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Antwort auf David Boadellas „Occupational Hazards in Orgonomy“

14. März 2019

von Paul Mathews

Zunächst sei ein für alle Mal klargestellt, daß Wilhelm Reich nie verrückt geworden ist, bezeugt nicht nur durch den vom Gericht bestellten Psychiater, sondern auch von denjenigen, die ihn persönlich kannten; von Anfang an bis zum Tag seines Todes engen Kontakt und Umgang mit ihm hatten. Bis zum Ende, als er kurz zuvor noch sein letztes Buch in der Gefängniszelle abgeschlossen hatte, war er vollauf Herr seines Urteilsvermögens und seiner Geisteskräfte. Er wurde sowohl nach klassischen als auch nach orgonomischen Maßstäben als vollkommen geistig gesund von Leuten beurteilt, die dazu am sachkundigsten waren, was ihre Kenntnisse der Psychiatrie, seines Lebens und die direkte unmittelbare Beobachtung angeht. Die Angriffe auf die geistige Gesundheit Reichs sind von denen ausgegangen, die inkompetent sind und nie in irgendeiner Weise persönlichen Kontakt zu Reich hatten. Bei diesen Angriffen handelt es sich daher definitionsgemäß um Angriffe der Emotionellen Pest und durch Modju (eine spezifische Form der Pest, die solange unersättlich ist, bis sie ihr Opfer tatsächlich getötet hat). Boadellas Artikel veranschaulicht dies:

Die Schlange entblößt ihre Reißzähne, während sie zischt und faucht und dann auf das Opfer stürzt, wobei sie ihre giftigen Reißzähne tief in seinen Hals versenkt. Die Schlange ist ein „Laientherapeut“ namens David Boadella – selbst der „Therapie“- und „Ausbildungs“-Frankenstein des „Laientherapeuten“ Paul Ritter. Boadella kann sehr wohl Resultat von Ritters schimärischen und miasmatischen Vorstellungen von „Therapie“ sein.

Boadellas Artikel ist natürlich ein weiterer plumper Versuch den Einfluß und die Bedeutung von Reich und der Orgonomie zu zerstören – in einer langen Reihe derartiger Versuche (mit ihren Verflechtungen und ihrem System von Kettenreaktionen) – und nichts weniger als das. Es ist das „ad hominem“, um alle „ad hominems“ zu „ad hominem“. [Gemeint ist: Boadella immunisiert sich gegen „persönliche Angriffe“ (Mathews nennt ihn „Modju“), indem er Reich persönlich angreift (Boadella bezeichnet den Schöpfer des Konzepts „Modju“ als „Verrückten“), PN.] Es ist das Werk Modjus von seiner frühesten salbungsvollen Vorspiegelung von Freundlichkeit bis zu seinem letzten „Mörder-Angriffen“ auf das Leben und die Arbeit eines Mannes, neben dem der Angreifer sich ausmacht wie eine faulige Kloake im Vergleich zu einem Ozean. Es ist Viertelwahrheit und dick aufgetragene Verzerrung, gezeugt durch Neid, Ignoranz und Schrecken. Es ist die größt denkbare Impertinenz!

Modju weiß sehr gut, wie er die Angst, den Haß und den Verdacht der Menschen gegen sein Opfer wecken kann, indem er es durch Verdrehungen mit den Kräften des Schwarzen Faschismus in eine Reihe stellt. Modju weiß, wie er an die Angst vor Bewegung und starkem Handeln bei den Menschen appellieren kann, indem er die Bedeutung einer ärztlichen Einschätzung der Pest (Modju selbst) so verzerrt, daß sie dasselbe bedeutet wie München, Panmunjom und andere derartige „medizinische“ Ansätze. Er weiß, wie mit der Prämisse zu beginnen ist, sein Opfer leide unter „Paranoia“ (direkt aus den psychopolitischen Lehrbüchern aus „Modjuland“), und „einen Fall“ mit solchen „Autoritäten“ wie dem „entscheidenden“ Jack Green [ein „Reichianischer“ „Beatnik“ aus dem Greenwich Village der 1950er Jahre] und mit dem Mißbrauch von Myron Sharafs Aussagen, die von den Prämissen Modjus eingekreist sind, „aufzubauen“.

