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Warum all die langweiligen Fallgeschichten im JOURNAL OF ORGONOMY? (Teil 1)

24. Juli 2019

Band auf Band nichts als psychiatrische Fallgeschichten! Diese Artikel sind interessant und werden mit jeder erneuten Lektüre immer interessanter, wenn man selbst in Orgontherapie ist. In praktisch jedem Fall erkennt man zumindest Teile seiner selbst bzw. seiner eigenen Orgontherapie. Man kann nicht nur mit dem Narrativ mitgehen, weil man sich mit ihm identifizieren kann, sondern die Lektüre hat auch etwas Charakteranalytisches und damit Kuratives. Die eigene Verkorkstheit wird einem vorgespiegelt. Auf jeden Fall führt das intellektuelle Wissen über das, was einem in der Therapie widerfahren ist, zu einer größeren Integration. Man erkennt ständig Dinge wieder und sagt zu sich selbst: „Also deshalb hat Dr. Soundso das und das mit mir gemacht!“ Für den Außenstehenden muß das ganze langweilig und (zumindest was das Laienpublikum betrifft) sinnlos erscheinen, für den Patienten ist es eine denkbar spannende Lektüre.

Wichtig sind auch Einsichten wie etwa die folgenden. Der Orgonom Peter Crist in der abschließenden Diskussion einer Falldarstellung:

Oft sehen wir, daß eine natürliche Stärke im Zentrum des grundlegenden Problems und der bedeutendsten [charakterlichen] Abwehr eines Menschen steht. Schließlich macht es Sinn, daß sich jemand nicht einer Schwäche bedienen würde, um sich zu verteidigen. Wie in diesem [von Crist diskutierten] Fall gezeigt, besteht ein Teil der Therapie darin, das Gesunde von den ungesunden Reaktionen des Patienten zu lösen. Die natürliche Kraft muß anerkannt, unterstützt und erschlossen werden, damit der Patient den defensiven Einsatz dieser gesunden Fähigkeit umkehrt. (The Journal of Orgonomy 50(2), S. 25)

Was könnte interessanter und für dich ganz persönlich wichtiger sein, als zu erfahren, daß dein größtes Problem, imgrunde dein einziges Problem auf Erden gleichzeitig auf deine größte Stärke verweist, was auch impliziert, wie wichtig die korrekte Durchführung einer Orgontherapie ist. Wenn dem Therapeuten (bzw. „Therapeuten“) die beschriebene „Umkehr“ nicht gelingt, weil er die charakterliche Abwehrstruktur nicht durchschaut oder mit ihr nicht umgehen kann, ist der Schaden unermeßlich. Tatsächlich sind so gut wie alle „Reichianischen“ Therapeuten Modjus, die es unerbittlich zu bekämpfen gilt. Der Orgonom Charles Konia schreibt dazu:

Auf der Grundlage von Erfahrungen mit der Behandlung von Dutzenden von Patienten, die zuerst von unerfahrenen Therapeuten (sowohl Laien als auch Mediziner) gesehen wurden und anschließend zu mir kamen, können die folgenden allgemeinen Aussagen gemacht werden: In einigen Fällen brauchten die Patienten viel Zeit um sich erneut zu panzern und ein gewisses Maß an Gleichgewicht zu erreichen, bevor sie ihr Funktionsniveau von vor der Therapie wiedererlangt hatten. Viele waren in einem derartig schlechten biophysischen Zustand, daß wenig, wenn überhaupt etwas, getan werden konnte, um ihre Situation zu verbessern oder ihre chronische Not zu lindern. Andere hatten einen Haken (unlösbaren Panzer) entwickelt, der sich in den meisten Fällen als unheilbar erwies. Keiner der Patienten, an den ich mich erinnern kann, zog einen dauerhaften Nutzen aus seiner vorangegangenen Therapie. Dort, wo medizinische Orgontherapie noch möglich war, war es in jedem Fall notwendig direkt an den Anfang zu gehen und damit zu beginnen, den Panzer des okularen Segments systematisch aufzulösen. (The Journal of Orgonomy 50(2), S. 40)