Posts Tagged ‘Pubertät’

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie

2. November 2020

Diese Arbeit von Klaus Heimann spiegelt die Orgonomie in Deutschland bzw. das orgonomische Wissen in Deutschland Mitte/Ende der 1970er Jahre wider. In diese Zeit reichen die Bemühungen zurück, die Orgonomie in Deutschland, nach der restlosen Zerstörung erster Anfänge auf deutschem Boden, die 1933 erfolgte, erneut zu etablieren. Das damalige orgonomische Wissen ist der Ausgangspunkt des NACHRICHTENBRIEFes und sollte deshalb von jedem, der neu zu unseren Netzseiten stößt, als Einführung gelesen werden, damit wir alle eine gemeinsame Grundlage haben. Klaus Heimanns Arbeit hat den Zauber des Anfangs an sich und möge in einer neuen Generation das Feuer von neuem entzünden:

ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DER ORGONOMIE von Klaus Heimann

Paul Mathews: Über Jugendliche an öffentlichen weiterführenden Schulen (Teil 1)

14. Oktober 2020

 

Paul Mathews: Über Jugendliche an öffentlichen weiterführenden Schulen

 

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 20

9. Juni 2019

orgonometrieteil12

20. Die Fächerspaltung in der Pubertät

Das Projekt „Children of the Future” des „Orgonomic Infant Research Center” (O.I.R.C.) (Teil 2)

24. Dezember 2018

von Bernd Laska

Das Orgonomische Säuglingsforschungszentrum (nach OEB II/4) (Fortsetzung)

Alle bisherigen Ansichten über Erziehung hatten Anpassung an die speziellen nationalen, religiösen, rassischen oder sonstwelchen Ideale zur Grundlage und zum Ziel … Gesundheit und Normalitat wurden gleichgesetzt … ein Katholik hat da andere Vorstellungen als ein Hindu, ein Moslem andere als ein Liberaler, und im heutigen Rußland soll das Kind „wie Stalin“ werden… … Alle diese Ansichten haben eines gemein: DIE VÖLLIGE AUSSERACHTLASSUNG DER NATUR DES KINDES. Gesundheit, Normalitat sind nach Interessen definiert, die außerhalb des Bereichs der Entwicklung von Kindern liegen. Diese Ansichten beginnen damit, was ein Kind sein SOLL, und nicht mit der Frage, was ein Neugeborenes IST …

… Das Neugeborene ist nicht, wie irrtümlicherweise oft angenommen wird, ein leerer Sack oder eine chemische Maschine, in die jeder seine Ideen, was ein Mensch zu sein hat, hineinschütten kann. Es bringt ein enorm produktives und adaptives Energiesystem mit auf die Welt, das aus eigenem Antrieb Kontakt mit seiner Umgebung herstellt und anfängt, diese nach seinen Bedürfnissen zu gestalten. Die grundlegende und wichtigste Aufgabe jeder Erziehung, die vom Interesse am Kind geleitet ist und nicht im Dienst von Parteiprogrammen, Profit, Kirche o.ä. steht, besteht darin, jedes Hindernis zu entfernen, das dieser naturgegebenen Produktivität und Gestaltungsfähigkeit der biologischen Energie im Wege steht … Diese Kinder werden ihre eigenen Wege zu wählen haben und ihre eigenen Ziele bestimmen. Wir müssen von ihnen lernen statt ihnen unsere verqueren Ideen und bösartigen Praktiken aufzuzwingen, die sich in jeder neuen Generation immer wieder als äußert schädlich erwiesen haben …

… LASSEN WIR DIE KINDER SELBST UBER IHRE ZUKUNFT ENTSCHEIDEN! Unsere Aufgabe besteht darin, sie dazu zu befähigen und ihre natürliche Fähigkeit dazu nicht zu zerstören … Wir haben kein Recht, unseren Kindern zu sagen, wie sie ihre Zukunft bauen sollen; wir können unseren Kindern nur so genau wie möglich sagen, wo und wie wir gescheitert sind …

Die Arbeit des OIRC bestand aus vier Teilbereichen:

