Posts Tagged ‘Gesellschaft’

Arbeitsdemokratie und Wille zur Macht

29. September 2026

In Betrieben, Behörden, Kliniken etc. bestimmen nicht die Gesetze der angeblich „natürlichen Arbeitsdemokratie“, sondern die natürlichen Gesetze einer Primatenhorde, in der die nach vorne kommen, die sich am lautesten auf den Brustkorb trommeln und dem Chef am effektivsten in den Arsch kriechen. Wie Primatenforscher zeigen, sind das alles ganz natürliche Verhaltensweisen für die Tiergruppe, zu der auch wir gehören. Auf eine verwickelte Weise ist dieses „natürliche“ Verhalten jedoch ein denkbar unnatürliches, saharia-sisches Verhalten!

Die Bonobos leben eine Affengesellschaft vor, in der diese „natürlichen Anlagen“ energetisch einfach nicht besetzt sind, weil die Gesellschaft durch die ständige genitale Entladung bestimmt wird. Genauso vernünftig sollte auch die menschliche Gesellschaft funktionieren. Daß sie es nicht tut, ist dem saharasia-sischen Einfluß zu schulden.

Meines Erachtens gibt es zwischen Genitalität und Primaten-Machismo einen graduellen Übergang, je nach der Situation. Reich, der „weiche“ Ungepanzerte auf der einen und Reich, der „harte“ „Hecht im Karpfenteich“ und Frauentyp auf der anderen Seite ist dafür das beste Beispiel. Das ist eine Frage der variablen energetischen Ladung.

Was den Erfolg im Leben betrifft gibt es drei Gruppen von Menschen: die pestilenten Arschlöcher, die sich durchsetzen; die kleinen arbeitssamen Männer, die viel leisten, aber trotzdem übersehen werden; und schließlich jene anständigen Menschen, die ebenfalls arbeitssam und ehrlich sind, aber die auch von einem Charisma umgeben sind und entsprechend Erfolg haben. Die pestilenten Psychopathen haben ein ähnliches Charisma, weil sie innerlich tot sind und deshalb Angst, Scham und Schuld kaum kennen. Im Zweifelsfall folgen die Massen ihnen (den Barabassen) und nicht den genitalen Charakteren (Christussen).

Es ist deshalb nur natürlich, daß jene Männer und Frauen die „blenden“ auf deiner Arbeitsstätte und überhaupt in deinem Leben Erfolg haben bzw. hatten. Das ist ein orgonotisches Phänomen. Sie projizieren Lebensdynamik ohne Orgasmusangst zu provozieren; sie fallen auf, werden bevorzugt und haben Erfolg ohne die Panzerung zu gefährden. Kommt es zur Erstrahlung, werden vor allem die sekundären Triebe hervorgekitzelt. Man denke nur an das Dritte Reich oder an den deutschen „Reichianismus“ der letzten Jahrzehnte und dessen groteske Blüten!

Hinter den pestilenten Blendern steckt trotz ihren typischerweise kurzzeitigen Erfolg keinerlei Substanz. Alexander Lowen ist dafür ein gutes Beispiel: von Anfang an wollte er „erstrahlen“, wurde dabei sogar von Reich unterstützt („Ja, ich werde Sie berühmt machen!“) und Lowen hat es auch spektakulär geschafft, aber es steckt nichts, aber auch rein gar nichts dahinter. Ich denke auch an einen deutschen Pseudo-Orgontherapeuten, der mit einem Projekt nach dem anderen reüssierte, um sich dann schließlich zu Tode zu saufen.

Das bringt mich zum Willen zur Macht: Alles ist Willen zur Macht. Das fängt beim Schulhof-Macho an und hört beim therapeutischen Superstar Lowen und Adolf Hitler auf. Aber das ist alles nur Kinderkram, da sich wirkliche Macht an der Zeitdauer zeigt, in der sie wirksam ist. Nietzsche selbst ist dafür das allerbeste Beispiel. Zu Lebzeiten war er, was den Willen zur Macht betrifft, eine Witzblattfigur und eine peinliche Erscheinung. Aber langfristig war sein Einfluß einfach ungeheuerlich: das fängt mit der Psychoanalyse an und hört beim russischen Marxismus und indischen Islam, auf die er merkwürdiger Weise einen großen Einfluß hatte, auf. Woran liegt dieser Erfolg: einfach daran, daß er sich frech in den Vordergrund drängt. Leute, die an Gott glauben, kann man mit Nietzsches Hilfe abkanzeln, aber auch Atheisten: Alles und jedes wird von Nietzsche fertiggemacht und was bleibt ist Nietzsche selbst. Genauso bei Reich, der niemanden neben sich geduldet hat – und auch postmortem niemanden neben sich duldet. Schon gar nicht irgendwelche pestilenten Nullen!

Ein Mensch wie Lowen, oder z.B. Erich Fromm, hat Erfolg, weil er sich mangels Substanz und Eigenständigkeit bei allen einschleimt, aber dieser Erfolg verflüchtigt sich schnell und nichts bleibt. Menschen wie Nietzsche oder Reich haben vergleichsweise wenig Erfolg, aber sie bleiben über ihren Tod hinaus im Geschäft und wachsen schließlich sogar post mortem. Das ist wahrer Wille zur Macht, weil er im Einklang mit dem Lebendigen schlechthin steht.

Dazu kommt etwas, daß auf den ersten Blick geradezu das Gegenteil von „Wille zur Macht“ ist: die GERECHTIGKEIT. Es geht nicht darum irgendeine Phantasiewelt zusammenzubrüten und dann der Welt zu präsentieren. Wirklicher Wille zur Macht zeigt sich daran, der Wirklichkeit gerecht zu werden, wirklich mutig den Fakten zu folgen, wohin sie auch immer führen mögen. Zum Beispiel hat Reich sich immer durch die Klinik und Experimente leiten lassen, auch wenn sie seinen persönlichen Überzeugungen ins Gesicht schlugen. Das ORANUR-Experiment, das einen Großteil seiner vorhergehenden Theorien schlechtweg falsifizierte, ist dafür das beste Beispiel. Wirklicher Wille zur Macht ist also das Gegenteil von selbstherrlicher Willkür, die ein Zeichen von Schwäche ist, wie jeder Psychotiker, der den Napoleon spielt, beweist.

