Archive for Mai 2012

Die bioenergetischen Grundlagen der gegenwärtigen Sozialpolitik, Psychiatrie und Schulmedizin (Teil 2)

29. Mai 2012

In der gegenwärtigen Gesellschaft stellt sich die Situation grundsätzlich wie folgt dar:

Im ersten Funktionsschema wird beschrieben, wie die biologische Energie aufgrund der gesellschaftlichen, muskulären und „psychischen“ Panzerung (e) mit sich selbst in Konflikt gerät (b gegen a). Beispielsweise wird in der Gesellschaft gegen „unpassende“ Triebe (a) die Moral (b) mobilisiert, die aber schließlich immer mit phallischen oder analen Sadismus (d) einhergeht. Es ist schließlich immer ein: „Ich FICK dich!“ bzw. „Ich SCHEISS auf dich!“ Wenn die Leute die Kontrolle verlieren, sagen sie charakteristischerweise immer so etwas. Dieser Impuls, etwa „Polizeibrutalität“, muß wiederum gebremst werden (wieder b‘ gegen a‘), was, in diesem Beispiel, zu ungeheuerlichen Ungerechtigkeiten Polizeibeamten gegenüber führt, und immer so weiter, bis alles hoffnungslos verfahren ist.

Für die individuelle Charakterstruktur hier ein konkretes Beispiel, wie sich so etwas Schicht auf Schicht von unten nach oben fortsetzt:

Was den somatischen Bereich anbetrifft: gegen das Symptom (a) wird das Medikament (b) gerichtet, was unvermeidlich zu Nebenwirkungen (d) führt, die gegebenenfalls wieder als Symptome bekämpft werden müssen (a‘). Als Netzeffekt wird letztendlich die Energie gedrosselt (e), was, wie in Teil 1 dieses Blogeintrags dargestellt, zu einem einigermaßen stabilen Zustand führt („neurotisches Gleichgewicht“).

Die Orgonomie geht anders vor. Sie gibt den primären Trieben Raum, so daß sich, wie im zweiten Funktionsschema, der eine Trieb (b) nicht mehr gegen den anderen Trieb (a) richten muß, ohne daß es zu einer Katastrophe kommt. Insbesondere Sexualität (a) und Arbeit (b) haben abwechselnd ihren Platz im Leben.

Deshalb liegt auch ein erfülltes Sexual- und Arbeitsleben nicht etwa am Ende einer Orgontherapie, wie mystische „Reichianer“ glauben, sondern am Anfang. Das bedeutet, daß der Orgontherapeut, soweit er diese Bezeichnung verdient, alles tut, um den Patienten zu einem besseren, funktionelleren Leben zu ermutigen. Das gleiche gilt auch für den sozialen und den somatischen Bereich: Lebe jetzt, hoffe nicht auf mystische Weise auf eine zukünftige „Arbeitsdemokratie“ oder „Gesundheit“, sondern tue jetzt und hier alles, damit Demokratie, Produktivität, Lebensfreude und Gesundheit sich entfalten können. Lebe deine primären Triebe aus.

Das erklärt auch, warum die diversen „Reichianischen“ Therapien, inklusive mancher angeblicher „Orgontherapie“, vollständig nutzlos sind. Auch die grandiosen „Reichianischen“ Gesellschaftsentwürfe, egal ob Marxistisch geprägt oder nicht, sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Es ist alles purer Mystizismus! Entweder lebt man jetzt ein funktionelles Leben oder nie. Das ist Therapie und sonst nichts, das ist „gesellschaftliches Engagement“ und sonst nichts. Die Arbeitsdemokratie fängt jetzt an oder nie. „Der Weg ist das Ziel!“ Deshalb habe ich mich auch so maßlos über das Antifa-Arschloch aufgeregt. Durch eine einzige Geste hat er bewiesen, daß alles, was er vertritt, nichts weiter als eine dreckige, verkommene Lüge ist und alle seine Aktivitäten nur dazu dienen, uns noch weiter und diesmal vielleicht endgültig im Wirrwarr der Panzerung gefangen zu halten.

Die bioenergetischen Grundlagen der gegenwärtigen Sozialpolitik, Psychiatrie und Schulmedizin (Teil 1)

28. Mai 2012

Wie bereits in dem Blogeintrag Ein orgonomisch-funktionalistischer Blick auf den Strafvollzug erwähnt, beruht jedes neurotische Symptom auf einem Versagen der Panzerung. Das ist so im sozialen Bereich (Beispiel Kriminalität), im psychischen Bereich (Beispiel Panikattacke) und im somatischen Bereich (Beispiel Rückenschmerzen). Selbstverständlich bezieht sich das alles ausschließlich auf soziale, psychische und somatische Biopathien, nicht etwa auf Kriminalität aufgrund objektiver sozialer Chancenlosigkeit oder weil imgrunde rationales Verhalten kriminalisiert wird, nicht auf Erbkrankheiten, Krankheiten infolge von Vergiftungserscheinungen, Unfälle, Infektionen, etc.

Reich zufolge erfolgt Heilung, indem den Symptomen die Energie entzogen wird. Diese geregelte Energieökonomie ist wiederum nur durch Auflösung der Panzerung möglich. Deshalb ist Gesundheit funktionell identisch mit orgastischer Potenz. Die konventionelle Herangehensweise ist in jeder Hinsicht naheliegender: die Panzerung versagt, folglich muß sie verstärkt werden. Auf gesellschaftlicher und individualpsychologischer Ebene werden neue Regeln aufgestellt bzw. alten Regeln Nachdruck verliehen, während in der Medizin Symptome medikamentös unterdrückt werden.

Einer der Hauptmechanismen, die zur Anwendung kommen, ist die Kontrolle der Atmung. Das neurotische Gleichgewicht ganzer Kulturen beruht darauf, insbesondere das Indiens.

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Wie in Psychischer Kontakt und vegetative Strömung erläutert, geht die Wirkung von Psychopharmaka weitestgehend auf eine chemisch induzierte Atemsperre zurück oder das Erregungsniveau wird auf andere Weise gesenkt. Das Gehirn wird dann nicht mehr von überbordenden Erregungen in Verwirrung gestürzt bzw. von „depressiogenen Gedanken“ oder Zwangsgedanken überflutet.

Unser gesamtes gesellschaftliches System beruht darauf, daß auf ein Versagen der Panzerung mit zusätzlicher Panzerung, sozusagen „nachgeschobener Panzerung“ reagiert wird. Das ist nicht in jedem Fall zu verurteilen, denn wie anders etwa mit Triebmördern umgehen, als sie webzusperren? Was bleibt einem Psychiater anderes übrig, als einen unter unerträglichen Panikattacken leiden Patienten die entsprechenden Medikamente zu verschreiben und/oder ihn gegebenenfalls in eine Verhaltenstherapie zu schicken? Welche andere Alternative hat ein Hausarzt, als die störenden Symptome seiner Patienten sozusagen zu „kupieren“?

Realistisch betrachtet gibt es meist keine Alternative, allenfalls könnten in ferner Zukunft diese mechanistischen Maßnahmen durch funktionelle Interventionen weitgehend verdrängt werden, wie ich sie beispielsweise hier und hier beschrieben habe.

Problem ist auch, daß nicht zwischen primären und sekundären Trieben unterschieden wird. Es gibt viele Menschen, die nichts im Gefängnis verloren haben, weil ihre Straftaten Folge davon waren, daß sie einfach ihren natürlichen Instinkten gefolgt sind. Reich erwähnt in diesem Zusammenhang angebliche „Sexualstraftaten“ von Jugendlichen. Ein weiteres Beispiel wäre m.E. Strafen für Leute, die angeblich den Notwehrparagraphen mißbraucht haben.