  1. Pränatale Fürsorge für gesunde, schwangere Frauen: Sexualökonomische Beratung beider Eltern; Routineuntersuchungen; Vermeidung von Dingen, die schädigend auf den Embryo wirken können, wie zu enge Gürtel, mangelnde orgastische Entladung usw.
    Benutzung des Orgonakkumulators während der Schwangerschaft. Regelmäßige sorgfältige Untersuchung des bioenergetischen Verhaltens des Organismus, insbesondere des Beckens. Untersucht werden sollte, welchen Einfluß Depressionen, gestauter Haß usw. auf den Embryo haben, worüber so gut wie nichts bekannt ist.
  2. Sorgfältige Überwachung der Geburt und der ersten Lebenstage des Neugeborenen: Diese Zeit ist sehr entscheidend in der Entwicklung; die meisten chronischen oder melancholischen Depressionen entwickeln sich aus so früher Frustration. Die fehlerhafte Entwicklung der Wahrnehmungsfunktion während der ersten sechs Wochen sind die Ursachen für die Entwicklung der schizophrenen Spaltung oder eines schizoiden Charakters. Die größte Schwierigkeit ist hier unsere geringe Kenntnis der bioenergetischen Ausdrucksweise des Neugeborenen.
  3. Verhinderung der Bildung eines Charakterpanzers in den ersten fünf bis sechs Jahren: Auch hierüber war klinisch wenig bekannt. Wir konnten erwarten, daß es ein Unterschied war, ob wir bereits stark gepanzerte Kinder zu behandeln hatten, oder ob wir das Beginnen der Panzerbildung in einem anderweitig sich natürlich entwickelnden Kind erkennen sollten. Es war nichts bekannt, welche Charakterzüge im Säuglingsalter infolge früher Panzerung und welche infolge natürlichen Lebensausdruckes auftreten. In den letzten Jahren hatten wir einige Kinder nach dem Prinzip der Selbstregulation aufwachsen sehen. Diese Kinder waren in ihrem Wachstum und in ihrer Entwicklung so wenig wie möglich durch Einflüsse von Kultur, Kirche, Staat o.a. behindert worden. Sie waren für uns die besten Lehrer; wir lernten mehr über Biologie und Selbstregulation als in dreißig Jahren Arbeit als Psychiater und Ärzte. Es war, im Ganzen gesehen, wie ein Blick in das „gelobte Land“. Es war außerdem eine Lektion darüber, was die emotionale Pest des Menschen am Menschen anrichtet. Diese Kinder entwickelten unterschiedliche charakterliche Reaktionen. Es war uns nicht bekannt, inwieweit dies gesetzmäßige, biologische Entwicklungen waren. Von der etablierten Wissenschaft konnten wir keine Hilfe erwarten; wir mußten ganz von vorn anfangen.
  4. Studium und Aufzeichnung der weiteren Entwicklung dieser Kinder bis zum Abschluß der Pubertät.

Aus diesem Plan ist leicht ersichtlich, daß dies ein sehr langfristiges Programm war. Die ersten entscheidenden Ergebnisse waren wahrscheinlich erst in zehn bis fünfzehn Jahren zu erwarten.

Was aus dem Projekt „Kinder der Zukunft“ geworden ist, ist mir nicht bekannt. Wahrscheinlich ist es infolge der bald einsetzenden Verfolgung Reichs, des Prozesses und schließlich seines Todes abgebrochen worden. Jedenfalls ist meines Wissens nichts mehr darüber publiziert worden (B.L.).

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 1/76N.

