Posts Tagged ‘Wahrheit’

Die Wirkungsweise der emotionalen Pest* (Teil 1)

9. Januar 2019

von Paul Mathews, M.A.**

Würde man fragen: „Was war historisch gesehen das größte Problem der Menschheit“, so gäbe es sicherlich eine Vielzahl von Antworten. Einige mögen feststellen, dass es die Bezwingung von Krankheiten war, andere, die Verhinderung von Kriegen und das Erreichen von Kooperation, Brüderlichkeit und gegenseitiger Verständigung. Reichs Antwort war einzigartig: die emotionale Pest. Diese Pest des gepanzerten Menschen wurde von Reich als eine emotionale und charakterologische Biopathie definiert, die sich zerstörerisch auf dem sozialen Schauplatz ausdrückt (1). Die emotionale Pest blockiert nicht nur die Lösung der Probleme des Menschen, sondern sie verkompliziert diese und schafft neue. Es ist ein Muster, das Reichs Beschreibung der Schichten und Verflechtungen der neurotischen Struktur des Menschen nicht unähnlich ist (1, S. 322f)a. Diese komplexen Verflechtungen von emotionalen Pestmechanismen dienen dazu, die wahre Natur eines Problems so zu verschleiern, dass es nicht mehr zu lösen ist und es immer schwieriger wird, zu seinen Wurzeln zu gelangen. Das Ziel ist immer die Verfolgung von Wahrheit, Liebe und Leben. Nehmen wir zum Beispiel die geschickte Art und Weise, in der die Wahrheit Solschenizyns durch die emotionale Pest in den Medien und in der gegenwärtigen Administration der US-Regierung erstickt und erdrosselt wurde (2).

Die emotionale Pest ist die heimtückischste Abwehr des Menschen, seine ultimative Waffe gegen sich selbst, seine Freiheit und sein Leben. Einfach weil ihn tausende Jahre der gepanzerten Existenz versteift haben, findet er jene Aspekte seiner bio-kosmischen Natur am schrecklichsten und erschreckendsten, die ihm die Rationalität und Lebensfreude geben könnten, nach der er sich paradoxerweise in seinen tiefsten Gedanken und größten Schöpfungen sehnt und sie sogar gelegentlich erlebt.

Ein konsistentes Muster der Geschichte ist die Verfolgung jener Individuen, Institutionen und sozialen Bewegungen, die dem Verständnis und der Lösung des Rätsels des menschlichen Dilemmas, der „Falle“, am nächsten gekommen sind. Wann immer und wo immer die emotionale Pest durch eine Einsicht in ihre Krankhaftigkeit bedroht wird – sei diese Bedrohung eine Idee, eine Emotion oder ein lebendiger Ausdruck – hat sie versucht, sie zu zerstören. Reich stellte fest:

Der Pestkranke handelt unter einem strukturellen Zwang; er mag es noch so gut meinen, er kann nicht anders als pestkrank handeln; dieses Handeln ist ihm ebenso wesensgemäß wie dem genitalen Charakter das Liebesbedürfnis oder die Wahrheit; aber der Pestkranke leidet, und zwar unter dem Schutze seiner subjektiven Überzeugtheit, nicht unter der Einsicht in die Schädlichkeit seines Handelns (1, S. 258)b.

Die Pest nimmt sich selbst nicht als böse wahr und glaubt, dass alles, was sie tut, im Interesse ihres Konzepts des Guten notwendig ist. So erklärt Reich:

Es ist eines der wesentlichen Merkmale des Mordes am Lebendigen durch das gepanzerte Menschentier, dass er in vielerlei Tarnungen daherkommt. Der gesellschaftliche Überbau aus Ökonomie, Kriegsführung, irrationalen politischen Bewegungen und gesellschaftlichen Institutionen, die der Unterdrückung des Lebens dienen, überschwemmt die fundamentale Tragödie, unter der das Menschentier leidet, mit einer Flut von Rationalisierungen, Vertuschungsversuchen und Manövern, um vom eigentlichen Problem abzulenken; und er kann sich dabei auch noch auf eine vollkommen logische und in sich stimmige Rationalität verlassen, die nur gültig ist innerhalb des Rahmens von Gesetz versus Verbrechen, Staat versus Volk, Moral versus Sexualität, Zivilisation versus Natur, Polizei versus Verbrecher – und immer so weiter in der langen Geschichte des menschlichen Elends (3)c.

 

Fußnoten

* Dieser Artikel ist zum Teil das Ergebnis einer Seminarpräsentation von Professor Mathews an der New York University.

** Orgonomischer Berater. Außerordentlicher Assistenzprofessor, New York University. Sprechkliniker und Oberschullehrer. Mitglied des American College of Orgonomy. [Anm. d. Übers.: Paul N. Mathews, 1924-1986]

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Charakteranalyse, Kiepenheuer & Witsch 1989, S. 426f.
Character Analysis, Farrar, Straus & Giroux 1971, S. 317f.

b Charakteranalyse, Kiepenheuer & Witsch 1989, S. 341.
Character Analysis, Farrar, Straus & Giroux 1971, S. 514.
Mathews zitiert nach der besseren Übersetzung von Theodore Wolfe, 1945.

c The Murder of Christ, Farrar, Straus and Giroux 2013, S. 6.
Christusmord, Zweitausendeins, S. 24.

 

Literatur

1. Reich, W.: Character Analysis. New York: Orgone Institute Press, 1949
Paperback edition, Noonday Press, New York

2. Buckley, W.F.: „The Strangled Cry of Solzhenitsyn“, National Review, 29. August 1975

3. Reich, W.: The Murder of Christ. Orgone Institute Press, 1953

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 9 (1975), Nr. 2, S. 206-218.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Blogeinträge Januar 2012

29. August 2017

Im Januar 2012 stellte Dr. Konia folgende Blogeinträge ins Netz. Angesichts von Andreas Peglaus von mir besprochenem Buch Rechtsruck ein Beispiel dafür, wie Massenpsychologie nach Wilhelm Reich im 21. Jahrhundert wirklich aussehen muß:

Blogeinträge Januar 2012

  • Es muß mehr im Leben geben
  • Der Kommunismus hat seinen üblen Beigeschmack verloren
  • Die Emotionelle Pest benutzt die Wahrheit als Trojanisches Pferd
  • Die Occupy-Bewegung erhält sich selbst aufrecht
  • Die eigentliche Ursache für Armut in Amerika

Reich: Where’s the Truth? (2012)

28. Januar 2017

Bücherlogo

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Reich: Where’s the Truth? (2012)

Sage dich vom Bösen los!

10. Januar 2017

Neil Garrett (University College London) et al. haben an Versuchspersonen die sprichwörtlich „schiefe Bahn“ verifiziert, auf die man gerät, wenn man einmal mit dem Lügen angefangen hat.

Bei wiederholtem eigennützigen Lügen verringert sich im Laufe der Zeit die Reaktion unseres Gefühlszentrums. Das instinktive Unwohlsein beim Lügen schwindet immer mehr. Das wiederum senkt allmählich die Hemmschwelle auch gegenüber größerer Unehrlichkeit – wir stumpfen ab.

Das Fehlverhalten, etwa Plagiate, führt zu einem Unwohlsein, das aber bei weiteren Verfehlungen immer schwächer wird. Was sich dabei im „Emotionszentrum des Gehirns“, der Amygdala, abspielt, wurde mit Hilfe der funktionalen Magnetresonanztomografie (fMRT) untersucht. Mit jedem weiteren kleinen Betrug wurde die anfangs heftige Reaktion der Amygdala schwächer. „Die Ergebnisse dieses Experiments bestätigen damit den Eindruck, daß ständiges Lügen zu einer Art moralischen Abstumpfung führt – und sie erklären, warum dies so ist.“

Der ungepanzerte Organismus ist wahrhaftig, d.h. der bioenergetische Kern und die soziale Fassade sind unmittelbar miteinander verbunden. Es besteht ein unmittelbarer Kontakt. Entsprechend führen Lügen zu einem Kontaktverlust. Bei gepanzerten Menschen konsolidiert das Lügen die Panzerung und die damit einhergehende Kontaktlosigkeit weiter. Deshalb sind hohe moralische Standards aus bioenergetischer Sicht so wichtig: sie erhalten die emotionale Lebendigkeit.

