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Biogenese und Krebsschrumpfungs-Biopathie (Teil 1)

29. August 2013

In seiner Schrift The Orgone Energy Accumulator von 1951 hält sich Reich unter dem Motto „Keine Propaganda ist die beste Propaganda!“ zugute, daß sich die Nachricht von der Entdeckung der kosmischen Orgonenergie zwar langsam, aber organisch verbreitet habe und deshalb nicht nach einem kometenhaften Erfolg genauso schnell aus der Öffentlichkeit verschwinden werde.

Reich hatte die Orgonenergie zwischen 1936 und 1939 in Norwegen im Rahmen seiner „sexualökonomischen Lebensforschung“, die sich insbesondere mit Biogenese und Krebs auseinandersetzte, entdeckt und die Entdeckung 1940 in Maine abgeschlossen, als er feststellte, daß er nicht nur eine isolierte „Lebensstrahlung“, sondern eine atmosphärische Energie vor sich hatte. Bereits damals ging das auf eine sich über 20 Jahre erstreckende verwickelte Forschung zurück, die durch die Stichworte „Triebökonomie“, „Funktion des Orgasmus“, „Orgasmusformel“ (Spannung – Ladung – Entladung – Entspannung) umrissen werden kann.

Am 17. Mai 1936 notierte sich Reich in seinem Tagebuch, daß er die „Vorstufen des Lebens“ in Erde entdeckt habe. Und am 15. Juni 1936: „Die bewegten Gebilde haben nichts mit ‚Keimen‘ oder Ähnlichem zu tun, sondern sind lebend werdendes Anorganisches.“ Das war „Präparat 1“: quellende Erde bei Zimmertemperatur. Es folgten Präparat 2 (Kohle), 3 (Ruß), 4, 5 und schließlich erweist sich Anfang 1937 Präparat 6 als „kultivierbar“: der Beweis, daß diese Gebilde, die Reich als „Bione“ bezeichnet Vorformen des Lebens sind. Die Bione hatte er bereits vor dem Mai 1936 beobachtet, als er mit seinem neuen Mikroskop herumspielte und verschiedene Experimente machte, die durch die oben genannte „Spannungs-Ladungs-Formel“ inspiriert waren, insbesondere die Beobachtung der Formation von Amöben in Grasaufgüssen. Die eigentliche Entdeckung der Bione, die unmittelbar zur Entdeckung des Orgons und zur Entwicklung des Orgonenergie-Akkumulators führen sollte, sind durch die genannten Präparate gekennzeichnet.

Gegen den naheliegenden Einwand, daß er durch das Quellen von Materie nur Keime und Sporen zum Leben erweckt hatte, unternahm er einen denkbar drastischen Schritt: er brachte die Materie, etwa Kohle, bis zur Weißglut und gab dieses weißglühende Material unmittelbar in zuvor autoklavierte, also absolut sterile, Nährlösungen ein. Das Ergebnis war eine sogar noch bessere Produktion von Bionen und dies unmittelbar nach Herstellung des Präparats, d.h. ohne jede „Reifungsphase“. 1939 machte er das gleiche mit Seesand und entdeckte auf diese Weise die „SAPA-Bione“, die eine extrem starke Strahlung hatten, die nicht nur unter dem Mikroskop als „Strahlenkranz“ sichtbar war, sondern auch nach außen strahlte, d.h. Isoliermaterial elektrostatisch auflud, Eisen magnetisierte und menschliche Haut bräunte. Reich versuchte diese Strahlung zu isolieren, indem er die Präparate in einen Metallkasten stellte und diesen mit Dämmplatten weiter abschottete: der Orgonenergie-Akkumulator war erfunden, denn diese Konstruktion, die sich durch seine Versuche am Elektroskop angeboten hatte, in der metallische und organische Materialien sich unterschiedlich verhielten, funktionierte auch ohne SAPA-Präparate, d.h. die Strahlung trat auch ohne diese auf.

Wir befinden uns im April 1940. Offensichtlich wurde die Orgonenergie akkumuliert, da das äußere organische Material (die Dämmplatten) die Orgonenergie anzieht und festhält, während das Metall das Orgon ins Innere weiterleitet, weil es diese Energie zwar auch anzieht, aber sofort wieder abstößt. Auf diese Weise entsteht ein Gradient von außen nach innen, ähnlich wie bei einer Membran in einem Organismus. Wie das vor sich geht, hatte Friedrich Kraus untersucht. Eine Forschung, die Reich insbesondere zu seinen „bioelektrischen Experimenten“ Mitte der 1930er Jahre inspiriert hatte.

Reich glaubte, mit der Entdeckung der Bione das Problem der „Biogenese“ (und damit gleichzeitig auch das Krebsproblem) gelöst zu haben.

