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Orgonmalerei

15. Mai 2022

1949 veröffentlichte Reichs Schüler Alexander Lowen im Orgone Energy Bulletin einen hervorragenden Artikel über „The Impressionists and Orgone Energy“. Reich habe ihn darauf hingewiesen, daß man anhand der Bilder von Van Gogh ersehen kann, daß dieser die pulsierende Orgonenergie in der Atmosphäre wahrgenommen hat.

Lowen versucht dies, neben Van Gogh, auch bei Monet, Cézanne, Seurat und Gauguin aufzuzeigen.

Monet hat durch seine Malerei als erster den Raum in seiner Tiefe („Dreidimensionalität“) gezeigt: nicht nur als bloßes Koordinatensystem, sondern als eine „vibrierende Realität“.

Cézanne hat das Orgonenergie-Feld um alle Objekte wahrgenommen und in seinen Bildern festgehalten.

Seurat hat in seinem „Pointilismus“ die „Orgonenergie-Teilchen“ dargestellt, die man mit dem bloßen Auge wahrnehmen kann, wenn man „ins (vermeintlich) Leere“ blickt.

Gauguin hat nicht den Raum zum Thema seiner Bilder gemacht, sondern die lebensspende Erde mit ihren Orgonenergie-Bläschen (Bione).

Lowens Arbeit ist hier natürlich arg verkürzt widergegeben.

Reich selbst hat nach dem ORANUR-Experiment zur Entspannung mit dem Malen angefangen. Seine damalige Frau Ilse Ollendorff erinnerten seine Bilder stark an den expressionistischen Maler Munch.

[Reich] malte ganz wild, zehn Bilder in zwei Wochen, große Ölbilder. Er setzte die Malerei fort, wenn immer er auf Orgonon war. Seine Bilder haben einen ganz bestimmten Charakter, mit starken leuchtenden Farben, und ich finde sie faszinierend nicht als große Kunstwerke, sondern als kennzeichnende Ausdrücke seines Wesens. (…) Reich war besonders gefesselt von dem Problem, daß man nicht wirklich imstande ist, alle Farben und das Licht um uns herum genau wiederzugeben. Das auf den Blättern, auf dem Wasser, in den Wolken und auf den Blumen reflektierte Sonnenlicht erregte sein besonderes Interesse, ebenso der Widerschein der Flammen eines Feuers. Er malte die Themen immer wieder von neuem. In einem Brief an Neill im Juni 1951 schrieb er: „(…) [Malen] lehrt mich viel über unsere elenden Fehlschläge, die Natur wirklich so zu sehen, wie sie ist. Es ist unglaublich, herauszufinden, daß man nicht weiß, wie Sonnenlicht einen Baum beleuchtet, und daß keine Farbe existiert, die genau die wirklichen Farben von Sonne und Tageslicht wiedergeben kann. (…)“ (Wilhelm Reich, München 1975, S. 141f)

Die Farbe des Tageslichts nannte Reich „Orgonit“.

Reichs Bilder sind beispielsweise in dieser Galerie zu finden.

Als nächster Maler wäre Reichs Mitarbeiter und Schwiegersohn William Moise zu nennen.

Was die Bilder von William Moise (1922-1980) ausdrücken, zeigt folgende Stelle aus seinem 1970 erschienenen Buch The Taste of Color, The Touch of Love:

Wir machen keine Liebe. Wir machen keine Farbe und wir machen kein Bild. Es sollte sich anfühlen, als ob Liebe die Farbe erschaffen hätte, als ob daraufhin die Farbe Form hervorgebracht hätte, daß die Form das Gemälde erzeugte und daß schließlich das Gemälde den Künstler hervorgebracht hat. Ein Kunstwerk sollte das Gefühl zum Ausdruck bringen, daß der Künstler während seiner Erschaffung sich in es verliebt hat.

Peter Ind ist ein zeitgenössischer Maler, der explizit die atmosphärische Orgonenergie darstellen will.

Es sei auch der abstrakte Maler Kenneth Noland erwähnt, der eng mit dem American College of Orgonomy verbunden war, Lorcan Kilroy und nicht zuletzt Jabcob Meyerowitz (hier und hier).

Hat hier James Rizzi die Kreiselwelle in den Himmel gemalt?

Orgonomie und Metaphysik (Teil 15)

10. Dezember 2021

Meine allererste Vorlesung im Physikstudium handelte davon, daß man seinen Sinnen nicht trauen dürfe. Um Physik zu treiben, müsse man seine Gefühle draußen vor lassen. Sogar im Musikunterricht auf dem Gymnasium lautete die vordringlichste Botschaft des Lehrers, daß die Tonarten und Melodien keine Gefühle vermitteln, diese würden nur durch „Soundeffekte“ hervorgerufen werden. Musik im Kern eine Sache des Intellekts!

