Posts Tagged ‘UdSSR’

Paul Mathews: Das Weltgeschehen, die Medien und Modju

28. Dezember 2019

 

Paul Mathews:
Das Weltgeschehen, die Medien und Modju

 

Mechanismus und Mystizismus bei Liberalen und Konservativen

25. Dezember 2019

Während der Liberale nur in seinem Kopf lebt (Zentrales Nervensystem, energetisches Orgonom), ist der Konservative bioenergetisch besser integriert. Dementsprechend ist das gesellschaftliche Leben des Konservativen: er geht mit Menschen rein instinktiv um, er geht aus seinem Bauch heraus mit Menschen um (Autonomes Nervensystem, orgonotische Pulsation). Er ist nicht „gesellschaftlich engagiert“, wie der Liberale sagen würde, nicht „sozial bewußt“. Hingegen ist das Innenleben des Konservativen durchaus „bewußt“ und „wach“, d.h. er „beherrscht sich“, „führt sich selbst“ und handelt verantwortlich. Er ist ein Erwachsener, d.h. wenn er etwas braucht, handelt er dementsprechend; bei Schmerzen geht er zum Arzt usw. Er handelt in seinen persönlichen Angelegenheiten achtsam und man kann mit ihm auf rationale, logische Weise diskutieren, obwohl es vielleicht alles ein bißchen mechanisch wirkt.

Natürlich neigt der Konservative zum Mystizismus in gesellschaftlichen Fragen (siehe die Ausführungen von Baker, Mathews und Konia), aber hier beziehe ich mich auf sein persönliches Alltagsleben. Die Starrheit der autoritären Gesellschaft, der Militarismus, das rigide Geschäftsleben, oder etwa die mechanische Art und Weise, wie Weihnachten in der Familie organisiert ist; all das, was Reich in Was ist Klassenbewußtsein? (1934) und Die Massenpsychologie des Faschismus (1933-1942) beschrieben hat. Die Nazis waren zweifellos Mystiker, aber der Alltag war äußerst mechanisch. Oder nehmen wir die Religion. Ihr Inhalt ist mystisch, aber die tatsächlichen Rituale und das Alltagsleben sind eine Karikatur des Mechanismus und von einer absurden Zwangsneurose nicht zu unterscheiden.

Der verkopfte Liberale versucht, das gesellschaftliche Leben zu kontrollieren, er analysiert alles zu Tode. Alles dreht sich um soziale Feinabstimmung und Mikromanagement. Das gesellschaftliche Leben ist für ihn kompliziert, unendlich komplex, aber gerade deshalb sein Gegenstand von Überlegungen und Planungen. Man ist verantwortlich für das, was in der Welt passiert (Schuldgefühle). Gleichzeitig fehlt seinem Innenleben Orientierung, d.h. er ist nicht in der Lage, sich selbst zu regulieren, und er ist Spielball äußerer (sozialer) und innerer (emotionaler) Kräfte – und empfindet sich so. Es ist ja alles so „ungerecht“ und ständig fühlt er sich „betroffen“ bzw. fühlt „Betroffenheit“. Er ist verantwortungslos und kann nicht von sich aus rational handeln und wartet daher auf Anweisungen und darauf, daß die Gesellschaft (andere Liberale!) sein Leben verwaltet. Er handelt nicht, er reagiert, und es ist unmöglich, mit ihm ein vernünftiges Gespräch von einer unabhängigen verantwortlichen Person zur anderen zu führen. Vielleicht findet man hier und da etwas auffällig Funktionales in seinen Argumenten, aber in all der emotionalen Verwirrung bleibt es isoliert.

Man schaue sich den ehemaligen Ostblock an, insbesondere die DDR: Das gesellschaftliche Leben war absolut mechanisch bis zum Äußersten, während auf persönlicher Ebene alle möglichen Freiräume herrschten. Das Mechanische schaffte bzw. hinterließ Leerräume, ließ Freiräume. Man denke nur an Phänomene wie Rolf Schilling oder auch Solschenizyn oder gar an die „psychotronische“ Forschung in der UdSSR und der Tschechoslowakei.

