Archive for Juni 2012

Der Unterschied zwischen Schwarzen Faschisten („Nazis“) und Roten Faschisten (Kommunisten)

30. Juni 2012

Den Unterschied zwischen Schwarzen und Roten Faschisten läßt sich am besten mit zwei funktionellen Darstellungen verdeutlichen: dem Dreischichtenmodell der menschlichen Struktur, das Reich Anfang der 1940er Jahre ausarbeitete und das bis heute die Grundlage der sozio-politischen Charakterologie bildet, sowie die „orgonometrische“ Ausformulierung des Verhältnisses von Psyche und Körper, die Reich Mitte der 1930er Jahre erstmals zu Papier brachte.

Beide, der Schwarze und der Rote Faschist, leben aus ihrer sekundären Schicht heraus, d.h. auf der Grundlage sekundärer Triebe. Produktive Arbeit und echte Liebe, d.h. die bioenergetischen Kernfunktionen, sind ihnen fremd. Man führe sich nur das Leben von Adolf Hitler, Josef Stalin oder Hussein Obama vor Augen.

Die Unterschiede zwischen Faschisten und Kommunisten wird anhand folgenden Schemas der menschlichen Charakterstruktur deutlich:

Der Faschist besitzt trotz seiner starken Panzerung (insbesondere okulare Panzerung) einen verzerrten Kernkontakt. Entsprechend sieht er sich als „Ritter“, der einer Mission „im Auftrag des Herrn“ folgt, dem Ozeane von Blut geopfert werden. Der norwegische Terrorist Breivik ist ein gutes Beispiel.

Der Kommunist, der ebenfalls sehr stark gepanzert ist (ebenfalls vor allem im Augensegment), hat jedweden Kontakt zum Kern verloren. Er ist in jeder Hinsicht „entwurzelt“. Die absolute Kontrolle über alle Lebensfunktionen ist deshalb seine einzige Möglichkeit, um mit dem inneren Terror (der Orgasmusangst) fertigzuwerden. Deshalb dreht sich wirklich alles um Macht um ihrer selbst willen (die berühmte „Machtfrage“).

Entsprechend auch das Verhältnis der Schwarzen und Roten Faschisten zu ihrem jeweiligen „politischen Partner“ im „bürgerlichen Lager“:

Die Schwarzen Faschisten bilden zeitweise eine Front mit Konservativen, weil ihnen der verzerrte Kernkontakt und der Hang zum Mystizismus gemeinsam ist. Es dreht sich alles um „Gott“, Moral, Ehre und nationale Identität („Reinheit“). Wie das von den Rechtsradikalen übernommen, zugespitzt und schließlich ad absurdum, d.h. ins Gegenteil geführt wird, kann man anhand der Geschichte Deutschlands zwischen 1918 und 1945 ablesen.

Ähnlich sieht es auf der anderen Seite aus, wo Linksliberale und Linksextremisten zeitweise eine politische Ehe eingehen. Gemeinsam ist ihnen der „aufklärerische“ Ansatz, der Ideen wie „Gott“, Moral, Ehre und nationale Identität als überholt und „fortschrittsfeindlich“ ablehnt. Ihre Weltsicht ist zutiefst mechanistisch, d.h. sie kennen keine allumfassenden „Prinzipien“. Themen, die bei Konservativen in ihrer Bedeutung alles andere überschatten, insbesondere Abtreibung und Sexualmoral, bedeuten der linken Seite gar nichts. Natürlicherweise sind die Linksliberalen die ersten Opfer der Kommunisten, ist erst mal die Macht erlangt, da ihre Freiheitsliebe dem Kontrollzwang der Kommunisten ein Dorn im Auge ist.

Die Rechten morden Millionen im Namen irgendeines mystischen Unsinns wie der „Rassereinheit“: verzerrter Kernkontakt kommt über die sekundäre Schicht zum Ausdruck. Die Linken morden Millionen immer im Namen von „Frieden, Freiheit und Fortschritt“: die vom Kern abgetrennte Fassade drückt die sekundäre Schicht aus. Sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite ist am Ende immer die sekundäre Schicht der Dreh- und Angelpunkt. Der Unterschied ist nur, daß die Faschisten ganz offen in ihrer menschenverachtenden Brutalität sind, während die Kommunisten stets im „Weltfriedenslager“ stehen – auch nach 100 000 000 Toten.