Ähnliches läßt sich zum zwischenmenschlichen Verhalten sagen: wirklicher Wille zur Macht zeigt sich nicht in der Kleinheit des miesen kleinen Dränglers, der überall nach seinem persönlichen Vorteil sucht und überall vordrängelt, sondern er zeigt sich in der Großzügigkeit des Mächtigen, der aus seiner Überfülle gibt. Das bedeutet aber noch lange nicht, daß der Mächtige ein Idiot ist, mit dem man alles machen kann und der sich alles gefallen läßt. Ganz im Gegenteil geht es ja darum, die Welt objektiv und unverzerrt zu betrachten: mit einem ungepanzerten okularen Segment – mit Perspektive, einer souveränen Perspektive.

Reich ist stets sicher seinen Weg gegangen, auch wenn am Anfang wenig objektives Material vorhanden war, auf das er zurückgreifen konnte. Ich denke z.B. daran, wie er bei den elektrodermalen Experimenten „souverän“ über Einwände der Fachleute von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft hinweggegangen ist und stattdessen seiner Intuition vertraut hat. Reich war sich einfach seiner Gefühle und ihrer Objektivität sicher und hat entsprechend selbstbewußt und „rücksichtslos“ sein von Freud ihm unterstelltes „Steckenpferd“ geritten. Leider hat ihn dieses Selbstvertrauen auch manchmal hoffnungslos in die Irre geführt, z.B. was kontaktelektrische Erscheinungen oder geheime angebliche Unterstützer bzw. Feinde betraf.

Wie die Umwelt auf die Orgonomie blickt

27. September 2026

Wie Reich heute gesehen wird? Nicht anders als zu seiner Zeit. Liest man die FBI-Akten über Reich, wird man depressiv. Reich schickt ihnen Material, sie fragen bei der Atomenergie-Kommission AEC („Photoeffekt, Compton-Effekt, Paarbildungseffekt, Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlen, RBW, Gray, Sievert, Bequerel und Röntgentechnik“) und bei der von der Rockefeller Foundation kontrollierten Gesundheitsbehörde FDA nach – und erfahren, daß Reich „Pseudowissenschaft“ betreibt. Er gibt ihnen das Conspiracy-Material und sie schließen, daß die darin dokumentierten Reich-Gegner doch vollkommen recht haben: gefährliche Pseudowissenschaft. Unter jedem Brief, der an Reich ging, als interne Anmerkung: „…pseudo science…mentally unsoud…mental case…“. Er schickt ihnen den Plan für das ORANUR-Experiment zu und ihre einzige Reaktion ist die Nachfrage beim Postministerium, ob das überhaupt rechtens ist, daß eine solche pseudowissenschaftliche Geschäftemacherei-Organisation wie die Wilhelm Reich Foundation über den Postweg für Spenden wirbt.

Und wie sieht es bei den vermeintlichen Gegnern des Systems aus? Wolfgang Rieger im Nachwort zu Wilhelm Burian: Sexualität, Natur, Gesellschaft (Freiburg 1985):

Um den marxistischen Reich (…) gruppieren sich verschiedene Zirkel: die hauptsächlich in Freiburg agierende Marxistisch-Reichistische Initiative und die Wilhelm-Reich-Initiative Berlin. Sie versuchen „die politökonomische Analyse der marxistischen Theorie“ (emotion 1:112) zu erweitern um den von Reich entwickelten (…) Ansatz (…). Bunter wird es, betrachtet man, wer sich auf den späten Reich bezieht. Hierher gehören dann die Reich-Therapeuten: angefangen bei Fritz Perls und Paul Goodman, auf die die Gestalt-Therapie zurückgeht, über Alexander Lowen, den Begründer der Bioenergetik, Dieter Duhm, der in seiner Kommune Rudolf Steiner und Wilhelm Reich zusammenbringen will („Nur wo Hoden, Vaginalwände und Herzmembranen pulsationsfähig sind, kann Lebendiges sich einnisten“), und Otto Mühl, dem aktionistischen Chef der AAO, bis hin zu den zahllosen Heilpraktikern und Therapeuten, die ihre Dienste marktschreierisch anpreisen. Hierher gehören aber auch die Ufologen, Kosmolgen, Esoteriker, Wünschelrutengänger und Schwerkraftforscher, die fleißig Zeitungen, Blätter und Blättchen publizieren mit so kuriosen Titeln wie „Die Wolken sterben“. Darin erinnert ein gewisser Jerome Eden Vergeßliche: „Für regelmäßige orgastische Entladung sorgen!“

Der amerikanische Anthropologe Richard Grossinger schreibt ähnliches in seinem Buch Wege des Heilens (München 1982): Für Reich wären „die Galaxien selbst (…) ungeheure ‚Bestien‘, die sich über Millionen Jahre der Kopulation hingeben, ausgedehnt über das Gewebe von Zeit und Raum, getrennt von uns durch eine bloße Membran, die sich peristaltisch bewegt, uns aber auch mit ihr verbindet.“

So sah es vor 40 Jahren aus, als die Orgonomie eine genauso kurze wie kleine Renaissance erlebte. Danach kam dann die Sache mit dem Orgonit (in Kunstharz eingegossener Elektroschrott), der die gesamte Orgonomie förmlich aufgefressen hat. Interessiert sich heute jemand für Orgon und googelt, wird er vor allem auf Orgonit, Chemtrails und anderen Esoterik-Müll stoßen. Und was Reich selbst betrifft, hassen ihn die Linken, weil er der ultimative genital-normative Denker ist. Die Rechten hassen ihn, weil er irgendwo zwischen Frankfurter Schule, Kinsey und Foucault schweineigelt.

Dem schwarzen Faschisten dringen verzerrte (perverse) Empfindungen aus dem Kern ins Bewußtsein: um den Zwiespalt zwischen gesundem Empfinden und extremer Perversion zu lösen, bekämpft er die letztere in seiner Umwelt als absolute gesetztes Böses („Kommunisten“, „Homosexuelle“, etc.) und verteidigt dagegen verzweifelt Symbole des orgonotischen Kerns („Ehre“, „Reinheit“, „Nation“, etc.). Der Kommunist hat diesen Kontakt (selbst wenn er abstoßend verzerrt ist) vollkommen verloren, so daß bei ihm der Konflikt zwischen der mittleren (asozialen) Schicht und der (pseudosozialen) Oberfläche besteht. Um diesen zu lösen, muß er sich eine verabsolutierte Ideologie zulegen, mit der er mit allem moralischen Elan nach Belieben morden kann. Was also beide soziopolitischen Bastarde der Religion verbindet, ist, daß verzweifelt der Himmel auf Erden erstrebt wird.

