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Der biologische Rechenfehler am Beispiel der Verschwörungstheorien

1. Oktober 2012

Verschwörungstheorien rechnen nicht mit der biophysischen Hilflosigkeit der Menschen. Imgrunde sagen Verschwörungstheorien aus, daß alles „unter bewußter Kontrolle“ steht und die Massen nur Opfer sind. Verschwörungstheorien sind die mystische Entsprechung des Marxismus: bei ihm sind trotz aller pseudo-dialektischen Verrenkungen die Menschen bloße Marionetten der „materiellen Entwicklung“. Charakteristischerweise kamen bei den Marxisten sofort Verschwörungstheorien auf, als sich eine Schere zwischen der Bewußtseinsentwicklung der Massen und der besagten „materiellen Entwicklung“ auftat. „Saboteure“, „Trotzkisten“, „Kosmopoliten“, etc. hatten Schuld, wenn es mit dem Aufbau des Sozialismus nicht von der Stelle kam und die Arbeiterklasse im Westen kein internationalistisches Klassenbewußtsein zeigte. Diese Phase des Marxismus bezeichnet man als „Stalinismus“. Verschwörungstheorien handeln von Dingen wie „Sabotage“ und „Fraktionsbildung“. Es geht um bewußte Eingriffe, die die vermeintlich natürliche Entwicklung behindern.

Wenn sich die Entwicklung des Sozialismus hinauszögert, sind hinterhältige Machenschaften des Klassenfeindes schuld. Für die Schwäche Deutschlands nach außen und dem Elend im Inneren, können nur „semitische Untermenschen“ verantwortlich sein, die den „arischen Herrenmenschen“ ständig hinterhältig ein Bein stellen. Für den bedauernswerten Zustand der islamischen Länder können nur die Ungläubigen verantwortlich sein, die den naturgegebenen Segen Allahs auf satanische Weise sabotieren. Und wenn das satanische Amerika das offensichtliche Opfer ist, dann sind es nach dem verqueren Prinzip „cui bono“ in Wahrheit die Amerikaner selbst, die im Verborgenen die Untaten inszeniert haben, die sie dann anderen zuschreiben, um Angriffskriege rechtfertigen zu können. Auf diese Weise ist die natürliche Ordnung, in der die Amerikaner immer das Böse schlechthin sind, wiederhergestellt.

Tatsächlich ist die „natürliche Entwicklung“ eine Fiktion. Nichts entwickelt sich in der Gesellschaft „natürlich“, solange die Massen gepanzert sind. Es gibt nur eine einzige wirkliche Verschwörung und die ist tatsächlich gegen die natürliche Entwicklung gerichtet: der Christusmord. Reich:

Es wäre natürlich falsch anzunehmen, daß irgendeinmal irgendwo ein geheimer Rat der gepanzerten Menschentiere tagte und beschloß, in welcher Weise die Erkenntnis (…) verhindert werden sollte (…). Nein, es gab keine geheime Beratung, und es gab keine Beschlüsse. Der tödliche Kampf der emotionellen Pest (…) war von den charakterlichen Funktionsgesetzen gepanzerter Lebewesen diktiert, gelenkt und durchgeführt. (Äther, Gott und Teufel, S. 83)

Ich habe keinen Bock mich jetzt wieder mit 9/11 oder ähnlichem rumzuschlagen. Nehmen wir stattdessen den Fall Kirsten Heisig. Hat sich die Jugendrichterin wirklich selbst umgebracht oder wurde sie geselbstmordet? Das wird ausführlich auf der diesem Fall gewidmeten Netzseite dokumentiert und diskutiert

Hier sieht man, daß es an sich zwei Fragen gibt:

  1. Die Aktivität einiger weniger pestilenter Charaktere: Wurde die Richterin von den Clans Mercedes- und BMW-fahrender GastHartzIVler, die Berlin weitgehend beherrschen, aus dem Weg geräumt, weil sie die „Familienehre“ beleidigt und Geschäften in die Quere gekommen war?
  2. Die Inaktivität der gepanzerten Massen: Hat eine Melange aus Political Correctness, antideutscher Staatsräson und dem mafiösen Politsumpf Berlins mit seinem institutionalisierten Unvermögen dafür gesorgt, daß nach dem (vermeintlichen) Mord kritische Fragen erst gar nicht gestellt wurden und jede Berichterstattung darüber im Keim erstickt wurde? Nach dem Motto: „Nicht dran rühren!“

Ohne die gepanzerten Massen, die Grüne und Sozialdemokraten an die Macht bringen, hätte sich das kriminelle Clanwesen nie ausbreiten können. Es wäre nicht mal nach Deutschland gekommen! Und hätte sich das Problem doch entwickelt, hätte man es schnell ausgemerzt. Der Fall Kirsten Heisig wäre schnell abschließend geklärt worden, etc. Der Mord an der Richterin, wenn er denn einer war, war wegen seiner Komplexität zweifellos eine klassische Verschwörung. Doch bleibt sie imgrunde eine Fußnote, selbst wenn Berliner Politiker involviert wären, denn ohne die emotionale Verschwörung, die den überdüngten Humus für all das giftige Unkraut zur Verfügung stellt, würde jede Verschwörung schnell kollabieren.

The Journal of Orgonomy (Vol. 30, No. 1, Spring/Summer 1996)

15. August 2012

Der medizinische Orgonom Gary A. Karpf hat mit „Reactionary Socio-Political Traits in a Paranoid Schizophrenic Character“ eine Fallgeschichte präsentiert, die an den 15 Jahre später zu trauriger Berühmtheit gelangten norwegischen Terroristen Anders Behring Breivik gemahnt.