Faschisten und Kommunisten haben ein grundlegend unterschiedliches Verhältnis zum eigenen Körper, zur Gesellschaft und entsprechend unterschiedliche Staatsideen. Schauen wir uns dazu die orgonometrische Grundgleichung an:

„Psyche“ steht für die gesamtorganismischen, sogenannten „seelischen“, Funktionen. Dieses Konzept kommt etwa im Spruch „Ich fühle mich nicht!“ zum Ausdruck.

„Soma“ bezeichnet die einzelnen Funktionen im Körper. Das kommt sehr gut beim launigen Ärztespruch „Die Galle in Zimmer 14“ zum Ausdruck.

Mit der Psyche beschäftigt sich typischerweise der Psychologe, mit dem Soma typischerweise der Chirurg.

Schwarze Faschisten mit ihrem Hang zum Mystizismus tendieren zu einer „psychologischen“ Herangehensweise an den Staat, der als eine Art Organismus verstanden wird. Entsprechend war für Reich Ende der 1920er Jahre und in den 1930er Jahren eine Kritik an der „organismischen“ Vorstellung des Staates von zentraler Bedeutung. Reich:

Das Interesse an der autoritären Familie als „staatserhaltender“ Institution steht (…) an erster Stelle in allen Fragen der reaktionären Sexualpolitik. Es trifft zusammen mit dem gleichgerichteten Interesse aller Schichten des kleingewerbetreibenden Mittelstandes, für die die Familie die wirtschaftliche Einheit bildet, oder besser, seinerzeit gebildet hat. Von diesem Standpunkt sieht die faschistische Ideologie Staat und Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Von diesem durch die alte Wirtschaftsweise des Kleinbürgertums bestimmten Standpunkt ist auch die reaktionäre Sexualwissenschaft beherrscht, wenn sie an den Staat mit der Vorstellung, er sei ein „organisches Ganzes“ herantritt. Für die Werktätigen in der modernen Zivilisation fallen Familie und soziale Daseinsweise auseinander, ist die Familie nicht wirtschaftlich verwurzelt; sie sind daher in der Lage, das Wesen des „Staates“ als eine Zwangseinrichtung der Gesellschaft zu sehen; für ihre Sexualwissenschaft und ihre Sexualökonomie gilt nicht der „biologische“ Standpunkt, daß der Staat ein „organisches Ganzes“ sei. (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 111)

Hier greift Reich die Staatsauffassung an, wie sie von der „Konservativen Revolution“ zur Zeit der Weimarer Republik propagiert und vom Nationalsozialismus übernommen wurde.

Im Gegensatz zu dem vielgeschmähten System der Weimarer Verfassung, das man als „Konstruktion“ der mißachteten Intellektuellen ablehnte, galt der nationalsozialistische Staat als ein „organisches Gefüge“, etwas Gewachsenes also, das nicht durch systematisches Denken logisch begriffen, sondern allein durch (das in der deutschen Sprache so seltsam-feierlich ahnungsvolle Wort) „Anschauen“ gedeutet werden konnte. (Hildegard von Kotze und Helmut Krausnick: „Es spricht der Führer“, Gütersloh 1966, S. 126)

Für den mechanistischen Intellektuellen ist der Staat etwas, was man nach Belieben konstruieren und „dekonstruieren“ kann. Es läßt sich alles planen, d.h. beliebig neu aus Einzelteilen zusammensetzen. Entgegen der oberflächlichen Ideologie beruht der kommunistische Staat auf der vollkommenen Vereinzelung und Isolierung der Gesellschaftsglieder. Nicht nur, daß es zu keiner „Fraktionsbildung“ kommen darf, vor allem dürfen sich keine „organischen“ Zusammenhänge bilden.

Der Todfeind des Schwarzen Faschisten ist der „Zersetzer“, der das (vermeintlich) „organische Gefüge“ des Staates gefährdet. Allein schon deshalb ist dem Schwarzen Faschismus der Antisemitismus inhärent, richtet der sich doch gegen eine Gruppe, die seit Jahrhunderten außerhalb der Gilden, der Bürgerschaften, der Gemeinden, etc. stand.

