Archive for September 2012

Die Gene oder die Umwelt? Nein, die Bioenergetik!

30. September 2012

An anderer Stelle habe ich auf frühere Studien hingewiesen, die gezeigt haben, daß emotionale („psychische“) Traumata in frühen Lebensjahren die DNA-Methylierung, d.h. die Aktivität bestimmter Gene, langfristig verändert. Damit verschiebt sich die Frage von der einfachen Präsenz bestimmter Gene („Veranlagung“) darauf, ob diese Gene überhaupt sozusagen „angeschaltet“ werden.

Forscher der Ruhr-Universität Bochum (E. Unternaehrer et al.) haben nun gemeinsam mit Kollegen aus Basel, Trier und London gezeigt, daß sich die Methylierung der DNA auch nach akutem emotionalen Streß ändert und so psychische und körperliche Erkrankungen verursachen kann.

Die Forscher untersuchten die Gene für den Oxytocin-Rezeptor und für den Brain-Derived Neurotropic Factor (BDNF). Oxytocin hängt mit der Mutter-Kind-Beziehung, Liebe und Sex zusammen, insbesondere mit dem Gefühl von Glück, Befriedigung und Entspannung nach dem Orgasmus. Der „Wachstumsfaktor BDNF“ ist mit dem Schutz bestehender und dem Wachstum neuer Neuronen verbunden.Belastende soziale Situationen haben im Experiment die Mehylierung des BDNF-Gens nicht beeinflußt, sehr wohl jedoch die Mehylierung in einem Abschnitt des Oxytocin-Rezeptor-Gens.

Die Wissenschaftler testeten 76 Personen, die an einem fiktiven Jobinterview teilnahmen und unter Beobachtung Rechenaufgaben lösen mußten – ein bewährtes Mittel, um im Experiment akuten Streß auszulösen. Für die Analyse der DNA-Methylierung nahmen sie den Probanden vor dem Streßtest sowie 10 und 90 Minuten danach Blut ab.

Streß hatte keinen Einfluß auf die Methylierung des BDNF-Gens. In einem Abschnitt des Oxytocin-Rezeptor-Gens stieg sie jedoch bereits in den ersten zehn Minuten nach der Streßsituation an. Das legt nahe, daß die Zellen weniger Oxytocin-Rezeptoren bildeten. 90 Minuten nach dem Streßtest fiel die Methylierung dann unter das Ausgangsniveau vor dem Test. Das deutet an, daß die Rezeptorproduktion übermäßig angekurbelt wurde.

Diese Ergebnisse zeigen, wie widersinnig der alte Streit ist, ob man alles auf (insbesondere soziale) Umweltfaktoren zurückführen kann oder ob das Erbgut allein unser Schicksal bestimmt. Es ist offensichtlich, daß die DNA die Bauanleitung für den Organismus enthält, aber es sollte auch offensichtlich sein, daß „eine Bauanleitung gelesen werden muß“. Diese „epigenetischen“ Faktoren sind eindeutig bioenergetischer Natur und sind entsprechend hauptsächlich von Kontraktion (Hemmung von Oxytocin) und Expansion (Ausschüttung von Oxytocin) geprägt. Die Gene stellen die strukturellen Voraussetzungen zur Verfügung, die Umwelt (d.h. größtenteils andere Organismen) beeinflußt die Bioenergie, die wiederum die Genexpression steuert. Die biologische Energie ist der alles entscheidende „dritte Faktor“, neben „Umwelt und Vererbung“, der bisher übersehen wurde.

Das „Schmähvideo“ über Mohammed

25. September 2012

Warum so grenzenlos empfindlich? Den Streit um die angeblichen Verunglimpfungen Mohammeds kann man nur verstehen, wenn man einen ganz anderen Streit berücksichtigt: den zwischen westlichen Islamwissenschaftlern, ob es Mohammed überhaupt gegeben hat!

Die erste Gelehrtenfraktion verweist darauf, daß in den Berichten der ersten Opfer der arabischen Expansion nie von Mohammed, dem Koran und einer neuen Religion die Rede ist. Vielmehr scheinen die Eroberer heterodoxe (d.h. antitrinitarische) Christen gewesen zu sein, die das Kreuz als ihr Symbol hatten und den Titel „Mohammed“ („der Gepriesene“) ähnlich für Jesus benutzten, wie wir von „Christus“ („der Gesalbte“) sprechen. Der „Prophet Mohammed“ und sein Koran sei, so diese Gelehrten, eine spätere Schöpfung.

Die zweite Fraktion der Islamwissenschaftler hat ein schlagendes Gegenargument: Es muß einen „historischen Mohammed“ gegeben haben, da ansonsten unerklärlich sei, warum die Araber über ihren Propheten derartig viele nicht gerade schmeichelhafte Dinge tradiert haben: „satanische Verse“, ein Selbstmordversuch, Opfer schwarzer Magie, ein kleines Mädchen ehelichen, Feinde solange foltern, bis sie ihre Geldverstecke preisgeben, Mord an Kritikern und Spöttern, sich nicht an die eigenen Offenbarungen halten (beispielsweise mehr als vier Ehefrauen haben), unedle und unritterliche Kriegsführung, etc. Die Liste ist wirklich endlos. Es ist deshalb praktisch unmöglich kein „Schmähvideo“ über Mohammed zu drehen!

Nochmal: das Argument lautet, daß es schlichtweg undenkbar ist, daß die Araber diese Horror-Figur erfunden hätten. Und das ist ja noch nicht alles! Beispielsweise wird berichtet, daß ganze Suren des Koran verlorengegangen sind, etwa weil das einzige Manuskript von einer Ziege gefressen wurde. Wer würde so etwas erfinden?!

