Posts Tagged ‘Quantenmechanik’

Die beiden Seiten des orgonomischen Funktionalismus

4. September 2026

Ich habe ein „operationalistisches“ Verhältnis zu Theorien, während sich mein Umfeld, an der vermeintlichen „Wirklichkeit“ orientiert, d.h. weitgehend orientierungslos ist. Nach dem Motto: „Wie konntest du wissen, daß das jetzt passiert?“ Für mich ist eine Theorie gut, wenn sie funktioniert, also richtige Voraussagen ermöglicht; wenn sie eine sinnvolle Ordnung schafft, mit der man die Wirklichkeit bewältigen kann; mit der man operieren kann wie beispielsweise mit einem Skalpell. Wenn ein mathematisches Modell Vorhersagen erlaubt, nutzt man es, selbst wenn man die „echte“ Realität dahinter nicht versteht. Darauf beruht die Quantenmechanik und im Grunde die gesamte Physik. Es ist naiv nach einer Theorie zu suchen, die sich mit der Wirklichkeit deckt. Eine solche Theorie ist genauso sinnlos wie ein Stadtplan, der die Stadt 1:1 in allen Einzelheiten widergibt. Diese würde es kurioserweise erschweren, wenn nicht unmöglich machen, deinen Standort in der Wirklichkeit zu lokaliseren! Um sich im Stirnerschen Sinne „die Welt anzueignen“ braucht es Werkzeuge und eines dieser Werkzeuge ist die Abstraktion. Praxis benötigt Theorie.

Das berechtigte Gegenargument lautet, daß, wenn eine Theorie nur funktionieren muß, dies der Willkür und dem Mißbrauch Tor und Tür. Die objektive Wahrheit muß der Leitfaden bleiben. Wie sich der annähern? Zunächst einmal benötigt Theorie der Praxis. Das war Reichs gesamter naturwissenschaftlicher Ansatz angefangen bei den allerersten Bionversuchen, die einfach im „theoriefreien“ Beobachten bestanden. Die Theoriebildung muß organisch und „automatisch“ aus dem langandauernden (!) Beobachten und dem wiederholten (!) Experimentieren erwachsen, sich alternativlos aufzwingen. Man nehme das atmosphärische Flimmern der Orgonenergie. Der Physiker wird instantan „Hitzewellen“ (unterschiedliche Lichtrefraktion durch unterschiedlich warme, sich ständig in Bewegung befindende Luftschichten) sagen und die Sache ist damit für ihn erledigt. Tatsächlich muß man mit offenen („theoriefreien“) Blick stunden-, tage-, wochenlang das atmosphärische Flimmern in freier Natur und unter verschiedensten Bedingungen beobachten, um die Sache erfassen zu können. Oder man nehme Einsteins Erklärung für den Temperaturgradienten zwischen Orgonenergie-Akkumulator und Umgebung: Konvektionsströme. Reichs Antwort waren Variationen des Versuchs unter den verschiedensten Bedingungen: aufwendige Induktion statt arbeitsökonomischer Deduktion.

Nachdem die Orgonomie durch Reich und mit kleineren Ergänzungen Elsworth F. Baker und Charles Konia weitgehend abgeschlossen ist, dreht sich dieses Verhältnis wieder um. Ein schönes Beispiel ist die soziopolitische Charakterologie. Ich brauche mich nicht zeitaufwendig auf die „gesellschaftpolitische Wirklichkeit“ einzulassen (die sowieso weitgehend durch einen medialen Filter zu mir gelangt, wenn ich nicht ständig auf „Expedition“ in Deutschland unterwegs sein will!), um zu wissen was vorgeht und wie bestimmte Ereignisse und Personen einzuordnen sind! Ich verweise auf den Anfang dieses Blogeintrags…

Man betrachte die steinzeitliche Höhlenmalerei in Europa. Mit zwei, drei spontan hingeworfenen Strichen („Theorie“) wird weit mehr über die energetische Essenz eines Pferdes ausgesagt als jedes „wirkliche“ Pferd („Praxis“) jemals vermitteln könnte!