Was die Medizin betrifft, werden heute ganz normale Verhaltensweisen pathologisiert. Man denke etwa daran, daß „hyperaktive“ Kinder mit der Droge Ritalin ruhiggestellt werden, so als wäre es die natürlichste Sache der Welt, daß Kleinkinder den ganzen Tag bewegungslos rumsitzen. Ganz ähnlich sieht es in der Praxis des Allgemeinmediziners aus, der den Körper medikamentös ruhigstellt, wenn dieser gegen unerträgliche Lebensumstände mit den entsprechenden somatischen Symptomen – imgrunde vollkommen gesund, nämlich realitätsgerecht reagiert.

Auffallend ist, daß in der modernen antiautoritären Gesellschaft die Pathologie immer weiter zuzunehmen scheint. Die Kriminalität ist dermaßen angestiegen, daß Dinge, wegen denen man früher noch zur Polizei gegangen ist, heute mit einem Achselzucken hingenommen werden. Immer mehr Menschen sind manifest psychisch auffallend. Der Verbrauch von Psychopharmaka und illegalen Drogen ist dermaßen angestiegen, daß wir es mittlerweile mit einem veritablen Umweltproblem zu tun haben. Auch körperlich scheint es den Menschen immer schlechter zu gehen. Ein Land voller Halb- und Vollinvaliden!

Diesen auffälligen Wandel kann man mit folgenden Funktionsschemata erklären:

Das erste Funktionsschema beschreibt die alte, autoritäre Gesellschaft und den individuellen Organismus im neurotischen Gleichgewicht. Die nach außen drängenden Antriebe (a) werden von den abwehrenden Antrieben (b) in Schach gehalten. Resultat ist eine Affektsperre (c). Selbstverständlich hat es nie eine solche Gesellschaft und solche Individuen gegeben, aber die sprichwörtliche „Adenauerära“ und beispielsweise der gegenwärtige Papst kommen diesem „Ideal“ ziemlich nahe – solange man nicht genauer hinschaut.

Bei der heutigen, der antiautoritären Gesellschaft und ihren Gliedern braucht man nicht genauer hinschauen. Wie im zweiten Funktionsschema dargestellt, versagt die Abwehr (b) auf ganzer Linie und es kommt wie eingangs beschrieben zum Durchbruch aller möglichen und „unmöglichen“ Symptome (d). Man braucht nur mit offenen Augen durch die Stadt gehen: ein Irrenhaus, lauter Psychos und Hypochonder. Das ist so, weil im Verlauf der gescheiterten „sexuellen Revolution“, d.h. seit etwa 1960, es zu einer chaotischen Auflockerung der gesellschaftlichen und individuellen Panzerung gekommen ist. Energien, die früher in traditionellen Verhaltensregeln, im „Konservatismus“ der Gesellschaft und der Individuen, gebunden waren, treten als bizarre Symptome in Erscheinung.

Wie Wilhelm Reich von der Nachwelt betrogen wurde

27. Mai 2012

Reichs Hoffnung für die Zukunft war, daß die Panzerung der Menschen, d.h. das einzige Problem, das die Menschheit hat (andere, wirkliche Probleme ließen sich ohne dieses Scheinproblem leicht lösen), durch drei Mechanismen sich nach und nach aufweiche und schließlich weitgehend auflöse. Der Grad der Bedeutung, den er den Mechanismen jeweils zuschrieb, änderte sich im Laufe der Zeit. Es sind:

  1. Die „sexuelle Revolution“, d.h. eine grundlegende Änderung der gesellschaftlichen Atmosphäre. Das sexuelle Lebensglück, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, würde nicht mehr im Namen der „Moral“ bekämpft oder im Namen der „Vernunft“ geduldet, sondern aktiv geschützt und gefördert werden. Dieser grundlegende Wandel hätte Auswirkungen auf die Charakterstruktur der einzelnen Gesellschaftsglieder und es käme in einem sich selbstverstärkenden und selbsterhaltenden Regelkreis zu einer wahrhaftigen „biologischen Revolution“, d.h. an die Stelle des gepanzerten Menschen träte schließlich ein vollkommen neues Wesen, der ungepanzerte Mensch.
  2. Im Projekt „Kinder der Zukunft“ ist das Augenmerk weniger auf die Sexualökonomie, d.h. die „erste Pubertät“ („Ödipuskomplex“) und die „zweite Pubertät“ (Geschlechtsreife) gerichtet, sondern auf Schwangerschaft, Geburt und Säuglingsalter. Man würde, praktisch vom Zeitpunkt der Empfängnis an, alles dafür tun, daß der Mensch keine Panzerung ausbildet. Da dies mit jeder Generation besser gelinge (die „Kinder der Zukunft“ haben selber Kinder), wäre die Menschheit nach wenigen Generationen befreit.
  3. Die Erforschung des Orgons verlange vom Menschen anders zu fühlen und zu denken: ungepanzert zu fühlen und zu denken (Orgonometrie). Dieser objektive Druck würde im Laufe der Zeit die Subjekte entsprechend weicher und „durchlässiger“ machen, d.h. eben die Panzerung verschwinden lassen. Eine Gesellschaft, die von der Orgonenergie so bestimmt wäre, wie die heutige von der Elektrizität, würde sich automatisch selbst entpanzern.

Abgesehen von hoffnungsvollen Einzelerscheinungen hat sich auf breiter gesellschaftlicher Ebene keine dieser drei Hoffnungen bewahrheitet. In vieler Hinsicht ist es sogar schlimmer geworden!

  1. Die „sexuelle Revolution“ war eine einzige Katastrophe aus (zu einem Gutteil drogeninduzierter) Kontaktlosigkeit und Oberflächlichkeit. Statt sich dem bioenergetischen Kern zu nähern, flüchteten die Menschen immer mehr in die oberflächliche soziale Fassade. Sexualität wird zunehmend reduziert auf „Performance“ und vor allem auf die Frage, was das soziale Umfeld „dazu sagt“. Bei Jugendlichen geht es immer weniger um Gefühle als vielmehr um das „Image“ und narzißtische Befriedigung. Die über das Internet überall und jederzeit abrufbare Pornographie und nicht zuletzt eine immer mechanistischer und „verkopfter“ werdende Sexologie tun ein Übriges. Darüberhinaus sind Reichs sexualökonomische Anschauungen aus Sicht der Political Correctness moralisch verwerflich. In dieser Hinsicht ist die antisexuelle Moral vielleicht stärker als jemals zuvor.
  2. Die aktuelle Diskussion um die Säuglingsbetreuung zeigt, daß wir den Kampf auf ganzer Linie verloren haben. Es fängt mit der künstlichen Befruchtung an, wo gegebenenfalls vorher eingefrorene Spermien und Eizellen in orgonotisch toten Reagenzgläsern miteinander vermischt werden, um dann in einer Gebärmutter heranzureifen, die vielleicht nicht ohne Grund zuvor „steril“ war. Künstliche Gebärmütter sind mittlerweile mehr als bloße Science Fiction. Immer mehr Kinder kommen per Kaiserschnitt zur Welt und auch sonst wird das gesamte perinatale und Säuglingsleben nach allen möglichen Interessen, außer den biologischen Bedürfnissen des Kindes ausgerichtet.
  3. Der eigentliche Verrat ereignete sich aber an Reichs größter Hoffnung: er habe „Gott“ mit der Entdeckung des Orgons greifbar gemacht und damit sowohl dem Mystizismus, als auch selbstredend dem Mechanismus den Todesstoß versetzt. Stattdessen haben zwei an sich gegnerische Fraktionen, die Spökenkicker und die Skeptiker, Reichs Entdeckung in die Zange genommen und so gut wie vernichtet. Das Orgon wurde zunehmend zu nichts anderem als eine neue Art von „Prana“ oder „Qi“, d.h. zu einem Vehikel, um extrem lebensfeindliche mystische Ideologien „wissenschaftlich“ zu untermauern. Die Proponenten sprechen dabei jeweils von einer „Weiterentwicklung“ des Reichschen Paradigmas und beklagen sich heftigst über „orthodoxe Reichianer“. Unvermittelt muß sich unsereiner mit C.G. Jung, Swami Durcheinanda und gechannelten Botschaften von Erzengel Achwasel herumplagen. Ein gefundenes Fressen für die mechanistischen Sektierer. Der Heidelberger Soziologe Edgar Wunder hat die bizarre Welt des „Skeptizismus“ ausführlich analysiert: Das Skeptiker-Syndrom: Zur Mentalität der GWUP.