Modju hat sich nie die Mühe gemacht und die Arbeit auf sich genommen, das Material aus erster Hand an seiner Quelle zu studieren, um sich mit einer echten Therapie von Unreinheiten zu befreien (schließlich hatte Reich nie eine Orgontherapie – warum sollte also Modju eine haben?) – weil das das Ende von Modju bedeuten würde – und er weiß das! Modju hat nie Monate damit verbracht, die Atmosphäre und andere Phänomene in Arizona oder Maine zu untersuchen (er war zu sehr damit beschäftigt, das zu verzerren und dann zu generalisieren, was er ohne Verständnis gelesen hat). Er hat niemals harte Arbeit aufgebracht und auch nicht unter der Verfolgung gelitten, die er selbst seinem Opfer, dem echten Wissenschaftler und Arbeiter, angedeihen läßt. Er will aus zweiter Hand Kraft und Frieden schöpfen, indem er seinen „großen Peiniger“ zerstört.

Glücklicherweise hat uns der „große Peiniger“ jedoch beigebracht, Modju zu sehen und zu verstehen – wie er ihn vor 1950 und 1947 und sogar schon lange vorher gesehen und verstanden hat.

Wir haben gut gelernt, die „no see-ems“ zu sehen. [Winzige und deshalb „unsichtbare“ blutsaugende Mücken. Reichs Bild für den hinterhältigen und feigen pestilenten Charakter, der aus dem Verborgenen mit übler Nachrede arbeitet, PN.]

 

Aus der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 7 (1961), No. 3-4, S. 218f.

Ad hominem

13. Juli 2011

Reich hebt (z.B. im Vorwort von Der Krebs) hervor, daß man im sozialen Verkehr nicht die Techniken der charakteranalytischen Individualbehandlung anwenden könne. Es geht nicht an, daß man in aller Öffentlichkeit die angeblichen „charakterlichen Probleme“ von wem auch immer anspricht. Dafür ist in der Arztpraxis Platz, in persönlichen Aufzeichnungen, persönlichen Briefen oder im Austausch mit engen Freunden. In der Öffentlichkeit wirkt es deplaziert wie etwa das demonstrative heftige Austauschen von Zärtlichkeiten zwischen Liebenden an öffentlichen Orten.

Ohne eine gewisse Zurückhaltung ist ohnehin jedes erquickliche soziale Miteinander unmöglich. Das ist schlichtweg selbstevident!

Im sozialen Verkehr hat einzig und allein die Technik der Sozialen Psychiatrie Raum und selbst hier hat Reich seine Schüler davor gewarnt, daß dies nur die am besten ausgebildeten Psychiater ausüben können. Imgrunde nur er selbst! Ich habe mich damit in Reichs „Sozialpsychiatrie“ beschäftigt.

Dabei geht es vor allem um das öffentliche Bloßlegen verborgener Motivationen. Genau dies geschieht ohnehin alltäglich in den Medien, wo ständig über irgendwelche „verborgenen Motive“ spekuliert wird. Teilweise artet das in regelrechte Verschwörungstheorien aus. Dabei reicht bei Politikern doch meist schon der Hinweis, daß es ihnen gar nicht um Sachthemen geht, sondern um die irrationale Motivation als eine bedeutende Persönlichkeit in die Geschichtsbücher einzugehen, die etwa, gegen jeden Sinn und Verstand, Europa mit der Einführung des Euro vereinigt hat.

