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Peter Töpfer (Teil 17)

5. Januar 2026

Töpfer unterscheidet zwischen „präsexuellen“ und sexuellen Bedürfnissen. Die ersteren könnten zwar etwas „Lustvolles“ haben, aber nichts Geschlechtliches, Sexuelles (Tiefenwahrheit, S. 292-298). Nun, das ist identisch mit Freuds und Reichs Unterscheidung von prägenital und genital! Die sexuellen Perversionen von Erwachsenen kann man lückenlos auf deren prägenitale Sexualität zurückführen. Allein von daher ist die Leugnung einer kindlichen Sexualität widersinnig. Reich definiert „sexuell“ als „lustvolle Expansion“! Im übrigen ist es nicht Reich, der Kinder „sexualisiert“, sondern eine Gesellschaft, die milliardenfach Penisse von Kindern (teilweise schon von Säuglingen!) verstümmelt:

Die sexualverneinende Gesellschaft macht aus praktisch jedem kleinen Mädchen eine Hysterikerin, die schon vor der Pubertät mit x-Beinen und nach innen weisenden Füßen rumläuft, weil das Patriarchat in keinster Weise mit der Sexualität von weiblichen Kindern umgehen kann. Ich erinnere nur an das „berüchtigte“ „Beckenschlagen“ von jungen Mädchen! Was ist mit den unzähligen kleinen Jungs, die schlaflose Nächte haben, wenn sie voller Horror sehen, daß ihre Spielkameradin, die statt männlicher Genitalien eine Wunde hat , offensichtlich kastriert wurde? Nicht wir „Reichianer“ sind die Perversen, sondern die antisexuelle (antigenitale) Drecksgesellschaft, der der vermeintliche „Anarchist“ Töpfer derartig fanatisch verteidigt!

Es ist wie mit Töpfers lächerlichem „Agnostizismus“: sein Angriff auf den „Maschinenmenschen“, der von vegetativen Strömungen durchflossen wird, die sich entladen müssen, entstammt einer tiefsitzenden erzreaktionären Loyalität gegenüber der überkommenen durch und durch verkommenen gepanzerten Gesellschaft.

Daran schließen sich dann 150 Seiten über den pädosexuellen Juden Reich an, dessen ganze Sexualität „schmutzig“ war (S. 315):

Wir können dieses große Thema im Rahmen dieses Buches natürlich nicht erschöpfend behandeln. Hatten Freud und Reich eine Mitschuld an der Verbreitung dieser verbrecherischen Erscheinung in der 68er Bewegung („sexuelle Revolution“) und ganz besonders in der Post-68er Bewegung (Alternative Liste, Partei Die Grünen, bei denen es von Reichianern wimmelte)? Wenn ja, würde das Reichs Gegenwart in einem dem intakten Individuum gewidmeten Projekt LSR schwer in Frage stellen. (S. 299)

Immerhin hatten Freud und Reich erfolgreich die „Lustzonen“ zu sexuellen Zonen umdeklariert, also Nichtsexuelles sexualisiert. Das war ein erster Schritt in Richtung Pädokriminalität. (S. 300)

(…) so ist wohl Reichs Verbleib in der illustren Runde der Radikalen Aufklärer neben Stirner und La Mettrie allein aufgrund der Überschneidungen mit der normalen, wissenschaftlich unapologisierten Pädokriminalität kompromittiert. Es ist – zumal nach der definitiven Enttarnung Reichs als ich-feindlicher Mechanist und dessen Therapie als „ineffizient“ (Laska) – endgültig „an der Zeit“ (Laska), Reich durch Janov und LSR durch LSJ oder am besten gleich durch LST zu ersetzen. (S. 302)

Und wer genau hat Reich letztendlich durch Töpfer ersetzt? Bingo!

Inzwischen scheint Nasselstein aber auch bezüglich der „orthodoxen“, also der unmittelbar von Reich autorisierten Orgonomie desillusioniert zu sein. Er glaubt einerseits immer noch an das Gute in der Orgonomie: „Andererseits wachsen die eigenen Kinder der Orgonomen unter denkbar optimalen Bedingungen auf, doch“, so fährt Nasselstein andererseits fort, „immer wieder gibt es dort neurotische Wracks, Schizophrene, Perverse – und kein Mensch weiß, was passiert ist.“ Das schrieb Nasselstein am 1. August 2024 – da hatte er zwei Monate zuvor schon seine Rezension des ihn erschütternden Buches von Paki S. Wright geschrieben! Da „wußte“ er also schon längst, „was passiert ist“. (S. 306)

Nein, Nasselstein denkt nicht an sexuellen Kindesmißbrauch. Nicht alles Leid der Welt geht auf diesen einen Faktor zurück! Aber weiter in Text:

Man kann aber Nasselstein überhaupt nicht vorwerfen, die Augen vor diesen Verbrechen verschlossen zu haben. Einerseits ist das das mindeste und selbstverständlichste, aber andererseits rechne ich ihm als Orgonomen das trotzdem hoch an, weil ich weiß, was ihm die Orgonomie bedeutet. Aber hier hören der Spaß und die Bedenken wegen „Nestbeschmutzung“ allerspätestens wirklich auf. Das ist Nasselstein absolut klar; dafür will er sicherlich keinen Orden. Wofür ich ihn eigentlich lobe, ist, wie schonungslos und ausführlich er hier die Orgonomie im Grunde auseinandernimmt und zerstört. (S. 306)

Man sieht, daß ich Töpfer verwirrt habe: einerseits, andererseits. Alles geschenkt, aber wie er dann daraus eine Anklage ausgerechnet gegen LASKA schmiedet…

Bei Laska habe ich noch nie eine Andeutung darüber gelesen. Ist Laska das alles vollständig entgangen? Die Bücher von Paki S. Wright und Malcolm J. Brenner sind zwar erst 2002 bzw. 2015 veröffentlicht worden, doch bis zum 14.02.15 hat Laska noch an den 307 Webseiten des LSR-Projektes gearbeitet. Im Jahre 2002 ist immerhin noch etliches an Aktivität auf der Seite feststellbar, aber nichts wird davon erwähnt. Sollte Laska wirklich nichts von „The All Souls‘ Waiting Room“ mitbekommen haben? Oder war ihm – einem der am meisten an Reich Interessierten der Welt – dieses bedeutende Buch keinen kleinen Text wert? Laska hätte doch auch noch nach dem Februar 2015 zur Feder greifen müssen, um das andere Buch – das von Brenner – irgendwie zu erwähnen, so bedeutend für die Reich-Thematik ist auch dieses. (S. 306f)

Unvermittelt wird aus einem Fall Reich ein Fall Laska!

Doch unabhängig von diesen beiden Autoren muß Laska – nicht so ein vergleichsweise eher oberflächlicher Reich-Interessent wie ich – doch mal etwas zu Ohren gekommen sein. – Ist er nie entsprechenden Hinweisen nachgegangen? Selbst Gerüchte, wenn sie solch schwere Anschuldigungen vortrugen, sollte man doch als sonst so überaus akribischer Reich-Forscher ernst nehmen und prüfen – ganz zu schweigen davon, daß auch er – wie ich – darauf hätte kommen können, daß in einer „aktiven Unterstützung der Sexualität von Kindern“ nicht nur etwa eine riesige Gefahr lag, sondern bereits eindeutig kriminelles Handeln. (S. 307)

Der neumodische Whataboutism, d.h. jeder kann Laska alle möglichen Versäumnisse an den Kopf werfen – vom Leid der Palästinenser bis hin zum Klimanotstand, vom Leben nach dem Tode bis hin zur karnivoren Ernährung. Töpfer hat das LSR-Projekt schlichtweg nicht verstanden: an L und S und R war Laska so gut wie alles gleichgültig bis auf den einen Punkt, der sie jeweils zu Parias der Geistesgeschichte gemacht hat. Und was nun spezifisch Reich und den sexuellen Kindesmißbrauch anbelangt: Laska war hier nur an einem Text interessiert, Reichs Aufsatz „Eltern als Erzieher“ von 1926. Dort geht es um den neurotischen „Erziehungszwang“ der Eltern, gegen den Reich auf die „Enthaltsamkeit in der Erziehung“, d.h. äußerste Zurückhaltung bei den Erziehungsmaßnahmen setzt.

Bei Töpfers Anschuldigungen gegen Reich und die Orgonomie in Sachen Kindersex, für die ich, Peter Nasselstein, einzige Quelle bin, wird ständig Laska dazwischengeschoben.

Laska hat sich 1981 explizit in die Diskussion über die „infantile Sexualität“ eingemischt. Wenn jemand – in diesem Falle Hansjörg Hemminger (…) – die Frage „Sexualität beim Kind: ja oder nein?“ mit „nein“ beantwortet, wird er von Laska lächerlich gemacht – „Hemminger glaubt dies entweder selbst“ –, oder Hemmingers Leser werden zu Idioten gemacht: „oder er setzt auf die Unwissenheit seines akademischen Fachpublikums“. (S. 317)

Laska beruft sich auf den Biologen Max Hartmann, einem Zeitgenossen Reichs, für den die Sexualität ein allgemeines Naturphänomen darstellte, das nicht mit Fortpflanzung identisch war. Allein schon dadurch macht sich Laska mitschuldig:

Warum Laska die beiden Fragen – „infantile Sexualität“ und Sex Reproduktions-Verkoppelung – vermischt, haben wir schon durchschaut: Es ist der billige „Alle-Lebewesen-auch-vorpubertäre-Menschen“-Trick, mit dem er die „infantile Sexualität“, eine folgenreiche Spinnerei seiner Helden Freud und Reich, retten will. (S. 319)

Von S. 317 bis S. 344 wird Laskas Haltung zur infantilen Sexualität ausgewalzt, was in folgendem kulminiert:

Ich will nicht abstreiten, daß Reich Beiträge zur Selbststeuerung des Menschen (…) geleistet hat. – Das mit dem „Gesundheitskriterium“ gehört aber schon mal nicht dazu. Aber erst recht ganz und gar nicht gehört die These von der „Sexualität vorpubertärer Menschen“ dazu, weil sie nicht nur Schwachsinn ist – das allein wäre die harmlose Spinnerei eines Verrückten –, sondern weil sie kriminell ist und im Zuge der Umerziehung eine enorme Wirkmächtigkeit gehabt hat und hat. Das Ziel (die orgastische Potenz), fährt Laska in seiner quintessentiellen Einführung fort, sei, so R, durch „Prophylaxe“ zu erreichen. Das heißt nichts anderes als die ekelhafteste und verbrecherischste Propaganda, die tatsächlich heutzutage fanatisch bis in die Kindergärten hineingezwungen wird und schon längst keine bloße Propaganda mehr ist. Eine Beteiligung Laskas, wie aller Reichianer, daran kann und darf – bei allen guten Leistungen Laskas – nicht weggewischt werden. (S. 343f)

Kurioserweise sagt Töpfer „abschließend“, daß in der „Tiefenwahrheit“ natürlich jeder an die infantile Sexualität glauben dürfe: „Hier zählt nur jedermanns eigene Wahrheit“ (S. 344).

Peter Töpfer (Teil 11)

9. Dezember 2025

Töpfer beschreibt gewohnt lang und breit Reichs Kindheits- bzw. Jugendtragödie mit dem Selbstmord der Mutter und im Anschluß der des Vaters. Habe es doch damals die Tiefenwahrheit gegeben und hätte er, Reich, doch seinen Schmerz nicht „repulsiert“! Dann wäre er zur neuen postphilosophischen Aufklärung fortgeschritten!

Aber auch Laska hätte der Neuen Aufklärung einen größeren Dienst als ohnehin schon erweisen können, wenn er die reich‘sche Repulsion thematisiert und diese selbst nicht auch repulsiert hätte. Doch das machen wir ja jetzt als LSR-Fortführer. Das reich’sche Scheitern bei der Verarbeitung seines Traumas hängt mit seiner Resignation als Therapeut und seiner Aufgabe der Therapie bzw. deren verbleibendem Zweck der Geldbeschaffung zusammen. (…) Abgesehen davon, daß Reich und Laska offenbar den Mißbrauch und das Ausbeuten von Patienten gutheißen, kommt das doch einer schändlichen Kapitulation gleich, zumal es – wenn man von den Reichianern absieht, die sich am „LBTQ“-Verbrechen beteiligen – offensichtlich überhaupt nie zu irgendwelchen „Vorschlägen“, geschweige denn zu einer „Prophylaxe“ gekommen ist. Beide, Reich und Laska, haben kapituliert und ihre Kapitulation mittels „Prophylaxe“ ausagiert. Die auf Ignoranz basierende Kapitulation wird mit Arroganz überspielt und grenzt dann schon an den „Zynismus von Theologen“, den Laska selbst kritisiert: „[Der Leser des ‚Anti-Seneca‘] möge sich […] mit Kondylis auseinandersetzen: […]; kurz: ob das letzte Wort zum Thema ‚Aufklärung‘ (das bisher Kondylis sprach) im Endeffekt auf dasselbe hinausläuft, was zynische Theologen schon immer wußten.“ Dieses Laska-Zitat stellte ich 1998 meinem Aufsatz „Auschwitz, das Ende und die Fortführung der Aufklärung“ voran, und zwar – weil es so schön dazu paßte – neben dieses Zitat von [dem Holocaustleugner] Pierre Guillaume (…). (Tiefenwahrheit, S. 377)

Dieser ganze Quatsch mit der „Tiefenwahrheit“ als Alternative zu Orgontherapie und Neurosenprävention, Vorwürfe von Pädokriminalität und das unmotivierte Anklingenlassen von Holocaustleugnung – und im Zentrum ausgerechnet Laska: das ist der Inhalt von Töpfers Buch!