Das Problem mit dem Konservativen ist, daß er die Gesellschaft als naturgegeben betrachtet. Für ihn ist die Gesellschaft, in die er hineingeboren wurde, zumindest eine traditionelle Version derselben, „natürlich“ und so, wie die Dinge sein und bleiben sollten. Der Liberale hingegen spürt, daß mit der Gesellschaft etwas grundlegend falsch läuft und geändert werden muß. Aber leider tragen fast alle Änderungen, die er verbreitet und zu institutionalisieren versucht, nur zur Verwirrung bei. Dies liegt daran, daß er keine Möglichkeit hat, in sich selbst zu schauen, um die bioenergetische/charakter-strukturelle Grundlage aller Irrationalität in dieser Welt zu erkennen. Stattdessen „verändert er die Gesellschaft“ auf verantwortungslose Weise ohne Sinn und Verstand. Der Konservative hingegen ist in der Lage, verantwortungsbewußt zu handeln, aber er ist taub und blind für die soziale Tragödie, die ihn umgibt. Alles ist in Ordnung – während, etwa durch den Katholizismus, eine junge Seele nach der anderen getötet wird.

Das Gegenteil beim Liberalen: während für ihn alles Soziale nur ein „Konstrukt“ ist, sieht er sein Innenleben als natürlich und unveränderlich an. (Deshalb sind ihm auch Homosexualität und alle möglichen anderen Neurosen und Perversionen „ganz natürlich“!) Orgontherapie ist ihm grundsätzlich fremd, weil sie etwas verändern will, nämlich den Charakter, der etwas ist, das er einfach nicht erfassen kann; ein Konzept, zu dem er einfach keinen Zugang findet. Aus genau diesem Grund ist die Charakteranalyse für die Behandlung des Liberalen so wichtig: um ihn darauf aufmerksam zu machen, daß es so etwas wie einen „Charakter“ gibt. In ähnlicher Weise ist es wichtig, den Konservativen der sozialen Orgonomie (die historisch auf den „Freudo-Marxismus“ und die „Sexpol“ zurückzuführen ist) auszusetzen, weil er keinerlei Sensorium dafür hat, daß „Gesellschaft“ als etwas existiert, das geändert werden kann und muß.

Paul Mathews: People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest

1. November 2019

 

Paul Mathews:
People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest

 

Über den Terrorismus (Teil 6)

21. Oktober 2019

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.
 

Leider haben simple Begründungen und intellektuelle Überzeugungsarbeit bei jenen, die intellektuell abwehren, keine Wirkung. Sie müssen entlarvt werden – wie Reich es ausdrückte. Dies ist keine leichte Aufgabe und wird immer schwieriger, da sich ihre Krankheit ausbreitet, besonders unter den Jugendlichen, die leicht von Slogans, Musik und anderen Anreizen verführt werden, die ihnen eine Kompensation für die Liebe bieten, die sie nie wirklich hatten.3 Das Vergöttern von Pop-Musik-Helden ist ein Beispiel für eine solche Sehnsucht. Und der Trend zu Massenaktivitäten, sei es bei „Rockfestivals“ oder „Friedensbewegungen“, ist ein weiteres Zeichen für diesen tiefen Hunger. Leider kann der Hunger durch diese kompensatorischen Aktivitäten nicht gestillt werden. Sie können sogar den Druck erhöhen und die Bedürfnisse verstärken. Es ist ein tiefgreifendes Dilemma, das nur durch ein Verständnis der orgonotischen Dynamik gelöst werden kann. Die Sehnsucht nach Frieden tief im biologischen Kern der jungen Menschen, die in unterschiedlichem Maße unter Störungen ihrer biologischen Pulsation leiden, wird von der konspirativen emotionellen Pest in Richtung ihres Ziels, die freie Welt zu entwaffnen, manipuliert. Wie erreicht man diese „Arglosen“ rechtzeitig? Der Wille und das Bedürfnis, an die guten Absichten revolutionärer Bewegungen zu glauben, sind so stark wie die zugrunde liegende Verzweiflung des Organismus, sich von seiner biologischen Spannung zu befreien. Man betrachte beispielsweise einen Auszug aus Gerald Steibels Rezension (10) eines Buches von Paul Hollander (11), das die früheren und aktuellen Reisen verschiedener westlicher Intellektueller in kommunistische Länder beschreibt:

Trotz alledem, warum? Hier sind gut ausgebildete Männer und Frauen (Shawl, Feuchtwangerm, die Webbsn, Lincoln Steffenso, Shirley MacLainep, Galbraithq, Bernsteinr usw.), nicht „Spinner“ am Rande des modernen Lebens. Sie sind publizierte Schriftsteller, etablierte Musiker, sogar Kongressabgeordnete und Senatoren. Ihr Verstand ist diszipliniert und es mangelt ihnen nicht an skeptischer Schärfe. Was passiert mit dieser Skepsis, mit dieser leidenschaftlichen Hingabe an die Freiheit, wenn sie sich in die Arme des Diktators irgendeines ausländischen Polizeistaates begeben? Und wie können so viele glauben, dass ihr eigenes Land der Hauptverursacher des Bösen in der Welt ist?