Unter extrem hoher Vergrößerung, die zwar zu keiner größeren Auflösung führte, aber auch sehr kleine Bewegungen sichtbar machte, konnte Reich beobachten, daß die Bione pulsieren. Die Bione reagieren auf biologische Färbung, teilen sich wie Zellen und die Bione sind kultivierbar. Interessanterweise trifft das jedoch nur auf jene zu, die in einem elektrischen Feld wandern. Manche Bione, wie die aus Muttererde und aus Gras, organisierten sich spontan zu vollwertigen Protisten (Reich: „Functionalism in the Realm of the Bions“, Orgonomic Functionalism, 4, Summer 1992, S. 7-15).

Reich kam dazu seine Beobachtungen aus den Grasaufgüssen auf das Geschehen der Krebspathologie zu übertragen, weil Krebszellen einen ähnlichen Ursprung zu haben scheinen: aus einem Zellgefüge, in der jede Zelle ihre Aufgabe hat, geht durch Zerfall eine Ansammlung amorpher, freibeweglicher Amöben bzw. „Krebszellen“ hervor. Krebs interpretierte er in diesem Sinne als buchstäbliches Verfaulen bei lebendigem Leibe: „Die allgemeine Folge der biopathischen Schrumpfung ist Gewebs- und Blutfäulnis. Die Krebsgeschwulstwucherung ist nur eines ihrer Symptome“ (Der Krebs, Fischer TB, S. 206).

Reich vergleicht dies mit den Vorgängen in einem klaren Bach, der aufgestaut wird und sich in einen stinkenden Tümpel verwandelt (ebd., S. 221). Der „Krebsprozeß gleicht (…) dem protozoalen Leben in einem Tümpel, in dem es keine Bewegung von Wasser mehr, dagegen zahlreiche Protozoen gibt“ (ebd., S. 224f). Beim Krebspatienten verwandeln sich „einzelne Gewebe (…) in Einzeller-Organismen verschiedener Größe und Form. Ginge dieser Prozeß ohne frühen Tod weiter, dann würde sich der betreffende Mensch (…) vollständig in Protozoen verwandeln“ (ebd., S. 234f).

Der Vielzeller hört zu funktionieren auf und der Einzeller gedeiht, wie in einem stehenden Wassertümpel, wo es keinen Energie- noch Stoffwechsel mehr gibt. Das Lebendige sinkt zurück und funktioniert auf der niedrigsten biologischen Stufe. Denn wo ein Vielzellorganismus nicht mehr leben kann, kann noch immer ein Einzeller und sicher ein Bion funktionieren. (ebd., S. 242)

Entsprechend sind die Amöben und anderen Protozoen in Grasaufgüssen nichts anderes als die „Krebszellen“ des Grases (ebd., S. 249). (Siehe auch die besonders klare Darstellung in Chester M. Raphael/Helen E. MacDonald: „Orgonomic Diagnosis of Cancer Biopathie: I. Introduction“, Orgone Energy Bulletin, 4(2) April 1952, S. 66-77.)

Eine weitere Parallele ist, daß Aufgüsse aus frischem jungen Frühlingsgras kaum Protozoen ergeben, während „schrumpfungsbiopathisches“ herbstliches Gras reichlich Protozoen liefert (Der Krebs, S. 250). Reich spricht im Zusammenhang mit den besagten „Tümpeln“ auch von den Ödemen bei Krebskranken, in denen sich aus der Flüssigkeit heraus Krebszellen bilden (Reich: „Experimenmtal Biogenesis: ‚Cancer Cells‘ in Experiment XX“, Orgone Energy Bulletin, 3(1), January 1951, S. 1-3).

Die Art der Krebszellen hängt von der Schwere der Krebserkrankung, d.h. vom Ausmaß der Gentalstörung ab. Bleiben die orgastischen Konvulsionen des Gesamtorganismus aus, verlagert sich die orgastische Entladung auf den Zellkern. Schließlich zerfällt der Kern vollständig in stark strahlende Bione. Ein Prozeß, der auf das Plasma und von dort auf andere Zellen übergreift. Dies erklärt die „Chromophilie“ von Krebsgewebe (Der Krebs, S. 241f). Aus dieser amorphen Bionmasse organisieren sich dann die autonomen protozoalen Krebszellen. Je kranker der Patient ist, desto primitivere Krebszellen reorganisieren sich aus der Bionmasse: das kann von Krebszellen gehen, die fast bis an das Niveau der zerfallenen Mutterzellen wieder reorganisiert werden, bis zu vollkommen anaplastischen Krebszellen, die den besagten Protozoen entsprechen.