Der rechte Reaktionär sei, so Karpf, der sich wiederum auf Elsworth F. Baker und Reich bezieht, geprägt von stark mystischen Tendenzen, einem ausgeprägten Moralismus und er bewältige starke Ängste mit sadistischer kontraphobischer Aggression.

Karpf beschreibt einen Patienten weitgehend ohne soziale Fassade, d.h. er kümmerte sich kaum um andere, lebte sozial zurückgezogen und glaubte, daß andere ihn nicht mögen, weil er so „direkt“ sei. Er war voller Komplexe und Selbstzweifel und träumte davon, an der Seite „großer Heerführer“ sich bewähren zu können. Auch war sein „Denken“ vom Primärprozeß geprägt (beispielsweise „Neger = schwarz = schlecht = Schmutz“) und er hing mystischen Theorien an. Er glaubt an die Wiedergeburt und daß er beispielsweise einst an der Seite von Julius Cäsar kämpfte. Was seine Sexualität betrifft bevorzugte er das Masturbieren mit Phantasien von Dominanz. Geschlechtsverkehr konnte er nur ertragen, wenn er von hinten in die Partnerin eindrang, so daß er dominant und „im Kopf“ bleiben konnte. Seine Frau, die beiden Kinder und die gesamte Familie betrachtete er nicht als Individuen, sondern als bloße narzißtische Ausläufer seiner selbst. Jede Form von Zärtlichkeit war ihm fremd.

[Seine] Symptome und sein Auftreten stimmten mit der charakterologischen Diagnose einer paranoiden Schizophrenie überein. Obzwar er emotional sadistisch war, gab es keine Hinweise auf das Manipulieren von Menschen oder sozialen Systemen für lebensnegative Ziele, weshalb er kein pestilenter Charakter bzw. Faschist war. Das Vorliegen und die Schwere des Rassismus, Moralismus und Mystizismus rechtfertigte die zusätzliche Diagnose eines reaktionären soziopolitischen Charakters.

Nachdem er Vertrauen gefaßt hatte, gestand der Patient gegenüber Karpf seinen gegen Juden und Schwarze gerichteten Rassismus und seine mit diesem einhergehenden Phantasien, die um Folter, Erniedrigung und Mißhandlung kreisten. Gleichzeitig war sein Leben geprägt von Reinlichkeitsritualen, um nicht von der Umwelt „kontaminiert“ zu werden.

Beim Patienten hätte es, so Karpf, zwei Zustände gegeben: im ersten wäre die okulare Panzerung sehr ausgeprägt, was mit einem falschen Gefühl der Expansion und „rassischen Überlegenheit“ einherging; wenn diese okulare Panzerung nachließ, stiegen depressive Gefühle auf, die innere Konfusion wurde evident und sein Leben wurde desorganisiert. Entsprechend schwer, langwierig und für den Patienten gefährlich war die Auflösung des okularen Panzers!

Die soziale Isolation, der verschrobene „Kriegerkult“, der Mystizismus, der Narzißmus, die Gefühlskälte, der hohe moralischen Anspruch, die überwertige Idee „Rassenreinheit“ und nicht zuletzt die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie verbinden Karpfs Patienten mit Breivik, der sein von Mißerfolgen und Versagen geprägtes Leben nur zusammenhalten konnte, indem er immer mehr „in den Augen wegging“ und ganz in einer Phantasiewelt aus „Tempelrittern“ und verwickelten Verschwörungstheorien aufging.

Breivik ist nur Extrembeispiel der allgemeinen sozialen Tragödie, die mit der Panzerung des Menschen einhergeht. Je mehr sich die Menschen den politischen Rändern nähern, desto gepanzerter sind sie, insbesondere aber okular gepanzert. Sie werden zusehends unfähig klar und folgerichtig zu denken. Was gemeint ist, wird unmittelbar evident, wenn man in Internetforen, „dem engagierten Volk aufs Maul schaut“ (in diesem Fall „auf die Finger“): der nackte, sinnleere Wahnsinn grinst einen an. Karpf:

Am Ende der Analyse, d.h. mit einem Verstehen des einzelnen Menschen aus einer orgonomischen sozio-politischen Perspektive heraus, wird deutlich, daß das irrationale soziale Funktionieren während der gesamten Geschichte Ergebnis des gemeinsamen sozialen Funktionierens von Menschen mit Augen- (Gehirn-) Panzerung ist und weiterhin sein wird. Bis das beim Massenindividuum rückgängig gemacht wird durch eine verbesserte Betreuung von Säuglingen und Kindern, kann es keine umfassende Verbesserung im sozialen Verhalten und Funktionieren geben. Die Gesellschaft reproduziert sich, indem sie ihre Werte im Charakter des Einzelnen verankert. Umgekehrt verewigt der Einzelne die Gesellschaft.

Was die beiden, Karpfs Patient und Breivik, trennt, ist Breiviks Versuch andere zu manipulieren. Etwas, was bei Karpfs Patient fehlt. Breiviks Bluttaten sollten in Norwegen eine „Hetzjagd auf Kulturkonservative und Nationalisten provozieren“, deren Gegenwehr dann schließlich in der von Breivik ersehnten nationalistischen Revolution münden würde. Diese boshafte Hinterhältigkeit erweist ihn als pestilenten Charakter. Beispielsweise versuchte Breivik vergebens das Gericht und die Medien in seinen grandiosen Plan einzuspannen. Für einen derartigen manipulativen Pestcharakter und Faschisten ist Orgontherapie keine Option. Er ist prinzipiell untherapierbar ist.

Karpfs Patient hatte immerhin eine eigene Familie und eine Berufslaufbahn aufzuweisen, während Breivik, ähnlich fast der gesamten Führungsmannschaft des Nationalsozialismus, allen voran Hitler selbst, eine gescheiterte, berufslose Existenz ohne Kontakt zu Frauen fristete.