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Über den Terrorismus (Teil 6)

21. Oktober 2019

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.
 

Leider haben simple Begründungen und intellektuelle Überzeugungsarbeit bei jenen, die intellektuell abwehren, keine Wirkung. Sie müssen entlarvt werden – wie Reich es ausdrückte. Dies ist keine leichte Aufgabe und wird immer schwieriger, da sich ihre Krankheit ausbreitet, besonders unter den Jugendlichen, die leicht von Slogans, Musik und anderen Anreizen verführt werden, die ihnen eine Kompensation für die Liebe bieten, die sie nie wirklich hatten.3 Das Vergöttern von Pop-Musik-Helden ist ein Beispiel für eine solche Sehnsucht. Und der Trend zu Massenaktivitäten, sei es bei „Rockfestivals“ oder „Friedensbewegungen“, ist ein weiteres Zeichen für diesen tiefen Hunger. Leider kann der Hunger durch diese kompensatorischen Aktivitäten nicht gestillt werden. Sie können sogar den Druck erhöhen und die Bedürfnisse verstärken. Es ist ein tiefgreifendes Dilemma, das nur durch ein Verständnis der orgonotischen Dynamik gelöst werden kann. Die Sehnsucht nach Frieden tief im biologischen Kern der jungen Menschen, die in unterschiedlichem Maße unter Störungen ihrer biologischen Pulsation leiden, wird von der konspirativen emotionellen Pest in Richtung ihres Ziels, die freie Welt zu entwaffnen, manipuliert. Wie erreicht man diese „Arglosen“ rechtzeitig? Der Wille und das Bedürfnis, an die guten Absichten revolutionärer Bewegungen zu glauben, sind so stark wie die zugrunde liegende Verzweiflung des Organismus, sich von seiner biologischen Spannung zu befreien. Man betrachte beispielsweise einen Auszug aus Gerald Steibels Rezension (10) eines Buches von Paul Hollander (11), das die früheren und aktuellen Reisen verschiedener westlicher Intellektueller in kommunistische Länder beschreibt:

Trotz alledem, warum? Hier sind gut ausgebildete Männer und Frauen (Shawl, Feuchtwangerm, die Webbsn, Lincoln Steffenso, Shirley MacLainep, Galbraithq, Bernsteinr usw.), nicht „Spinner“ am Rande des modernen Lebens. Sie sind publizierte Schriftsteller, etablierte Musiker, sogar Kongressabgeordnete und Senatoren. Ihr Verstand ist diszipliniert und es mangelt ihnen nicht an skeptischer Schärfe. Was passiert mit dieser Skepsis, mit dieser leidenschaftlichen Hingabe an die Freiheit, wenn sie sich in die Arme des Diktators irgendeines ausländischen Polizeistaates begeben? Und wie können so viele glauben, dass ihr eigenes Land der Hauptverursacher des Bösen in der Welt ist?

 

Anmerkungen

3 In einem Artikel der New Yorker Daily News vom 23. Oktober 1981 wird die frühere Weathermen-Frau Jane Alpert zitiert, dass sie „eher wegen Rebellion und Sex als wegen Politik radikal geworden sei“. Sie erzählte auch, dass ihr Weathermen-Liebhaber eine Bombe gelegt hatte, bei der 20 Menschen verletzt wurden, weil sie damit drohte, Sex mit einem anderen Mann zu haben.

 

Anmerkungen des Übersetzers

l George Bernard Shaw (1956-1950), irischer Schriftsteller und Politiker. Las 1882 Das Kapital von Karl Marx. „Das wurde zum Wendepunkt meiner Laufbahn. Marx bedeutete eine Offenbarung“. In den 1930er-Jahren reiste Shaw in die Sowjetunion. Seine Werke wurden dort verlegt. Er verteidigte in dem Vorwort zu dem Stück „On the Rocks“ (1933) die Zwangskollektivierung in der Sowjetunion. Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1931 rief er in einer US-amerikanischen Radiosendung jeden fähigen Arbeiter dazu auf, in die UdSSR zu reisen. Shaw verteidigte die Säuberungen unter Stalin und erklärte: „Wir können es uns nicht leisten, hochmoralisch aufzutreten, wenn unser kühner Nachbar [die Sowjetunion, Anm.] auf humane und gerechte Weise eine Handvoll Ausbeuter und Spekulanten liquidiert, um die Welt für die Anständigen zu schützen.“

