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The Journal of Orgonomy (Vol. 38, No. 1, Spring/Summer 2004)

1. Dezember 2012

Kurz nach und parallel zu seinen „bioelektrischen Versuchen“ unternahm Reich die sogenannten „Bionexperimente“. An deren Anfang steht die einfache Beobachtung von Protozoen unter dem Mikroskop, wo er die organismische Pulsation direkt beobachten wollte.

Es gibt kaum ein geeigneteres Feld, die Funktionen der Spannung → Ladung → Entladung → Entspannung zu studieren, als an den Protozoen. Ihre Bewegungen, plasmatische Strömungen, ihre Expansion und Kontraktion sprechen eine völlig eindeutige Sprache im Sinne unserer Funktionsformel des Lebendigen. (Der Krebs, Fischer-TB, S. 77)

Im Zentrum des Organismus kommt es zur Erstrahlung, was an seiner Peripherie eine mechanischen Schwellung hervorruft, die zu einer energetischen Ladung, gefolgt von einer energetischen Entladung führt und schließlich in einer mechanischen Entspannung mündet.

Reich wollte die von Max Hartmann und Ludwig Rhumbler beschriebenen vegetativen Strömungen direkt beobachten (Die Bionexperimente, Frankfurt 1995, S. 36). Beispielsweise untersuchte er Amöben, die er mit Stromstößen reizte (ebd., S. 37f).

Er wollte selber die Amöben für diese Experimente züchten und ihm wurde gesagt, die einfachste Art, seine Beobachtungsobjekte zu erhalten, wären Grasaufgüsse. Nun beobachtete Reich (direkt und mit Hilfe von Zeitrafferaufnahmen) etwas vollkommen unvorhergesehenes, nämlich daß sich die Protozoen direkt aus dem vesikulären Zerfall der Grasblätter entwickelten und nicht aus „Luftsporen“, die sich an den Blättern angeblich festgesetzt hatten, wie es der gängigen Theorie entsprochen hätte. (Siehe dazu auch Chester M. Raphael: „On the Air Germ Dogma: ‚René J. Dubos: Second Thoughts on the Germ Theory’”, Orgonomic Medicine, 1(2), November 1955, S.159-161; Robert A. Dew: „An Air Germ Experiment“,Annals of the Institute for Orgonomic Science, 4, September 1987, S. 15-43, „Further Observations on the Air Germ Experiment“, ebd., 7, September 1990, S. 1-8.)

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Im Anschluß daran ließ Reich die unterschiedlichsten Substanzen in Wasser quellen und konnte an ihnen ebenfalls den Zerfall in Bläschen beobachten. Um steril zu arbeiten, ging er daran, die Substanzen durch Kochen und sogar durch Glühen zu sterilisieren, was jedoch den bionösen Zerfall nur noch weiter beschleunigte. Nach dem Abkühlen konnte er beobachten, daß sich kleine vesikuläre Objekte geformt hatten, wie er sie schon aus der Bildung der Protozoen aus zerfallendem Gras kannte. Diese Gebilde nannte Reich wegen ihrer lebensartigen Eigenschaften „Bione“: „Übergangsformen zwischen anorganischer und organischer Materie“.

Gleichzeitig stellte dies eine experimentelle Überprüfung seiner „Lebensformel“ dar: er hatte Stoffe zur Quellung gebracht und ihnen dann Energie zugeführt, indem er sie erhitzte.

Über die grundsätzliche Problematik der Bione sagt der Orgonom Richard Blasband in einem Interview:

Die Bione sind ganz einfach zu sehen, wenn man weiß, wonach man sucht, und wenn man dafür aufgeschlossen ist. Nun, es hört sich vielleicht recht seltsam an, wenn ich sage: „dafür aufgeschlossen“, aber wir haben viele Laborkurse durchgeführt und Leuten die Bione gezeigt, pulsierende, blaue mikroorganismusartige Dinger. Es gibt Leute, die durch ein Mikroskop schauen und sagen: „Ich sehe gar nichts.“ Ich sage dann: „Entspannen Sie sich, lockern Sie sich, lassen Sie die Augen sich gewöhnen.“ Und nach ein paar Minuten sagen sie dann: „Oh, ja, jetzt sehe ich sie. Ja, sie sind da. Da sind die Bione!“ Und die Leute, die sie nicht sehen, wollen sie entweder nicht sehen, weil sie ein Vorurteil gegen solche Dinge haben – denn es ist tatsächlich so, daß diese ganze Entdeckung der klassischen biomedizinischen Theorie ein Schlag ins Gesicht ist –, oder sie wissen einfach nicht, wonach sie suchen sollen. Aber es gibt sie, und man kann sie jedem leicht vorführen, der aufgeschlossen genug ist, sie zu sehen. Dazu muß man kein Guru oder erleuchtete Person sein. Jeder normale Mensch kann sie sehen. (Digne Meller-Marcovicz: Über Wilhelm Reich – Viva Kleiner Mann, Frankfurt, o.J., S. 24f)

Der mexikanische Biologe Alfonso L. Herrera, der einen ganz ähnlichen Ansatz wie Reich verfolgte, prophezeite Reich 1939, dieser werde „ein neuer Pasteur“ sein.

