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Diskussionsforum 2009: eine Nachlese

25. Januar 2015

Ich habe mich entschieden im Abstand von etwa fünf Jahren die alten Diskussionsforen auszuräumen und in Auszügen in dieser Reihe mit aktuellen Kommentaren neu zu präsentieren. Im Laufe der Zeit sammelt sich zu viel Text an, der durch seine schiere, meist vollkommen irrelevante Masse den einen oder anderen Punkt verschwinden läßt, an den ein Erinnern sich vielleicht verlohnt.

Der erste Leserbrief betraf Islam und Rassismus:

Dieses Land kann nicht lebenswert bleiben, wenn man ständig Angst haben muß, von jungen aggressiven muslimischen Männern angegriffen zu werden. Wer traut sich abends noch ohne innere Anspannung raus und kann guten Gewissens seine Kinder in die Schule schicken?

Darauf mein Leser: „Sowas nennt man auch Paranoia, vieleicht mal einen Arzt aufsuchen!“

Es ist wirklich frappant, daß linke Gutmenschen immer die gleichen beiden „Argumente“ vorbringen:

  1. Du bist dumm, weil du nicht differenzieren kannst. Beispielsweise gäbe es nicht den Islam. Und überhaupt hätte alles Negative, was man vorbringen könne, nichts mit dem Islam zu tun. – Was für eine Logik!
  2. Du bist seelisch krank, weil du Angst vor „Minderheiten“ hast und diese als vermeintlich „seelisch krank“ ausgrenzt.

Damals antwortete ich darauf:

Oder beim nächsten Volksfest Autoskooter fahren!

Zugegeben, ich sollte echt aufhören Jihad Watch Deutschland anzuklicken.

Oder Videos wie das folgende reinzuziehen:

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=t98GAat08gY%5D

Später fügte ich hinzu:

Hier noch ein Bericht aus meinem Hamburg, über einen, der fast genauso aufgewachsen ist wie ich, nur daß ich kein Türke bin:

http://kruppzeuch.wordpress.com/2009/11/09/cem-glay-wir-hassen-euch-ihr-hasst-uns-das-ist-nun-mal-fakt-und-das-hat-grnde/

Cem Gülay sagte damals voraus: „Es werden keine Vorstädte brennen wie in Paris. Nein, die Innenstädte werden brennen.“

Der zweite Leserbrief stammte von dem mittlerweile verstorbenen Berliner Reichianer Heiko Lassek, der Ende 2009 nicht ohne Grund und Berechtigung schrieb:

Bitte, lieber Peter Nasselstein, nicht immer diese Gerüchte um die Berliner Bewegung; in dem ansonsten recht fundierten Arikel immer wieder seltsame Unterstellungen in Bezug auf Berlin (wo Bernd Senf und ich, besonders aber Volker Knapp unterschiedlichste Herangehensweisen vertraten – und vertreten ): wo bitte hat die Wilhelm-Reich-Gesellschaft denn nun das Orgon abgeschafft? Das muss doch nun doch einmal nach zwölf Jahren Vorsitzender und nun Ehrenpräsident und Ehrenmitglied des Wiener Reich-Instituts doch einmal von Ihnen erfahren …
Trotzdem lieben Gruß, ich lese interessiert weiter …

Ich gebe das und das folgende erneut wider, weil es von „historischem“ Interesse ist. Zunächst zitierte ich Auszüge aus dem Protokoll der Vorstandssitzung der Berliner Wilhelm-Reich-Gesellschaft vom 29./30. April 1995:

Während Reichs Erkenntnisse auf biologischen, medizinischen und therapeutischen Gebiet eine zunehmende Evidenz und Bedeutung zukommt, sind Reichs quantitative Formeln als physikalische Definitionen nicht haltbar. Die Begriffe Orgonspannung und Orgonenergie bedürfen einer Korrektur und Neudefinition.

Wir interpretieren den Orgonbegriff Reichs als universelles Lebens- und Liebesprinzip, welches als gemeinsames Funktionsprinzip die Grundlage des gesamten- physikalischen, biologischen, seelischen und geistigen Naturgeschehens bildet.

Und ich fügte hinzu: „Über diese Aussagen wurde abgestimmt – und die ‚Wilhelm Reich Gesellschaft‘ machte mit überwältigender Mehrheit aus der Orgonenergie so etwas wie ein naturphilosophisches Prinzip.“ Ich hätte noch hinzufügen sollen, daß deshalb sich Eva Reich enttäuscht und verärgert zurückzog.