Ich kann mich noch gut an die Religion erinnern, in das die Reich-Renaissance eingebettet war, das „New Age“, dessen ideologisches Gebäude sich durch folgendes Kombinationsschema beschreiben läßt (Psychologie heute, Okt. 1985) – das noch heute die Grüne Politik und damit DIE Politik bestimmt:

Alle Worte kann man beliebig miteinander kombinieren, etwa „harmonische Dissipationssynthese“!

In einer Vorlesungsreihe an der Berliner FHW mit dem Titel Wege aus der ökologischen Krise (die im Sommer 1986 Parallel zu den Wilhelm Reich-Vorlesungen der emotion-Redaktion lief) finden wir natürlich „Fritjof Capra’s ‚Wendezeit’“ (für den Reich noch im „alten Paradigma“ befangen ist – da Reich nicht ins obige Verschiebungsschema paßt), „Rationalität und Transzendenz“ sollen verbunden werden, „Wendezeichen“ mehren sich und die Frage „New Age – Post-Moderne – was kommt danach?“ wird beantwortet.

Ich muß da immer an Reichs Blick auf den Nationalsozialismus denken – in dem sich, Reich zufolge, das vegetative Leben seine Bahn brach (Die sexuelle Revolution).

Ähnlich wie der Nazismus ist auch die New-Age-Bewegung wie eine gigantische Organisation aufgezogen. Und genau wie der Nazismus basiert auch diese Bewegung auf einer Hierarchie (…). Die Oberen (…) wissen immer mehr als die einfachen Gefolgsleute. (…) Nazismus und New-Age-Bewegung sind politisch-spirituelle Größen, die auf den gleichen esoterischen Grundlagen basieren (…) Das politische Klima in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg ist vergleichbar mit der heutigen Situation. Die Vereinigten Staaten befinden sich in einer sehr ähnlichen Lage. Seit dem Vietnamkrieg hat sich eine starke Wende zu „Wandervogel“-Ideen und östlichen Mystizismus vollzogen. Die New-Age-Bewegung wie der Nazismus beschreiben den „Weg“ zur Erlangung eines „transzendentalen Bewußtseins“, zur Transformation der Massen durch Einweihung in „Mysterien“. (…) Ein anderer gemeinsamer Punkt (…): „(…) Eine neue Rasse betritt den Planeten. Die herrschende Rasse ist eine sterbende Rasse. das zunehmende Interesse an Psychotechnologien, geistigen Übungen und heiligen Traditionen ist die Offenbarung einer neuen, intelligenten Rasse, die sich unter dem Widerstand der herrschenden Rasse formiert und eine einheitliche planetarische Kultur entwickelt.“ (John White) Hitler sagte fast genau dasselbe. (C.E. Cumbey z.n. H.-J. Ruppert: New Age, Wiesbaden 1985)

Die erwähnten Psychotechniken (Meditation, Reichianische Körpertherapien, etc.) zerstören systematisch das körperliche Orgonfeld und weiten es konfus aus, wobei Autonomie und Willenskraft zerstört wird.

Orgonomische Gesellschaftspolitik

21. September 2026

Am Ende von Reichs soziopolitischer Entwicklung stehen drei Einsichten:

1. Der heilsame Realismus des Konservativen steht auf einem „metaphysischen“ Fundament, das einen fatalen Irrtum verkörpert: dem Glaube an die grundsätzliche Verworfenheit des Menschen, die „Erbsünde“. Deshalb kann man ihnen die „Kinder der Zukunft“ nicht anvertrauen: sie wollen ihnen „das Böse“ austreiben.

2. Sozialismus ist naturwidrig und „krank“; eine psychische und soziale Krankheit, die die Massen immobilisiert. Er macht sie sowohl zu parasitären Tätern (sie sitzen nur da und warten darauf, daß „die Gesellschaft“ sie aus Schuldbewußtsein bedient) als auch zu Opfern von pestilenten Parasiten:

3. Die linken Mundwerker schwadronieren von „Klasseninteressen“, vertreten aber in der Tat nur ihre eigenen „rationalen“ parasitären Interessen (die Ausbeutung der Arbeitsdemokratie), gehen überwiegend jedoch ihren irrationalen Charakterzielen nach (die Zerstörung der Arbeitsdemokratie).

Den Linken kann man erstrecht nicht die „Kinder der Zukunft“ anvertrauen! Heutzutage soll den Kindern „Werte“ vermittelt werden, wobei ihnen jedoch gleichzeitig die Grundlage aller Werte, die Tugenden ausgetrieben werden. Zum Beispiel wird ihnen über die Darstellung der nationalsozialistischen KZs „Toleranz“ nahegebracht – und dabei gleichzeitig alle bürgerlichen Tugenden (z.B. Redlichkeit, Gehorsam, Mut, etc.) als üble „Sekundärtugenden“ denunziert, die die KZs erst ermöglicht hätten. Aus den Kindern werden lebensuntüchtige hohle Schwätzer, dümmliche Besserwisser und anmaßende Steinewerfer gemacht! Es fehlen die biologischen Grundlagen, es fehlt buchstäblich der Kern und die Substanz, also das, was der Konservative „Charakter“ nennt.

Ein anderes Beispiel für den Umgang mit primären und sekundären Trieben ist die Bekämpfung der Kriminalität. Linke argumentieren gegen „autoritäre“ Maßnahmen. Dadurch werde die Kriminalität nur verlagert und anderswo „entladen“. Während der Konservative mit seinem Moralismus dazu tendiert, primäre Triebe wie sekundäre Triebe zu behandeln, ist die mechanistische Sichtweise des Linken genau umgekehrt: er behandelt die sekundären Triebe (in diesem Fall die alltägliche Kleinkriminalität) so, als handele es sich um einen primären Trieb, der in jedem Fall entladen werden müsse. Natürlich ist das Gegenteil der Fall: sekundäre Triebe kann man nicht befriedigen (orgastische Impotenz), vielmehr verstärken sie sich, wenn man sie auslebt („Sucht“). Für derartige bioenergetische Einsichten fehlt dem Linken jedes Organ. Deshalb ist er gesellschaftspolitisch unzurechnungsfähig.