 

Anmerkungen

3 In einem Artikel der New Yorker Daily News vom 23. Oktober 1981 wird die frühere Weathermen-Frau Jane Alpert zitiert, dass sie „eher wegen Rebellion und Sex als wegen Politik radikal geworden sei“. Sie erzählte auch, dass ihr Weathermen-Liebhaber eine Bombe gelegt hatte, bei der 20 Menschen verletzt wurden, weil sie damit drohte, Sex mit einem anderen Mann zu haben.

 

Anmerkungen des Übersetzers

l George Bernard Shaw (1956-1950), irischer Schriftsteller und Politiker. Las 1882 Das Kapital von Karl Marx. „Das wurde zum Wendepunkt meiner Laufbahn. Marx bedeutete eine Offenbarung“. In den 1930er-Jahren reiste Shaw in die Sowjetunion. Seine Werke wurden dort verlegt. Er verteidigte in dem Vorwort zu dem Stück „On the Rocks“ (1933) die Zwangskollektivierung in der Sowjetunion. Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1931 rief er in einer US-amerikanischen Radiosendung jeden fähigen Arbeiter dazu auf, in die UdSSR zu reisen. Shaw verteidigte die Säuberungen unter Stalin und erklärte: „Wir können es uns nicht leisten, hochmoralisch aufzutreten, wenn unser kühner Nachbar [die Sowjetunion, Anm.] auf humane und gerechte Weise eine Handvoll Ausbeuter und Spekulanten liquidiert, um die Welt für die Anständigen zu schützen.“

m Lion Feuchtwanger (1884-1958) war ein deutscher Schriftsteller. Ließ sich 1936/37 zu einer Propagandatour in die Sowjetunion einladen. Am 7. Januar 1937 empfing ihn Stalin wie einen Staatsgast im Kreml und gewährte ihm ein Interview; Aussagen daraus flossen in sein Stalin lobpreisendes Buch Moskau 1937 ein. Darin hielt Feuchtwanger auch fest, dass Stalin ihn von der Schuld der Angeklagten der Schauprozesse überzeugt habe. In der zweiten Januarhälfte 1937 saß er mehrmals während des zweiten Schauprozesses auf der Zuschauertribüne. Er schrieb zwei Artikel für die sowjetische Presse, in denen er die Schauprozesse verteidigte. Nach seiner Rückkehr begann Feuchtwanger mit der Niederschrift seines Buchs Moskau 1937. Ein Prawda-Reporter überzeugte ihn, positive Passagen über Leo Trotzki sowie kritische Anmerkungen Lenins über Stalin aus dem Manuskript zu streichen. Stalin persönlich redigierte das Vorwort. Auch durch die Geheimrede Nikita Chruschtschows über Stalins Verbrechen auf dem XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 ließ sich Feuchtwanger nicht von seinen Lobpreisungen des sowjetischen Regimes abbringen.

n Sidney Webb (1859-1947) und Beatrice Webb (1858-1943), Ehepaar, berühmte britische Sozialisten, veröffentlichten mehrere grundlegende Werke. Nach einem Besuch der Sowjetunion 1932 schrieben die Webbs ein lobendes Buch (Soviet Communism. A New Civilization?) und verteidigten in mehreren Artikeln die stalinistischen Repressionsmaßnahmen. Das Buch förderte und ermutigte eine unkritische Sicht auf Stalins Verhalten während der brutalen Kollektivierung der Landwirtschaft im ersten Fünfjahresplan (1928-1933), der Schaffung des Gulag-Zwangsarbeitssystems und der umfassenden Säuberungen der 1930er Jahre. Der trotzkistische Historiker Al Richardson beschrieb 1935 die Darstellung der UdSSR im Buch als „reine sowjetische Propaganda in ihrer verlogensten Form“. In späteren Ausgaben wurde das Fragezeichen entfernt, ebenso wie öffentliche Zweifel, die die Webbs an der Natur der UdSSR hatten. Der britische Historiker Alan Taylor nannte es „das absurdeste Buch, das jemals über Russland geschrieben wurde“.
Das letzte Buch der Webbs, The Truth About Soviet Russia (1942), feierte die zentrale Planung. Sie ignorierten die zunehmenden Beweise für die von Stalin begangenen Gräueltaten und unterstützten die Sowjetunion bis zu ihrem Tod.