Lassek anwortete:

Lieber Peter Nasselstein,

schade das unser Film Ihnen nicht gefällt!

Aber etwas anderes, wichtigeres:

Nun gebe ich Ihnen Recht, das dieser Protokollauszug falsch verstanden werden kann. Aber in 12 Jahren als erster Vorsitzender und nun Ehrenpräsident der WRG kann man ja auch mal ein Protokoll nicht gänzlich überprüft haben.

Von [xyz] wurde dieser Ausschnitt öffentlich und in einer eigenen Übersetzung an den immer empfindlichen James DeMeo geschickt (Jimmi hatte davor an hunderte Personen eine email geschickt, in der er ernsthaft (!) behauptete, ich hätte ihn “Hitler” (!) genannt; sein Sprachcomputer hatte meinen Satz “DeMeo als Führer der Waldheilungsgruppe…” entsprechend übersetzt!), der ihn in eigener Rückübersetzung weiter zirkulierte… Die Formulierung in dem Protokoll stammt von meinem Freund Dr. med. Hanspeter Seiler, früher Chefarzt der Bircher–Benner–Klinik in Zürich. Prof. Dr. Jerszy Miskowski hatte argumentiert, man sollte “die Formeln der Orgonphysik wie einen entzündeten Blinddarm aus der Reichschen Forschung herausschneiden.”

Kennen Sie ein rein orgonphysikalisches Experiment oder eine mathematische Formel Reichs, das oder die im dem Nachvollzug nachhaltig wiederholbar war (Ich rede ausdrücklich nicht von ORAC – Wirkungen auf BIOLOGISCHE Systeme).

Laurence Rockefeller, enger Freund von Dr. Blasband, finanzierte die aufwendigsten Untersuchungen im Privatlabor von Dick UND in Princeton, alle mir bekannten ernsthaften Forscher fanden keine – das natürlich Joachim Trettin immer eine findet, nehme ich beglückend zur Kenntnis…

Auch über M. Fuckerts Anordnung, die er persönlich vorstellte, mache ich hier keinen Kommentar …

Muss ein Genie wie Reich denn wirklich in ALLEM recht gehabt haben?

Wenn Sie eine andere als die aus Ärzten und Naturwissenschaftlern 38 köpfige WRG kennen, die fast ausnahmslos alle Experimente Wilhelm Reichs in den letzten 23 Jahren kritisch nachvollzogen hat, lassen Sie es mich wissen.. Und natürlich gibt es die Orgonenergie.

Herzlichen Gruß aus Berlin.

Darauf ich:

Hallo Herr Lassek,

das Protokoll habe ich aus dem Netz von einer der zahllosen Trettin-Seiten zitiert. Ihre Erklärung muß ich so akzeptieren. Was ansonsten die Geschehnisse betrifft, die Sie beschreiben: wir alle wissen, daß untergründige Animositäten (Gefühle) nach irgendeiner Rechtfertigung suchen, um endlich an die Oberfläche treten zu können. Ob diese Gefühle selbst rational sind, steht auf einem anderen Blatt. Was die quantitative Orgonometrie betrifft muß man zwischen einfachen Meßwerten (etwa To-T) und den Reichschen Formeln (etwa Org = [To-T] t f³) unterscheiden. Ich halte von diesen Formeln nichts, zumal sie nicht-metrische Einheiten enthalten und vom Dimensionsprodukt her sinnlos sind. Nach Reichs Tod hat sie aber auch wirklich niemand (jedenfalls niemand, der etwas veröffentlicht hat) mehr verwendet. Im genannten Beispiel reicht To-T ohnehin vollkommen aus. Was To-T-Messungen betrifft muß man m.E. unterscheiden: dienen sie sozusagen „intern“ dazu beispielsweise den DOR-Index abzugleichen oder soll „extern“ beispielsweise einem Physikprofessor gegenüber eine thermodynamische Absonderlichkeit aufgezeigt und im Anschluß daran das Orgon nachgewiesen werden. Im ersteren Fall reicht insbesondere Manfred Fuckerts Versuchsaufbau vollkommen aus. Er funktioniert und man kann vernünftige Schlußfolgerungen daraus ziehen, die mit anderen gemessenen Parametern vollkommen harmonieren. Reich selbst hat stets auf das harmonische Gesamtgefüge der beobachteten Phänomene und Meßergebnisse verwiesen. Wie Reich in seiner Auseinandersetzung mit Einstein erfahren mußte, beharren Physiker jedoch auf einzelnen Messungen und kommen dann nach einigen Überlegungen mit allen möglichen grundsätzlichen Gegenargumenten daher, die teilweise wirklich haarspalterisch, wenn nicht sogar abwegig sind, aber leider Gottes berücksichtigt werden müssen. Da fängt das Elend an: komplizierte (und teure) Versuchsaufbauten, die den Effekt jedoch nicht ersticken dürfen, und Standortanforderungen („trocken und energetisch gesund“), bei denen sich jeder Physiker verarscht vorkommen muß, weil er nicht abschätzen kann, was da eigentlich abgeschirmt werden soll. Dr. Blasband wollte das leisten, Dr. DeMeo ist gerade dabei.