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The Journal of Orgonomy (Vol. 38, No. 1, Spring/Summer 2004)

1. Dezember 2012

Kurz nach und parallel zu seinen „bioelektrischen Versuchen“ unternahm Reich die sogenannten „Bionexperimente“. An deren Anfang steht die einfache Beobachtung von Protozoen unter dem Mikroskop, wo er die organismische Pulsation direkt beobachten wollte.

Es gibt kaum ein geeigneteres Feld, die Funktionen der Spannung → Ladung → Entladung → Entspannung zu studieren, als an den Protozoen. Ihre Bewegungen, plasmatische Strömungen, ihre Expansion und Kontraktion sprechen eine völlig eindeutige Sprache im Sinne unserer Funktionsformel des Lebendigen. (Der Krebs, Fischer-TB, S. 77)

Im Zentrum des Organismus kommt es zur Erstrahlung, was an seiner Peripherie eine mechanischen Schwellung hervorruft, die zu einer energetischen Ladung, gefolgt von einer energetischen Entladung führt und schließlich in einer mechanischen Entspannung mündet.

Reich wollte die von Max Hartmann und Ludwig Rhumbler beschriebenen vegetativen Strömungen direkt beobachten (Die Bionexperimente, Frankfurt 1995, S. 36). Beispielsweise untersuchte er Amöben, die er mit Stromstößen reizte (ebd., S. 37f).

Er wollte selber die Amöben für diese Experimente züchten und ihm wurde gesagt, die einfachste Art, seine Beobachtungsobjekte zu erhalten, wären Grasaufgüsse. Nun beobachtete Reich (direkt und mit Hilfe von Zeitrafferaufnahmen) etwas vollkommen unvorhergesehenes, nämlich daß sich die Protozoen direkt aus dem vesikulären Zerfall der Grasblätter entwickelten und nicht aus „Luftsporen“, die sich an den Blättern angeblich festgesetzt hatten, wie es der gängigen Theorie entsprochen hätte. (Siehe dazu auch Chester M. Raphael: „On the Air Germ Dogma: ‚René J. Dubos: Second Thoughts on the Germ Theory’”, Orgonomic Medicine, 1(2), November 1955, S.159-161; Robert A. Dew: „An Air Germ Experiment“,Annals of the Institute for Orgonomic Science, 4, September 1987, S. 15-43, „Further Observations on the Air Germ Experiment“, ebd., 7, September 1990, S. 1-8.)

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Im Anschluß daran ließ Reich die unterschiedlichsten Substanzen in Wasser quellen und konnte an ihnen ebenfalls den Zerfall in Bläschen beobachten. Um steril zu arbeiten, ging er daran, die Substanzen durch Kochen und sogar durch Glühen zu sterilisieren, was jedoch den bionösen Zerfall nur noch weiter beschleunigte. Nach dem Abkühlen konnte er beobachten, daß sich kleine vesikuläre Objekte geformt hatten, wie er sie schon aus der Bildung der Protozoen aus zerfallendem Gras kannte. Diese Gebilde nannte Reich wegen ihrer lebensartigen Eigenschaften „Bione“: „Übergangsformen zwischen anorganischer und organischer Materie“.

Gleichzeitig stellte dies eine experimentelle Überprüfung seiner „Lebensformel“ dar: er hatte Stoffe zur Quellung gebracht und ihnen dann Energie zugeführt, indem er sie erhitzte.

Über die grundsätzliche Problematik der Bione sagt der Orgonom Richard Blasband in einem Interview:

Die Bione sind ganz einfach zu sehen, wenn man weiß, wonach man sucht, und wenn man dafür aufgeschlossen ist. Nun, es hört sich vielleicht recht seltsam an, wenn ich sage: „dafür aufgeschlossen“, aber wir haben viele Laborkurse durchgeführt und Leuten die Bione gezeigt, pulsierende, blaue mikroorganismusartige Dinger. Es gibt Leute, die durch ein Mikroskop schauen und sagen: „Ich sehe gar nichts.“ Ich sage dann: „Entspannen Sie sich, lockern Sie sich, lassen Sie die Augen sich gewöhnen.“ Und nach ein paar Minuten sagen sie dann: „Oh, ja, jetzt sehe ich sie. Ja, sie sind da. Da sind die Bione!“ Und die Leute, die sie nicht sehen, wollen sie entweder nicht sehen, weil sie ein Vorurteil gegen solche Dinge haben – denn es ist tatsächlich so, daß diese ganze Entdeckung der klassischen biomedizinischen Theorie ein Schlag ins Gesicht ist –, oder sie wissen einfach nicht, wonach sie suchen sollen. Aber es gibt sie, und man kann sie jedem leicht vorführen, der aufgeschlossen genug ist, sie zu sehen. Dazu muß man kein Guru oder erleuchtete Person sein. Jeder normale Mensch kann sie sehen. (Digne Meller-Marcovicz: Über Wilhelm Reich – Viva Kleiner Mann, Frankfurt, o.J., S. 24f)

Der mexikanische Biologe Alfonso L. Herrera, der einen ganz ähnlichen Ansatz wie Reich verfolgte, prophezeite Reich 1939, dieser werde „ein neuer Pasteur“ sein.