Wir stehen vor der Situation, daß es Belege, wenn nicht schlichtweg Beweise dafür gibt, daß Mohammed nie gelebt hat (Münzen, Inschriften, die Berichte der Eroberten) und wir haben auf der anderen Seite das wirklich schlagende Gegenargument.

Zwar gibt es im Islam diese Debatte nicht, aber dieser grundsätzliche Riß, dieser Riß im Fundament, durchwirkt doch das islamische Selbstverständnis: Man kann über Mohammed, den Koran und die Frühgeschichte des Islam, d.h. die drei Grundpfeiler dieser Religion, schlichtweg nicht sprechen, ohne Gotteslästerung zu begehen!

Was ist denn nun der Islam? Ganz offensichtlich waren die ursprünglichen arabischen Eroberer heterodoxe Christen, für die Jesus nur sozusagen „das Siegel der Propheten“ und der erste Diener Gottes war. Ihr Glaube ruhte auf abenteuerlich schlechten Übersetzungen christlicher und jüdischer Schriften, aus denen schließlich der „Koran“ zusammengestückelt wurde. Bei ihren Raubzügen wurden sie zunehmend korrumpiert und um den denkbar „unchristlichen“ Lebenswandel der „Kalifen“ zu rechtfertigen, wurde aus „Mohammed“ (ein Titel, der ursprünglich für Jesus stand, sich dann jedoch verselbständigte) ein Prophet und Staatsmann, der den besagten Lebenswandel vorgelebt hatte und so rechtfertigte.

Das ist wirklich die einzige Version des Geschehens, die einigermaßen Sinn macht!

Man kann es drehen und wenden wie man will, der Islam ist eine Lüge. Eine islamische Theologie, die mehr sein will als Scharia-Kunde, ist schlichtweg nicht vorstellbar. Was man etwa den Kindern im Islamunterricht beibringen will außer abergläubischen Tabus, zwangsneurotischen Reinigungsvorschriften und geschönten Lügenmärchen über Mohammeds Leben, die nichts mit den islamischen Quellen zu tun haben, wissen nur die total verpeilten Bildungspolitiker der Grünen und der SPD. Wie mit Kindern über das islamische Paradies und die islamische Hölle sprechen? Wie mit Kindern über einen Gott reden, der nur die Guten liebt – d.h. keine Vergebung und Liebe kennt? Wie über einen Gott, der identisch ist mit dem, was Christen als den Teufel bezeichnen?

Warum so empfindlich? Weil es den Islam gar nicht gibt! Er ist eine Chimäre, die mit blutiger Gewalt aufrechterhalten wird! Man kann nicht ernsthaft über Mohammed reden, nicht ernsthaft über den Koran, nicht mal ernsthaft über die islamische Theologie. Man kann sich nur willenlos unterwerfen und sein Denken einstellen – oder sich als „Gotteslästerer“ abschlachten lassen, sobald man überhaupt irgendetwas sagt. Was die wenigsten begriffen haben, ist, daß das inkriminierte, ach so abstoßende „Schmähvideo“ nichts anderes tut, als die islamischen Quellen vollkommen korrekt in Bildform widerzugeben – und daß die Moslems gerade deshalb ausrasten.

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Die sexuelle Revolution und die antiautoritäre Gesellschaft

20. September 2012

„Der Sexualprozeß der Gesellschaft war“, Reich zufolge, „immer der Kern ihres Kulturprozesses“ (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 159).

Das vegetative Leben der Menschen, das sie mit der gesamten lebendigen Natur teilen, strebt nach Entfaltung, Bestätigung, Lust, vermeidet Unlust und erlebt sich selbst in Gestalt strömender, drängender Empfindungen. Sie sind die Kernelemente jeder vorwärtstreibenden, also revolutionären Weltanschauung. Auch dem sogenannten „religiösen Erleben“ und dem „ozeanischen Gefühl“ liegen vegetative Lebenserscheinungen zugrunde. (ebd., S. 266)

Dies zeigte sich in der Entwicklung der „bürgerlichen Gesellschaft“, wie Freud und seine Schüler nachgewiesen haben. In Die sexuelle Revolution hat Reich dies nochmals am Beispiel der Sowjetunion, die die „bürgerliche Gesellschaft“ überwinden wollte, exemplifiziert. Heute erweist sich die Richtigkeit des Diktums anhand der Entwicklung der antiautoritären Gesellschaft.

De antiautoritäre Gesellschaft geht auf zwei Faktoren zurück: den ideologischen Einfluß vermeintlicher „Experten“ und den „materiellen“ Einfluß der Zeitläufe. Über die ersteren schrieb Reich im Zusammenhang mit der sexuellen Revolution in den Anfangsjahren der Sowjetunion:

Die allergrößte Schwierigkeit stellen die Pastoren im revolutionären Lager dar. Es sind meist sexuell verkrampfte Intellektuelle, Revolutionäre aus neurotischen Motiven, die, statt mit Wissen zu helfen, nur Verwirrung stiften. (ebd., S. 250)

Damit meinte Reich zwar Funktionäre, deren Sexualmoral sich in nichts von der katholischer Priester unterschieden hat, jedoch konnte diese Neurose ebensogut in einer vermeintlich gegenteiligen Sexualideologie zum Ausdruck kommen. Im Christusmord schrieb Reich über die Kommunisten: „(…), daß diese zerebralen Mechanisten die wahre körperliche Liebe hassen wie die Pest, während sie gleichzeitig mit Pornographie nur so um sich werfen“ (Freiburg 1978, S. 379).