o Joseph Lincoln „Link“ Steffens (1866-1936) war ein US-amerikanischer Journalist.
Im März 1919 begleitete er den Beamten des US-Außenministeriums, William C. Bullitt, zu einem dreiwöchigen Besuch in Sowjetrussland. Nach seiner Rückkehr setzte er sich für die sowjetische Revolution ein und machte im Zuge seiner Kampagne für die US-amerikanische Nahrungsmittelhilfe für Russland seine berühmte Bemerkung über die neue sowjetische Gesellschaft: „Ich habe die Zukunft gesehen, und sie funktioniert“, ein Satz, den er oft mit vielen Variationen wiederholte.

p Shirley MacLaine (*1934) ist eine US-amerikanische Schauspielerin. In den 1970er- und 1980er-Jahren veröffentlichte sie erste Bücher und machte selbst einen Film: The Other Half of the Sky: A China Memoir, einen Propagandafilm über die Volksrepublik China. Der Film schildert den dreiwöchigen Besuch einer Gruppe US-amerikanischer Frauen im Frühjahr 1973 in China. Neben MacLaine selbst gehörten der Gruppe sieben weitere Delegierte an. In Begleitung von Vertretern der chinesischen Regierung besuchten die Frauen Peking, Shanghai, Guangzhou und Hangzhou.
MacLaine gilt politisch als linksliberal. Sie engagierte sich gegen den Vietnamkrieg und unterstützte mehrfach Politiker der Demokraten im Wahlkampf.

q John Kenneth Galbraith (1908-2006) war ein kanadisch-US-amerikanischer Ökonom, Sozialkritiker, Präsidentenberater, Romancier und Diplomat.
1972 bereiste er in seiner Eigenschaft als Präsident der American Economic Association auf Einladung der chinesischen Regierung China und publizierte darüber 1973 das Buch A China Passage mit Lobpreisungen des damals in China herrschenden Mao-Kommunismus aus amerikanisch links-liberaler Perspektive. Galbraith schrieb, dass es „keinen ernsthaften Zweifel daran gibt, dass China ein hochwirksames Wirtschaftssystem entwickelt“, „Dissidenten werden in China fest in Einklang gebracht, aber, wie man vermutet, mit großer Höflichkeit“, „Großraum Shanghai … hat einen besseren medizinischen Dienst als New York“ und hielt es nicht für unplausibel, dass die chinesische Industrie- und Agrarproduktion jährlich um 10 bis 11% zunahm.
1984 besuchte er die UdSSR und schrieb, dass die sowjetische Wirtschaft „große materielle Fortschritte“ gemacht habe, da die UdSSR „im Gegensatz zur westlichen Industriewirtschaft ihre Arbeitskraft voll ausschöpft“.
China. Impressionen einer Reise. Droemer Knaur, München 1978

r Leonard „Lenny“ Bernstein (1918-1990) war ein US-amerikanischer Komponist, Dirigent und Pianist.
Sein politisches Leben erhielt aufgrund eines Treffens in seiner Wohnung in Manhattan an der 895 Park Avenue am 14. Januar 1970 eine beachtliche Berichterstattung. Bernstein und seine Frau hielten die Veranstaltung ab, um Geld für die Verteidigung mehrerer Mitglieder der Black Panther Party gegen verschiedene Anklagen, insbesondere gegen die Panther 21 [Die Panther 21 war eine Gruppe von einundzwanzig Mitgliedern der Black Panther, die wegen geplanter koordinierter Bomben- und Langstreckengewehrangriffe auf zwei Polizeistationen und ein Bildungsbüro in New York City festgenommen und beschuldigt wurden] zu sammeln. Die New York Times berichtete zunächst über die Zusammenkunft als Lifestyle-Artikel, veröffentlichte jedoch später einen für Bernstein äußerst ungünstigen Leitartikel, nachdem die allgemein negative Reaktion auf die weit verbreitete Geschichte zu verzeichnen war. Diese Reaktion im Juni 1970 gipfelte im Erscheinen von „Radical Chic: That Party at Lenny’s“, ein Essay des Journalisten Tom Wolfe auf dem Cover des Magazins in New York. Der Artikel stellte den komfortablen Lebensstil der Bernsteins in einer der teuersten Gegenden der Welt der Anti-Establishment-Politik der Black Panther gegenüber. Es führte zur Popularisierung von „Radical Chic“ als kritischem Begriff.
http://nymag.com/news/features/46170/