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 3)

9. September 2018

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Funktionelle Betrachtungen zu Verbrennung und Erstrahlung

Blogeinträge November/Dezember 2012

9. Juli 2018

Mehr zum „biologischen Rechenfehler“ heute::

Blogeinträge November/Dezember 2012

  • Der Gesundheitszustand der amerikanischen Wirtschaft
  • Die Grenzen des politischen Konservatismus
  • Die bio-soziale Bedeutung der früh einsetzenden Pubertät
  • Warum in der Politik fast immer die Linke gewinnt
  • Ein weiteres Schulmassaker, ein weiterer politischer Dialog
  • Ausflüchte und Ablenkungen gehen mit der oberflächlichsten Schicht des sozialen Panzers einher

ZUKUNFTSKINDER: 7. Das Drogenproblem, d. Drogen und Sexualökonomie

25. April 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

7. Das Drogenproblem, d. Drogen und Sexualökonomie

KINDER DER ZUKUNFT: Gesundheit und sexuelle Lebensfreude (Teil 3)

18. März 2018

Unter die gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen bei der Onanie nennt Reich „bei Mädels Onanie in der Scheide mit scharfen und spitzen Gegenständen (was sehr häufig vorkommt)“. Ausführlich beschrieben wird das in Der triebhafte Charakter (1925) und Die Funktion des Orgasmus (1927). Dazu folgender interessanter Kommentar:

Die Tatsache, daß Mädchen bei der Onanie spitze Gegenstände verwenden, weist in neueren Untersuchungen daraufhin, daß dies ein Indikator über sexuellen Mißbrauch innerhalb der Familie sein kann. Diese Möglichkeit läßt Reich völlig außer acht. (Christina Weber: Wie Reich die Frauen sah, Egelsbach 1995, S. 195)

Ich bin froh, daß die Herausgeber folgendes „eingekringelt“ und gestrichen haben:

Wir anerkennen nur ein moralisches Prinzip, welches lautet: Wir brauchen deine Kräfte für die großen Aufgaben, die wir alle leisten müssen, um die Befreiung des Menschen von jeder Art von Knechtschaft durchzusetzen; befreie dich daher, so gut du kannst, von der [unleserliche Korrektur für „bürgerlichen“] Moral und bring so gut du kannst, deine Sexualität in Ordnung.

Ab und an wird deutlich, daß Reich mit seinen Revisionen alter Manuskripte ein unheilvolles Durcheinander erzeugt hat bzw. verlieren seine Ausführungen unnötigerweise an logischer Kohärenz. Etwa hier:

Original 1932: „Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, ihrer Sexualordnung und der Art und Weise, in der sie die Geschlechtlichkeit der Jugend behandelt?“

Revision 1938: „Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der heutigen Sexualordnung, ihrer Sexualordnung und der Art und Weise, in der sie die Geschlechtlichkeit der Jugend behandelt?“ (sic!).

Übersetzung 1983 bzw. Rückübersetzung 2018: „Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der gegenwärtigen Sexualordnung und der Art und Weise, in der sie die Geschlechtlichkeit der Jugend behandelt?“ (Kinder der Zukunft, S. 188).

Oder mit anderen Worten: „Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der Sexualordnung und der – Sexualordnung.“

Äußerungen, wie die folgende sind heute vielleicht noch revolutionärer als damals:

(…) hätte die Jugend rechtzeitig die Wahrheit erfahren, daß die sexuelle Befriedigung nicht nur eine Bedürfnisbefriedigung, wie das Essen und das Aufs-Klosett-Gehen ist, sondern daß von der Art ihres Sexuallebens (…) ihre seelische Entwicklung, ihre Lebensfrische, Arbeitsfähigkeit und Kampfesfreude restlos bestimmt werden (…)

Das spätere Buch Christusmord wirft seine Schatten voraus. So wird aus „Gott“ der „rächende Gott“, der „rächende Gott der alten Juden“, wie es in einer von Reich oder den Herausgebern durchgekreuzten Passage heißt. „Gott“ wird also nicht per se abgelehnt. (Übrigens, dafür, daß die besagte Passage doch von Raphael und Higgins „durchkreuzt“ wurde, spricht, daß sie sowohl mit einem Haken = veröffentlichen und verwirrenderweise gleichzeitig mit einem Kringel = nicht veröffentlichen versehen wurde.)

Wie rudimentär Reichs Kenntnisse des organisierten Christentums waren, zeigt sich daran, daß er von der „Konfirmation“ in der Katholischen Kirche schreibt. In der deutschen (Rück-) Übersetzung wurde daraus stillschweigend korrekterweise „Firmung“ (Kinder der Zukunft, S. 191). In der amerikanischen Übersetzung „confirmation“.