Um das ganze übersichtlich zu halten, habe ich bisher einen vierten Punkt ausgelassen: Reich hoffte, durch eine „Entpanzerung der Erdatmosphäre“ langfristig auch die Menschen entpanzern zu können. Wenn der „DOR-Panzer“, der den Globus umschließt, mit Cloudbustern aufgebrochen und die übererregte ORANUR-Atmosphäre abgemildert werden könnte, würden auch die Erdbewohner „weicher“ werden.

Derartige Vorstellungen waren der ultimative Beweis, daß Reich in seinen letzten Jahren verrückt geworden ist. Entsprechend wurden seine apokalyptischen Warnungen nicht etwa nur überhört, sondern erst gar nicht wahrgenommen. Im letzten halben Jahrhundert haben wir entsprechend wirklich alles getan, um diesen Planeten in eine DOR- und ORANUR-Hölle zu verwandeln. Der letzte Streich waren die bioenergetisch hochtoxischen „Energiesparlampen“. Zu allem Überfluß kam es in den letzten Jahren zu einer atemberaubenden Explosion des Gebrauchs von „Croft-Cloudbustern“, mit denen „Chemtrails“ bekämpft werden sollen. Tatsächlich wird flächendeckend das Orgonenergie-Feld der Erde in einen künstlichen Expansionszustand versetzt („blauer Himmel“), der sie langfristig abtötet. Es ist ungefähr so wie die Zwangsgabe von Speed oder Kokain: das Opfer wird energetischer, leistungsfähiger, in jeder Beziehung mehr „high“ – und gleichzeitig mechanischer, kontaktloser und schon bald kommt das böse erwachen. Siehe dazu meine Ausführungen über den Kult der Expansion.

Wie zum Hohn werde ich dann auch noch allen Ernstes gefragt, warum ich so verbittert, aggressiv und voller Haß bin!

Was tun? Dazu muß erst einmal die Frage beantwortet sein, was eigentlich geschehen ist. Warum haben sich Reichs Hoffnungen nicht materialisieren können? Seit 1960 hat sich die Gesellschaft grundlegend geändert: aus einer autoritären, „kontraktiven“ wurde eine antiautoritäre, bioenergetisch überexpansive Gesellschaft. Das bedeutet, daß sich die Menschen weiter von ihrem biologischen Kern entfernt haben. Aus der mystifizierten Traum von „der großen Liebe“ wurde ein stupider mechanischer Akt, der Mensch wurde zu einer von der DNA gesteuerten bionischen Maschine und das, was an bioenergetischem Kontakt übrigblieb (denn schließlich sind wir keine bionischen Maschinen), wurde zu einem Mystizismus neuer Prägung. Diese neue Art von „Spiritualität“ ist verkopft, kompliziert und vor allem wirr (im Gegensatz zu genuiner, „bauchgesteuerter“ Mystik).

Wir haben es also mit einem imgrunde soziologischen Problem zu tun. Ein Ansatz, den Charles Konia verfolgt, auf dessen Blog ich nur immer wieder hinweisen kann. Hier sein neuster Beitrag: Communism/Socialism Is A Cancer Of The Social Body.

Tatsächlich vertritt Konia den fünften Ansatz Reichs zur Herstellung einer besseren Zukunft für die Menschheit: die Sozialpsychiatrie. Ich bin darauf an anderer Stelle eingegangen. Dieser Ansatz wurde vielleicht am gründlichsten und vor allem systematisch zerstört durch all den freudo-marxistischen Mumpitz, der seit „1968“ von „Reichianern“ verzapft wurde. Ihre hochintellektuellen Elaborate füllen mittlerweile ganze Bibliotheken! Sie haben den Kampf gegen die „autoritäre Gesellschaft“ immer weiter verschärft.

Das Geheimnis der Rothschilds

25. Mai 2012

In dem Film Little Big Man gibt es einen lustigen Nebenplot, in dem ein Indianer, Younger Bear, zu Tode beleidigt ist, weil ihm der Titelheld das Leben gerettet hat. Younger Bear ist jetzt nämlich auf ewig in dessen Schuld. Younger Bear schuldet ihm ein Leben!

Das Leben der „Naturmenschen“ war tatsächlich alles andere als streßfrei, denn innerhalb der Clans, vor allem aber zwischen den Clans und Stämmen, wurde der soziale Zusammenhalt durch Geschenke aufrechterhalten, die nach einer größeren Gegengabe in absehbarer Zukunft verlangten.

Noch heute kennt jeder das Gefühl der Beschämung, wenn man von Leuten beschenkt wird, für die man alles andere als freundschaftliche Gefühle hegt. Trotzdem wurde mit dem Geschenk ein Band etabliert, dem man sich kaum mehr entziehen kann. Genau auf diese Weise werden Gesellschaften zusammengehalten. Keine Gesellschaft, selbst wenn sie ungepanzert wäre, könnte nach dem Prinzip „Seid nett zueinander!“ lange bestehen, denn Antipathie ist die natürlichste Sache der Welt. Man braucht sich nur das Verhalten unter Pferden im Stall und auf der Weide ansehen: spontan bilden sich lebenslange Freundschaften und Feindschaften. Auf derartige unkontrollierbare Gefühle können Menschen keine Arbeitsdemokratie aufbauen!

Was die Arbeitsdemokratie zusammenhält wird durch folgende Gleichung dargestellt:

Schon vor Jahrtausenden hat dieser Herzschlag arbeitsdemokratische Beziehungen über ganze Kontinente hinweg zusammengehalten. Ein gigantisches, ständig von neuem geflochtenes Gewebe aus Beziehungen zwischen Leuten, die sich teilweise nur vom Namen her kannten.

Bis heute durchdringt dieser Pulsschlag unser Leben. Am klarsten und grundlegendsten im Kreditwesen. Vom Kreditgeber erhalten jene Geld, die es nach menschlichem Ermessen mit Kredit zurückzahlen können. Es kann in diesem Zusammenhang nichts Destruktiveres geben, als Geld auf Grund von Sympathie, gar „Liebe“, zu verleihen. Nicht nur, daß es dem Kreditnehmer extrem schadet, wenn er Geld aufnimmt, daß er nie zurückzahlen kann, – geschädigt werden auch die, die genau diesen Kredit beantragt hatten, aber zurückgewiesen wurden, weil dem Kreditgeber ihre Nase nicht gepaßt hat. Im Kreditwesen geht es wirklich nur um eins: Kann der Kreditnehmer den Kredit plus den Zins abarbeiten? Der kluge Kreditgeber wird ihn in dieser Hinsicht beraten und unterstützen.