Zwei Weltkriege in Folge, die Industrialisierung, die Verstädterung, der Einfluß der Massenmedien (insbesondere des neuen Mediums Film), etc. erzeugten eine sexualbejahende Atmosphäre, was jedoch zu vollkommenen Chaos führte wegen der sexualablehnenden Struktur der Massenindividuen. Das ist die „Schere“, von der Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus spricht.

„Es gilt die Schere zwischen menschlicher Struktur und Daseinsform zu schließen; nicht durch Zwang, sondern in organischer Weise“ (Die sexuelle Revolution, S. 223). „Neue Lebensformen bilden sich nur durch die neuen Inhalte des Lebens, und neue Inhalte müssen neue Formen haben“ (ebd., S. 220).

In Die sexuelle Revolution führt Reich, die „Verwahrlosung der Jugend“ in der Sowjetunion von 1935 auf eine entsprechende Schere zurück:

(…) kollektive gesellschaftliche Ideologie und kollektives Leben der Erwachsenen muß unter Beibehaltung asketischer Forderungen für die Kinder, sexueller Heuchelei und Familienerziehung mit Notwendigkeit zur kindlichen Verwahrlosung führen. (ebd., S. 256)

Die entsprechenden Widersprüche in der antiautoritären Gesellschaft habe ich in dem Blogeintrag Die Zerstörung der biologischen Familie in der antiautoritären Gesellschaft diskutiert.

Man könnte einwenden, daß demnach also „materielle“, letztendlich ökonomische Prozesse frei nach Marx den eigentlichen Kern der „gesellschaftlichen Bewegungsprozesse“ ausmachen würden. Doch dieser Einwand zieht nicht in Betracht, daß Reich zufolge der wahre Kern die „lebendige Arbeitskraft“ ist, die „Arbeitsenergie“ und damit die Charakterstruktur der Massen, die in der Familie geformt wird. Entsprechend geht aus der autoritären Gesellschaft die antiautoritäre Gesellschaft hervor, wenn die „Arbeitsenergie“ ein gewisses Maß an ökonomischen Wohlstand erwirtschaftet hat (Überexpansion). Die Gesellschaft wird zum Autoritarismus zurückkehren, wenn die Ökonomie wegen der antiautoritären Unterminierung der Arbeitsfunktion kollabiert. Ansatzweise ist dies beim Zusammenbruch der Weimarer Republik geschehen. Die „Studentenbewegung“ Ende der 1960er Jahre war ein bloßes Wohlstandphänomen, das sich mit dem Niedergang der Wirtschaft schnell wieder verflüchtigt hat.

Keine Betrachtung geschichtlicher Entwicklungen darf sich (…) revolutionär nennen, wenn sie den psychischen Zustand der Masse bloß als ein Ergebnis wirtschaftlicher Vorgänge nimmt, und nicht auch als ihren Motor. (Die sexuelle Revolution, S. 172)

Sex macht schlau und glücklich!

17. September 2012

Im Laufe der letzten Jahrzehnte habe ich mich immer wieder geärgert, daß ich nicht die Zeitungsausschnitte gesammelt habe, in denen praktisch im Wochentakt in immer neuen Studien gezeigt wird, daß ein erfülltes Sexualleben mit einer besseren kognitiven Leistungsfähigkeit und einer besseren emotionalen sowie körperlichen Gesundheit einhergeht. In ihrer Gesamtheit belegen diese unabhängigen Studien die Reichsche Orgasmustheorie.

Nun geistert seit geraumer Zeit ein Bericht der Journalistin Kristin Wong durch die Medien, demzufolge Sex schlau und glücklich macht. Fantastico, denn je sexualbejahender die gesellschaftliche Atmosphäre ist desto besser. Derartige Berichte in der „Regenbogenpresse“ sind das Gegengift gegen die Emotionelle Pest.

Zunächst einmal spielt der Bericht auf den Ungeist der Psychoanalyse an, die mit ihren abstrusen Vorstellungen unsere Kultur im Kern vergiftet hat. In einer Episode der in den USA sehr populären Fernsehserie Seinfeld kommt es bei einer der Figuren nach dem Verzicht auf Sex zu einer Verbesserung der kognitiven Funktionen. Obwohl beider Namen nicht genannt wird, ist sich die Wissenschaft heute jedoch einig, so Wong, daß sexuelle Aktivitäten ganz im Gegenteil die Intelligenz steigern – also nicht Freud, sondern Reich recht hat.

Vor kurzem habe Jens Förster von der Universität Amsterdam eine Studie durchgeführt, in der die Teilnehmer mit einer Reihe von Denkaufgaben konfrontiert wurden. Förster stellte fest, daß Versuchsteilnehmer, denen Sex durch den Kopf ging, besser abschnitten als jene, bei denen das nicht der Fall war.

Als ich das bei Wong las, habe ich etwas geschwankt, denn Reich behauptet durchaus das Gegenteil: ein befriedigendes Sexualleben macht den Kopf frei von störenden Sexgedanken und man kann deshalb effektiver denken.

Wie üblich: Journalisten sind nur Laberbacken. Wer sonst nichts zuwege bringt, „macht was in den Medien“! Die Ergebnisse des berühmten niederländischen Sozialpsychologen sehen nämlich durchaus etwas anders aus und entsprechen eher meinen Ausführungen in Die Biophysik von Liebe und Sex. In diesem Blogeintrag habe ich Liebe mit dem im Solar plexus (grob gesagt „im Herzen“) zentrierten orgonotischen System funktionell gleichgesetzt, Sex mit dem im Zentralen Nervensystem zentrierten Orgonom.