Der Kampf gegen Vorurteile

23. Oktober 2016

Wenn man jung ist, kann man sich massiv über Vorurteile aufregen. Ich kann mich noch gut erinnern, wie mich auch nur der leiseste Hinweis auf „Rassismus“ maßlos entflammte. Doch je älter ich werde, d.h. mit wachsender Lebenserfahrung, stelle ich nicht ohne Unwohlsein fest, daß wirklich jedes, jedes, gängige Vorurteil einen wahren Kern hat, wenn nicht sogar schlichtweg der objektiven Wahrheit entspricht!

Es geht schlicht ums Überleben. Ständig müssen wir schnell, sehr schnell, Entscheidungen treffen, wenn wir überleben wollen. Wir können nicht jedesmal tiefschürfende Überlegungen anstellen, also zerebral funktionieren, sondern müssen aus dem Bauch heraus, d.h. emotional entscheiden. Heute wird uns jedoch andauernd eingebleut, daß wir keine Vorurteile haben sollen, tolerant sein und alle Menschen mit offenen Armen aufnehmen sollen.

Die linksliberalen Meinungsmacher engagieren sich in dieser Indoktrinationsarbeit nicht etwa, weil sie bessere Menschen sind und ein großes Herz haben, sondern weil es ihrer Charakterstruktur entspricht, die unreif ist, „zerebral“ und vollständig verantwortungslos. All die Kampagnen gegen „Rassismus“, etc. mit denen wir alltäglich von diesen Arschlöchern zugeschissen werden, sind tatsächlich das Gegenteil dessen, wonach sie oberflächlich aussehen: sie sind die ultimative Lebensfeindlichkeit. Täglich sterben Deutsche deswegen! Die Gutmenschen zerstören systematisch das deutsche Volk. Es sind Völkermörder!

Siehe dazu etwa Akifs neusten Schlag in die Fresse dieses linksliberalen Dreckspacks.

Prinzipielle Wahrheit und spezielle Wahrheiten

7. April 2013

Mit dem Thema Wahrheit und Lüge habe ich mich bereits an anderer Stelle beschäftigt.

Die prinzipielle Wahrheit kann idealistisch als Ausdruck absoluter Kategorien betrachtet werden. Dann läßt sich die „göttliche“ Wahrheit erkennen und die „weltliche“ Wirklichkeit durch Handeln demgemäß umformen.

Es ist aber auch möglich umgekehrt, materialistisch von der Wirklichkeit auszugehen und von hier aus „opportunistisch“ verschiedene „spezielle Wahrheiten“ zu sehen, je nachdem in welche Richtung man in der Landschaft der Wirklichkeit blickt. In Abhängigkeit vom Blickwinkel ändert sich die Wirklichkeit (die Form der „Landschaft“), der jeweils eine andere spezielle Wahrheit entspricht.

Es ist beispielsweise prinzipiell wahr, daß Homosexualität eine schwerwiegende Biopathie darstellt und stets mit extremer orgastischer Impotenz einhergeht. In bestimmten Zusammenhängen ist es aber auch wahr, daß Homosexuelle den sexualökonomischen Grundgedanken, demzufolge Sexualität und Fortpflanzung separate Gegebenheiten sind, verkörpern, oder etwa, daß Toleranz gegenüber Homosexuellen ein Maß der eigenen orgastischen Befriedigung ist (jedenfalls kann kein Homosexuellenhasser orgastisch potent sein!).

Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Alternative zwischen prinzipienfester „Gesinnungsethik“ und opportunistischer „Handlungsethik“. Die erstere wird von „Theoretikern“ vertreten, die letztere von „Praktikern“

Tatsächlich gibt es keine abstrakte theoretische Wahrheit, die neben einer praktischen Wirklichkeit existiert. Wahrheit ist Kontakt mit der Wirklichkeit und wenn dieser Kontakt nicht besteht, dann ist alle Theoretisiererei nichtig. Haben wir diesen Kontakt, können wir die eine prinzipielle Wahrheit vertreten und uns trotzdem der speziellen Wahrheiten bewußt sein, die manchmal in Gestalt einer „Gegenwahrheit“ gegen den „Wahrheitskrämer“ verteidigt werden müssen.

Ab und an wird insinuiert, daß die Orgonomie einen geradezu „faschistischen“ Terror ausüben könnte, etwa indem sich jeder durch das „Ideal“ der orgastischen Potenz schlecht fühlt, insbesondere aber sexuelle Minderheiten wie Homosexuelle oder etwa echte Hermaphroditen. Dem ist nicht so, denn kontaktvolle Menschen gehen eben nicht mit der Wahrheit hausieren. Außerdem haben Kontaktlose ohnehin per definitionem keinen Zugang zur Wahrheit. Sie plappern sie allenfalls mechanisch nach.

prispewahr

Die Orgonomie ist die endgültige Wahrheit!