m Lion Feuchtwanger (1884-1958) war ein deutscher Schriftsteller. Ließ sich 1936/37 zu einer Propagandatour in die Sowjetunion einladen. Am 7. Januar 1937 empfing ihn Stalin wie einen Staatsgast im Kreml und gewährte ihm ein Interview; Aussagen daraus flossen in sein Stalin lobpreisendes Buch Moskau 1937 ein. Darin hielt Feuchtwanger auch fest, dass Stalin ihn von der Schuld der Angeklagten der Schauprozesse überzeugt habe. In der zweiten Januarhälfte 1937 saß er mehrmals während des zweiten Schauprozesses auf der Zuschauertribüne. Er schrieb zwei Artikel für die sowjetische Presse, in denen er die Schauprozesse verteidigte. Nach seiner Rückkehr begann Feuchtwanger mit der Niederschrift seines Buchs Moskau 1937. Ein Prawda-Reporter überzeugte ihn, positive Passagen über Leo Trotzki sowie kritische Anmerkungen Lenins über Stalin aus dem Manuskript zu streichen. Stalin persönlich redigierte das Vorwort. Auch durch die Geheimrede Nikita Chruschtschows über Stalins Verbrechen auf dem XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 ließ sich Feuchtwanger nicht von seinen Lobpreisungen des sowjetischen Regimes abbringen.

n Sidney Webb (1859-1947) und Beatrice Webb (1858-1943), Ehepaar, berühmte britische Sozialisten, veröffentlichten mehrere grundlegende Werke. Nach einem Besuch der Sowjetunion 1932 schrieben die Webbs ein lobendes Buch (Soviet Communism. A New Civilization?) und verteidigten in mehreren Artikeln die stalinistischen Repressionsmaßnahmen. Das Buch förderte und ermutigte eine unkritische Sicht auf Stalins Verhalten während der brutalen Kollektivierung der Landwirtschaft im ersten Fünfjahresplan (1928-1933), der Schaffung des Gulag-Zwangsarbeitssystems und der umfassenden Säuberungen der 1930er Jahre. Der trotzkistische Historiker Al Richardson beschrieb 1935 die Darstellung der UdSSR im Buch als „reine sowjetische Propaganda in ihrer verlogensten Form“. In späteren Ausgaben wurde das Fragezeichen entfernt, ebenso wie öffentliche Zweifel, die die Webbs an der Natur der UdSSR hatten. Der britische Historiker Alan Taylor nannte es „das absurdeste Buch, das jemals über Russland geschrieben wurde“.
Das letzte Buch der Webbs, The Truth About Soviet Russia (1942), feierte die zentrale Planung. Sie ignorierten die zunehmenden Beweise für die von Stalin begangenen Gräueltaten und unterstützten die Sowjetunion bis zu ihrem Tod.

o Joseph Lincoln „Link“ Steffens (1866-1936) war ein US-amerikanischer Journalist.
Im März 1919 begleitete er den Beamten des US-Außenministeriums, William C. Bullitt, zu einem dreiwöchigen Besuch in Sowjetrussland. Nach seiner Rückkehr setzte er sich für die sowjetische Revolution ein und machte im Zuge seiner Kampagne für die US-amerikanische Nahrungsmittelhilfe für Russland seine berühmte Bemerkung über die neue sowjetische Gesellschaft: „Ich habe die Zukunft gesehen, und sie funktioniert“, ein Satz, den er oft mit vielen Variationen wiederholte.