Mittlerweile hat DeMeo seine Ergebnisse veröffentlicht. Ich verweise auf seinen Artikel Experimental Confirmation of the Reich Orgone Accumulator Thermal Anomaly. Das Problem mit Physikern ist zweierlei. Erstens werden sie darauf insistieren, die Versuche „unter kontrollierten Bedingungen“ im eigenen Labor nachzuvollziehen, d.h. unter energetisch toten, extremen ORANUR-Bedingungen. Das ist ungefähr so sinnvoll, als wollte man Neutrinos im Labor eines physikalischen Instituts nachweisen, statt tief in einem Bergwerk weit weg von der störenden kosmischen Strahlung! Und zweitens werden sie diese Versuche mit einer von Verachtung geprägten Nachlässigkeit durchführen, weil sie den physikalischen Laien Reich, der sich in dieser Hinsicht immer wieder peinliche Schnitzer erlaubt, schlicht nicht ernstnehmen können.

Das Geheimnis der Entropie

29. Juli 2012

Der Zustand der maximalen Entropie ist die ultimative Verkörperung dessen, was in der Orgonomie als „mechanisch“ bezeichnet wird. Es gibt keine Ordnung, keine Strukturen. Ein derartiger Zustand ist gar nicht so einfach herzustellen. Beispielsweise muß man Laboratorien für Unsummen ins Weltall schießen, um dem Ordnungsfaktor Gravitation zu entgehen.

Wirklich interessant wird es, wenn man einen anderen Störfaktor ausschaltet: die Wärmebewegung. Nähert sich die Temperatur dem absoluten Nullpunkt treten Phänomene auf, die allem zu widersprechen scheinen, was wir mit einem „entropischen Zustand“ verbinden. Ich habe das in Orgonenergie-Kontinuum und atomare Struktur beschrieben.

Man kann sogar diskutieren, ob die Annäherung an das thermodynamische Gleichgewicht von genau jenen quantenmechanischen Mechanismen abhängig ist, deren Nähe zu orgonphysikalischen Phänomen ich im verlinkten Aufsatz aufgezeigt habe. Oder mit anderen Worten: das Zweite Thermodynamische Gesetz bedarf der spontanen Orgonenergie bzw. ihren quantenmechanichen Äquivalenten. (Siehe dazu David Z. Albert: „The Foundations of Quantum Mechanics and the Approach to Thermodynamic Equilibrium“, The British Journal for the Philosophy of Science, 45, S. 669-677, 1994.) Man muß einen Satz von Spielfiguren oder Spielkarten sozusagen „erst durchschütteln“, bevor man mit dem Spiel anfangen kann, das darin besteht, aus maximaler Unordnung maximale Ordnung zu machen. Am Anfang steht also das „Druchschütteln“ – ein anentropischer Akt, an dessen Ende maximale Entropie steht, die dann nach und nach abgebaut wird.

Ein Äquivalent zu quantenmechanischen Prozessen am Rande des absoluten Nullpunkts sind gleichförmige Nanoteilchen: In der Studie „Predictive Self-Assembly of Polyhedra into Complex Structures“ von Sharon Glotzer (University of Michigan) et al. konnten, jedenfalls in der Computer-Simulation, Ansammlungen von verschieden geformten Nanoteilchen dazu gebracht werden sich spontan zu verschiedenen makrokosmischen Strukturen zusammenzufinden.