Der Todfeind des Roten Faschisten ist der „bürgerliche Ideologe“, der davon spricht, daß es etwas Umfassenderes gibt als den Klassengegensatz, daß der Mensch nicht beliebig formbar ist, daß man nicht straflos in gewachsene gesellschaftliche Strukturen eingreifen kann, etc. Genau aus diesem Grunde haben die Kommunisten Reich derartig gehaßt, obwohl er sich immer wieder auf Marx und insbesondere auf Lenin berief, der Idee der Sowjetunion die Treue hielt, etc. Wegen seiner funktionalistischen, „gesamtorganismischen“, „psychologistisch-biologistischen“ Grundanschauung wurde er als „Psychofaschist“ betrachtet, den es mit allen Mitteln zu vernichten gilt.

Siehe auch Waren die Nazis „Rechte“?

Die antiautoritäre Gesellschaft am Beispiel des Ärztestandes

23. Juni 2012

ein Gastbeitrag von Dr. med. Mann

Hört man das Wort „antiautoritäre Gesellschaft“, denkt man an Rebellion oder gar „Emanzipation“. Manche werden sich fragen, ob dieser Begriff nicht ein fataler Fehlgriff ist, um eine Gesellschaft zu beschreiben, die (unter dem Deckmäntelchen der „Demokratisierung“) immer mehr Lebensbereiche reglementiert und bürokratisiert; was sich letzten Endes als weitaus repressiver entpuppt, als es die vielbeklagte „Repression in der bürgerlichen Gesellschaft“ je gewesen ist. Am Beispiel des Arzt-Berufs läßt sich zeigen, welch totalitäre Züge die antiautoritäre Gesellschaft annimmt, trotz vordergründig gegenteiliger Assoziationen bei dem Begriff „antiautoritär“.

Kaum ein Berufsstand war in der autoritären Gesellschaft geachteter als der des Arztes. Dabei spielten zwar Standesdünkel und Mystizismus („Halbgötter in Weiß“) hinein, aber diesem verzerrten Kontakt zum bioenergetischen Kern entsprach dennoch eine gewisse arbeitsdemokratische Rationalität. Es galt, was der Arzt sagte und verordnete. Das sorgte für einen gewissen Dezentralismus und autonome Strukturen. Kein Gesetzgeber, keine Regierung oder Versicherung kam auf den Gedanken, das fachärztliche Urteil anzuzweifeln oder an seiner Gültigkeit zu zweifeln. Patienten folgten widerspruchslos den Anordnungen und Verordnungen des Fachmanns.

Das hat sich grundlegend geändert und zeigt plastisch die fatalen Auswirkungen der antiautoritären Gesellschaft. Zunächst einmal versteht sich der Patient zunehmend als „kritischer Kunde“ und tritt mit einem entsprechend übersteigerten Anspruchsdenken an den Arzt heran, dem ganz offen Wunderkuren abverlangt werden, weil der Patient möglichst gar nichts tun (und nichts an sich und seinem „ungesunden Lebenswandel“ ändern) will – außer den Arzt zu kritisieren. Hiervon kann jeder Arzt „ein Lied singen“, der z.B. mit der „Einstellung“ eines Diabetes mellitus zu tun hat. Dazu passend, verstehen sich viele Ärzte und sogar Psychotherapeuten mittlerweile nicht mehr als „Heiler“, sondern als hochspezialisierte „Dienstleistungs-Anbieter“.

Dabei tritt der Arzt zunehmend in Konkurrenz mit Ratschlägen aus den Massenmedien und jeder Menge anderer „Fachleute“. Oder mit anderen Worten, seine Autorität wird ständig infrage gestellt. Fast jeder Patient (v.a. die jüngeren), der selber nullkommanull Erfahrungen mit Psychopharmaka hat, meint den Arzt (dessen entsprechende Empirie auf Tausenden von Fällen sowie auf seiner Kenntnis unzähliger wissenschaftlicher Studien beruht) gleich im Erstgespräch belehren zu müssen, daß das von ihm vorgeschlagene Medikament laut Google-Recherche ja „fürchterliche Nebenwirkungen“ habe. Tatsächlich ist deren Auftretens-Wahrscheinlichkeit jedoch gegebenenfalls geringer als diejenige, daß man sich beim Autofahren beide Beine bricht.