p Shirley MacLaine (*1934) ist eine US-amerikanische Schauspielerin. In den 1970er- und 1980er-Jahren veröffentlichte sie erste Bücher und machte selbst einen Film: The Other Half of the Sky: A China Memoir, einen Propagandafilm über die Volksrepublik China. Der Film schildert den dreiwöchigen Besuch einer Gruppe US-amerikanischer Frauen im Frühjahr 1973 in China. Neben MacLaine selbst gehörten der Gruppe sieben weitere Delegierte an. In Begleitung von Vertretern der chinesischen Regierung besuchten die Frauen Peking, Shanghai, Guangzhou und Hangzhou.
MacLaine gilt politisch als linksliberal. Sie engagierte sich gegen den Vietnamkrieg und unterstützte mehrfach Politiker der Demokraten im Wahlkampf.

q John Kenneth Galbraith (1908-2006) war ein kanadisch-US-amerikanischer Ökonom, Sozialkritiker, Präsidentenberater, Romancier und Diplomat.
1972 bereiste er in seiner Eigenschaft als Präsident der American Economic Association auf Einladung der chinesischen Regierung China und publizierte darüber 1973 das Buch A China Passage mit Lobpreisungen des damals in China herrschenden Mao-Kommunismus aus amerikanisch links-liberaler Perspektive. Galbraith schrieb, dass es „keinen ernsthaften Zweifel daran gibt, dass China ein hochwirksames Wirtschaftssystem entwickelt“, „Dissidenten werden in China fest in Einklang gebracht, aber, wie man vermutet, mit großer Höflichkeit“, „Großraum Shanghai … hat einen besseren medizinischen Dienst als New York“ und hielt es nicht für unplausibel, dass die chinesische Industrie- und Agrarproduktion jährlich um 10 bis 11% zunahm.
1984 besuchte er die UdSSR und schrieb, dass die sowjetische Wirtschaft „große materielle Fortschritte“ gemacht habe, da die UdSSR „im Gegensatz zur westlichen Industriewirtschaft ihre Arbeitskraft voll ausschöpft“.
China. Impressionen einer Reise. Droemer Knaur, München 1978

r Leonard „Lenny“ Bernstein (1918-1990) war ein US-amerikanischer Komponist, Dirigent und Pianist.
Sein politisches Leben erhielt aufgrund eines Treffens in seiner Wohnung in Manhattan an der 895 Park Avenue am 14. Januar 1970 eine beachtliche Berichterstattung. Bernstein und seine Frau hielten die Veranstaltung ab, um Geld für die Verteidigung mehrerer Mitglieder der Black Panther Party gegen verschiedene Anklagen, insbesondere gegen die Panther 21 [Die Panther 21 war eine Gruppe von einundzwanzig Mitgliedern der Black Panther, die wegen geplanter koordinierter Bomben- und Langstreckengewehrangriffe auf zwei Polizeistationen und ein Bildungsbüro in New York City festgenommen und beschuldigt wurden] zu sammeln. Die New York Times berichtete zunächst über die Zusammenkunft als Lifestyle-Artikel, veröffentlichte jedoch später einen für Bernstein äußerst ungünstigen Leitartikel, nachdem die allgemein negative Reaktion auf die weit verbreitete Geschichte zu verzeichnen war. Diese Reaktion im Juni 1970 gipfelte im Erscheinen von „Radical Chic: That Party at Lenny’s“, ein Essay des Journalisten Tom Wolfe auf dem Cover des Magazins in New York. Der Artikel stellte den komfortablen Lebensstil der Bernsteins in einer der teuersten Gegenden der Welt der Anti-Establishment-Politik der Black Panther gegenüber. Es führte zur Popularisierung von „Radical Chic“ als kritischem Begriff.
http://nymag.com/news/features/46170/

 

Literatur

10. Steibel, G.: Book Review of Political Pilgrims: Travels of Western Intellectuals to the Soviet Union, China and Cuba (1928-1978) by Paul Hollander, in: Freedom at Issue, March/April 1982
11. Hollander P.: Political Pilgrims: Travels of Western Intellectuals to the Soviet Union, China and Cuba (1928-1978). New York: Oxford University Press, 1981

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 16 (1982), Nr. 2, S. 235-243.
Übersetzt von Robert (Berlin).