 

Literatur

10. Steibel, G.: Book Review of Political Pilgrims: Travels of Western Intellectuals to the Soviet Union, China and Cuba (1928-1978) by Paul Hollander, in: Freedom at Issue, March/April 1982
11. Hollander P.: Political Pilgrims: Travels of Western Intellectuals to the Soviet Union, China and Cuba (1928-1978). New York: Oxford University Press, 1981

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 16 (1982), Nr. 2, S. 235-243.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Über den Terrorismus (Teil 4)

16. Oktober 2019

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.
 

Die Makro-Terrorstrukturen, wie Nazi-Deutschland und kommunistische „Vaterländer“, verfolgen die gleichen Ziele wie die bereits erwähnten Mikro-Terror-Gruppen. Beide haben rationalisierende Fassaden und die eine nutzt die andere für ihre gegenseitigen Interessen – vor allem soziale Destruktivität um ihrer selbst willen und als Abwehr gegen den Schrecken des Lebendigen. Auf diese Weise vereinen, verschmelzen und fördern sie die gegenseitige Destruktivität, es sei denn, der eine droht, den anderen zu dominieren, wie bei Festlandchina und der Sowjetunion. Diese Wechselbeziehungen zwischen Makro- und Mikrogruppen wurden von einer Reihe von Sozialwissenschaftlern, Forschern und Flüchtlingen aus diesen Ländern und Organisationen gut dokumentiert. Claire Sterling hat zum Beispiel die sowjetische Rolle im internationalen Terrorismus und ihre Verbindungen zu verschiedenen Terrorgruppen und Organisationen auf der ganzen Welt dokumentiert (4)d. Ganz zu schweigen von der Finanzierung und dem Sponsoring anderer subversiver Aktivitäten, die ihren endgültigen Zielen entsprechen, seien es Gruppen für „Frieden und nukleare Abrüstung“, „USA raus aus (dieser oder jener Region)“, „Hunger und Armut“ und „Befreit (diesen oder jenen ‚politischen Gefangenen‘ oder ‚Opfer des Rassismus‘)“, usw., usw.

Das Obige ist analog zu dem, was in den charakterologischen Tiefen gepanzerter Strukturen geschieht, wie von Reich beschrieben (5, S.315f)e. Es gibt nicht nur eine Schichtung menschlicher Triebe und Abwehrkräfte, wie sie von den frühen, ödipalen Frustrationen herrührt, sondern auch eine Verschachtelung der verschiedenen Abwehrmechanismen: „Die Schichten der Panzerung sind also ineinander geschachtelt, indem jeder abgewehrte Trieb gleichzeitig im Dienste der Abwehr von noch Tieferem steht. . .“

Wenn wir diese klinischen Faktoren auf die soziale Bühne übertragen, können wir sehen, dass die verschiedenen sozialen Strukturen und Aktivitäten die gleiche Funktion haben: die gesellschaftliche Abwehr gegen bedrohliche Wahrheiten und Phänomene zu stärken, die die starren, charakterologischen Abwehrkräfte katastrophal erschüttern könnten. Diese Funktionen treten auf unbewusster Ebene und als struktureller Zwang auf.

Selbst ein gewöhnlicher Neurotiker, der weder unmoralisch noch absichtlich destruktiv ist, kann in die Dynamik eines sozial verleiteten destruktiven Verhaltens verwickelt werden. Dies kann durch Duldung, Angst, Unbeweglichkeit, Furcht vor Aggression oder Überreaktion aufgrund einer Stauung, die eine Entlastung sucht, geschehen. Er wird der Pest unbeabsichtigt Unterstützung und Glauben schenken oder sich von der Erregung seiner sekundären Schicht verführen lassen. Pornografie ist eine Erregung dieser Art. Sie kann „sicher“ eingesetzt werden, da sie den Kern nicht bedroht, obwohl sie die Stauung verschlimmert und auf lange Sicht schädlich ist. Die Gewalt des Terroristen, die von dieser sekundären Natur ist, bietet ihm manche vorübergehende und illusorische Entlastung von tief verwurzelten Spannungen. Was auch immer sich hinter den gesellschaftspolitischen Verkleidungen verbirgt, sein eigentliches Ziel ist zweierlei: eine blindwütige und zerstörerische Entladung von hohen Pegeln gestauter Energie und die Zerstörung von allem, was durch seine Natürlichkeit, Kreativität und Konstruktivität die der sekundären Schicht zugehörige Abwehr bedroht und ihn seine unerträgliche organismische Unbeweglichkeit erleben lässt. Daher, wie Wilson betont (a. a. O.):