KINDER DER ZUKUNFT: Gesundheit und sexuelle Lebensfreude (Teil 2)

14. März 2018

Der Überschrift des Abschnitts „Die sexuelle Reifung“ hat in Kinder der Zukunft die gleiche Größe der Überschrift wie alle anderen auch, während in Children of the Future die ursprünglich Aufteilung in Kapitel und Unterabschnitte der Kapitel immer noch durch unterschiedliche Größe der Überschriften deutlich wird.

Sowohl im Original als auch in Kinder der Zukunft findet sich in diesem Abschnitt der Satz: „Hoden und Eierstöcke sind zwar die wichtigsten Quellgebiete der sexuellen Erregung, aber nicht die einzigen“ (S. 153). Ziemlich verwirrend, denn das ist eindeutig keine Rückübersetzung! In Children of the Future wurden aus den „Quellgebieten“ nämlich einfach „organs“. Im Manuskript schreiben die amerikanischen Herausgeber Raphael und Higgins den Übersetzern diese Änderung ausdrücklich vor. Wer gibt ihnen das Recht in Reichs Text Wörter auszutauschen? (Wobei vollständig egal ist, ob diese Veränderungen Reichs Text verbessern oder nicht!)

Wer hat das Ende von „Die sexuelle Reifung“ gestrichen, wo Reich ausführt, daß in der westlichen Kultur die seelische Reife bei Jugendlichen nicht mit der körperlichen Schritt hält, „da die moralische Sexualunterdrückung gewöhnlich ein Zurückbleiben der seelischen Reife bedingt“. Warum hätte Reich das streichen sollen? Oder folgendes:

Dem Jugendlichen stehen Geschlechtsverkehr, Onanie der Enthaltsamkeit zur Wahl. Das aber, so Reich, differenziert nach der gesellschaftlichen Schicht:

Die Frage steht anders für den großbürgerlichen Jugendlichen, das Kind des Bankiers und Fabrikanten, anders für den kleinbürgerlichen, den Sohn und die Tochter des Kaufmannes oder Beamten, und anders für den proletarischen Jugendlichen, dessen Eltern in der Fabrik arbeitetet. Dieser Unterschied kommt schon bei der körperlichen Reife zum Ausdruck; denn körperliche Unterernährung behindert die körperliche Reifung, so daß man so oft vierzehn-, fünfzehn-, sechzehnjährige Proletarier, Jungens und Mädels, sieht, die körperlich wie Zehnjährige und im übrigen durch Not, Entbehrung und andere miserable Lebensverhältnisse wie Greise ausschauen, dagegen bei bürgerlichen Jugendlichen oft gut genährte, körperlich über das Alter hinaus Gereifte mit kindlich zurückgebliebenem seelischem Apparat. Proletarische Jugendliche kommen oft infolge der Wohnverhältnisse früher zum Geschlechtsverkehr, als ihrem Reifezustand entspricht. Unter sexueller „Frühreife“ darf man aber nicht verstehen, daß der Heranreifende sich überhaupt sexuell betätigt, sondern nur in welcher Form er es tut, ob seinem Alter entsprechend oder nicht.

Ist doch kein unwichtiger Absatz. Er und die soeben paraphrasierte Passage sind auch die einzigen im Abschnitt, die spezifisch „Sexpol“ sind. Wurde dieser Absatz wirklich von Reich selbst gestrichen oder selbstherrlich von den Herausgebern, die den Text den Gegebenheiten in den heutigen USA anpassen wollten? Es ist, als wollten sie den Text dezidiert nicht als historisches Dokument abdrucken, sondern als Teil eines vermeintlichen „Buches“, das sich an das Amerika von 1983 richtet. Tut mir leid, aber Reichs Text ist nicht eure Verfügungsmasse. Schreibt selbst Texte, anstatt Reich als Vehikel eurer Gedanken zu benutzen!