Die Forscher befragten 30 Probanden sich einen langen, liebevollen Spaziergang mit ihrem Partner vorstellen und baten 30 andere an flüchtigen Sex mit jemandem zu denken, den sie nicht lieben. Dann haben sie den Versuchspersonen kognitive Tests vorgelegt. Wie vorhergesagt, schnitten die Liebestrunkenen weit besser bei Aufgaben ab, bei denen die Kreativität gefragt war, und schlechter bei analytischen Fragestellungen, während es bei denjenigen, die an Sex dachten, genau umgekehrt war. Eine gesonderte Gruppe von Versuchsteilnehmern brachten die Forscher unterschwellig dazu an Liebe oder an Sex zu denken und erhielten die gleichen Ergebnisse.

Studien von Gordon Gallup von der University of Albany zeigen, daß „Sperma-exponierte“ Frauen sich besser konzentrieren und allgemein kognitive Aufgaben besser ausführen können. Auf den Einfluß von Sperma auf die Stimmung habe ich an anderer Stelle hingewiesen.

Benedetta Leuner (Princeton University) et al. führten erwachsenen männlichen Ratten sexuell empfängliche weibliche Ratten zu. Die Forscher verglichen dann die Gehirnfunktion der sexuell aktiven Ratten mit der von jungfräulichen Artgenossen. Es zeigte sich, daß sexuell aktive Ratten einen Zuwachs an Gehirnzellen und der Anzahl der Verbindungen zwischen den Gehirnzellen verzeichneten und zwar desto mehr sie sexuelle Kontakte zu Weibchen hatten. Nagetiere, die Weibchen nur einmal in den zwei Wochen des Versuchs sahen, wiesen erhöhte Konzentrationen von Streßhormonen auf, während die Ratten, die täglich Zugang zu Weibchen hatten, keinen Hormonanstieg zeigten. Sexuell erfahrene Nagetiere erwiesen sich als weniger ängstlich als jungfräuliche.

In einem weiteren Experiment, von dem Kristin Wong berichtet, hat der Sexualforscher Werner Habermehl von der Universität Hamburg festgestellt, daß sexuelle Aktivität das Gehirn leistungsfähiger macht. Er führte eine Studie unter Studenten durch und entdeckte, daß Teilnehmer, die regelmäßig Sex hatten, weit besser kognitiv funktionierten als diejenigen, bei denen Tote Hose war.

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The Journal of Orgonomy (Vol. 37, No. 1, Spring/Summer 2003)

13. September 2012

In „An Overview of the Biopathic Diathesis: Update, Application and Analysis“ (S. 67-95) befaßt sich Peter A. Crist mit der Weiterentwicklung der orgonomischen Medizin seit Robert A. Dew seine Artikelserie über Innere Medizin im Journal of Orgonomy in den 1960er und 70er Jahren veröffentlich hatte.

  1. Jede Biopathie hat sowohl psychische als auch somatische Aspekte, wobei immer unklar blieb, was eigentlich mit „Psyche“ gemeint sei. „Psyche“ bezieht sich auf die Funktion des Gesamtorganismus („Ich fühle mich nicht!“), „Soma“ auf Teilfunktionen („Meine Galle tut weh!“). Ein Mensch kann nur eine einzige Charakter-Diagnose haben, aber zahllose Diagnosen, die sich auf „somatische Krankheiten“ beziehen.
  2. Orgonometrische Analysen haben gezeigt, daß, entgegen bisheriger mehr oder weniger stillschweigender Annahmen, Pulsation nicht so fundamental ist wie Erregung und Wahrnehmung:
  3. Das „plasmatische System“, das bei Reich eine zentrale Rolle spielt, umfaßt nicht nur das autonome Nervensystem und das vaskuläre System, sondern auch das Immunsystem und das endokrine System.
  4. Eine orgonometrische Analyse des Immunsystems und des endokrinen Systems hat gezeigt, daß orgonotischer Kontakt von der orgonotischen Strömung abhängt. Siehe dazu die Ausführungen in einem vorangegangenen Teil dieser Serie. Entsprechend müssen Störungen der Rezeptoren im Immunsystem und endokrinen System, d.h. Störungen des somatischen Kontakts auf tiefere Störungen in der orgonotischen Erregung, orgonotischen Wahrnehmung oder orgonotischen Strömung zurückgehen.
  5. Christ führt im Zusammenhang mit der Bedeutung der orgonotischen Erstrahlung aus:

    (…) einige Biopathien gehen auf eine Intoleranz für Expansion zurück (vom betreffenden wird gesagt, er „stecke in der Kontraktion fest“), während andere auf einer Intoleranz für Kontraktion beruhen (vom betreffenden wird gesagt, er „stecke in der Expansion fest“). Im ersteren Fall ist die Vermögen zur Spannung und Ladung gestört. Im letzteren Fall werden energetische Erregung und Ladung toleriert, aber es tritt charakteristischerweise eine Blockade auf, die die Entladung und Entspannung verhindert.

    Christ fährt fort:

    Das Einordnen der spezifischen Störung im Viertakt-Zyklus hat therapeutische Konsequenzen. Der Therapeut muß die besondere Blockade angehen, um die Pulsation wiederherzustellen. Beispielsweise befinden sich jene, die an einer entzündlichen Biopathie leiden, in einem Zustand der Überexpansion. Sie können energetische Erregung und Ladung tolerieren, haben aber typischerweise eine Blockade, was die Entladung und/oder die Entspannung betrifft. Deshalb ist die Entladung die Funktion, die angegangen werden muß. Jene, die an einer Schrumpfungsbiopathie leiden, können die Spannung nicht ertragen (das Gewebe zerfällt bei Quellung) oder nicht die Ladung (Intoleranz für die Ladung). In solchen Fällen müssen diese Funktionen, statt Entladung und Entspannung, angegangen werden.