Nehmen wir mich, Peter Nasselstein, als Beispiel. Es wäre wirklich grotesk, würde man (je nach Photo) auf meine zu dünnen oder zu dicken Lippen hinweisen und aus solchem Zeugs ein „Psychogramm“ meiner Person erstellen. Surreal! Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man meine Motive infrage stellen würde – und zwar wohlbegründet: „Geht es ihm wirklich um Sachfragen oder will er nicht vielmehr mit über 900 Artikeln durch schiere Masse auftrumpfen?“ Diskussionswürdig, solange niemand mit „Thesen“ kommt, wie der, daß mich meine Mutter nie beachtet hat und ich deshalb…

Wie grundsätzlich sinnlos derartige Diskussionen sind, wird aus der möglichen Antwort evident: Anscheinend sei mein Kritiker zu gepanzert, biophysisch zu unbeweglich, um nachvollziehen zu können, daß man etwas aus reiner Freude tun könne.

Auf diese Weise werden tiefe orgonomische Wahrheiten in oberflächliches kontaktloses Geschwafel transformiert!

In die Soziale Psychiatrie paßt auch Bakers soziopolitische Charakterologie. Sie macht in der Arztpraxis nur bedingt Sinn, da man sie kaum mit der individuellen Panzerung korrelieren kann – sehr wohl aber im öffentlichen Leben und dies ist auch der Ort, wo der Therapeut ansetzen muß: Aufklärung der Öffentlichkeit über die wahren Motive ihrer angeblichen „Vertreter“.

Umgekehrt macht die individualpsychiatrische Charakterologie im öffentlichen Leben keinerlei Sinn und ist sogar kontraproduktiv. Angemessen ist es allenfalls, wenn es denn angebracht ist, die verborgene Motivation im Alltag bloßzulegen. Etwa in der Anekdote, die Lois Wyvell erwähnt hat. Ein Student hielt auf Orgonon einen sehr komplizierten und „tiefsinnigen“ Vortrag, dem keiner folgen konnte. Worauf Reich trocken fragte, ob der Vortragende überhaupt selbst das verstanden habe, was er da referiert hat. Worauf der Student verzweifelt auf sein unverständliches Manuskript verwies. Es geht hier einfach um den Drang wichtiger, „tiefer“ und gedankenvoller zu erscheinen, als man wirklich ist. Es geht um das Bloßlegen von Kontaktlosigkeit und die Herstellung von Kontakt. Das „Herumpsychologisieren“ oder gar „Herumcharakteranalysieren“ hingegen verbessert in keinem Fall den Kontakt, sondern trägt nur noch weiter zur allgemeinen Kontaktlosigkeit bei.

Egal ob nun jemand ein genitaler, neurotischer oder pestilenter Charakter ist, es wäre angebracht und man könnte sich nicht rechtfertigen, wenn er sich gegen den Hinweis auf seine „charakterlichen Probleme“ aufs allerschärfste verwahren würde! Ganz anders sähe es aus, wenn man seine verborgene Motivation offengelegt hätte: ein genitaler Charakter würde sich darüber freuen, daß ihm geholfen wird noch realitätsgerechter zu funktionieren (denn selbst ein genitaler Charakter kann natürlich nie „perfekt“ und von neurotischen Mechanismen ganz frei sein); ein neurotischer Charakter würde mit Angst reagieren und, wenn er sich dieser Angst stellt, etwas aus dieser Offenlegung seiner unbewußten Motivation machen können, sich also bessern; ein pestilenter Charakter würde aber mit aller Macht und Gemeinheit zurückschlagen, von Unverschämtheit sprechen, seinerseits die Motivation seines Gegenüber in Frage stellen, etc. Auf diese Weise wird das Offenlegen verborgener Motivationen selbst zu einem Instrument der sozialpsychiatrischen Diagnostik. Während der individualpsychiatrische Hinweis auf „charakterliche Probleme“ nirgendwo hinführt, keinen diagnostischen Gewinn bringt und in jeder Hinsicht kontraproduktiv wirkt.

Es kann sogar ausgesprochen pestilent sein. Mich hat mal ein amerikanischer Orgonom heftig zusammengestaucht, als ich im Gespräch eine bestimmte Person in der deutschen Reich-Szene als „schizophren“ abqualifizierte. Das sei unerhört, was mir denn einfalle diesen Begriff zu benutzen, um jemanden schlechtzureden. Er habe viele Schizophrene behandelt, kenne viele, sei mit vielen befreundet.