30. August 2012

Dieser Ausspruch stammt von Elsworth F. Baker, der bei einer Rede vor dem American College of Orgonomy der Frage nachging, warum einige Orgonomen die Orgonomie wieder verlassen (Journal of Orgonomy, 11(2), November 1977).

Wie kann jemand, der geistige Gesundheit für sich beansprucht, behaupten, die Orgonomie sei die endgültige Wahrheit?

Dazu müssen wir zu Vater und Mutter zurückkehren, aus deren Verbindung zunächst die Sexualökonomie und schließlich die Orgonomie hervorgegangen ist: Psychoanalyse und Marxismus.

Engels, Lenin, Trotzki und nicht zuletzt Reich waren der Auffassung, daß der Dialektische Materialismus nicht nur eine Denkmethode wie jede andere sei, eine „abstrakte Logik“, sondern, daß er die objektive Entwicklung der Natur unmittelbar widergibt. Reich läßt sich 1938 darüber eingehend in Die Bione aus.

„Kritische“ Marxisten haben sich stets gegen diese Interpretation gewandt, die ihres Erachtens den wissenschaftlichen Grundintentionen von Marx‘ zuwiderläuft.

Ähnliches findet sich in der Psychoanalyse, obwohl dort m.W. eine entsprechende Debatte fehlt: Freud hatte Probleme Affekte, d.h. kurz andauernde, heftige Emotionen, etwa plötzlicher Schrecken oder Ekel („Eine Schlange!!“), ansteckende Freude, etc. aus seiner Triebtheorie abzuleiten, da Affekte in einem „symbolischen“ Sinnzusammenhang stehen. Freud nahm gemäß seiner dualistischen Grundtendenz Zuflucht in abstrusen Theorien über die Phylogenese. Das „Keimplasma“ sei von außen punktuell geprägt worden. Hier stellt sich die Frage, ob der nach außen greifenden Libido nicht vielmehr quasi „monistisch“ selbst Struktur und damit „Sinnhaftigkeit“ und eine gewisse „Logik“ inhärent ist. Wie das konkret aussieht, hat Reich in den späteren Zusätzen zur Charakteranalyse und insbesondere in Die kosmische Überlagerung gezeigt.

Reich war, vielleicht als einziger, eindeutig der Meinung, daß der Marxismus und die Psychoanalyse sozusagen „aus sich selbst heraus“ eine Logik entwickeln. Nicht von ungefähr finden sich immer wieder Stellen in seinem Werk, wo er sich als willenloses Werkzeug einer „objektiven Logik“ sieht.

Es geht um diese Logik, nicht darum, daß die Orgonomie Antworten auf alle Welträtsel hat – sie hat sie eindeutig nicht. Es geht um die Frage, ob man charakterstrukturell in der Lage ist, sich der besagten objektiven Logik hinzugeben, sie zu verkörpern und möglichst unverzerrt zum Ausdruck zu bringen.

Sämtliche Orgonomen, die zum damaligen Zeitpunkt die Orgonomie wieder verlassen hatten, hatten, Baker zufolge, eine liberale Charakterstruktur, d.h. ihre intellektuelle Abwehr stand im Vordergrund. Entsprechend konnte für sie die Orgonomie unmöglich die „abschließende Wahrheit“ sein.

Am Ende stellt sich natürlich die Frage, ob das ganze nicht, oh Schreck, ein „totalitäres Konzept“ ist. Dezidiert nicht, denn den naheliegensten, offensichtlichsten Niederschlag der orgonomischen objektiven Logik in der menschlichen Sphäre findet sich in der „natürlichen (!) Arbeitsdemokratie“.

Wer den Orgonomen „Totalitäres“ andichtet, sitzt schlicht einem Vorurteil auf und hat nie mit einem Orgonomen diskutiert – und in einer kritischen Frage Recht behalten. Es gibt keine orgonomische Autorität außerhalb der objektiven Logik.

Andererseits sind wir alle Menschen und Reich, war, wie alle Genies, ganz besonders menschlich – allzumenschlich… An anderer Stelle habe ich mich eingehend mit totalitären Zügen innerhalb der Orgonomie auseinandergesetzt.