Charles Konia und die Politik

6. September 2012

Manchen ist der Blog von Charles Konia, gegenwärtige der führende Denker in der Orgonomie, „zu politisch“, wenn nicht sogar „zu parteipolitisch“. Konia hätte die Politik zurück in die Orgonomie getragen, aus der Reich sie verband habe. Manchen seien seine entsprechenden Beiträge eine derartige Provokation, daß sie aufgegeben hätten sie zu lesen, um nicht vor Wut zu platzen.

Ich könnte anführen, daß Reich in den 1950er Jahren intern noch weit intensiver für Eisenhowers Wahl gefochten hat, als nun Konia auf seinem privaten Blog für die Romneys. Oder ich könnte mich wiederholen: daß heute, in der antiautoritären Gesellschaft, zentrale Bereiche des Lebens politisiert seien und die vermeintliche „Politik“ Konias nur verzweifelte Gegenwehr ist. Stattdessen möchte ich die Sache an dieser Stelle von einer etwas anderen Warte aus betrachten:

In der Orgonomie sind drei Themen unangebracht:

  1. Sex,
  2. Religion und
  3. Politik.

Es ist schlichtweg undenkbar innerhalb der Orgonomie so über Sex zu reden, wie es allgemein üblich ist, nämlich auf pornographische Weise. Reich hat das in seiner Umgebung keine Sekunde toleriert. Elsworth F. Baker hat geschrieben, die Orgonomie sei eine sehr puritanische Angelegenheit – und das ist zweifellos wahr. Warum das so ist, hat Reich in seiner Rede an den Kleinen Mann beschrieben. Kaum wird es „etwas lockerer“, zieht der Kleine Mann alles gnadenlos auf sein Niveau herab und es wird unmöglich von der Funktion des Orgasmus oder der kosmischen Überlagerung zu sprechen.

Aus ähnlichen Gründen ist die Religion tabu, ansonsten würde die Orgonomie nämlich in einer Schlammflut aus Sentimentalität, Bekenntniswut und „Spiritualität“ ersticken.

Von der prinzipiell irrationalen Politik brauchen wir erst gar nicht anfangen! Work, not Politics!

Andererseits jedoch handelt die Orgonomie von kaum etwas anderem als diesen drei Themen! Reich hat zig Bücher über Sex, Religion und Politik geschrieben! Der Unterschied ist nur, daß er jeweils die bioenergetischen Hintergründe angibt, also die orgastische Potenz und die orgastische Impotenz beschreibt, den bioenergetischen Unterschied von Mechanismus und Mystizismus, die unterschiedlichen Panzerstrukturen, etc. Es geht also gar nicht um die „Tabuthemen“ an und für sich, sondern darum, wie man sie behandelt, d.h. auf welcher Ebene mit ihnen umgeht.

Wenn Konia sich in seinem Blog mit dem gegenwärtigen Wahlkampf in den USA beschäftigt, dann ausschließlich von der Warte eines medizinischen und sozialen Orgonomen aus. Es geht nicht um Politik per se, sondern um die Panzerstruktur der Massen.

Trotzdem werden nachwievor manche Konias Schlußfolgerungen als parteipolitisch kontaminiert betrachten. Genauso sehen andere Reichs Analyse als einseitig christlich geprägt und seine Haltung zur Sexualität als zu puritanisch. Oder mit anderen Worten: manchen paßt die ganze Richtung nicht!

Nach meinem Dafürhalten haben diese Kritiker ein zu abstraktes Verständnis der Orgonomie. Das ganze erinnert mich etwas an das alte Diktum, daß aus dem Sein kein Sollen folgen kann. Ganz ähnlich sollen offenbar aus den orgonomischen Erkenntnissen keine Schlußfolgerungen gezogen werden, sondern alles „wertfrei“ bleiben.

Ich glaube, man kann Konias Position am ehesten wie folgt verorten:

Homo normalis hat keinen Zugang zu den tieferen Betrachtungsweisen und verharrt in einer Welt aus Herrenwitzen am politischen Stammtisch und leeren Bekenntnissen zur „christlichen Tradition“. Lebendigere Menschen lernen, daß es „eine andere Welt“ gibt, die Orgonomie, und wenden sich dieser in geradezu mystischer Weise zu. Wie durch Zauberhand ist die alptraumhafte klaustrophobische Welt des Homo normalis verschwunden, bzw. schrumpft angesichts „kosmischer Weiten“ in seiner Bedeutung zu einem Nichts zusammen. Aber das ist natürlich eine Illusion. Tatsächlich gibt es nichts wichtigeres als diese Welt des Homo normalis. Sie gilt es mit den Mitteln der Orgonbiophysik zu begreifen und zu verändern ohne Angst vor „Kontamination“. Das ist der Arbeitsbereich von medizinischen und sozialen Orgonomen wie Konia.

Das finstere Mittelalter der Orgonomie

5. September 2012

Nach Reichs Tod Ende 1957 sah es denkbar finster für die Orgonomie aus. Gerettet wurde sie vom „Aufbruch der 60er Jahre“. Die Menschen wollten sich von den alten rigiden Strukturen befreien. „Bewegung“ war das Zauberwort. Hier kam Reich wie gerufen. Wie kein anderer war er dazu prädestiniert, dieser Grundtendenz des Aufbruchs Stimme zu geben:

Entsprechend blühte die Orgonomie: Konferenzen, Universitätskurse, zahlreiche Forschungsprojekte, immer neue Zeitschriften und Bücher, Medizinstudenten interessierten sich für eine Laufbahn als medizinischer Orgonom, etc.