Sich selbst überlassen finden schwebende Teilchen zu Zusammenstellungen mit der höchsten Entropie zueinander. Diese Zusammenstellung entspricht dann der Vorstellung, daß Entropie mit Unordnung gleichzusetzen ist, wenn die Teilchen ausreichend Raum zur Verfügung haben: sie zerstreuen sich und weisen in zufällige Richtungen. Aber dicht zusammengepackt fingen [in der Simulation] die Teilchen an, sich zu Kristallstrukturen zusammenzufinden, so wie es Atome tun – auch wenn die Nanoteilchen keine chemischen Bindungen eingehen konnten. Diese geordneten Kristalle mußten ebenfalls hochentropische Zusammenstellungen sein.

Glotzer erklärt, daß das nicht wirklich „Unordnung ist, die aus sich heraus Ordnung erschafft“, vielmehr benötige das Image der Entropie ein Update. Sie beschreibt sie als ein Maß für Möglichkeiten. Wenn man die Schwerkraft abdrehen könnte und einen Beutel mit Würfeln in ein Glas entleerte, würden die einzelnen schwebenden Würfel in jede mögliche Richtung zeigen. Wenn man jedoch damit fortfahre Würfel hinzuzufügen, werde der freie Raum schließlich so begrenzt, daß die Würfel mehr Optionen hätten, wenn sie sich gegeneinander ausrichten. Dasselbe passiert mit den Nanoteilchen, die so klein sind, daß sie die Einwirkung der Entropie stärker erfahren als die der Gravitation.

„Es dreht sich alles um Möglichkeiten“, sagt Glotzer. „In diesem Fall erzeugen geordnete Zusammenstellungen die meisten Möglichkeiten, die größten Freiräume. Das ist natürlich kontraintuitiv.“

70 Prozent der in den Computerdurchläufen getesteten Formen für Nanoteilchen ergaben unter dem Einfluß der Entropie Kristalle. Wobei die Forscher geradezu geschockt waren, wie kompliziert einige dieser Kristallstrukturen waren. Mittlerweile ist es sogar möglich, aus der Form der einzelnen Nanoteilchen die Art der Kristalle vorauszusagen, die sich aus den Nanoteilchen bilden. Warum 30 Prozent der Nanoteilchen, die sich in ihrer Form kaum von den anderen Nanoteilchen unterschieden, keine kristallinen Strukturen ergaben, bleibe jedoch ein Rätsel.

Wie an anderer Stelle dargelegt, ist aus schulphysikalischer Sicht der Orgonenergie-Akkumulator die perfekte Einrichtung, um einen Raum von Umgebungseinflüssen physikalisch zu isolieren: ein Faradayscher Käfig mit zusätzlicher Wärmedämmung. Mit Hilfe dieser „Abschirmung“ konnte Reich unerwartete Strukturen bzw. unerwartete Ordnung ausmachen, d.h. Energie akkumulieren. Entsprechende Phänomene beobachtet man, wenn man den Umwelteinfluß „Wärmebewegung“ gegen Null fährt oder, jedenfalls in der Computer-Simulation, die Freiheitsgrade von Nanoteilchen drastisch einschränkt, indem sie alle beispielsweise nur kleine Diskusse in einem beschränkten Raum sind. Statt einen amorphen „entropischen Brei“ zu bilden, zwingt die Entropie diese sozusagen „eingeschränkten“ Nanoteilchen zur Bildung von teilweise komplizierten Strukturen.

Sollten sich diese Erkenntnisse vom Computer in die Wirklichkeit übertragen, d.h. technologisch umsetzen lassen, hätten wir Materialien zur Verfügung, von denen kein Science-Fiction-Autor bisher auch nur träumen konnte!

Im übrigen erinnert mich das ganze fatal an die Atomtheorie der alten Griechen in Platons Fassung:

Im Timaios hat Platon um 350 v.Chr. die Ansicht vertreten, daß die vier „Elemente“, aus denen die Welt aufgebaut ist – Feuer, Wasser, Luft und Erde – alle aus winzigen Teilchen zusammengesetzt sind. Und da die Welt nur aus perfekten Bausteinen gemacht sein kann, so schloß er weiter, müssen diese Bausteine die Formen der regulären Körper haben. Zum leichtesten der Elemente, dem Feuer, muß das Tetraeder gehören. Als stabilstes aller Elemente muß die Erde aus Würfeln aufgebaut sein. Das Wasser ist flüssig und beweglich, also muß es aus Ikosaedern bestehen, dem regulären Körper, der am leichtesten rollt. Und in Bezug auf die Luft schreibt Plato: „…Luft verhält sich zu Wasser wie Wasser zu Erde“, so schließt er etwas mysteriös, „also muß Luft aus Oktaedern aufgebaut sein“.