Noch zwei Punkte:

Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Glaubenslehren bzw. Ideologien könnte man daran festmachen, daß die Wissenschaft ihre Logik nicht aus sich selbst zieht, sondern sich am Maßstab der abstrakten Logik messen läßt. Dann stellt sich natürlich die Frage, woher diese Logik kommt, wo bzw. wie sie in der Natur verankert ist. Unversehens landet man so zwangsläufig in einer Platonistischen Weltsicht. Nichts gegen abstrakte Logik und Mathematik, aber zu glauben, daß sie einen per se vor Spökenkiekerei bewahren, ist illusorisch.

Überhaupt abstrakte Logik: Im Laufe meines Lebens habe ich schon einige schier endlos sich hinziehende Diskussionen mit rationalen und wissenschaftlich gebildeten Leuten hinter mir, die einer linearen und in sich kohärenten Logik folgten. Ich war stets der Uneinsichtige, der „über zig Ecken herum denkt“. „Ach Peter, Du immer mit Deiner Dialektik!“ Und „trotzdem“ habe ich am Ende immer recht behalten, d.h. die Wirklichkeit, die „dialektischen“ (funktionellen) Gesetzmäßigkeiten folgt, hat mir recht gegeben! Um diesen narzißtischen Absatz zu komplementieren: Ich verweise auf die Diskussionen zwischen dem „uneinsichtigen“ Niels Bohr auf der einen und Einstein und anderen linear denkenden Physikern auf der anderen Seite!

Zweitens der vulgärmarxistische Einwand: „Da fehlt die historische Sichtweise!“ Leuten, die so etwas sagen, geht es darum, alles gnadenlos zu relativieren, indem sie es in den „geschichtlichen Kontext“ stellen. Dabei weiß jeder, der nicht vollkommen ideologisch verblendet ist, daß es Konstanten in der Geschichte gibt. Die Soziologie hat die Biologie als Hintergrund, dazu gehören nicht zuletzt die Charakterstrukturen und Gegebenheiten wie die Emotionelle Pest. Das sind „überzeitliche Wahrheiten“, wie Reich es etwa in dem denkbar „unhistorischen“ Buch Christusmord beschrieben hat; wenn man so will, ewige Wahrheiten!

Und selbst auf dem ureigensten Gebiet des Marxismus, der Wirtschaftsgeschichte: Hat eine Bäckerei, ein Zirkus, eine Reederei, etc. zur Zeit des Römischen Reiches wirklich so viel anders gewirtschaftet als heute? Natürlich ist es unsinnig geschichtliche Veränderungen zu leugnen, beispielsweise ist in diesem Blog ständig vom Übergang von der autoritären zur antiautoritären Gesellschaft die Rede, aber wie manche das Diktum „unhistorisch“ als Todschlagargument benutzen, ist kaum weniger unsinnig. Es hat was, sich von wirren Sektierern, wirres Sektierertum vorhalten lassen zu müssen!

Wahrheit, Lüge und Kontakt

9. August 2012

Die Psychologin Anita Kelly und der Statistiker Lijuan Wang von der University of Notre Dame, Indiana konnten eine Verbindung zwischen einer verbesserten Gesundheit und dem Verzicht auf das Lügen nachweisen. Dazu wurden zwei Gruppen von Versuchsteilnehmern über einen Zeitraum von zehn Wochen beobachtet. Weniger Lügen, sowohl Notlügen als auch wohlüberlegte Lügen, gingen einher mit einer besseren psychischen (emotionalen) Verfassung, etwa deutlich weniger Gefühle der Anspannung und Melancholie, und weniger körperlichen Beschwerden, wie Halsweh und Kopfweh. Auch verbesserten sich die Beziehungen und das soziale Leben.

[Die Forscher] vermuten, daß Streß, der beim Lügen entsteht, der Drahtzieher hinter den Effekten ist. Seine negativen Folgen auf die Psyche des Menschen, aber auch auf seinen körperlichen Gesundheitszustand sind bereits bekannt. Die Studie bietet diesbezüglich nun eine ermutigende Botschaft: „Viele Teilnehmer konnten die täglichen Lügen tatsächlich drastisch reduzieren und wurden dafür belohnt“, resümiert Studienleiterin Anita Kelly.