Obwohl die Eigendynamik dieses Aufbruchs vielleicht noch ein oder eineinhalb Jahrzehnt nachwirkte, kam es mit Anbruch der 1980er Jahre zu einem vollkommen unerwarteten Einbruch. Es begann das 30 Jahre andauernde finstere Mittelalter der Orgonomie. Es war, als ob in den 1980er, 1990er und 2000er Jahren für die Orgonomie kein rechter Platz mehr vorhanden war. Das Interesse und Engagement nahm rapide ab, für größere Aktivitäten fehlte die Nachfrage und es wurden in dieser Zeit kaum neue medizinische Orgonomen ausgebildet. Heute fehlt eine ganze Generation medizinischer Orgonomen!

Was war geschehen? Die Orgonomie war überflüssig geworden! Die alten Strukturen waren erstaunlich schnell zerfallen und die Botschaft von „sexueller Befreiung“ und Infragestellung der Autoritäten auf allen Ebenen war kein unwiderstehliches Faszinosum mehr, sondern wirkte eher schal und abgeschmackt. Leute, die „auf der Suche“ waren, wandten sich eher „spirituellen Pfaden“ zu und „kritischen Geistern“ ging es nun darum auch noch die letzten Festungen der „repressiven Genitalität“ zu schleifen. Mit Leuten wie Michel Foucault konnte Reich einfach nicht mehr mithalten.

Während dieser finsteren Jahrzehnte war die Orgonomie natürlich alles andere als untätig. Tatsächlich ist sie in dieser Zeit erst richtig zu sich selbst gekommen. Die Orgonometrie, die vorher kaum existierte, wurde ausgebaut, die soziale Orgonomie wurde zu einem eigenständigen Bereich, der an Bedeutung der medizinischen Orgonomie in nichts nachsteht, und die Orgontherapie hat ihre wahrscheinlich endgültige Form erhalten. Waren die ersten 20 Jahre vor allem von Elsworth F. Baker geprägt, so die letzten 30 Jahre von Charles Konia.

Gegenwärtig sind wir Zeitzeugen des Beginns einer dritten Phase in der Entwicklung „der Orgonomie nach Reich“. Der Zerfall der antiautoritären Gesellschaft ist vorangeschritten und hat derartig katastrophische Ausmaße erreicht, daß die jungen Menschen heute im allgemeinen entropischen Chaos nach Struktur, Orientierung und Halt suchen:

Nach ihrer Konsolidierung unter Charles Konia steht die Orgonomie unvermittelt als zutiefst konservative Kraft da, die sich nie vom Zeitgeist der „Genderstudien“, „Dekonstruktion“, Political Correctness, Verharmlosung, wenn nicht sogar Glorifizierung „weicher Drogen“, vermeintlicher „Esoterik“ und all dem anderen Unsinn hat korrumpieren lassen. Sie hat sich nie der jeweiligen „Jugendkultur“ angebiedert. Die Orgonomie wirkt wie der letzte Hort geistiger und emotionaler Gesundheit und Klarheit, wie die letzte Festung der Integrität, wie der letzte Halt vor dem Fall in den Wahnsinn.

Das ist zwar eine grundsätzlich andere Situation als in den 1960er und 1970er Jahren, trotzdem hat die Orgonomie wie damals wieder eine gesellschaftliche Funktion inne. Uns allen steht eine Zeit ungeahnter und aus der Natur der Sache heraus diesmal zeitlich nicht begrenzter Blüte und Expansion bevor. Die erste Gleichung steht für Zerfall, die zweite für Dauer.

The Journal of Orgonomy (Vol. 35, No. 2, Fall/Winter 2001)

4. September 2012

„Nahostexperten“, „Islamwissenschaftler“ und ähnliche Fachleute weisen gerne darauf hin, wie naiv doch der Glaube sei, die Islamisten, etwa die Attentäter des 9. September, wären durch den Haß auf die westliche Demokratie und allgemein auf die westliche Lebensweise motiviert. Nein, dahinter stünden ganz spezifisch Kolonialismus, Neokolonialismus, daß der Westen im Nahen Osten (jedenfalls bis vor kurzem) die Gewaltherrscher unterstützt, der Genozid an den Palästinensern, etc.pp. Die armen kleinen, unterdrückten Moslems!

Das ist natürlich alles vollkommener Unsinn, d.h. es entspringt eher den Köpfen westlicher Linksintellektueller. Und was die Palästinenser betrifft: der erste „Genozid“ der Weltgeschichte, der mit einer Bevölkerungsexplosion einhergeht…

Sie hassen uns nicht wegen dem, was Mossadegh widerfahren ist und auch nicht wegen der „willkürlichen Grenzziehungen“ im Nahen Osten, sondern aus einem ganz anderen Grunde!

Anläßlich des 11. September schrieb Charles Konia in „The Global Breakthrough of the Emotional Plague“ (S. 49-68):

Ohne die Vorgehensweise der Emotionellen Pest zu begreifen, ist es nicht möglich auf eine zufriedenstellende Weise zu verstehen, warum Amerika Ziel des islamischen fanatischen Hasses ist. Es ist ein Charakteristikum der Emotionellen Pest, daß der angegebene Grund für eine destruktive Tat nie das wahre Motiv ist. Einige dieser vorgeschobenen Gründe sind die folgenden: Zorn wegen der sozialen, politischen, ökonomischen und militärischen Vorherrschaft des Westens in der Welt, Empörung wegen der Unterstützung der Vereinigten Staaten für Israel, Groll wegen der empfundenen Erniedrigung des islamischen Volkes durch den Westen, die Dekadenz der westlichen Gesellschaft und so weiter.