Wie sehr diese mechanistische Sichtweise, die die westliche Welt durchdringt, an der Wirklichkeit vorbeigeht, zeigt folgendes Zitat:

Ich erinnere mich an ein Sitarkonzert in Deutschland, es war ein heiterer Sommertag gewesen, das Publikum versammelte sich am Abend unter freiem Himmel. Manfred Junius, der deutsche Sitar-Virtuose, dem ich auch in Indien oft zugehört hatte, stimmte einen Raga an, der das Nahen der Wolken in der Regenzeit andeutet. Der Himmel war bei Sonnenuntergang noch klar gewesen, niemand hatte an Wolken gedacht, doch kaum verklangen die ersten Töne des Ragas in der Nacht, da begann es zu regnen. Zwischen den Gefühlen des Meisters und den Wandlungen des Wetters schien ein seltsamer Einklang zu bestehen. (Dietmar Rothermund: 5 mal Indien, München 1979, S. 87)

In Indien glaubt man, daß die Tausenden unterschiedlichen Ragas (ein Zwischending zwischen Modus, Tonart, „Stimmung“, „Farbe“ und Melodie) tiefgreifende energetische Auswirkungen haben.

Zu den (nordindischen) Regen-Ragas gehören Gaud malhar, Megh malhar und Miyan ki malhar. Hier Sur malhar.

Man muß sich auf die indische Musik einlassen, man muß erlebt haben, wie sich einem beim Hören des südindischen Kriti Rama Rama Gunaseema im Raga Simhendra Madhyama das „Herzchakra“ spontan geöffnet hat, um nachvollziehen zu können, daß die Lebensenergie in uns und die atmosphärische Energie denn gleichen Gesetzmäßigkeiten gehorchen.

Als ich zuhörte wie die göttliche M.S. Subbulakshmi dieses Stück sang, hatte ich unerwartet ein intensives spirituelles Erlebnis. Sowas ist natürlich schwer zu beschreiben, aber es war als öffne sich mein mittleres Auge auf der Stirn und ich blicke durch es in einen rosafarbenen Wirbeltrichter, der von diesem Auge ausging, begleitet von einem intensiven Gefühl v

Mir bedeutet sowas wenig und ich finde es ziemlich erschreckend, daß praktisch jeder andere total darauf abfahren würde, ähnlich als würde er Rauschgift genommen haben. Er wäre unrettbar z.B. für die Orgonomie und jede andere Rationalität verloren. Es ist kaum zu ermessen, was man empfindet, wenn sich das Scheitelchakra öffnet! Die Orgonomie muß endlich daran gehen, diesen Bereich offensiv zu entzaubern.

Dazu ist zu sagen, daß die orgonomische Auseinandersetzung mit der Mystik zwei Aspekte hat: das Volk lehren und vom Volk belehrt werden. Dazu schrieb Reich:

Es ist nun ein Grundsatz der Massenpsychologie, nicht „prinzipiell objektive Wahrheiten“ zu verkünden, sondern sich erst zu fragen, wie die durchschnittliche Masse der arbeitenden Bevölkerung auf einen objektiven Prozeß reagiert. (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 198)

Reich hat gesagt, daß „wir (…) die Volksmeinung ernst nehmen (müssen), die sich durch den Satz ausdrückt, daß man im Sterben seine ‚Seele aufgebe’“ (Der Krebs, Fischer TB, S. 258). Es komme nur darauf an, was man unter der Seele versteht. Man muß also alles sehr ernst nehmen, was Mystiker behaupten – es ist dann nur eine Frage der Interpretation. Oder besser ausgedrückt: eine Frage des funktionellen Denkens.

Es ist zu erwarten, daß die Vitalisten und Spiritualisten (…) das Argument ins Feld führen werden, daß Bewußtsein und Selbstwahrnehmung noch immer unaufgeklärt bleiben. Dies ist richtig, sagt jedoch nichts über die Berechtigung eines metaphysischen Prinzips und kann überdies mit einer endgültigen Klärung rechnen. Es hat sich bei den [bio-]elektrischen Versuchen gezeigt, daß die biologische Erregung von Lust und Angst mit ihrer Wahrnehmung funktionell identisch ist. (Wilhelm Reich: Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 287)

Diese Aussage läßt sich in folgende in zwei Abbildungen präsentierte einfache orgonometrische Gleichung umsetzen, die sich immer weiter aufspaltet und damit die gesamte subjektive (Abb. oben) und objektive (Abb. unten) Natur umfaßt, wie in Orgonometrie (Bd. 2, Kapitel 2) eingehend erläutert: