturgegeben, die Summe jahrhundertealten Rechtsempfindens.

„Rassismus“, wie immer er auch konkret ausgestaltet sein mag, ist den Rechtsextremen wesenseigen. Deshalb verweigern sie jedem, der „nicht dazugehört“ den Respekt. Autorität ist unhinterfragbar und der Staat reduziert sich auf blanke Gewalt, das Recht des Stärkeren (ob religiös verbrämt oder pseudo-wissenschaftlich untermauert).

Einige orgonotische Erstrahlungseffekte. Eine vorläufige Mitteilung (1958) (Teil 5)

26. Juli 2018

von David Boadella

Erklärungen (Fortsetzung)

Aus diesen Reaktionen wird deutlich, daß die einzigen Menschen, die die Glühbirneneffekte nicht ignorieren, diejenigen sind, die sie zufällig für sich entdeckt haben; daß es keine „offizielle“ Erklärung dafür gibt, weil es keine „offizielle“ Anerkennung dafür gibt; und daß die erste Reaktion, wenn das Thema erwähnt wird, die ist, so zu tun, als ob es nicht für „ernsthafte wissenschaftliche“ Überlegungen geeignet wäre, sondern, wie psychische Forschung oder Fliegende Untertassen, nur Witze und Spott verdient. Entweder wird die ganze Sache als Scherz betrachtet (wie die Haltung des Managers von A.E.I. nahelegt); oder ich war das Opfer einer Halluzination (wie von einem Lehrer scherzhaft vorgeschlagen); oder es ist „bloß eines dieser Dinge“, ein guter Partytrick und etwas, um das sich der Physiker, wie um so viele Dinge auf dem Jahrmarkt, in der Seance oder am Tisch des Wahrsagers, nicht zu kümmern braucht.

Die zweite Reaktion, die nur eintritt, wenn das Phänomen unmißverständlich nachgewiesen wird oder wenn der Physiker bereit ist, deine Aussage in gutem Glauben zu akzeptieren, beinhaltet den Versuch, etwas zu tun, was die Lehrbücher nicht getan haben, die Tatsache in Begriffen der bestehenden Theorie zu erklären. („ … ein elektrostatisches Feld … nehme ich an“).

Wenn der Physiker überzeugt werden kann, eine ernsthafte Antwort auf die Frage „Was ist die Energie, die die Glühbirnen zum Aufleuchten bring?“ zu geben, wird seine Antwort sich in Begriffen von elektrostatischen Konzepten bewegen. Es wird angenommen, daß die verschiedenen Phänomene der Elektrostatik mit demselben Konzept erklärt werden können, mit dem die Wirkung von Batterien und Dynamos bei der Erzeugung eines elektrischen Stroms erklärt werden. Somit können die gleichen elektrischen Einheiten, falls notwendig, verwendet werden, um sowohl „statische“ als auch „Strom-“ Effekte zu beschreiben.

Die einzigen Fälle von blaugrüner Erstrahlung in einem Vakuum, die ich gefunden habe, treten auf, wenn eine hohe elektrische Spannung zwischen den Elektroden einer speziell konstruierten Vakuumröhre erzeugt wird. (Im Falle des einen Beispiels, das vom A.E.I.-Manager zitiert wurde, wurde auf die speziell konstruierte Röhre und die Elektroden verzichtet, aber die Hochspannung blieb erhalten). Die erforderliche Spannung wird offensichtlich entsprechend dem Druck des Restgases und dem Abstand zwischen den Elektroden variieren, es kann jedoch normalerweise erwartet werden, daß sie sich in dem Bereich von 100 bis 1000 Volt bewegt. Dies war der Bereich, den Reich in seinen Vakuumexperimenten (siehe 3) mit 0,5 Mikrometer Druck und mit 15 cm Abstand zwischen den Elektroden verwendete. Im Vergleich scheinen die vom A.E.I.-Manager genannten Volt für eine 25-Watt-Glühbirne hoch, aber möglicherweise ist dies auf die Tatsache zurückzuführen, daß Glühlampen nicht mit Elektroden ausgestattet sind. (Reich berichtet jedoch an anderer Stelle, daß er eine Spannung von 1000 bis 2000 Volt verwendete, um die Vakuum-Erstrahlung auszulösen. Siehe 9). Was die Rolle der Elektroden spielte, als die Spannung von 12 000 angelegt wurde, weiß ich nicht; möglicherweise war es „nur“ das Glas und nur die Wolframverdrahtung oder möglicherweise sind Elektroden nicht einmal notwendig, was wahrscheinlich erscheint.

Alle Fälle von Vakuum-Erstrahlung, von denen ich gelesen habe, beruhten auf einer elektrischen Spannung, die per Drahtverbindung von einem Dynamo, einer Batterie oder einer Induktionsspule irgendeiner Art geliefert wurde. Erst wenn dem Physiker das „eigentümliche“ Ereignis präsentiert wird, daß eine Glühbirne ohne jegliche Drahtverbindungen leuchtet, sieht er sich zu der Annahme genötigt, daß ein elektrostatisches Feld eine Vakuumerstrahlung ins Werk setzten kann. Zuvor war das alles irrelevant. Aber sobald diese Annahme verzweifelt getroffen wurde (und wenn der Versuch, das Ganze mit einem Lachen abzutun, gescheitert ist), zeigt eine kleine Überprüfung, daß sie unhaltbar ist, solange wir davon ausgehen, daß die elektrostatische „Elektrizität“ die gleiche ist wie die faradische Elektrizität, der elektrische Strom.

Die elektrische Spannung, die benötigt wird, um die Vakuumerstrahlung auszulösen, fällt in einen Bereich von Hunderten von Volt bis zu Tausenden von Volt. Wir müssen fragen, ob es möglich ist, daß die Hände, die die Glühbirne sanft streichen, diese hohen Spannungen liefern können? Die Frage erscheint lächerlich, „eigentümlich“ und von daher neigen wir dazu der ganzen Frage und deren Antwort auszuweichen. Es wurde gezeigt, daß die elektrische Ladung der Hautoberfläche, gemessen mit Hilfe des Oszillographen, im Bereich von Millivolt liegt (4). Die Hände bilden hier keine Ausnahme. Wir stehen vor der Tatsache, daß die Hände, deren Spannung vernachlässigbar ist, „durch Erzeugung eines elektronenstatischen Feldes“ eine Spannung herstellen können, die sehr beträchtlich ist und zu brillanten Lichteffekten führen kann.

Weitere Überlegungen zeigen, daß die elektrostatische Theorie zur Erklärung der Vakuumerstrahlung nicht ausreicht. Die höchsten Ladungen der ‚Elektrostatik‘ werden durch die heftigsten Formen der Reibung erzeugt, wie z.B. in der Wimshurstmaschine [siehe folgenden Absatz!]. Aber wenn die Vakuumbirne kräftig gerieben wird, sogar auf Seide, entsteht kein Glühen, solange die Hand die Seide nicht festhält und die Seide die aufleuchtend-machende Kraft der Hand behindert.

[Anmerkung des Herausgebers in der nächsten Ausgabe von Orgonomic Functionalism:] Die hohen Ladungen, die von der Wimshurstmaschine produziert wurden, seien durch heftige Reibung erzeugt worden. Das ist falsch. Nur sehr frühe elektrische Maschinen verwendeten Reibung, um Ladung zu erzeugen. Die Wimshurstmaschine akkumuliert ihre Ladung durch Induktion ohne direkten Kontakt zwischen den Drehtellern.