Der wahre Grund dafür, daß die islamischen Fanatiker dazu getrieben werden Amerika zu zerstören, ist, daß sie die freifließenden, unvermittelten und lebensbejahenden Impulse, die aus dem biologischen Kern stammen und die Teil des amerikanischen Lebens sind und mit ihm identifiziert werden, nicht tolerieren können. Im Prinzip verkörpert die amerikanische Regierung die Kernfunktionen des menschlichen Lebens (Freiheit, Verantwortung, Unabhängigkeit, Ehrlichkeit, Anständigkeit, Fairness, Großzügigkeit und so weiter). Da der pestilente Mensch nicht in der Lage ist, Lust aus dem biologischen Kern heraus zu erfahren, erzeugt das Leben in Amerika eine unerträgliche, tiefempfundene Sehnsucht im islamischen Fanatiker, das unmittelbar zu einem mörderischen Haß wird, der sich gegen die Quelle seiner emotionalen Erregung richtet. Er muß deshalb Amerikaner töten und Amerika zerstören. Um das zu erreichen, schreitet er aggressiv und siegesgewiß zur Tat. (S. 60)

Intellektuellen ist das zu einfach, zu „unhistorisch“ – außerdem sind ihre eigenen Gefühle weitgehend identisch mit den beschriebenen Gefühlen der Islamisten.

Erinnert sei auch an die Taliban, die vor kurzem im Süden Afghanistans 17 Menschen geköpft haben, weil diese bei einem Dorffest getanzt haben. Es ist beim islamistischen Terror immer das gleiche: er ist spezifisch gegen das Lebendige gerichtet, d.h. gegen alles, was die Islamisten in genuine bioenergetische Erregung versetzt. Irgendwelche „Strategien“ sind nur vorgeschoben. Westliche „Experten“ tun ein Übriges, um vom Wesentlichen, der Emotionellen Pest, abzulenken.

Hier eine der wenigen vernünftigen moslemischen Stimmen. Heimlich lachen die meisten Moslems, wenn sie all den linken, angeblich „aufklärerischen“ Unsinn hören, mit dem sich Westler bei ihnen anzubiedern versuchen!

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Augenpanzer und Neurologie

3. September 2012

Daß man Biopathien an Ausdruck und Bewegung der Augen ablesen kann, habe ich bereits vor kurzem diskutiert.

Die beiden Computerwissenschaftler Po-He Tseng und Laurent Itti von der University of Southern California haben nun in Zusammenarbeit mit Forschern von der Queen’s University, Kanada ein Methode entwickelt, mit deren Hilfe neurologische Störungen wie ADHS, Parkinson und fetale Alkohol-Spektrumsstörungen denkbar einfach und kostengünstig diagnostiziert werden können. Dazu werden einfach die alltäglichen Augenbewegungen der Probanden verfolgt und analysiert.

Die Autoren waren von der Überlegung ausgegangen, daß jede der drei genannten Krankheitsbilder Störungen der Augenkontrolle und der Aufmerksamkeit beinhalten. Deshalb müßten sie einfach zu diagnostizieren sein, wenn man die Bewegung der Augen der Patienten untersuche, während diese fernsehen.

Das Verhaltensmuster der natürlichen Aufmerksamkeit und der Augenbewegungen enthält – ähnlich einer Speichelprobe – die biometrische Signatur eines Menschen, in diesem Fall über den Zustand seiner Hirnfunktionen. Derartige individuelle Signaturen, insbesondere potentielle Biomarker einzelner neurologischer Störungen, die sie enthalten könnten, wurden bisher jedoch noch nicht erfolgreich dekodiert.

Die 108 Versuchsteilnehmer wurden einfach gebeten sich für zwanzig Minuten Fernsehspots anzuschauen und zu genießen. Währenddessen wurden ihre Augenbewegungen verfolgt und mit den Daten normaler Augenbewegungen abgeglichen. Es konnten dergestalt erwachsene Parkinsonkranke mit einer Genauigkeit von 89.6 Prozent, sowie Kinder, die unter ADHS oder fetalen Alkohol-Spektrumsstörungen litten, mit einer Genauigkeit von 77.3 Prozent diagnostiziert werden.

Im Vergleich zu bisherigen Methoden ist die neue billig, einfach zu handhaben und benötigt vor allem nicht die Mitarbeit der teilweise sehr jungen bzw. sehr alten Patienten.

Es gibt doch tatsächlich normale und gesunde Augenbewegungen! Eines Tages wird man entdecken, daß auch die diversen Neurosen spezifisch in den Augenbewegungen und überhaupt in den Bewegungen jedes einzelnen Körperteils zum Ausdruck kommen und so diagnostiziert werden können. Darüber hinaus wird man erkennen, daß sich die Beweglichkeit wiederherstellen läßt und daß damit auch die Symptome verschwinden. (Neurologische Störungen im engeren Sinne beinhalten natürlich irreversible Veränderungen auf struktureller Ebene und können so nicht geheilt werden!)

Ich selbst bin immer wieder überrascht, daß man über einen Menschen das Wesentliche erfahren kann, wenn man ihn nur beim Gehen zuschaut. Es sind Menschen, die sich wie eine fremde Spezies bewegen. Das Gesicht kann verhüllt sein, man kann ihn nur von hinten sehen, trotzdem reicht ein Blick und man weiß, ob eine größere psychische Störung vorliegt oder nicht.

