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Nicht metaphysisch, sondern kosmisch!

7. Dezember 2018

In Die kosmische Überlagerung erschließt Reich, daß die Ausdruckssprache des Orgasmusreflexes zwar überindividuell sei, „doch nicht metaphysisch oder mystisch, sondern kosmisch“ (S. 51).

Wenn der Naturwissenschaftler das Wort „kosmisch“ in solchen Zusammenhängen hört, entsichert er sofort seinen Revolver… Was meint hier also Reich konkret mit „kosmisch“? Eine „kosmische“ Betrachtung im Reichschen Sinnen impliziert, das bestimmte Prozesse auf allen Größenebenen identisch funktionieren, d.h. auf der Mikro-, Meso- und Makroebene, desgleichen in allen Funktionsbereichen (beispielsweise im Organismus und bei der Galaxie, im Lebendigen und im Bereich der toten Materie, etc.). Sie sind „kosmisch“, im Sinne von invariant. Reich hat das in Die kosmische Überlagerung durchexerziert.

Diese „invariante“ Betrachtungsweise kann leicht metaphysisch (mystisch) fehlgedeutet werden, d.h. Hinterwelten werden postuliert, die kurzschlußartig unmittelbar (mechanisch!) auf alles einwirken: Gott, der „Äther“, „geistige Wirkstrukturen“, etc. Reich hat sich mit dieser „absoluten“ Betrachtungsweise in Äther, Gott und Teufel kritisch auseinandergesetzt.