 

Literatur

3. Reich, W.: „Orgonotic light functions. 3. Further physical characteristics of Vacor Lumination (1948)“ Orgone Energy Bulletin Vol. 1, No. 3, 1949
4. Reich, W.: EXPERIMENTELLE ERGEBNISSE ÜBER DIE ELEKTRISCHE FUNKTION VON SEXUALITÄT UND ANGST. Sexpolverlag, Copenhagen, 1937
9. Reich, W.: „Meteorological Functions in Orgone-charged Vacuum Tubes“ Orgone Energy Bulletin Vol. 2, No. 4, 1950

 

* Abdruck der Übersetzung aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung des Autors, Dr. Boadella. Der Originalaufsatz „Some Orgonotic Lumination Effects“ findet sich in der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 5 (1958), No. 3, S. 139-150.

Psychotherapie, Körpertherapie, Orgontherapie

25. Juli 2018

Psychotherapie ist nicht das, was sie vorgibt zu sein, denn jedes längere Gespräch setzt euphorisierende Endorphine frei. Deshalb ist die Methode auch ziemlich gleichgültig, wie jeder ehrliche Psychotherapeut zugeben wird. Es kommt auf die Person des Therapeuten an, sein Charisma und seinen Rapport mit dem Patienten. Ähnlich ist es mit der Körpertherapie bestellt, etwa der „Bioenergetik“ nach Alexander Lowen. Die Aktivierung verspannter Skeletmuskulatur setzt Endorphine frei und entsprechend enthusiasmiert verläßt der Patient die Praxis. In beiden Fällen kommt das endorphin-freisetzende freiere Atmen hinzu.

Was rundweg allen diesen Ansätzen fehlt, ist die Libidotheorie Freuds, die einzig und allein Reich beibehalten und weiter ausgebaut hat. Dabei geht es nicht nur, wie es häufig dargestellt wird, darum, daß Reich das vage Konstrukt „Libido“ mit einer konkreten physikalischen Energie, dem Orgon, ausgefüllt hat. Wichtig sind die Libidostufen, d.h. die Befreiung der genitalen Libido von prägenitalen Überlagerungen. Das zwingt dem Gespräch und den körperlichen Interventionen von den Themen bzw. den Körperregionen her eine bestimmte Abfolge auf.

Orgontherapie ist „biophysische Chirurgie“ (Reich), d.h. die sprachlichen und die körperlichen Interventionen haben jeweils eine bestimmte FUNKTION, sind Teil eines strategischen Gesamtplans. Es geht nicht darum, daß es dem Patienten besser geht, d.h. er sich in seiner Neurose häuslicher einrichtet, sondern um die Umstrukturierung seiner Libidostruktur (= Charakterstruktur) in Richtung Genitalität (= Gesundheit, das Funktionieren des Organismus als Einheit).

Der verdrängte Christus: 17. Jesu Funktionalismus

24. Juli 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

17. Jesu Funktionalismus

(D)ORgonit, Chembuster, ein Abend in Münster

23. Juli 2018

Fast überall wo „Wilhelm Reich“ draufsteht, ist das Gegenteil drinne. Seit Jahrzehnten schreibe ich nun gegen „Reichianer“ und Pseudo-Orgonomen an. Siehe etwa meine dreiteilige umfassende Rezensionsreihe über „Reichianische Bücher“. Das eindeutigste Beispiel sind aber die (D)ORgonit-Leute, die irgendwelchen toxischen Elektroschrott in Kunstharz gießen und daraus sogar „Chembuster“ fertigen, mit denen sie „Chemtrails“ beseitigen wollen. Nicht von ungefähr erinnert mich die krankhafte Ästhetik dieser Orgonit-Gerätschaften an Filme wie Hellraiser oder Alien.

Tatsächlich verkörpert das Orgonit das exakte Gegenteil der Orgonomie. Beispielsweise hat Reich seinen Cloudbuster auf jene Himmelregionen gerichtet, wo die Kondensstreifen, die die Flugzeuge der US-Luftwaffe hinter sich herzogen abrupt aufhörten. Dort war DOR, das die Bildung von Wolken inklusive den „künstlichen Wolken“, die Jets produzieren, verhindern, da DOR der Atmosphäre den Wasserdampf entzieht. Dieses dürre-erzeugende DOR mußte Reich abziehen, um die natürliche Pulsation der Atmosphäre wieder ingang zu bringen.