1935: der Triumphzug des Mechano-Mystizismus gegen den Funktionalismus beginnt (Teil 2)

2. September 2026

Bis etwa Mitte der 1930er Jahre stand Reich in kompletter Harmonie mit der damals gängigen Naturwissenschaft. Dann ereigneten sich zwei Dinge, die mehr miteinander zu tun haben, als es auf den ersten Blick der Fall zu sein scheint: das Zeitalter der Genetik und das „Atomzeitalter“ nahmen Form an und beherrschten schließlich den Diskurs. Dazu paßt Erwin Chargaffs bekanntes Diktum: „Die zwei größten Taten, und wahrscheinlich Missetaten, der Naturwissenschaft der Gegenwart waren die Atomspaltung und die Entdeckung von Eingriffsmöglichkeiten in die Vererbungsmechanismen“ (Chargaff: Unbegreifliches Geheimnis, Stuttgart 1981). Gleichzeitig mit diesem extremen Mechanizismus trat eine auf den ersten Blick gegenteilige „mystische“ Geistesrichtung in Erscheinung: das Lebendige wurde zur „Information“ und die Atome verflüchtigten sich in Symmetrien und – Information („Ideen“). Kein Platz mehr für so etwas wie eine „kosmische Lebensenergie“!

Reichs Auseinandersetzung mit „dem Atom“ spannt sich zwischen seinem Treffen mit Einstein Anfang der 1940er Jahre und seinem ORANUR-Experiment Anfang der 1950er Jahre. Er sah die Atom-Lobby in die Verschwörung gegen ihn bzw. das Lebendige involviert. Und was die Genetik betrifft, schrieb er in Christusmord: „Die Pharisäer (…) sind weder besser noch schlechter als die Genetiker (…), was ihre Haltung dem Leben gegenüber betrifft. Sie werden Christus töten, weil er den Leuten gesagt hat, wo sie das Leben finden können.“

Bis Mitte der 1930er Jahre hatten die Lebenswissenschaften, insbesondere die Medizin, der Physik den Weg gewiesen. In seinem Buch Die großen Physiker und ihre Entdeckungen (München 1984) zitiert Emilio Segrè aus der bedeutsamen Rede über „Die neuen Ziele der Experimentalphysik“ die Professor Orso Mario Corbino 1929 hielt:

Besser als eine einfache Überlagerung der Techniken wäre eine Verschmelzung der Mentalität eines Biologen mit der durch die neue Physik geschaffenen Denkweise in ein und demselben Hirn. Hermann von Helmholtz (…) gab (…) seinen Lehrstuhl für Physiologie auf, um (…) Physik zu lehren. Es war zum größten Nutzen der Wissenschaft. Heute liegen die Dinge genau umgekehrt. Die experimentelle Physik (…) hat (…) alle Werkzeuge an der Hand, anderen, weniger fortgeschrittenen Wissenschaften weiterzuhelfen.

Segré führt aus, daß in der Tat nicht wenige der führenden Gestalten in der neuen Disziplin Molekularbiologie in der Physik ausgebildet waren und ihre Laufbahn als Physiker begannen. Es konnte nicht ausbleiben, daß sie eine extrem mechanistische Denkungsart in die Lebensforschung trugen.

In dieser Hinsicht federführend war Max Delbrück, ein Schüler des Quantentheoretikers Max Born. Carl Friedrich von Weizsäcker zufolge wandte sich Delbrück der Biologie zu, von der Problemstellung der „Quantentheorie des Subjekts“ geleitet (Aufbau der Physik, München 1985). In seinem Buch Wahrheit und Wirklichkeit (Hamburg 1986) stellt Delbrück das Ergebnis seiner Bemühungen dar, indem er den Realismus und die kartesische Trennung von Geist und Materie kritisiert und meint, wissenschaftliche Aussagen seien letztlich sprachlich Konstruktionen.

Der Widerstand, der der Idee entgegengebracht wird, daß Bewußtsein und physikalische Phänomene als gleichberechtigt zu betrachten sind, entspricht der Sorge, die Wissenschaft könnte dann auch auf die menschliche Person übergreifen. (…) Vor allem diejenigen sprechen sich gegen eine derartige Entwicklung der Wissenschaft vom Menschen aus, die fürchten, es könnte offenbar werden, daß der Geist nichts anderes als eine Maschine sei. Doch haben wir schon gesehen, daß die Antithese von externer und interner Wirklichkeit nur eine Illusion ist. Es gibt nur eine Wirklichkeit.

Hier sieht man sehr schön wie subtil doch die Aufweichung des alten mechanistischen Weltbildes nur dazu führte, das Lebendige vollends zu mechanisieren, wo es früher zumindest noch eine separate Schutzstellung als „Geist“ (und damit, wie erwähnt, „Entelechie“, „Prana“ etc.) einnahm! Gleichzeitig wird der maschinenhafte Mechanizismus unangreifbar, weil man ja die Spaltung zwischen Geist und Materie überwunden habe.