Was auch immer die Grundursachen des Terrorismus sind . . . die Terroristen entwickeln schnell und unweigerlich ein Interesse an dem, was sich Problemlösungen widersetzt. Sie werden alles tun, was sie können, alle notwendigen Allianzen eingehen (einschließlich Allianzen mit gewöhnlichen Kriminellen und mörderischen Wahnsinnigen) [Verschachtelung], um jede „politische Lösung“ zu verhindern, bis fast zur Zerstörung des Staates selbst [wie zum Beispiel in El Salvadorf]. Sie werden also ihre Angriffe größtenteils gegen Gruppen richten, die einen konstruktiven Wandel anstreben . . . Das Ziel des wahren Terroristen ist es nicht, den Fortschritt zu beschleunigen, sondern eine faschistische Reaktion hervorzurufen.

Orgonomisch gesehen ist es die „zugrunde liegende [verborgene] Ursache“, die den Terroristen motiviert. Das Letzte auf der Welt, was er sich wünscht, ist eine sozial konstruktive Entwicklung, die seine Zugänge zur sekundären Entladung drosselte. Das wäre für ihn katastrophal.

 

Anmerkungen des Übersetzers

d The Terror Network: The Secret War of International Terrorism (Deutsch: Das internationale Terror-Netz. Der geheime Krieg gegen die westlichen Demokratien, Scherz Vlg.) ist ein 1981 von Claire Sterling herausgegebenes Buch, in dem argumentiert wird, dass die UdSSR Terroristen als Stellvertreter einsetzt.
Zum Teil wegen des Buches gab der CIA-Direktor William J. Casey eine Einschätzung des Nationalen Geheimdienstes zur sowjetischen Unterstützung des Terrorismus in Auftrag. Nachdem Casey den Entwurf der Einschätzung erhalten hatte, beanstandete er, dass der Entwurf über die sowjetischen Beziehungen zum Terrorismus weniger enthielt als das Buch von Sterling.
Michael Ledeen bewarb die Behauptungen des Buches, als es veröffentlicht wurde. Er wurde in der konservativen Zeitschrift National Review zitiert und behauptete, dass „fast alles, was Claire sagte, durch Stasi-Akten bestätigt wurde“, die nach dem Ende des Kalten Krieges auftauchten.

e Verlag: Farrar, Straus and Giroux; 3. Auflage: S. 301.
Charakteranalyse, Kiepenheuer& Witsch, 1989, S. 416/17.

f Die Farabundo Marti Liberation Front (FMLN) wurde 1980 mit kubanischer Unterstützung gegründet, als sich vier linke Organisationen und die Kommunistische Partei El Salvadors zusammenschlossen, um die salvadorianische Regierung gewaltsam zu stürzen. Während des 12-jährigen salvadorianischen Bürgerkriegs (1980-92) versuchte die FMLN, die Regierung zu stürzen, indem sie eine Strategie verfolgte, die bewaffneten Kampf, Terrorismus und kommunistische politische Indoktrination beinhaltete. Die Gruppe erhielt auch finanzielle Unterstützung und Waffen vom Sowjetblock und von Kuba. Der folgende Bürgerkrieg kostete 80 000 Menschenleben und führte zu 1 Mio. Flüchtlingen.

 

Literatur

4. Sterling, C.: The Terror Network. New York: Holt, Rinehart and Winston, April 1981
5. Reich, W.: Character Analysis. 3rd enl. ed. New York: Orgone Institute Press, 1949

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 16 (1982), Nr. 2, S. 235-243.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Das Weltgeschehen, die Medien und Modju (Teil 5)

13. August 2019

 

Paul Mathews:
Das Weltgeschehen, die Medien und Modju

 

Peter ist Euer Erlöser! (Das Nasselsteinistische Manifest) (Teil 2)

11. Juni 2019

Was wäre, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte? Die Frage läßt sich ziemlich leicht beantworten, wenn man zu seinen beiden Geistesverwandten Stalin und Mao blickt, die tatsächlich „den Krieg“ gewonnen haben! Millionen sind elendig verreckt, aber Rußland sähe heute kaum anders aus, wenn es die UdSSR nie gegeben hätte. Das gleiche gilt für das heutige China. Und Hitler-Deutschland! 1975 zeigte der WDR ein interessantes Fernsehspiel, das bezeichnenderweise nie wieder die Archive verlassen hat (wenn es denn überhaupt noch existiert!): Zahnschmerzen. Hier wurde dargestellt, daß Hitler-Deutschland sich im Jahre 1975 in kaum etwas von der Bundesrepublik unterscheidet. Die Ideologie ist vielleicht anders, aber das tägliche Leben der Menschen unterscheidet sich kaum. (Siehe auch das weithin bekannte Buch bzw. den Film Vaterland!)