Die desaströsen Folgen dieser Kontaktlosigkeit zeigt beispielhaft die Entwicklungspolitik, welche genau jene mafiösen Regime in der „Dritten Welt“ am Leben erhält, die ihre Länder im Elend halten. Je mehr sie ihre Völker ausplündern, desto mehr Entwicklungshilfe bekommen sie. Verantwortungslosigkeit wird belohnt und auf diese Weise gefördert. Stereotyp fordern die Linken für die Länder der Dritten Welt „Bodenreform“, um den Hunger zu besiegen. Doch die Geschichte des 20. Jahrhunderts hat gezeigt, daß Bodenreform typischerweise (angefangen beim Russischen Reich – einst die Kornkammer Europas, neuerdings in Zimbabwe – einst die Kornkammer Afrikas) zu Hungerkatastrophen und chronischem Mangel führt. Ständig wird nach staatlichen Eingriffen verlangt, um die „Auswüchse des Kapitalismus in der Dritten Welt“ einzuschränken. Schaut man sich das Leben in diesen Ländern aber genauer an, sieht man, daß der Staat durch Mißwirtschaft und Korruption die Gesellschaft systematisch zerstört; eine Gesellschaft, die nur durch die „informelle Wirtschaft“ zusammengehalten wird, also durch einen organisch gewachsenen arbeitsdemokratischen „Ur-Kapitalismus“.

Ausgerechnet die, welche die hirnrissige These vertreten, daß „wir auf Kosten der Dritten Welt leben“, haben nichts als Häme für jene übrig, die befürchten, daß ihnen das weggenommen wird, was die Armutsflüchtlinge an Unterstützung erhalten und an allgemeinen Integrationskosten verursachen. Hilfe für die Dritte Welt soll u.a. darin bestehen, daß wir selbst im Namen der „Solidarität“ so verarmen und durch Massenzuwanderung unser eigenes Boot zum Sinken bringen – auf daß wir selbst Hilfe benötigen. Deutschland hat fast 7 mal so viele Einwohner pro Quadratkilometer als die USA und mit fast 15 Prozent einen absurd hohen Ausländeranteil (die eingebürgerten Paß-„Deutschen“ nicht mitgerechnet!), so daß in den Großstädten die Deutschen in den nächsten Jahren zu einer Minderheit im eigenen Land werden und bis 2050 die Hälfte der deutschen Gesamtbevölkerung „ausgetauscht“ sein wird. Ja, eine rechtradikale Verschwörungstheorie, denn das werden natürlich alles „Deutsche“ sein! Da nur Armutsflüchtlinge ins Land kommen, ist die Arbeitslosenquote bei ihnen doppelt so hoch wie bei den (Paß-) Deutschen. Vollkommen absurd! Glaubt irgendjemand, der auch nur etwas Verstand hat, daß Spitzenkräfte ausgerechnet in die bürokratisierte Steuerhölle Deutschland einwandern wollen?! Ein sozialistisches Land, aus dem Spezialisten reihenweise auswandern! Mal abgesehen davon, was wir den Ursprungsländern antun, wenn wir ihnen die Elite nehmen.

Man betrachte nur die rot-grün regierten Städte: ein Blick in die sozialistische Zukunft! Mit jedem Stadtteil, der umkippt, wird die rot-grüne Dominanz sicherer. Nicht zuletzt durch den Stimmenzuwachs für rechtsradikale Parteien – der den Anlaß für neue „antifaschistische“ Volksfronten liefert. Im rot-grünen Kriminellen-Paradiesen sieht es fast so aus, als wären nicht etwa die Kriminellen das Hauptproblem der Politik, sondern die Polizei, die die „Bürgerrechte“ von Drogendealern gefährdet. Sie werden 30mal gefaßt und immer noch nicht in Haft genommen. Ihnen Brechmittel zu verabreichen, um an die verschluckten Beweise zu gelangen: undenkbar! Schließlich geht es um Bürgerrechte – sagt die Fassade aus „Toleranz, Entspannung und Deeskalation“. Das wirkliche Motiv ist „Emanzipation“, d.h. die Zerstörung der Gesellschaft.

Woher dieser Todestrieb? Ähnlich wie der Schizophrene (okulare Panzerug) im Verlauf der Orgontherapie zu einem stinknormalen Neurotiker (Körperpanzerung) wird, weil die Schizophrenie ein Ergebnis der neurotischen gepanzerten Gesellschaft ist, ist die linke Struktur (okulare Panzerung) aus der konservativen (Körperpanzerung) hervorgegangen – und verwirklicht deren eingangs erwähnten Fluch auf das Leben.

Elsworth F. Bakers Politikanalyse und darüber hinaus

17. März 2026

In den USA sehen wir, viel deutlicher als in Europa, den Unterschied zwischen liberal (linksliberal) und konservativ (rechtsliberal), teilweise bis zur geradezu karikaturhaften Illustration der entsprechenden Ausführungen von Elsworth F. Baker in Der Mensch in der Falle. Die ersteren sind mehr im Kopf gepanzert (intellektuelle Abwehr), die letzteren mehr im Körper (Muskelabwehr). Um das deutlich zu sehen, muß man nur nach Amerika blicken!

In einer einigermaßen intakten Gesellschaft gibt es eine entsprechende Zweiteilung, d.h. ein Zweiparteiensystem mit der Pulsation zwischen liberal (Expansion) und konservativ (Kontraktion). Beide Sichtweisen der Welt sind notwendig, damit die Gesellschaft stabil bleiben bzw. organisch wachsen kann. Regierten immer nur die Liberalen, würde die Gesellschaft sehr schnell ihre Identität verlieren und zerfallen. Bei den Konservativen würde sie stagnieren und wäre ebenfalls dem Untergang geweiht.

Das Fragwürdige an den gegenwärtigen Zuständen im gesamten Westen ist die Tendenz, dieses Zweiparteiensystem aufzulösen. Es entspricht dem anti-autoritären Zerfall der Gesellschaft in lauter „Stämme“, was die Demokratie nachhaltig zerstört. Wenn jedes Sonderinteresse im Parlament eine Gruppierung hat, die nie Verantwortung für das Ganze wird tragen müssen, ist das Endergebnis nicht „mehr Demokratie“, sondern Chaos, das nur in einer Diktatur münden kann.

Außerdem macht sich durch den Koalitionszwang die Politik selbständig, löst sich vollständig vom Wähler und Wahlen werden zur Farce. Ich werde nie vergessen, daß ich vor Jahren in Hamburg explizit die CDU gewählt habe, um Rotgrün zu verhindern. Was bekam ich? Eine schwarzgrüne Senatsmehrheit!