Dazu muß man wissen, daß der Hauptbeitrag von Delbrücks Lehrer, Born in der Quantenmechanik in der Wahrscheinlichkeitsdeutung der Schrödingerschen Wellenfunktion bestand, „eine Deutung, die der Wahrscheinlichkeit eine primäre Rolle in der Physik zuschrieb und damit das Verhalten einzelner Teilchen weitgehend unbestimmt ließ, so daß sich eine akausale Beschreibung ergab“ (Franco Selleri: Die Debatte um die Quantentheorie, Braunschweig 1983). Born selber beschrieb diese Wendung vom statisch Toten zum fließenden Lebendigen in der Physik, als die Abwendung vom alten mechanistischen Weltbild, wie folgt: „Erkenntnis der Wahrheit ist das Ziel des Forschers. Aber nirgendwo findet er etwas Ruhendes, Dauerndes. Nicht alles läßt sich erforschen, noch weniger vorhersagen“ (Born: Physik im Wandel meiner Zeit, Braunschweig 1957). Nirgendwo findet sich Sicherheit und das Statische, – so daß Reichs Kritik am Absoluten in Äther, Gott und Teufel ins Leere läuft.

Der extremste Mechanizismus, der durch die Genetik das Leben selbst vernichtete – und durch „das Atom“ sogar den ganzen Planeten bedroht, schlägt in sein scheinbares Gegenteil um. So sagte in einem Bild der Wissenschaft-Interview Herwig Schopper, damals Generaldirektor von CERN, im September 1984:

Es sieht so aus, als ob die „First Principles“, die wir benutzen, um die Natur zu erklären, um zu verstehen, warum es in der Natur überhaupt eine Ordnung gibt, warum in der Natur kein Chaos herrscht, nicht letzte unzerstörbare Materieklötzchen wären, sondern Symmetrien. Wir entfernen uns damit von Demokrit, der den Begriff des Atoms für das letzte unteilbare Teilchen eingeführt hat. Wir bewegen uns auf Platon zu, der lehrte, das letzte Fundament der Realität seien abstrakte Dinge, „Ideen“.

Der Witz dabei ist, daß diese „abstrakten Dinge“, die Ideen, eben auch nur – Bauklötze sind… Die materiellen Bauklötze sind nur – Ideen… Die Wirklichkeit verflüchtigt sich, einfach weil man nicht in der Lage ist, funktionell zu denken.

„Natur“ und „Unnatur“

4. August 2026

Man kann den menschlichen Organismus (die Biologie) unmöglich vom zivilisatorischen Umfeld trennen. Genausowenig wie man einen Einsiedlerkrebs von der Blechdose trennen kann, die seinen Hinterkörper schützt. Aus dieser Sicht ist es egal, ob z.B. ein Splitter, der in die Unterhaut eindringt, von Makrophagen aufgefressen oder von Chirurgen entfernt wird. Von der Funktion her gibt es nämlich keinen Unterschied zwischen der Instanz „Immunsystem“ mit dessen Angestellten (den Makrophagen) und der Instanz „Krankenhaus“ und dessen Angestellten. Die einzige Frage, die zählt, ist, ob die für den Organismus lebensnotwendige Funktion erfüllt wird oder nicht. So gesehen geht etwa die Frage, ob ein Tumor „natürlich“ abgebaut wird oder „unnatürlich“ chirurgisch beseitigt wird, vollkommen am Kern des Problems vorbei. Diese Trennung von Natur und Zivilisation ist selbst ein zivilisatorisches Kunstprodukt.

Das Lehren uns die beiden großen Funktionalisten Wilhelm Reich und Hans Hass: aus funktioneller Sicht sind Gegensätze wie biologische Selbstregulation vs. zivilisatorischer Eingriff, oder selbstherrliches Individuum vs. universalistischer Gruppenzwang vollkommen künstlich und lenken nur von der wirklichen Fragestellung ab. Und diese wirkliche Fragestellung lautet schlicht und ergreifend: Leben oder Tod?