Drei Aspekte sind bemerkenswert:

  1. Arbeitsdemokratie ist inhärent internationalistisch. Sie sprengt die familiären und nationalen Bande, sieht vollkommen von der Person ab. Beispielsweise ist es heute so, daß Rotchina, in jeder Hinsicht der Todfeind der USA, als Kreditgeber alles daran setzen muß, daß sich Amerika wirtschaftlich gut entwickelt. Ideologien und irgendwelche „geopolitischen“ Überlegungen (Stammesdenken) werden so bis zur Bedeutungslosigkeit zurückgedrängt. Die beiden Weltkriege und der Kalte Krieg waren nur möglich, weil sich Deutschland und Rußland dem kapitalistischen Weltsystem entziehen wollten.
  2. Wie Robert Harman dargelegt hat, ist das Wesen der physikalischen Größe „Zeit“ für die Ökonomie von alles entscheidender Bedeutung („Practical Functional Economics (Part II)“, Journal of Orgonomy, 44/2, Fall 2010/Winter 2011). Man nehme einen Bauern, der Feldfrüchte gegen Fische tauscht, die ein Nachbar geangelt hat. In diesem einfachen Tausch spielt der Faktor Zeit so gut wie gar keine Rolle. Ähnlich ist es, wenn wir im Laden etwas einkaufen. Ganz anders ist es bei Kreditgeschäften. Hier wird eine Beziehung gebildet, die theoretisch über Jahrzehnte, ja sogar über Generationen hinweg, andauern kann. Es kommen Aspekte ins Spiel wie wachsende bioenergetische Erregung und vor allem die Grundeigenschaft der Orgonenergie: das orgonomische Potential. Durch die Kreditvergabe werden Dinge, orgonotische Funktionen, in Bewegung gesetzt, die beim einfachen Tauschhandel nie und nimmer aufgekommen wären. Und genau das rechtfertigt letztendlich den Zins.
  3. Der Orgonenergie-Metabolismus im Kapitalismus ist funktionell identisch mit der Funktion des Orgasmus:

Das Brechreiz erregende Geschwafel über „Judenbanken“, „internationales Finanzjudentum“ und „Zinsknechtschaft“ entspricht einem krankhaft verzerrten Erahnen dieser Zusammenhänge. Die religiös bedingte Ausgrenzung der Juden, die sie zu Fremden im eigenen Land machte, das Fernhalten vom unmittelbaren Austausch („Feldfrucht gegen Fisch“), ihre Abdrängen in den überregionalen Handel (Beispielsweise der Handel mit Pferden) und nicht zuletzt das Zinsverbot für Christen, dem sie nicht unterlagen, machten sie zu idealen Wegbereitern des modernen Kapitalismus.

Der fiese Judenhaß bei Nationalsozialisten und anderen Sozialisten geht auf einen tiefsitzenden Horror vor bioenergetischer Erregung zurück. Die fast schon sprichwörtlichen „Rothschilds“ sollten statt dessen als Menschheitsheroen verehrt werden, denn ohne visionäre Bankiers wie sie, könnten wir heute nicht sieben Milliarden Menschen auf einem vor nicht allzulanger Zeit undenkbar hohen Niveau am Leben erhalten.

Siehe auch meine Ausführungen über den Antisemitismus (drei Teile).

The Journal of Orgonomy (Vol. 24, No. 1, May 1990)

24. Mai 2012

Reichs ursprüngliche Theorie der Leukämie war, daß sich als Antwort auf die krebsige T-Reaktion die Weißen Blutkörperchen im Übermaß entwickeln (Der Krebs, Fischer-TB, S. 246f). Man spricht ja auch von einer „autoimmunen Leukämie“. Nach Reichs neuerer Theorie sind die Leukämie-Zellen genauso Neuschöpfungen wie alle anderen Krebszellen auch („The Leukemia Problem: Approach“, Orgone Energy Bulletin, 3(2), April 1951, S.76-80).

Auf jeden Fall sind zunächst nicht die Weißen Blutkörperchen von der Krankheit betroffen, sondern die Roten, zumal es ja auch eine „aleukämische Leukämie“ gibt, bei der keine Leukämiezellen im Blut nachweißbar sind. Die kranken Roten Blutkörperchen provozieren das kanzeröse Wachstum der Weißen Blutkörperchen. Bei Leukämie sehen die Roten Blutkörperchen extrem überladen aus, so als hätten sie „Fieber“. Sie zerfallen jedoch schnell in T-Bazillen (ebd.). Siehe auch Chester M. Raphael: „DOR Sickness – A Review of Reichs Findings“, CORE, 7(1,2), March 1955, S. 20-28.

Der deutsche Orgonom Walter Hoppe führt zur Leukämie aus:

Die Entstehung des Blutkrebses der Leukämie bedarf noch genauerer Erforschung. Nach orgonomischer Auffassung ist die Leukämie nicht eine Erkrankung des weißen, sondern des roten Blutsystems. Die Leukozytose hat hierbei die Funktion der Abwehr der Erkrankung im roten Blutsystem. Die Erythrozyten erweisen sich als bioenergetisch überladen. Sie zeigen einen stark leuchtenden Rand und sind im Zentrum vielfach rötlich. Beim Autoklavieren werden die Erythrozyten stark geschwächt, was mit der gleichzeitigen bioenergetischen Überladung in einem Widerspruch zu stehen scheint. Doch mag sich dieser Widerspruch auflösen, wenn man an das hohe Fieber bei einer Sepsis oder schweren Infektion denkt. In diesem Zusammenhang mag es von Interesse sein, daß die Hiroshimabombe zahlreiche Leukämien zur Folge hatte. Bei dem sogenannten Oranurexperiment, des Zusammenstoßes von kleinsten Radiummengen mit hochkonzentrierter Orgonenergie, wird die Orgonenergie der Atmosphäre übererregt und läuft Amok. Das Radium der Atombombe ruft offenbar in der Atmosphäre die entsprechenden Wirkungen hervor. Diese Übererregung teilt sich wie beim Oranurexperiment den lebenden Organismen mit und bringt das rote Blutsystem zum Überladen von Bioenergie bei gleichzeitiger Schwächung. Das Entstehen von Leukämien infolge starker Radioaktivität wird damit verständlich. (Biopsychische und biophysische Krebsentstehung im Lichte der Orgonomie & Die Behandlung eines malignen Melanoms mit Orgonenergie, Kurt Nane Jürgenson, Broschüre o.J.)

Richard A. Blasband, Roseann Cappella, Peter A. Crist, Steve Dunlap, Alberto Foglia, Charles Konia, Eva Reich, John Schleining führen in „Radiation Victims and the Reich Blood Test“ (S. 13-25) aus, wie die Roten Blutkörperchen auf ORANUR reagieren:

Oben wird gezeigt, wie das gesunde Rote Blutkörperchen in physiologischer Kochsalzlösung zunächst unter dem Mikroskop aussieht (a) und wie nach einigen Minuten, wenn der bionöse Zerfall einsetzt (b). Das gesunde Rote Blutkörperchen hat ein starkes blaues Orgonenergie-Feld, der Rand ist wohldefiniert und dick, das Zentrum ist bläulich. Insgesamt vermittelt das Rote Blutkörperchen einen dreidimensionalen, „prallen“ Eindruck. Das ORANUR-geschädigte, „leukämie-ähnliche“ Rote Blutkörperchen (c) hingegen ist flach, hat einen verhältnismäßig schmalen Rand, es leuchtet stark und das Zentrum ist rötlich. Energetisch schwache Rote Blutkörperchen (d), wie sie insbesondere bei Krebspatienten anzutreffen sind, zerfallen sehr schnell in Bione und Bion-Bildung findet sich auch im Zentrum des Roten Blutkörperchens.

Reich hatte nach dem ORANUR-Experiment beobachtet, daß infolge der atmosphärischen ORANUR-Reaktion die Bluttests allgemein länger dauerten. Wegen der ORANUR-bedingten unnatürlichen Überladung der Roten Blutkörperchen verlief ihr bionöser Zerfall langsamer. Nach Reichs Tod hat sich dieser Trend generell bestätigt. Was die Forschergruppe nicht bestätigt fand, war die rötliche Färbung der ORANUR-geschädigten Roten Blutkörperchen. Aber das kann damit zusammenhängen, daß Reich die rezente Einwirkung von ORANUR untersuchte, während die Forschergruppe Strahlenopfer vor sich hatte, deren Exposition länger zurücklag.

Insgesamt wurde bei 34 Strahlenopfern, darunter 8, die an Krebs erkrankt waren, und an 21 normalen Testpersonen der Reich-Bluttest durchgeführt. Das Ergebnis zeigt folgende Graphik:

Bei normalen Menschen zerfallen die Roten Blutkörperchen am langsamsten, bei Krebskranken extrem schnell (imgrunde beginnt der Zerfall bereits im Körper!). Man beachte auch, daß bei den ORANUR-Kranken, der Zerfall ungefähr auf dem gleichen Niveau wie bei Normalen beginnt, dann aber rapide ansteigt und sich dem Niveau der Krebskranken angleicht, was Reichs Beschreibung von „Blutkrebs“ (Leukämie) entspricht.