Elsworth F. Baker als Opfer der Emotionellen Pest in der Orgonomie

16. März 2026

Die Emotionelle Pest richtet sich allgemein gegen eine Erregung in der Umwelt, die der emotionell Pestkranke nicht ertragen kann. Das ist etwa so, wie wenn du an einer schwierigen Arbeit sitzt, dich konzentrieren mußt, und dich irgendeine Musik in den Wahnsinn treibt und du dann tatsächlich ausrastest. Das wird meist eine nachvollziehbare und rationale Reaktion auf die Rücksichtslosigkeit deiner Mitmenschen sein. Anders sieht es aus, wenn du aus irgendeiner Frustration heraus überempfindlich bist und selbst rücksichtslos auf Nichtigkeiten reagierst. Diese irrationale Reaktion ist Emotionelle Pest. Unmißverständlich ist es Emotionelle Pest, wenn das ganze mit einer sexuellen Unbefriedigtheit bei dir im Zusammenhang steht. Und ganz spezifisch Emotionelle Pest liegt vor, wenn sich deine Reaktion gegen das Genitalleben anderer richtet. Der krönende Abschluß an Emotioneller Pest ist es schließlich, wenn zu diesem Beginnen die Moral ins Spiel gebracht wird!

Elsworth F. Baker, Jahrgang 1903, war jener Schüler Reichs, dem er seit 1949, als Reich begann von New York City wegzuziehen, um sich ganzjährig in Maine niederzulassen, die Ausbildung zukünftiger medizinischer Orgonomen anvertraute. Eine Aufgabe, der Baker bis zu seinem Tode 1985 nachging. Ein Jahr zuvor verstarb seine Ehefrau Marguerite, die wie er bei Reich in Therapie war und beispielsweise am Projekt „Kinder der Zukunft“ teilgenommen hatte. Die beiden waren seit 1941 verheiratet.

Nun möchte ich auf den Artikel des damals fast 100jährigen Morton Herskowitz „A Refutation of Political Misuses of Reich’s Work“ eingehen, der sehr persönliche Angriffe auf Baker enthält, die neuerdings von Philip Bennett wiederholt wurden (siehe dazu Orgonomische Facebook-Seiten seit der Trump-Wahl (Teil 1)) und allgemein seit nunmehr über 40 Jahren als Klatsch umgehen.

Nachdem er Baker als Rechtsextremisten und „Elitisten“ outet, fährt Herskowitz fort, daß Courtney F. Baker zufolge sein Vater oft log, etwas, was Courtneys Partnerin, die Orgonomin Louisa Lance bestätigt habe. Herkowitz fährt fort: „Einmal nahm ich an einer feierlichen Veranstaltung teil, bei der ein Kollege auf einen jungen Mann hinwies, dessen Bewegungen und Mimik offensichtlich gestört waren. Er erzählte mir, daß der junge Mann der Sohn von Elsworth Baker und einer seiner Patientinnen sei.” Im Klatsch heißt es, daß Baker über viele Jahre eine heimliche Geliebte hatte, eine Beziehung, aus der das besagte Kind hervorging, und daß er dies seiner Familie, d.h. seiner Frau und seinen drei Söhnen gegenüber geheimhielt. Baker, ein Lügner und Betrüger. Ich hätte beinahe geschrieben „typisch AfDler“!

Lassen wir Baker selbst zu Wort kommen. 1979 hielt er vor dem American College of Orgonomy eine Rede, die folgende Sätze enthielt:

Wenn in einer Ehe ein Partner den anderen nicht mehr erregt, ist dies in der Regel dauerhaft, es sei denn, es handelt sich um korrigierbare Faktoren. Im letzteren Fall kann eine kurze Affäre die Ehe wiederherstellen und die beiden einander näher bringen. Im ersten Fall kann die Ehe aufgelöst werden oder als eine Partnerschaft fortgesetzt werden, die in anderer Hinsicht sehr befriedigend ist. Im letzteren Fall kann einer oder beide Partner sexuelle Befriedigung außerhalb der Ehe suchen. Dies sollte mit äußerster Diskretion geschehen. Ich verstehe nicht, warum das so ist, daß einer der Partner aufhört, sich für den anderen zu begeistern, während der andere weiterhin fasziniert ist und immer noch tief verliebt ist.

Es ist nicht immer möglich, einen Partner zu finden, der sowohl die Bedürfnisse nach Gesellschaft als auch nach Sexualität angemessen befriedigen kann. Wenn diese Situation akzeptiert werden kann, sind möglicherweise zwei Partner erforderlich. Gesunde Paare bleiben zusammen und sind treu, solange die Beziehung zufriedenstellend ist. Wenn dies nicht mehr der Fall ist, wird ein neuer Partner gesucht. („On Love“, The Journal of Orgonomy, Volume 14, No. 1, May 1980)

Die besagte „äußerste Diskretion“, also das „Lügen“ und „Täuschen“, das man Baker vorwarf, dient dazu, die Gefühle und Integrität des ursprünglichen, nunmehr rein platonischen Partners zu schützen. Der „äußere Schein“ wird gewahrt. Für Linke, die mangels Kontakt mit dem eigenen bioenergetischen Kern von unverarbeiteter Schuld zerfressen sind und ihre Erlösung in „der Gesellschaft“, im Kollektiv, „der Gerechtigkeit“ und in einem „ehrlichen Miteinander“, also ihrer Ersatzreligion, suchen, ist ein solches Verhalten eines „selbstsüchtigen“ konservativen Charakters absolut unerträglich. Ein Sakrileg! Daß sie das alles einen feuchten Kehricht angeht und… Ich habe mir wahrhaftig nie Illusionen über die Abgründe der „gutbürgerlichen“ Welt gemacht, aber nichts stößt mich mehr ab, als dieser linke ersatzreligiöse Moralismus, dieses Gutmenschentum, die angeblich ethische Überlegenheit – dieses diametrale Gegenteil von genitaler Liebe. Ich verweise zurück auf den Anfangsparagraphen und den verlinkten Blogeintrag!