Reich war selbst in der Lage, wirkliche Klöpse selbst zu streichen. Etwa folgenden Absatz:

Im Kapitalismus gibt es in dieser Hinsicht für die Massen keine Hilfe. Aber es steht außer Frage, daß Klassenbewußtheit und verantwortungsvolle und wichtige politische Arbeit auch die Einstellung zur Sexualität verändern; daß sie aus solchen Schwierigkeiten oft heraushelfen, von einer sonst nicht zu beseitigenden Überspannung der sexuellen Bedürfnisse befreien, indem sie sexuelle Energie verbrauchen und dadurch gleichzeitig zu einem befriedigenden Sexualleben verhelfen.

Die Passage ist weder ausgestrichen, noch eingekreist oder überklebt, sondern Reich hat sie mit der Schere rausgeschnitten und das Manuskript neu zusammengeklebt. Von daher kann ich nur schwer glauben, daß die Schmierereien im Manuskript von Reich selbst stammen.

Sehr merkwürdig ist das Ende des Abschnitts „Die Störungen beim Geschlechtsverkehr“. 1932 hatte Reich dort geschrieben: „So wie es in der mutterrechtlich-urkommunistischen Gesellschaft keine sexuelle und materielle Unterdrückung der Frau und daher keine Sexualstörungen gibt, so…“ Daraus wurde in seinen Korrekturen: „So wie es in der Natur keine sexuelle Unterdrückung des weiblichen Tieres und daher keine Sexualstörungen…“ Das wurde offenbar von den Herausgebern gestrichen – und auch die ganze darauffolgende Seite. Gestrichen wurde auch der Abschluß des Abschnitts, den Reich vollkommen neu auf Schreibmaschine geschrieben und ins Manuskript hineingeklebt hatte. Die kämpfenden Mädel und Frauen würden den Sieg „gegen Kraftlosigkeit, Muckertum und Heuchelei herbeiführen und die Grundlagen eines natürlichen menschenwürdigen Lebens begründen“.

Was einen wirklich wütend machen kann, ist folgender Anachronismus: Im Text ist von der materiellen Not der (proletarischen) Jugend die Rede, insbesondere die Wohnungsfrage, die es zu lösen gelte, so „daß diese nicht mehr in Haustoren und hinter Zäunen ein Zerrbild von Geschlechtsleben führen“ müssen. Raphael und Higgins machten bei ihrer Fälschungsaktion daraus „Hauseingänge oder Autos“ (Kinder der Zukunft, S. 193). Zu Reichs Zeiten hatten Jugendliche in den USA noch keine Autos, geschweige denn Proletarierkinder in Europa! Übrigens sieht man auf dem Originalumschlag von Der sexuelle Kampf der Jugend ein solches „Haustor“, wie es für die Arbeiterviertel in Wien und Berlin typisch war!

Die Leiden des armen Peter haben ein Ende!

23. Februar 2018

Ich habe es tatsächlich geschafft! KINDER DER ZUKUNFT ist durchgelesen.

Warum der Peter so leidet? Im von Reich persönlich revidierten Originalmanuskript ist zu lesen:

Die Jungen klagen darüber, daß es an Gelegenheit, ungestört beisammen zu sein, immer fehlte, daß sie die allergrößten Schwierigkeiten hätten, sich Empfängnisverhütungsmittel zu schaffen (sic!), daß die Mädels „soviel Geschichten machen“, sich allzu lange bitten lassen (…).

In der Rückübersetzung wurde daraus – Unsinn:

Die Jungen beschweren sich, daß es nie eine Gelegenheit gibt, ungestört zu sein und daß die Mädchen nicht in der Lage sind oder nicht bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Verhütungsmittel zu benutzen. Die Jungen beschweren sich auch darüber, daß die Mädchen „soviel Geschichten“ machen. Sich allzu lange bitten lassen (…). (S. 185)

Aus…

Dieselbe Stellung, die der Vater von seinen Kindern verlangt, wenn sie klein oder jugendlich sind, fordern oft raubgierige Unternehmer und Bürokraten, die nichts von unserem Leben verstanden haben, von den Erwachsenen.