Es geht darum die orgonotische Pulsation zu steigern. Dies kann sogar bedeuten gegen die „Natur“ zu arbeiten. Zum Beispiel gilt es die Sexualität endgültig von der Fortpflanzung zu trennen, d.h. durch bessere Verhütungsmittel von der „Biologie“ zu befreien. Etwas „Unnatürlicheres“ als Verhütung kann man sich wohl kaum vorstellen. Auch könnte ich mir Eingriffe in die Keimbahn vorstellen, um alle Erbkrankheiten endgültig auszumerzen. Auch sehe ich nicht ein, daß es fürderhin objektiv unattraktive Menschen geben sollte. Es ist dem Lebensprozeß inhärent, daß wir uns von den Evolutionsgesetzen befreien und eine neue Rasse züchten, über den Menschen hinaus. Seit dem letzten Jahrhundert ist die natürliche Auslese ohnehin außer Kraft gesetzt, so daß von „Natürlichkeit“ keine Rede mehr sein kann, und wenn wir nicht entarten wollen, muß etwas Neues an ihre Stelle treten. Solange der weiteren Entfaltung der Genitalität gedient wird, ist alles erlaubt, wobei, frei nach Reich, dabei der Weg identisch mit dem Ziel sein muß.

Um die Zukunft zu sichern, d.h. keine Frankensteins an die Keimbahn heranzulassen, ist es notwendig, daß es neben der Orgonomie keine andere „Weltsicht“ geben darf. Und das meine ich vollkommen ernst. Alles andere ist Verrat am Lebendigen. Es geht hier nicht um größenwahnsinnige Weltherrschaftspläne, sondern schlicht und ergreifend darum, daß anstelle der mechanistischen Wissenschaft der orgonomische Funktionalismus zu treten hat. Und das ist nicht so unrealistisch, wie es klingt. Man denke nur daran, wie in ihrem Bereich, d.h. auf atomarer Ebene, praktisch von heute auf morgen die Quantenmechanik die klassische Mechanik weltweit verdrängt hat. Das geht wahnsinnig schnell. Erinnert sei daran, wie vor nicht langer Zeit ganz real von einem Tag zum Tag anderen die gesamte etablierte Theorie über Magengeschwüre umgestoßen wurde. Täglich liest man, daß dank neuer Beobachtungen, Experimente, Erkenntnisse irgendwelche bisherigen Theorien hinfällig geworden sind.

Egal wie technologisch fortgeschritten und „unnatürlich“ wir sind, wir bleiben Teil der Natur. Die einzige Frage ist, um mit Reich zu reden, ob wir „charakterologisch und neurotisch krank (sind), deformiert und (nicht) funktionieren im Sinne der Naturgesetze“ (Reich über Freud, S. 86). Wir müssen von der individuellen (Genitalität) und gesellschaftlichen (Arbeitsdemokratie) Panzerstruktur wieder Teil der Natur werden (orgonomischer Funktionalismus).

Ein gutes Beispiel für fehlgeleitete „Natürlichkeit“ war das „Waldsterben“: ein bloßer Mythos. Er beruhte einfach darauf, daß es in Mitteleuropa seit über 1000 Jahren nicht mehr soviel Wald gab, daß dieser Wald hoffnungslos überaltert ist und daß ein Großteil der Bäume nicht dort stehen, wo sie eigentlich hingehören. Natürlich stirbt der Hochwald ab, wenn dort Bäume aus dem Flachland angepflanzt wurden, und natürlich sterben Nadelbäume dort ab, wo natürlicherweise Laubbäume wüchsen. Und was etwa Waldbrände in Amerika betrifft: sie sind ein Produkt der Feuerbekämpfung in den letzten Jahrzehnten! Als die ersten Weißen nach Amerika kamen, waren sie baß erstaunt, wie „aufgeräumt“ doch die Wälder waren, ohne viel Unterholz und sehr licht (das Gegenteil der wilden Urwälder im feuchten Mitteleuropa). Das war so, weil diese Wälder regelmäßig durch Blitzschlag Feuer fingen, was sie licht hielt. So konnte es mangels Brennholz am Boden nie richtige Feuerkatastrophen geben. Dann kamen in diesem Jahrhundert die weißen „Umweltschützer“ und haben diese sporadischen natürlichen Waldbrände jeweils gelöscht. D.h. die Wälder wurden dicht und voll Unterholz – und je mehr man die immer schlimmer werdenden Feuerkatastrophen eindämmt, desto verheerender werden sie. Und das Tragische ist, daß die heutigen Großfeuer die Wälder tatsächlich irreparabel schädigen. Es gibt also keine schlimmeren Verbrecher als Feuerlöscher. Das ist mein Credo: je mehr Waldsterben und Waldbrände (wenn es nicht eh schon zu spät für gesunde Feuer ist) desto besser.

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