Der Arzt wird sogar als „Agent der Pharmaindustrie“ verdächtigt, d.h. als Geschäftemacher im Verbund mit „bösen Mächten“. An die Wirksamkeit der Medikation wird sowieso nicht mehr geglaubt, und es gibt ein ewiges Ringen um die „Compliance“ (also Krankheitseinsicht und Mitarbeit) des Patienten. Dieser Aspekt ist auch volkswirtschaftlich von großer Relevanz, da verschiedenen Untersuchungen zufolge etwa jede zweite ärztlich verschriebene Tablette nicht im Magen des Patienten landet, sondern im Müll oder der Toilette entsorgt wird.

Daraus sich ergebende ausbleibende Therapieerfolge werden natürlich dem Arzt angelastet: „die da oben“ haben immer schuld! Wenn man in ein Flugzeug steigt, funktioniert die Arbeitsdemokratie: jeder Passagier vertraut ganz selbstverständlich dem Piloten sein Leben an, da dieser ja im Gegensatz zu den Insassen „von der Pike auf gelernt“ hat, ein Flugzeug zu steuern. Im Gesundheitswesen ist es hingegen ganz anders: fast jeder Patient sieht sich selber als „kleinen Arzt“ oder Psychologen. So beklagte Wilhelm Reich schon zu seinen Zeiten, daß sich jeder „kleine Mann“ für einen psychiatrischen Experten hält, nur weil er selber Emotionen hat.

Hinzu kommt, daß genau wegen dieser grundsätzlich antiautoritären Haltung das Leben zunehmend „kollektiviert“ und bürokratisiert wird. Sie wirkt sich dadurch nicht etwa „emanzipatorisch“ aus, sondern läuft im Gegenteil auf eine totalitäre Kontrolle sämtlicher Lebensbereiche hinaus. Heutzutage verbringt ein Arzt fast die Hälfte seiner Arbeitszeit nicht etwa mit der Behandlung von Patienten, sondern damit, unzählige Schreiben zu verfassen und Formulare auszufüllen, um sich gegenüber viel weniger fachlich qualifizierten Sachbearbeitern von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen (die den Patienten und die Begleitumstände seiner Erkrankung gar nicht persönlich kennen), der Kassenärztlichen Vereinigung, Rentenversicherungsträgern, der Ärztekammer, Gerichten, Gutachtern für Psychotherapie-Anträge, dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen usw. ständig dafür zu rechtfertigen, ob die von ihm gestellte Diagnose und die darauf basierende Behandlung auch richtig ist.

Schon bei der Auswahl des geeigneten Medikaments ist der Facharzt nicht etwa frei (früher gab es mal die so genannte „Therapie-Freiheit“ des Arztes), sondern hat sich an verbindliche „Behandlungs-Leitlinien“ der Fachgesellschaften zu halten, wenn er nicht „mit einem Bein im Gefängnis stehen“ will. Das unsägliche „Punkte-System“ der Kassenärztlichen Vereinigungen mit Fallpauschalen bzw. „DRGs“ (Diagnosis Related Groups), „Richtgrößen-Volumen“ „Budgetierungen“ und entsprechenden Regreß-Forderungen bei deren Überschreitung, tun ihr Übriges, um den VerwaltungsAufwand (und den Frust des Arztes) extrem in die Höhe zu treiben.

Daß das „Gesundheits“-Wesen v.a. aus diesen Gründen hoffnungslos überbürokratisiert, organisiatorisch „gepanzert“, korrupt und konsekutiv viel zu teuer ist, ist eine der „heiligen Kühe“, die in der öffentlichen Diskussion tabu sind – schließlich geht es doch um den „Erhalt von Arbeitsplätzen“ (also z.B. die der über 100.000 „SOFAs“ = SozialversicherungsFachangestellten), was das Herz jedes Gewerkschafters und Sozialdemokraten höher schlagen läßt.

