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Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 9)

9. April 2020

Reich habe sich, so die vollkommen verpeilten „Links-Orgonomen“, nie vom Sozialismus und Kommunismus gelöst, sondern allenfalls vom Stalinismus. Das sähe man daran, daß er bis zuletzt eine hohe Meinung von Marx, Lenin und Trotzki gehabt habe. Was hierbei stets unterschlagen wird, ist, daß Reich (jedenfalls m.W.) sich nie irgendwo kritisch über Lenin geäußert hat. Marx war für ihn zu einem Gutteil überholt, doch Lenin?!

Lenin ist bei den „Links-Orgonomen“ nicht sonderlich populär, vielmehr wird dem American College of Orgonomie gerne vorgehalten, es wäre aktuell „Leninistisch“ und ginge, ähnlich den „neocons“, geschichtlich auf Leninisten (bzw. Trotzkisten) zurück. Dem halten die „Links-Orgonomen“ Reichs Konzept der „Arbeitsdemokratie“ entgegen, das ursprünglich anarcho-syndikalistische und rätekommunistische Züge getragen habe. Diese Züge habe Reich dann in Amerika wegen der dortigen antikommunistischen Hysterie zunehmend verwischt. Dabei wird unterschlagen, daß (erstens) Reich wegen dieses Konzepts bereits in Norwegen mit SAP-Genossen wie Willy Brandt aneinandergeraten war und es dann in den USA zum endgültigen Bruch kam. Zweitens hat Reich in Amerika alle Annäherungsversuche von anarchistischer Seite vehement von sich gewiesen und ihm kam umgekehrt aus diesem Lager teilweise eine harsche Ablehnung entgegen.

Außerdem geht etwa aus Reichs Briefen an A.S. Neill hervor, daß Reich auf die englische Labourpartei einen ähnlichen Blick hatte wie George Orwell: sie war nicht viel besser als die Stalinisten. Man kann sich vorstellen, was Reich über die heutige SPD und die gegenwärtigen „demokratischen“ Präsidentschaftskandidaten in den USA sagen würde! Und für die Trotzkisten, die die Revolution ständig vor Augen hatten, hatte er kaum mehr als mißbilligendes Mitleid über: sie würden sofort scheitern und verzweifeln, wenn es darum ginge, auch nur den Zugverkehr aufrechtzuerhalten; unverantwortliche politische Wirrköpfe, die das exakte Gegenteil der Arbeitsdemokratie verkörpern!

Das ganze stellt die Perfidie der „Links-Orgonomen“ ins Rampenlicht, deren Hauptargument auf der Überlegung beruht, daß sich Reich in den USA dem „McCarthyismus“ angepaßt habe, indem er seine wahre, nämlich linksextreme Meinung verborgen hätte. Haben diese Leute nie Reichs Menschen im Staat gelesen? Ein vehementeres Bekenntnis zu Marx ist kaum denkbar und das auf dem Höhepunkt des McCarthyismus! Außerdem wäre ein Bekenntnis zu Stalin Reichs „Karriere“ in den USA bis weit in das Ende der 1940er Jahre hinein wohl eher förderlich gewesen! (Bis 1947 war Friedrich von Hayeks Der Weg zur Knechtschaft im Westen verboten, weil es ein anti-sowjetisches Buch war.)

Die ganze Perfidie der „Links-Orgonomen“ sieht man auch daran, daß sie Reichs Narrativ der von „Moskau“ initiierten amerikanischen Kampagne gegen ihn als schieren Unsinn hinstellen oder als bewußte Irreführung Reichs gegenüber dem „McCarthyismus“ betrachten, gleichzeitig heute religiös an die lächerliche Mär von Trump als „Agenten Moskaus“ glauben. Kein vernünftiger Mensch bestreitet, daß die Russen durch rechtsideologische Propaganda und Einflußagenten versuchen die gesellschaftliche Diskussion im Westen zu beeinflussen. Nur die gleichen Linken, die heute absolut hysterisch darauf reagieren, barsten vor Verachtung als unsereins früher auf die linksideologische Unterwandrung durch Moskau hinwies.

Vollends bizarr wird es, wenn sie Reich als Opfer der gleichen finsteren Mächte präsentieren, die heute den „Klimawandel“ leugnen und damals Reichs Cloudbuster-Arbeit hintertrieben, mit der Reich die allerersten Anzeichen des „Klimawandels“ hat angeblich bekämpfen wollen. Damals McCarthy und J. Edgar Hoover, heute Trump als Mörder Reichs und der Atmosphäre!

Und überhaupt Trump: da werde Reichs Analyse der Massenpsychologie des Faschismus, wie er sie 1933 dargelegt hat, wieder aktuell… Leute, euch hat man wohl mit dem Klammerbeutel gepudert!