Peter erklärt abschließend die letzten Fragen von Leben und Tod

23. Mai 2012

Das Gefühl, daß es Totes überhaupt gibt, ist ein typisches Artefakt Saharasias. James DeMeo legt nahe, daß jede übermäßige Beschäftigung mit einem „Leben nach dem Tode“ mit der Verwüstung und der mit ihr zusammenfallenden alltäglichen Bedrohung des Lebens verbunden sein könnte (On the Origin and Diffusion of Patrism: The Saharasia Connection, University of Kansas, 1986, S. 326). Man denke auch an den mittelalterlichen Todeskult im Anschluß an die Pest. In Saharasia bildete sich die Vorstellung aus, der Lebensfunke sei von toter, feindlicher Materie eingeschlossen, die ihn zu ersticken drohe. Demgegenüber ist für die vorsaharasischen Animisten (und auch für „vorsaharasische“ Kinder) jede einzelne Sache von einer Seele erfüllt, sogar nichtlebende Dinge wie Felsen und auch Produkte der menschlichen Arbeit. Für Reich war diese animistische Weltanschauung noch die weiteste Annäherung an den orgonomischen Funktionalismus.

Als Saharasia sich entwickelte und ausbreitete, schwächte sich diese „Weltanschauung“ langsam ab und „schrumpfte“ in ihrer geographischen Ausbreitung und in ihrem Inhalt, bis nur noch der Mensch eine Seele hatte und schließlich sogar dieses letzte Rückzugsgebiet des Lebensfunkens von der mechanistischen Wissenschaft gestrichen wurde. Tatsächlich hatte Saharasia und die mechanistische Wissenschaft recht, da der Mensch ebensowenig eine „unsterbliche Seele“ hat, wie ein Haustier, ein Stein oder ein Stuhl – aber…

Mich hat es von jeher fasziniert und war ein beunruhigendes existentielles Rätsel für mich, daß ich ganz unwillkürlich solch leblosen Dingen wie Cartoons (z.B. Bart Simpson) oder mechanischen Werkzeugen (wie z.B. meinem alten ramponierten Fahrrad) eine eigene Seele verpasse. Das gleiche trifft auf Haustiere, Neugeborene, Erwachsene und – auf meine eigene Person zu, die ich wahrnehme. Dieser universelle Animismus scheint eine anthropologische Konstante zu sein, über die wir nicht hinauskönnen. Er scheint der rationale emotionale Kern jedes Mystizismus des „Geistes“ zu sein, von der unsterblichen Seele hier drinnen bis zum personalen Gott dort oben. Dieser allgegenwärtige Mechanismus, der selbst Bart Simpson eine Seele verleiht, zeigt, mir zumindest, abschließend, daß es keine Substanz, keine Essenz in religiösen und mystischen Konzepten gibt. Sie sind ein künstliches Produkt unseres Wahrnehmungsprozesses. Dinge zu sehen, ist immer funktionell damit identisch, ihnen eine „Seele“ zu verleihen. Wir leben und können deshalb Totes gar nicht sehen!

Dieser Animismus ist jedoch nicht nur ein „solipsistisches“ Phänomen, sondern Fortführung des universellen Schöpfungsprozesses der Natur selbst. In Die kosmische Überlagerung beschreibt Reich, daß jede Art von Sein, von himmelsmechanischen bis hinab zu biologischen Systemen, aus einer spezifischen Bewegungsfigur der Orgonenergie-Ströme hervorgeht, die kreisförmig in sich zurückfließt und so erst Kontinuität und Identität konstituiert, wo es in Wirklichkeit überhaupt kein verharrendes „Sein“ gibt. Wie Nietzsche sagt: „Daß Alles wiederkehrt, ist die extremste Annäherung einer Welt des Werdens an die des Seins“ (Studienausgabe, Bd. 12, S. 312). Zum Beispiel beruht Leben auf Pulsation und zyklisch in sich abgeschlossener Bewegung („der Kreislauf“), auf der ständigen Wiederkehr des Gleichen; wenn es statt dessen nur eine kontinuierliche, offene Fließbewegung gäbe, dann würde es kein „beharrendes“ Leben geben. Nichtsdestoweniger ist auf dem Grund des Lebens einfach keine beharrende Substanz vorhanden, es ist alles nur Bewegung – wie uns der Tod zeigt.

Die „unsterbliche Seele“ des Menschen ist nichts anderes als die verzerrte Wahrnehmung dieses Etwas, das die Zeit und das Vergehen unterläuft: die orgonotische Pulsation, ohne die es kein im ständigen Fließgleichgewicht beharrendes Leben geben könnte. Darauf beruht auch unser Geist, der aus einer Welt, in der alles in stetigem Wandel ist, eine Welt der Ewigen Wiederkehr macht, z.B. bewegen wir uns zwischen Bäumen, so als gäbe es „den Baum“ als platonische Idee, der wir ständig von neuem begegnen. Würden wir in der wirklichen, nichtplatonischen Welt leben und jeden „Baum“ als das unverwechselbare Einzelding sehen, das er ist und auf den wir uns immer wieder von neuem individuell einstellen müßten, wären wir ohne jede Orientierung dem Fluß der Erscheinungen ausgeliefert und würden kaum einen Tag überleben. Von vornherein hätten wir kein Bewußtsein, wenn wir den objektiven Fluß und das Vergehen einfach widerstandslos akzeptieren würden. Wie erwähnt kann es deshalb keine objektive, passive „nichtschöpferische“ Wahrnehmung geben, sondern nur den aktiven kreativen Prozeß der Beseelung. Wir sind alle „Idealisten“, ob wir es wollen oder nicht. (Für den lebensfeindlichen Buddhisten ist dieser Mechanismus der Ursprung allen Leidens.)

Wie gesagt ist diese schöpferische Funktion, die der Wahrnehmung wesenseigen ist, auch im Wahrgenommenen selbst enthalten, genauso wie Bart Simpson seine Seele nicht nur vom Betrachter her hat, sondern auch von seinem Schöpfer am Zeichentisch. Da alles auf der pulsatorischen Bewegung beruht, die überlagernd in sich selbst zurückfließt, kann man wahrhaftig sagen, daß nicht nur die Produkte unseres Geistes, sondern alles virtuell ist, eine bloße Simulation von Beharrung. Man muß nur seinen eigenen handfesten Körper betrachten, der in Wirklichkeit ein veränderlicher Prozeß ist und kein inertes Ding, wie z.B. ein Leichnam. Und selbst die tote Materie der Leiche wäre kein fixes Etwas, wenn man die quantenmechanische Realität der Atome betrachtet: „Teilchen“, die aus nichts weiter bestehen als aus Wahrscheinlichkeit ohne jede zugrundeliegende Substanz. Gewöhnlicherweise betrachten wir nur die „virtuellen“ Welten unseres Bewußtseins und unserer Vorstellungskraft als Simulationen, doch in Wirklichkeit gibt es keine solchen Grenzen, sondern nur sozusagen „Grade der Virtualität“. Die einzige „wirkliche Wirklichkeit“ ist die sich ständig in Bewegung befindende kosmische Orgonenergie als der schöpferische Urquell aller Simulation.

Ein kultureller Ausdruck dieser orgonenergetischen Simulation von Beharrung ist die Magie im besonderen und die Religion im allgemeinen. Bronislaw Malinowski hat bei den Trobriandern eine strenge Trennung zwischen Magie und Wissenschaft gefunden. Beispielsweise beim Schiffsbau wird ganz rational wissenschaftlich vorgegangen, was streng getrennt ist von der Magie, die nur zur Geltung kommt, wenn etwas wissenschaftlich nicht beeinflußbares betroffen ist (z.B. das Wetter), d.h. mit der Ausweitung der Wissenschaft verschwindet langsam alle Magie. Dabei ist Wissenschaft, die ja Voraussage der Zukunft ist, vielleicht auch nichts anderes als besonders wirksame „Magie“.