Oder man nehme die sogenannte „DDR“: Die Herrschenden der SED haben sich leidlich bemüht ein wahrhaft sozialistisches Land aufzubauen und die mittleren und unteren Ebenen hatten gar keine andere Wahl als mitzuspielen, aber abseits von „sozialistischen Bekundungen und Gesten“ blühte vollkommen losgelöst von illusionären „Planvorgaben“ ein reger Tauschhandel zwischen Kombinaten und Fabriken, die Menschen haben sich eng vernetzt, um die ständige Mangelwirtschaft zu umgehen, und auf ihren Datschen ein Leben geführt, das dezidiert NICHTS mit der „DDR“ zu tun hatte. Oder wie der Ost-CDU-Politiker Peter-Michael Diestel nach der Wende auf die Wessie-Kritik, warum er sich in/mit der „DDR“ widerstandlos arrangiert hatte, sinngemäß sagte: „Ich habe mir doch von diesen roten Clowns mein Leben nicht kaputtmachen lassen!“

Was immer in der Politik geschieht, was immer für großartige „Visionen“ doch der Gesellschaft aufgezwungen werden, die Arbeitsdemokratie läuft weiter bzw. reorganisiert sich stets von selbst. Das ist so, weil sie keine „Idee“ ist, sondern sie ist die Gesellschaft selbst. Solange es Menschen gibt, die arbeiten, wird es auch die Arbeitsdemokratie geben. Lenin und Stalin haben alle „Kulaken“ umgebracht, d.h. alle, die auf dem Land mehr waren als bloße Kulis und die Roten Khmer haben sogar jeden umgebracht, der auch nur ansatzweise einen eigenen Kopf hatte, aber kein Terror ist in der Lage, den Lebensfunken zum Erlöschen zu bringen. Das sieht man ja auch bei den individuellen Biopathien: selbst wenn die lebensfeindliche Erziehung, der „elterliche Terror“, beispielsweise eine Krebsschrumpfungs-Biopathie induziert hat, pulsiert der Organismus eben auf einer tieferen Ebene weiter und sei es in Gestalt eines Tumors. Das gleiche gilt für alle denkbaren individuellen Neurosen und Krankheiten. Im trotzigen „Das Leben geht weiter!“ ist eine tiefe Wahrheit enthalten.

Auch von daher kann man alle „Erlöser“ und „Heilsbringer“, auch die vermeintlich „orgonomischen“, in die Tonne treten!

Deutschland und die Emotionelle Pest REDUX (Teil 5)

18. Mai 2019

Aus funktioneller Sicht war der Erste Weltkrieg ein Angriff Frankreichs (das Rußland wirtschaftlich „in der Tasche hatte“) wegen nationalistischer Rache (Emotionelle Pest) und Englands Bemühen, seinen wirtschaftlichen Rivalen Deutschland ein für allemal zu vernichten (Emotionelle Pest). Da der Versailler Vertrag nicht funktioniert hat, war der Zweite Weltkrieg einfach eine Fortsetzung des Ersten Weltkriegs, oder glaubt irgendjemand ernsthaft, daß Frankreich und England sich um Polen oder gar um die Juden geschert haben? Hitlers Angriff auf die Sowjetunion muß man separat betrachten.

Zunächst einmal ist es völlig irreführend, die Wehrmacht als militärisch überlegen zu betrachten. Tatsächlich war die französische Armee in ihrer Qualität und an Menge der Ausrüstung der deutschen Armee weit überlegen. Diese konnte nur aufgrund des militärischen Genies von General von Manstein und der völligen Inkompetenz der französischen Generäle, die sich hinter der idiotischen Ligne Maginot sicher fühlten, gewinnen. Während die Deutschen ohne nennenswerten Widerstand nach Paris marschierten, bewachten Hunderttausende französischer Elitesoldaten die Maginot-Linie… Als Deutschland die UdSSR angriff, war das nur deshalb ein spektakulärer Erfolg, weil sich die Rote Armee im Angriffsmodus befand, Angriffsstellungen eingenommen hatte und daher so gut wie wehrlos war. In Filmen werden nie die alten Doppeldecker gezeigt, die die Luftwaffe noch im Einsatz hatte, und die Pferdefuhrwerke, mit denen das Heer gen Osten zog. Ohne Hitlers Angriff hätte die Rote Armee wenig später Europa erobert („vom Hitler-Faschismus befreit“). Währenddessen war die Roosevelt-Regierung im Wesentlichen ein Haufen von Kommunisten…