Hier drei Photos, die ich vor wenigen Tagen gegen 20:00 Uhr in Münster geschossen habe: Auf dem ersten Photo sieht man wie ein langer Kondenzstreifen plötzlich aufhört, weil quer zu ihm ihn eine von Wolken eingegrenzte DOR-Region kreuzt. Auf dem zweiten Photo sieht man das ganze frei vom Zoom, also wie es sich dem nackten Auge darbot. Das dritte Photo zeigt das ganze wenige Minuten später. Man sieht wie sich der vermeintliche „Chemtrail“ ausbreitet.

Übrigens kann man, wenn man genau hinschaut, auf allen drei Photos unterhalb des Kondensstreifens eine DOR-Linie ausmachen.

Einige orgonotische Erstrahlungseffekte. Eine vorläufige Mitteilung (1958) (Teil 4)

22. Juli 2018

von David Boadella

Erklärungen

Es gibt im Großen und Ganzen drei Arten von Erklärungen, die für jedes gegebene Phänomen dargeboten werden können: eine mechanistische Erklärung, eine funktionelle Erklärung oder als Lösung der Rückgriff es als Mystizismus abzutun. Es ist eine vertraute Erfahrung, daß wenn das mechanische Weltbild durch ein Ereignis herausgefordert wird, welches die orthodoxe Wissenschaft nicht länger ignorieren kann, sie versucht, es entweder als ‚bloß‘ dies oder das zu erklären oder es als ‚verrückt‘ und mystisch außerhalb des Bereichs der ernsten Wissenschaft stehend auszulachen.

Wir erinnern uns, daß die Bione entweder „nur Streptokokken“ waren; oder sie waren „Privatphantasie“; daß der To-T-Unterschied im Akkumulator entweder nicht existierte, oder wenn er existierte, war es „nur Konvektion von der Tischplatte zur Decke“. Ähnlich war es, wenn der Anstieg des Fieberthermometers beschrieben wurde: entweder waren die Thermometer fehlerhaft oder der Anstieg der Körpertemperatur wurde „subjektiv“ erzeugt.

Trotz dieses theoretischen Gewahrseins war ich anfangs vorsichtig und zögerte den Schluß zu ziehen, daß die Erstrahlung der Birnen ein orgonotisches Phänomen war. Da war ein Widerstand gegen die Verbindung der Vakuumeffekte mit Reichs „Vacor“-Experimenten. Es war, als hätte ich befürchtet, daß jemand sagen könnte: „Da haben wir sie wieder die verrückten Orgonomen, die immer vorschnell zu dem Schluß kommen, daß es das Orgon ist.“ Irgendwie gab es in meiner Haltung zur Orgonomie ein Element der Mystik: es war, als ob wenn Reich es tun konnte, wenn er es wollte, und daß es dann ‚orgonomisch‘ und real war. Ich habe bereits beschrieben, wie diese Art von Haltung meine Beobachtungen seit Jahren verzögert hat. Selbst als die Glühbirne in meinen Händen aufleuchtete, funktionierte immer noch derselbe Widerstand. In gewisser Weise wollte auch ich glauben, daß es „nur dies oder das“ ist.

Dementsprechend habe ich einige Literatur zu vier eng verwandten Bereichen untersucht: Lampentechnologie, Bio-Elektrizität und Bio-Lumineszenz, Elektrostatik, und die Ionisierung von Gasen. Ich nahm auch Kontakt mit einer Anzahl verschiedener Leute auf, von denen ich dachte, daß sie in der Lage wären, das Aufleuchten zu erklären: G.E.C. (General Electric Co., Nottingham), A.E.I. Lamp and Lightning, Nottingham; das Department of Physics an der Nottingham University und das National Physical Laboratory, London.