Es geht um das, was Reich als „Ausdruckssprache des Lebendigen“ bezeichnet hat. Es schlägt sich natürlich auch in der Struktur nieder, beispielsweise im Schreibstil. Ein Gefühl dafür zu entwickeln, wird im Zeitalter des Internets und der Avatare immer wichtiger.

The Journal of Orgonomy (Vol. 35, No. 1, Spring/Summer 2001)

2. September 2012

Der Zerfall der Moral ist allgegenwärtig. Das fängt damit an, daß man im Apartmenthaus nicht zurückgegrüßt wird, wenn man jemanden freundlich grüßt, und reicht bis hin zur Unmoral unserer Politiker und Wirtschaftsbosse. Moral ist direkter Ausdruck unseres Kontaktes zu unserem bioenergetischen Kern. Der Zerfall der Moral weist entsprechend auf die zunehmende Kontaktlosigkeit hin.

Charles Konia sagt dazu:

Moral leitet sich von der eigenen Urteilsfähigkeit ab. Die Moral eines Menschen (…) wird durch die Tiefe des Kontakts, den er mit sich selbst hat, bestimmt. Bei ungepanzerten Menschen stammt die Urteilsfähigkeit aus dem biologischen Kern. Bei einem solchen Menschen funktioniert Moral in einer einfachen, unkomplizierten Art und Weise. Sie steht im Dienst der Erhaltung ungepanzerten Lebens bei ihm selbst und in seiner Umgebung. Nennen wir dies „natürliche Moral“. Bei gepanzerten Menschen erstarrt die Urteilsfähigkeit. Sie ist entsprechend der individuellen Charakterstruktur verzerrt. Moral verwandelt sich in Moralismus und beginnt der Erhaltung gepanzerten Leben zu dienen. („Editor’s Page“)

Der gegenwärtige Zerfall der Moral ist Ergebnis einer mißglückten Biologischen Revolution. Eine Revolution, die ungefähr 1960 ihren Anfang nahm. Die Menschen sollten freier sein, frei von alten Konventionen. Ergebnis ist jedoch nicht genuine Freiheit, sondern ein immer weiter um sich greifendes Chaos vermengt mit einer neuen Art von Moral, die das Lebendige vielleicht mehr einschränkt als jemals zuvor.

In seinem Aufsatz „Ideology is a Secondary Factor in Defining the Sociopolitical Spectrum“ (S. 58-79) führt dies Robert A. Harman weiter aus, indem er die autoritäre Tendenz orgonometrisch mit dem einfachen Gegensatz gleichsetzt:

und die antiautoritäre Tendenz mit dem antagonistischen Gegensatz:

In der autoritären Gesellschaft kommt es bei Konflikten zu einer direkten Auseinandersetzung, die zu einem im ganzen befriedigenden Resultat führt. Dinge werden beim Namen genannt und damit Konflikte lösbar (→←).

Im antiautoritären Neusprech hingegen werden zwar Begriffe verwendet, die auf Inklusion zu zielen scheinen (man wird beispielsweise nicht mehr mit dem Diktum „ungebildet“ ausgegrenzt, sondern man ist „bildungsfern“), doch tatsächlich läuft das ganze natürlich auf Vermeidung von Kontakt und auf „Spaltung“ hinaus, da die Probleme nicht mehr angegangen werden, sondern ihnen ausgewichen wird und sie sich so immer weiter zuspitzen (←→).

Der Abstand zwischen Gebildeten und Ungebildeten wird immer größer. Früher war der durchschnittliche „klassenbewußte“ Arbeiter erstaunlich gut unterrichtet, während man heutzutage bereits bei manchen Abiturienten das Gefühl hat, man unterhielte sich mit einem sprechenden Affen! Desgleichen mit dem Sozialstaat: alle Maßnahmen, die „den Armen“ helfen sollten, mündeten letztendlich in einer immer weiteren Verelendung („Elend“ ist etwas anderes als „Armut“!). Das „Aufnehmen“ fremder Ethnien, die keinerlei „Integrationsdruck“ ausgesetzt wurden, führte zu einer Spaltung, der Gesellschaft. Die Liste, um die Etablierung des antagonistischen Gegensatzes in wirklich allen Bereichen des Lebens zu illustrieren, ließe sich beliebig fortsetzen.

Oberflächlich betrachtet ging es beim Moralismus der autoritären Gesellschaft vor allem um Ausgrenzung („Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!“), darüber gibt es ganze soziologische Bibliotheken, doch tatsächlich, d.h. von der Bioenergetik her betrachtet, ging es darum die Menschen sozusagen „zusammenzuzwingen“, durch rigide Kleiderordnungen, Benimmregeln, etc. (→←). Die Moral diente schlicht dem Erhalt der Gesellschaft.

Entsprechend sieht es beim antiautoritären Moralismus oberflächlich so aus, daß im Gegensatz zu früher „niemand ausgegrenzt wird“. In Wirklichkeit läuft er aber darauf hinaus, daß sich die Gesellschaft in Gruppen spaltet, die nichts mehr miteinander verbindet und die keinerlei Kontakt mehr zueinander haben. Logisches Ergebnis wird der Bürgerkrieg sein. Man nehme die USA, wo, je mehr gegen den Rassismus gekämpft wird, sich desto mehr die „Rassen“ voneinander entfremden (←→). Die öffentliche Moral, der sich alle zu unterwerfen haben, ist ein Werkzeug der kommunistischen Subversion geworden!