Das kann man auf jede psychische Erkrankung übertragen: es geht nicht an, herablassend über seine Mitmenschen zu sprechen, weil sie emotionale Probleme haben. Das gilt selbst für Therapeuten. Sie müssen nicht „gesund“ sein und sie sollen keine „Gurus“ sein, nach denen man sich ausrichtet. Es geht schlicht und ergreifend darum, daß sie in ihrer Lehrtherapie soweit ihre eigenen Probleme bewältigt haben, daß diese dem therapeutischen Prozeß nicht im Wege stehen. Natürlich muß auch die Chemie stimmen, aber das ist einzig eine Sache zwischen den beiden Personen (Arzt und Patient) und geht sonst niemanden etwas an.

Daß man sich eine eigene Meinung über seine Mitmenschen bildet und „sich seinen Teil denkt“ ist jedem unbenommen, aber man kann das unmöglich öffentlich machen. U.a. deshalb hat Reich darauf insistiert, daß sein Archiv 50 Jahre nach seinem Tod versiegelt bleibt. Er konnte davon ausgehen, daß nach dieser Frist die meisten seiner Zeitgenossen weit jenseits der 80 bzw. schon lange tot sein würden. Ich kann mir nicht vorstellen, daß er es beispielsweise gutgeheißen hätte, daß der arme Paul Ritter schon vor dieser Frist erfahren hat, was Reich wirklich von ihm hielt. Siehe dazu die für mein Dafürhalten gegen Reichs Intentionen bereits 1983 erschienene Korrespondenz mit Neill Zeugnisse einer Freundschaft.

Und was ist mit dem Kampf gegen die Emotionelle Pest? Die Emotionelle Pest ist dadurch gekennzeichnet, daß die vorgeschobenen Motive nicht mit den wahren Motiven übereinstimmen. Man denke etwa an die propalästinensischen Aktivisten, denen das Schicksal anderer Völker, etwa die Zwangsarabisierung der Berber, vollkommen gleichgültig ist. Sie geben einen Dreck auf die sogenannten „Palästinenser“, tatsächlich wollen sie nur ihren Judenhaß ausleben.

Die Pest arbeitet mit dem, was man im Englischen als „character assasination“ bezeichnet und ungenügend mit „Rufmord“ übersetzt. Hier wird wild drauflos psychologisiert. Es wird grundsätzlich „ad hominem“ argumentiert und charakteristischerweise die geistige Gesundheit in Abrede gestellt. Das fängt auf dem Schulhof an, wo mißliebige Mitschüler als „kaputte Typen“, „Spastiker“, etc. abqualifiziert werden und hört mit dem politischen Mißbrauch der Psychiatrie auf („Schizophrenie“ unter dem Kommunismus).

Ist die Frage nach der Motivation nicht ebenfalls eine öffentliche Bloßstellung? Die Frage nach der Motivlage ist eine Frage nach der moralischen Integrität einer Person. Diese geht offensichtlich die Mitmenschen etwas an. Kann man der Person vertrauen? Ist sie „ganz“ oder ist sie „geteilt“ und sticht einen in den Rücken, wenn man sich von ihr abwendet? Jenseits davon hat die Öffentlichkeit der „biophysische Zustand“ oder die „Charakterstruktur“ dieser Person nichts anzugehen.

Nehmen wir wieder mich als Beispiel. Vor sehr vielen Jahren hatte ich bei xyz „Orgontherapie“. Im Nachhinein mußte ich dann erfahren, daß diese Person anderen „Patienten“ mitgeteilt hatte, daß „Nasselstein ein Schizophrener ist“. Nun, das ist Emotionelle Pest. Wenn ich umgekehrt die fehlende Integrität dieser Person bloßstelle, dann ist das das Gegenteil von Pest, d.h. ich spiele das Spiel der Pest nicht mit.

Übrigens gegen „character assasination“ kann man sich kaum wehren, denn alles was man tut oder bleiben läßt, kann entsprechend der „Diagnose“ interpretiert werden. Hingegen ist nichts leichter als seine eigene Integrität zu beweisen!