Parallel dazu hat der Gesetzgeber (ebenfalls im Rahmen der genannten „Demokratisierung“) neulich dafür gesorgt, daß die „Patienten-Rechte“ noch weiter gestärkt werden. Was sich auf den ersten Blick gut anhört, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als veritabler Schwachsinn. Jeder Patient kann jeden Arzt „einfach so“ wegen eines vermeintlichen Behandlungsfehlers auf unglaubliche Summen Schadensersatz verklagen. Pikanterweise muß dazu nicht etwa (wie im sonstigen Rechtssystem selbstverständlich) der Patient nachweisen, daß ein solcher Fehler geschehen ist, sondern der Arzt muß vielmehr vor Gericht selber den positiven Nachweis erbringen, daß er korrekt behandelt und nichts falsch gemacht hat! Was natürlich in der Konsequenz dazu führt, daß die umfangreiche schriftliche Dokumentation wichtiger wird als die Behandlung selber. Welcher Kassenpatient kennt nicht die (daraus resultierende) groteske Situation, daß der Facharzt während des Erstgesprächs den Patienten kaum noch ansieht, sondern bereits auf seiner PC-Tastatur wie wild Daten und Abrechnungsziffern eintippt? Dies ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Kontroll- und Regulationswut der Institutionen in Wahrheit zur zunehmenden Panzerung der Arzt/Patient-Beziehung führt, die doch eigentlich das „A und O“ einer jeden guten Behandlung darstellt.

Besonders perfide an dieser Art des systematischen Totalitarismus ist, daß man heute (im Gegensatz zu den Zeiten der autoritären Gesellschaft) nicht mehr auf einzelne „autoritäre“ Herrscher bzw. Individuen wütend sein kann, da die Entmündigung des Bürgers im ach so „demokratisch aufgeklärten“ Zeitalter sehr viel subtiler erfolgt durch die Allmacht der allgegenwärtigen Institutionen (die noch dazu vorgeben, sie täten das alles ja im Sinne der Bürger bzw. Patienten-Rechte).

So kommt es, daß Gesetze und Vorschriften zunehmend den Gestaltungsfreiraum des Arztes einschränken und ihn zu einem bloßen Rädchen im Getriebe machen, das zu funktionieren hat und das ja nichts aus eigenem Antrieb unternehmen darf. Gegenwärtig wird er sogar von umfassendem „Qualitäts-Management“ und „Zertifizierungs-Maßnahmen“ gepiesakt, was wirklich jeden Handschlag standardisiert und vor allem eins bedeutet: zusätzlicher Papierkram, der von der eigentlichen Arbeit abhält. Das Fachwissen und die Erfahrung des Einzelnen gelten nichts mehr. Er hat sich standardisieren zu lassen und muß sich vor irgendwelchen Gremien rechtfertigen, wenn er aus der Reihe tanzt.

Zu allem Überfluß nimmt der Druck von Seiten der privaten Versicherungen zu, und der Arzt muß sich immer mehr gegenüber irgendwelchen Sachbearbeitern rechtfertigen, weil beispielsweise die Medikation (ihrer Meinung nach!) nicht mit der Diagnose harmoniert. Da diese Auseinandersetzungen grundsätzlich über den Patienten laufen, wird so die Autorität des Arztes und das Vertrauen in den Arzt zusätzlich unterminiert.

Und schließlich kommt etwas zum Tragen, was insbesondere in Amerika den Arztberuf zu einem veritablen Alptraum gemacht hat: Patienten, die für ihr Leid ganz „antiautoritär“ immer andere verantwortlich machen, beginnen die rechtlichen Mittel auszuschöpfen. Groteskerweise geht es bei etwaigen Gerichtsverhandlungen aber gar nicht um den Arzt, sondern um seine Haftpflichtversicherung, die möglichst wenig an Entschädigung zahlen will und entsprechend den Arzt weiter entmündigt. Selbst wenn er einen Fehler gemacht hat, darf er den nicht offen einräumen! Er und andere dürfen aus seinen Fehlern nicht klug werden.