Die Kultur Ihrer Bione wird von größter Wichtigkeit für die Menschheit sein. Ich finde sie überall, und sie werden zweifelslos einen großen Einfluß auf die Dinge des Lebens, der Gesundheit und den Tod haben. (z.n. Walter Hoppe: Wilhelm Reich und andere große Männer…, Kurt Nane Jürgenson, München 1984, S. 96)

Ähnlich äußerten sich der französische Physiologe Louis Lapique. Zu nennen wäre auch Prof. Dr. A. Leprince aus Frankreich, Professor P.O. Törne aus Finnland und Professor Chellew aus England (ebd., S. 97-99).

Die „Bione“ entsprechen den Anfang der 1960er Jahre entdeckten „Proteinmikrosphären“ (siehe S.S. Nagy: „Origin of Life: Proteinoid Mocrospheres“, Annals of the Institute for Orgonomic Science, 2, September 1985, S. 57f). Dabei handelt es sich um bakteriengroße, wie man unter dem Elektronenmikroskop sehen kann, doppelmembranige Objekte, die sich bilden, wenn man Lösungen aus Aminosäuren erhitzt, wodurch sich Proteinketten bilden, und dann abkühlt, was zu den besagten zellartigen Gebilden führt (Charles Konia: „The Bions“, Journal of Orgonomy, 11(1), May 1977, S. 110-114). In diesem Zusammenhang sind auch Alexander Oparins „Koazervate“ aus den 1950er Jahren zu nennen.

Caspar Friedrich Wolff (1733-1794) zufolge beginnt die Entwicklung des Lebens mit vollkommen strukturlosen Bläschen entsprechend Reichs Bionen. Zu erwähnen ist insbesondere der Gegenspieler Pasteurs, J.P. Antoine Béchamp (1816-1908) und seine „Mikrozymen“. H. Charlton Bastian (1877) erhitzte verschiedene Salzlösungen in versiegelten Gefäßen, ließ sie abkühlen und konnte dann beobachten, wie sich Protozoen und Bakterien entwickelten.

Eine weitere Entsprechung zu der Entdeckung der Bione ist die Arbeit des Arztes Charles W. Littlefield, der Lösungen von Mineralsalzen langsam verdunsten ließ, wobei er Phänomene beobachten konnte, die Reichs Bionen entsprachen. 1919 veröffentlichte er das Buch The Beginning and Way of Life, wo er über „vitalen Magnetismus“ spekulierte; die bei der Verdunstung im Wasser zurückbleibende Energie führe zur Bildung von Lebensformen.

Ähnliche Experimente wurde in den 1930er Jahren vom Chirurgen George Washington Crile aus Cleveland, USA, durchgeführt.

Er zeigte, daß in Mischungen nach bestimmten Formeln von Lipoiden, Proteinen und anorganischen Salzen, die den Gehirnen gesunder Tiere entnommen wurden, spontan protozoenähnliche Zellkörper erschienen. Crile nannte sie „autosynthetische Zellen“. Sie konnten sich reproduzieren, wenn sie mit sterilen Proteinlösungen gefüttert wurden. (Christopher Bird: Wünschelrute, München 1987, S. 111)

Außerdem glaubte Crile, daß jede einzelne Körperzelle eine Art biolelektrischer Batterie wäre.

Der Unterschied zu den Entdeckungen nach und vor Reich liegt darin, daß es Reich gelang Bione aus praktisch allen Materialien, selbst Silikatgestein und Metallspänen zu gewinnen.

In dieser Ausgabe des Journal of Orgonomy beschäftigt sich Dean T. Davidson, ein Orgonforscher aus Australien, in seinem Aufsatz „Some Observations on the Bionous Disintegration of Glass“ (S. 45-60) mit der Wirkung von starken Laugen auf Kalknatronglas, d.h. Normalglas, und auf Borsilikatglas, d.h. feuerfestes Glas. Zwar könne man den Zerfall von Normalglas durch Laugen chemisch erklären, doch führe eine Erklärung über Reichs Konzept „bionöser Zerfall“ weiter. Die sich aus dem Zerfall des Glases bildenden Bione könne man kultivieren.