Lügen ist anstrengend, Wahrheit entspannt. Die konzeptionelle Nähe zur Panzerung ist offensichtlich.

Von orgonomischer Warte aus betrachtet ist Wahrheit der bioenergetische Kontakt zur Wirklichkeit:

Wer lügt, leugnet entsprechend nicht nur einfach die Wirklichkeit, sondern er stört auf eine fundamentale Art und Weise den orgonotischen Kontakt selbst. Das umfaßt dann automatisch soziale (zwischenmenschliche), psychische (emotionale) und körperliche Komplikationen: ein wirklichkeitsgerechtes Funktionieren wird hintertrieben.

Was Beziehungen betrifft wissen wir alle, wie heilsam „Aussprachen“ sein können. Aus einem toten Nebeneinanderherleben, in dem jeder dem anderen etwas vormacht, wird wieder eine lebendige Beziehung.

Orgontherapie ist in mancher Hinsicht „bewußtmachen des Unbewußten“. Natürlich nicht im psychoanalytischen Sinne, sondern im Sinne des Bewußtmachens von Lügen. Das ständige Grinsen ist eine Lüge. Es soll die unbewußte Traurigkeit zurückhalten. Die hochgezogenen Schultern sind eine Lüge, denn sie sollen etwas schützen, was aktuell gar nicht mehr bedroht ist, den „Nacken“. Indem das Bewußtsein wieder in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit gebracht wird, wird bioenergetischer Kontakt hergestellt.

Ein Leben in Wahrheit beeinflußt uns auf denkbar grundlegender Ebene. Wie Charles Konia gezeigt hat, beruht unser gesamtes plasmatisches System (d.h. das autonome Nervensystem, das kardiovaskuläre System, das endokrinologische System und nicht zuletzt das Immunsystem) auf orgonotischem Kontakt.

Die Wahrheit heilt nicht, weil irgendwelche mystischen Kräfte wirksam werden, sondern weil das Lügen unmittelbar den einen Faktor kompromittiert, der die Grundlage unserer sozialen, emotionalen und sogar körperlichen Existenz ist: den orgonotischen Kontakt.

Immerhin bringen Mystiker, die zumindest einen gewissen, wenn auch verzerrten Kontakt zum bioenergetischen Kern bewahrt haben, das hochpoetisch im Satz „Gott ist Wahrheit und Liebe!“ zum Ausdruck. Jene, die die Lüge, das Lügen, zum Prinzip gemacht haben, die Roten Faschisten und die Islamisten (Stichwort „Taqiyya“, „Taquiya“), verkörpern entsprechend das Böse schlechthin.

Mißtrauen und Gutgläubigkeit, Wahrheit und Lüge

21. September 2011

Nach einer Studie von Nancy L. Carter und J. Mark Weber enttarnen gutgläubige Menschen Lügen besser als dies mißtrauische Menschen vermögen. Die Forscher luden Studenten zu einem fiktiven Bewerbungsgespräch für einen lukrativen Job ein. Die eine Hälfte sollte während des Bewerbungsgesprächs immer die Wahrheit sagen, die andere Hälfte sollte mindestens drei Lügen in ihre Antworten einbauen. Einer dritten Gruppe wurden die Interviews als Videoaufnahmen vorgespielt und sie sollten entscheiden, welche Bewerber gelogen hatten. Dabei stellte sich heraus, daß nicht etwa jene, die sich durch psychologische Tests als eher mißtrauische Menschen erwiesen hatten, ein besseres Gespür für Lügner hatten, sondern überraschenderweise die Gutgläubigen (neuro aktuell, September 2011).

Wie dieses Ergebnis erklären, das dem gesunden Menschenverstand zu widersprechen scheint? Mißtrauische Menschen, also Menschen, „die den Glauben an das Gute im Menschen verloren haben“, haben sich weitgehend von ihrem bioenergetischen Kern getrennt und haben damit das Gespür für Wahrheit und Lüge verloren. Für sie ist „Wahrheit“ allenfalls ein Ideal, keine lebendige Realität (bioenergetischer Kontakt) mehr. Für Menschen, die einen besseren Kontakt zu ihrem bioenergetischen Kern haben und deshalb sozusagen „in der Wahrheit leben“, sticht die Lüge als störender Fremdkörper hervor; als etwas, das sich der lebendigen Pulsation widersetzt.