Eines der Hauptresultate von alledem sind explosionsartig steigende Kosten (nicht zuletzt aufgrund der der Haftpflicht), die gegenwärtig z.B. die Gilde der freiberuflichen Hebammen buchstäblich auslöschen. Dies und die damit einhergehenden schreienden Ungerechtigkeiten werden natürlich „dem Kapitalismus“ angelastet, was die antiautoritäre Ideologie weiter unterfüttert und nach mehr bürokratischer „Abhilfe“ ruft – so daß sich der Teufelskreis immer weiter fortsetzt.

Man kann sich den „Lösungsansatz“ etwaiger Reformer schon denken: es wird natürlich alles darauf hinauslaufen, „autoritäre Strukturen“ noch radikaler zu hinterfragen und die fachliche Autorität der Ärzte noch mehr zur Disposition zu stellen. Auf diese Weise zerstört die antiautoritäre Gesellschaft die Arbeitsdemokratie in einer scheinbar unaufhaltsamen Abwärtsspirale, während die frühere autoritäre Gesellschaft zumindest eine Karikatur der Arbeitsdemokratie bewahrte.

Am Ende wird vor allem einer der Dumme sein: der Patient und Steuerzahler, um den sich ja angeblich alles dreht und der alles bezahlen muß. Tatsächlich geht es aber bei dieser Angelegenheit jedoch nur um eines, nämlich um das auf den gesellschaftlichen Schauplatz verlagerte ödipale Drama – die „antiautoritäre Emanzipation“ mit ihrer infantilen Rebellion gegen die „Vaterfigur“ Arzt.

Die „Organmediziner“ sind in ihrer Position ziemlich sicher, da letztendlich doch die Realität, etwa in Gestalt eines Blinddarmdurchbruchs, die Oberhand behält und so für den Erhalt einer gewissen arbeitsdemokratischen Ordnung sorgt. Ganz anders sieht es aber im Bereich der Psychiatrie (sowie Psychotherapie, Psychosomatik udgl.) aus, die seit Beginn der antiautoritären Ära, also seit etwa 1960, von absurden Bewegungen wie der „Anti-Psychiatrie“ oder dem „Sozialistischen Patientenkollektiv Heidelberg“ und wirren Pseudo-Philosophen wie Michel Foucault grundsätzlich in Frage gestellt wird. Wer es wagt, „psychische Gesundheit“ zu definieren, steht gleich als „Nazi“ da.

Die drei großen Tabus in der antiautoritären Gesellschaft

16. Juni 2012

Elsworth F. Baker zufolge gibt es drei Tabus, die die autoritäre Gesellschaft zusammenhalten:

  1. Sex;
  2. Politik; und
  3. Religion.

Darüber darf nicht geredet werden. Man kann einwenden, daß über kaum etwas anderes geredet wurde, aber Genitalität war tabu (man denke nur an Reichs Erfahrungen in der Psychoanalyse!), es durfte nicht angerührt werden, daß all die hochtrabenden politischen Debatten Ausdruck von Neurose sind, und nichts mit der Arbeitsdemokratie zu tun haben, und es durften die Grundlagen der Religionen nicht in Frage gestellt werden. All das ist „intim“, „persönlich“, entspricht „inneren Überzeugungen“, etc.

In der antiautoritären Gesellschaft hat sich nichts daran geändert. Man denke nur einmal daran, daß Homosexualität groteskerweise nicht als Perversion bezeichnet werden darf! Wenn ich Staubsauger, Bernhardiner oder Kleinkinder sexuell begehre, bin ich pervers, schmierige Außenminister darf ich jedoch sogar heiraten!

Was die Politik betrifft: Man schaue sich folgende Debatte über den Islam an. Alles sehr mutig (das sage ich ohne Ironie), aber niemandem fällt auf, daß diese linken „Humanisten“ mindestens so verrückt sind, wie die Islamisten, die sie kritisieren. Niemand ist sich dessen gewahr, wie verpeilt und lächerlich dieser „Humanismus“ und dieses „Linkssein“ ist – daß es der vollkommen irrationalen Abwehr bioenergetischer Strömungen entspricht. Ganz nebenbei gesagt: diese Art von „Humanismus“ (Roter Faschismus) hat im letzten Jahrhundert 100 000 000 Menschen ermordet!