Menschen wie die Trobriander, die zumindest nicht weniger rational sind als wir, benutzen also Magie nur dort, wo sie mit dem Unvorhersehbaren konfrontiert sind, das sie nicht praktisch handhaben können. Vor allem Naturkatastrophen, die die jahreszeitliche beständige Wiederkehr des Gleichen aufbrechen und zu verheerenden Hungerkatastrophen führen können. In primitiven Analogien denkend versuchen die Trobriander durch monotone Rezitationen und Rituale die reguläre „monotone“ Abfolge der Jahreszeiten, die ewige Wiederkehr des Gleichen, „das Sein“ aufrechtzuerhalten. Ein anderes Beispiel für das Aufbrechen des natürlichen Rhythmus ist der Tod – und bei diesem Problem verwandelt sich Magie in Religion. Das Leben (d.h. die Simulation von Beharrung durch Pulsation) kann den Tod nicht akzeptieren und simuliert so das Leben bis über den Tod hinaus.

Der gepanzerte NACHRICHTENBRIEF

21. Mai 2012

Was ist gesellschaftliche Panzerung? Panzerung bedeutet schlichtweg Bewegungslosigkeit („0“), die dadurch entsteht, daß ein Impuls („-1“) sich gegen einen anderen Impuls („1“) richtet: 1 + (-1) = 0. In Demokratien kann man das sehr schön beobachten, wenn wunderbarerweise stets etwa 50% für fortschrittliche („1“) und 50% für rückschrittliche („-1“) Parteien stimmen. Die Kräfte in gepanzerten Gesellschaften gleichen sich immer ungefähr so aus, daß die Bewegung annähernd gleich Null ist. Für die Bewegungslosigkeit sorgen Diskussionen und Debatten, die nicht etwa das Ziel haben, irgendwo hinzuführen, sondern die Gleichung „1 + (-1) = 0“ immer wieder von neuem herzustellen. All die Scheinbewegung dient nur dem einen Zweck jede wirkliche Bewegung zu verhindern.

Das gleiche kann man hier im Blog beobachten. Die einfachste und deshalb beliebteste Art die Erregung zu unterbinden, die die Darstellung bioenergetischer Themen generiert, sind Kommentare, die entweder logisch nicht nachvollziehbar sind, teilweise überhaupt keinen Sinn machen, oder die wie gemacht sind, um Verwirrung zu stiften und die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken.

Die zweite Herangehensweise ist das altbekannte „demokratische“ Spiel. Reich hat immer wieder darauf hingewiesen, daß es zu einer gegebenen grundlegenden, d.h. „bioenergetischen“ Sachfrage immer nur eine und zwar nur diese eine einzig richtige Antwort gibt. Man kann ebensowenig darüber „diskutieren“, ob der Mensch Vitamin C zu seinem Überleben braucht, wie man darüber „diskutieren“ kann, ob Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben sollen, ihre Sexualität altersgerecht auszuleben. Heute wäre eine solche „Diskussion“ absurder denn je.

Man nehme beispielsweise meine Ausführungen über behinderte Kinder: tut alles, um dieses Elend zu verhindern, und tut gleichzeitig alles, um das existierende Elend so klein wie möglich zu halten, d.h. behandelt Behinderte mit Liebe und vor allem mit Respekt. Es war einfach nur ein schlechter Witz, als daraufhin allen Ernstes in Abrede gestellt wurde, daß Trisomi wirklich so schlimm ist. Dagegen wurde dann, bezugnehmend auf meine Bewunderung für Menschen, die sich für Behinderte aufopfern, von „Mißgeburten“ gesprochen. Die gesellschaftliche Panzerung war wiederhergestellt und darüber hinaus hatten beide Parteien einen Anlaß gefunden, den Blog empört über den „Nazi“ Peter Nasselstein, bzw. voll Verachtung für das „sentimentale Weichei“ Peter Nasselstein, zu verlassen.

Das ist im Kleinen ein Beispiel dafür, wie sich die menschliche Gesellschaft selbst zugrunderichtet. Eine andere Illustration wäre die Auseinandersetzung über Homosexualität: Verhindert diese psychische Erkrankung und behandelt die Erkrankten mit Respekt und Mitmenschlichkeit. Ende der Diskussion!

Leider muß sich die Orgonomie ständig von neuem in einer durch und durch irrationalen Welt positionieren. Reich selbst fand sich in eine Welt versetzt, die von reaktionären, lebensfeindlichen Moralvorstellungen, Standesdünkel und ökonomischem Massenelend bestimmt war. Kein Wunder, daß er anfangs alle Hoffnung in den Kommunismus setzte. Als es in den 1950er Jahren bekundete, nie ein Kommunist gewesen zu sein, wurde und wird ihm das als Opportunismus und/oder nachträgliche Harmonisierung eines widersprüchlichen Lebenslaufs angekreidet. Tatsächlich hatte er Ende der 1920er und Anfang der 1930er nur das getan, was damals aus bioenergetischer Sicht nahegelegen hatte.

Es soll sich niemand wundern, wenn heute, wo es sich mit den Gegebenheiten geradezu diametral gegensätzlich verhält, die Orgonomie Dinge vertritt, die Reich damals bekämpft hat. Heute ist die Gesellschaft im Bereich der Sexualität nicht etwa restriktiv, sondern bis zum Exzeß permissiv und das Elend ist nicht mehr ökonomischer, sondern ausschließlich „psychischer“ Natur. Die Orgonomie ist beweglich und kann sich den Gegebenheiten anpassen. Zu Zeiten Hitlers stand sie bei den Kommunisten, zu Zeiten Obamas bei den Rechtskonservativen. Morgen wird sie wieder ganz woanders stehen. Der „Reichianer“ kommt da nicht mit, weil er in seiner Charakterpanzerung gefangen ist und entsprechend seine „feste Einstellung“ hat, die er in sogenannten „Diskussionen“ vertritt. Daß solche „Diskussionen“ nirgends hinführen und auch von vornherein nirgends hinführen können, ist selbstevident.

Unten (1) wird gezeigt, wie die gesellschaftlichen Kräfte gegeneinander gerichtet sind, um eine „gesellschaftliche Affektstarre“ aufrechtzuerhalten, welche wir als „Demokratie“ bezeichnen, die aber tatsächlich nur eine formelle Demokratie ist, eine bloße Scheindemokratie. Eine solche Gesellschaft ist von Stillstand und Erstarrung geprägt. In einer Gesellschaft, in der die gesellschaftlichen Kräfte nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten (2), kommt es hingegen zu einer stetigen Weiterentwicklung und Anpassung an sich verändernde Umstände.

Das depressive Gesicht mechanistisch und funktionell betrachtet

20. Mai 2012

Ich habe bereits davon berichtet, daß die Gesichtslähmung mit Botulinumtoxin teilweise dramatische Folgen zeitigt. Folgen, die m.W. kein mechanistischer Wissenschaftler vorausgesehen hat.

Die Stimmung eines Menschen erkennen wir in erster Linie an seinem Gesicht. Depressionen sind geradezu ins Gesicht gemeißelt. Für die mechanistische Wissenschaft, die in Begriffen von Wirkung (Ursache und Effekt) und Rückwirkung denkt, sollte es deshalb alles andere als absurd sein, daß die Lähmung der sorgenvoll verkrampften Gesichtsmuskultur auch umgekehrt auf den Affekt wirkt.

Vor kurzem wurde eine Doppelblindstudie an 30 Patienten durchgeführt, die an einer Major Depression litten, die sich durch die Standardbehandlung noch nicht gebessert hatte. Bei den Patienten, denen Botox in die Region zwischen den Augenbrauen gespritzt wurde, kam es zu einer Verbesserung auf der Hamilton Depression Rating Scale von 47,1 Prozent, bei der Placebogruppe von nur 9,2 Prozent. Ein noch größerer Effekt stellte sich heraus, als man die Patienten nach 16 Wochen erneut untersuchte. Ähnliches zeigte sich im Beck Depression Inventory und der Clinical Global Impression Scale, die den klinischen Gesamtzustand erfaßt.