Warum Peter den Westen abgeschrieben hat

2. November 2025

Im gegenwärtigen schuldenbasierten Kapitalismus bauen wir die Zukunft, indem wir sozusagen – bei der Zukunft schuldenmachen. Ich bekomme von der Bank Geld, „investiere in die Zukunft“, indem ich mir etwa eine Würstchenbude und deren Ersteinrichtung kaufe, und zahle dann den Kredit plus Zinsen mit den Einnahmen des Würstchenverkaufs zurück. Das ganze System beruht auf Zuversicht und Optimismus, denn ansonsten würde weder ich noch mein Kreditgeber dieses Risiko auf sich nehmen. Es basiert auf bioenergetischer Expansion und genau das ist das Element, das das System instabil macht. Erstens gründet es auf fragiler Psychologie, besser gesagt auf hochempfindlichen Emotionen. Beispielsweise macht es etwas mit Geschäftsleuten, wenn sie auf dem Frankfurter Hauptbahnhof ankommen und angesichts des „Stadtbildes“ und Schießereien im Einkaufzentrum schon innerlich Abstand nehmen: „Vergiß es!“ Und zweitens ist die Inflation, die schleichende Entwertung des Geldes, ins expansive System eingebaut, womit zumindest tendenziell jedwede vernünftige Zukunftsplanung untergraben wird. Der Geldgeber bekommt eine Geldsumme zurück, die nichts mehr wert ist und meine Kunden können sich schlichtweg keine im Grunde überflüssigen Würstchen am Straßenrand mehr leisten. Das System implodiert in einer scharfen Kontraktion, es kommt zu einer extremen krampfartigen Verstärkung der gesellschaftlichen Panzerung und ein schwarz- bzw. rotfaschistisches Regime bildet sich aus.

Die Ökonomie funktioniert hier ähnlich wie die Sexualökonomie: Paarbindung beruht buchstäblich auf geweiteten Pupillen, d.h. wenn wir uns verlieben, sehen wir das Gegenüber wie mit einem Weichzeichner und in rosarotem Licht. Außenstehende fragen sich dann: „Was findet die bloß an dem?!“ Im Laufe der Zeit und unter dem Druck des ernüchternden gemeinsamen Alltags sehen wir schließlich schärfer und – stellen uns schließlich die gleiche Frage. Beziehungen kollabieren und wenn Kinder und gemeinsames Wohneigentum im Spiel sind: absolute Katastrophe! Keine Gesellschaft kann diese ständigen destabilisierenden Mikroimplosionen überleben, allein schon weil in solchen zerbröselnden Familien alle Kinder als neurotische Wracks aufwachsen. Deshalb gab es in traditionellen Gesellschaften, die durch ihre bloße Existenz gerechtfertigt waren, ein Element jenseits individueller Emotionen: den gesellschaftliche Verbund. Man war als Paar eingebunden, so wie ein Stein in ein Mauerwerk eingebunden ist. Man hat sich entsprechend „zusammengerissen“ und miteinander „arrangiert“. Manchmal war das die Hölle auf Erden, aber im Durchschnitt waren die Menschen sicherlich glücklicher als heute, wo die Gesellschaft einzig und allein nur noch funktioniert, weil die vereinsamten und in ihrem Selbstwertgefühl fundamental verunsicherten Menschen durch Psychopharmaka ruhiggestellt werden, sonst wäre die Zombieapokalypse schon längst eingetreten!

Die BRICS-Staaten gehen gegenwärtig den Weg einer Rückabwicklung der aus dem Ruder geratenen sexuellen Revolution, was einhergeht mit einer zum Goldstandard zurückkehrenden stabileren Ökonomie. Von daher der alle Grenzen sprengende Haß des Finanzkapitals und seiner woken Speichellecker gegen Putin und Rußland!

Ist diese Entwicklung begrüßenswert? Abstrakt kommt die Schulden-Ökonomie und die „freie Liebe“ sowohl der Arbeitsdemokratie (autonom funktionierendes Gewebe gegenseitiger Verpflichtungen) als auch der Sexualökonomie (individuelle Autonomie in Liebesdingen) noch am nächsten, aber konkret haben wir es hier mit einer in jeder Hinsicht gescheiterten und gegenwärtig rasant auf eine finale Katastrophe zusteuernde biologische Revolution zu tun, die nichts als das Nichts hinterlassen wird.

Was ist „LSR“?

24. Oktober 2025

Auf diesem Blog ist ständig von Bernd A. Laskas „LSR“ die Rede. Was soll das „an sich“ sein, jenseits von „LaMettrie plus Stirner plus Reich“?

Zunächst sind die Besonderheiten der drei Protagonisten nur Beiwerk. Beispielsweise hat LSR weder etwas mit „dem Menschen als Descartes’sche Maschine“ noch mit der Überwindung dieser Maschine durch irgendwelche drogeninduzierten Zauberwelten zu tun. Auch nichts damit, daß man nach Stirner vermeint alles als „bloßen Spuk“ abtun zu können, etwa seine nationale Herkunft oder gar sein Geschlecht. Von Reichs Entwicklung nach 1927 und selbst seinen psychoanalytischen Beiträgen brauchen wir gar nicht erst anfangen!

Was zum Geier bleibt dann von den drei Namensgebern des LSR-Projekts? Die Antwort haben ausgerechnet die Feinde und falschen Freunde von LaMettrie, Stirner und Reich (neuerdings auch von Laska!) tausendfach gegeben! Mit traumwandlerischer Sicherheit sind sie dem Kern von LSR ausgewichen und haben ihn dergestalt erst kenntlich gemacht: als weißen Fleck auf einem sonst von Ausweichmanövern geschwärzten Blatt Papier. Der Kern ist das, wovor heute auch die Rezipienten Laskas absolut panisch fliehen.

Dieses geheimnisvolle Etwas brachte Reich am besten in seiner Autobiographie zum Ausdruck: kein anderes Element seiner Theorie habe seine „Arbeit und Existenz derart gefährdet, wie (…) die Behauptung, daß Selbststeuerung möglich, natürlich vorhanden und allgemein durchführbar ist“ (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 141).

Die Selbststeuerung ist eine Utopie, die allein schon deshalb verwirklichbar ist, weil sie, wie die Arbeitsdemokratie im Kollektiv und die Genitalität im Individuum, stets untergründig gegenwärtig ist mit jedem Arbeitsschritt und mit jedem Herzschlag. Nicht nur das: diese „Theorie“ ist absolut alternativlos, denn „die moralische Regulierung des Trieblebens (schafft) gerade das, was sie bändigen zu können vorgibt: das asoziale Triebleben“ (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 43, Hervorhebung hinzugefügt).

Das ist der denkbar radikalste Angriff auf die Grundfesten der Gesellschaft und die Abwehrmechanismen, den „Charakter“, jedes einzelne Individuum in ihr. Es ist, als würde man einem eingebildeten Krüppel, der weitaus besser ohne verkrüppelnde Hilfsmittel gehen könnte, androhen, ihm die Krücken wegzutreten! Sein mörderischer moralisch indignierter Haß wird grenzenlos sein! Die Wahrheit ist derartig brutal beängstigend, daß sie folgenlos verpufft, wenn „die Krüppel“ (die Menschen) nicht dazu gebracht werden, sie sich selbst zu erschließen, indem sie ihrer Abwehrmechanismen gewahr werden. Genau das war Laskas LSR-Projekt.