In keinem der konsultierten Bücher wurde erwähnt, daß Glühbirnen leuchten, wenn sie in einem dunklen Raum gerieben werden. Nur ein Buch, das Harvey über LIVING LIGHT geschrieben hat, bezieht sich auf die Tatsache, daß „das bloße Reiben einer Neonröhre das Gas zum Leuchten bringt“ (2, S. 105).

Es schien vernünftig anzunehmen, daß das Phänomen nicht allgemein bekannt war. Diese Annahme fand sich durch Autoritäten, die konsultiert wurden, voll bestätigt. Ihre Reaktionen sind schon allein ein fesselndes Thema und werden im folgenden ziemlich ausführlich zitiert:

(a) Der Sprecher der G.E.C. sagte, das mit den beschriebenen Lichteffekte klänge „eigenartig“ und sagte, daß, da wohl etwas mit der Birne defekt sei, ich sie zurückgeben und gegen eine intakte tauschen sollte.

(b) Der Assistent beim A.E.I., mit dem ich sprach, reagierte, als ob er zu einem Thema befragt würde, das seinen Horizont übersteigt und holte den Manager. Der Manager nahm eine ‚stachelige‘, ziemlich aggressive Haltung ein und sagte, daß er natürlich mit einem solchen Effekt vertraut sei und sich bewußt sei, daß 25-Watt-Glühbirnen bläulich-grün leuchten. Als er nach Details gefragt wurde, mußte er zugeben, daß er dieses Phänomen nur einmal beobachtet hatte, und daß damals eine elektrische Spannung von 12 000 Volt von einem elektrischen Generator an die Lampe angelegt worden war. Er war sichtlich irritiert über die Aussage, daß man die Glühbirne mit den Händen reiben und so zum Erleuchten bringen könnte, und merkte an: „Die meisten Menschen behandeln sie natürlich nicht wie Aladdins Lampen und erwarten, daß der Geist aus ihnen herauskommt.“ Er beeilte sich, hinzuzufügen, daß er sicher sei, daß kein Elektrohersteller an einem solchen Phänomen interessiert sei, und daß er auf jeden Fall keinen Zweifel daran habe, daß die meisten von ihnen bereits mit dem Effekt vertraut seien.

(c) Der promovierte Wissenschaftler an der Universität war viel aufgeschlossener und schien ‚interessiert‘. Er war interessiert, weil er, wie er sagte, in letzter Zeit etwas ähnliches bemerkt hatte, als er in der Dunkelheit eine Neonröhre an seinem Ärmel gerieben hatte. Das hatte ihn überrascht, also hatte er es gegenüber den Mitarbeitern der Universität von Durham erwähnt, die sich mit Physik beschäftigten, doch keiner von ihnen war damit vertraut. Er hatte von mehreren Leuten gehört, die Neonröhren gekauft hatten, daß einige der Glühlampen leuchteten und andere nicht. Als er gefragt wurde, wie er diese „überraschenden“ Effekte erklärte, kamen ihm eher Zweifel, er wurde vage und sagte: „Sie bauen ein elektrostatisches Feld auf, nehme ich an.“ Er hatte noch nie von elektrischen Glühbirnen gehört, die auf diese Weise aufleuchteten und wußte eindeutig nicht, was er sagen sollte, als man ihm mitteilte, daß Reibung auf Seide das Aufleuchten vermindert. Er schlug vor, daß die Neonröhren auf einer Party gute „Zauberstäbe“ hermachen würden.

(d) Ein Elektriker beim Nottingham Electricity Board hatte noch nie von dem Phänomen gehört, „außer auf dem Jahrmarkt“. Er sagte ebenfalls ziemlich höhnisch, daß es wie ein guter Partytrick klinge.

(e) Von dritter Hand hörte ich, daß ein Elektriker in Yorkshire von dem Effekt (den die meisten Leute seiner Meinung nach erzielen könnten) seit einigen Jahren wußte und ihn tatsächlich auf Partys benutzte und seine Freunde regelmäßig damit amüsierte.