Die Kultur Ihrer Bione wird von größter Wichtigkeit für die Menschheit sein. Ich finde sie überall, und sie werden zweifelslos einen großen Einfluß auf die Dinge des Lebens, der Gesundheit und den Tod haben. (z.n. Walter Hoppe: Wilhelm Reich und andere große Männer…, Kurt Nane Jürgenson, München 1984, S. 96)

Ähnlich äußerten sich der französische Physiologe Louis Lapique. Zu nennen wäre auch Prof. Dr. A. Leprince aus Frankreich, Professor P.O. Törne aus Finnland und Professor Chellew aus England (ebd., S. 97-99).

Die „Bione“ entsprechen den Anfang der 1960er Jahre entdeckten „Proteinmikrosphären“ (siehe S.S. Nagy: „Origin of Life: Proteinoid Mocrospheres“, Annals of the Institute for Orgonomic Science, 2, September 1985, S. 57f). Dabei handelt es sich um bakteriengroße, wie man unter dem Elektronenmikroskop sehen kann, doppelmembranige Objekte, die sich bilden, wenn man Lösungen aus Aminosäuren erhitzt, wodurch sich Proteinketten bilden, und dann abkühlt, was zu den besagten zellartigen Gebilden führt (Charles Konia: „The Bions“, Journal of Orgonomy, 11(1), May 1977, S. 110-114). In diesem Zusammenhang sind auch Alexander Oparins „Koazervate“ aus den 1950er Jahren zu nennen.

Caspar Friedrich Wolff (1733-1794) zufolge beginnt die Entwicklung des Lebens mit vollkommen strukturlosen Bläschen entsprechend Reichs Bionen. Zu erwähnen ist insbesondere der Gegenspieler Pasteurs, J.P. Antoine Béchamp (1816-1908) und seine „Mikrozymen“. H. Charlton Bastian (1877) erhitzte verschiedene Salzlösungen in versiegelten Gefäßen, ließ sie abkühlen und konnte dann beobachten, wie sich Protozoen und Bakterien entwickelten.

Eine weitere Entsprechung zu der Entdeckung der Bione ist die Arbeit des Arztes Charles W. Littlefield, der Lösungen von Mineralsalzen langsam verdunsten ließ, wobei er Phänomene beobachten konnte, die Reichs Bionen entsprachen. 1919 veröffentlichte er das Buch The Beginning and Way of Life, wo er über „vitalen Magnetismus“ spekulierte; die bei der Verdunstung im Wasser zurückbleibende Energie führe zur Bildung von Lebensformen.

Ähnliche Experimente wurde in den 1930er Jahren vom Chirurgen George Washington Crile aus Cleveland, USA, durchgeführt.

Er zeigte, daß in Mischungen nach bestimmten Formeln von Lipoiden, Proteinen und anorganischen Salzen, die den Gehirnen gesunder Tiere entnommen wurden, spontan protozoenähnliche Zellkörper erschienen. Crile nannte sie „autosynthetische Zellen“. Sie konnten sich reproduzieren, wenn sie mit sterilen Proteinlösungen gefüttert wurden. (Christopher Bird: Wünschelrute, München 1987, S. 111)

Außerdem glaubte Crile, daß jede einzelne Körperzelle eine Art biolelektrischer Batterie wäre.

Der Unterschied zu den Entdeckungen nach und vor Reich liegt darin, daß es Reich gelang Bione aus praktisch allen Materialien, selbst Silikatgestein und Metallspänen zu gewinnen.

In dieser Ausgabe des Journal of Orgonomy beschäftigt sich Dean T. Davidson, ein Orgonforscher aus Australien, in seinem Aufsatz „Some Observations on the Bionous Disintegration of Glass“ (S. 45-60) mit der Wirkung von starken Laugen auf Kalknatronglas, d.h. Normalglas, und auf Borsilikatglas, d.h. feuerfestes Glas. Zwar könne man den Zerfall von Normalglas durch Laugen chemisch erklären, doch führe eine Erklärung über Reichs Konzept „bionöser Zerfall“ weiter. Die sich aus dem Zerfall des Glases bildenden Bione könne man kultivieren.