Es ist kaum zu glauben, mit was für aberwitzigen Widerständen man zu ringen hat, wenn man versucht, Laskas Arbeit fortzuführen. Das reicht von Sabotage durch Leute, die gestern noch Feuer und Flamme waren, und geht bis hin zur „Transzendierung“ und vermeintlichen Überwindung des Projekts. Die Panik ist greifbar und sie endet letztendlich immer entweder im Selbstmord oder im Mord. Nicht zuletzt deshalb nimmt Laskas Übersetzung von Reichs Christusmord so eine zentrale Stelle in seinem Lebenswerk ein. Das Buch wird nächstes Jahr in einer von ihm selbst anläßlich des 100sten Geburtstags 1997 umfassend verbesserten Version seiner Originalübersetzung von 1977 im Psychosozial-Verlag erscheinen.

Wilhelm Reich, DIE SEXUELLE REVOLUTION, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt, DM 25,80 [ca. 1966]

27. September 2025

Wilhelm Reich, DIE SEXUELLE REVOLUTION, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt, DM 25,80 [ca. 1966]

Max Stirner, Soter (Teil 29, Abschluß der Blogserie)

22. September 2025

Stirner zeigt, daß man in dieser Gesellschaft zwar urteilen und kritisieren darf, aber nur vom Standpunkt der „Liebe“ aus, d.h. voll Respekt vor der „Heiligkeit“ der Sache oder der Person. Aber genauso wie Urteile aus Haß, „gehässige Urteile“, Urteile des uns beherrschenden Hasses sind, sind auch Urteile, die uns die Liebe eingibt, gar nicht unsere eigenen Urteile.

Gegen die Welt, besonders gegen die Menschen, soll Ich eine bestimmte Empfindung annehmen, und ihnen von Anfang an mit der Empfindung der Liebe, „mit Liebe entgegenkommen“. Freilich offenbart sich hierin weit mehr Willkür und Selbstbestimmung, als wenn Ich Mich durch die Welt von allen möglichen Empfindungen bestürmen lasse und den krausesten, zufälligsten Eindrücken ausgesetzt bleibe. Ich gehe vielmehr an sie mit einer vorgefaßten Empfindung, gleichsam einem Vorurteil und einer vorgefaßten Meinung; Ich habe mein Verhalten gegen sie Mir im voraus vorgezeichnet, und fühle und denke trotz all ihrer Anfechtungen nur so über sie, wie Ich zu fühlen einmal entschlossen bin. Wider die Herrschaft der Welt sichere Ich Mich durch den Grundsatz der Liebe; denn was auch kommen mag, Ich – liebe. Das Häßliche z.B. macht auf Mich einen widerwärtigen Eindruck; allein, entschlossen zu lieben, bewältigte Ich diesen Eindruck, wie jede Antipathie

Aber die Empfindung, zu welcher Ich Mich von haus aus determiniert und – verurteilt habe, ist eben eine bornierte Empfindung, weil sie eine prädestinierte ist, von welcher Ich selber nicht loskommen oder Mich loszusagen vermag. Weil vorgefaßt, ist sie ein Vorurteil. Ich zeige Mich nicht mehr gegenüber der Welt, sondern meine Liebe zeigt sich. Zwar beherrscht die Welt Mich nicht, desto unabwendbarer aber beherrscht Mich der Geist der Liebe. Ich habe die Welt überwunden, um ein Sklave dieses Geistes zu werden. (Der Einzige, S. 329f)

Es geht um eine „freiwillige“, um eine „eigene“ Liebe, gegen eine „zinspflichtige“ Liebe, die man als „Tribut“ entrichten muß (Der Einzige, S. 341).

Bereits auf der ersten Seite seines Buches (Der Einzige, S. 3) wird deutlich, daß Stirner imgrunde dasselbe sagt, was Reich mit anderen Worten und Akzenten 100 Jahre später in Christusmord sagen wird: wenn Wahrheit und Liebe nicht meine Sache sind, sondern eine „höhere Sache“, sind es eben nicht Wahrheit und Liebe – sondern das Gegenteil.

Jahrtausende der Kultur haben Euch verdunkelt, was Ihr seid, haben Euch glauben gemacht, Ihr seiet keine Egoisten, sondern zu Idealisten („guten Menschen“) berufen. Schüttelt das ab! (…) Erkennet Euch nur wieder, erkennet nur, was Ihr wirklich seid, und laßt eure heuchlerischen Bestrebungen fahren, eure törichte Sucht, etwas Anderes zu sein, als Ihr seid. Heuchlerisch nenne Ich jene, weil Ihr doch alle diese Jahrtausende Egoisten geblieben seid, aber schlafende, sich selbst betrügende, verrückte Egoisten, (…) Ihr Selbstpeiniger. (Der Einzige, S. 181)

Das Streben nach „Freiheiten“ ist „hohle Theorie“, wirkliche Praxis beginnt nicht mit der Frage nach irgendwelchen Träumen und Vorstellungen, sondern bei der Frage nach sich selbst. Sie beginnt damit, daß man sich selbst ganz und gar zum Mittelpunkt und Ausgangspunkt macht (Der Einzige, S. 177). „Genug, es ist ein mächtiger Unterschied, ob Ich Mich zum Ausgangs‘ oder zum Zielpunkte mache. Als letzteren habe Ich Mich nicht, bin Mir mithin noch fremd, bin mein Wesen, mein ‚wahres Wesen‘, und dieses Mir fremde ‚wahre Wesen‘ wird als ein Spuk von tausenderlei Namen sein Gespött mit Mir treiben. Weil Ich noch nicht Ich bin, so ist ein Anderer (wie Gott, der wahre Mensch, der wahrhaft Fromme, der Vernünftige, der Freie usw.) Ich, mein Ich“ (Der Einzige, S. 368). „Ich bin Ich, und Du bist Ich, aber Ich bin nicht dieses gedachte Ich, sondern dieses Ich, worin Wir alle gleich sind, ist nur mein Gedanke. Ich bin Mensch und Du bist Mensch, aber ‚Mensch‘ ist nur ein Gedanke, eine Allgemeinheit; weder Ich noch Du sind sagbar. Wir sind unaussprechlich, weil nur Gedanken sagbar sind und im Sagen bestehen“ (Der Einzige, S. 348).