(f) Ein erfahrener promovierter Physiker, mit Kenntnis von Reichs Arbeit, sagte, das ganze sei, soweit er wisse, unbekannt und unerklärt.

(g) Die National Physical Laboratories haben eine Woche nach einer Anfrage noch nicht geantwortet. [In einer Nachschrift fügte Boadella folgendes an:]

Den folgenden Brief, unterschrieben von L.A. Sayce, dem Superintendenten der Licht-Abteilung des National Physical Laboratory, erhielten wir vor der Drucklegung:

Sehr geehrter Herr,

die Wirkung, die Sie in Ihrem Brief vom 5. Mai erwähnen, scheint sicher auf die durch die Reibung der Hand erzeugte Elektrifizierung zurückzuführen zu sein. Wir stellen fest, daß man es am leichtesten hervorbringen kann bei Vakuumlampen, wie sie früher hergestellt wurden, in denen das Vakuum zweifellos so gut ist wie in neueren Lampen. Dies legt nahe, daß die Hauptursache eine Entladung im Restgas ist, das in der Lampe zurückblieb, – viel weniger intensiv als in einer Neonröhre, weil es viel weniger Gas gibt. Bei diesem sehr niedrigen Druck ist es wahrscheinlich, daß ein Teil der Lumineszenz auch von dem Glas der Birne kommt, das mit Elektronen beschossen wird, die bei der Entladung freigesetzt werden.

Die Erregung einer Entladung innerhalb der Birne kann nicht einfach durch einen konstanten Zustand der statischen Ladung auf der Außenseite entstehen, sondern nur durch sehr plötzliche oder hochfrequente Änderungen in diesem Zustand. Folglich wird es sehr von der Art des Reibens abhängen. Von daher wird die schnellstmögliche Annäherung eines geladenen Hartgummistabes keine Wirkung zeitigen, da sie immer noch nicht schnell genug ist. Wahrscheinlich wird Seide den Effekt erzeugen, den richtigen „Ruck“ geben. Terylen [Polyesterfaserstoff] schafft es mit Sicherheit.

Was die Farbe anbetrifft, so wäre die Entladung in der Restluft (hauptsächlich Stickstoff) bläulich, während die Lumineszenz des Glases das bekannte Grasgrün wäre und die allgemeine Wirkung wäre natürlich blaugrün.

Uns sind keine Literaturverweise zu dieser Frage bekannt, aber wir sind uns sicher, daß die einfache Erklärung, die wir gegeben haben, im Großen und Ganzen die richtige ist. Wir wiederholen, daß der Grad des Vakuums den Effekt bestimmen wird, so daß einige gut gemachte moderne Vakuumlampen ihn nur schwer oder gar nicht zeigen könnten.

Kommentar von David Boadella: Die Erklärung wurde eindeutig speziell für die Anfrage entworfen. „Es scheint“, „wir fühlen“, „wahrscheinlich“, „im Großen und Ganzen“, weist auf Schwierigkeiten hin, eine Theorie zu finden, die den Tatsachen entspricht. Man beachte die folgenden Widersprüche: 1. Herr Sayce sagt, daß das Glühen (Entladung) „viel weniger intensiv ist … weil es viel weniger Gas gibt“. Vakuumlampen waren jedoch heller als gasgefüllte Birnen. 2. Herr Sayce deutet an, daß das „bekannte grasgrüne“ Leuchten des Glases intensiver wäre, wenn man den Druck reduziert. Aber sein letzter Satz sagt das Gegenteil: „einige gut gemachte moderne Vakuumlampen könnten es nur schwer oder gar nicht zeigen”.

Wie sanftes Streicheln „sehr plötzliche“ Veränderungen hervorrufen kann, wird nicht gesagt.

 

Literatur

2. Harvey, E. Newton: LIVING LIGHT. Princeton University Press, 1940

 

* Abdruck der Übersetzung aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung des Autors, Dr. Boadella. Der Originalaufsatz „Some Orgonotic Lumination Effects“ findet sich in der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 5 (1958), No. 3, S. 139-150.