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Und was schließlich die Religion angeht, darf man alles anbeten, tibetische und hinduistische Götte etwa, aber wehe jemand deutet an, wie schlichtweg bizarr es ist, wenn ein Europäer die „weiße Tara“ anbetet. „Der wagt es meinen Glauben anzugreifen!“ Den Papst und Protestanten, die tatsächlich der Bibel folgen, darf man nach Belieben dekonstruieren, aber wehe man dehnt die Religionskritik auf beispielsweise die „östlichen Weisheitslehren“ aus! Dann gilt man plötzlich als „beschränkt“!

Betrachten wir die drei Tabus in der antiautoritären Gesellschaft:

  1. Sex: In Die sexuelle Revolution führt Reich aus:

    Gerade weil die autoritative Bindung selbst zu einem großen Teil unbewußt wird, entzieht sie sich der bewußten Beeinflussung. Es hat wenig zu sagen, wenn die unbewußte Bindung an die elterliche Autorität oft als Gegenteil, als neurotisches Revoltieren zum Ausdruck kommt; es vermag die sexuellen Interessen dennoch nicht zur Entfaltung zu bringen, es sei denn in Form triebhafter und unbeherrschter sexueller Aktionen, als krankhafte Kompromisse zwischen Sexualität und Schuldgefühl. (Fischer TB, S. 93)

    Darauf beruht heute die gesamte „öffentliche Sexualität“, man denke nur daran was Madonna und Lady Gaga an Pornographie in die Zimmer unserer Kinder tragen. Es geht wirklich nur um eins: „Dafür strafe ich dich, du geiles Stück!“

  2. Politik: Wie Charles Konia ausgeführt hat, bedeutet „Linkssein“ vor allem eines: der soziale Aktivismus soll das Gewissen erleichtern, die Schuldgefühle verschwinden lassen und dergestalt den bioenergetischen Druck senken. Wehe jemand spricht das an!
  3. Religion: In der autoritären Gesellschaft war letztendlich die Religion für die Lösung der Frage nach den Schuld zuständig: Vergebung. In der antiautoritären Gesellschaft verschwindet hingegen die Religion, d.h. (verzerrter) Kernkontakt, immer mehr. Dort, wo noch Religion zu finden ist, wird sie zu einer „Religion ohne Gott“, d.h. eine „Religion“ ohne (wie auch immer verzerrten) bioenergetischen Kontakt. Man denke nur an den Siegeszug des Buddhismus (oder dessen, was Europäer für „Buddhismus“ halten). Gott ist ein größeres Tabu als jemals zuvor.

Nach wie vor haben erstens die Funktion des Orgasmus, zweitens die Arbeitsdemokratie und drittens die Entdeckung des Orgons keinen Platz in der gepanzerten Gesellschaft.

Eine geile Party im Swingerclub

13. Juni 2012

Der Ökonom und Psychoanalytiker Mark Stein von der University of Leicester School of Management hat in einer Studie dargelegt, daß die Ökonomien des Westens im 20 Jahre andauernden Vorlauf zur Kreditkrise von 2008 das gleiche manische Verhalten aufwiesen wie bestimmte psychisch gestörte Menschen. Ökonomen und Politikern sei eine „Kultur der Manie“ gemeinsam gewesen, die gekennzeichnet war durch Verleugnung, Allmachtsphantasien, Triumphalismus und Überaktivität. Genau wie bipolare Patienten in der manischen Phase wurde jede Vorsicht in den Wind geschlagen. Ohne Rücksicht auf das Risiko wurde Geld verliehen bzw. geliehen. Stein warnt:

Solange die manische Natur der Reaktionsweise im Vorfeld von 2008 nicht erkannt wird, kann sich die gleiche ökonomische Katastrophe erneut zutragen.

Alle allzu deutlichen Warnhinweise und die Erfahrungen des Zusammenbruchs der japanischen Ökonomie von 1991 (von dem sich Japan bis heute nicht erholt hat!) und der südostasiatischen Krise von 1998 wurden ignoriert. Die politischen und ökonomischen Führungsetagen hätten, so Stein, unisono auf derartige Einbrüche mit ausgesprochener Angst reagiert. Statt jedoch ihre Lektion zu lernen, hätten sie manisch und auftrumpfend reagiert, um die Überlegenheit ihrer eigenen Ökonomien zu zeigen. Es wurde fleißig dereguliert und Geld in hochriskante Kreditgeschäfte investiert.