Eine Abschnittsüberschrift im Buch lautet allen Ernstes: „Kann sich die Neue Aufklärung mit Prophylaxe begnügen? Oder sollte sie nicht dem bedürftigen Publikum ein aktuell-individuelles Angebot einer Eigner-Werdung unterbreiten?“ Muß ich diese komplett verrückte Umkehrung der Sachlage, wie sie sich seit etwa 100 Jahrhundert Reich und seinen Nachfolgern darstellte, kommentieren? Leider ja, denn den nächsten Abschnitt überschreibt Töpfer: „Gefährliche Abwege bei Laskas Fixierung auf die ‚Prophylaxe‘.“

Zunächst einmal stellt Töpfer Laskas (bzw. Reichs!) „ultra-gefährliche“ Vision von der Unterbrechung der Kontinuität der Über-Ich-Implantierung in unserer Kultur dar. Was Töpfer „an irgendwelche schwer verpestete deutsche Grüne (erinnert), die den Kindern gern auch mal ein böses ‚Über-Ich‘ einredeten, wenn sie sich nicht bereitwillig sexuell ausbeuten und damit schwerst traumatisieren lassen wollten“ (S. 61). Das seien Laskas „[i]rre Phantasien von der großen, zukünftigen Welt – aber nichts im Kleinen bei sich selbst tun“ (S. 62).

Es geht weiter unter der Überschrift: „Das Märchen von der ‚Prophylaxe‘ – nur Veränderungen in der Gegenwart können für die ‚Kinder der Zukunft‘ (Reich) etwas bewirken.“ Was scheren den Stirnerschen Egoisten die „Kinder der Zukunft“, zumal die Prophylaxe eh eine Illusion sei, denn die Eltern sind mangels eigener Therapie eh zu krank, um gesunde Kinder aufzuziehen und das langsame Vorgehen über Generationen sei eh Blödsinn, angesichts von Kriegen alle drei Generationen, die alles wieder zunichte machen. Gesunde Kinder könnten nur sozusagen „Kollateralnutzen“ gesundender Eltern sein. Natürlich gesundet durch eine effizientere Therapie als den Dreck, den Reich angeboten hat (S. 64), nämlich der Tiefenwahrheit, „dem LSR-Verfahren“ (S. 130 oder wohl eher „LSRJ-Verfahren“, wobei das J für Janov steht (S. 129). Wir erinnern uns an die apostolische Abfolge: Reich – Janov –Töpfer! Später wird Töpfer entsprechend von „LRT“ sprechen, wie wir noch sehen werden.

Ich kann nur sagen, daß heutzutage die wenigsten Menschen an wirklicher Reichscher Therapie, also dem Abbau der Panzerung, interessiert sind. Ganz im Gegenteil suchen die Menschen heute nach mehr Panzerung, insbesondere durch Psychopharmaka und Psychotherapien, die immer spezifischer ganz bestimmte störende Symptome angehen, damit die zugrundeliegende Charakterneurose um so stabiler bleibt! Parallel dazu wollen sie ihre Kinder eher mehr abpanzern, damit die nicht rumnerven (Stichwort ADHS), Babys werden beispielsweise immer mehr wie Pakete eingeschnürt („pucken“) und durch irgendwelche „Aktivitäten“ am Bildschirm ruhiggestellt. Aber Leute, die dagegen ankämpfen, sind für Töpfer ja eh nur „Körpertherapie- und Orgonfreaks“ (S. 68), „Orgon-Spinner“ wie Walter Hoppe (S. 131). „Viele vermeintliche Helfer sind auch insofern Betrüger, als sie wissen, daß ihre Dienste nichts bringen und sie diese trotzdem anbieten – das war bei Wilhelm Reich und vielen Orgonomen der Fall“ (S. 241). „Reich (…) war ein formidabler ‚Freiheitskrämer‘. Er hat auf diese Weise viel Geld eingestrichen, das er zum Fenster in den blauen Orgonhimmel hinausgeworfen hat“ (S. 446). „Als Reich bei der Verfolgung der Verästelungen [Verschachtelung der Triebabwehr] mit seinem Latein am Ende war und nicht mehr mit dem an allen Enden aufreißenden Chaos fertigwurde, kam er auf den schlauen Gedanken, dem Symptom die Energie zu entziehen“ (S. 270).

Die Fortführung irgendeiner Art von „Therapie“ ist, so Töpfer, eine LSR-immanente Notwendigkeit und „Konsequenz“. Dabei will er über das Kognitive, also „die Wahrheit“, ins Emotionale übergehen, „die Tiefenwahrheit“, und von der Objektorientierung der Psychologen zur existentialistischen Subjektorientierung (S. 73). „In allen meinen Sitzungen geht es um die elementare Beziehung von Leben und Tod“ (S. 441). Wie schon bei der Lektüre seines Buches über Die Wahrheit wird auch hier klar, daß Töpfers Problem in erster Linie die „Ichlosigkeit“ (S. 84), will sagen die Kontaktlosigkeit ist, deshalb ja auch die Faszination mit „Wahrheit“ und „Tiefenwahrheit“!