Die Forscher haben hier etwas nachvollzogen, was Reich bereits in den 1930er Jahren erfaßt hatte: Muskel- und Charakterpanzerung sind funktionell identisch. Man kann mittels „Körpertherapie“ die Seele heilen. Und man kann mit Hilfe von Psychotherapie körperliche Leiden abbauen, wenn sich nach Lösung der inneren Konflikte Muskeln nicht mehr „sorgenvoll“ verkrampfen müssen. Weit effektiver und sicherer ist es jedoch, aus diesem mechanistischen System von Ursache und Wirkung auszubrechen und die Funktionen anzugehen, die sowohl dem Muskel- als auch dem Charakterpanzer zugrundeliegen. Dann geht es um die Befreiung der Lebensenergie aus festgefahrenen Bahnen. Konkret handelt es sich um eine Befreiung des lebendigen Ausdrucks, also in vieler Hinsicht dem Gegenteil der „Totenmaske“, in die Botox das Gesicht verwandelt.

Eine psychische Störung wie Major Depression ist nicht einfach nur „Pathologie“, die man „wegspritzen“ könnte, sondern imgrunde ein vollkommen natürlicher Ausdruck, der jedoch übertrieben, isoliert und festgefahren ist. In der Orgontherapie gilt es diese Blockade in der „Ausdruckssprache des Lebendigen“ zu lösen, indem der Patient immer mehr damit in Kontakt gebracht wird, wie er sich gegen das Lebendige sperrt.

Wenn man die Sache von dieser Warte aus betrachtet, wird deutlich, warum auch rein körperliche und rein psychologische Interventionen wirken, um gewisse Pathologien aufzulösen. Es sind Anstöße, die Blockaden lösen und es der Orgonenergie erlauben in diesem Bereich wieder frei zu fließen. Aber nur in den seltensten Fällen ist die Heilung permanent. Der zugrundeliegende Energiestau führt bei solchen „Heilungen“ dann an anderer Stelle zu Symptomen! Weit effektiver ist es im Rahmen einer Orgontherapie die bioenergetische Ebene direkt anzugehen und sich die „Ausdruckssprache des Lebendigen“ entfalten zu lassen.

Siehe zum Thema auch Eine neue Behandlungsmethode bei Major Depression.

Reich hat diese Zusammenhänge in Der Krebs wie folgt schematisch dargestellt:

Aus dem Führerhauptquartier der Antiorgon-Naziliga: Die drei Grundlagen des Nationalsozialismus (Teil 2)

16. Mai 2012

Hitler wurde als „Messias aller Deutschen“ bezeichnet. Dietrich Eckart „der Prediger und Apostel Adolf Hitlers“ und „unsterbliche Dichter und Künder des Dritten Reiches“ brachte kurz vor seinem Tod 1923 folgenden poetischen Erguß zu Papier:

Du blödes Volk! Du schmähtes jeden, der sich treulich um dich mühte, mit gotteslästerlichen Reden lohntest du auch Hitlers Güte, grunztest, als die Pharisäer Hinterrücks ihn niederzwangen.

Baldur von Schirach, Reichsführer der HJ, dichtete voll Ergriffenheit:

Wir hörten oftmals deiner Stimme Klang und lauschten stumm und falteten die Hände, da jedes Wort in unsere Seelen drang. Wir wissen alle: einmal kommt das Ende, das uns befreien wird aus Not und Zwang. Was ist ein Jahr der Zeitenwende! Was ist das Gesetz, was hemmen will – der reine Glaube, den du uns gegeben, durchpulst bestimmend unser junges Leben. Mein Führer, du allein bist Weg und Ziel! (H.J. Gamm: Der braune Kult, Hamburg 1962, S. 24)

Und sogar Kindergebete galten ihm:

Führer, mein Führer, von Gott mir gegeben, beschütz und erhalte noch lange mein Leben! Hast Deutschland gerettet aus tiefster Not; Dir danke ich heute mein täglich Brot. Bleib lang noch bei mir, verlaß mich nicht, Führer, mein Führer, mein Glaube, mein Licht! Heil, mein Führer! (ebd., S. 213f)

Hitler selbst hatte 1922 gesagt:

Ich wäre kein Christ (…), wenn ich nicht, wie einst vor 2000 Jahren unser Herr, Front machen würde gegen die, die dieses arme Volk heute ausplündern und ausbeuten!

Es schmerzt mich, daß ich als Katholik gerade von katholischer Seite so niederträchtig angegriffen werde. Das schmerzt mich um so mehr, weil wirklich keine Bewegung mehr für das Christentum eintritt als die unsere und weil ich derjenige bin, dessen Arbeit es mit zu verdanken ist, daß das Christentum sich wieder so entfalten kann!

Entsprechend dankbar verkündete der Thüringer Kirchenrat Leutheuser 1933:

Christus ist zu uns gekommen durch Adolf Hitler. Er ist der entscheidende Mensch gewesen, als ein ganzes Volk bereit war, unterzugehen. Durch seine Kraft, seine Ehrlichkeit, seinen Glauben und seinen Idealismus fand der Heiland zu uns. Wir haben eigentlich nur eine Aufgabe: Werdet deutsch! Nicht: Werdet Christen! (z.n . Werner Reichelt: Das Braune Evangelium, Wuppertal, 1990, S. 56).

Nach der Machtergreifung sei, so Werner Reichelt in seiner Analyse des „braunen Evangeliums“, Schritt um Schritt die Christus-Geschichte in die Gegenwart übertragen und Hitler zum „Heiland der Deutschen“ erhoben worden, dessen Werdegang bis in die kleinsten Einzelheiten denen Jesu entsprach: Hitler wuchs in einer Art österreichischem Nazareth auf. Er führte seine Heimat heim ins Reich, als Verkörperung des Weges, der Wahrheit und des Lebens. Und trotzdem blieb dieser Gott doch ganz Mensch: „Das ist an ihm das Größte: daß er doch Mensch blieb, so wie du und ich.“ Durch sein, des schuldlosen armen Gefreiten, Opfer wird das ganze Volk gerettet werden. Am Anfang war er verborgen und seine Stimme galt im eigenen Land nichts. Seine Jünger wurden verfolgt, doch er hatte für sie die Trostworte der Bergpredigt: eines Tages wird alles umgekehrt sein! Standhaft steht Hitler gegen die satanische Versuchung des demokratischen Staates, der ihn, den eschatologischen Revolutionär, einbinden will. Wer nicht für Hitler ist, ist gegen ihn. Hitler verlangt absoluten, fanatischen Glauben. Ziel ist eine Art urchristlicher Gütergemeinschaft, wo das „Blut“ die Rolle des einigen Heiligen Geistes übernimmt. Die Dreieinigkeit wird durch „Ein Volk, ein Reich, ein Führer!“ ersetzt, bzw. „die Dreieinigkeit des Blutes, des Glaubens und des Staates“.

Anläßlich des NS-Winterhilfswerkes sagte Hitler 1937:

Wenn ich so manches Mal ärmlich gekleidete Mädchen mit unendlicher Geduld sammeln sehe, selbst frierend, um für andere Frierende zu sorgen, dann habe ich das Gefühl, daß sie alle auch Apostel eines Christentums sind. Und zwar eines Christentums, das von sich mit mehr Recht als ein anderes sagen kann: Dies ist das Christentum eines aufrichtigen Bekenntnisses, weil hinter ihm nicht das Wort, sondern die Tat steht. (z.n. Reichelt, S. 83)

Das hier beschriebene kann man wie folgt rekapitulieren:

In seiner Massenpsychologie des Faschismus beschreibt Reich die subjektiv revolutionäre Einstellung, die den Faschismus von bloßen reaktionären, restaurativen, „bürgerlichen“ Bewegungen kraß unterschieden hat. Hinzu kam, daß sich, wie Reich es ausdrückt, wie zuvor in allen anderen vorangegangenen derartigen Bewegungen „im Neuheidentum des deutschen Nationalsozialismus sich das vegetative Leben abermals Bahn (brach)“ (Die sexuelle Revolution, Fischer-TB, S. 267). Dabei imponiert die „nationalsozialistische Mystik“ wie ein grotesk verzerrter Animismus – die Alternative zum patriarchalischen, „bürgerlichen“ Mystizismus und Mechanismus (siehe dazu Reichs Äther, Gott und Teufel). Die Nähe des „Hitler-Mythus“ zum Christus von Reichs Christusmord ist ebenfalls allzu offensichtlich.