…wurde:

Derselbe Gehorsam und die gliche (sic!) Untertänigkeit, die der Vater seinen jungen Kindern abverlangt, wird auch von staatlichen Autoritäten, wie auch von gierige (sic!) Unternehmer und Bürokraten gefordert, die nichts über unser Leben wissen, also von den Erwachsenen. (S. 188)

Es geht nicht um „die spirituelle Unterdrückung durch die Kirche“ (S. 190), sondern, so das Originalmanuskript, um „die geistige Verdummung durch die Kirche“! Es geht nicht darum, „den sexuellen Streß der Jugendlichen zu beseitigen“ (ebd.), sondern darum, „die sexuelle Not der Jugend zu beheben“. Es geht nicht um „liebesbedingte Selbstmorde“ (S. 194), sondern um „Selbstmorde aus sexuellen Motiven“. Reich will „das Sterbende töten, in jeder Hinsicht und wo immer wir es treffen, um daraus eine neue Ordnung der menschlichen Beziehungen zu bauen“, während in dieser „Übersetzung“, oder was immer das sein mag, davon die Rede ist, „bei allem Respekt die absterbende Ordnung, wo immer wir sie antreffen, [zu] vernichten, sodaß wir dann eine neue Ordnung der menschlichen Beziehungen aufbauen können“ (ebd.). Wo kommt plötzlich der „Respekt“ her? In der amerikanischen Ausgabe lesen wir: „(…) if we kill off the dying order in every respect and wherever we come across it so that we can create from it a new order of human relationships (…)”. Nein, bei allem was Recht ist! Da kann man sich doch nur noch die Haare raufen! Und sowas mußte der arme Peter über fast 200 Seiten hinweg über sich ergehen lassen!

Bei dieser Gelegenheit möchte ich zwei Sätze aus dem [teilweise skizzenhaften] Originalmanuskript zitieren, die alles widerlegen, was Reichs Kritiker gerne vorbringen, nämlich, daß Reich die „ver-Sex-te“ Gesellschaft nicht vorausgesehen hat, in der alle noch unglücklicher sind, „obwohl“ doch alles voller „Sex“ ist, – und daß Reich ein Prophet der Zerstörung der Familie war:

Eingehende Erfahrung lehrt, daß je mehr die sexuellen Erscheinungen sich in einer Gesellschaftsgruppe vordrängen, desto gestörter, zerrissener, unbefriedigender für jeden einzelnen das Geschlechtsleben im Inneren und in Wirklichkeit ist. (Entsprechung im Buch: S. 187f)

[Der] Unterschied zwischen Familiensklaverei und familiärer Liebe, die auf gegenseitiger Achtung und natürlicher Verwandtschaft beruht, [wird] nicht begriffen. Die erste, die uns zerbricht, wollen wir zerbrechen; doch die Liebe von Vater und Mutter zu ihren Kindern und der Kinder zu ihren Eltern wollen wir unter allen Umständen schützen und bewahren. (Entsprechung im Buch: S. 189)

Es ist eine Tragödie, daß dem deutschen Publikum das vorenthalten wird, bzw. daß es mit einer schlichtweg unbrauchbaren „Übersetzung“ abgespeist wird.

P.S.: Ich wollte gerade dieses Kapitel endgültig abschließen, da stelle ich fest, daß das LIED DER JUGEND, ausnahmsweise keine Rückübersetzung, am Ende des Buches falsch abgedruckt wurde!

Die erste Strophe ist korrekt, desgleichen die dritte und vierte, doch in der zweiten Strophe wurde die letzte Zeile mit der vorletzten vertauscht. Warum? Schaut man im amerikanischen Original nach, ist es dort genauso, ABER AUS GRÜNDEN DES ENGLISCHEN REIMES.

Übrigens ist die amerikanische Übersetzung falsch: „Unser das Kampfrecht, wenn man uns zwingt“ ist nicht dasselbe wie: „Ours the just fight (= der gerechte Kampf, was der Übersetzer wohl mit „Kampfrecht“ verwechselt hat!) against all who suppress us.“ Das ist etwas ganz anderes als schlichtweg: „Ours the right to fight if you force us.

Das Kampfrecht der Jugend fürs Lebensglück entspricht dem Streikrecht der Arbeiter (Arbeitskampfrecht) für gerechten Lohn.