Stein bringt das ganze mit den Triumphgefühlen des Kapitalismus nach seinem Sieg über den Kommunismus Ende der 1980er Jahre in Zusammenhang. Doch wer damals das Geschehen verfolgt hat, wird sich erinnern, daß diese Zeit ganz im Gegenteil von einem verstörenden Mangel an Triumphgefühlen gekennzeichnet war, wie sie für einen „Sieger“ nur natürlich gewesen wären. Was wir tatsächlich beobachten sind die langsam aber sicher zum tragen kommenden Auswirkungen der antiautoritären Gesellschaft, die sich seit etwa 1960 formiert.

Sowohl bei den Individuen als auch in der Gesellschaft hat die Panzerung nachgegeben, was zu einem erhöhten Angstniveau geführt hat, dem mit einem manischen Verhalten gegengesteuert wird, da gleichzeitig die Fähigkeit abgenommen hat Angst auszuhalten, d.h. in der muskulären Panzerung zu binden. Je größer die Krise, desto „verrückter“ das Verhalten. Daher der Kult der Expansion, den wir gegenwärtig insbesondere in der Wirtschaftspolitik Obamas und der der Eurozone beobachten können. Liest man Zeitung, bekommt man den Eindruck man habe es mit durchgeknallten „Junkies“ zu tun.

Die Verbindung zum manisch-depressiven bzw. „bipolaren“ Verhalten, wie es die Psychotherapeuten aus ihrer Praxis kennen, ist offensichtlich. Der manisch-depressive Charakter leidet unter einem „unbefriedigten oralen Block“, was, wenn dieser und mit ihm die Depression nachgibt, zu einer Überschwemmung des okularen Segments mit Erregung und damit zum entsprechenden quasi psychotischen manischen Verhalten führt. Das geschieht, weil der Wegfall der körperlichen (in diesem Fall oralen) Panzerung durch eine um so stärkere okulare Panzerung kompensiert werden muß.

Die Verbindung zwischen Panzerstruktur und Ökonomie ist sehr weitreichend, denn Kreditvergabe und Kreditaufnahme, die den Kern des Kapitalismus ausmachen, sind funktionell identisch mit der Fähigkeit des Organismus eine angemessene bioenergetische Ladung und d.h. einen angemessenen Wechsel von Ladung und Entladung aufrechtzuerhalten. Bricht die Panzerung zusammen, verliert der Organismus diese Fähigkeit. Das sieht man in der heutigen Gesellschaft, wo die Menschen zunehmend weniger körpergepanzert, dafür aber immer mehr okular gepanzert sind: Spannung (Ladung) wird nicht mehr ertragen zw. kurzschlußartig in „Manie“ umgesetzt. Lehrer, Jugendbetreuer, Personalmanager wissen wovon ich spreche.

Diese bioenergetischen (und nicht nur, wie Stein glaubt, tiefenpsychologischen) Zusammenhänge finden ihren unmittelbaren Niederschlag in der Ökonomie, d.h. konkret in der Kreditaufnahme und –abgabe. Bioenergetische Ladung („Geld“) kann nicht mehr gehalten werden, sondern beginnt buchstäblich „zu fließen“ in einer Art Keynesianischen (krypto-Gesellianischen) Alptraum. Es ist ungefähr so wie in einem „enthemmten“ Swingerparadies, wo jeder Anflug von sexueller Spannung als Angst verspürt wird und sofort triebhaft abgeführt werden muß.

Der Orgonenergie-Haushalt der Wirtschaft selbst ist grundlegend gestört. Linke sprechen in diesem Zusammenhang von „Casino-Kapitalismus“, während Rechte beispielsweise im Sinne der katholischen Soziallehre an die Moral appellieren. Tatsächlich haben wir es jedoch mit bioenergetischen Vorgängen zu tun, die psychoanalytisch geprägte Denker wie Stein zumindest erahnen.

Charles Konia hat die entsprechenden wirtschaftlichen Vorgänge wie folgt orgonometrisch dargestellt:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=BOHwqdv20E0%5D