In der heutigen antiautoritären Gesellschaft beobachten wir ganz ähnliche Entwicklungen. Man denke nur an die USA, in der die Rebellion auf allen Ebenen immer groteskere Züge annimmt. Man braucht nur das Fernsehen anmachen, ins Kino gehen oder im Internet surfen! Alles ist von abstrusen Verschwörungstheorien durchzogen (die fast durchweg einen antisemitischen Kern haben!), ständig werden die traditionellen Werte und das „Establishment“ verhöhnt. Das traditionelle Christentum wird buchstäblich angepißt und mit Kot beschmiert. Eine ganze Nation hört auf das mystische Geschwafel eines Eckhart Tolle, öffnet Chakren, praktiziert „Quantenheilung“, etc. Obama wird als neuer Heiland präsentiert. Er hat sogar seine eigene Hakenkreuzfahne. Das ist Nationalsozialismus heute, nicht der Mummenschanz einer Handvoll geisteskranker Neonazis. (Die eh meist nur Schwule und Sadomasochisten sind, die ihren Fetisch ausleben.)

Aus dem Führerhauptquartier der Antiorgon-Naziliga: Die drei Grundlagen des Nationalsozialismus (Teil 1)

15. Mai 2012

Die heutige antiautoritäre und angeblich „antifaschistische“ Gesellschaft ist in dreierlei Hinsicht funktionell identisch mit dem Nationalsozialismus:

  1. Im Vergleich zur „bürgerlichen“ Gesellschaft steht die Rebellion im Vordergrund, nicht der „Untertanengeist“. Es hängt alles vom Willen ab.
  2. Entsprechend tritt an die Stelle der Unterwerfung unter den Vatergott eine diffuse, „biologistisch“ geprägte „grüne“ Naturmystik.
  3. „Der Sohn“, der vom „Gesetz“, das durch das Judentum verkörpert wird, befreit, tritt in den Mittelpunkt. Man denke an den penetranten Jugendkult.

Dabei geht es jeweils um Elemente, die bereits in der bürgerlichen, autoritären Gesellschaft angelegt waren. Es ändert sich nur die Gewichtung. Beispielsweise entsteht, Reich zufolge, durch die Sexualunterdrückung im Patriarchat „die Struktur des Untertanen, der gleichzeitig sklavisch gehorcht und rebelliert“ (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 19).

Je nachdem was im Vordergrund steht, die Unterwerfung oder die Rebellion, hat man es mit einer autoritären oder antiautoritären Gesellschaft zu tun. Wobei natürlich stets beide Elemente vorhanden sind. Es handelt sich also nicht um einen absoluten, sondern um einen funktionellen Gegensatz.

Mit dieser Gegenüberstellung spielte Reich 1935 natürlich auf den sich damals europaweit ausbreitenden Faschismus an mit seiner unverkennbar revolutionären Rhetorik. In der NSDAP hat es stets einen gewichtigen „antibürgerlichen“ Flügel gegeben, zu dem nicht zuletzt Hitler selbst gehörte. Dieser Zug ist derartig prominent, daß immer wieder von neuem die Frage aufgeworfen wird, ob es sich beim Nationalsozialismus überhaupt um eine rechtsextreme und nicht vielmehr um eine linke Erscheinung handelt, die gleichberechtigt neben Sozialdemokratie und Bolschewismus zu verorten ist. Ich bin darauf bereits in Waren die Nazis „Rechte“? eingegangen.

Die damaligen Sozialisten waren sich dieser Nähe zu Hitler durchaus bewußt, darunter auch Reich. Spezifisch für Reich ist eine zweite Einsicht:

In der nationalsozialistischen Ideologie steckt ein rationaler Kern, der der reaktionären Bewegung ihren großen Schwung verleiht und sich in der Phrase der „Verbundenheit von Blut und Boden“ ausdrückt. (ebd., S. 24)

Siehe dazu auch Karl Motesiczky. In diesem Zusammenhang denke man an die anhaltende „Esoterik“-Welle oder die wirklich einfach nur als grotesk zu bezeichnende Popularität von C.G. Jung. Es herrscht heute der gleiche Geist, der die „nationalsozialistische Bewegung“ animiert hat.

Leni Riefenstahl beschreibt ihre erste Begegnung mit Hitler als Teilnehmerin einer politischen Versammlung wie folgt:

Ich war verblüfft zu sehen, welche Macht Hitler über seine Zuhörer hatte. Wie ein Hypnotiseur besaß er die Gabe, sein Publikum zu behexen bis es tat, was er wollte. Es war sehr erschreckend und ich selbst war empfänglich für diese Ausstrahlung. Es war nicht nur eine ionisierte Atmosphäre, sondern eine äußerst seltene Beziehung zwischen dem Mann auf der Tribüne und den Menschen im Saal. Meine Erregung war sehr stark, so stark in der Tat, daß ich mich wenig um den Inhalt seiner Rede kümmerte. Ich fragte mich: „Wer ist er wirklich?“ (z.n. Bernhard Horstmann: Hitler in Pasewalk, Düsseldorf 2005, S. 131)

Anhand solcher Zeugenaussagen und „Bekenntnisse“ wird evident, daß der Nationalsozialismus weit mehr war als nur eine politische Bewegung und Hitler weit mehr als nur ein „politischer Führer“.

Hitler konnte nur so wirken, weil er auf eine diffuse Weise „Befreiung“ versprach bzw. verkörperte. In vieler Hinsicht kann man ihn durchaus mit Christus vergleichen. Sowohl Hitlers Selbstidentifikation mit Jesus als auch die Wahrnehmung Hitlers als neuer Jesus ist eindeutig.

Bereits 1923 meinte Hitler in einem von Dietrich Eckart unter dem Titel Der Bolschewismus von Moses bis Lenin veröffentlichten „Zwiegespräch zwischen Hitler und mir“, daß zwar auch das Christentum ein Teil der „jüdischen Weltverschwörung“ sei,

Jesus freilich war kein Jude, er war „Arier“. Doch nicht Jesus hatte das Christentum geschaffen, sondern Paulus. Paulus aber predigte Pazifismus und Gleichmacherei; er raubte dem römischen Reich seine stärkste Stütze, den heroischen, wehrhaften Geist, führte so seinen Untergang herbei und brachte die Juden ihrem Ziel, der Weltherrschaft, einen Schritt näher. (z.n. Norman Cohn: Die Protokolle der Weisen von Zion, Köln 1969)

Der Nationalsozialismus war also die Rückkehr zu Jesus. In der Jesus-Bewegung sah Hitler den Tischgesprächen zufolge eine lokale „arische“ Oppositionsbewegung gegen das Judentum, die auf Nachkommen gallischer Legionäre zurückging, die in Galiläa lebten. Dann wäre Paulus gekommen und hätte Jesu Lehre „judaisiert und verfälscht“ und in eine jüdische Oppositionsbewegung gegen das arische Rom verkehrt.

Heutzutage wird derartiger Unsinn, derartige „alternative Geschichtsinterpretation“, millionenfach verbreitet. Kaum eine U-Bahnfahrt, bei der nicht irgend jemand Sakrileg und ein ähnliches strunz dummes Machwerk liest. Allein schon hier wird der Antiautoritarismus evident: es geht gegen das „etablierte Wissen“, die Kirche, den patriarchalen Gott und aus Jesus dem Opferlamm wird Jesus der Rebell.