Im Jahr 1945 hat Stalin nicht wirklich gesiegt, sondern wurde schließlich hinter dem Eisernen Vorhang eingesperrt und seiner Dynamik beraubt. Ein halbes Jahrhundert später brach die Sowjetunion endgültig zusammen.

Was ist mit dem Holocaust? Dessen völlige Sinnlosigkeit macht ihn noch tragischer – wenn das überhaupt möglich wäre. Bin ich ein deutscher Nationalist und Hitler-Fan? Eigentlich hätte ich eine Fortsetzung des alten friedlichen „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“ vorgezogen, das strukturell unfähig war, überhaupt irgendjemanden anzugreifen, aber leider durch die Emotionelle Pest (Napoleon) zerstört wurde. Ich würde jetzt in einem unabhängigen Staat leben, „Die Freie und Hansestadt Hamburg“, und neben dem freigewählten Hamburger Senat ansonsten nur einem in Wien oder sonstwo hofhaltenden blassen römisch-deutschen Kaiser Untertan sein und das auch nur weitgehend symbolisch. Hitler war einfach ein krimineller Psychopath (Reich nannte ihn „Generalpsychopath“) und meine Verachtung für die deutsche Generalität ist maßlos, weil sie diese Witzfigur nicht rechtzeitig ausgeschaltet hat. Bin ich ein Nazi, wenn ich mich frage, warum Hitler gegen die chemische und biologische Kriegsführung ein Veto eingelegt hat? Ich bin schlichtweg an Details interessiert, die nicht in die Erzählung passen, die uns etwa das Staatsfernsehen jeden Tag von neuem eintrichtert. Ansonsten verweise ich auf A.J.P. Taylors Die Ursprünge des Zweiten Weltkrieges – einen passionierten Deutschenhasser.

Die Schönheit Deutschlands vor der Katastrophe des Großen Krieges war schlichtweg unermeßlich. Durch das Erbe der Kleinstaaterei gab es praktisch keine „Provinz“. Jedes Kaff war irgendwann mal „Residenzstadt“, florierende Hansestadt oder „Pfalz“ gewesen und barst geradezu vor Kulturgütern. Selbst Fabriken sahen wie Schlösser aus (man denke nur an die Hamburger Speicherstadt). Ein Gutteil dieses Kulturerbes wurde von dem alliierten Bombenterror unwiederbringlich zerstört. Die Landschaft war noch nicht zersiedelt und durch „Flurbereinigung“ ruiniert. Ich schreibe dies in einem Waldstück am Rande Hamburgs. Ohne den Zuzug der Vertriebenen, Opfer des zweiten Menschheitsverbrechens nach dem erwähnten Bombenterror, würde ich jetzt nicht eine Siedlung zwischen den Bäumen erkennen, sondern mein Blick würde über Felder und Wiesen gleiten. Dieses Land ist geradezu abenteuerlich übervölkert. Und was tun wir? Der Hamburger Senat baut auch noch die letzten verwilderten Grünflächen mit Häusern für fremdrassische Neusiedler zu, die nichts, aber auch rein GAR NICHTS auf diesem geheiligten Boden zu suchen haben. Und das alles nur, um eine imaginäre „deutsche Schuld“ zu tilgen. Eine „Schuld“, die uns von Leuten ständig eingebleut wird, die zu einem Großteil Todfeinde Israels sind und dieses Land, DEUTSCHland, mit Antisemiten fluten! Deutschland und die Emotionelle Pest…

People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest (Teil 2)

6. Mai 2019

 

Paul Mathews:
People’s Temple: eine Fallstudie über Faschismus und die Emotionelle Pest

 

Chronik der Orgonomie (Teil 2)

12. Januar 2019

ChronikderOrgonomie

Ich habe den zweiten Teil meiner 414seitigen Reich-Biographie überarbeitet:

CHRONIK DER ORGONOMIE 1940-1957