Warum ausschließlich das AMERICAN COLLEGE OF ORGONOMY? (Teil 1)

11. September 2025

Die Orgonomie ist eine Wissenschaft und von daher weder an Institutionen noch an irgendwelche akademischen Titel oder Diplome gebunden. Reich hat aber auch eine psychotherapeutische Schule begründet, die Biopsychiatrie. Und hier ist es nicht anders als etwa bei Autowerkstätten, wo man ja auch nicht zu beliebigen Leuten hingeht, die „sich irgendwie mit Autos auskennen“, sondern sich ausschließlich an lizensierte Meisterbetriebe wendet, um etwa das Bremssystem überprüfen oder gar richten zu lassen. Da gibt es zwar auch keine hundertprozentige Garantie, daß alles richtig gemacht wird, aber immerhin wird die Fahrt von der Werkstatt zurück nach Hause nicht zu einem unkalkulierbaren Himmelfahrtskommando.

Als Reich sich kurz vor dem ORANUR-Experiment dafür entschied, seine Aktivitäten ganz nach Orgonon zu verlagern und sich auf die naturwissenschaftliche Forschung zu konzentrieren, gab er die Verantwortung für die Ausbildung in Orgontherapie aus der Hand und übertrug sie seinem Schüler Elsworth F. Baker, der diese Funktion ununterbrochen bis zu seinem Tod 1985 ausübte, die zu diesem Zeitpunkt an Charles Konia überging. Reich wählte Baker, der 1968 mit seinen mittlerweile ausgebildeten Schülern das „Amerikanische Kollegium der Orgonomie“ gründen sollte, aus, weil er als einziger von Reichs Schülern ausgebildeter Psychiater in gehobener Position war und eine fundierte psychoanalytische Ausbildung abgeschlossen hatte, so daß seine Hinwendung zur Orgontherapie Hand und Fuß und vor allem Gewicht hatte. Er verzichtete auf eine bequeme Karriere im medizinischen Establishment! Außerdem betrachtete Reich ihn von seiner Charakterstruktur her am geeignetsten. Am bemerkenswertesten war wohl Bakers vollkommen freies Augensegment.

Reich selbst hatte die Orgontherapie erst vor kurzem entwickelt. Tatsächlich erschien die Beschreibung der sieben Panzersegmente erst in der dritten amerikanischen Ausgabe der Charakteranalyse 1949! Entsprechend hatte Reich, der selbst noch „im Schwimmen war“, seine Schüler nie sonderlich gründlich ausgebildet. Das beste Beispiel ist Baker selbst, dem Reich 1946 bereits nach sechs Wochen seiner eigenen Therapie erlaubte, selbst Patienten orgontherapeutisch zu behandeln. Das waren sozusagen die wilden Jahre der Orgonomie; genauso wie noch Anfang der 1920er Jahre, als Reich als Therapeut anfing, die sich immer noch formierende Psychoanalyse nach wie vor sich in ihren „wilden Jahren“ befand und von geregelter psychoanalytischer Ausbildung keine Rede sein konnte. Hier ist Reich selbst das beste Beispiel! Das änderte sich erst im Verlauf der 1920er Jahre, nicht zuletzt aufgrund der Arbeit Reichs am „technischen Seminar“ in Wien.

Ob in den „wilden Jahren“ der Psychoanalyse (etwa 1900 bis 1925) und der Orgonomie (etwa 1935 bis 1950) wirklich kompetente Therapeuten ausgebildet wurden, war mehr oder weniger Glückssache, zumal während dieser Zeiten jeweils teilweise sogar Nichtmediziner zugelassen wurden. Noch heute hat man ab und an mit mittlerweile sehr alten Orgontherapie-Patienten zu tun, die manchmal ziemlich konfus wirken, so als sei zwar ihr Biosystem dramatisch „aktiviert“, dabei jedoch vor allem das Augensegment sträflich vernachlässigt worden, da ihre „Orgontherapeuten“ nicht wirklich wußten, was sie taten. Wahrscheinlich waren diese Patienten auch falsch, wenn überhaupt, biopsychiatrisch diagnostiziert und entsprechend in einen Zustand allgemeiner bioenergetischer Konfusion versetzt worden.

Bis heute ist am American College of Orgonomy das Feintuning in Sachen Diagnose und Therapie nicht abgeschlossen. Beispielsweise wurde immer deutlicher, daß die Diagnose einer „Schizophrenie“ (im biopsychiatrischen Sinne, nicht im Sinne der mechanistischen Psychiatrie!) weitaus häufiger angebracht ist, als noch zu Bakers Zeiten angenommen. Hinzu kommt der grundlegende Wandel von der autoritären zur antiautoritären Gesellschaft, die heute eine ganz andere orgontherapeutische Herangehensweise verlangt als noch bis in die 1980er Jahre hinein.

Es ist der reine Horror, daß es heute, teilweise sogar mehr denn je, Individuen und sogar ganze vermeintlich „orgonomische“ Organisationen gibt, die immer noch so agieren, als wäre die Orgonomie nach wie vor in ihren „wilden Zeiten“ und als könne man Patienten nach dem überkommenen Schema F behandeln. Resultat können bestenfalls immer neue Patientengenerationen sein, die einfach „daneben“ sind, einem ständig auf die Nerven gehen, sich aber einbilden „durchtherapiert“ zu sein, weil sie innerlich irgendwelche aufregenden Erlebnisse verbuchen können. Einen richtigen Orgontherapie-Patienten erkennt man an seinen freien, tiefen Augen, seiner unprätentiösen Lebendigkeit und seiner, im besten Sinne des Wortes, „Normalität“. Er kann„versprechen, d.h. bioenergetische Spannung aushalten und deshalb in den Bereichen Liebe, Arbeit und Wissen seinen individuellen Möglichkeiten entsprechend produktiv ein. Er ist ein „Mensch“ im Sinne des Jiddischen, kein „bioenergetischer Freak“!

Im Jiddischen bezeichnet das Wort „Mensch“ eine Person von Integrität, Ehre, Anstand und noblem Charakter, d.h. eine Person, die nachgeahmt werden sollte. Ein „echter Mensch“ ist jemand, der mit Ehrlichkeit handelt, Respekt zeigt, Mitgefühl hat und das Richtige tut, auch wenn es ihm Nachteile bringt. Mit anderen Worten: er ist das exakte Gegenteil des Kleinen Mannes!