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Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 14)

14. August 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Das „eigene“ Bewußtsein kann das natürlich nicht selbst entscheiden, ob man wirklich Eigner seiner Selbst ist. Aber bei anderen können wir es immerhin (auch gibt es sowas wie eine gewisse Selbst-Distanz: „Derjenige ist kein Kleiner Mann, der weiß, daß er ein Kleiner Mann ist“, Reich). Imgrunde ist das das einzige Thema jeder großen Literatur: das Durchschauen unserer Mitmenschen. Reich hat dies in der „Charakteranalyse“ systematisiert.

Am besten hat das ganze wohl Henri Bergson auf einen Nenner gebracht: das Unkoordinierte, Mechanische, Abgehackte macht uns Lachen, bzw. wir empfinden es als grotesk. Bei Stirner gibt es dazu eine bezeichnende Szene, wo ein verhärmtes Mädchen ihm gegenübersitzt (Der Einzige und sein Eigentum, Reclam, S. 66f), desgleichen auch bei La Mettrie zuhauf. Auch ein Grund, warum beide als Spaßmacher und Satiriker verharmlost wurden.

Beim Entscheiden, was nun fremdbestimmt, was eigenbestimmt ist, spricht letztendlich die Stimme der Natur in uns. Schließlich kann man auch nicht entscheiden, ob man lachen will oder nicht. Es bricht aus einem hervor. Jeder Psychiater weiß, daß Humorlosigkeit ein sicheres Zeichen für Geisteskrankheit ist (nicht zu verwechseln mit kindischer Albernheit). Ich muß gerade an Umberto Ecos Im Namen der Rose denken, wo es ebenfalls um dieses Thema geht.